Ausgabe 
23.2.1936
 
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Montag, 24. Februar 1936

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Nr. 46 Zweiter Blatt

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liche Zusammenarbeit der beiden Länder vorsieht. Es folgte dann der Besuch des Schahs Pehlevi in Ankara und Stambul, wo der iranische Herrscher mit betonter Herzlichkeit ausgenommen wurde. Bei diesem Besuch wurden auch die letzten türkisch­iranischen Grenzstreitigkeiten erledigt und es begann ein neuer Abschnitt in den freundschaftlichen Be­ziehungen zwischen den beiden Nachbarstaaten. So schloß sich die Kette, und es entwickelte sich eine von Jahr zu Jahr enger werdende Freundschaft zwischen den drei großen islamischen Staaten im Nahen Orient: Afghanistan, Iran und Türkei.

Die Kartoffelmarktordnung hat unter Berücksich­tigung des Bedarfs und seiner Deckung die Maß­nahmen zu unterstützen, die im Rahmen der Er­zeugungsschlacht getroffen werden und die Ver­wertung der geernteten Kartoffeln nach den Be­dürfnissen der Gesamtheit zu regeln. Wahrend bet der Durchführung der Erzeugungsschlacht mehr Die erzeugungstechnischen Fragen behandelt, z. B. Düngung, Züchtung, Boden- und Betriebsverbesse- runq usw. innerhalb der kartoffelbauenden Betriebe beeinflußt werden, sorgt die Kartoffelmarktordnung für eine Preisklarheit und Preisstetigkeit, die für die Erzeugungs- und Absatzsicherung von großer Bedeutung sind.

Die Verwertung der deutschen Kartoffelernte ge­schieht in erster Linie unter dem Gesichtspunkt der Sicherstellung der Versorgung der Bevölkerung mit Speisekartoffeln. Dieser Sicherstellung dient die Festsetzung von Erzeugerabgabepreisen, die Fest­setzung von Verbraucherbezugspreisen, die Fest­legung von Gütevorschriften und die Ueberwachung

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mit einem Herrn allein auszugehen, ist in Fami­lien, die auf die Erziehung ihrer Töchter halten, streng verpönt. Kommt eine senorita häufiger mit einem Herrn zusammen, so ist er sofort in aller Augen der novio, der Verlobt, von dem man er­wartet, daß er das Mädchen heiratet.

Eine auffallende Stellung nimmt auch das

Der Aufruhr auf dem KriegsschiffBounty", das im Jahre 1787 zu einer botanischen Expedition un­ter Führung Kapitän Bligh nach Tahiti in See stach, ist die berüchtigste Meuterei in der Geschichte der englischen Flotte. Bligh war als Seemann ebenso tüchtig wie er als Vorgesetzter tyrannisch war. Seine unbeugsame Strenge artete schließlich in eine wahre Schreckensherrschaft aus, die Erbitte­rung unter der Besatzung war bald bis zur Siede­hitze gestiegen, und eines Tages entlud sich der in den Herzen der Matrosen angesammelte Haß in offene Auflehnung, bei der sich Fletcher Christian, einer der am meisten gepeinigten Offiziere an die Spitze stellte. Bligh wurde mit achtzehn Mitglie­dern der Besatzung, die sich der Meuterei nicht an­schließen wollten, in einem kleinen Kutter mit spär­lichen Vorräten und den bescheidensten Hilfsmitteln ausgesetzt, während dieBounty" mit dem An­führer an Bord Segel setzte. Kapitan Bligh ge­lang es tatsächlich, sich mit dem keineswegs seetüch­tigen Boot, in dem die Menschen wie die Heringe dicht zusammengedrängt waren, unter ungeheuren Entbehrungen und Gefahren über eine Strecke von fast 5800 Kilometer bis nach Timor, einer Insel bei Java durchzuschlagen und.-,von dort nach Lon­don zu segeln. r _ ,

