Ausgabe 
23.4.1936
 
Einzelbild herunterladen

Nr. 95 Zweiter Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Donnerstag, 23.April(9Z6

Betrachtungen zum Schulbeginn.

Von Dr. Willi $r. Könitzer.

Iahzehntelasg schon führt die Lehrerschaft einen unausgesetzten Kampf gegen die Meinung der Schü­ler, im ersten Halbjahr, das nun wieder mit dem neuen Schuljahr beginnt, komme es nicht so sehr auf die ernsthafte Bemühung an.

Lange glauben die Schüler und oft nicht minder die Lehrer, das Ziel des neuen Schuljahres fei das Jahrespensum, ein in den Lehrplänen gedruck­tes Klassenziel. Die Gestaltung seines Lebens, zu der die Schule den Schüler führen soll, die Bil­dung zum deutschen Menschen das ist nicht ein in mehrere (acht oder dreizehn) Schuljahre zu gliedernder Borgang, das ist ein organisches Wachsen, das sich nicht künstlich durch Daten unter­brechen läßt.

Darum kann die Arbeit der Schule niemals in erster Linie jenem festgesetzten Pensum gelten. Die­ser Sinn ist vielmehr ein größerer und tieferer. Die Arbeit an sich kann ja überhaupt nie der Sinn des Daseins sein. Sie braucht stets ein Ziel, dem sie dient. Sie muß immer eine Erfüllung finden, sonst ist sie nicht wertvoller als auch das Vergnügen um des Vergnügens willen. Wenn sie aber ein Ziel hat, dann ist sie mehr als Arbeit, dann ist sie Werk, das geschaffen wird. Wie oft ist nicht die Arbeit in der Schule schon als Last, Zwang und Fron empfunden worden, und zwar eben deshalb, weil sie selbst als das Letzte galt, weil nichts mehr hinter ihr stand, zu dem sie führen sollte. Das Leben ist uns gegeben, daß wir wirken und unser Leben zu einem Werk gestalten.

Da liegt für den Beginn eines neuen Schuljahres vor allem im Hinblick auf die genannte Schwie­rigkeit die größte Aufgabe für Lehrer und Eltern: dem Schüler klarzumachen, daß die Schule nicht eine Sache an sich ist, sondern ein Stück des Lebens, das wie das ganze Leben gestaltet werden will. Oft wird das nicht leicht sein, denn in der Alltagsarbeit muß notwendig bisweilen der Blick für das Große, Ganze verloren gehen. Desto wichtiger ist diese Aufgabe, darauf hinzuwir­ken, daß auch die Einzelheit als Stück des Ganzen erkannt wird. Fruchtbringend in diesem Sinn kann der Unterricht nur sein, wenn er immer und im­mer wieder auf das letzte, höchste Ziel bezogen wird und bezogen bleibt: Bildung des Menschen, Bewährung des Menschen in der Gemeinschaft als Persönlichkeit. So ist es im Unterricht wie bei einem Bau: jede Einzelheit hat nur Sinn und Zweck, wenn sie auf das Ganze bezogen ist, sich einfügt und ihm dient. Ein Schuljahr ist wie ein solcher Bau. Es wäre unsinnig, wollte der Lehrer den Schülern aufzählen, wieviel Steine, wieviel Eisen­träger, wieviel Kubikmeter und Quadratmeter Holz, wieviel Glas für diesen Bau nötig seien, ohne ihnen den Plan des Baues zu zeigen. Verständnis für diese Einzelheiten werden die Schüler nur aus dem Erlebnis des Gesamtbildes dessen haben, was sie erreichen und schaffen sollen. Es wäre ebenso un­sinnig, wenn er sie an die Arbeit heranführen und sie etwa mit dem Bau einer Seitenmauer begin­nen lassen würde, ohne daß sie wissen, an welchem Gebäude sie überhaupt bauen. Natürlich wäre es auch falsch, wollte der Lehrer sich über das Ziel in lange Diskussionen mit ihnen einlassen. Aber Pflicht des Führenden ist es, das Ziel immer wieder er­scheinen zu lassen, es zu zeigen und das Streben nach ihm zu wecken.

