Dichterbesuch in unserer Stadt.
Kreisbauernschaften und den Arbeitsämtern, so daß für den erstrebten Erfolg volle Gewähr gegeben ist.
Äornotizen.
Tageskalender für Mittwoch.
Gloria-Palast, Seltersweg: „Unter falschem Ser« dacht".
Ole Lerkehrsopfei- der letzten Woche.
Als Opfer des Straßenverkehrs in der abgelaufe- ven Woche sind wieder
151 Tote und 4256 Verletzte
zn beklagen. Der Reichsverkehrsminister bemerkt: Line häufige Ursache der Unfälle ist die Unvorfichtig- kett an Straßenkreuzungen. Die Vorfahrtregelung muh zur Vermeidung von Zusammenstößen besser beachtet werden.
Ausgabe der ersten Wehrpässe.
Die neuen Wehrpässe werden nun zum erstenmal ausgeqeben. In einem Erlaß an die Nachgeordneten Landesstellen teilt der Reichsinnenminister mit, daß die Wehrpässe für diejenigen Wehrmachtsfreiwilligen, die nicht den Geburtsjahrgängen 1913, 1915 und 1916 (in Ostpreußen auch 1911) angehören, durch die Wehrersatzdienststellen ausgestellt werden und an die Freiwilligen durch die für ihren Wohnsitz zuständigen polizeilichen Meldebehörden auszuhändigen sind. Die Wehrpässe werden bis 5. September 1936 den polizeilichen Meldebehörden durch die Wehrersatzdienststellen unter Beifügung einer Namensliste, die auch die Wehrnum- mer und Anschrift der Dienstpflichtigen enthält, übersandt werden. Die Freiwilligen haben auf der Liste den Empfang des Wehrpasses zu bescheinigen und ferner ihre Unterschrift auf und unter das Lichtbild des Wehrpasses zu setzen.
Soldaten
erhalten keine Zeuaengebühren
Wehrmachtsangehörige — Soldaten und Wehrmachtbeamte — erhalten als Zeugen, Sachverständige oder Dolmetscher im militärgerichtlichen Verfahren keine Gebühren. Ist damit eine Dienstreise verbunden, so steht ihnen- eine Reisekostenvergütung zu
Landeskirchenausschuh und Erntekindergärten.
Unter dem 13. Juli hat der Landeskirchenausschuß die Pfarrer der Evangelischen Landeskirche Nassau- Hesien auf die Einrichtung von Ernte-Kindergärten (vgl. den Aufsatz von Marie Luise Lüddeke: „Kindergärten für die Erntezeit" in Nr. 166, 3. Blatt des „Gießener Anzeiger" vom 18. Juli) hingewiesen. Der Landeskirchenausschuß hält die Mitwirkung der Kirche in dieser Arbeit nach Möglichkeit für dringend erwünscht. Dabei überläßt er es dem eigenen Ermessen der Geistlichen, inwieweit und in welcher Form der kirchliche Einfluß geltend gemacht werden kann. Nach Möglichkeit sollen kirchlich gesinnte Helferinnen bei der Betreuung der Erntekindergärten herangezogen werden. Wo schon ein kirchlicher Kindergarten besteht, soll er durch Erweiterung seines Arbeitsfeldes in der Erntezeit diesen Dienst mitübernehmen.
Verwüstete Getreidefelder!
NSG. Verwüstete Getreidefelder mit umgeknickten Halmen und leergefressenen Aehren sind besonders in der Nähe der Städte keine Seltenheit. Urheber dieses Schadens, der recht beträchtliche Ausmaße annehmen kann, sind die Sperlinge, die oft in großen Schwärmen in die Felder einfallen. Da sie außerdem unsere nützlichen Kleinvögel, wie Meisen, Schwalben und dergleichen aus denNestern vertreiben, soll jeder Garten- und Feldbesitzer dazu beitragen, den Schädlingen das Handwerk zu legen. Ratschläge hierzu gibt gegen Erstattung des Rückportos die Haupt-
Zur Zeit unternehmen auf Einladung des Lan- desfremdenverkehrsverbandes „Rhein-Main" einige deutsche Dichter eine Besichtigungsfahrt durch das Rhein-Main-Gebiet. Auf dieser Reise trafen die Fahrtteilnehmer am Montagabend auch in unserer Stadt ein, wo sie als Gäste Gießens empfangen wurden. Zum Begrüßungsabend hatten sich zahlreiche Gäste, darunter Vertreter der Wehrmacht, der Universität, des Theaters, der NS.-Kultur- gemeinde und der Stadtverwaltung eingefunden und so bot schon rein äußerlich die Zusammen- setzung der erschienenen Vertreter den Gästen tue Viel eitigkeit unserer Stadt dar.