Hier es war im Jahre 1790 wurde sofort Bericht erstattet und im folgenden Sommer die Fre­gattePandora" entsandt, um die Meuterer tot ober lebendig nach England zu bringen. Vierzehn der Rebellen, die sich inzwischen in Tahiti angeste- delt hatten, konnten ergriffen werden. Vier von ihnen ertranken in ihren Ketten bei dem Unter­gang derPandora", die Schiffbruch erlitt, sechs wurden durch das Kriegsgericht zum Tode verur­teilt und vier wurden freigesprochen. Wo war aber der Rest der Aufrührer geblieben? Sie hatten unter Fleicher Christians Führung mit derBounty die Flucht ergreifen können, ehe diePandora' vor Tahiti erschien. Sie erreichten die nur fünf Qua­dratkilometer große Pitcairn-Jnsel im Stillen Ozean, verbrannten das Schiff und brachen damit alle Brücken zu ihrer alten Heimat und zur Ver­gangenheit ab. Im ganzen waren es fünfzehn Ma­trosen, die sich aus Tahiti zwölf eingeborene Frauen mitgebracht hatten.

der Verteilung der Speisekartoffeln. Zunächst wur­den zum Schutze der Erzeugung die ungewöhnlichen Preisschwankungen am Speisekartoffelmarkt ausgeschaltet, die den Kartoffelanbau zu einem immer größeren Wagnis gemacht hatten. Um die einwandfreie Bedarfsdeckung zu gewähr­leisten, wurden gleichzeitig auch Preisgrenzen nach oben festgelegt und wie z. B. bei der Früh­kartoffel-Marktordnung eine genaue Regelung der Zufuhren durchgeführt. Damit sind unnötige Han­delswege vermieden worden, so daß der Speisekar­toffelabsatz gesichert, verbessert und verbilligt wer­den konnte.

Ebenso wichtig sind auch die Maßnahmen, die zur Ordnung des P f l a n z k a r t 0 f f e l m a r k t e s ergriffen worden sind. Sie liegen in der Tatsache begründet, daß die Pflanzkartoffeln die Grundlage unserer nächstjährigen Kartoffelernte darstellen. Neben der Bereinigung der Sortenvielheit sind Maßnahmen getroffen worden, um die durch Krank­heit anfälligen Bestände allmählich auszuschalten.

Die Nachkommen dieser vor rund hundertfünf­zig Jahren gegründeten englischen Kolonie leben noch heute auf der Insel und erhalten sich friedlich von Ackerbau, Viehzucht und Fischfang. Zweimal hat die britische Regierung ihre Umsiedlung ver­sucht, aber die Inselbewohner haben sich beharrlich geweigert, das Stückchen Erde zu verlassen, das ihren Vorfahren einst eine Zufluchtsstätte gewor­ben war. Ein Nachkommen jenes Fletcher Christian leitet heute die Geschicke dieser kleinen Kolonie, er ist die oberste Behörde, Seelsorger und Arzt zu­gleich.

Durch einen vor kurzem gedrehten Film über die Meuterei auf derBounty", der bereits in vie­len Ländern mit Erfolg läuft, ist die Aufmerksam­keit wieder auf diese Tragödie gelenkt worden, die damals größtes Aufsehen erregte. Die Geschichte der Siedlung ist zu Beginn voller blutiger Ereig­nisse. Es schien, als schwebe über den Meuterern ein rächendes Verhängnis. Fünf von ihnen wurden von den Wilden getötet, die von den Matrosen Quinta! und McCoy angestiftet worden waren, und diese beiden wurden wiederum von Young und Adams ermordet. Als Young kurz darauf üb­rigens eines natürlichen Todes starb, blieb neben den Frauen und Kindern nur ein weißer Mann Übrig. Das war John Adams, nach dem die ein­zigeStadt" der Pitcairn-Jnsel genannt wurde. Fletcher Christian fand an der Stätte ein Begräb­nis, wo ihn eine Musketenkugel in den Kopf traf.