Es ist wohl keine Frage, daß von hier aus das alte Leid einer gewissen Gleichgültigkeit im ersten Teil des Schuljahres behoben werden kann. Und ebenso leicht regelt sich nun auch die Frage nach dem Verhältnis von Lehrer und Schüler. Wer bei der Arbeit an einem Bau nur die Mauer

Berufsausbildung in Lehrwerkstätten.

3um plan einer Reichsberussschule

Reichsorganisationsleiter Dr. Ley hat anläßlich der feierlichen Eröffnung des diesjährigen Reichs­berufswettkampfes den Plan einer Reichs­berufsschule verkündet. Diese Schule, die viel­leicht schon zum 1. Mai dieses Jahres eröffnet werden soll, wirdtue besten Lehrwerkstätten der Welt" erhalten, sie soll in jedem Jahre die Reichs­sieger des Reichsberufswettkampfes aufnehmen, die hierzu den besten Arbeitern Deutschlands" aus­gebildet werden sollen. In der Reichsberufsschule sollen gleichzeitig dieArbeitsmethoden und die Methoden der Lehrlingsausbildung erprobt werden".

Ein großartiger Plan, der die Krönung des um­fangreichen neuen Berufsausbildungswerkes sein wird. Die Reichsberufsschule wird den Arbeitern der einzelnen Berufe die Möglichkeit geben, ihre Ausbildung bis zum höchstmöglichen Stand zu voll­enden. Damit wird der einzelne das Höchstmaß an Leistungsfähigkeit erreichen, die gesamte Berufs­gruppe ihren Leistungsstand qualitativ und quan­titativ bis an die Grenze des Überhaupt Möglichen bringen und die Gemeinschaft aller Berufe wird befähigt, der Ration bei ihrem Aufbau das Höchst­erreichbare zu geben. Damit werden gleichzeitig auch dieungelernten Arbeiter" ganz von selbst verschwinden. Es wird nur nochFacharbeiter" geben, wenn schon die Breite der Ausbildung nicht bei allen gleich zu sein braucht.

Die Reichsberufsschule stellt etwas völlig Neues und Erstmaliges dar. Ihre wesentlichste Arbeits­form ist nach der Ankündigung von Dr. Ley die Lehrwerk st ätte. Lehrwerkstätten haben sich in den letzten Jahrzehnten eine ganze Anzahl von Jndustrieunternehmungen für ihre besonderen Zwecke aufgebaut. Schon hier zeigten sich die großen Vorteile dieser Ausbildungsart, obwohl der Wirkungskreis der Industrie-Lehrwerkstätten natur- notwendig beschränkt und die Zahl der Ausgebil­deten begrenzt war und sich nicht über den Kreis der Werksangehörigen hinaus erstreckte. In der Reichsberufsfchule sollen jetzt zum erstenmal Muster- Lehrwerkstätten aller Berufe nebeneinander und miteinander arbeiten. Sie sollen die b est e n Formen des Lehrlingsausbildungs­wesens und der Arbeitsmethoden überhaupt ent­wickeln und weiterbilden. Sie werden damit ähnlich wie die deutschen Hochschulen neben dem reinen Lehrbetrieb gleichzeitig Forschungsstätte sein. Don ihnen aus wird das gesamte Lehr- und Aus- dildungswesen entscheidend beeinflußt und, wenn nötig, um- und neugestaltet werden.

Die ersten Lehrwerkstätten entstanden vor und

Jugeiro uno Hochschule

kennt, die er aufführt, ohne das ganze Werk zu sehen, an dem er mitwirkt, der hat einen Aufseher neben sich nötig, da er in seiner Arbeit erlahmen wird. In der heuttgen Schule aber steht der Lehrer nicht mehr wie ein solcher Aufseher drohend neben dem Ziel, er steht vielmehr als Helfer neben dem Schüler. Er geht mit ihm. Er dient dem Ziel, und er dient damit dem Leben. Die Schule ist nicht mehr eine Welt neben einer anderen, ,on- dern gehört zum Dasein des Schülers und ist ein Stück seiner Erfüllung. Sie beweist das dadurch, daß sie an seinem Leben tätigen Anteil nimmt. Und zu welcher Zeit wäre das wohl besser möglich ge­wesen als jetzt, da in der HI. dem jungen deut­schen Menschen die Aufgabe seines Lebens enthüllt und auch in der Schule ihm ein Werkzeug zu ihrer Erfüllung gegeben wird?

