Nr. 19 Zweites Blatt Gießener Anzeiger tGeneral-Anzetger für Oberhessen)
Donnerstag, 25. Zanuar 1936
andre Mädchen
Das heißt Carrozza Diplomatien und ist geeignet.
Immer mehr nimmt die Sitte der Erdbestattung ab. Die Toten werden in oberirdischen Grabkammern, neben- und übereinander beigesetzt, ähnlich wie früher in den unterirdischen
Eigentümlichkeiten vom großen Stiefel.
Von unserem römischen E.-Korrespondenien.
Generalstäbler der Wissenschaft im Dienste der Erzeugungsschlacht
(Leipzig) Fragen der bodenständigen Futterwirt- schaft. Als Abschluß spricht Professor Dr. Schür- m a n n (Göttingen) über „Die Erzeugungsschlacht in der Gesamtwirtschaft".
Richter (Tschechnitz) halten, lieber „Leistungsziele bodenständiger Tierzucht" sprechen Prof. Dr. Carstens (Hohenheim) und Freiherr von
Rom, im Januar.
Der italienische Salat ist in Italien unbekannt. Er heißt hier russischer Salat. Wem wäre es noch nicht aufgefallen, daß in ganz Europa nur der große Stiefel im Mittelmeer feuerspeiende Stellen aufweist? Und so gibt es noch viele, viele Merk- und Denkwürdigkeiten in diesem noch nicht ausgesungenen Lande. Auch im Brauchtum stößt der Fremde oft an Dinge, die ihm sonderbar erscheinen, meistens aber einen tiefen Sinn oder eine uralte geschichtliche Wurzel haben. Trällern wir einmal ein bißchen darüber hin: andere Städtchen — andere Mädchen ...
Alle diese Veranstaltungen stehen im Dienste der Erzeugungsschlacht, sie stellen Ab-
auch niemals im Gestrüpp der Verkehrsvorschriften büßend hängen. Das C D entwaffnet jedes polizeiliche Notizbuch.
Einmal ging die Tochter des deutschen Botschafters, der jetzt Außenminister ist, mit ihrem Dackel spazieren und der Waldl — Madonna mia, ehe animale! Was für ein sonderbares Tier! — hatte natürlich wieder seinen Maulkorb vergessen. Daher faßte er natürlich auch den nächstbesten Schutzmann herzhaft ins Auge. Und die Obrigkeit schritt alsbald heran, den Bleistift gezückt. Was tun? Ein diplomatischer Zwischenfall? Die junge Dame war nicht umsonst die Tochter eines trefflichen Diplomaten, das C D blitzte ihr durch den Sinn und sie sagte: Das ist ein Cane Diplomatico — ein Diplomatenhund! Worauf der Schutzmann lächelte, wie nur ein Kind das Südens lächeln kann, und sich höflich verneigte.
Die italienischen Haustüren sind$in der Regel Flügeltüren und manchmal steht der eine Flügel tagelang offen. Das bedeutet: in diesem Hause ist der Tod eingekehrt. Wenn der Papst stirbt, wird monatelang nur der eine Flügel der berühmten Bronzepforte, durch die alle 'Vatikanbesucher eintreten, geöffnet. Aber wie wenigen Rompilgern ist das im Jahre 1922 aufgefallen!
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Etwas öfter noch sieht man an der Haustüre eine lebensfrische weiße Schleife hängen, ein Seidenband, das nastro bianco: es besagt, daß in diesem Hause ein neuer Erdenbürger das Licht der Welt erblickt hat. Lange war diese schöne Sitte verschollen, der Faschismus hat sie wieder einge- sührt. Kürzlich flatterte die weiße Schleife lustig an einem Autobus, der die Ehre eines fröhlichen, wenn auch unerwarteten Ereignisses hatte.
Kennen Sie das andere Italienisch, die Zeichensprache? Das wäre ein Kapitel für sich. Es beginnt schon, wenn der Rompilger am Bahnhof aussteigt, denn wenn er auf die übliche Weise den Gepäckträger herwinkt, so heißt das eigentlich: Fort, ich will dich nicht! Will man jemand herwinken, so muß man — Handfläche nach außen — abwinken. Wer also so begrüßt wird, darf vertrauensvoll näherkommen. Aber keine Angst vor Verwicklungen: die Gepäckträger haben sich schon mit der ihnen eigentümlich und grundverkehrt erscheinenden Winkart der Fremden abgefunden. Sie kommen so oder so.
