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Hr.|9 Orittcs Blatt Eletzener Anzeiger «Seimal-Anzelger fOr Gd«heffen> Donnerstag, 25. Januar 1956

Die Entwicklung der deutschen Stadt

Ehrenabend für Kapitän Schmehl.

Brautfahrten übers Weltmeer.

Wenn sich ein junger Farmer, der draußen in der Welt seinen Wohnsitz ausgeschlagen hat, zur Heirat entschließt, dann sucht er sich, wie die Er­fahrung lehrt, zumeist eine Landsmännin als Gat­tin aus. Und wenn er in seiner Weltabgeschieden­heit keine geeignete Frau findet, dann bleibt ihm nichts anderes übrig, als in feinem Heimatland auf die Freite zu gehen. Da er sich indes ungern entschließt, seine Farm auf viele Monate zu ver­lassen, so muß die Auserwählte allein die Reise in die Welt antreten, und die von diesen heiratslusti­gen Mädchen bevorzugten Schiffe nennt man nicht ohne BerechtigungDrautschiffe". Wenn so ein Brautschiff am Ziel angelangt ist, so sollen sich oft seltsame Szenen abspielen, über die der Afrika- reisende Sir Percival Philipps einen aus

einer künftigen Lebensgefährtin zu suchen. Damals beklagten sich nämlich zahlreiche unverheiratete Griechinnen darüber, daß sie wegen der Ueberzahl ber weiblichen Bevölkerung keine Männer finden konnten. Schließlich tat sich eine Schar von tausend heiratslustigen Damen zusammen und setzte sich mit Der Griechisch-Amerikanischen Gesellschaft, dem sog. Ahepa-Orden, in Verbindung, dem 33 000 Ameri­kaner griechischer Herkunft als Mitglieder ange» Horen. Die Mädchen fragten an, ob vielleicht Man­gel an griechischen Frauen in den Vereinigten Staa­ken herrsche, und wenn dem so wäre, ob sie nicht diesen Mangel beseitjgen könnten. Der Vorschlag wurde von den Mitgliedern des Ordens mit Be­geisterung ausgenommen, und es wurde zunächst gebeten, daß die in Frage kommenden Mädchen ihre Photographien einsenden sollten. Dann taten sich tausend junge Männer zusammen, um sich auf die Brautfahrt nach Griechenland zu begeben. Jeder durfte sich die Schöne aussuchen, die ihm nach dem Bude am besten gefiel. Etwaige Streitigkeiten über die Wahl der Braut im Bilde, die sich naturgemäß unter den Bewerbern erheben könnten, sollten schon auf der Reise friedlich beigelegt werden. Als das Brautigamsschiff im Hafen von Piräus anlangte, gab es bald ein großes Hochzeitsfest.

Walter und unter der Spielleitung von Paul Wrede zur Aufführung. Für die Tanze zeichnet Thery Schultheiß verantwortlich. Die Vor­stellung ist außer Abonnement und dauert von 19