Aus dem Rest der Aufrührer von derBounty" ist so ein kleines Volk geworden, von starker Fröm­migkeit und friedfertigem Wesen, und nichts erin­nert mehr an die dunkle Vorgeschichte der Ge­meinde. Noch heute wird ein Teil der Werkzeuge und Geräte gebraucht, die man vor ungefähr 150 Jahren an Bord gebracht hatte, bevor das Schiff auf Grund gefetzt wurde. Unter der festen Hand von Edgar Christian herrscht auf der Insel tadel­lose Ordnung, und Recht und gute Sitte stehen m hohen Ehren. Natürlich ist das Leben denkbar ein­fach, aber der Zustand ist auch so paradiesisch, wie er auf Erden überhaupt vorstellbar ist. B.

dieser Hinsicht ist die spanische Nation sehr liberal. Sie macht den zahlreichen Vertretern anderer Na- Honen keine Vorschriften über ihre Lebensweise, sondern läßt sie gewähren. Jeder Deutsche kann die deutsche Schule besuchen, die in sehr gutem Ruf steht. Der Spanier geht sogar noch weiter. Er schickt seine eigenen Kinder in großer Zahl in die deutschen Schulen, damit sie unsere Kultur in sich aufnehmen.

Ein schwarzes Haar...

Die Ueberführung eines Mörders durch ein Haar ist dieser Tage in Stockholm gelungen. Dort war ein Tischlermeister ermordet in seiner Werkstatt aufgefunden worden: allem Anschein nach lag Raubmord vor. Der Täter hatte keine Spuren hin­terlassen: Fingerabdrücke und sonstige Anzeichen einer Verbrechertätigkeit waren nicht zu entdecken. Auf dem Anzug des Toten fand sich aber em schwarzes Haar, das einem fremden Menschen ge­hören mußte. Mehrere Verdächtige aus dem Be- kanntenkreis des Tischlers wurden nun untersucht, und die gerichtsärtliche Prüfung ergab, daß das Haar nur einem von ihnen, einem früheren Ge­sellen des Tischlers, gehören konnte. Dieser hat den Mord auch schließlich eingestanden.

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Gleich darauf begann nun die Türkei mit dem planmäßigen Ausbau freundschaftlicher Beziehungen zu ihrem unmittelbaren Nachbar, zu P e r s 1 e n , heute wieder Iran genannt. Bereits am 15. Juni 1928 wurde zwischen der Türkei und 3ran ein Abkommen unterzeichnet, das eine enge wirtschaft-

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Eine auffallende Stellung Kind in der Familie ein. Ku vielen Fällen der Abgott, um den sich alles dreht. Die Erziehung der Kinder ist sehr weich. Em ge­strenger Vater, der seine Kinderaus Liebe schlagt, ist eine Ausnahme. In Gegenteil, die Wünsche der Kinder werden im allgemeinen weitgehend erfüllt. Kein Erwachsener würde es als unpassend finden, wenn ein Kind ihm feinen Sitzplatz in der Stra­ßenbahn nicht einräumt. Man erzieht das Kind auch nicht zur Selbständigkeit, sondern es wird be­hütet und bewacht, damit ihm ja nicht irgendein Leid zustoße. So ist es auch zu erklären, daß der Vater oder die Mutter es häufig zur Schule bringt und mittags wieder abholt. Und man staune. Richt das Kind trägt seine Schulmappe, sondern man nimmt ihm die schwere Last ab. Vornehme Spa­nier lassen es sich nicht nehmen, ihre Kinder sogar im Auto zur Schule zu fahren. Sie haben häufig eine deutsche Erzieherin, d. h. Begleiterin oder Behüterin wäre richtiger gesagt, da fie sich im all­gemeinen nach den Wünschen der Kinder zu richten hat Auch ist es Sitte, daß die spanischen Kinder bereits mit 10 Jahren alle die Filme zu sehen bekommen, zu denen in Deutschland Jugendlichen unter 18 Jahren der Zutritt verboten ist. Es bedarf keines Kommentars, welchen Einfluß diese Ein­drücke auf die Phantasie des Kindes haben. Die Kindlichkeit geht in jungen Jahren schon verloren, und man hat es frühzeitig mit Altklugen zu tun. Die Kinowut ist eben eine Krankheit, von der keiner den Spanier heilen kann. Dafür besitzt Madrid augenblicklich keine Oper. Man über­trage das auf deutsche Verhältnisse! Die Millionen­stadt Madrid baut seit vielen Jahren ihr altes Operngebäude um und wird nicht fertig damit.