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Es gibt drei Rom: das königliche, das päpstliche, das faschistische. König, Papst und Duce. Es gibt aber auch drei Erkennungsschilder für Kraftwagen: das gewöhnliche mit dem ausgeschriebenen „Roma" und der schwarzen Nummer; das vatikanische mit der roten Nummer und den Buchstaben S. C. V., was nicht, wie man oft liest, Santa Cittä Vaticana heißt, sondern Stato Cittä Vaticana, Staat Vatikanstadt. Und das dritte Schild: CD mit einer ganz niedrigen Nummer.
arbeitsgemeinschaften für „Pflanzenbau", „Landwirtschaftliche Chemie", „Tierzucht, „Gartenbau", „Landwirtschaftliche Gewerbeforschung" und „Agrarpolitik und Betriebslehre" besonders wichtig. Die Vertreter der Landmaschinen forschung kommen in einer Mitgliederversammlung des Reichskuratoriums für Technik in der Landwirtschaft mit den Vertretern der Praxis und Wirtschaft zusammen. In der zweiten Hauptversammlung des Forschungsdienstes versammeln sich die Vertreter der Wissenschaft zu einem „Jahresappell der deutschenLandbauwissenschaftle r", um ihre Einsatzbereitschaft für die Aufgaben der deut-
Erzeugungsschlacht auseinander. Am Nachmittag wird nach dem Referat von Prof. Dr. W o er mann (Halle, Saale) über „Ernährungsgrundlage und Anbaugestaltung", Kreisbauernführer Krae - mer (Altenkirchen) die wichtige Frage des Erbhofes in der Erzeugungsschlacht behandeln. Die Schlußansprache übernimmt Staatssekretär Backe, der Reichsbeauftrage für den Forschungsdienst.
Vor und nach der Vortragstagung finden viele Sonderveranstaltungen statt, denen eine große Reihe von Praktikern beiwohnen wird. Einer öffentlichen Landeskulturkundgebung kommt besondere Bedeutung zu. Für die Landbauwissenschaftler sind die Arbeitstagungen der Reichs- Andre Städtchen -
Anläßlich der „Grünen Woche" im Vorjahre wurde erstmalig eine Dortragstagung des Reichsnährstandes in Gemeinschaft mit dem Forschungsdienst, den Reichsarbeitsgemeinschaften der Landbauwissenschaft, durchgeführt. In zahlreichen grundlegenden Vorträgen nahmen hier neben führenden Männern der deutschen Agrarpolitik bekannte deutsche Landbau Wissenschaftler Stellung zu den vordringlichen Aufgaben, die der Wissenschaft im Nahmen der Erzeugungsschlacht gestellt sind. Der Obmann des Forschungsdienstes entwickelte die Aufgaben und Ziele des neuen Zusammenschlusses der deutschen Landbauwissenschaft und forderte eine Neuausrichtung der Wissenschaft und ein enges Zusammenarbeiten von Praxis und Wissenschaft, um durch gemeinsamen Einsatz Erfolge in der Erzeugungsschlacht zu erringen und zu sichern.
Die vielseitige Arbeit des vergangenen Jahres hat überall beachtliche Ergebnisse gezeitigt. Neben vielen praktischen Erfolgen, die in den kommenden Jahren in einer Erhöhung und Sicherung der deutschen Erträge sichtbar werden, wurden in Versuchsfeldern und Laboratorien wichtige Erkenntnisse gewonnen, deren Uebertragung in die Praxis zum siegreichen Bestehen der Erzeugungsschlacht beitragen wird. Durch den Zusammenschluß der deutschen Landbauwissenschaftler imForschungs- dienst haben sich auch in erfreulichem Maße engere und vielseitige Bindungen mit der Praxis ergeben. Nicht nur in den Hörsälen und Laboratorien standen die Landbauwissenschaftler und ihre Mitarbeiter, sondern auch draußen in Versammlungen und Sprechabenden Schulter an Schulter mit den Bauern. Engste Gemeinschaftsund Zusammenarbeit bestand auch mit dem Reichsnährstand und seinen Gliederungen.
