Einzelbild herunterladen

ttr.225 zweites Blatt Eichener Anzeiger (Seneral-Anzeiger für Vbecheffen) Mittwoch. 2".5cp!ember I45b

Lustverkehrsweg Tlordatlantik.

Eine neue Aufgabe für die Verkehrslustfahrt.

Don Peter Burg.

Seit England seine Fernost-Luftverkehrsstrecke bis nach Australien vortrieb, sind alle fünf Erdteile durch die Handelsluftfahrt miteinander verbunden. Auch der Pazifik, den die Vereinigten Staaten als ihre ureigene Domäne betrachten, kann nach den Flügen mit den Großflugbooten vom Clipper-Typ als luftverkehrsmäßig erschlossen gelten. Einzig und allein fehlt immer noch die Brücke über das verkehrsreich st e Weltmeer, den Nord- a t l a n t i k, um den und das ist bezeichnend für die großen Schwierigkeiten, die das Nordatlantik­flugproblem birgt bereits seit Jahrzehnten von allen interessierten Nationen gerungen wird. Sehen wir von den mehr oder weniger phantastischen und auch erfolglosen Versuchen früherer Zeiten ab, und beginnen wir erst im Jahre 1919, als A 1 c o ck und Brown von Neufundland nach Irland flogen, so ist es eine endliche lange Kette wagemutiger und opferbereiter Taten gewesen, die zur Lösung dieses wichtigsten Luftverkehrsproblems beitragen sollten und doch nichts anderes waren, als einmalige Hu­sarenstücke, Einzelleistungen, Pionierwagnisse, die zwar viel dazu beitrugen, bisher nicht geklärte Fragen zu beantworten, für die Schaffung eines Luftverkehrs jedoch ohne entscheidende Bedeutung blieben.

Drei Flüge waren es vor allem, die das Interesse auf den Nordatlantik hinlenkten: 1927 flog Charles Lindbergh von Neuyork nach Paris, 1928 be­wältigten Köhl, Hünefeld und F i tz m a u - r i c e als erste den Flug von Osten nach Westen, 1930 folgte Wolfgang v. Gronau, der über Island und Grönland nach Amerika flog. L i n d- b e r g h s Verdienst ist es zweifellos, durch seine schneidige Leistung bahnbrechend gewirkt zu haben, Köhl, Hünefeld und Fitzmaurice, die mit einem deutschen Verkehrsflugzeug, das nur über einen 325pferdigen Motor verfügte, das große Wag­nis unternahmen, durften schon das Verdienst für sich in Anspruch nehmen, etwas Entscheidendes für den Luftverkehr getan zu haben. Wolfgang v. Gro­nau dagegen führte bereits 1930 (deutlicher noch 1931 und 1932) mit einem Verkehrsflugboot einen Flug durch, der nach Anlage und Vorbereitung ein reiner Verkehrsflug war. Trotzdem find Jahre vergangen, ohne daß der planmäßige Luft­verkehr zwischen Europa und den Vereinigten Staaten Wirklichkeit geworden ist.

Warum. .? Flog 1933 nicht Luftmarschall B a l- b o mit einem ganzen Geschwader von Flugbooten nach Amerika? Folgten den ersten Pionieren nicht viele glückliche Nachahmer? Ja! aber der plan­mäßige Luftverkehr, dessen Grundlagen Regel­mäßigkeit, Sicherheit und Pünktlich­keit sind, braucht andere Voraussetzungen als Ein­zelflüge, selbst wenn sie im Verbände durchgeführt werden Und die einzige Route, die schon lange als luftverkehrsr'eif anzusehen ist, der Weg über Island und Grönland, ist keineswegs das ganze Jahr hindurch zu betreiben, sondern immer nur ein paar Monate hindurch, ganz zu schweigen von den Schwierigkeiten, die der Nachschub und die Orga­nisation in Grönland und in Labrador bereiten würden. Das ist auch der Grund weswegen es still geworden ist um die sogenannteGronau-Route". Man hat erkannt, daß für den planmäßigen Dienst nur zwei Wege nämlich der direkte, der etwa dem Schnelldampfer-Kurs folgt, oder der von Portugal über die Azoren und die Bermudas-Inseln nach den Vereinigten Staaten führende, in Betracht kommen.

