Ausgabe 
23.3.1936
 
Einzelbild herunterladen

Rhein-Main-Gebiets aesandt wurden. In der Haupt­sache handelte es sich dabei um Kinderkleidung. Auch für die Ausstellung wurde in verhältnismäßig kur­zer Zeit noch manches Stück Kinderausstattung ge­fertigt, um damit zu zeigen, in welcher Form der BDM. das Winterhilfswerk unterstützte.

Neben der Anfertigung der praktischen Arbeiten widmete man sich auch der Anfertigung von Gegen­ständen, die dem Schmuck des Kleides oder des Zimmers dienen. Schöne Schalen aus Bast und aus Metall, sauber verarbeitet, Tierfiguren in origl- nellsten Formen sind zu sehen. Einige Mädchengrup­pen hatten sich auch besondere gemeinsame Aufgaben gestellt. Eine Gruppe aus einem Dorfe der Nach­barschaft schuf in überaus fleißiger Arbeit das Ab­bild eines Erbbauernhofes mit all seinen Einzel­heiten. Auch ein niedersächsisches Bauernhaus mit einem Strohdach ist auf diese Weise entstanden. Diel Mühe machte man sich auch mit der Anfertl- aung von Kasperl-Theatern, für die nicht nur die Kulissen, sondern auch die Figuren geschaffen wur­den. Die Ausstellung brachte außerdem noch eine Fülle von Pappe- und Holzsägearbeiten, von Sche­renschnitten und Zeichnungen. Die Schau in ihrer Gesamtheit läßt erkennen, daß bei den Jungmadels und im BDM. eine Arbeit geleistet wird, die in die Zukunft wirken wird und die nicht hoch genug eingeschätzt werden kann.

Musikalische Feierstunde des BOM.

Am gestrigen Sonntag, 11 Uhr, veranstaltete der Untergau eine F e i e r st u n d e, die würdig ausge­staltet worden war. Die Neue Aula der Universität war prächtig mit den Symbolen der Staatsjugend geschmückt. Ein gemeinsam gesungenes Lied leitete die Feier ein. Die Untergauführerin Käthe Dfef- f er hielt eine kurze Ansprache, in der sie über die Feiergestaltung im BDM. sprach. Sodann folgte im schönen Wechsel ein feierlich-ernstes Spiel, das ge­tragen wurde von Musik unisoner Geigen, Gedich­ten ernsten Inhalts, ferner von einigen zum Opfer und zur Tat aufrufende Sprechchören, von Liedern usw. In allem kam zum Ausdruck, daß sich die Jugend zutiefst verpflichtet fühlt, alles für Deutsch­land einzusetzen, zu opfern, für Deutschland zu le­ben und auch zu sterben. Die Feierstunde hinter­ließ einen tiefen Eindruck.

Aus der Provinzialhauptstadt.

Neuer Landgerichtsdirektor in Gießen.

Wie die Justizpressestelle Darmstadt uns mitteilt, hat der Führer und Reichskanzler durch Urkunde vom 12. März 1936 den Landgerichtsrat beim Landgericht Mainz Dr. Hugo S p e ck h a r d t zum Landgerichtsdirektor beim Landgericht Gießen er­nannt.

Landgerichtsdirektor Dr. Speckhardt, der am 1. April 1936 sein neues Amt beim Landgericht Gie­ßen antreten wird, ist 43 Jahre alt. Er bestand das Referendarexamen im Herbst 1914 und die Staats­prüfung im April 1921. Ab 1. Januar 1922 war er zur Dienstleistung in das Reichsjustizministerium beurlaubt und wurde im Jahr 1930 zum Landge­richtsrat beim Landgericht Mainz ernannt.

Dornotizen.

Tageskalender für Montag.

NSG.Kraft durch Freude": 20 bis 21 Uhr Rei­ten, Reitschule Schömbs. Gloria-Palast, Selters­weg:Die klugen Frauen". Lichtspielhaus, Bahn­hofstraße:Kater Lampe". Oberhessischer Kunst­verein (Turmhaus am Brandplatz): 16 bis 17 Uhr Ausstellung von Gemälden von Richard Geßner, Düsseldorf.