Scherz und Ernst gemischten Bericht gibt. In der ostafrikanischen Hafenstadt Mombassa könne man, : so berichtet Philipps, immer ein paar aufgeregte, mehr oder weniger junge Herren treffen, die plötzlich aus dem Innern der Kenia-Kolonie oder aus Uganda hier angelangt sind und unruhig um ihr Hotel herumlungern. Den Zweck ihrer Reise hüllen sie in tiefes Schweigen, aber keiner, der mit den Verhältnissen vertraut ist, läßt sich täuschen: es skeht ihnen auf der gerunzelten Stirn und in den spähenden Augen geschrieben, daß sie auf Freiers- füßen gehen und auf das nächsteBrautschiff" war­ten, das am Hafen anlegt. DerDampfertag" ist, da an ihm stets einige junge Bräute ankommen, Zumeist auch der Hochzeitstag. Der Bräutigam hat bereits alle Vorbereitungen für die Hochzeit ge­troffen, die wenige Stunden nach der Ankunft der Braut vollzogen werden soll. Ungeduldig wartet er bereits am Kai, nimmt die Braut in Empfang, um sofort mit ihr und den Brautzeugen nach' dem Standesamt und zur Kirche zu fahren. Die Braut trägt dabei zumeist ein einfaches Straßenkostüm und der Bräutigam einen weißen Tropenanzug. Bei der Rückkehr von der Trauung nimmt das junge Paar mit den Freunden des Bräutigams und einigen Schiffsbekanntschaften ein Frühstück ein, und dann geht es von dem kleinen hölzernen Bahnhof aus mit dem Zug durch weite Ebenen und dichten Urwald in die neue Heimat im Innern des schwarzen Erdteils. Philipps hat nun aber auch Zweimal die Beobachtung gemacht, daß sich die Braut während der Ueberfahrt anderweitig ge­bunden t)at. Die einsamen Bräutigams an der Küste benahmen sich nun in den genannten Fällen sehr verschiedenartig. Der eine ließ sich von der Braut dem Nebenbuhler vorstellen und wünschte ihm mit philosophischer Gelassenheit alles Gute für die Zukunft, um sich dann wieder als Hagestolz auf feine Farm zu begeben. Der andere war weniger gelassen. Als feine eben angekommene Braut ihn zögernd nochum einige Tage Bedenkzeit" bat, begab er sich zu feinem Nebenbuhler und versetzte ihm einen kräftigen Boxhieb auf Den Kinnbacken. Dann kehrte er zu seiner Braut zurück und erklärte ihr: Ich habe dem Kerl was Tüchtiges zwischen die 1 Zähne gegeben. Richte du dich auch danach! Setze dir deinen Hut auf und komm!" Und nach einer 1 Stunde waren die beiden verheiratet. In Den weit- '

konnte nicht Die Einfälle eines anDeren Dulden. Und Der Erfolg, Den fein erster Roman hatte, belohnte Die Mühen. Die englischen Leser erkannten sich selbst in dieser Gestalt wieder, mit ihren guten und schlech­ten Eigenschaften. Und die Kleidung, die Dickens in allen Einzelheiten feinem Zeichner vorgeschrieben hatte, wurde die Mode von 1 836.

Doch Die Gestalt, Die so sehr Der AusDruck Dieser Epoche war, verschwanD nicht mit ihrer Generation. Man hat in Der Vorliebe Der heutigen Engländer füp Pickwick eine uneingestandene Sehnsucht nach Der victorianischen Zeit sehen wollen, und es ist sicher, daß niemand besser als Pickwick jene Epoche des reichen und zufriedenen England, die große Zeit derKleinen Königin", verkörpert ... Aber Darüber hinaus ist Pickwick Der typische Englänber aller Zeiten, unD wenn sich nicht Die Kleiber- moDe geänDert hätte, so brauchten DiePickwickier", Die jetzt an seinem 100. Geburtstage aus allen Teilen Des LanDes nach LonDon ziehen wollen, sich nicht zu verkleiDen, um ihrem Jbeal zu gleichen ... Der Klub DerPickwickier", Den Dickens erfunDen hatte, exi­stiert heute nämlich wirklich. Und er hat sich nicht nur zum Ziel gefetzt, das Andenken Dickens' und feines Romanhelden zu pflegen, sondern er hat Heime für obdachlose Tiere und andere Einrichtun­gen geschaffen, Die bestimmt Pickwicks Herz erfreuen würben, wenn er noch lebte. Aber er lebt ja noch, unD gewiß ist er, in tausendfacher Gestalt, Mitglied dieses Klubs, der, englischer Achtung für Tradition gemäß, wahrscheinlich auch zur Pflegestätte einiger Spleens" geworden ist, durch Die sich Mr. Pickwick schon vor 100 Jahren auszeichnete und Die ihn unsterblich gemacht haben. R. St.

mung. Die lebenDige SchilDerung Schmehls läßt alles erleben, als wäre man selbst Dabei gewesen. (Siehe heutige Anzeige.)