lieber viele Dinge, gemessen an deutschen Ein­richtungen, wundert man sich. Aber warum füh­len sich die zahlreichen Deutschen, von denen es vor allem in Madrid und Barcelona große Kolonien gibt, so sehr wohl in diesem Land des Südens? Die Gründe zu finden, ist nicht schwer. Der Spanier ist sehr gastfrei. Und wir Deutsche, denen der Spanier stets mit großer Achtung gegenübergetreten ist, haben allen Grund, dieser Nation für die Gastfreundschaft zu danken. Von wie vielen Ländern hört man gerade heute, daß das Deutschtum unterdrückt wird. In

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Don Kurt Hecht, Vorsitzendem der Hauptvereinigung der Deutschen Kartoffelwirtschast.

Freundschastspolitik im Vorderen Orient

Von unserem (Eche.)'Berichierstaiier.

zuerlegen. Warum soll man z. B. Zivilisations- 1 erscheinungen wie einen Aschenbecher auf den Tisch I stellen, wenn es viel einfacher und bequemer ist, 1 alles auf den Boden zu werfen? Läßt sich der Fuß- hoben nicht auch wieder reinigen? Em Gefühl des Unbehagens kennt man deshalb nicht.

In anderen Dingen ist der Spanier dagegen wieder sehr förmlid). Als vornehmer Mann tragt er immer ein langes Beinkleid, der höchste Adlige ebenso wie der einfachste Arbeiter. Fnr Erwachsene ist es ein Ding der Unmöglichkeit, sich rn S p o ri­tz o s e n auf der Straße sehen zu lassen Der Spanier zieht auch niemals außerhalb des Hauses sein Jackett aus, wenn die Sonne noch so sehr brennt. Die niederen Volksschichten nehmen sich einzig und allein die Freiheit den Rock über die Schultern zu hängen. In Deutschland und in vielen anderen Landern hat es sich in; Öen letzten Jahr- zehnten immer mehr durchgesetzt, das Rad als Verkehrsmittel ausgiebig zu benutzen. Hier steht man erst feit wenigen Jahren ine Boteuprngen aus rein praktischen Gründen aus einem Rad. Em Caballero dünkt sich zu oornehm, solch em Fahr- zeua zu besteigen. Und was ,ur ein Gesicht wurde der Spanier wähl gar erst machen, wenn eine senorita mit ihren geschminkten Wangen und den angemalten Lippen (dies-. Verwandlung gehör übrigens dazu, um straßensahig angezogen zu sein) in diesem Auszuge durch tue Straßen der Stadt fahren würde? Es ist für spanische Begriffe ein- fach undenkbar. . ...

' Wie überhaupt, so besitzt der Spanier gegenüber den Damen eine besondere Höflichkeit. Sein Ideal ist es, Caballero zu sein. Geld spielt keine Nolle, wenn es sich darum handelt, diesem Ideal nach- miaaen Es ist eine Eigenart des Spaniers, den Frauen'auf offener Straße Schmeicheleien ins Ge­sicht zu sagen. Derartigehöfliche Artigkeiten würden in Deutschland als plumpe Frechheiten oder unangebrachte Anbiederungsversuche aufgefaht werden. Die Spanierin will es aber gern Horen, daß sie hübsch ist und den Männern begehrenswert erscheint Doch wenn ein Mädel auf feinen guten Ruf etwas gibt, so wird es sich Uar gern Aus­rufe wie:Welch ein reizendes Mädchen! oder Welch leuchtende Augen!" mitanhoren, aber doch dem Manne die kalte Schulter zeigen, ohne daß dieser sich dadurch verletzt fühlt. Ja, die Sitten zwischen den beiden Geschlechtern sind sogar sehr . streng. In einer besseren Familie ist es unmöglich, : daß ein Mädel allein a u s g e h t und sich m i ein Cafe fetzt, ganz zu schweigen davon, daß sie ohne Begleitung ein Tanzlokal besuchen wurde» Es ist immer die Mutter ober die Freundin dabei. Auch

Oer spanische Dolkscharakier. .

Von Dr. Fritz Zessel, Madrid.

