200 Zahre Schönbornkapelle.
Ein Kleinod des fränkischen Barocks.
Wer Würzburg kennt und liebt, wird auch die S ch ö n b o r n k a p e l l e am Dom in den Schatz seiner unverlierbaren Erinnerungen ausgenommen haben, schon weil sie den Namen einer Familie trägt, die wie keine andere die lnam- fränkische Bischofsstadt zu einer Pflanzstätte des deutschen Barocks gemacht hat, und deren bauliche Hinterlassenschaft in und um Würzburg so groß ist, daß man von dem ganzen Gebiet zwischen Bamberg und Würzburg noch heute als von Den „Schönbornschen Landen" spricht.
Außer den genannten Städten sind es vor allem die Schlösser in Werneck und V e i t s Hoch- Heim, Gaibach und P o m m e r s f e l d e n, die den Ruhm dieses gräflichen Geschlechts, das während der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts dem südwestlichen Deutschland seine größten geistlichen Bauherren und Mäzene geschenkt hat, unüberhörbar verkünden. Denn nicht nur m den beiden Bistümern am Main, auch in Mainz und Speyer, ja in Trier und Konstanz saßen damals Sprößlinge dieses Hauses, dessen Famillenpolltik dahin zielte, möglichst viele Bischo.swurden auf einem Haupte zu vereinigen und damit Dem Begünstigten eine Macht zu verleihen, die ihm aucy gestattete eine Bautätigkeit allergrößten Stils au entiob ten. War doch der „Bauwurmb" bet den Schon- borns eine erbliche Leidenschaft, die Zwaroft ms Maßlose ging und keine Kosten scheu e..aberauch immer durch echten Schönheitssinn und Kenntnis des Bauwesens veredelt wurde. Wenn die Italieni- scheu Architekten, die am Ausgang des li. jagr» hunderts noch überall im Würzburgischen die Führung hatten, in den folgenden A^hrzehnten immer mehr von hervorragenden deutschen Kräften verdrängt wurden und ein wurzelechter deutscher Barock von europäischem Rang entstehen konnte, so ist das in erster Linie das Derdlenst dieses Hauses. Denn es war mehr als ein glücklicher Zufall es war die geheimnisvolle Anziehungskraft des Grw ßen auf das fflroße, der es Zu danken -st, wenn sich mit den großen Bauaufgaben auch der große Bau meister fand, der neben dem einzigartigen Residenzbau auch das übrige Bauwesen des Bistums aus- führend oder beratend bestimmte: Johann Balthasar N Neumanns Werk ist auch die reizende kleine Grabkapelle der Familie Schönborn am nördlichen Querschiffarm des romanischen Domes zu dessen rauher Größe sie einen so kapriziösen und zweifel
los beabsichtigten Gegensatz bildet. Es ist ein durchaus „barocker" Gedanke, durch Kontraste zu wirken, das Große durch das Kleine, das Dunkle durch das Helle, das Ungeteilte durch das Fein- gliedrige, den rechten Winkel durch die Kurve nicht auszuheben, sondern zu steigern, damit aber auch sich selbst zur Geltung zu bringen. Niemand kann die Schönbornkapelle, die sich mit einer Selbstverständlichkeit, als sei das Problem gar nicht vorhanden, an das düstere Gemäuer des Doms heranschmeichelt, übersehen. Aber auch niemand wird den mit Händen zu greifenden Gegensatz als störend, das Nebeneinander, so unvermittelt es ist, als taktlos empfinden. Nur die größte Sicherheit der Regie, verbunden mit dem feinsten Gefühl für das Zusammenwirken von Baukörper und Platzraum, konnte freilich ein solches Wagnis unternehmen und eine Lösung finden, die mit theoretischen Gründen unwiderlegbar ist. Dabei harmoniert der Bau, so sehr er sich im Schatten des Domes als ein Fremdling zu erkennen gibt, doch aufs schönste mit seiner weiteren Umgebung, namentlich der benachbarten Neumünsterkirche, deren Hauptakzente, Turm und Kuppel, er aufnimmt und in seiner Weise bereichert und steigert.