Nach einem Imbiß begrüßte Bürgermeister Dr. Hamm, in Vertretung des durch einen Trauerfall verhinderten Herrn Oberbürgermeisters, die Dichter und Schriftsteller und hieß sie mit herzlichen Worten in Gießen willkommen.
Dann kam Dr. Hamm auf die Stadt Gießen selbst zu sprechen und entwickelte in kurzen Zügen ein Bild von Gießen als Universitäts-, Garnison- und Gartenstadt. Gerade durch Universität und Garnison sei in Gießen ein in allen Teilen angeregtes kulturelles Leben. Von den Sehenswürdigkeiten Gießens hob der Redner besonders das Liebig-Museum hervor, das noch allzu unbekannt sei. Besonders schön sei die Umgebung unserer Stadt, mit Lahn, Burgen und tiefen Wäldern. Die Bevölkerung Gießens sei sehr gastfreundlich und nähme immer Gäste herzlich auf. Mit dem Wunsche, daß sich die Dichter in unseren Mauern wohl fühlen mögen, schloß Dr. Hamm seine Begrüßungsansprache. Für die Reisegesellschaft dankte dann der
stelle für Pflanzenschutz, Gießen, Senckenbergstrahe Nr. 7.
Hitler-Jugend.
Bann 116.
Donnerstag, 23. Juli, findet um 20 Uhr eine Sitzung für sämtliche Stabsmitglieder statt. Im Anschluß daran ist 20.30 Uhr eine Sitzung für sämtliche Gefolgschaftsführer des Bannes 116.
X. Die deutsche Rrbeitofront
■y I n.s.-Gemeinschaft „Kraft durch kreude"
Volkstanzkreis.
Donnerstag, 23. Juli, 20 Uhr, findet wieder pünktlich die nächste Uebungsstunde des Dolkstanz- kreises im großen Saal im Haus der Arbeit, Schanzenstraße 18, statt.
Wanderung nach Kloster Arnsburg.
Am Sonntag, 26. Juli, findet eine Wanderung nach Kloster Arnsburg zu dem Sommerfest statt. Die genaue Abmarschzeit wird morgen hier bekanntgegeben.
Fußwanderung nach dem Dünsberg.
Am Sonntag, 26. Juli, findet eine Fußwanderung nach dem Dünsberg statt. Die Wanderung führt über Wißmar—Krumbach nach dem Dünsberg, zurück über Fellingshausen—Krofdorf—Gleiberg—Gießen. Abmarsch erfolgt pünktlich 7 Uhr am Oswaldsgarten. Die Führung hat Wanderwart Nebe. Rucksackverpflegung.
Omnibusfahrt nach Heidelberg.
Am 1. und 2. August findet eine Omnibusfahrt nach Heidelberg statt. Der Teilnehmerpreis beträgt einschließlich Uebernachtung, Frühstück und Mittagessen pro Teilnehmer 11,30 Mark. Anmeldeschluß ist der 27. Juli.
Sommerfest in Kloster Arnsburg.
Am Sonntag, 26. Juli, findet wieder, wie alljährlich, das große Sommerfest in der schönen Burgruine Kloster Arnsburg statt. Näheres erfolgt in der nächsten Ausgabe.