Nach Ablauf des Monopolvertrages mit Frank­reich, das jedoch während der ganzen Vertrags- daue'r keinerlei praktische Versuche unternommen hat, sind die Azoren als Srungbrett für die interessierten Nationen frei. England, das sich

bemüht, das Kanadische Dominion durch eine Luft­verkehrsstrecke näher an das Zentrum Großbritan­niens zu rücken, und Deutschland, das durch seinen planmäßigen Luftverkehr nach Südamerika auf rund 200 planmäßigen Ozeanflügen den über­zeugenden Beweis für seine führende Stel­lung auf dem Gebiet des transatlan­tischen Luftverkehrs erbracht hat, haben darum mit Portugal Abkommen getroffen, die es ihnen gestatten, Versuchsflüge unter Verwendung der Azoren durchzuführen. Beide Länder haben auch mit den Vereinigten Staaten ähnliche Verträge ge­schlossen, die auf Gegenseitigkeit beruhen, da auch Nordamerika die Absicht hat, in Kürze Versuche zur Schaffung eines planmäßigen Dienstes nach Europa aufzunehmen. Der am günstigsten unter­teilte Weg führt von den Azoren zu den englischen Bermudas-Inseln und erst dann weiter nach Neu­york. Für England und die USA. bestehen also keine Schwierigkeiten, wohl aber für Deutschland. Es ist jedoch zu hoffen, daß England in seiner ge­radezu sprichwörtlichen Fortschrittlichkeit die Ge­nehmigung für deutsche Versuchsflüge nicht verwei­gern wird.

Es liegt auf der Hand, daß die durch die neiden Inselgruppen unterteilte Route dem nur über See­strecken führenden Dampferweg vorzuziehen ist. Für den Luftverkehr kommt es ja auch nicht darauf an, Strecken mitfliegenden Tanks" zu überwinden, sondern vor allem Nutzlast zu befördern. Aus diesem Grunde auch wegen der größeren mete­orologischen Schwierigkeiten scheidet daher zu­nächst die direkte Strecke aus und alles Interesse konzentriert sich auf denAzorenweg". Auf ihm werden wir bereits in den nächsten Wochen die ersten Versuche erleben, denen hoffentlich Erfolg beschieden sein wird.

Während sowohl die Vereinigten Staaten als auch England die Absicht haben, den Nordatlantik mit Großflugbooten zu überfliegen, will Deutschland diese Strecke mit Flugbooten, wie sie auch im Südatlantik-Dienst Verwendung finden, unter Ein­satz der bekannten schwimmenden Flugstützpunkte überwinden. Bekanntlich verfügt die Deutsche Luft­hansa bisher über drei Flugstützpunkte, dieW e st - f al e n", dieS ch w a b e n l a n d" und dieOst- mar k". Das zuletzt genannte Schiff, das erst kürz­lich in den Dienst gestellt wurde, ist der erste reine Flugstützpunkt, während die anderen Fahrzeuge als eh-malige Frachter erworben und entsprechend um­gebaut worden sind. DieOstmark" als reines Kü­stenfahrzeug versieht ihre Aufgabe an der westafri­kanischen Küste in der Mündung des Gambia- Flusses. DieWestfalen" liegt bei der Insel Fer­nando Noronha vor der brasilianischen Küste. Der größte bisher vorhandene Flugstützpunkt, das Mo­torschiffSchwabenland", ist durch die Indienst­stellung derOstmark" für die Nordatlantik-Versuche freigeworden. Wie im Südatlantik wird auch im Nordatlantik die Aufgabe der Flugstütz­punkte hauptsächlich darin bestehen, dem schwer­beladenen Flugboot den Start zu erleichtern, indem es die Maschinen mit Hilfe der an Bord befind­lichen Großflugzeugschleuderanlage in die Luft schießt. Dadurch wird der gefährliche und bei gro­ber See meist sogar unmögliche Wasserstart ver­mieden.