Abschied von Provinzial-Oberbaurat Lellarius

Um die mit den ersten Frühlingsblumen und frischem Grün geschmückte Bahre des plötzlich am Herzschlag verstorbenen Leiters der Provinzial-Bau- verwaltung, Oberbaurat Carl C e l l a r i u s, scharte sich am Samstagvormittag aus dem Neuen Fried­hof eine große Trauergemeinde Straßen- und Baumwärter Oberhessens, Vertreter der Kreisämter, Berufskameraden und ein großer Freundeskreis zum letzten Abschied.

Dekan Sattler (Wieseck) sprach tiefempfundene Worte des Gedenkens für den aus rastlosem Planen und Schaffen vor seiner Zeit herausgerissenen Mann. Er zeichnete ein Bild dieses tatfrohen Be­amten, der nicht nur ein engmaschiges Netz von Wegen und Straßen durch Oberhessen baute, son-

Wahlkundgebungen im Kreise Wetterau der NSDAP.

Dienstag, 24. März.

Beginn: 20.30 Uhr.

Lollar: Redner Dr. Hildebrandt.

Grünberg: Redner Ritter.

Langd: Redner Rebeling.

R o d h e i m : Redner Heß.

Hattenrod: Redner Michel.

Saasen: Redner Vieth.

Linden st ruth: Redner Freund, Assenheim.

Stangenrod: Redner Schimmel.

Ober-Rosbach: Redner Schmelz. Beienheim: Redner Wagner. Harheim: Redner Münz, Frankfurt.

Mittwoch/ 25. März.

Beginn: 20.30 Uhr.

Wieseck: Redner Ritter, Oberbürgermeister. Steinbach: Redner Wagner.

V i l l i n g e n : Redner Nebeling.

Burkhardsfelden: Redner Heß.

Weitersheim: Redner Schimmel. Rüddingshaufen: Redner Michel. Rödgen b. Gießen: Redner Mack, Niederkleen (krs. Wehlar).

Gießen: Redner Elsner von Gronow, Swine- münde.

Donnerstag, 26. März.

Beginn: 20.30 Uhr.

Heuchelheim: Redner. Dr. Hildebrandt.

L i ch: Redner Ritter.

Steinheim: Redner Nebeling.

Harbach: Redner Heß.

Odenhausen: Redner Vieth.

Lumda: Redner Freund.

Beltershain: Redner Schimmel. Reinhardshain: Redner Michel. Rodheim v. d. höhe: Redner Schmelz. Assenheim: Redner Wagner.

Lang-Göns: Redner Münz, Frankfurt.

Reichsredner Kisner von Gronow

spricht am 25. März in Gießen in der Volkshalle.

Elsner von Gronow ist Mitglied der Bewe­gung seit 1923, er ist Träger des Goldenen Ehren- abzeichens der NSDAP, mit der Mitglieds-Nr. 2326. Seit Januar 1928 ist er Reichsredner der NSDAP., er ist also einer der ältesten Reichsred- ner. Bis zur Machtergreifung war er Gauwirt­schaftsberater in den Gauen Weser/Erns und Sud- Hannover-Braunschweig, gleichzeitig war er Reichs­fachredner für Wirtschaftspolitik. Er hat bisher in rund 2500 Veranstaltungen der NSDAP, im gan­zen Reich gesprochen. Dor seiner jetzigen Tätigkeit als Bürgermeister der Stadt Swinemünde war er Dezernent für Wirtschafts- und Sozialpolitik im Propagandaministerium seit dessen Gründung. Im Jahre 1933 nahm er als Mitglied der deutschen De­legation an der Weltwirtschaftskonferenz in London teil, ferner vertrat er das Reich damals auf der großen englischen landwirtschaftlichen Ausstellung in Derby.