Diese Arbeit muß sich bewährt haben, denn die diesjährige Dortragstagung des Reichsnährstandes ist wiederum eine Gemeinschaftstaaung. Zu gleichen Fragen nehmen Bauern und Wissenschaftler das Wort, beide bemüht, Schranken, die noch zu bestehen scheinen, niederzureißen: denn beide wissen, daß sie in ihrer Arbeit aufeinanderangewiesen sind. Nicht wie früher wird es sein, daß die Rede des Professors dem Bauern unverständlich ist, daß die Sprache des Bauern dem Profefsor fremd bleibt. Nein, beide haben sich verstehen gelernt, haben erfahren, daß nur in gemeinsamer Arbeit große Aufgaben gemeistert werden können. Während die vorjährige Tagung die vordringlichen Aufgaben der großen Oeffentlichkeit aufzeigen wollte, wendet sich die diesjährige Tagung mit wichtigen Einzelfragen in erster Linie an den Praktiker, der zur Grünen Woche nach Berlin kommt. Ihm wollen feine Berufsgenossen sagen, wie sie die eigene Wirtschaft in die Erzeugungsschlacht eingestellt haben, ihm wollen die Vertreter der Wissenschaft die großen Zusammenhänge aufzeigen, die zwischen den Einzelwirtschaften und der Gesamtwirtschaft bestehen, ihm wollen die Führer der deutschen Agrarpolitik einen Einblick in die Aufgaben einer verantwortungsbewußten Lenkung der deutschen Ernährungswirtschaft vermitteln.
Die Dortragstagung findet am 28. und 29. Januar im Beethovensaal, Köthener Straße 32, statt. Der Reichsbauernführer und Reichsernährungsminister R. Walther Darre wird die Tagung durch eine Begrüßuna-ansprache eröffnen. Anschließend werden Prof. Meyer (Berlin) über „Die Erzeugungsschlacht als Ausdruck deutschen Lei- stungswillens" und Kreisbauernführer Mette (Teltow), Landwirt S o h m a n n (Alt-Steinbeck) und
Die Tagung wird am Mittwoch fortgesetzt und beginnt mit Dorträgen über „Gegenwartsaufgaben vu>|UgVuui|WU|i ,ut ^uiyuu der Fütterung", die Landeshauptabteilungsleiter II, schen Agrarpolitik erneut zu beweisen. Bauer Wienecke (Hannover) und Professor Dr. ’ r ~
schnittsbesprechungen zwischen Stab, Ingenieur- und ... _ , Fronttruppen dar. Einheitliche Richtlinien werden
Gumppenberg (Pöttmes). Prof. Dr. Blunck^dem Führerkorps der deutschen Bauern auf den (Bonn) setzt sich mit den Pflanzenschutzfragen in der Reichsbauerntagungen in Goslar gegeben; die Berliner Januartagungen dienen dem einheitlichen Einsatz aller Kräfte; sie bilden den Auftakt zur Mobilisierung des ganzen Volkes für die Erzeugungsschlacht, die nicht dem Bauern, sondern dem gesamten Volke dient, die nicht eigennützige Zwecke verfolgt, sondern der großen deutschen Volksgemeinschaft die Ernährungsgrundlage aufbauen und sichern will. Und wie sich in der Dortragstagung des Reichsnährstandes Praktiker und Wissenschaftler zusammenfinden, so soll auch das ganze deutsche Volk sich einreihen in die Front der Erzeugungsschlacht und sich fördernd und bejahend hinter die kämpfende Truppe stellen. P.