Eine Wohnung der Toten! Aber wie heiter und anmutig, wie wenig — trotz der überall angebrachten Symbole der Vergänglichkeit — das Gemüt mit Gedanken beunruhigend, die es von der freundlichen Gewohnheit des Daseins abdrängeu können. Prunkbau eines Geschlechtes, dem der geistliche Stand nur ein Mittel mehr war, das Leben von seiner fröhlichsten Seite zu nehmen! Bischof Philipp Franz hat Neumann 1721 den Bauauftrag erteilt, doch wurde die Arbeit daran nach dem Tode des Fürsten (1724) für einige Jahre unterbrochen, bis 1729 wieder ein Schönborn, und zwar einer der größten Bauherren des 18. Jahrhunderts, der Wiener Neichsvizekanzler Friedrich Karl, den Bischofsstuhl des heiligen Kilian bestieg und neben dem Residenzbau auch den der Kapelle eifrig förderte. Aber erst 1736 konnte sie geweiht werden. Beide Bauherren, Philipp Franz und Friedrich Karl (1746), liegen in ihr begraben.
Der Bau ist im Inneren nicht ganz nach dem Wunsche des ersten Auftraggebers ausgeführt worden, doch zeigt sich auch hier wieder Neumann auf der Höhe seiner Raumverschlingungskunst. Die kreisrunde Laternenkuppel, die von ausgeschwungenen Gurten emporgehoben wird und reichliches Licht spendet, läßt einen einfachen Zentralbau erkennen, der aber in querovale Nebenarme ein- schneidet und mit diesen zu einer komplizierten, vielfach gebrochenen, nirgends eine gerade Wand zulassenden Einheit zusammenfließt. Säulen^aare
aus blauviolettem Marmor, die anspruchsvolle Grabplastik und ein großes Auferstehungsbild von B y ß beleben und gliedern die Raumschale. Schwarz und Gold werden in den oberen Teilen des Raumes von lichten, triumphierenden Farben abgelöst: nicht das Grab, sondern die Hoffnung hat das letzte Wort. Unser Leben war ein Fest — so scheinen diese Toten zu sprechen —: möge uns ein Himmel werden, der uns noch größere Freuden verspricht! Ernst von Niebelschütz.
Kriminalistisches Meisterstück.
Zur Bekämpfung der amerikanischen Gangsters ist vor einiger Zeit ein besonderes Polizeikorps gebildet worden, das als „G-Men“ bekannt ist. Der Name ist, wie erzählt wird, von einem der de- rüchtigsten Gangsters, „Gun" Kalley abgeleitet, dessen Festnahme ein Meisterstück dieser Polizei war. Am 23. Juli 1933 teilte die Frau eines Finanzmannes in Oklahoma, Charles Urfchel, dem damals aus wenigen Mann bestehenden Polizeiposten durch den Fernsprecher mit, daß ihr Gatte soeben von Verbrechern entführt worden sei. Sie forderten 200 000 Dollar Lösegeld. Die Polizei riet ihr, um ihren Mann zu retten, diesen großen Betrag zu zahlen, und so wurde der Finanzmann am 31. Juli wieder frei. Während der Tage seiner. Gefangenschaft hatte er nicht sehen können, weil die Räuber ihm die Augen mit gummiertem Papier geschlossen hatten^ Er konnte nur berichten, daß er zweimal am Tage ein Flugzeug über das Haus hatte fahren hören, in dem er gefangen faß: nur an einem Tage hatte er nichts gehört. Ferner hatte man ihm zum Trinken zu einem Brunnen bei dem Haufe geführt, und das Wasser hatte einen stark mineralhaltigen Geschmack. Diese beiden Angaben wurden der Untersuchung zugrunde gelegt. Man prüfte genau die Fahrpläne aller in Betracht kommenden