Als Flugboot wird das mit zwei Junkers-Schwer­ölmotoren ausgerüstete Flugboot Dornier Do. 18 eingesetzt, das während der letzten Monate einer harten Erprobung unterzogen wurde. Wie lei­stungsfähig der einzig im deutschen Luftverkehr ver­wendete Junkers-Dieselmotor ist, hat erst vor wenigen Tagen der großartige Ohnehaltflug einer Junkers Ju 86 von Dessau nach Brathurst

(Britisch-Gambien), der afrikanischen Basis des Südatlantikdienstes der Deutschen Lufthansa gezeigt, bei dem 6000 Kilometer ohne Zwischenlandung in nur 18 Stunden zurückgelegt wurden. Der große Vorzug des Schwerölmotors ist sein geringer Be­triebsstoffverbrauch. Er erhöht dadurch einmal die Reichweite des Flugzeugs, zum anderen steigert er aber auch die Zuladungsmöglichkeiten. Das lst für einen Verkehr nach den Vereinigten Staaten von größter Wichtigkeit. Uebrigens wird das Flugboot Dornier Do 18 mit Dieseltriebwerk auch auf dem Südatlantik den zu langsam gewordenen alten Dornier-Wal ersetzen.

Wollen England und Amerika auf der Nordatlan- tik-Route neben der Luftpost auch Fluggäste beför­dern, so beschränkt sich Deutschland einzig und allem auf den Luftpo st verkehr, soweit Dienst mit Flugzeugen in Frage kommt. Dadurch, daß sowohl unsere Verkehrsflugzeuge als auch die Luftschiffe Hindenburg" undGraf Zeppelin" die Zeichen des neuen Deutschland über die Weltmeere tragen und in aller Welt unseren Willen bekun­den, in friedlicher Zusammenarbeit mit den ande­ren Nationen Aufbauarbeit zum Segen von Wirt­schaft und Verkehr zu leisten, ist eine natürliche und selbstverständliche Arbeitsteilung geschaffen worden. Solange die heutigen technischen Voraus­setzungen bestehen, das heißt: solange das Flugzeug nicht in der Lage ist, dem Fluggast diejenige Be­quemlichkeit zu bieten, die er auf längeren Strecken von einem neuzeitlichen Verkehrsmittel verlangen darf, gebührt das Vorrecht der Beförderung von Passagieren im Uebersee-Lustverkehr dem Luft­schiff, das diesen Vorzug in reichstem Maße auf­

weist. Die Post dagegen, das eilbedürftigste Gut, muß das Luftschiff wiederum dem ihm in bezug auf die Geschwindig-Lit weit überlegenen Flugzeug überlassen. Aus diesem Grunde haben die bevor­stehenden deutschen Versuche zur Schaffung eines Luftverkehrs über den Nordatlantik allein einen Luftpoftdienst zum Ziel.

Als wir vor ganz nicht langer Zeit von den Hochstraßen der Luft" sprachen, also denjenigen Verbindungen, auf denen das Verkehrsflugzeug feine ureigene Aufgabe erfüllen sollte, dachten rott an Strecken wir BerlinLondon, BerlinParis, vielleicht auch schon an BerlinAthen. Die stür­mische Entwicklung des Luftverkehrs, die das Ver­kehrsflugzeug in knapp anderthalb Jahrzehnten olle Erdteile erobern ließ, hat diesen Begriff verscho­ben. Nachdem das Flugzeug die weiten Wasser- wüsten, die trennend zwischen den Erdteilen lie­gen, überwand, kann man eigentlich nur noch die Ätlantikstrecken so bezeichnen.