Geschäftsführer des Landesfremdenverkehrsverban- Des Herr K a r b u s der Stadt Gießen und ihren Vertretern für den herzlichen Empfang und die erwiesene Gastfreundschaft. Des weiteren gab Herr Karbus einen kleinen Ueberblick über den seitherigen Verlauf der Besichtigungsfahrt und sprach von den vielen Schönheiten, Sehenswürdigkeiten und Schätzen, durch das sich gerade das Rhein- Main-Gebiet auszeichne. Don Wiesbaden sei man auf einer „Bäderschleife" über Nab-Nauheim nach Gießen gekommen und der folgende Tag werde die Dichter durch das romantische Lahntal nach Bad Ems bringen. Groß sei die Zahl der Heilbäder in unserem Gau und gerne würden sich die Bäder in den Dienst der Volksgesundheit stellen. Er gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Teilnehmer dieser Fahrt einen nachhaltigen Eindruck von Land und Leuten unseres Gebietes mitnähmen in ihre Heimat. Bei angeregter Unterhaltung verbrachten die Gäste mit den Vertretern aus unserer Stadt den Abend.
Gestern morgen fand dann unter Führung eines Herrn vorn städtischen Verkehrsamt die Besichtigung der Stadt Gießen statt. Besonderes Interesse fand bei den Dichtern das Gießener Stadttheater, die Universität mit ihren einzelnen Instituten und das Liebig-Museum. Ein schneller Abstecher brachte dann noch die Reisegesellschaft auf die Burg Gleiberg, wo ganz besonders die herrliche Aussicht ins Lahntal und in die engere und weitere Umgebung von Gießen gefiel. Auch das Schulungslager im Albertusbau fand den ungeteilten Beifall der Besucher. Nach einer kurzen Pause ging es zurück nach Gießen und von hier weiter nach Wetzlar.
♦* U n f ä H e. Sie hiesige 22jährige Heinrich Lind, der ein junges Pferd beim Schmied beschlagen lassen wollte, kam dabei zu Schaden. Das Tier schlug einige Male aus und traf den jungen Mann. Die Verletzungen erwiesen sich glücklicherweise als nicht sehr schwerer Natur. — Die Frau eines hiesigen Kaufmanns erlitt durch einen unglücklichen Sturz einen Bruch des linken Unterschenkels und mußte zur Behandlung in die Chirurgische Klinik gebracht werden.
** Der Unfall auf der Reichsautobahn. Wie wir auf weitere Anfragen erfahren konnten, handelte es sich bei den auf der Reichsautobahn bei Pfungstadt Verunglückten nicht um Gießener, sondern um Frankfurter Einwohner. Die Mutmaßung, daß es sich um Gießener Bürger handeln könnte, kam bei dem Berichterstatter des Landespressedienstes dadurch auf, daß der verunglückte Führer des Kraftwagens vor Jahren in Gießen wohnte und auch in unserer Stadt den Führerschein erwarb, dann aber nach Frankfurt am Main verzog.
** Schützt d i e Rehkitze vor der Mähmaschine! In jedem Jahre werden aus allen deutschen Gauen Fälle gemeldet, daß beim Mähen frei lebende Tiere, insbesondere Rehkitze, durch die Mähmaschine schwer verletzt oder getötet werden. Das Gras ist dicht und hoch, der Maschinenführer kann die kleinen Tiere nicht sehen, die abgearbeiteten Pferde gehen interesselos an allem vorüber, ohne Zeichen zu geben — und einem kleinen Geschöpf werden oft Stunden ärgster Qual bereitet, ehe diese durch den Tod beendet wird. Mit einem einfachen Mittel sind solche Quälereien und Verluste zu verhüten ober mindestens beträchtlich zu verringern. Man befestigt an der Spitze der Deichsel eine schrill tönende Klingel, Glocke oder dergleichen. Versuche haben ergeben, daß am ersten Mähtage ohne Klingel zwei Kitze so schwer angeschnitten wurden, daß sie getötet werden mußten. Nach der Anbringung des Geläutes haben sich solche Fälle nicht mehr ereignet. An sich macht zwar schon der Grasmäher Lärm, doch scheint diese Art Lärm auf die Kitze nicht zu wirken, während das Klingeln die Tiere zum