Luftlinien und stellte fest, daß die America Airways einen Dienst hatten, der zweimal am Tage über Forth Worth in Texas flog, und der an einem Tage wegen schlechten Wetters hatte aussetzen müssen. Ein Polizist fuhr nun diese Linie zu der Stunde, in der der Gefangene das Flugzeug gehört zu haben glaubte, ab und stellte fest, daß er sich zu der Zeit über dem Dorf Paradies in Texas befand. Ein zweiter Beamter verkleidete sich darauf als Arbeitet und begab sich nach Paradies, wo er von einem Haus zum anderen ging, um nach Arbeit zu fragen und um ein Glas Wasser zu bitten. Dabei stellte er ein Haus fest, dessen Brunnen ein Wasser mit mineralhaltigem Geschmack gab. Am nächsten Morgen wurde dieses Haus umstellt, und bei der Durch-
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Ur. 222 Dritter Blatt
ZweigstellegaiseraüeederVezirkssparkaffeeröffnei
Die Bezirkssparkasse Gießen, die vor zwei Jahren dos Jubiläum ihres 100jährigen Bestehens feiern konnte, hat in diesen Tagen einen neuen Abschnitt ihrer Entwicklung zu verzeichnen: die Schaffung einer Zweigstelle in der Kaiserallee. Diese Zweigstelle im ehemaligen Merowinger-Haus Wurde gestern in Gegenwart von Vertretern der Behörden ihrer Bestimmung übergeben. Am heutigen Dienstag wurde der Geschäftsbetrieb in den neuen Räumen ausgenommen.
Die Zweigstelle hat eine sehr zweckmäßige Gestaltung erfahren. Durch die Niederlegung von Wänden wurde im Erdgeschoß ein einziger Raum geschaffen, in dem sowohl die Abfertigung des Publikums, wie auch die Erledigung der bürotechnischen Arbeiten geschieht. Keine Mauer und keine Milchglasscheibe hemmen den Ueberblid über den Arbeitsraum, der lediglich durch einen Schaltertisch unterteilt ist. Selbstverständlich wurden von der bautechnischen Seite her alle Maßnahmen getroffen, die bei einer Sparkasse als Sicherung vorausgesetzt werden müssen. Das Portal wurde völlig neu geschaffen und ihm ein repräsentativer Charakter gegeben. Die wesentlichen Formelemente und die Stufen wurden aus Travertine hergestellt. Für den Schaltertisch wurde Marmor aus Brüchen an der Lahn verwandt. Im ersten Obergeschoß wurden zwei Räume als Geschäftszimmer für den Gau- und Kreisjägermeister hergerichtet, ferner eine Wohnung für einen Beamten der Bezirkssparkasse, der mit der Leitung der Zweigstelle betraut wird. Im ausgebauten Dachgeschoß ist eine Wohnung für den Hausmeister hergerichtet worden.
Die Umbau- und Einrichtungsarbeiten wurden fast ausnahmslos von Gießener Handwerkern ausgeführt. Entwurf und Bauleitung lagen in Händen von Architekt Schumacher (Gießen).
Für die schlichte Feier der Uebergabe der Zweigstelle an ihre Zweckbestimmung hatten sich u. a. als Vertreter des Reichsstatthalters (Landesregierung) und der Aufsichtsbehörde Oberregierungsrat Dr. S ch ö n h a l s vom Kreisamt Gießen eingefunden, für die Landeskommunalbank, Girozentrale Hessen, nahm Direktor Seipp teil, als Vorsitzender des Aufsichtsrates der Bezirkssparkasse und Vertreter der Stadt war Oberbürgermeister Ritter anwesend, ferner konnte der Direktor der Bezirkssparkasse, Dr. Hopfenmüller, die Vorstandsmitglieder Sudheimer und Nikolaus begrüßen.