Der Bericht unseres Madrider Mitardei- ters wurde vor dem Regierungswechsel ge- chrieben. Gleichwohl dürfte diese Schilderung des spanischen Dolkscharakters zum Ver­ständnis der jüngsten politischen Ereignisse beitragen.

In Spanien ist der Gegensatz zwischen Arm und Reich besonders stark ausgeprägt. Es gibt unendlich reiche Spanier, die so großen Landbesitz haben, daß sie den Boden nicht einmal vollkommen ausnützen lassen. Dieser Landadel ver­körpert noch heute diejenigen Eigenschaften, die man an dem stolzen hidalgo der vergangenen Jahr­hunderte so sehr gerühmt hat. Doch die Zahl der Armen ist unendlich viel größer. Man muß staunen, in was für Hütten (gelinde ausaedruckt!) sve viel­fach Hausen und mit welchen bescheidenen Mitteln ie ihr Leben fristen. Das B e 11 l e r w e s e n mußte in diesem Lande zu einer großen Plage werden, da diese arme Bevölkerung aus eigenen Mitteln einfach nicht existieren kann. Hinzu komm daß die Arbeitslosigkeit mzwlschen auch schon hef- tiq um sich gegriffen hat. In Madrid hat die Re- aierung mit den Bettlern vor einigen Monaten vollkommen aufgeräumt. Sie, die ^mst m großen Scharen die Straßen den ganzen Tag bevölkerten, sind bis auf ganz wenige Ausnahmen verschwunden, da der Staat sich ihrer angenommen hat. Im Süden muß man dagegen noch heute mit den erbarmung - würdigsten Bildern der ungezahlten Bettler rechnen.

Wenn das Betteln auch von der Regierung streng untersagt ist, so kümmert man sich m diesem wie in vielen anderen Punkten wenig um ^e Vor­schriften. Die Ursache ist dann zu suchen daß der Spanier im Grunde seines Herzens vollkommen undiszipliniert ist. Er will ein freier Mann sein, der die Einengung durch Vorschriften als einen lästigen Zwang empfindet. Man kennt von Deutsch­land die zahlreichen Schilber nach denen an ge­wissen Orten das Rauchen, das Spucken auf den Fußboden und viele andere Dmge verboten sind. Solche Schilber, um dies nur als Beispiel heraus zugreifen, gibt es hier auch m fast allen Lokalen unb öffentlichen Verkehrsmitteln. Doch «/r küm­mert sich barum? Der einfache Mann des Volkes empfindet keine Veranlassung, sich danach zu rich ten, wenn die Vertreter der Autorität des Staat selber ein schlechtes Vorbild geben. Im Lokal pflegt sich der Spanier auch keinen großen Zwang auf-

Das Dach als Flugplatz.

Der Pilot James G. R a y von der Autogyro Company of America hat mit einem Zweisitzer von 75 PS auf dem Dach des Postgebäudes von Philadelphia eine Landung vorgenommen, Post mitgebracht und auch weiterbefördert. Das ist eine glänzende Leistung. In der Nord-Südrichtung hat das Dach zwar eine Länge von 111 Meter, an der Ost- und an der Westseite bietet es wegen der Ummauerung unb ber über fünf Meter hohen Schutzdächer für bie Aufzugs- unb Belüftungsanla- gen jedoch manche Schwierigkeit. Dennoch verliefen An- unb Abflug ohne jeben Zwischenfall, wie in der Frankfurter WochenschriftDie Umschau" mit­geteilt wird. Ray betont, daß man die Dachform den Bedürfnissen des Fliegers besser anpassen müsse. Dazu gehören auch gewisse Abrundungen unb bie Verwirklichung des Stromlinienprlnzips im Bau, da sich der Seitenwind und der thermische Aufwind an den scharfen Dachkanten ftörenb be­merkbar machten. Der Pilot gibt den Ratschlag, bie zweckmäßigsten Dachformen mit Hilfe des in der Flugzeugtechnik jetzt häufig verwendeten Wind- kanals auszuprobieren. D

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Verantwort' )eodor Künmcl. lag: Brühl'sche R. Lange, K.-T,

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Ium 1935 gültig.