Es waren bisher nicht die schlechtesten Schüler, die es sich gern im ersten Halbjahr bequem machten, weil sie genug Atem für einen rechten Endspurt mitbrachten. Und es waren leider oft die weniger wertvollen Menschen, die Strebertypen, die gern durch anfänglichen Fleiß oder gar Ueberfleiß auf­fallen mochten. Aber nun wird auch darin eine Wandlung eintreten können: das Wachstum der Klaffe ist nur als Wachstum der Gesamtheit mög­lich und echt. Wer sich als Streber im Eifer, mög­lichst viel einzelnes zu erwerben, ausschließt, be­greift niemals das große Ziel, zu dem alle sich entwickeln, und schließt sich damit aus der Klassen­gemeinschaft aus.

So wird am Anfang des Schuljahres eine g e - fchlossene Gemeinschaft stehen, die ihren Weg gehen wird, weil sie das Ziel kennt und bere^ ist, ihre Aufgabe zu erfüllen. Einzelwissen läßt sich wohl erjagen, aber ein Werk, das man aufbaut, muß wachsen. Und die Schule dient diesem Werk.

Wie der Hauptschulungsleiter Pg. Dr. Wagner ausführte, wurde das Seminar der DA F. an der Deutschen Hochschule für Politik errichtet, damit die aus den Reihen der Walter der DAF. Heranwachsende Führerschicht eine wissenschaftliche und politische Unterbauung ihrer bisherigen Berufspraxis erhält. Teilnehmer kann nur werden, wer der DAF. anaehört, und wer mit Erfolg einen Gau-Schulungskursus oder eine Reichs- bzw. Landesführerschule besuchte. Immer wird ein bestimmtes Maß geistiger Reife sowie unbedingte nationalsozialistische Charakterstärke der Teilnehmer verlangt.

Das Seminar hat einen in sich geschlossenen Lehr­plan. Von durchgehenden Vorlesungsreihen etwa über mehrere Semester ist abgesehen. Im Mittel­punkt stehen Themen aus der Sozial- und Wirtschaftspolitik. Natürlich nimmt auch die Behandlung von weltanschaulichen, rassischen und bevölkerungspolitischen Fragen einen breiten Raum ein. Die Vorlesungen finden an zwei Abenden der Woche statt. Mittwochs werden außerdem Hebungen und Arbeitsgemeinschaften abgehalten. Daneben läuft noch eine Reihe von Sondervorträgen aus den Ge­bieten der Ostpolitik, der Wehrmacht, der Welt­politik ufw.

Der Besuch des Seminars sichert den Teilnehmern keinerlei berufliche Berechtigung. Das Ziel ist ja nicht, die in das Seminar aufgenommenen Männer ihrem Beruf zu entfremden, sondern sie so weit po­litisch vorzubilden, daß sie als Prediger des Nationalsozialismus in den Betrie­ben wirken und aus einer gründlichen Kenntnis aller Probleme jedem Kameraden die richtige Aus­kunft auf die vielfältigen Fragen der Weltanschau­ung, der Wirtschafts- und Sozialpolitik geben kön-

Studentinnen arbeiten fürtlrlaubssrauen".

Von der Universität Heidelberg wurde eine ausgewählte Anzahl von Studentinnen in Betriebe der umliegenden Städte Mannheim, Schwetzingen, Hockenheim eingesetzt, um für zwei oder drei Wochen einer Arbeiterin dieses Betriebes einen bezahlten Urlaub zu ermöglichen. Die Studentinnen arbeiten ohne jede Entschädigung und ohne dabei irgendwelche Bevorzung zu genießen. Da es sich meist um Akkordarbeit handelt, die an ungelernte Kräfte besonders hohe Anforde­rungen stellt, ist dieser freiwillige Einsatz doppelt hoch zu werten. Nachstehend bringen wir den Bericht einer stud. rer. pol., die in einer Dynamofabrik auf drei Wochen ein­gesetzt war.

Dienstag ...