Direktor Dr. Hopfenmüller
hielt eine kurze Ansprache, in der er zunächst die Gäste herzlich willkommen hieß und dann u. a. ausführte, die Uebernahme der Macht durch die na
tionalsozialistische Staatsführung habe an alle Teile unseres Wirtschaftslebens gesteigerte Anforderungen gestellt, und stelle sie im Interesse der Volksgemeinschaft immer wieder. Den Sparkassen seien ebenfalls zahlreiche Aufgaben zugefallen, vor allem die Anregung der Bevölkerung und insbesondere auch der Jugend zu erhöhter Spartätigkeit, die Finanzierung des Bauwesens, die Begebung von Krediten und die Belebung der Geschäftstätigkeit unseres gesamten Wirtschaftslebens. Den über das Normale hinaus gesteigerten Anforderungen habe die Bezirkssparkasse durch entsprechende Erweiterungen Rechnung tragen müssen. So habe sich 1934/35 manche Erweiterung der Räumlichkeiten der Sparkasse als dringend erwiesen. Mit der Errichtung der Zweigstelle hoffe man dem Kundenkreis erneut ein Stück näherzukommen. Der Beschluß für die Schaffung dieser Zweigstelle sei nach eingehenden Erwägungen des Vorstandes und des Verwaltungsrates in die Wirklichkeit umgesetzt worden. Die Aufsichtsbehörde habe die Schaffung der Zweigstelle in jeder Hinsicht befürwortet und unterstützt. Nachdem Direktor Dr. Hopfenmüller noch herzliche Worte des Dankes an die Aufsichtsbehörde gerichtet und ebenso dem Architekten Dank für seine ausgezeichnete Arbeit abgestattet hatte, sprach er noch kurz über die ideellen Aufgaben der Sparkasse. Er betonte, daß die Aufgabe der Bezirkssparkasse nicht die einer reinen Erwerbstätigkeit sei, deren Streben lediglich auf Gewinn gerichtet sei, sondern sie habe das stetige Ziel vor Augen, der Volksgemeinschaft und der Wirtschaft zu dienen. Sie sei bemüht, die Sparsamkeit zu fördern, sie wolle dazu beitragen, die Jugend zur Sparsamkeit zu erziehen, sie wolle Treuhänder für den sparenden Volksgenossen und durch billige Darlehen der heimischen Wirtschaft förderlich sein. Die Leitung der Bezirkssparkasse hoffe, mit der Schaffung der Zweigstelle gleichzeitig einen weiteren Beitrag zum Aufbau unseres Vaterlandes gegeben zu haben, der für die Volksgemeinschaft täglich von Nutzen sein solle.
Oberregierungsrat Dr. Schönhals
sprach im Auftrage des Reichsstatthalters (Landesregierung) sowie im Namen des Kreisamtes Gießen der Bezirkssparkasse herzliche Glückwünsche zu dieser Erweiterung aus und betonte, daß die Schaffung dieser Zweigstelle sowohl von der Bevölkerung als auch von der Aufsichtsbehörde begrüßt werde. Die Einrichtung dieser Zweigstelle sei ein Zeichen für die aufstrebende Entwicklung der Stadt Gießen. Mit der Schaffung dieser Zweigstelle sei ein neuer Weg beschritten worden, den man um so freudiger habe einschlagen können, als darin zum Ausdruck
komme, daß in unserem Volke der Spargedanke festen Fuß habe. Mit dem Wunsche, daß den Beamten und Angestellten in diesem Raume eine reiche Tätigkeit beschieden sein und das Sparen mehr und mehr zur Sache des ganzen deutschen Volkes werden möge, schloß Oberregierungsrat Dr. Schönhals seine Ansprache.