Die wachsende Selbständigkeit des einstigen eng­lischen Mandatsgebietes Irak ließ nun bald den Wunsch aufkommen, auch diesen Staat in den Bündniskreis der drei genannten Mächte einzube­ziehen. Hierbei spielten mancherlei Erwägungen eine Rolle: einmal die alte, in letzter Zeit wieder viel erörterte Zielsetzung einer engen Zusammen­arbeit aller islamischen Staaten im Vorderen Orient, und zum anderen der Gedanke, diese wirtschaftlich hauptsächlich wegen der Petroleumvor­kommen so überaus wichtigen Gebiete immer mehr dem Einfluß fremder europäischer Mächte zu entziehen und auch auf diesem Gebiete sich u n- abhängig von Europa zu machen. In der Tat eröffnen sich hier ungeahnte Möglichkeiten, die die ernsteste Beachtung im übrigen Europa verdie­nen. Entsteht doch hier ein Block von Staaten, die eine für diese Gebiete ganz neue Nationalpolitik betreiben und die gleichzeitig über so riesige Natur­schätze verfügen, daß sie bei einer entsprechenden Modernisierung schon in verhältnismäßig kurzer Zeit imstande sein würden, der wirtschaftspolitischen Entwicklung in Vorderasien ein völlig neues Ge­präge zu geben.

Es ist in diesem Zusammenhänge interessant, daß das offizielle türkische BlattUlus" in Ankara aus Anlaß des Besuches des afghanischen Außenmini­sters einen Artikel aus der Feder des Abgeordne­ten Falih Rifki Ata veröffentlichte, in dem es hieß: Wir begrüßen in der Person des afghanischen Ministers nicht nur den Vertreter eines befreun­deten Landes, sondern auch einen der hervorragend­sten Kämpfer des unabhängigen Afghanistan, das abgesehen von der Türkei neben Japan der zwei Staat ist, der seine wirkliche und völlige U n- a b i) ä n g i g f e i t sich zu erhalten weiß/ Hier wird besonderer Wert auf die innere Gleichgerichtet­heit der Zielsetzungen jener Staaten gelegt, die sich geflissentlich freihalten von fremden, nämlich europäischen Einflüssen. Man sieht an diesem Bei­spiel, daß gerade der Unabhängigkeitsgedanke bei den politischen Bestrebungen der vorderasiatischen Mächte eine besondere Rolle spielt.

beseitigt wurden.

Der afghansche Außenminister gilt als einer der besten Kenner der türkischen Sprache: außerdem hat er einst die Militärschule und die Kriegsakademie in Kabul besucht, die von türkischen Offizieren ge­leitet wurde. Fayz Mohammed Khan darf also als ein besonderer Kenner der türkischen Geisteswelt und des türkischen Wesens gelten. Sein Besuch in Ankara leitete aber nicht eine neue Freundschafts­politik zwischen den beiden Staaten ein, sondern er diente vielmehr nur der Befestigung und Erneue­rung früherer Abmachungen. War doch am 25. Mai 1928 in Ankara ein türkisch-afghanischer Nicht­angriffspakt und gegenseitiger Hilfspakt abgeschlss- fen worden, der praktisch einem Militärbund - n i 5 gleichkommt. So besagt dessen Artikel 2, daß sich die beiden Staaten verpflichten, im Falle eines Angriffes von dritter Stelle auf einen der vertrag­schließenden Teile für den Schutz der Interessen des angegriffenen Teiles einjtftreten, während der Ar­tikel 3 beiden Staaten die Verpflichtungen auferlegt, sich in keiner Weise an kriegerischen Aktionen ge­gen den einen von ihnen zu beteiligen. Gleichzeitig wurde festigt, daß die Türkei alle verfügbaren Kräfte fürdieModernisierungAfghani- ftans einsetzen solle. Dieser Vertrag bedeutete ge­rade mit dieser letzten Bestimmung in der Tat einen neuen Abschnitt in der Entwicklung des Vorderen Orients. Denn während bisher alle diese Länder für die Durchführung ihrer Modernisierungspläne europäische Kräfte heranaezogen Hatten, wie ja auch die Türkei selbst bis dahin das Feld europäischer Geschäfts-Politiker war, wendete man sich jetzt ein« Art Autarkiepolitik zu, indem man, zunächst wenigstens in Afghanistan, auf europäische Helfer verzichtete und sich Reformatoren nicht mehr als Europa, sondern aus der fortschrittlichen Türkei holte. Damit war der erste Schritt der Emanzipie­rung der vorderasiatischen Staaten von Europa ge-

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Kabul, Februar 1936.