Der Vertreter der DAF. und die Führerin der Heidelberger Studentinnen sind heute früh mit mir hinausgefahren zu meiner Arbeitsstätte. An der Straße nach Neckarau liegen zu beiden Seiten un­zählige große und kleine Betriebe, ich bin gespannt, wo wir landen werden. Ein unscheinbares Gebäude, eine Fahrrad-Dynamofabrik, das ist unser Ziel. Der Betriebsführer empfängt uns, er ist einer von den wenigen, die sich für unserenVersuch" einsetzen.

Ein bißchen rücksichtsvoll sprechen die Herren von nach Möglichkeit einarbeiten", ich fühle, sie sind mißtrauisch, ob es mir als Studentin, die nach ihrer Meinung zeitlebens nur mit Büchern zu tun hat, gelingen würde, eine jahrelang geübte Arbeite­rin des Betriebes zu einem wesentlichen Teil zu ersetzen. Dann wird die Arbeiterin gerufen, die ich

nen. Indem aber das Seminar der DAF. der Deut­schen Hochschule für Politik angeschlossen ist, eröffnen sich dem Teilnehmer dennoch große Möglichkeiten. Der Teilnehmer hat das Recht, in der Akademischen Abteilung der Hochschule Vorlesungen zu hören und sich so eine umfassende Bildung zu sichern. Zunächst werden die Männer, die das Seminar der DAF. mit Erfolg, d. h. nach Ablegung einer Prüfung, besucht haben, 14 Tage auf eine Landesführerschule geschickt, wo sie in gemeinsamer Arbeit die erworbe­nen Kenntnisse festigen. Darüber hinaus wird dann dieeiserne Schulungsgarde" immer wieder im Ab­stand von sechs Wochen zusammengefaßt und in Vorträgen erster Männer der Wirtschaft, Weltan­schauung und der Politik lausend weiter geschult.

Die Eingliederung des Seminars der DAF. in die Hochschule für Politik ist jedoch aus einem anderen Grunde noch von wesentlicher Bedeutung. Wer näm­lich die Abschlußprüfung der Seminaristischen Abtei­lung bestanden hat, erwirbt sich das Recht, als ordentlicher Studierender in die Akademische Abtei- lung ausgenommen zu werden. Hier kann er das Hochschuldiplom erwerben. Es ist also jetzt nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch möglich, daß ein Arbeiter über das Seminar der DAF. zu einem modernen Hochschulstudium ge­langt.

Es ist durchaus denkbar, daß auch anderen Hoch­schulen solche Seminare der DAF. angeschlossen wer­den. Wenn von hier aus eine Erneuerung der Hoch­schule aus dem Geiste des deutschen Arbeitertums angebahnt und einmal erreicht wird, haben die Se­minare der DAF. über ihre unmittelbare Bestim­mung hinausgehend einen wesentlichen Beitrag all­gemein volkskultureller Art zur geistigen Erneue­rung der Nation geleistet.

vertreten soll. Ich glaube, ich werde nie vergessen, wie diese Frau Mutter von sieben Kindern, der Mann erwerbslos zu Hause auf mich zuging und mir die Hand schüttelte. Ich habe noch selten ein so ehrlich-glückliches Leuchten in einem ^erarbeiteten, von Sorgen verkümmerten Gesicht gesehen. Es ist ihr beinahe unfaßbar, einmal ganze vier Wochen ausspannen zu können, daheim bei den Kindern einmal richtig Mutter zu sein, den ganzen Tag.

Ohne weitere Umstände habe ich bann meine Schürze aus der Mappe geholt. Wir gingen zum Arbeitsplatz, und ich ließ mir meine Verrichtung zeigen. Es find in vorgebohrte Dynamohalter Ge­winde zu schneiden und dann die Halter aus ihren zwei Teilen zusammenzuschrauben. An und für sich erschien mir das nicht besonders schwer, aber ich bemerkte doch, daß hier Schnelligkeit und Finger­fertigkeit vor allem nötig waren.

Mittwoch.

Früh um 3/<7 beginnt die Arbeit. Da ich gerade am anderen Ende der Stadt wohne, muß ich über eine halbe Stunde mit dem Rad fahren und des­halb schon gleich nach fünf Uhr ausstehen. Es ist für mich etwas Neues, ich bin richtig stolz darauf, morgens in der langen Kolonne der Arbeiter mit­zufahren.