Probleme müssen reifen; sie brauchen ihre Zeit. Uns scheint, daß das Nordatlantikflugproblem j'tzt endlich soweit ist, daß es gelöst werden kann. Schon die nächsten Monate werden uns Klarheit bringen. Wir wollen wünschen und hoffen, daß unsere deut­sche Handelsluftfahrt, die im Südatlantik Schweres gemeistert hat, die auch im Nordatlantik als erste durch den Schleuderflugdienst von Bord der Damp­ferBremen" undEuropa" schon eine Teillösung erreichte, erfolgreich in Front steht, wenn es jetzt gilt, mit dem Flugzeug die Brücke von b er Alten zur Neuen Welt zu schlagen, und mit- zuhelfen, das verkehrsreichste Weltmeer zu einer Hochstraße der Lust" zu machen.

SJL-'fpont

Herberger Nachfolger von Or. Ner».

I

k 1

Herberger, den unser Bild zeigt, ist ein in ganz Deutschland bekannter und geschätzter Fachmann.

(Schirner-M.)

Durch die Verpflichtung des langjährigen Sport­lehrers des Fachamts Fußball Dr. Otto Nerz an die Reichsakademie für Leibesübungen, an der Dr. Nerz feinen Dienst bereits am 1. April d. I. antrat, war der Posten des Fachamtstrainers frei gewor­den. Zum Nachfolger für Dr. Nerz wurde Seppi Herberger verpflichtet, der den Poften offiziell am 10. Oktober d. I. übernimmt.

Herberger ist ein geschätzter Fachmann. Er spielte lange Zeit beim VfR. Mannheim, ging dann zur Berliner Tennis-Borussia und trainierte hier als

Spieler der ersten Mannschaft unter Dr. Nerz, der zu dieser Zeit noch Sportlehrer derVeilchen" war. Dr.Nerz nahm sich um Herberger besondes an, da er dessen Talent als Fußball-Lehrer schnell erkannte. Herberger wurde nach Aufgabe des aktiven Sports Fußball-Lehrer des DFB. und tritt nun als Nach­folger von Dr. Nerz die verantwortungsvolle Stelle al=> Reichstrainer des Fachamtes Fußball an.

Neichsbund für Leibesübungen, Hochamt Fußball.

verdiente Ehrung für kreisfachamtsleiker henkel.

Im Rahmen der am Sonntag, 20. September, in Kassel vom Gaufachamtsleiter einberufenen Ar­beitstagung der Kreisfachamtsleiter wurde verdien­ten Männern der Fußballbewegung die silberne Ehrennadel des DFB. verliehen. Unter ihnen befand sich auch unser Kreisfachamtsleiter Hugo Henkel, Gießen. Durch diese Verleihung sind die Verdienste des Fachamtsleiters des Sportkreises Gie­ßen auch an höchster Stelle anerkannt worden. Es dürfte auch interessieren, daß die gleiche Ehrung dem Gau-Schiedsrichter-Mitarbeiter W i n g e n - seid (Fulda), der in Gießen gut bekannt ist, zuteil wurde.

Sportverein 1920 Lollar.

Wetzlar (Liga) Lollar (Liga) 3:1 (2:1).

Die Lollarer Elf fuhr ohne Klinke! und Römer nach Wetzlar. Wetzlar war komplett. Der Kampf wogt auf und ab. Ein Elfmeterball wurde von Wohlgemuth sicher verwandelt. Lollar drängte dann auf Ausgleich. Gabriel schoß wuchtig auf das Wetz­larer Tor. Der Tormann wehrte schwach ab und der Ball überschritt die Linie. Der Torhüter wehrt abermals ab, doch der Schiedsrichter entschied Tor.

Gute Möbel bei Koos

Giessen SchuIstn6

Gießener Gtadtiheater.