Der Bund heimattreuer Schlesier (Deutscher Ostbund) als ber Zusammenschluß aller Ostbeutschen hält am Samstag, 25. b. M., imPfälzer Hof" feine Jahres­versammlung ab, zu ber alle Ostbeutschen, aber auch Gäste eingelaben sinb. (Siehe heutige Anzeige.)

Dank den Ackern!

Die Gauführung bes WHW. bankt allen Helfern, die in uneigennütziger Weise bei ben Konzerten ber Wehrmacht sich zur Verfügung gestellt und Zum Gelingen ber Veranstaltungen beigetragen haben. Der mustergültige Einsatz von SA., ber übrigen NS.-Glieberungen, Verbänbe unb Vereine verbient besonbers hervorgehoben zu werben unb verpflichtet zu herzlichem Dank!

Hitler-Zugend Dann 116 Gießen.

Belr.: Anträge auf h Z.-Ehrenzeichen.

Die Frist zur Einreichung ber Anträge auf Er­langung eines HI.-Ehrenzeichens läuft a m 31. Januar 1 9 3 6 ab. Bis zum 26. Januar 1936 müssen baher alle Anträge auf ber Personal­stelle bes Bannes abgegeben fein. Später einlaufenbe Anträge können nicht mehr berücksichtigt werben.

Berechtigt zum Tragen bes HJ.-Ehrenzeichens ist jeber, ber vor bem 1. Reichs-Jugenb-Tag in Potsbam ber Hitler-Jugenb angehörte, unb ber heute noch in ber Hitler-Jugenb ober einer Glieberung ber Par­teiorganisation tätig ist.

Anträge sofort anforbern?

Der Abjutant bes Bannführers. Gez.: Völzing, Scharf.

personenffandsaufnahmeundWerbung für den Reichslustschutzbund.

Der Reichsluftschutzbunb, Bezirksgruppe Ober. Hessen, teilt uns mit:

In ber Zeit vorn 25. Januar bis 9. Februar 1936 werben vom Reichsluftschutzbunb in Ge- meinschaft mit ben Bürgermeistereien in allen Orten Oberhessens Personen st anbsli st en aus­gegeben unb roieber eingesammelt.

Da biese Unterlagen für ben weiteren Aufbau bes Selbstschutzes ber Zivilbevölkerung unbebingt erforberlich sinb, hat jeber Volksgenossen biese Listen auf bas Gewissenhafteste auszufüllen.

Mit bieser Personenftanbsaufnahme ist gleichzeitig eine Werbung zumBeitrittinbenRLB. öerbunben. Dem Luftschutz kommt heute eine unge­heure Bebeutung zu, so baß es Ehrenpflicht jedes beutfchen Volksgenossen sein muß, daß er Mitglieb bes RLB. wirb unb baburch bazu beitragt, baß bie großen Aufgaben, bie ber RLB. im Interesse ber Selbsterhaltung ber gesamten Be­völkerung zu leisten hat, burchgeführt werben können.

Verwegener Einbrucksdiebstahl in der Bahnhofstraße.

Frauen, im Lyzeum; 21 bis 22 Uhr Reiten, Reit­schule Schömbs. Gloria-Palast, Seltersweg: Henker, Frauen unb Solbaten". Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Stützen ber Gesellschaft". Groß­deutsche Feuerbestattung, Bezirksinspektion Mittel- beutschlanb: 20 Uhr in ber Aula ber Universität musikalische Abenbseier. Oberhessischer Kunst- ocrein (Turmhaus am Branbplatz): 11 bis 13 Uhr unb 15.30 bis 18 Uhr Ausstellung bes Künstler- bunbesIsar".

Spielplanänhcrung

im Gießener Sladllhealer am Sonntag.