Prof. Dr. Tornau (Göttingen) über „Richtige, Bodenvflege und Düngung" sprechen. Am Nacbmtt-! den Neid aller gewöhnlichen Fahrer zu erweckend tag behandeln Bauer Zschirnt (Pasewalk), Lan- Diplomatenwagen! Nicht nur, daß er das Benzin besobmann Dr. Sidow (Weimar) und Dr. G e i t h I zu einem Drittel des Normalpreises erhält, er bleibt
Katakomben. Die einzelnen Zellen, loculi genannt, entsprechen der Größe des Zinksarges und werden mit einer Marmorplatte geschlossen. Man kann sie „auf ewig" kaufen und daher wachsen diese Totenstätten ins Riesenhafte. Aus der Ferne gesehen, sieht der römische Zentralfriedhof, der Verano, wie ein großes Stadion aus: Stockwerk über Stockwerk, Zelle neben Zelle, schlafen die modernen Römer den ewigen Schlaf. Die aus Backsteinen errichteten Kolombarien ziehen sich kreisförmig hm, große Treppen dazwischen vermitteln, ganz ähnliche wie im Kolosseum, den Verkehr mit den oberen Rängen.
Von den alten Katakomben, die tief unter der Erde rings um die ewige Stadt Herumlaufen, ist übrigens erst etwa ein Zehntel ausgegraben. Man schätzt ihre Gesamtlänge auf neunhundert Kilometer und die Zahl der in ihnen noch ruhenden Toten auf zehn Millionen.
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Mit Recht berühmt ist der italienische, an Farbenpracht und Lebenslust und Lebhaftigkeit nicht zu überbietende Markt. Hier kann kein Mensch melancholisch werden. Die Lunge der Verkäufer gibt her, was sie kann, man feilscht aus Vergnügen am Feilschen, man steht dafür ja um so länger in den duftenden Orangenlawinen und dem Kunterbunt knallroter, giftgrüner, wutvioletter, seltsamer Früchte. Aber was sind die bizarren Melonen und Melanzane gegen die Wunder des Fischmarkts! Alles, was der Taucher Schillers bei den spitzen Korallen gesehen hat (die einer Menge von Verarbeitern und Händlern Verdienst geben, obwohl man erst kürzlich wieder in deutschen Zeitungen lesen konnte, hier habe Schiller geirrt, denn im Mittelmeer gebe es gar keine Korallen!), alles versammelt sich hier zu einem nahrhaften Stelldichein. Man schneidet den S)ai in appetitliche Scheiben und knabbert den langen Krebs Ring für Ring ab, man zieht dem Mondfisch einen roten Faden aus dem Leib und findet die Fischbrut, die kaum einen Zentimeter lange, pikant. Mancher stachlichte Rochen ist größer als der Karren, der ihn heranschleppt, die rosigen Schweinsfische, wenn sie es sind — wer soll das alles auseinanderhalten! — sind Kopf an Kopf in Behälter geschichtet wie gute Zigarren, Polypen und Tintenfische schwabbeln in Erwartung der „Matrosensuppe" und in der Silvesternacht geht der feiste Hochzeitssaal an Ort und Stelle einer anderen Bestimmung entgegen: großes Fischessen mitten auf dem Markt!
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Im alten Rom gibt es eine kleine Kneipe, wo man die berühmtesten Bandnudeln ißt. Sie werden vor den Augen des Gastes kunstgerecht durcheinandergenudelt, und zwar mit einem goldenen Besteck. Das hat ein begeisterter Fremder dem Nudelkünstler gestiftet.
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Das Benzin kostet jetzt doppelt so viel wie der Wein. Aber auch schon vor der Erfindung der Sanktionen gab es Gegenden, wo er billiger war als das Trinkwasser. Mussolini baut nun nach antikem Muster riesige Wasserleitungen.
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Die Siebenhügelstadt zählt gegenwärtig 1 3 b e - baute Hügel. Auf einem liegt die Vatikanstadt, umgeben von einer alten, zacken- und zinnenreichen Mauer. In 200 Sekunden kann man mit dem Auto bequem um die ganze Stadt herumfahren. Dieser seltsamste, kleinste und doch nicht unwichtigste Staat der Welt hat auch die merkwürdigste Eisenbahn der Welt: mit einem Blick überschaut man sie in ihrer ganzen Länge, dem Bruchteil eines Kilometers; sie besitzt einen prunkvollen Bahnhof aus Marmor, aber bisher hat sich der Bahnverkehr zwischen dem könglichen und dem päpstlichen Rom der statistischen Erfassung entzogen; denn noch niemand hat einen Zug ein- oder auslaufen sehen.