Heinrich Zerkauten:

Der Sprung aus dem Alltag."

Das dritte Lustspiel dieser Spielzeit, im Pro­gramm als Komödie in drei Akten bezeichnet, wacht eher einen volksstückmäßigen Eindruck. Es begibt sich an zwei aufeinanderfolgenden Tagen einer rheinischen Kirmes und beginnt unb eni)etnI^!_ allem zugehörigem Betrieb: mit Karussell und Luft­ballons, mit Blasmusik und Schoppenschwenken, mit Krach und Verlobung zum Schluß.

Den Höhepunkt der nicht übermäßig straften, von Milieuschilderung, humoristischen Einlagen, aber auch philosophischen Betrachtungen durchbrochen Hand­lung bildet eine ziemlich turbulente nb^»t5' sitzung am zweiten Kirrnestag. Don ner aus asst" sich die durcheinanderlaufenden Faden der Aktion am übersichtlichsten ordnen. Auf der ^^sordnun^ steht als wichtigster Punkt die Vergebung einer Fährkonzession. Um die bewirbt sich der Rhein- schifter Matje Schmitz, ein junger Mann der sich nicht nur auf dem Rhein, sondern auch sonst in der Welt umgetan hat und gerade zur Kirmes recht gekommen ist, um sich in die Tochter des Amts Vorstehers zu verlieben.

Sie mag ihn auch gern, und die beiden sind sich einig. Aber das Lieschen ist leider schon so gut w e verlobt mit dem Stadtsekretär Hummel emem ein­gebildeten und autoritätswütigen Paragraphenritter. Der Amtsvorstand ein etwas griesgrämiger Mann mit att"Renten, Zm°is°>n und ^un Morgen (nicht eben strotzend von rheinischem Temperament) glaubt leine Tochter auch bei Dem b'enJt(beJn1S;5n Untergebenen am besten auf gehoben, d I I * ahnungsvoll und eifersüchtig, die Heilung der Korn Zession an den draufgängerischen Nebenbuhler nach Kräften zu hintertreiben sucht.

*

Ehe die Sitzung beginnt, knallt es zweimal, das wa^der Am?svo?stan^: er bat eigener Hand

& s wenigen Freuden seines sorgenschweren Daseins. Wend noch der Streit um die Konzession im jwagrenu iiuuj Schnutgen mit der An-

^g7d°^°u^fm°?d-7dkAi,ch?n. was für d-n schuldigen Amtsvorstand mitten in der Hel)* veinlÄ ist Der Schiffer Schmitz, der plötzlich an seiner Konzession keinen Spaß, mehr zu- haben scheint, bereinigt die Situation, mdem er die Tat,

die er gar nicht begangen hat, auf sich nimmt, um Zweifel zu beseitigen, ein paar Löcher ins Lokal schießt und dem Sekretär an den Kragen fährt, der ihm, um ihn recht zu treffen, aus den Akten seine uneheliche Abkunft vorgehalten hat. Danach bleibt nichts anderes übrig, als die gemütlich begonnene, stürmisch endende Sitzung zu vertagen

Aber dem Amtsoorslano, Der pH |u unvermutet entlastet sieht und wenig später von einem ganz philosophisch angehauchten Luftballonverkäufer mit allerhand Lebensweisheit gestärkt wird, sind denn doch mittlerweile verschiedene Lichter aufgegangen. Dem Sekretär nützt es nichts mehr, daß er sich mit durchsichtigen Praktiken das Ansehen eines be­deutenden Mannes, eines kleinen Napoleons, zu verleihen sucht. Der Alte hat gemerkt, daß Mut und Glauben, frisches Zupacken und Zuversicht mehr wert sind als Sparen und Altersversorgung; er weiß jetzt, wer der richtige Mann für das Lieschen ist, und der Matje bekommt seine Konzession und das Mädchen dazu. Hoch soll er leben; die unbe­denkliche Jugend und das richtige Gefühl haben über das griesgrämige Alter und die Paragraphen­korrektheit gesiegt