erschreckten Abspringen veranlaßt. Der Reichs-Tierschutzbund bittet daher alle Landwirte, durch die
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deskirchenausschuß hat am 17. Juli auf feinen Antrag den hiesigen Pfarrer Heinrich Büchner mit Wirkung vom 1. November unter dankbarer Anerkennung feiner der Landeskirche geleisteten treuen Dienste in den Ruhestand versetzt. Pfarrer Bachner wurde am 31. Dezember 1867 zu Freiensteinau als Sohn des Gendarmerie-Wachtmeisters Jakob Bachner geboren und war nach Vollendung seiner Studien und dem Besuch des Predigersemi- nars in Friedberg seit 23. Dezember 1894 Vikär und seit 17. Mai 1895 Verwalter in Stadecken.. Am 11. Mai 1896 wurde er Rektoratsverwalter in Schlitz und Verwalter in Willofs. Seine defi. nitioe Anstellung erhielt er am 30. Mai 1897 als Pfarrer in Udenhausen: seit 12. Februar 1905 he. kleidete er das hiesige Pfarramt. In den über 31 Jahren seiner Tätigkeit hat er sich die Liebe und Anhänglichkeit seiner Gemeinde erworben, lieber seine Gemeinde hinaus war er tätig als Vertrauens- mann für evangelische Pressearbeit und die Krankenkassengemeinschaft der evangelischen Geistlichen Hessens, ebenso für den Pfarrverein und den Evangelischen Bund, der ihm vor einigen Jahren die große Luthermedaille verlieh. Auch int vergangenen Dekanatsausschuß arbeitete er mit. Selbst ein tüchtiger Imker, l)at er sich große Verdienste um die Sache der Bienenzucht erworben.
Silbernes Priesterjubiläum in Lich.
) Lich, 22. Juli. Am morgigen Donnerstag, 23. Juli, kann der katholische Pfarrer Crönlein (Lich) die Feier seines silbernen Priester« jubiläums begehen. Der Jubilar, der sich in Stadt und Land, bei alt und jung sehr großer Beliebtheit erfreut, kann auf eine segensreiche Tätigkeit als Seelsorger zurückblicken. Nach Ablegung der Maturitätsprüfung widmete er sich von 1907 bis 1911 den theologischen Studien an der Theologischen Fakultät in Mainz. Seine Primiz konnte er am 23. Juli 1911 in der Pfarrkirche seines Geburts- und Heimatortes Hechtsheim bei Mainz feiern. Seine erste seelsorgerische Tätigkeit übte er von 1911 bis 1916 als Kaplan und Pfarradmini- ftrator in Bürstadt bei Mannheim aus. Hiernach berief ihn sein Bischof bis zum Jahre 1918 nach Büdesheim bei Bingen, von dort nach Bretzenheim bei Mainz, wo er bis zum Jahre 1923 tätig war. Von 1923 bis 1930 betreute er als Pfarrer die Pfarrei Weinoldsheim bei Oppenheim. Seit dem 15. Januar 1930 ist Pfarrer Crönlein als Dekanats« Vertreter und Pfarrer der katholischen Kirchengemeinde Hungen-Lich tätig und betreut als Seelsorger die Städte Lich, Hungen, Laubach, Echzell, sowie weitere 42 Gemeinden. Die kirchliche Feier der silbernen Primiz findet Donnerstag in der Franziskanerklosterkirche „Heiliges Grab" in Mainz statt, während die eigentliche Jubelfeier am kommenden Sonntag in der hiesigen katholischen Kirche stattfinden wird.
Auf der Serienreife tödlich verunglückt.
* Lauterbach, 22. Juli. Einen tödlichen Unfall erlitt, fern feiner Heimat am Bodensee, em hiesiger junger Mann, der 26jährige Schlosser Karl Stoppler. Der Verunglückte, der sich auf einer Serienreife befand, stürzte so unglücklich und heftig vom Fahrrad, daß er bald nicht seiner Einlieferung in das Krankenhaus in Friedrichshafen verstarb. — Seit einigen Tagen wurde hier der Kutscher Georg
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Anbringung eines Geläutes an den Mähmaschinen viele Tausende von Jungtieren vor qualvollem Tode bewahren zu Helsen.
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Pfarrer Böchner-TreiS tritt in den Ruhestand.
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Verfluchtes Gold!
