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die Freuden des Landlebens gewiß aus vollem, dankbaren Herzen, aber doch gleichsam ohne innere Verpflichtung empfand und genoß, ist Knoll im tiefsten Grunde seines Wesens ein Bauer; er hätte nie etwas anderes werden können:' er ist, so heißt es von ihm, der ewige Bauer; sein Acker ist nicht nur sein größter und geliebtester Besitz, seine tägliche Freude und sein Heiligtum; er kann gar nicht ohne ihn leben: er würde, so schwer und mühselig und bitter sein teben auf und von seinem Acker auch sein mag, ihn dennoch niemals aufgeben können. Wohl hat er noch andere Güter, geliebten Besitz, der ihm das Leben lebenswert macht: eine gute, tüchtige, starke Frau, an der er mit seinem Herzen hängt, und viele Kinder; aber die Frau stirbt. Er nimmt eine andere, ist glücklich auch mit ihr, aber aud) diese wird ihm genommen, und Knoll ist inzwischen nicht jünger geworden. Nun hat er eigentlich genug, da verschafft ihm der Pfarrer, der es gut mit ihm meint, eine dritte Frau; wenn er sie heiratet, hat er nicht bloß wieder ein Weib, dann hvt er auch ausgesorgt für sich und die Kinder, denn die dritte ist zwar hager und mager,
Niederlage für GIESSEN zu vergeben.
Vorläufig direkter Bezug durch:
— Stendhal: R o t und Schwarz. Zeitbild von 1830. Überträgen von Arthur Schurig. 587 Seiten. In Leinen 3,50 Mark. Im Insel-Verlag zu Leipzig. — (200) — Unter den ersten zehn Bänden, mit denen die Insel, sehr verdienstlich, ihre wohlfeile Bibliothek der Romane eröffnet, befindet sich auch dieses Buch, welches Goethe, der es sich von Ottilie hat oorlesen lassen, für Stendhals bestes Werk hielt. „Rot und Schwarz" ist auch — bis zu Nietzsche hin — immer ein Lieblingsbuch berühmter Deutscher geblieben. Wenn der Verlag in der allgemeinen Einführung der Reihe davon spricht, daß der Leser in diesen Bänden „ein Stück Weltgeschichte im bunten Bilderbuch der dichterischen Erzählung kennenlernen" und aus ihnen „das reine Vergnügen einer edlen Unterhaltung schöpfen" werde, so trifft beides gerade auf Stendhals berühmtestes Werk bestimmt in besonderer Weife zu. Wir möchten empfehlen, die Lektüre mit dem Nachwort des Herausgebers zu beginnen, das auf wenigen Seiten die merkwürdigsten Daten zur Geschichte dieses Romans zusammenftellt; wenn man weiß, welche Rolle die Erzählung im Leben ihres Schöpfers gespielt hat, wird man sie mit doppelter Anteilnahme lesen und alsbald, schon nach den ersten Kapiteln, beides bestätigt und gerechtfertigt finden: die Bezeichnung als Roman wie als Zeitbild. Eine auf die klassische Erzählerkunst der Franzosen gegründete Technik bewältigt und gliedert den weitschichtigen Stoff mit bewundernswerter Mühelosigkeit und Eleganz. Sie formt einen echten Roman mit aller gehörigen Breite und Tiefe, mit einer Fülle interessanter Haupt- und Nebenfiguren und mit einer Handlung, die gegen Ende hin immer spannender wird. Schon der Umstand, daß die Liebesabenteuer des eigentlichen Helden eine außerordentlich große Rolle spielen, trägt sehr wesentlich dazu bei, daß der Leser sich durch alle 75 Kapitel hin im ursprünglichsten Sinne des Wortes unterhalten fühlt. Aber über diese äußerlich und stofflich anziehenden und fesselnden Elemente hinaus ist das Buch auch ein Entwicklungs- und Erziehungsroman, in welchem mit psychologischer Schärfe und oft erschreckender Eindringlichkeit die Entfaltung eines männlichen Charakters von ausgeprägter Eigenart geschildert wird. Und endlich ein Zeitbild, wie der Untertitel sich ausdrückt, ein Stück vielfach satirisch gefärbter, politischer und Ge- fellschaftsgeschichte aus dem Frankreich um 1830. An diesen Partien bewährt sich wohl am deutlichsten
