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22.9.1936
 
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186. Jahrgang

Eichener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Nr. 222 Erstes Blatt 186. Jahrgang Dienstag, 22. September 1036

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MW General-Anzeiger für Oberhessen

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$r«.ifurtMa*n 11686 Druck uitb Verlag: vrühl'sche Univerfitäts vuch- und Steindruckerei «.Lange in Stehen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulstrahe r M-ng°nabschiüff-Staffel8

Aufmarsch zur Großen Herbstübung 1936

diesen neuen gesteigerten Aus- äfte und ihr Können steigern.

Kriegs

Von ihrem Stand-

Der Führer im Alanövergelände

so ist auch die Zivilbevölkerung mit dabei, zu hel­fen, wo sie nur helfen kann. Dabei ist es gleich, ob es sich um die kunstgerechte Anlage von Straßen­sperren oder um Luftschutzmaßnahmen handelt. Für die Behörden ist diese Hilfeleistung ebenso selbst­verständliche Pflicht, denn sie müßten ja auch im Ernstfall in gleicher Weise handeln und so sind sie in gewissem Sinne aktive Teilnehmer dieses Ma­növers geworden.

Am Rande des Manövergebietes sind alle Dörfer, die für einen Tag zur Garnison geworden sind, reich beflaggt. Wir sehen vielfach Ehrenpfor­ten mit der Inschrift:Wir grüßen unsere Wehr­macht!" und Sonntag gab es keinen Ort ohne Manöverball. Sonntag war noch Freude und Friede, aber schon sind die Ordonnanzen unter­wegs, die mit den Befehlen der Hebungsleitung diesen Friedenszustand beenden. Die Generäle sitzen schon über ihren Karten, in wenigen Stun­den wissen auch die Divisionen Bescheid und der

wohl sie etwas ermüdet gewesen seien, eine glän­zende Marschdisziplin an den Tag gelegt hätten. Ihre körperliche Verfassung und ihr Geist seien hervorragend. Der BerlinerTimes"-Korre- spondent schreibt: In den Beziehungen der Wehr­macht zur Bevölkerung bestehe der unerschütterliche Grundsatz, daß es eine Ehre sei, zu dienen und ein Unglück, wenn man aus irgend einem Grunde da­zu nicht in der Lage sei.

licher Richtung durch die gesegnete Wetterau mit ihren prächtigen Obst-Chausseen hinunter in das liebliche Kinzigtal. Auf allen für die Schlachten­bummler freigegebenen Wegen eilten die Schau­lustigen zu Rad und zu Fuß den wenigen Höhen zu, von denen sie einen guten Ueberblick erhofften. Diele von ihnen schlossen sich mit ihren Fahrrädern den Spähtrupps an, um gleich die erste Feind­berührung mitzuerleben. An allen Straßenkreuzun­gen, vornehmlich aber in den Städten und größe­ren Dörfern, waren SA., Arbeitsdienst, Gendar­merie und Feuerwehr als Absperrmannschaften oder zur Verkehrsregelung hilfsbereit eingesprungen.