Vornan von I. Schneider Foerfil.
Urheberrecht: Verlag Oskar Meister, Werdau i. Sa.
31 Fortsetzung. Nachdruck verboten!
Wem gehörte diese Stimme? Die kannte er doch? Er sah in den Spiegel. Daß man so grau werden konnte innerhalb weniger Wochen? Und solch strenge Furchen um Mund und Nase bekam?
Er stäubte ein Fädchen vom Aermel des Rockes, sah noch einmal in den Spiegel und straffte den Rücken. Es mußte sein! Frau Schroder hatte schon gesagt, daß er zu sprechen sei.
Der Lüster im Nebenzimmer beleuchtete ein blasses, schmales Frauengesicht, das ihm lächelnd entgegenblickte. „Erschrecken Sie nicht. Ich wollte nur fragen, ob ich Ihnen irgendwie dienlich sein kann."
Terry konnte kein Wort erwidern. Obwohl er Hertha Amselmann schon an jenem Abend gesehen hatte, überraschte ihn ihre Anwesenheit doch derart, daß er sich nicht gleich zu fassen vermochte.
„Es wundert Sie," fuhr sie fort, „daß ich um Ihr Hiersein weiß? Aber vor mir brauchen Sie wirklich keine Furcht zu haben. Ich bin lediglich gekommen, mich Ihnen zur Verfügung zu stellen, falls ich Ihnen irgendwie helfen kann. Ich tue es von Herzen gern."
Er hatte sich wieder soweit in der Gewalt, ihr einen Stuhl anbieten zu können und ließ sich dann selbst neben ihr nieder. „Ihr Besuch zeigt mir, daß ich doch nicht vorsichtig genug gewesen bin."
„Wieso?"
„Genau so gut, wie Sie, können mich auch andere gesehen haben und wissen, wo ich mich verborgen halte."
„Nein", erwiderte sie lächelnd. „Denn ich habe Sie ja gar nicht gesehen, mein Freund, und hatte keine Ahnung, wo sie sich aufhalten. Ich bin auf Sie aufmerksam gemacht worden und habe den Tip bekommen, daß ich Sie hier treffen kann. Es war mein Schwager, der mich davon benachrichtigte und mir Straße und Hausnummer angab, sowie den Namen ihrer Wirtin."
„Sie haben einen Schwager hier?"
„Juwelier Mangold."
„Ihr Schwager?" wiederholte er ungläubig? „Sie haben sich wieder verheiratet?"
„Nein! Aber er ist der Bruder meines ersten Mannes, Karl Mangold, der — Gott, man soll die Toten nicht um ihre Ruhe bringen. Er starb im Zuchthaus."
„So ist das," stammelte Terry.
„So ist das, ja. Vielleicht ist es Ihnen ein Trost. Mit jedem treibt das Leben einmal ein böses Spiel. Für mich war diese Ehe jedenfalls ein Weg nach
Golgatha. Ich hätte nie geglaubt, daß man soviel ertragen kann. — Ihre Tochter ist nicht hier?"
„Nein. Sie ist bei Ihrem Sohn Wolfgang, auf Ihrem Wochenendhaus in Grainau. Ich bin so dankbar, daß ich Maria in guten Händen weiß."
„Ja. Meine Jungens werden ihr sicher nichts zuleide tun."
„Wissen Ihre Söhne, wo Sie sich zur Zeit befinden?"
„Sie wissen es nicht. Aber sie sind ja schon groß und brauchen keine Mutter mehr."
„Hertha!--"
„Nicht," wehrte sie und streifte feine Hand ab, die über ihre Finger streicheln wollte. „Ich habe Ihnen schon damals nach Ihrem Aufruf in den Zeitungen Bescheid gegeben, die Vergangenheit ruhen zu lassen. — Man soll Gestorbenes nicht wieder ins Leben zurückrufen wollen. Es hat keinen Sinn."
„Zumal dann nicht", versetzte er bitter, „wenn der ehemalige Jugendgeliebte wegen gewisser Delikte vom Staatsanwalt gesucht wird."
„Seien Sie nicht ungerecht", verwies sie ihn, „damals--Sie wissen doch noch, Terry--
wer seinerzeit der Schuldige war."