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— Felix Timmermans: Bauernpsalm. Roman. Aus dem Flämischen übertragen von Peter Mertens. 217 Seiten. Zn Leinen 5,— Mark. Jrn Insel-Verlag zu Leipzig. — (217) — Zu seinem 50. Geburtstage hat uns der Dichter diesen Roman beschert — einen echten Timmermans, das heißt, ein Buch, in dem wir viele vertraute Züge aus früheren Büchern des Mannes aus Lier wiederfinden, aber ebenfovieles auch, was uns bisher bei ihm unbekannt war und für feine innere, dichterische und menschliche Entwicklung zeugt. Man muß wohl beim „Bauernpsalm" zuerst an den unvergeßlichen „Pallieter" denken und den letzten Roman als ein (Segenftüd zu jenem ersten betrachten; aber der „Pallieter" war, wie es einmal heißt, „der Erlösungsschrei seiner befreiten Seele", mit dem der Dichter das nach schwerer, fast tödlicher Krankheit wiedergewonnene Leben grüßte, ein überwältigender Jubelhymnus auf die Freuden der Welt und die Segnungen der Erde. Bon diesem starken, feurigen, mit allen Sinnen leidenschaftlich empfangenen Lebensgefühl hat Timmermans auch mit fünfzig, auch auf der Höhe und Mitte feines Daseins nichts verloren und preisgegeben. Aber er hat, mit zunehmender Reife auch erfahren, daß das Leben kein Spaß ist, wie es in feinem neuen Roman mehrfach heißt, — das Leben des Bauern zumal. Hier wird berichtet die Geschichte des flämischen Bauern Knolls und zwar in der direkten Form, in der ersten Person: „Ich bin nur ein armer
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Reiches uni) noch weiter drüben im Memelland, also rings um das Kurische Haff, ist der Elch, die größte Hirschart Europas, zu Hause. Hier ft reift er durch die moorigen Erlenwälder der Niederung, über die karg bewachsenen Wanderdünen hinweg zum Meere hin, fast ungestört von Menschenwec! und Menschentreiben. Kakies hat schon als Junge gelernt, ihn zu beobachten. Er weiß daß hier nur grenzenlose Geduld Früchte trägt. So ist er in jahr. zehntelanger Beschäftigung mit dem Elchwild einer seiner besten Kenner geworden, der als Mann der- Feder auch der Berufene war, seine Beobachtun.. gen anschaulich und fesselnd darzustellen. So gibt: sein Buch unseren besten Natudchilderungen nidjtsi nach. Das Schönste an ihm ist aber die wohlge-- lungene Verbindung von Wort und Bild. Erst durchi die hervorragend naturnahen und doch durchau-i künstlerisch gesehenen, Tier und Landschaft als Einheit erfassenden Aufnahmen des Verfassers wick die Schilderung des Elchlebens für uns fo eindrucksvoll und^ plastisch. Wir beobachten mit dm Augen des Verfassers die ersten unbeholfenem Schritte des Elchkälbchens an der Seite der Mutter, wir sehen es heranwachsen und sich eingliedern inn die Welt seiner Artgenossen, wir sehen den fapitalenn Schaufler auf der Nahrungssuche, beim Bade inm Meer und in der Brunstzeit, wir erleben das Gr- regende eines Elchkampfes und folgen den Elch- spuren durch den Schnee des langen ostpreußischeim Winters. Das alles sehen wir in ganzen fortlaufenden Bildreihen vor uns, ergänzt durch die fesselnde? Schilderung des Verfassers. So ist hier ein Buchg entstanden, das wir getrost den schönsten beiitjd)en\ Naturschilderungen an die Seite stellen bürfen. —e.