In Steinau hieß der Oberbefehlshaber der Gruppe II, General der Artillerie Ritter von L e e b , die Manövergäste willkommen. Immer zahlreicher werden auf der Weiterfahrt die vor­gehenden Abteilungen Reiter, Radfahrer, Panzer­abwehrkanonen, die, vorzüglich gedeckt, die Straße sichern sollen. Panzerspähwagen und motorisierte Truppen brausen vorüber. In Bauernhöfen stehen Flugzeug-Abwehrkanonen unter weitausladenden Bäumen. An der Straße finden wir gar einen Panzer-Flugzeugpark mit hervorragend versteckter Tankstelle und ein Ersatzteillager, das einer Strohdieme zum Verwechseln ähnlich sieht. In der Ferne beobachten wir einen Tief­fliegerangriff auf marschierende Kolonnen, und nun hören wir auch zum ersten Mal das Häm­mern der schweren Maschinengewehre und das Dröhnen der Flugzeugabwehrkanonen. Allgemein zeigen die Aufklärungsabteilungen das Bestreben, sich nicht in einen Kampf einzulassen, zumal sie keine Artillerie mit sich führen, die der Infanterie den Weg bahnen soll. In der Nähe des Vogelsberges gewinnen wir einen prachtvollen Ueberblick über das Land. Bei einem Vorstoß in das Hinterland treffen wir größere Kolonnen aller Waffen, im voraus eine Vortrupp-Kompanie und später ein Vorhut- Bataillon mit allen Marschsicherungen in der Flanke, zum Teil in Fliegermarschtiefe als Schutz gegen Luftangriffe, um wenig später den Angriff des Kampfgeschwaders auf ein anscheinend stark von gegnerischen Kräften besetztes Fleckchen zu er­leben. Immer stärker werden die Kolonnen, und immer zahlreicher die Waffengattungen, die an uns vorüberziehen. Die Truppen, die zum Teil schon schwere Uebungstage hinter sich haben, machen einen vorzüglichen Eindruck. Braun­gebrannt ziehen sie mit heiteren Scherzrufen vor­bei. An den Straßen stehen die Bewohner, ihnen Erfrischungen anzubieten.

Ausklärung" die Ausgabe des ersten llebungsiages

englische Journalisten von Kampfgebiet" durchfahren. quartier Bad-Nauheim ging es zunächst in süd-

rasch vorüberzog.

Schon volle zwei Stunden haben die Ehren­gäste der Manöverleitung und dieKriegs- berichterstatte r", unter denen sich auch einige ~ Ruf befinden, das

$ulba, 21. Sept (CpD.) Am ersten Tage dec großen Herbstmanöver besichtigte der Führer und Oberste Befehlshaber der Wehrmacht an zahlreichen Punkten des Wanövergeländes dieTruppenbei ihremVormarsch nach den Ausgangsstellungen. In allen Dörfern, durch die der Führer kam, wurden ihm von der Bevölkerung begeisterte Kundgebungen zuteil.

Guter Eindruck bei englischen Beobachtern.

London, 22. Sept. (DNB.) Die englische Presse widmet den großen Herbstmanövern der deutschen Land- und Luftstreitkräfte lange Berichte. Mehrere Blätter haben auf Einladung der deutschen Regie­rung ihre militärischen Korrespondenten zu den Manövern entsandt. Generalmajor T e m p e r l e y, der militärische Korrespondent desDaily Tele­graph" schreibt in seiner ausführlichen Schilderung u. a.: Alle Dörfer im Manävergebiet haben durch die vielen Hakenkreuzflaggen fest­liches Aussehen erhalten. Alles macht Ferien und kommt in den Straßen zusammen, in der Hoff­nung, den Führer und die Armee zu sehen, die überall mit Begeisterung begrüßt wird. Das ist ein klarer Beweis für den Stolz, den das Volk in feine Armee setzt. " Der Korrespondent erklärt, daß die Truppen, wie er gesehen habe, ob-

Giganten des Straßenbaus.

Das gegenwärtig größte Bauunternehmen der Welt, die Reichsautobahnen, gehen einem wichtigen Abschnitt ihrer Vollendung entgegen. In wenigen Tagen werden die ersten t a u s e n d Ki­lo m e t e r Reichsautobahnen dem Verkehr über­geben sein. Wir erinnern uns aus diesem Anlaß, daß noch 1933 und 1934, ja selbst im vorigen Jahr noch, berühmte Fachleute des In- und Auslandes durch langwierige Berechnungen festgestellt haben, daß die Herstellung der Reichsautobahnen in der geplanten Zeit, in dem geplanten Umfang und in der geplanten Qualität ein Ding der Unmöglichkeit sei. Tatsächlich ist in diesen drei Jahren eine so un­geheure Arbeitsleistung vollbracht worden, hat das deutsche Straßenbauwesen in dieser kurzen Zeit eine so rapide Entwicklung durchlaufen, wie man es in früheren Zeiten und heute noch in anderen Ländern nie für denkbar gehalten hat. Als der Führer am Tag der nationalen Arbeit 1933 dem deutschen Volke den Plan dieses riesigen Straßen­baues verkündete, fehlten alle Hilfsmittel technischer, finanzieller und personeller Art, welche für ein so großes Projekt notwendig sind. Trotzdem wurde das unmöglich Scheinende möglich gemacht. Einige Daten mögen die Schnelligkeit des Unternehmens