ner (Redakteur Hammer) haben ihre Figuren zu-
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Im Beiprogramm fällt der „Kleine Film einer
en Literarischen Gesellschaft von Japan an
leichte Hand und das filmisch geschulte Auge des begabten und in ähnlichen, größeren Aufgaben bewährten Regisseurs Walter Ruttmann verrät.
um ihn herum blaß und schemenhaft wirkt, als mehr oder minder entbehrliche Statisterie. Sein Bernick erinnert äußerlich, in der Maske, an den
treffend und im Sinne des Schauspiels charakterisiert.
nick. Was hier geschieht, wirkt nicht mehr so grundsätzlich, beispielhaft und anklägerisch wie im Original, und obwohl sich alles im Stil jener Zeit abspielt^ ist doch in Ibsens strengen und unerbittlichen Ton ein neuer Klang hineingekommen. Der menschliche Fall beschäftigt uns — wie dieser Film ihn darstellt — mehrmals das soziale Problem, und die Stimmung, in der man den Film verläßt, ist viel weniger das Gefühl empörter Anklage als das der Anteilnahme und des Mitgefühls angesichts eines furchtbaren seelischen Zusammenbruchs. Das
schäftliche Diplomatie und Taktik; aber er enthüllt zugleich den guten Kern, und gerade in solchen Szenen wirkt am stärksten: in der zarten und zärtlichen Liebe , zu seinem Sohn, in der behutsamen, begütigenden, fast schuldbewußten Haltung gegen das unglückliche junge Geschöpf Dina Dorf. Das ist menschlich überaus fein gesehen und empfunden und scheint uns für die Bewertung wichtiger als der große Zusammenbruch zuletzt, die Wandlung und Einkehr. — Neben George heben sich Schoen- h a I s als Johann und Suse Graf, beide schlicht und sympathisch, hervor. Auch Sima (Prokurist),
An der Universität Heidelberg sind auf Grund der Bestimmungen des Reichsbürgergesetzes die Professoren Dr. Helmut Hatzfeld, Extraordinarius für romanische Philologie, Dr. Walter Jellinek,
George a»s Konsul Bernick.
Lichtspielhaus:
„Die Stützen der Gesellschaft."
Es geht uns mit Ibsen ähnlich wie mit Wilde und Bemard Shaw. Seine Stücke können heute auf uns nicht mehr die erregende und revolutionierende Wirkung ausüben wie etwa zu Beginn des Jahrhunderts. Wir würden heute vermutlich die „Stützen der Gesellschaft" auf der Bühne ebensowenig aktuell finden wie „Eine Frau ohne Bedeutung". Und man muß bei Ibsens Schauspiel ebenso darüber nachdenken wie im Falle von „Pygmalion", was hier zu einer Verfilmung angeregt haben könnte, zumal wir ja Ibsen heute noch viel historischer empfinden als etwa Shaw, der immerhin noch zu den älteren Zeitgenossen gehört. Und zumal auch das Schauspiel in seinen vier Akten nichts oder so gut wie nichts enthält, was als filmisches Motiv betrachtet werden konnte. Es ist also nicht uninteressant, zu verfolgen, wie sich die Verwandlung oder die Verschiebung der Szene vom Bühnenraum ins Atelier mit Kamera und Scheinwerfer vollzieht. Daß die Kamera rein räumlich mehr Möglichkeiten und Akttonsradius hat, ist ja nun schon eine alte Erfahrung. Der Spielleiter der Ufa, Detlef S i e r ck, hat jedenfalls von der Chance Gebrauch gemacht, zu zeigen, was auf der Bühne hinter den Kulissen bleiben mußte. Er läßt die Szene in Amerika beginnen, läßt dort Konsul Ber- nicks, des „Helden", alte Schuld gleichsam leibhaft
Zeitschristen.