Punkt 3/4? Uhr sausen die Motoren an, fangen die Treibriemen an zu knallen. Jeder steht an seinem Platz, Hand arbeitet in Hand. Während wir hier oben noch Halter verschrauben, geht unten Kiste um Kiste mit Fahrradlampen und Dynamo zur Bahn. In der Pause sah ich mir einmal die Auf­schriften der Kisten an. Außer Australien sind alle Erdteile vertreten.

Unser Vorarbeiter ist ehrgeizig, er mochte, daß wir für alle Fälle immer einen tüchtigen Vorrat für die Stanzerei übrig haben. Er hat sicher be­fühlet, daß meine Kräfte nicht ausreichen, um die übliche Menge fertigzustellen. Aber ich habe mich doppelt angestrengt und eine Kiste mit Vorrat unter Packpapier versteckt, die er erst kurz vor Arbeitsschluß sah. Ich hatte mich so auf ein Lob gefreut, aber er ist wirklich sehr sparsam damit. Um so mehr haben mich meine Kolleginnen gelobt; sie sind auch sonst sehr nett zu mir. Die Zeit des Anstaunens, vor der ich am meisten Angst gehabt habe, ist schnell vorbeigegangen, ich bin Kameradin unter Kamera­dinnen. Ueberhaupt ist die Zusammenarbeit so reibungslos, wie ich es mir in einem guten Betrieb immer vorgestellt habe. Jeder einzelne weiß, daß von feiner Mitarbeit die Gesamtleistung des Be­triebes abhängt. Pflichtgefühl und Verantwortungs­bewußtsein spornen eher zur Arbeit an, als ein mahnender Vorarbeiter.

Meine Arbeit macht mir Freude, der Arbeits­platz ist hell und sauber. Zwischen neun und zehn Uhr scheint die Sonne durch das Glasdach gerade auf meine Bohrmaschine. Die Späne, die ich bohre, blitzen wie edles Metall, feine Eisenftäubchen schie­ßen durch die Luft und glitzern wie Wasserttopf- chen im Gegenlicht. Wenn die Sonne dann über meinen Platz weitergewandert ist, läutet es zur halbstündigen Mittaaspause. Thermosflaschen klap­pern, Papiere mit Brot, Tüten mit Obst rascheln, eine gemütliche Rühe herrscht nach dem Sausen und Brummen der Maschinen. Wenn unten im Keller der große Stanzer wieder brummt, ist unsere halbe Stunde vorüber, und die Arbeit geht weiter bis vier Uhr. Dann ist es ein eigenartiges Gefühl, wenn man zuhört, wie die Maschinen langsam aus­laufen, wenn das letzte Hundert eingepackt wird, ein Besen über den Tisch fegt und alle die Eisen- stäubchen des Tages, die als unscheinbare schwarze Körner Herumliegen, mitnimmt. Eine halbe Stunde später liegt der Betrieb wie ausgestorben.

Samstag ...

Samstag Wochenende. Heute geht die Arbeit nur bis ein Uhr. Den freien Nachmittag wollen wir

Hochschule und DAF. schaffen gemeinsam.

Das Seminar der Deutschen Arbeitsfront an der Deutschen Hochschule fürpolitik.

besonders auch während des Weltkrieges, als die Notwendigkeit besonders stark in Erscheinung trat, einen hochwertigen Handwerker- und Facharbeiter­nachwuchs heranzuziehen. Es wurden, meist auch räumlich abgetrennt vom Produktionsbetrieb, Werk­stätten eingerichtet, die mit allen für die Berufs­gruppe notwendigen Maschinen und Einrichtungen ausgerüstet waren. Derartige Lehrbetriebe stehen unter der Leitung erfahrener Handwerksmeister, die besonders in der Unterrichtung und Führung junger Menschen befähigt sind. Die Lehrlinge werden meist in Abteilungen, die unter Leitung eines Lehr­meisters stehen, eingeteilt und rücken nach bestimm­ten Zeiten, im allgemeinen halbjährlich, in die nächsthöhere Stufe auf. Im ersten Lehrhalbjahr werden sie mit den Grundlagen der Bearbeitungs­methoden vertraut gemacht, sie lernen die Werk­stoffe, Werkzeuge und einzelnen Werkzeugmaschinen kennen. Wert wird in dieser ersten Zeit besonders auf peinlich genaue und saubere Aus­führung gelegt, die Arbeit muß gegebenenfalls so oft wiederholt werden, bis sie in jeder Weise einwandfrei ist. Es wird selbstverständlich darauf geachtet, daß die Anforderungen nicht überspannt werden, besonders wird zu dieser Zeit noch nicht auf die Einhaltung einer bestimmten Arbeitszeit gedrungen. In den folgenden Lehrhalb- jabren steigt der Lehrling auf zu schwierigeren Ar­beitsmethoden, zur Kenntnis verwickelterer Arbeits­vorgänge und Maschinen.