Aus Dem StaDttheaterbüro roirD uns geschrieben: Für Sonntag, 26. Januar, war eine Wiederholung der SchlageroperetteDie Tanzgräfin" angefetzt. Da jedoch am letzten Sonntag die Aufführung der klassischen OperetteDie Fledermaus" von Johann Strauß bei ausverkauftem Hause einen geradezu stürmischen Erfolg hatte und viele Theaterbesucher an der Abendkasse keine Karten mehr erhalten konnten, hat die Intendanz für Den kommenden Sonntag eine nochmalige Wiederholung der Ope­retteDie Fledermaus" angesetzt. Das Werk kommt in neuer Inszenierung und Ausstattung unter Der musikalischen Leitung von Kapellmeister Paul

Kapitän Schmehl hat sich zum Dank für Die ihm von feiner VaterstaDt Gießen zuteil gewordene Ehrung durch die Verleihung Der Ehrenplakette Der Stadt Gießen für kommenden Freitag zu einem LichtbildervortragDie ISmonatige Fahrt des Hilfs­kreuzersWolf" mit dem FlugzeugWölfchen" zur Verfügung gestellt. Der Goethe-Bund und der Kauf­männische Verein haben die Durchführung dieses Ehrenabends, zu dessen Eröffnung Der Herr Ober­bürgermeister sprechen wird, übernommen, lieber die Vorträge von Kapitän Schmehl liegen begeisterte Berichte aus zahlreichen Großstädten vor. Der oft­mals durchbrechende sonnige Humor des Vortragen­den, Der es ausgezeichnet versteht, volkstümlich zu reDen unD seine Worte mit echtem Seemannshumor Zu umkleiDen, versetzte alles in Die heiterste Stim-1

In der vergangenen Nacht wurde die hiesige Der- kaufsvertretung derRheinmetall-Werke" in ber Bahnhofstraße (Inhaber Karl Saab) ber Schau­platz eines mit großer Raffinesse angelegten und durchgefuhrten Einbruchbiebstahls. Die Einbrecher fuhren gegen 2.55 Uhr mit einem Kraftwagen vor, ließen ben Motor laufen, schlugen mit großer Ge­walt bie Schaufensterscheibe ein, so baß ein Loch entstand, durch das bequem ein Mann in ben La­denraum gelangen konnte. Sie nahmen rasch drei wertvolle Rechenmaschinen an sich, u. a. auch eine hochwertige automatische Rechenmaschine, ferner eine Anzahl Schreibmaschinen, soweit sie im Schaufenster- raum standen und rasch zu greifen waren. Die Ein­brecher haben ihren Ueberfall auf das Geschäft an- Einend sehr sorgfältig vorbereitet, denn sie warte» ten ab, bis die Polizeistreife vorbei war und konn­ten Dann auch tatsächlich ungestört ihr Handwerk ausuben. Dom gegenüberliegenden Hause aus wurde der Vorfall beobachtet, allerdings konnte ber An­wohner anscheinenb nicht mehr eingreifen, ba Die . Diebe im Nu roieber verfchrounben waren. Die Kn- beiterfte Stirn-1 minalpolizei würbe benachrichtigt unb begab sich

Soldaten im Schnee.

Die ersten Skitruppen gehen bis auf bas Jahr 1200 in ben norbischen Länbern zurück. Gustav Aböls bediente sich ber Skiläufer als Boten, unb Karl XII. Ueß im norwegischen Felbzuge kleine Abteilungen fhlaufenber Solbaten gegen ben Feind vorstoßen, bie burch ihre im tiefen Schnee hoppelt wertvolle Beweglichkeit mehr erreichten, als es eine größere Heeresgruppe zu Fuß vermocht hätte. Zu Beginn des 18. Jahrhunberts ging man in Norwegen zum planmäßigen Aufbau von Schneefchuhkompanien über. Jeber Skisoldat sollte den Rang eines Ge­freiten und dazu das Recht erhalten, sofort nach Beendigung des Krieges den Dienst quittieren zu dürfen. 1747 gab cs, wie Kurt Seeger im Fe» bruarheft von Velhagen & Klafings Mo» n a t 5 t) e f t e n bemerkt, in der Armee bereits sechs ständige Skikompanien zu je 100 Mann. Wie groß ihre Ueberlegenheit einfachen Fuß- und selbst beritte­nen Truppen gegenüber war, zeigte sich 1808, als ein ganzes Dragonerregiment, das im metertiefen Schnee der nordischen Wälder und Ebenen nahezu hilflos war, von einer kleinen Gruppe bewaffneter Skiläufer fast gänzlich aufgerieben wurde.