Wir freuen uns unserer neuen Waffen, die den Schutz unserer Heimat gewährleisten. Wir vergessen aber auch nicht, daß wir damit nur nachgeholt haben, was andere Länder schon seit langem schufen. Wir vergessen aber vor allem nicht, daß nach wie vor, bei der Reichswehrübung unter den Augen Hindenburgs wie bei der Großen Herbstübung des Jahres 1936, es die Infanterie ist, die immer und überall die Hauptlast des Kampfes zu tragen hat und der deshalb auch die Ehre zuteil wird, die Entscheidung erzwungen zu haben.

Die militärische Bedeutung gerade dieser Hebung liegt aber auch darin, daß sie den Abschluß, ja man darf mit gutem Gewissen sagen, d i e Krönung des ersten Jahres der allgemeinen Wehrpflicht darstellt. Die Truppen sind nicht erst seit gestern aus ihren Ganisonen ausgeruckt, sondern sie haben zum größten Teil schon seit meh­reren Wochen Geländeübungen hinter sich, bei denen stets das letzte an Kraft, Willen und Man­neszucht verlangt wurde. Ob Regen, ob Sturm, ob blauer Herbsthimmel, das war gleich^Bei kriegs­mäßigen Hebungen kann auf das Wetter keine Rücksicht genommen werden, und wegen eines Schnupfens ist noch nie ein Manöver abgeblasen worden. Im Regimentsverbande mußte der Soldat lernen, sich im Gelände zu bewegen, die Divisions- Übungen brachten schon kriegsahnliche Kampfbilder, die Hebungen des V. und IX Armee­korps, die zu ihrem Abschluß Paraden vor dem Obersten Befehlshaber der Wehrmacht brachten stellten wiederum neue Aufgaben und die Große Herbftübung stellt jetzt die beiden Armee­korps gegeneinander und Führung und Truppen müssen an diesen neuen gesteigerten -Aus­gaben auch ihre Kräfte und ihr Können st^gern. Daß aber diese Aufgaben überhaupt gestellt wer­den fönhen, jetzt schon nach einem Jahre, das er­füllt uns alle mit besonderer Freude, denn das be­weist allein schon, wie der Aufbau der neuen W h macht fortgeschritten ist. ...

Wie bei allen militärischen Hebungen kämpft auch diesmal eine blaue Armee gegen eine rote. Eine Schilderung der Kriegsausgangslage ist des­halb sinnlos, weil der Leser und vielfach sogar der Zuschauer die taktischen und strategischen Emz - heiten doch nicht zu überblicken vermag. $auP ' fache ist die Ausbildung der TrupPe und der Führer in größeren Verbandey, das sagt genug. Betont werden soll aber noch, daß nut der angenommenen Kriegslage keinerlei sche Demonstrationsabsicht verknüpft ist. Im übri­gen aber sind Einzelheiten der angenommenen Kriegslage überhaupt nicht festgelegt worden. E wird nämlich, im Gegensatz zürn Brauch in ande­ren Armeen, kein gestelltes Gefecht gezeigt, sondern die Führung von Blau und Rot ist r n^i h re n Beschlüssen völlig frei und die Hebungs­leitung sorgt lediglich dafür, daß die Uebung tim allgemeinen Rahmen kriegsahnlich b T>a? uVbuV g sqdä n d e kommt den Absichten der Hebungsleitung entgegen. Der ^echtsraum der den Vogelsberg, den Spessart und die Hohe Rhön einschließt, ist ein militärisch äußerst interes­santes Gebiet. Es enthält freies und bewegtes Ge­lände in vielfacher Abwechslung und. laßt so Raum für vielfache und wechselnde EntMießungen. Die Truppen werden es dabei nicht leicht haben, aber das ist ja auch nicht der Sinn der Sache. Auch für die Bevölkerung im Manövergebiet bringen die nächsten Tage Einschränkungen mancherlei Art, diese Einschränkungen sind uni so großer je knegs- echter das Bild sein soll. Daß diese Einschränkun­gen mit Selbstverständlichkeit getragen werden sott aber doch festgestellt werden. Die beste Ausbildung unserer Armee ist das ureigenste Interesse aller. Und

Krieg im Frieden.