Kürzlich gingen zwei Meldungen durch die Presse, hinter deren wenigen Worten sich doch äußerst be­deutsame politische Vorgänge im Nahen Orient verbergen. Die eine Meldung besagte, daß d i e Türke», Iran, Irak und Afghanistan beabsichtigen, einen Nichtangriffspakt zu unterzeichnen. Die andere Meldung berichtete kurz von dem Be s u ch des afghanischen Außen­ministers in der türkischen Haupt- st a d t, wobei von neuem die enge Zusammen­arbeit und die friedliche Politik dieser beiden Län­der betont worden fei. Selbstverständlich stehen beide Vorgänge in einem gewissen Zusammenhang, denn der afghanische Besuch in Ankara darf sozusagen als die erste sichtbare Vorbereitung für den geplanten Nichtangriffspakt der vier selbstän­digen vorderasiatischen Mächte angesehen wer­den. Daß zuerst der afghanische Außenminister Fayz Mohammed Khan seinem tür­kischen Kollegen einen offiziellen Besuch abstattete, hat seine tieferen Gründe in den besonders engen Beziehungen, die nicht nur den afghanischen Außenminister, sondern auch Afghanistan überhaupt mit der Türkei verbinden. Hatte doch im vorigen Jahre die Türkei dem befreundeten Afghanistan einen großen Dienst erwiesen, der freilich gleichzeitig auch das Ansehen der Türkei im nahen Orient be­trächtlich zu steigern vermochte: Eine türkische De­legation hatte damals als Schiedsrichter in den iranisch - afghanischen Grenz­streitigkeiten fungiert, wodurch die alten Streitigkeiten zwischen den beiden Staaten endgültig

Welche konkrete Formen diese Zusammenarbeit zwischen den Mächten des Nahen Orients ange­nommen hat, ist am deutlichsten zu ersehen aus den verschiedenen Bahnbauprojekten, die m letzter Zeit von der türkischen Regierung ausgearbei- tet wurden. Das eine Projekt bezieht sich auf bie Erschließung Ostanatoliens und auf die Herstellung einer direkten Eisenbahnverbindung von der persischen Stadt Täbris bzw. Teheran über das türkische Erzerum nach dem Schwarzen Meer-Hafen Trapezunt. Diese Bahn soll die Aufgabe haben, den persischen Warenverkehr, der jetzt über Mossul und über das französische Syrien geht, von diesem Wege abzuleiten und über türkisches Gebiet nach einem türkischen Hafen zu führen. Das zweite Projekt sieht die Ver­bindung des türkischen Eisenbahnnetzes mit dem des Jrak-Gebietes vor, stellt also praktisch die Verwirk­lichung des alten deutschen Baadadbahn- Planes dar. Durch die Verwirklichung dieses Projektes würde es möglich sein, das Petro­leum von Mossul, auch wieder unter Um­gehung von Syrien, nach türkischen Um­schlag p l ätzen zu leiten.

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Man sieht an diesen Plänen ganz deutlich, mit Schritt getan aus dem Wege ^r Festigung der welcher zielbewussten Sicherheit die türkische Pa- Selbständigkeit des Nahen OstensG»°de un ch m litik ihren Weg geht. Wenn setzt noch der geplante bück aus die drohenden Konsüktsmogüchkeiten im Vierer-Pakt im Nahen Orient Zustandekommen östlichen Mittelmeer scheint es angebracht, diese sollte, dann wäre damit wieder ein ganz wesentlicher Vorgänge aufmerksam zu verfolgen.

Die Nachkommen der Meuterer.

Ein verschollenes Drama im Stillen Ozean.