noch rannte ich wie der Blitz, ohne mich um Zusehen, in den Wald hinein, und ich lachte, lachte, erlöst und glücklich. Ich konnte gar nicht aufhören zu laufen... Ich hatte mein Feld wieder! Mein Feld! mein Feld!" In solchen Szenen und Worten klingt wieder das mächtige und feiner selbst gewisse Lebensgefühl des Pallieter, aber es kommt aus dem Herzen eines Menschen, der das Leben geschmeckt und erfahren und erlitten hat mit all feinen Mühen und Sorgen, mit seinen Freuden, seinen Bitterkeiten und Enttäuschungen, — ein Dasein jedoch, das seinen tiefen Sinn hat, und in dem es jeden Tag zu leben sich lohnt. Darum stehen am Ende dieser Bauerngeschichte diese Worte, die für den Dichter ebenso zeugen wie für feinen schlichten Helden: „Ich danke dir, o Herr! ... Und laß deinen Knoll, als Zeichen dafür, daß du feinen Dank annimmft, noch viele Jahre im Schweiße feines Angesichts auf deinem Acker arbeiten! Dank im Voraus!"
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aber reich, und Knoll brauchte für den Nest seines Lebens keinen Finger mehr krumm zu machen. Dennoch nimmt er sie nicht, denn wenn er sie nähme, müßte er seinen Acker aufgeben, anders geht es nicht. Und nun kann man sehen, daß Knoll wirklich im tiefsten Grunde seines Herzens und Wesens ein Bauer ist; er weiß: die Menschen vergehen, eine Frau ist sterblich, aber der Acker ist ewig im Kreis der Gestirne. Diese dritte Heirat würde für ihn bedeuten, was für den Soldaten schimpfliche Fahnenflucht ist. Schon ist das Aufgebot bestellt und die Hochzeit ' '
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— Martin Kakies: Elche zwischen Meer und Memel. Mit 82 Naturaufnahmen des Verfassers, in Leinen geb. 3 Mk. Verlag Hugo Bermühler, Berlin-Lichterfelde. — (244) — Die Schilderung des Tierlebens unserer Heimat hat in den letzten Jahrzehnten außerordentliche Fortschritte gemacht, lieber das rein Jagdliche hinaus hat die Kamera Jäger und Tierfreund zur Naturbeobachtung und Naturschilderung geführt, wobei das erregende Erlebnis des Menschen ganz zurücktritt hinter dem Tierleben selbst in seinem wechselvollen Ablauf. Hermann Löns mit feinem „Mümmelmann" hat dieser neuartigen Tierschilderung die Bahn gebrochen und ihr verdanken wir es, daß uns nun auch, inzwischen außerordentlich gefördert durch die technische und künstlerische Entwicklung der Lichtbildnerei, Tiere unserer Heimat nahegebracht werden, die, wie der Seeadler, der Biber, der Wisent und der Elch, infolge der fortgeschrittenen Besiedelung und Industrialisierung Deutschlands nur noch in ganz bestimmten Gegenden unseres Vaterlandes in freier Wildbahn beobachtet werden können. Der staatliche Naturschutz erstreckt sich auch auf die sorgfältige Hege der leider nur geringen Bestände, die uns von diesen Tieren aus einer Zeit weit größeren Wildreichtums überkommen sind. Das große Interesse, das der Reichsforstmeister grabe diesem Zweig des Naturschutzes entgegenbringt, bürgt für die Erhaltung dieser Arten, die bereits auf dem Aussterbeetat der Natur standen. Das schöne Elchbuch des memelländischen Schriftleiters Martin Kakies zeigt, vor welch schmerzlichem Verlust wir durch die staatliche Naturdenkmalpflege auch im Tierreich unserer Heimat bewahrt bleiben. Im äußersten Nordosten des