Nach einem, meist erst nach zwei in der Lehr­werkstatt verbrachten Jahren wird dann der junge Berufstätige in d i e Obhut des Meisters einer Produktionswerkstätte gegeben. Nachdem er die Grundlagen seines Handwerks erlernt hat, wird er also nun vor die Forderungen und Notwendig­keiten des praktischen Wirtschaftslebens gestellt. Nicht mehr wird er mit Arbeiten beauftragt, die nur zu dem Zweck erdacht waren, ihn zu schulen. Hier wird er in den Ablauf des Produktions­prozesses gestellt, muß die Tätigkeiten verrichten, die sich aus ihm ergeben, muß sich dem Tempo des Arbeitsganges anpassen. Es ist also dafür gesorgt, daß der Lehrling die notwendige Fühlung mit der Praxis des Berufes bekommt, daß er möglichst viel­seitig unterrichtet wird und den Rhythmus des tätigen Arbeitslebens in sich aufnimmt. Nachdem der Lehrling mehrere Werkabteilungen durchlaufen bat und dadurch einen Ueberblick über den gesamten Betrieb erhalten hat, kommt er für den Rest feiner Lehrzeit, während der er das Gesellenstück anfertigt, zweckmäßigerweise in die Lehrwerkstatt zurück.

Neben den Lehrwerkstätten haben größere Be­triebe diesen noch eine W e r k s ch u l e angegliedert, die ähnlich wie die öffentliche Berufsschule auf- gebaut ist und die Lehrlinge meist vom Besuch der

Pflichtschule befreit. Wie der Name der Reichs- Berufs-Schule vermuten läßt, wird ihr ebenfalls neben den Lehrwerkstätten ein Unterrichtsbetrieb angegliedert, der der theoretischen Unterrichtung dient, der Hebung im technischen Zeichnen und selbstverständlich auch der weltanschaulichen, politi­schen und sozialrechtlichen Schulung.

Durch die Errichtung der Reichsberufsschule wird die gesamte Jugendarbeit entscheidend beeinflußt. Die Entwicklungslinie, die mit der von der Hitler- Jugend und der Deutschen Arbeitsfront durchge­führten zusätzlichen Berufsschulung, den wirtschafts- kundlichen Fahrten und nicht zuletzt mit dem Reichsberufswettkampf bisher verfolgt wurde, wird hier fortgeführt und zu einem Höhepunkt gebracht. Das gesamte Berufsausbildungswesen wird durch diese Tat eine völlig neue Ausrichtung er­fahren, die Ausrichtung auf den nationalsozialisti­schen Staat und seine Forderungen. Aus der Sphäre privater Initiative und privater Jnter- essenverfolgung wivd der Gedanke der Lehrwerk­stattausbildung hinausgehoben und der gesamten berufstätigen Jugend und damit dem Staats nutz­bar gemacht. Jedem Jugendlichen soll die Möglich­keit zur Berufsausbildung, Berufsausübung und restlosen Vervollkommnung gegeben werden. Damit werden die schweren Unterlassungssünden einer ver­gangenen Zeit wieder gut gemacht, die wertvolle Jugend auf den Straßern herumstehen ließ. Jeder soll eingesetzt werden und jeder soll an der rich­tigen Stelle eingesetzt werden. Denn jeder einzelne wird gebraucht, damit die Gemeinschaft die gewaltigen Aufgaben bewältigen kann, die der Führer gestellt hat. Karl Kempkens.