Aus dieser kurzen Zusammenstellung ist zu er­sehen, daß der Reichsredner Elsner von Gro­now in der Lage sein wird, die ungeheueren An­strengungen und Schwierigkeiten zu beleuchten, die der Nationalsozialismus im Kampfe um Deutsch­lands Freiheit überwinden muhte.

dern auch mit ganzer Liebe an diesem schönen Lande hing, das er vielfach durchwandert hatte und wie selten ein anderer kannte. Dem vaterlands- liebenden Menschen wurde die stolze Befriedigung zuteil, daß über die durch seine Mitarbeit entstan­dene Brücke in Worms deutsche Soldaten wieder über den freien Rhein zogen, lieber die Pflichttreue des Beamten hinaus, der an den Sorgen seiner Mitarbeiter herzlichen Anteil nahm, kennzeichnete das Wesen des Menschenfreundes die rege Mit­arbeit an dem Familienverband der Cellarius und die Pflege eines harmonischen, glücklichen Fami­lienlebens.

Nach dem Gebet des Geistlichen widmete Kreis­direktor Dr. Lotz für die Provinz Oberhessen dem hochverdienten Mitarbeiter, dessen Name mit dem des oberhessischen Straßenwesens für immer ver­bunden ist, einen herzlichen Nachruf. Für die Ab­teilung Bauverwaltung des Landes Hessen über­brachte Ministerialrat Knapp die letzten Grüße und verband damit den Dank an den Entschlafenen für die dem Lande und Oberhessen geleisteten Dienste. Zugleich übermittelte er das Beileid des Generalinspektors für das deutsche Straßenwesen, Dr. Todt, der dem Entschlafenen als Anerken­nung für die Mitarbeit an dem Dau der Straßen des Führers einen Kranz niederlegen ließ. Baurat Grünewald von der Provinzial-Bauverwaltung gedachte des vorbildlichen Abteilungsleiters und hochverehrten Arbeitskameraden, dessen Herzensgüte er in bewegten Worten zum Ausdruck brachte. Die Straßen- und Baumwärter der Provinz, die Freunde feines früheren Akademischen Verbandes und der Reichsbund deutscher Beamten fügten zu den in den Farben des neuen Deutschlands und des Landes Hessen geschmückten weitere Zeichen persön­licher Wertschätzung hinzu.

Das Lied vom guten Kameraden und das letzte Gebet des Pfarrers beendeten die Trauerfeier.

Unterstützungen der DAF.

werden nicht auf die Leistungen der öffentlichen

Fürsorge angerechnet.

NSG. Wie die Gausozialabteilung Hessen-Nassau der DAF. uns mitteilt, werden die Unterstützungen und Renten, die die Deutsche Arbeitsfront an ihre Mitglieder zahlt, bei der Prüfung der Hilfsbedürftig­keit durch das Arbeitsamt außer Betracht gelassen.

Dadurch erhalten die Mitglieder der DAF. bei Er­werbslosigkeit eine zusätzliche Unterstützung.

SportamtKraft durch Freude".

heute folgender Kursus:

Fröhliche Gymnastik und Spiele (Frauen). Von 19.45 bis 21 Uhr: Großen-Buseck, Neue Schule.

Reue KdF.-Sportkurfe.

Ab 1. April werden vom SportamtKraft durch Freude "folgende Uebungsarten neu eingeführt: Fechten, Rollschuhlaufen und Schach. Auskunft und Anmeldung auf der Geschäftsstelle, Schanzenstr. 18.

Frühjahrsmesse wie sie sein soll.

Es ist fast am Kalender rot anzustreichen, daß es zur Frühjahrsmesse einmal nicht nur nicht reg­nete, sondern sogar die Sonne schien, so strahlend hell, wie sonst nur an schönsten Sommertagen! Da war es denn kein Wunder, daß gestern, zum ersten Tag der diesjährigen Frühjahrsmesse, auf Oswalds- garten kaum durchzukommen war. Besonders die Landbevölkerung strömte gestern nachmittag in die Stadt, um einmal einige frohe Stunden auf der Messe zu verbringen und dabei auch den einen oder anderen Einkauf zu tätigen.