Das Ganze ist etwas locker geschürzt und kommt etwas umständlich in Gang; und wo der Gedanke, welcher dem Stück zugrundeliegt, nicht dramatisch in vortreibende, zusammenraffende Handlung um­gesetzt ist, tritt reflektierendes Gespräch ober hand­feste Situationskomik an die Stelle. Die Spiel­leitung hatte Fritz Walter; er fand, von den gemütlich realistischen Dekorationen Löfflers wirksam unterstützt, eine dankbare Aufgabe in der behäbigen Ausmalung, in einem bunten, mit aller­hand Musik und Hallo in Szene aesetzten Kirmes- betrieb, aus dem sich die entscheidende Szene zwischen den Liebesleuten und die aufgeregte Ge­meinderatssitzung als Höhepunkte abhoben. Eine gewisse Schwierigkeit bildete, wie bei allen der­artigen Stücken, die rheinische Mundart, doch tat jeder, auch wem nicht der Schnabel danach stand, sein Bestes.

Herr Hub als Gemeindevorstand mußte seinem angeborenen Temperament zunächst von der Rolle aus einige Dämpfer aufsetzen, entwickelte sich aber aus der anfänglichen melancholischen Verdüsterung seines Gemüts allmählich zu immer herzhafteren Tönen. Herr Rosenthal gab den Schiffer Schmitz mit dem unbekümmerten Draufgängertum eines weitbefahrenen Mannes, der sich in allen Stücken auf sich verlassen kann, recht aus dem Vollen. Fräulein Krause spielte keck und unbeschwert, in her richtigen Gefühlslage, die junge Tochter. Herr

Kühne als Sekretär strotzte von Würde und Autoritätsbewußtsein, geriet aber gegen Ende der nicht gerade dankbaren Rolle hart an die Grenze der Karikatur. Die gemütlichen Gemeinderäte in Kirmeslaune: Nieren, Schorn, Frick höf- f e r und V 0 lck , der seinen Mann am gediegen­sten und menschlich ergiebigsten zu entwickeln ver­mochte. Fräulein Gerhardt als schnippische Kellnerin, Frau Schubert-Jüngling als resolute Madame Schnütgen. Dazu die Episoden­gestalten vom Kirmesplatz: Frau Stirl und die Herren Geiger und Walter, hübsch abgestuft in Humor und Gemütsverfassung.

Freundlicher Beifall nach allen drei Akten, hth.

3d) badefinnisch".

33on Cbnstian Bock

In Berlin wurde das erste finnische Sauna- Bad der Oefsentlichkeit übergeben. Unser Mit­arbeiter Christian Bock begab sich dorthin und schildert hier seine Bade-Erlebnisse

Du kriegst em paar derbe Holzpantinen in die Hand gedrückt, das ist das Erste. In einer Kabine hängst du alle städtische Nobelkeit, die du hast, an einen Nagel, Hose, Rock und Hemd, und kommst in nichts als den Holzpantinen herausgeschlurft. Der Bademeister wartet schon auf dich.

In die Sauna geht's. Wenn er die Tür aufmacht, schlägt's dir böllenheiß entgegen, als pustete dir des Teufels Großmutter ihren Atem in die Nasenlöcher, so ist es. Aber es dauert nicht lange, dann bist du es schon gewohnt, die warme feuchte Luft streicht dir um den Leib in den Vorzimmern der Hölle muß es sich schon leben lassen. Wenn man da bleiben kann und nicht ernstlich in den Brühtopf gesteckt wird. Da steht der Ofen, mit Birkenholz gefeuert. In ihm liegen Steine, die glühheiß werden. Der Bademeister schüttet Wasser drauf und nun steigt die feuchte Luft herauf. An der Decke des Raumes, wo es am heißesten ist, da liegst du auf einer Bank und kannst die Decke über dir betrachten. Du bist durch und durch gewärmt, du wirst hier gedämpft sozusagen. Die Poren öffnen sich, und wenn du nun einmal die Knie anziehst, da hörst du es von dir heruntertropfen, es sickert dir rundherum vom Leibe, es rinnt, trieft, läuft, es riefelt dir herunter, und wenn du atmest, dann hast du nun selbst schon den heißen Atem der Hölle in dir, es schmeckt nach Birkenholz und feurigem Ofen.