Bor ben SA.-Stubentenstürmen sprach am ge­strigen Mittwochabenb im großen Hörsaal ber Universität Bürgermeister Oberscharführer Dr Hamm über bas ThemaDie Entwicklung ber beutfdjen Stab t". Der Vertreter ber SA.-Stanbarte 116, Obersturmbannführer unb ©tanbartenabjutant Münker, konnte vor Beginn des Vortrags einige gelabene Gäste begrüßen, barunter Oberbürgermeister Ritter unb ben Kommanbeur ber I. Abt. Art.-Rgt. 9, Hauptmann Welte, als Vertreter ber Wehrmacht.

Oberscharführer Or Hamm

ging in feinem etwa anberthalbstünbigen Vortrage oon ber Römerzeit zwischen bem 5. unb 8. Jahr- hunbert auf beutschem Gebiete aus, bie er in ganz großen Strichen skizzierte, um bann barauf hinzu- roeifen, baß sich aus den ehemaligen Römer­städten die deutschen Städte entwickelten und etwa um die Mitte des 12. Jahrhunderts als fertige Ge­bilde erschienen. Die deutschen Städte seien In der Hauptsache aus den Märkten heraus entstanden, die unter dem Schutz bes Königs stauben und vor allem mit den großen Handelsplätzen, Bischofs­sitzen usw. verbunden waren. Er schilderte Dann Die Bedeutung Des Marktrechts für Die vielseitige Ent­wicklung Der StäDte und für Deren Wachstum. Dann gab er interessante Anhaltspunkte zur Be­urteilung Der topographischen, wirtschaftlichen, rechtlichen unD verwaltungsmäßigen Verhältnisse der Städte Des Mittelalters, wobei hie Summe aller Merkmale bieser Verhältnisse in ber Stabtver- fassung zusammengefaßt erschienen.

An Hanb von zahlreichen guten unb instruktiven Lichtbildern schilderte er weiter bie Städte mit unb ohne sieblungstechnische Grunblagen, bie Stabt typen nach ihrer Entstehung von ben Römerstädten her über bie verschiedensten ©täbtebauformen unb Siedlungsmerkmale der Jahrhunderte hinweg, an­schließend gab er in fesselnder Darstellung' durch Wort und Bilder einen lehrreichen Ueberblitf über die äußere Erscheinung ber Stäbte im Mittelalter. Dann lenkte er bas Interesse seiner Hörer auf bie Entwicklung ber beutschen Stabt vom Mittelalter bis zum Dreißigjährigen Kriege unb nach biefem gewaltigen Kriegserlebnis auf beutschem Boben bin, wobei er die weitreichenben Einflüsse Dürers, Speckles, ber Lanbesfürsten usw. auf Die Entwick­lung Der StaDtbefejtigungen, Der städtebaulichen Formen usw. übersichtlich barlegte. In biefem Zu­sammenhang stellte er auch bie Gesichtspunkte ber Bevölkerungspolitik unb bes Baustils ber damali­gen Zeiten an Hand zahlreicher Bilder, bie eine vortreffliche Ergänzung ber Schilberungen bes Vor- tragenben gaben.

Aus Oer provinzialhauptstaOt.

Oie häusliche Lehre.