Im strahlenden Sonnenschein war gestern alles noch einmal so schön wie sonst. Die bekannten Haaseschen Unternehmen waren alle mit einem fri­schen Oelanstrich versehen worden und boten ein leuchtend buntes Bild. Die Achterbahn wurde wie- der viel und gerne in Anspruch genommen, denn die merkwürdigen Gefühle, die sie vermittelt, will man ja alle Jahre einmal erleben. Die elektrische Autobahn gefiel nicht weniger gut und die autobe­geisterte Jugend konnte sich einmal höchst gefahrlos und ohne Führerschein an den Volant setzen. Eine originelle Neuerscheinung auf der Messe stellt das Ungeheuer von Loch Neß bar, das Seeungeheuer, das sich schnell vorwärts und rückwärts, auf und ab bewegt und die Fahrgäste auf feinem Rücken in allerlei Zustände bringt. Selbstverständlich fehlen auch die Karusselle nicht. Eine Tierschau ist da, ein verzaubertes Schloß auch, ein Taucher, eine Gei­sterbahn und viele Verkaufsbuden, die sich um das leibliche Wohl der Messebesucher bemühen. Der Ver­kaufsmarkt ist auch diesmal wieder gut beschickt.

Der gestrige erste Messetag war ein glücklicher Auf- I takt, und den Geschäftsleuten auf der Messe kann

man nur wünschen, baß sie nach vielen schlechten Tagen in Gießen auch einmal gute Zeit erleben. Autoersatzräder- und Fahrraddiebstähle

Der Polizeibericht meldet: In der Nacht zum 18. März wurde aus einem Keller in der Credner- straße mittels Einbruchs ein noch fast neues Herren­fahrrad entwendet. Es handelt sich um ein Wande­rerrad, Fabriknummer 359 614, mit schwarzem Rahmen mit schmalen blauen Streifen, schwarzen Felgen und Schutzblechen, hochgeboyener Lenkstange mit schwarzen Griffen, Torpedofreilauf, hellgelbem Sattel mit Rückstoßfeder, Kettenschutzkasten.

In der gleichen Nacht wurden von zwei Kraft- wagen, Sie am Hotel Schütz parkten, je ein neues Ersatzrad entwendet. In beiden Fällen handelt es sich um Ablerwagen. Die Felge des einen Ersatz­rades war von olivengrüner Farbe, der Gummi MarkeContinental-Ballon", Größe 4,50 X 17. Die Felge des zweiten Wagens war von beiger Farbe, der Gummi ist MarkePhönix", Größe 4,50 X 17.

Ein weiteres Ersatzrad wurde in der bleichen Nacht aus einer verschlossenen Garage in der Händelstraße mittels Nachschlüsseldiebstahls ent­wendet. In diesem Falle handelt es sich um ein Scheibenrad von beiger Farbe. Gummi Marke Continental-Ballon", Größe 4,50 X 17.

Der Tatausführung nach dürften die Diebstähle von mindestens zwei Personen ausgeführt worden sein.

Personen, die sachdienliche Mitteilungen machen können, werden gebeten, der Kriminalpolizeistelle Gießen Nachricht zu geben.

Tagung der Imker.

Die Ortsfachgruppe Imker im Reichsverbanb Deutscher Kleintierzüchter hielt am gestrigen Sonn­tagnachmittag im Hotel Hopfeld ihre Frühjahrs­oersammlung ab, die ganz im Zeichen der Reichs­tagswahl stand. Ortsfachgruppenvorsitzender B o - denbender (Gießen) wies nach herzlichen Be­grüßungsworten auf die Bedeutung der Wahl hin und forderte die Jmkerkameraden auf, dem Führer am 29. März die Stimme zu geben. Es sei heilige Pflicht aller Deutschen, so zu handeln.