das Dantonfche Motto, welches dem Buche vorangestellt ist: „Die Wahrheit! Die bittere Wahrheit!" In den knappen, sachlichen Anmerkungen, die der Herausgeber feiner Übertragung beigegeben hat, findet sich auch eine Erklärung des Titels „Le Rouge et le Noir“. Stendhal, Der den Stoff zu feinem Roman aus einer wirklichen Begebenheit schöpfte und ein Hauptmotiv dem Zeitungsbericht über einen Mordprozeß (1827) entnahm, „stellt Rot als das Symbol des Krieges hin, des Soldatentums, der Lebensfreude, des freien Lebens; Schwarz dagegen als Symbol der dogmatischen Kirche, der seelischen Knechtschaft, der Heuchelei, der Reaktion. Und das ganze soziale Leben erscheint ihm als ein Glücksspiel, gleichviel, ob der strebende Mensch auf Rot oder Schwarz fetzt." — Die verlegerische Ausstattung der Bibliothek der Romane ist so geschmackvoll und gediegen, wie wir das feit jeher von den Veröffentlichungen des Insel-Verlages gewohnt find. Wir möchten nicht versäumen, zum Schluß noch einmal auf den erstaunlich geringen Preis der schmucken und inhaltreichen Bände mit Nachdruck hinzuweisen. — y—
— Wörterbuch der Wirtschaft. Von Friedrich Bülow (Kröners Taschenausgabe Band 114). 464 Seiten. Seinen 3,75 Mark. Alfred Kröner Verlag, Leipzig. — (228) — Der Verfasser der bekannten „Volkswirtschaftslehre" legt hier ein nach dem neusten Stand gearbeitetes, praktisches Taschenlexikon vor, das alles enthält, was
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der heutige Mensch von der Wirtschaft wissen muß Es erläutert in reichhaltiger Kürze alle Begriffe die als Fremdwörter ober Fachausbrücke in bei Wirtschaftspraxis vorkommen. Doch begnügt es fiß nicht mit Begriffsbestimmungen, fonbern verfolg seine Stichworte stets anschaulich in bie konkreten Tatsachen unb Verflechtungen ber Wirtschaft hinein. Daburch gewinnt es erheblich an Reichhaltigkeio unb praktischem Wert Mr ben Benutzer. Eine be= sonbere Bebeutung erhält es u. a. dadurch, bas es zum ersten Male bas gesamte neue Wirtschaftsrechn übersichtlich in Wörterbuchform barstellt. Da es ffa bie Praxis angelegt, in klarer, einfacher Sprache geschrieben ist unb keine Fachvorkenntnisse voraus- setzt, wirb es bei Kaufleuten, Männern ber Industrie unb ber Banken, geschätzt fein.
— Ratbüchlein in Reim unb Bild. ®e.. schrieben unb gezeichnet von Elisabeth B ehrend 2. Säuglingspflege. Mit einem Geleitwort von Kinberarzt Dr. med. W. R i e h n. Kart, je —.gg Mark. Verlag von B. G. Teubner in Leipzig Unb Berlin 1936. — (220.) — Die leicht faßlichen Söerje zusammen mit ben anschaulichen Zeichnungen fpre« chen zu Gemüt unb Verstaub der jungen Mutter. Alles, was zur Säuglingspflege gehört, wird in lebendiger Weise, oft mit Humor gewürzt, ihr bis in jede Einzelheit bargeboten. Angefangen Dom Bettchen und seinem Platz, Kleidung, Waschen uni Trocknen ber Wäsche, Bab, Turnen unb Gewöh. nung zur Sauberkeit, Spielzeua, Nahrung, Er. ziehung, Achtsamkeit auf kleine Leiden bis zu all. gemeinen Grundsätzen der Ruhe, Regelmäßigkeii und Reinlichkeit ist hier alles in ansprechend« Form zusammengefaßt.
Ebenso der P orbentli hohe 5 dings । Werf) rnuni Dozent Neju ?ffi3i
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3n der heutigen Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 150 RM gezogen