NSG. Das neue Deutschland stellt die Familie in den Mittelpunkt feiner Bestrebungen. Das Herz ber Familie ist bie Hausfrau. Dem beutschen Volke bie rechten Hausfrauen zu schaffen, ist ber Zweck ber hauswirtfchaftlichen Berufsausbil- d u n g. Jeher Stand muß sich ben Nachwuchs, ben er wünscht unb braucht, selbst erziehen. Dies gilt für alle Berufe, auch für ben ber Hausfrau, in bereu Hänben bie Erziehung, bie Ernährung, bie Ge- sunbheit unseres Volkes unb bie Verwaltung bes größten Teiles beutschen Volksvermögens ruht. Die Hausfrauengeneration von heute muß bie haus- wirtschaftlichen Kenntnisse, bie sie von ihren Müt­tern ererbt unb burch eigene Erfahrungen erweitert hat, ber nach ihr kommenben Generation, ber Ju- genb von heute, weitergeben; sie ist verantwortlich dafür, baß ihre Töchter, wenn sie bereinst Haus­frauen unb Mütter werben, um ihre Pflichten unb ihre Verantwortung wissen unb bie nötigen grund- legenben Kenntnisse besitzen, ohne bie auf feinem Gebiet Gutes unb Wertvolles geleistet werben kann. Hierzu bient hie mehrjährige häusliche Lehre. Sie soll bem jungen Mädchen bie Ausbil­dung vermitteln für ihren späteren Beruf als prak­tisch geschulte, volkswirtschaftlich benfenbe Hausfrau unb Mutter. Sie soll ihm aber auch bie Möglichkeit verschaffen, in bem vornehmsten weiblichen Beruf, ber Tätigkeit in Haushalt unb Familie, auf eigenen Füßen zu stehen unb sich burch Tüchtigkeit unb Fleiß zu verantwortlicher Selbstänbigkeit heraufzuarbeiten.

Hierzu tritt bas junge Mäbchen in einen geeig­neten Haushalt als Lehrling ein. Es wirb ein Lehrvertrag geschloffen zwischen Lehrfrau unb Lehrling, her nach mehrwöchiger Probezeit in Kraft tritt. Er binbet beibe Teile auf zwei bis brei Jahre, je nach bem Alter bes Lehrlings. Währenb dieser Lehrjahre erwirbt ber junge Haushaltslehr- Iing unter Leitung ber Hausfrau alle zur Führung emes einfachen bürgerlichen Haushaltes notwendi- gen Kenntnisse, ohne baß feine Ausbilbung seinen Eltern gelbliche Opfer auferlegt. Denn baburch, baß der Lehrling in ben Haushalt ber Lehrfrau aus­genommen wirb unb außer Kost, Wohnung unb Wäsche auch bie Kassenbeiträge unb eine bescheidene monatliche Vergütung verbient, ist biese Berufs- ausbilbung beinahe kostenlos.

Es gehört ein hohes Maß von Arbeit, Gebulb, Nachsicht unb Opferwilligkeit von feiten ber Lehr- frau dazu, ben jungen Lehrling für bas Leben zu schulen unb ihm neben ben praktischen Hanbgriffen der Haushaltsarbeit bie Einteilung von Zeit unb Gelb, Verwenbung bes Kleinen unb Geringfügigen, Beurteilung ber Ware beim Einkauf unb, bas Wichtigste, bie mütterlichen Aufgaben der Frau zu vermitteln unb ihn bazu zu erziehen, sich unter Verzicht auf eigene Wünsche bienenb unb helfenb für anbere einzusetzen. Neben bieser praktischen Ausbilbung geht bie theoretische Ergänzung burch die hauswirtschaftlichen Klassen ber Berufs­schule. Am Enbe ber Lehrzeit steht bie Prüfung in Kochen, Backen, Waschen, Bügeln, Flicken, Stop- fen, Hausarbeit unb einfachster Buchhaltung, nach welcher ber junge Lehrling sichgeprüfte Haus­gehilfin" nennen barf.