„Ich weiß es, ja." Er wurde ganz kleinmütig und hielt den Kopf gesenkt. „Wir wählen unser Schicksal nicht selbst, Hertha. Es wird uns zudiktiert. Wir müssen immer so handeln, daß wir dahin kommen, wohin es uns eben haben will."
„Eine bequeme Ansicht."
„Nein, Hertha, nur die richtige Ansicht. Sonst konnten wir unmöglich zuweilen so Sinnloses vollbringen. Sonst hätte ich dich seinerzeit mit tausend Armen gehalten, hättest du nicht diesen Karl Mangold geheiratet, hätte Amselmann dich nie zur Frau bekommen, hätte ich nie und nimmer eine Schuld auf mich geladen, unter der ich jetzt zusammenbreche und vor der ich jetzt selbst zurück- schrecke, wäre ich nie der Bettler geworden, der ich bin, müßte ich nicht selbst auf mein Kind verzichten. ---Wir müssen, Hertha! Alle müssen wir,
ob wir wollen oder nicht. Das ist der einzige Trost, den es für mich gibt: daß alles mir zudiktiert wurde."
„Vielleicht!" sagte sie nachdenklich. „Es ist ja möglich, daß du recht hast. Ich möchte dir einen Vorschlag machen: immer kann deine Tochter nicht bei meinen Söhnen bleiben. Gib sie in meine Obhut."
„Ich kann sie ja auch zu mir nach Köln nehmen."
„Nein, das kannst du nicht. Einer vermag sich zur Not versteckt zu halten. Für zwei ist es schon bedeutend schwieriger, und ich bleibe ja auch nicht hier. Ich reife in den nächsten Tagen nach Italien. Sorrent oder Subiacco.
„Und ich?--"
Sie sah ihm voll in die Augen und sagte ernst: , „Du mußt sorgen, daß du wieder zum Frieden mit i dir selbst kommst."
„Du meinst also, ich soll mich freiwillig stellen?" „Das meine ich, ja."
Im Hause mochte eine Storung der elektrischen Leitung eingetreten sein, denn der Lüster erlosch plötzlich. Der Kegel eines Scheinwerfers zog durch die Dunkelheit, und von draußen horte man erregt Frau Schroders Stimme. Sie klopfte und steckte den Kopf zur Türe herein. „Ich werde sofort Licht bringen."
„Nicht nötig", erwiderte Hertha Amselmann. Sie horte das schwere Atmen Terrys und suchte nach seiner Hand. „Schuld, die man begangen hat, kommt dem Gewisfen gegenüber nur zum Schweigen, indem man sie sühnt. Jedes Vergehen aber, das gesühnt ist, verliert seinen bittersten Stachel, denn mehr wie bereuen und büßen können wir nicht. Und daß wir straucheln, ist menschlich."
„Und wenn ich gesühnt habe, Hertha?"
Sie schwieg erst eine Weile, ehe sie Antwort gab. „Die Welt ist groß. Was heute Sensation ist, findet morgen schon kein Interesse mehr. Für alles kommt einmal ein Vergessen. Zumal in der Jetztzeit, wo sich soviele große Ereignisse abwickeln, die alles andere in den Hintergrund drängen. Hab keine Angst, daß du Richter findest, denen es eine Genugtuung bedeutet, dich auf der Anklagebank zu sehen, und die nur darauf warten, dich zu demütigen. Du wirst Menschen gegenüberstehen, denen es ein Bedürfnis ist, dir zu helfen, so viel und so wc»it dir geholfen werden kann und dir alles an Demütigung zu ersparen suchen. Sie werden dich nicht schwerer sühnen lassen, als du es verdient hast."
„Und wenn ich gesühnt habe, Hertha?" „Dann weißt du ja, wohin du gehen mußt." „Ich weiß es nicht, Hertha."
„Dorthin, wo deine Tochter sein wird." „Zu dir?"
„Zu mir!" sagte sie und entzog ihm ihre Hand nicht, als er sein Gesicht hineinbettete.
Kommerzienrat Terry hat sich gestern abend dem Staatsanwalt freiwillig gestellt!