Von unserem K. Br.-Sonderberichterstatter.

Bad-Nauheim, 21. September 1936.

Eine deutsche Landschaft hat über Nacht ein an­deres Gesicht bekommen. Dort, wo eben noch schwere Ackerwagen die Ernte heimbrachten, marschieren lange graue Soldatenkolonnen, rollen die Räder der Heereskraftwagen. In langen Reihen schiebt alles sich vorwärts, um pünktlich zur festgesetzten Stunde am Ausgangspunkt zu stehen, am Aus­gangspunkt des größten deutschen Manövers die­ses Jahres, das den amtlichen NamenGroße Herb st Übung 193 6" trägt. Dieser Hebung kommt im mehrfachen Sinn Bedeutung zu. Es ist das größte deutsche Manöver der Nachkriegszeit überhaupt. Noch sehen wir in unserer Erinnerung den greifen Generalfeldmarschall von Hinden­burg bei den Hebungen der Reichswehr. Sein Herz mußte ihm, der die großen Kriegsarmeen be­fehligt hatte, geblutet haben, als er sehen mußte, wie man sich bei dieser Hebung mit kümmerlichen Atrappen behalf und wie Kompanien Bataillone, ja Regimenter darstellen mußten.

Wie anders ist das alles hier und heute! Hier gibt es keine Atrappen mehr, hier treten kriegs­brauchbare Panzerkampfwagen in Aktion, genau so wie bei den Manövern der anderen Staaten. Hier ergänzen Aufklärungsstreitkräfte der Luft und Kampfgeschwader das kriegsmäßige Bild, denn bei dieser Uebung wirken zum ersten Male Heeresteile und Verbände der Luftwaffe gemeinsam mit. Und trotzalledem darf gerade in diesen Tagen der großen Herbstübung die treue Arbeit der Reichswehr von einst nicht gering geachtet werden. Erst diese Ar­beit hat das jetzt begonnene einzigartige Manöver vorbereitet, dazu kam des Führers Tat, der mit der Schaffung der Wehrfreiheit das Werk voll­endete.

Oer Reichsaußenminister in Budapest.

Budapest, 21. Sept. (DNB.) Reichsaußenmini­ster Freiherr von Neurath besuchte am Sonntaavormittag im Außenministerium den unga­rischen Außenminister von Kanya, mit dem ihn langjährige persönliche Bande verknüpfen. Am Abend gab Außenminister von Kanya im Ungarischen Na­tionalkasino zu Ehren des Reichsauhenministers e i n ® ff e n in engem Kreise, an dem auch mehrere Mit­glieder der ungarischen Regierung teilnahmen. Reichsauhenminister von Neurath folgte am Montag einer Einladung des Reichsverwesers Admiral von Hort Hy nach dem in der Nähe von Budapest gelegenen Schloß Gödö11ö zur Teil­nahme an einer Hirschjagd Am Samstagabend veranstaltete der Reichsverweser zu Ehren des deut­schen Reichsaußenministers ein Essen, an dem tue Mitglieder der Regierung, der Generalität und der deutsche Gesandte von Mackensen teilnahmen.

nächste Tag bringt den Krieg im Frieden. Bad-Nauheim, die Stadt der Herzkranken ist inzwischen zu einer Stadt der Herzgesunden ge­worden. Dort wo man sonst nur langsam und leise geht, knallen jetzt derbe eisenbenagelte Soldaten­stiefel auf das Pflaster und wie herzgesund diese Soldaten sind, sieht man daraus, daß die beiden Mädchen, die fast jeder spazieren führt, ihnen auch nicht die geringsten Herzbeschwerden machen. Auf der Kurhausterrasse schaut ein deutscher Konsul aus Schanghai, der in Nauheim Erholung sucht, mit Staunen auf dies Treiben. Vor 15 Jahren hat er die Heimat verlassen und kann kaum glauben, was er jetzt vor Augen sieht. Damals Wirrnis und Hoff­nungslosigkeit, und heute? Auf fester Zuversicht gegründetes Vertrauen und Sicherheit. Diese Zu­versicht und Sicherheit marschiert durch alle Straßen und in den nächsten Tagen wird in der Großen Herbstübung 1936 bewiesen werden, wie fest und sicher diese Zuversicht begründet ist.

veranschaulichen.