Direktor Dr. Seipp-Darmstadt
übermittelte die besten Wünsche der Landeskommunalbank und der Girozentrale. Er umriß in kurzen Sätzen den Sinn der Sparkasse, gab gleichzeitig einen kurzen geschichtlichen Ueberblitf über die Entwicklung im Sparkassenwesen und kennzeichnete die Bedeutung der Sparkassen in unserem Daterlande. Er forderte zu eifriger Arbeit auch in diesen neuen Räumen auf und gab seiner Genugtuung darüber Ausdruck, daß die Bezirkssparkasse Gießen im Giro- verband Hessen an dritter Stelle stehe. Mit dem Wunsche, daß der Sparkasse dieser Rang, den sie in den vergangenen drei Jahren erreichen konnte, erhalten bleiben möge, schloß der Redner.
Oberbüraermeifter Ritter
gab seiner Freude über die Unterstützung der Aufsichtsbehörde für die Einrichtung dieser Zweigstelle Ausdruck und betonte, daß dieser Ausbau der Bezirkssparkasse Gießen vor zehn Jahren kaum vorstellbar gewesen sei. Inzwischen habe sich aber auch manches gewandelt, und der Führer habe bestimmt, daß das Geld Diener des Volkes und seiner Wirtschaft sein und bleiben solle. Diesem Willen wolle auch die Bezirkssparkasse dienen und zur Durchführung verhelfen. Uns seien große Ziele gesteckt und große Möglichkeiten gegeben worden, so betonte der Redner, das, was zu erreichen Ziel sei, müsse als gewaltig bezeichnet werden! Aber der Führer habe auch den Weg gezeigt, und diesen vorgezeichneten Weg werde die Bezirkssparkasse Gießen gehen. Mit dem Wunsche, daß auch diese Zweigstelle möge Schritt halten können, schloß der Oberbürgermeister seine Ansprache.
Mit einem dreifachen Sieg-Heil auf den Führer Adolf Hitler fand die schlichte Feier ihren Abschluß.
Fristverlängerung für gebührenfreie Testament«! -Zurücknahme.
LPD. Die Justizpressestelle Frankfurt a. M. teilt mit: Der Reichsjustizminister hat durch Verordnung vom 11. Mai 1936 darauf hingewiesen, daß sich bei den Amtsgerichten (ober Notaren) noch zahlreiche Testamente in Verwahrung befinden, die vor dem 1. Januar 1924 errichtet worden sind, und anordnet, daß die Errichter dieser Testamente aufgefordert werden sollen, sich wegen etwaiger Rücknahme des Testaments bei der verwahrenden Stelle zu melden. Für den Fall, daß der Errichter das
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Links: Die neueingerichtete Zweigstelle der Bezirkssparkasse in der Kaiserallee. — Rechts: Der Kassenraum der Zweigstelle. (Aufnahmen [2]: Neuner, Gießener Anzeiger.)
Dienstag, 22. September (936
Peng! sagte das Glücksschwein
und zersprang in lausend Stücke. Drei Jahre hatte sich's vollgcsreffen, nun langte es wohl für ein Klavier. Herr Hase hatte mit Bedacht gespart: Jedes Dreimark- Stück verschwand im Schlitz des Sparschweins. Dann wurden die Taler zwar rar und rarer, er mußte auch zu andrem Silber greifen ...
Der zweite Teil spielt beim Klavierhändler: Rasch war man handelseinig, stolz zählte Hase seine Dreimark- Stücke vor. Der Händler lachte bloß: „Gelungner Scherz! Die sind ja nicht mehr gültig! Das hätten Sie doch lesen muffen — vor über einem Jahr!" — Nein, Hase weiß von nichts...
Tja — hätte er Zeitung gelesen!
Da lieft man zeitig stets, was nützt, und wie man sich vor Schaden schützt.