Terry? — Ach ja, das war doch der Generaldirektor der Dysoltwerke, die ein so großes Defizit hatten. Na ja, wieder mal einer. Kriegen tat die Staatsanwaltschaft natürlich einen jeden, und die sich freiwillig stellten, waren nicht immer die Schlechtesten. Ein paar Jahre Gefängnis ober Zuchthaus ... Na, wenigstens hatten sie ihn jetzt.
Die nächsten Seiten der Zeitungen meldeten schon nichts mehr davon. Es gab so viel anderes, wichtigeres zu berichten.
Am anderen Tag war der Fall Terry bereits wieder vergessen.
Wolfgang Amselmann dünkte der Gang ins Untersuchungsgefängnis als der schwerste seines Lebens. Nicht einmal jener, auf dem er den Vater zum letztenmal begleitet hatte, war ihm so fürchter
lich gewesen. Was sagte man Terry, wenn er nach Maria fragte? Mußte das dem ohnehin schon völlig niedergeschmetterten Mann nicht noch den letzten Rest geben?
Hylmar und er taten alles, was nur irgendwie getan werden konnte, die Vermißte ausfindig zu machen. Nur die Polizei hatten sie nicht in Anspruch genommen. Die mußte ausgeschaltet bleiben. Marias Name durfte nicht in den Mund der Öffentlichkeit kommen.
Lois hatte ihm, von Gewissensbissen geplagt, alles erzählt. Sie waren gleich am nächsten Tage nach Garmisch gefahren und hatten im Hotel Zugspitz Vorgesprächen. Aber Rolf Steffen war noch am Abend vorher abgereist, unbekannt wohin.
Ach, die Liebe war doch nicht das, als was man sie sich immer vorstellte: ewig, unveränderlich, alles vergebend, alles verzeihend und verstehend. — Nicht einmal die Liebe einer Mutter! Wenigstens die Liebe ihrer Mutter nicht. Keine Zeile, fein Gruß, war seit jenem Abschiedstage für ihn und Hylmar gekommen. Keiner ihrer vielen Aufrufe in den Blättern war erwidert worden.
Sie wollte nichts mehr von ihren Söhnen wissen.
Terry trat ihm sehr gefaßt entgegen. Schon in der nächsten Minute wurde die gefürchtete Frage gestellt: „Warum ist meine Tochter nicht gekommen?"
Wolfgang hatte sich die Antwort seit Tagen zu- rechtgelegt und wurde nicht einmal verlegen, als er nun sagte, daß Maria an Grippe erkrankt sei. Von der Wahrheit verriet er fein Wort. Vielleicht konnte Terry, wenn er von Marias Verschwinden erfuhr, kein Auge mehr zutun, vielleicht auch tat er in der Verzweiflung etwas ganz Unbesonnenes.
Also besser gelogen, es würbe sich schon ein Ausweg finden.
Was Terry sprach, ging ungehort an seinem Ohr vorüber. Er behielt nichts als ein paar Worte: daß Maria sich schonen solle und für keinen Fall aus dem Hause gegen dürfe, solange sie noch so erkältet sei.
Wolfgang fagie: „Selbstverständlich!" und daß Terry sich nicht im geringsten zu sorgen brauche.
Als sich das schwere Tor wieder hinter ihm schloß, mußte er sich gegen die Mauer lehnen. Gott, war das schwer gewesen! Zum Glück hatte Terry nichts gemerkt!
Die Sonne flimmerte auf dem Schnee. Er xnat arg vertreten und schmutzig, und die Kinder, die Burgen und Tunnels aus ihm formten, hatten braune Hände.
In Grainäu war das anders. Da lag alles in fleckenlos glitzerndem Weiß. Sonderbar, überall, wo viele Menschen waren, brachten sie Schmutz und Unsauberkeit mit. Alles verdarben sie. Alles wurde durch sie besudelt. Er sah nach den vergitterten Fenstern hinauf und schauerte zusammen. Lieber tot fein! Und dort oben war nun Kommerzienrat Terry und muhte es ertragen. Mußte abroarten, was man über ihn beschloß. — (Forts, folgt)
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