Im Verlaufe des geschäftlichen Teils der Ver­sammlung wurden die Obmänner für Bienen­zucht innerhalb des Vereinsbezirks über die im Gange befindliche Zuckerverbilligung des Reichs,- ausfchufses für Zuckerwirtschaft unterrichtet, wonach für jedes Bienenvolk fünf Pfund Zucker als Reiz- unb Notfütterung im Frühjahr und im Herbst zehn Pfund zur Einwinterung verbilligt zur Verfügung gestellt werden. Der Verbilligungszuschuß beträgt im Höchstfälle acht Pfennig je Pfund. Außerdem wurden die bestellten Mittelwände, nahezu 200 Kilogramm, verausgabt. Eine kurze Aussprache diente noch den Maßnahmen zur sachgemäßen Au^- winterung, die im Rahmen der Erzeugungsschlacht auf dem Gebiete der Bienenzucht von besonderer Bedeutung ist. Auf den Schutz der pollenliefernden Weidenkätzchen als vordringliche Verbesserung der Bienenweide wurde besonders hingewiesen.

Mit dem Gedenken an den Führer und Reichs­kanzler Adolf Hitler fand die Versammlung ihr Ende.

Dekorations-Lehrgänge.

Wie bereits bekanntgegeben wurde, veranstaltet die Arbeitsschule der Deutschen Arbeitsfront in Ge­meinschaft mit der Wirtschaftsgruppe Einzelhandel Gießen Dekorationslehrgänge, die allen Inter­essenten die Möglichkeit geben sollen, sich so auszu» bilden, daß sie in der Lage sind, schöne Schau­fenster zu erstellen. Gerade bas Schaufenster soll durch die richtige Auslage der Waren und ent­sprechende Ausgestaltung das Publikum zum Kauf anregen und spielt deshalb im Rahmen der Wer­bung für den Einzelhandel eine bedeutende Rolle. Die deutschen Dekorationskurse, welche in den größten Städten Deutschlands bereits mit Erfolg gearbeitet haben, konnten auch für Gießen gewon­nen werden. Die Lehrgänge werden besonders auf die Praxis abgestellt sein, und es wird sich hierzu in 15 Schaufensterkojen Sie Möglichkeit Ser Durch­führung bieten. Dekorationsmaterial aus allen Bräuchen steht genügend zur Verfügung. Außer einem Tageslehrgang, der in drei Wochen täglich von 8 bis 13 Uhr durchgeführt wird, ist den tags­über Beschäftigten Gelegenheit geboten, ihre Aus­bildung in einem Abendlehrgang, der sich gleich­falls über drei Wochen täglich von 20 bis 23 Uhr erstreckt, zu erhalten. Die Lehrgänge beginnen am 4. oder 5. Mai d. I. Es liegt bereits eine große Anzahl Anmeldungen für diese Lehrgänge vor.

Die Tippgräfin.

Roman von Klothilde v. Stegmann.

Urheberrechtsschutz: Aufwärts-Verlag, Berlin, SW 68.

19. Fortsetzung. Nachdruckverboten!

15. Kapitel.

Im Netz des Schicksals.

Plötzlich klopfte es an die Tür.

Herein!" rief Annina.

Ein älterer Mann kam herein und grüßte ehr­erbietig. Bei feinem Anblick hatte Mariella einen Augenblick das Gefühl, als werde ihr der BoSen unter den Füßen weggezogen. Denn der Mann, der sich höflich vor ihr verneigte, war ihr nur allzu bekannt. Herr Grottwig, ein kleiner, aber ver­trauenswürdiger Juwelier, prüfte jährlich die Gel- lernschen Juwelen auf die Haltbarkeit ihrer Fas­sungen hin. Gleichzeitig putzte er dann Metall und Steine. Stets war es für die kleine Mariella ein Fest gewesen, wenn Grottwig für einen ganzen Tag mit seinem Handwerkszeug in der Villa Quar­tier nahm. Sie durfte dann zusehen, wenn dem schweren Schmuckbehälter all die schimmernden Kost­barkeiten entnommen wurden.

Herr Grottwig war keineswegs ein Mensch, vor dem man erschrecken mußte. Im Gegenteil. Er hatte ein immer freundlich lächelndes Vollmond­gesicht und gute blaue Augen. Er begriff nicht, warum die schöne junge Principessa, Sie er von klein auf kannte und väterlich liebte, bei seinem Anblick schneeweiß wurde und lautlos zusammen- sank. Gerade daß er noch zuspringen und sie auf- fangen konnte. Sonst wäre sie hart auf den Par­kettfußboden geschlagen.