Eine tüchtige Hausgehilfin braucht niemals er­werbslos zu fein. Da es an gutem Nachwuchs fehlt, ftnb tüchtige Kräfte sehr gesucht unb haben guten Verdienst. Dann steht nach längerer bezahlter Tä­tigkeit in Haushalten ober Betrieben ber Weg zur geprüften Wirtschafterin" unb, wenn bie nötige zHIgemcmbübung vorhanden ist, ber Aufstieg zur Hauspflegerin unbMeisterin ber Hauswirtschaft" osten So finbet bas praktisch begabte, tüchtige Mädchen in dem vornehmsten weiblichen Beruf, in Der Hauswirtschaft, nicht nur Die VorbilDung für il)re spätere Lebensaufgabe als Hausfrau unD Mut- ter, fonDern auch Je Möglichkeit zu felbffänDiger i gesicherter Lebensstellung.

Vornotizen.

Tageskalenber für Donnerstag.

NS.-G.Kraft Durch FreuDe": 20 bis 21 Uhr i unh^ 21 bis 22 Uhr fröhliche Gymnastik, nur für i

bis 22 Uhr. Mit Dieser SpielplanänDerung kommt die Intendanz den im Laufe der Woche vielfach geäußerten Wünschen gerade her auswärtigen Theaterbesucher entgegen.

Der Schlußabschnitt bes Vortrages war ber Ent­wicklung ber Stabt im 19. Jahrhundert, ber Stabt des Liberalismus, unb anschließend bem Städte­bau des 20. Jahrhunderts gewidmet. In diesem Zusammenhang machte Dr. Hamm bie gewaltige Entwicklung Deutlich, bie im Verlaufe bes 19. Jahr- hunberts in ber sozialen Struktur ber beutschen Bevölkerung, ber Lebensgewohnheiten, ber Wohn- weise unb damit auch ber baulichen Entwicklung ber Städte, sowohl hinsichtlich ber Ausnutzung des Bo­dens, als auch bei ber Gestaltung ber Häuser zu verzeichnen war. Ferner wies er hin auf bie schweren Nachteile ber liberastischen Wirtschafts- auffaffung auf bem Gebiete bes Grunb unb Bodens unb bes Bauwesens unter Hinweis auf bie unge­heuren Schöben ber Mietskasernen in ben großen Stäbten, ein freies Spiel ber Kräfte, bas in ben Formen der hemmungslosen Grundstücksspekula­tion bie schwersten Schöben für bie Volksgesund- heit unb auch für bie seelische Haltung her Men­schen zur Folge hatte. Die Gesamterscheinung her liberalistischen Stabt bes 19. Jahrhunberts machte der Vortragende an Dem systemlosen Durcheinander von Wohn- unb Geschäftshäusern, Fabriken unb sonstigen Jnbustrie- unb gewerblichen Anlagen, un­logischer unb unzweckmäßiger Verkehrsgestaltung deutlich. Dieser unerfreulichen städtebaulichen Ent­wicklung stellte er als Gesichtspunkte des Stäbte- baues des 20. Jahrhunderts Die sorgsame plan­mäßige Aufteilung unb Nutzung bes Grunb unb Bodens unb vor allem ben Gebauten ber klaren Glieberung unb reinlichen Scheidung zwischen Wohn-, Geschäfts- unb Industrievierteln, sowie zweckmäßiger Verkehrsgestaltung gegenüber. In bie- sem Zusammenhang betonte er einbringlid) ben hohen Wert ber Siedlung unter reichlicher Schaf­fung von Grünland, Anlagen und anderen Einrich­tungen, Die eine gesunde, volkshygienisch und so­zial befriedigende Entwicklung gewährleisten. Er betonte dabei, daß auf diese für Die Vokksgesund- heit glückliche Entwicklung Das Streben unD Wol­len Des Nationalsozialismus gerichtet sei, der Durch diese grunDlegenDe Neugestaltung Des Daseins Des deutschen Volkes die schweren Schäden der libera- listischen Zeit beseitigen unb heilen wolle. Der fes- felnbe Vortrag würbe von den vielen SA.-Kame- raben mit anhaltender Aufmerksamkeit verfolgt unb mit lebhaftem Beifall bebanft.