Knapp zwei Monate nach der Verkündung des Führers wurde in Frankfurt a. M. die erste Oberste Bauleitung eingerichtet, einige Tage darauf das Reichsgesetz über das HnternehmenReichsauto­bahnen" veröffentlicht, wieder einige Tage später, am 30. Juni, Dr. Todt zum Inspektor für das deutsche Straßenwesen ernannt und dem Führer unmittelbar unterstellt. Am 23. September eröffnete der Führer durch den ersten Spatenstich den Bau der Strecke Frankfurt a. M. - Darmstadt. Diese Teil­strecke war bereits gut anderthalb Jahre später, am 19. Mai 1935, fertiggestellt und wurde dem Verkehr übergeben. Zum Bau frei­gegeben waren Weihnachten 1933 bereits 1000 Kilo­meter, März 1934 schon 1500 Kilometer und heute ind es rund 4000 Kilometer.

Es ist klar, daß dieses gewaltige Hnternehmen nicht mit den alten Methoden der Wirtschaft, aber auch nicht mit den 1933 vorhandenen straßenbau- technischen Mitteln bewältigt werden konnte. Die gegenwärtig in München aufgebaute deutsche Straßenbauausstellung 1936 gibt auch dem Laien einen Einblick in die Fortschritte, welche die deutsche Straßenbautechnik in den letzten drei Jahren gemacht hat, sie zeigt ihm, daß der Stra­ßenbau, früher ein Nebenfach des Ingenieurs, heute sich zu einer selbständigen Wissenschaft ent» wickelt hat, daß er zu einem Beruf geworden ist, wie jeder andere auch. Riesenhafte Maschi­nen, wahre Giganten des Straßenbaues, find ent­standen, die man 1934 noch nicht einmal dem Na­men nach, geschweige denn ihrem Arbeitsprinzip nach kannte. Sie mußten aber erfunden und ge­baut werden, wenn überhaupt die Straßen Adolf Hitlers den vorgefchriebenen Richtlinien und den Erfordernissen des neuzeitlichen Verkehrs gemäß vollendet werden sollten.

Zwei Voraussetzungen vor allem mußten in tech­nischer Hinsicht beim Bau der Autobahnen erfüllt werden: Planebenheit und Dieselfestigkeit. Das heißt, die Ebenheit der Straßen mußte auf den Millimeter genau berechnet und ausgeführt werden, um eine höchste Fahrgeschwindigkeit für die Personenwagen, aber auch für die schweren Last­kraftwagen zu erlauben. Die Straßen mußten außerdem eine ungewöhnliche F e st i g k e i t auf­weisen, um der Beanspruchung durch die schnell­fahrenden Lastkraftwagen, meistens Dieselfahrzeuge, gewachsen zu sein. Letztere Forderung wird beson­ders verständlich, wenn man die Gewichts- und Ge­schwindigkeitssteigerung der Lastwagen in den letz­ten Jahren in Betracht zieht. Zum Beisipel hat der Fünf-Tonner-Lastwagen seit 1924 seine Geschwin­digkeit von 35 auf über 60 Stundenkilometer er­höht. Die Tragkraft steigerte sich bei Lastwagen von 9000 Kilogramm auf 13000 Kilogramm, sie wird wahrscheinlich in der Zukunft, wenn die 7000 Kilometer Autobahnen dem Fernverkehr neue Aussichten eröffnet haben, noch weiter anwachsen. Die Straßen des Führers aber sollen Straßen der Zukunft fein, sie dürfen auch nicht nach ein paar Jahren reparaturbedürftig inerten, weil da­mit ihr wirtschaftlicher Nutzen erheblich an Wert verlieren würde.