Was gibt es denn?"

Annina von Gellern war einen Augenblick ins Nebenzimmer gegangen, wo sie mit dem Stuben­mädchen etwas zu besprechen hatte. Auf Sen er­schreckten Aufschrei des alten Grottwig kam sie eilig herein.

Die gnädige Principessa, gnädige Frau sie fiel plötzlich um, als sie mich sah!"

Der alte Mann kniete noch am Boden und sah zu Annina von Gellern auf.Sie ist ohnmächtig!"

Nun entstand im Hause allerlei Hin und Her, Laufen und Rennen. Die bewußtlose Mariella wurde mit Hilfe des Dieners in ihr Zimmer ge­bracht und auf das Bett gelegt. Ein Arzt, von dem Stubenmädchen telephonisch herbeigerufen, bemühte sich um die Ohnmächtige. Aergerlich stand Annina von Gellern dabei.

Ich habe keine Ahnung, was geschehen ist", sagte sie kurz, als der Arzt sie um die Ursache Ser Ohn­macht ihrer Pflegetochter befragte.Wir hatten eine kleine Auseinandersetzung, weil meine Pflege­tochter sich ungebührlich gegen mich benahm. Im Lause dieser Auseinandersetzung erklärte sie mir, daß sie sofort mein Haus verlassen wolle. Hoffent­lich ist der Anfall nichts Ernstes. Sie werden ver­stehen, daß mir wenig daran liegt, einen kranken Menschen zu pflegen, der sich so feindlich und un­dankbar gegen mich gezeigt hat. Jede Guttat, die ich meiner vermögenslosen Pflegetochter von klein auf erwiesen habe, scheint verschwendet zu fein."

So viel Haß sprach aus ihrem Gesicht und aus ihren Worten, daß es den jungen Arzt falt über» lief. Er wandte seine Augen zu Mariella. Sie lag noch immer in tiefer Ohnmacht. Ihr schneeweißes, zartes Gesichtchen in der Flut des seiSenweichen, schwarzen Haares war rührend wie das eines Kindes. Der kleine rosige Mund war schmerzlich zusammengezogen. Eine wehe Falte lag auf der reinen Stirn.

Dem jungen Arzt tat die kleine, junge Prinzipessa leib. Er hatte sie nur ein paarmal flüchtig gesehen, Denn er hatte sich erst seit einigen Wochen hier an öer Ecke der Villenstraße niedergelassen. Er wußte nichts Näheres über Mariella und nichts von Frau von Gellern als das, was er soeben hier gehört hatte. Aber ein unbestimmtes Gefühl sagte ihm, daß o.ie Darstellung der schönen Frau mit den gefähr- l'chen, falten Augen nicht ganz stimmen fonnte. Dies rührende, junge Geschöpf, das da ohnmächtig vor chm lag, hatte sicher feine Schuld so rein und zart sah es aus.

''5$ ^?rde warten, bis die Prinzessin erwacht, gnädige 5rau!' fagte er furz.Ich denke, die Ohn­macht wird bald behoben sein!"

Wirklich schlug Mariella bald die Augen auf. Aoer sie war so müde und matt, daß sie gar nicht recyt begriff, was eigentlich vorgegangen war. Der

junge Arzt fand nichts weiter als eine große Schwäche und Reizbarkeit, empfahl Ruhe und feine Aufregung. Als er vorsichtig fragte, ob er morgen noch einmal vorsprechen sollte, lehnte Frau von Gellem fühl ab:

Nein danfe vielmals, Herr Doftvr! Sie meinen ja selbst, daß meiner Pflegetochter nichts Ernstliches fehlt; sie wird ja vermutlich morgen gar nicht mehr hier sein."

Mit einer steifen Verbeugung empfahl sich der junge Arzt. Frau von Gellern hatte sein äußerstes Mißtrauen erregt. Was war das für eine Frau! Sie schien ernstlich gewillt zu sein, das junge Mäd­chen gleich nach ihrem Ohnmachtsanfall aus dem Hause zu weisen.