Testament bis zum 30. September 1936 zurücknimmt, sollte von der Erhebung der Gebühr abgesehen werden. Es hat sich nun herausgestellt, daß in vielen Fällen die am 30. September 1936 abgelaufene Frist nicht eingehalten werden kann. Mit Rücksicht hierauf hat der Reichsjustizminister genehmigt, daß von der Erhebung der Gebühr auch dann abzusehen ist, wenn das Testament bis zum 31. Dezember 1936 zurückgenommen wird. Die Te- stamentserrichter, die ihr Testament auf Grund vorerwähnter Bestimmung zurücknehmen, werden darauf hingewiesen, daß eine neue letztwillige Verfügung nicht nur beim Amtsgericht, sondern ohne Mehrkosten auch bei einem Notar beurkundet werden kann.
Zur Beachtung bei der Durchfahrt des Führers.
Die Bevölkerung wird dringend gebeten, bei der Durchfahrt des Führers die Kinder zurückzuhalten, damit sie nicht in den fahrenden Wagen laufen, ferner keine Blumen in den Wagen des Führers zu werfen und endlich auf allen Straßen Ordnung und Disziplin zu halten, damit sich die Fahrt des Führers nicht verzögert.
suchunq wurde tatsächlich einer der Gangsters schlafend überrascht, der ein Maschinengewehr neben sich stehen hatte. Man fand noch 700 Dollar von der Beute bei ihm. Nach diesem guten Anfang gelang es, im Laufe von drei Monaten die ganze Bande von 16 Mann mit ihrem Haupt „Gun" Kalley aufzuspüren und hinter Schloß und Riegel zu setzen.
Abzug der Störche aus England.
Nun sind endlich die letzten englischen Storche (über die hier kürzlich berichtet wurde) von der Insel Wight aufgebrochen, um ihre große Reise nach dem Süden anzutreten. Sie machten zuerst den üblichen mehrstündigen Uebungsslug, dann flogen sie immer hoher, bis sie außer Sicht kamen. Sie waren dank der guten Pflege, die ihnen in Bembridge zuteil wurde, in bester Verfassung, so daß man hoffen kann, daß sie die Schwierigkeiten des weiten Fluges überstehen werden und daß man später noch einmal von ihnen hört. Nur der Einzel- gänger, der sich immer von den übrigen abgesondert gehalten hatte, ist zurückgeblieben. Die Dorf- bewohner haben ihm den Nam,en „Eustach" gegeben und schicken sich an, ihn gehörig zu verwohnen; es kommt ja auch bei uns wohl vor, baß einmal ein Storch im Dorfe zurückbleibt unb bann der verhätschelte Liebling aller h)irb. Eustach fühlt sich in dieser Rolle sehr wohl; er ist roieber sehr lebhaft geworben unb hat ben bekümmerten Ausdruck verloren, ben er währenb bes Besuches ber ganzen Familie zur Schau trug.
Zeitschristen.
— „Die Kun st", Monatsschrift für Malerei, Plastik unb Wohnkultur. (Verlag F. Bruckmann AG. München) bringt in ihrem Septemberheft u. a. folgende Aufsätze: „Ludwig von Hofmann" von A. Graichen, „Piloty unb bie Münchner Kunst" von Hans Eckstein, „Die Olympia-Ausstellung — Sport ber Hellenen — im Deutschen Museum, Berlin" von Friebnch von Oppeln-Bronikowski, „Friedrich der Große als Bauherr" von Ernst von Niebelschütz. Eine wahre Fundgrube von Beispielen unb Anregungen für schone Heimgestaltung bietet ber ,weite Teil bes Heftes. Eigenheime, Hausgärten, chäne Wohnräume unb Möbel, Dekorationsstoffe, chönes Hausgerät, Gläser, praktische Wohnvor- chläge unb vieles andere mehr werden in Text und prächtigen Bildern behandelt. Eine umfassende Rundschau über künstlerische Zeitereignisse und Nachrichten von Ausstellungen, Auktionen, Buch- erscheinungen usw. vervollständigen den Inhalt.