So wurden ganz neue Arbeitsverfahren und Maschinen durch den deutschen Ingenieur entwickelt, die sowohl eine äußerst schnelle als auch eine äußerst feste Bauweise gewährleisten. Da sind die neuen Stampf- und Hammerfertiger, riesige Hniversalmaschinen, die eine vollständige Straße, also Unterbau und Decke, allein ohne irgendwelche zusätzliche Maschinen- oder Handarbeit Herstellen können. Sie fahren auf Schienen über die Fahrstrecke und besitzen eine Skala zur Höhenein­stellung, die eine auf den Millimeter genau berech­nete Oberflächengestaltung eröglicht. Wichtiger als diese Maschinen, die früher auch schon in Amerika, wenn auch nicht in solcher Vervollkommnung ge­braucht wurden, sind die großen R ü 11 e l m a s ch i - neu, die im Gegensatz zu den vorhin erwähnten Fertigern den Straßen'baustosf nicht durch Stomp- fen, sondern durch Rütteln bis zur äußerst mög­lichen Grenze verdichten. Auch dieseHoch­frequenzschwingungsverdichter", die int Laufe des letzten Jahres erst in Deutschland entwickelt wurden, arbeiten über die ganze Straßenbreite, also über 7,5 Meter. Die Nordamerikaner kannten das Prin­zip der Rüttelmaschinen zwar auch schon, aber ihre Versuche waren nie befriedigend, und ihre Mas eig­nen gelangten über eine Breite von drei Meter nicht hinaus. Der Hochfrequenzschwingverdichter be­ruht auf der Erfahrung, daß lose geschüttete Bau-

Der erste Tag der großen Herbstübungen brachte noch keine größeren Kampfhandlun­gen. Die Parteien, die in der Frühe des Montags zunächst ihre Aufklärungsabteilungen in das Hebungsgebiet entsandten, waren selbstverständlich über die Stellung und die Bewegungen des Geg­ners, seine Stärke und Bewaffnung völlig im un­klaren. Das alles galt es zunächst einmal zu er­kunden. Die Schwierigkeit der Aufgabe wuchs durch das außerordentlich zerklüftete, stark bewaldete, von vielen Senken durchzogene und wegearme Ge­biet, das nur wenige Höhen aufweift, die einen größeren Einblick in das Gelände gestatten. Hinzu kommt die rein räumliche Ausdehnung des als Ope- ralionsbasis vorgesehenen Raumes, die etwa 130 Quadratkilometer betragen dürfte. Es leuchtet ein, daß in einem derartig gestalteten Gelände und bei einem Gegner, über dessen Stärke, Bewaffnung, Marschrichtung und Beweglichkeit nichts bekannt ist, die Führer vor Aufgaben gestellt werden, die schnelle Entschlüsse, gewandte Befehlsgebung und rasche Anpassung an die entstehende Lage erfordern.

Beide Parteien haben zunächst versucht, den Gegner durch Aufklärungsabteilungen festzustellen. Dabei konnte in den frühen Morgenstunden Luft­aufklärung fo gut wie gar nicht einge­setzt werden, da Bodennebel und wenig klare Sicht dies verhinderten. Um so eifriger waren motori­sierte und berittene Spähtrupps an der Arbeit. War der Gegner ermittelt, dann galt es die wenigen Punkte des Geländes zu sichern, die eine gute Weiterentwicklung des Vormarsches oder die bessere Stellung zu gewährleisten verspra­chen. Von den zunächst erreichten Punkten aus wurden dann die Aufklärungsabteilungen weiter Dorgetrieben und das Gros unter entsprechender Sicherung nachgezogen. Aus den Ergebnissen dieser Aufklärungsarbeit und den Feststellungen, die bei der ersten Feindberührung gemacht wurden, wird sich die weitere Lage gestalten, über die am Abend des ersten Hebungstages noch nichts gesagt werden kann. Bis zum Abend waren die Hebungen vom schönsten Herbstwetter begünstigt. Dann kam ein schweres Unto etter mit außerordentlich hef­tigen Regengüssen auf, das aber erfreulicherweise