— Durch die Gesetze des nationalsozialistischen Staates traten neue Rechtsgrundlagen in Erscheinung, zu deren wissenschaftlichen Durchdringung die besten Kräfte aufgerufen sind. Ihre Aufgabe ist, das Wesen eines ursprünglichen Rechts, das auf der Volksgemeinschaft fußt, zu erkennen und klar zu gestalten, von einer gemeinsamen Grundhaltung aus müssen die zentralen Probleme der deutschen Rechtswissenschaft neu gesehen und gestaltet werden. Dieses Ziel hat sich die Zeitschrift „Deutsche Rechtswissenschaft" (Hanseatische Verlagsanstalt Hamburg) gesetzt, die im Auftrage der Reichsminister Rust und Frank von Pros. Dr. Karl August Eckhardt herausgegeben wird. Die Zeitschritt, die jeweils zu Beginn eines Vierteljahres erscheint (Jahresabonnement vier Hefte 18 Mark, für Studenten 14,50 Mark, Einzelheft 5 Mark, für
Vvlksordnung Raum für den Begriff „Subjektives
Recht" bleibt. Die Frage „Recht ober Pflicht" , Ordinarius für öffentliches Recht, Dr. Ernst Levy, wird von dem Herausgeber behandelt. Prof. Dr. Ordinarius für römisches und bürgerliches Recht,
jektives Recht, konkrete Berechtigung, Pflichtenordnung" bei, in dem er feststellt, daß das subjektive Recht kein Grundbegriff eines Gemeinschaftsrechtes sein kann und wirft von hier aus die Frage nach Existenz, Sinn und Wesen der Einzelberechtigung im nationalsozialistischen Recht der Volksgemeinschaft auf. „Gemeinschaft und Rechtsstellung" ist das Thema eines Beitrages von Prof. Dr. Karl L a r e n z. Das Recht im objektiven Sinne ist nicht mehr abstrakte Zwangsordnung, sondern völkische Lebenswirklichkeit, konkret gestaltete Ordnung, in der jedes Gemeinschaftsglied feinen Platz hat. — Prof. Dr. Schaffstein behandelt die Frage „Das subjektive Recht im Strafrecht". An die Stelle des Verbrechens als Angriff auf ein individualistisches Rechtsgut tritt als neue Grundvvrstellung die Pflichtwidrigkeit der verbrecherischen Handlung. Prof. Dr. Reinhard Höhn untersucht die Frage „Das subjektive öffentliche Recht und der neue Staat". Das neue Recht geht von der Volksgemeinschaft als Grundlage des Rechtsdenkens aus. Der Staat ist nur ein Mittel zu Zwecken der Volksgemeinschaft. Von hier aus bestimmt sich auch das Verhältnis von Staat und Einzelglied der Volksgemeinschaft. Die Vierteljahreszeitschrift enthält eine Reihe von Glossen zu einzelnen Problemen der Rechtserneuerung, einen Bericht über das Kitzeberger Lager junger Rechtslehrer und im zweiten Teil „Hochschule und Planung" einen Aufsatz von Prof. Ernst K r i e ck „Führung in der künftigen deutschen Hochschule", der die Umrisse einer Verfassung der deutschen Universitäten erkennen läßt. Anschließend erläutert Prof. Eckhardt die Richtlinien zur Vereinheitlichung der Hochschulverwaltung.
Hochscbulnachnchten.
Ernannt wurden: Professor Dr. Wilhelm Weitz in Stuttgart zum Ordinarius für innere Me- dizin an der Universität Hamburg; Professor Dr. Pascal Jordan, Extraordinarius für theoretische Physik an der Universität Rostock, zum ordentlichen Prozessor in Rostock.