Obersturmbannführer Standartenadjutant Münker schloß ben lehrreichen Abend mit Danfesroorten an den Vortragenden und mit dem von den SA.- Kameraden freudig aufgenommenen Gruß und Ge­löbnis an den Obersten SA.-Führer Adolf Hitler.

Der ewige Engländer.

Hundert Jahre Mr Pickwick

Ganz England feiert in diesem Monat den hun­dertsten Geburtstag Mr. Pickwicks, bes unfterb- hd)en Helden aus Dickens« erstem Roman. Solche Jubiläen sind heute überall Mode, aber cs fommt selten vor, daß ber Gefeierte an feinem 100. Geburtstag noch lebt. Unb Pickwick lebt so­gar in boppeltem Sinne: als Hauptfigur bes Ro­wans, ber noch immer zu ben meistgelesenen Bü­chern in Englanb gehört, aber auch als Verkörpe­rung bes ewigen (Englänbers, wie man ihm noch heute in Lonbon begegnen kann. Der Lonboner Bettler, ber mit Buntstiften bie Porträts vom toieger im letzten Derby, bes englischen Königs und Pickwicks auf das Straßenpflaster zeichnet, findet für den letzteren viele Modelle unter den Pastan- ten stud als kürzlich ein Film nach dem be­rühmten Roman von Dickens gedreht werden sollte, meldeten sich viele Hunderte von Engländern, deren jeder sich für das vollkommenste Ebenbild Pickwicks hielt!

Pickwick ist durch Dickens, und Dickens durch Pickwick, feine erste Romangestalt, unsterblich ge­worden, sagt man gewöhnlich. Es ist aber wenig bekannt, daß Pickwick gar nicht die Erfindung des großen englischen Schriftstellers ist, sondern eines damals sehr berühmten Zeichners namens Sey­mour, ber burch seine gesellschaftskritischen Bil­der bekannt geworden war. Seymour hatte die Idee, in einer Serie von Bildern die Abenteuer eines Durchschnitts-Engländers, der Pickwick heißen sollte, barzustellen, aber sein Ver­leger stellte bie Bedingung, daß ein Text die Bil­der begleiten solle. Man wählte für diese Aufgabe den jungen Dickens, der bisher nur seineSketches" in einem Magazin veröffentlicht hatte, völlig un­bekannt war, unb besten Talent von Seymour als mittelmäßig genug angesehen würbe, um nicht die Aufmerksamkeit von ben Zeichnungen abzu­lenken. Aber währenb ihrer Zusammenarbeit er­wies sich her Schriftsteller als ber Stärkere: bie Bilder würben zu bloßen Illustrationen, unb Dickens begann sogar, bie Einzelheiten ber Gestalt unb ber Kleidung Pickwicks vorzuschreiben und Sey­mour seine Zeichnungen zur Aenderung zurück- Zugeben. Der Zeichner führte bie Aenberungen aus; aber am nächsten Morgen fanb man ihn tot in seinem Atelier. Er hatte Selbstmord begangen.

Dickens wählte sich jetzt einen anderen Künstler, bem er weiter alle Einzelheiten genau vorschrieb, i Die Gestalt Pickwicks lebte in seiner Phantasie, er

aus meisten Fällen aber soll sich bie Begegnung in größter Harmonie vollziehen. DiesemBrautschiff" vom Mombassa läßt sich als Gegenstück basBräu- tigamsfchiff" zur Seite stellen, in bem sich taufenb junge Amerikaner griechischer Abkunft vor einiger Zeit in ihre alte Heimat begaben, um Dort nach