Mariella lag noch immer wie im Halbschlaf. Die Gedanken verwirrten sich ihr immer wieder, trotz der belebenden Medizin, die sie auf Geheiß des Arztes genommen, und trotz des starken Kaffees, den das Stubenmädchen ihr mitleidig einflößte. Alle Angestellten des Hauses hielten ja zu der kleinen Principessa, die immer gütig, freundlich und menschlich zu ihnen war. Ganz im Gegensatz zu Annina von Gellern, die den Unterschied zwischen Herrin und Dienerschaft mit hochmütiger Strenge betonte.

Inzwischen nahm das Verhängnis feinen Lauf. Grottwig hatte die Untersuchung und Reinigung der kostbaren Schmucksachen in Angriff genommen. Das dritte Stück, das er einer eingehenden Kon­trolle unterzogen, war das Halsband der Gero­nimo. Was ihm zunächst daran auffiel, war das Fehlen des winzigen Geheimzeichens, das jedes dieser unschätzbaren Stücke an einer bestimmten Stelle der Fassung besaß. Er nahm die Juwelen daraufhin stärker unter die Lupe, und bald darauf ließ sich der alte Herr aufgeregt bei Annina von Geldern melden.

Nanu, Herr Grottwig, schon fertig?"

Nein, gnädige Frau!" Grottwig vermochte vor Erregung kaum zu sprechen.Nur nur gnä­dige Frau ich wage es kaum zu sagen, und doch muß ich Ihnen meine Entdeckung unverzüglich melden!"

Was für eine Entdeckung?"

Daß nur noch das eine Halsband der Geronimo echt ist, gnädige Frau!"

Annina fuhr auf:Unmöglich nur das eine echt? Was sagen Sie mir da? Und das andere?" Das andere ist die beste Imitation, die mir je in meinem Beruf unter die Hände gekommen ist. Wenn das Geheimzeichen darauf nicht' gefehlt haben würde, wäre ich auf den Austausch kaum aufm^rf» fam geworden!"

Annina von Gellern erhob sich. Ihr schönes Ge­sicht war dunkelrot vor Wut in ihren Augen blitzte es unheilverkündend auf.

Kein Wort zu irgend jemandem, Herr Grott­wig", befahl sie,bis ich die Polizei benachrichtigt habe!"

Ahnen Sie denn, gnädige Frau, wer diesen Diebstahl begangen und den Schmuck gegen die Imitation ausgetauscht haben könnte?" jammerte der alte Mann.

Annina richtete sich hoch auf:Ich ahne es nicht, ich weiß es."

*

Es gibt Augenblicke im Leben, in denen auch dem gewissenlosesten Menschen sein Unwert zum Bewußtsein kommt. So erging es auch Erhard von Hagen jetzt. Daß er das Geld verspielt hatte, das Mariella um den Preis eines Verbrechens ihm verschafft, drückte ihn nun doch schwer. Was hatte er getan?! Warum hatte er seine unselige Spiel­leidenschaft nicht noch einmal bezwingen können?! Nun mußte er Kammacher schreiben und ihn wiederum um Geduld bitten. Aber er wußte, der Bankier würde sich nicht noch einmal vertrösten lassen; er mußte ja nun auch schon zu gut, was er von den Versprechungen Erhards zu halten hatte. Kammacher würde ihn nicht schonen und das ganze Lügengebäude war nicht mehr aufrechtzu- yalten.

Wie ein Sinnloser hatte er wieder gespielt und nach anfänglichem Gewinn verloren. Statt aufzu­hören, hatte er höher und höher gesetzt, denn er glaubte in feinem Spielfieber, das launische Glück doch zwingen zu können. Als er beim Morgen­grauen vom Spieltisch aufstand, war die ganze, von Mariella durch Diebstahl und Verkauf her erbeute­ten Juwelen herbeigeschaffte Summe in nichts zer­ronnen.

(Fortsetzung folgt!)