als jener, ein Mann der rastlosen Arbeit, des Erfolges, ein Mann mit Macht und Geld, „ohne Feierabend", aber mit Orden geschmückt, mit öffentlichen Ehrungen überhäuft, ein Volksfreund, ein Wohltäter, eine Stütze „der" Gesellschaft eben, um es mit Jbsenscher Ironie zu sagen, denn alles, was er ist, was er hat, oder doch das Meiste und Entscheidende, ist auf Schuld und Lüge aufgebaut. Er kann die Vergangenheit vergessen machen ober bemänteln, aber er kann sie nicht auslöschen, unb auf einmal, gerabe an bem Tage, ba er auf der Höhe des Lebens, der Macht und des Erfolges steht, wird diese Vergangenheit wieder lebendig: die alten Schuldscheine werden gleichsam präsentiert, und „es kommt alles zusammen", ihn trifft ein Schlag nach dem andern; die Stütze, die unantastbar schien, ist morsch und faul im innersten Mark, reif zum Zusammenbruch, der sich in jenem Schiffbruch überdeutlich symbolisiert. Für eine solche Gestalt war George, man möchte sagen: schon rein körperlich, der gegebene Mann. Die Vorstellung vom Koloß auf tönernen Füßen drängt sich auf, wenn man ihn sieht. Die Regie setzt ganz impressionistisch in der Technik Bild neben Bild, Studenten 4 Mark) beschäftigt sich im ersten Heft Szene neben Szene, kurz, abgerissen, mit schnellen mit der Frage^ ob in einer nationalsozialistischen Ueberblenbungen: aber diese hastige, zerflatternde " Bilderfolge wird zusammengehalten durch die menschliche Kraft, die vitale Persönlichkeit des
lebendig werden (in der Gestalt feines Schwagers Johann) und, mit einer geschickten lleberblenbung, in ber norwegischen Heimat roieber auftauchen. Er zeigt auch bie Werft, Bernicks Lebenswerk, bas Unglücksschiff, einen Seefturm unb Schiffbruch, zuletzt einen Stapellauf: alles Dinge, bie bas Theater nicht zeigen kann, bie aber im Grunbe auch für bie Jbee, bie „Moral", bie ethische Formel Ibsens nicht ausschlaggebend finb. Die Bearbeiter bes Drehbuches (Georg C. Klaren unb Peter Gillmann) haben wohl empfunben, baß eine einfache Ver-filmung des Schauspiels doch nicht ganz empfehlenswert, weder sinnvoll noch besonders zeitgemäß wäre: so wurde aus dem Gesellschaftsstück ein Charakterstück, das eigentlich „Konsul Bernick" heißen müßte, in welchem, rein handlungsmäßig, > juuh, vu«. UM,\. utyuiwci*. +>iv|. . viumunu» ,ui iuuuiuj» uhu uuiycium»
das Jbsensche Szenarium durchschimmernd in sei- Schauspielers George, dem eine überragende Ge- Hans W ü r d i n g e r behandelt das subjektive Recht und Dr. Hans S a ch s , Ordinarius für Jmmunitäts- nen Umrissen noch klar erkennbar bleibt und auch ftaltung gelingt, weil er gar .uchts beschönigt ober im Privatrecht. Er geht babei insbejonbere auf unb Serumforschung, mit bem 31. Dezember v. I. in
bie berühmte Lüge (hier: bie '''„Gesellschaftslüge") wegfärbt aus Ibsens Bilb — unb bennoch mehr die Lehre von der schuldrechtlichen Forderung unb ben 9t u h c ft a n b getreten.
noch als bas Generalmotiv Ibsens zu spüren ist; gibt. Er zeigt ben Bernick in feiner ganzen Fülle, vom Schulbvertrag ein unb zeigt, baß an die Stelle! Der bekannte Heibclberger Anglist Geheim-
doch hat sich eben alles vom Allgemeinen auf bas seiner rücksichtslosen Energie, seinem brutalen Stre- > ber schulbrechtlichen Forberungen als zentraler Be- rat Professor Dr. Hoops wurde zum Mitglied ber
Besonbere hin zugespitzt, auf ben Einzelfall, den ben nach Erfolg, Macht, Einfluß — noch in bie griff bie Vertragstreue zu treten habe. Prof. Dr. Englischen Literarischen Gesellschaft von Japan an
menschlichen unb nebenbei auch sozialen Fall Ber- Zukunft hinein, auch seine gesellschaftliche unb ge-lWolfgang Siebert steuerte einen Beitrag „Sub-Iber Kaiserlichen Universität in Tokio ernannt.
wirb burch bie Besetzung unb bie Darstellung noch
unterstrichen; bieser Film ist im Grunde genorn-! Maria Krahn (Betty) und Hans Joachim Bütt- men nur ber Film eines Mannes: George """ ------ —-
spielt ben Bernick, unb er spielt ihn so, daß alles
Züricher Zimmermeister Frymann in Kellers „Sie^großen Stabt" (Düsselborf) auf, ber die sichere, ben Aufrechten", aber er ist ein ganz anderer Mann ' ' " * *• 1 *• ...... - - '• ~