Student in WA.

Aus einem Brief vondrüben".

Von 1933 bis Juli 1935 besuchte ich dieUniver- sity of Illinois in Urbana. Urbana ist eine kleine Stadt, 250 Kilometer von Chikago entfernt. Sie wird hauptsächlich von Professoren und Studierenden be- wohnt. Das Leben gleicht hier fast dem in deutschen Universitätsstädten, allerdings fehlt jede Roman­tik. Der riesige Häuserblock der Universität umfaßt 30 Gebäude, die in typisch amerikanischem Stil auf­geführt sind. Auch die übrige Stadt trägt in ihrer Bauweise den Stempel der nordamerikanischen Großstädte. Nur Parkanlagen und Sportplätze, die vorwiegend die Gegend rings um die Universität be­herrschen, lassen vermuten, daß diese Stadt vom nervenzermürbenden Hasten des weltstädtischenBu­sineß" verschont bleibt.

Ich verbrachte hier eine schöne Zeit. Es ist doch etwas ganz anderes, mit den Mttstudierenden zu­

sammen zu wohnen und in enger Gemeinschaft zu leben, als in einer Großstadt insCollege zu gehen. Hier kommt man nur für die kurze Zeit der Vor­lesungen zusammen, dann zerstreut sich die ganze Studentenschaft nach allen Himmelsrichtungen. Oben­drein verliert man auch unendlich viel Zeit, die man auf der Straßen- oder Hochbahn verbringen muß. Hier in Urbana werden dagegen die Stunden des Tages rationell eingeteilt.

Die Zeit von morgens 8 Uhr bis 17 Uhr wird von den Vorlesungen und Arbeiten im Laboratorium ausgefüllt. Mein Studienfach war in erster Linie Chemie, dazu noch einige allgemeine Gebiete, die ich zumChemical Engeneer brauchte. Nebenbei nahm ich noch Bakteriologie, Oekonomie und ähnliche in meinen Berus einschlägige Fächer. Außer den Vorlesungsbesuchen hatten wir immer viel im Labor zu tun. Dies nahm auch abends noch ein bis zwei Stunden in Anspruch. Dann aber konnten wir über unsere Zeit frei verfügen und unserem Privat­vergnügen nachgehen, was der amerikanische Stu­dent besonders schätzt. Zu jedem Mittwochabend Der» sammelt sich z. B. die gesamte Universitätsbesucher­schaft, und die Kapelle derU.of I. gibt einBand­konzert" im Freien.

Vor sechs Wochen bekam ich mein Diplom als Chemical Engeneer. Die Studentenzeit ist also vorbei; sie war zwar schon, aber auch schwer, denn die finanziellen Verhältnisse sind hier nicht so glän­zend. Man braucht für Studium und Lebensunter­halt jährlich ungefähr 600 Dollar. Glücklicherweise bekam ich an der Universität Arbeit im Labor und verdiente dadurch in der Woche 10 Dollar. Dazu kam noch die Entschädigung für dasMilitary Training, im Jahr 100 Dollar.

DasMilitary Training der studierenden Jugend muß jeder Besucher der Universität mitmachen, denn die Wehrausbildung ist Unterrichtsfach in den höhe­ren Klaffen derHighschool (Mittelschule) und an der Universität. Nach Absolvierung von vier Jahren Military Training bekommt man ein Patent als Leutnant der Reserve.

Die freiwillige militärische Schulung muß von den Ausbildungslagern, zur Hauptsache also von den höheren Schulen, übernommen werden. Nach Be­endigung des Studiums ist Gelegenheit geboten, alle zwei bis drei Jahre inReserve-Officers-Camps die erworbenen Kenntnisse aufzuftischen.

Es ist sehr schwer, Arbeit zu finden, obwohl sich die Verhältnisse etwas gebessert haben. Die Firmen werden so bestürmt, daß wenig Aussicht vorhanden ist, unter den vielen Bewerbern genommen zu wer­den. Die Vereinigten Staaten haben jährlich 100 000 College Graduates (Jungakademiker). Ich hoffe aber, daß ich mich trotzdem durchsetzen kann.