Eigentlich soll man nicht allein ins Sauna-Bad gehen, man soll sich eigentlich zu drei, vier Freun­den dazu verabreden und zusammen 'hingehett, da könnt shr oben auf euren Bänken liegen und könnt

sokratische Gespräche führen, wenn ihr wollt. In Finnland oben macht man es so. Man geht in Ge­sellschaft baden, man verabredet sich dazu wie zu Tanz und Kaffeetrinken.

Wenn du oben liegst, dann kommt nun der Bade­meister mit einem Kübel Wasser in der einen und einem Busch voll Birkenreisern in der anderen Hand. Jetzt gibt es Hiebe, mein Junge. Auf den nackten Leib gibt es die. Und dahin, wo du sie lange nicht mehr kriegtest, du weißt schon, was ich meine. En'n- nerft du dich noch, wie es schmeckte, als dir dein Vater den Hosenboden schön rund und stramm zog du hattest hinterm Haus in einem alten hohen Baum­stamm gepafft, daß dir schlecht und schlechter wurde, aber du hattest vergessen, daß fo ein Zigarrenrauch nach oben hinausraucht, dein Vater hatte den Baum­stamm Zigarre rauchen sehen, und da hatte er dich!

Aber fürchte dich nicht, diese Hiebe hier mit den Birkenreisern tun dir gut, du kannst sie auch selber in die Hand nehmen, in den Wasserbottich tauchen und die Exekution mit eigener Hand aufführen. Gib dir, soviel du verdient hast!

Zu allerletzt wird es dir hier doch etwas zu warm. Wenn du also denkst, du hast genug es waren schließlich 70 Grad Hitze da oben dann steigst du die Treppe wieder hinunter.

Aus der Sauna in den Brauseraum mit dir' Da gibt es wieder so eine Bank, auf die legst du dich. Der Bademeister kommt mit einem Riesenschwamm und wäscht dich herauf und herunter, wie dich deine eigene Mutter noch nicht gewaschen hat. Vorne und hinten, auf allen Seiten, die du haft.

Geseift und geschrubbt bis du nun Steh jetzt auf, es geht unter die marine Brause, die Seife rinnt in Bachen von dir herunter, aber dann gibt es, kaum eineiH Meter weit von dir, noch eine zweite Brause, die eiskalt die Haut erschreckt. So oft es dich gelüftet, läufst du von der marinen unter die kalte Brause, hin und rnieder zurück. Sieh, jetzt wirst du wieder quicklebendig, das Blut springt in den Adern, die Lungen hüpfen in all der nassen Frische. Du hättest jetzt den Mut, mitten ins Nordpol Loch zu tauchen, wenn es hier wäre.

Oben in Finnland gehen sie auf dem Lande vom Sauna-Bad geradewegs ins kälteste Wasser oder tummeln sich im dicksten Winterschnee, es schadet nichts nach einem solchen Bad, es ist wunderbar erfrischend.

Trockne dich nun ab, steig in die Holzpantinen und schlurfe in deine Kabine zurück. Wenn du magst, kannst du hier auf einer weichen Pritsche eine Weile liegen, ehe du deine Nobelkeit vom Nagel wieder herunternimmst und dich anziehst.

Wenn du auf die Straße kommst, haft du rote Backen vor purer Gesundheit und Frische, und kommst dir vor, als wolltest du nun noch einmal bei deiner Konfirmation wieder anfangen.