Ausgabe 
22.7.1936
 
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Mittwoch. 22.3uli 1956

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

:r. 169 Dritter Blatt

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Aus der Provinzialhauptstadt

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k ügel. Als erster, rechter Hand, ruht der Kom-1 F l o t t e

Eierfressende Schlangen.

enüeckung, unter der Regie non Johannes Rie- die,-Schlangen z mann feine Partnerin fein wird. Der FilmS ! l - felhast, ob in de, ^ern" gedreht unter der Regie non Max Oba nugend Gier non nach einem^Drehbuch non Betfch und Obal jetzt fo dah man nicht die Tradition der lustigen deutfchen Schneeschuh» in Freiheit lebe

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Aber in anken all glicht des

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ourbe ein egen eines milbernber ,nis rer- .erben an*

Gute Möbel bei Koos

Giessen Schulstnß

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) C h e f o o , im Juli 1936.

Am 23. Juli vor 40 Jahren zerschellte das Ka­nonenbootIltis" unter der übermenschlichen Ge­walt eines Taifun an dem felsigen Vorgebirge von k-chantung. Der Kommandant, Kapitänleutnant haun, ein besonders befähigter Offizier und

Selbst der Freiwillige Nietzsche...

Friedrich Nietzsche war als junger Mann Soldat, er war es sogar mit Begeisterung und ließ sich in stolzer Pose mit dem bloßen hauenden Säbel photographieren, als er bei der Artillerie in Naum­burg sein Jahr addiente. Es scheint aber nicht, daß seine militärischen Fähigkeiten auch seinem Unter­offizier großen Eindruck gemacht haben; denn als einmal eine Einrichtung am Geschütz erklärt wurde, geschah folgendes: Nietzsche hörte die Erläuterung zum erstenmal und begriff sie sofort, aber einem Kanonier, der bereits im dritten Jahre diente, wollte die Erleuchtung immer noch nicht kommen. Schließlich wurde der Unteroffizier ungeduldig und schrie den Mann an:Schulze, Sie sind zu dumm, selbst der Freiwillige Nietzsche hat's doch schon be­griffen!"

Unb treibt des wilden Sturms Gewalt Uns an ein Felsenriff, Gleichviel in welcherlei Gestalt Gefahr droht unferm Schiff, Wir wanken und wir weichen nicht, Wir tun nach Seemannsbrauch, Getreu ersülln wir unsere Pflicht Auch bis zum letzten Hauch, Und rufen freudig sterbend aus Getreu bis in den Tod Der Kaiser und die Flagge hoch Die Flagge Schwarzweihrot!"

In den Londoner Zoologischen Garten ist als eine bemerkenswerte Neuheit eine eierfressende Schlange gekommen, die zu den ungefährlichen Ar­ten gehört, die in Südafrika und in den tropi­schen Gebieten dieses Erdteils Vorkommen. Diese Schlangen haben eine merkwürdige Einrichtung in ihren 'Freßwerkzeugen, die ihnen ermöglicht, ver­hältnismäßig große Vogeleier zu verschlingen und während des Verschlingens zu zerdrücken. Eme Schlange, die kaum mehr als den Umfang eines kleinen Fingers in dem Teil hinter dem Kopfe hat, ist durchaus imstande, ein Hühnerei durchschnitt­licher Größe zu verschlingen. Bei der Schlange im Londoner Zoo ist die Beobachtung dieses seltsamen Vorganges allerdings dadurch erschwert, daß er sich nur zur Nachtzeit vollzieht. Die Schlange voll­bringt diese Leistung dadurch, daß sie das Ei gegen einen Stein oder einen anderen festen Gegenstand preßt und es langsam in sich hineindrückt, indem sie die Kinnbacken weit auseinanherreißt und dar- über legt. Wenn dann das Et in die Kehle gelangt ist und die Kinnbacken ihre normale Gestalt wie­der angenommen haben, fo trifft es auf mehrere zahnartige Gebilde, die aus der Unterseite des Rückgrates herausragen. Gegen diese Vorsprünge wird das Ei gedrückt und zerbrochen. Später wird die leere Schale wieder herausgewürgt. In der Gefangenschaft sind Eier die einzige Nahrung, di- diese Schlangen zu sich nehmen. Es ist jedoch zwei­felhaft, ob in der Natur die ganze Jahreszeit ge- nirgend Eier von wilden Vögeln zu erlangen sind, so daß man nicht sicher ist, ob diese Schlangen auch

*" ......» andere Nahrung verschmähen.

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ras auf den Kaiser senden sie der Heimat den letz­ten Gruß, und als die See ihren verehrten Kom­mandanten mit fortgerissen hat, stimmt der Ober­feuerwerksmaat R a a h m das Lied von der Flagge schwarz-weiß-rot an, und in dem Chaos der bre­chenden Trümmer, der tosenden See und dem heu­lenden Sturm zwingen sie mit diesem Gesang das unerbittliche Schicksal heldenhaft hinter sich, bis einem nach dem anderen die salzige Flut den Mund auf ewig schließt: Ein Vorbild für jeden Deutschen, daß, was uns auch schicksalmäßig gegenübertritt, noch das Leben selbst aufgehen muß in der gro­ßen Aufgabe, die dem Deutschtum vor der Welt gestellt ist.

Der NameIltis" hat in der Marine diese Tra­dition hochgehalten. Am 17. Juni 1900 hat das neue KanonenbootIltis" während der Boxerunruhen im Kampf der verbündeten europäischen Mächte ge­gen die Küstenforts von Taku unter seinem ehema­ligen Kommandanten, Korvettenkapitän v. Sans, die Entscheidung zum Sieg errungen. Der Kaiser verlieh nicht nur dem Kommandanten den Pour le merite, sondern bestimmte auch als Anerkennung für die gesamte Besatzung, daß das Kanonenboot dies Ordenszeichen für immer am Bug zu führen hätte.

Das Lied, von der tapferenJltis"-Befatzung in der Todesstunde gesungen, wurde fortan zum Flaggenlied der deutschen Marine.

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Einen Gruß b e r Heimat nach langer, langer Zeit! Dank ben braven Wäch­tern unseres Heiligtums! Otto Schniewin b". Einem jeden kurz und fest die Hand gebrückt, frohe Fahrt unb glückliche Heimkehr!

Balb jährt sich ber Tag b e s Unterganges berIlti s" zum 40. Male. Da wollen wir uns roieber hier von Chefoo auf bie Pilgerfahrt machen, um ben braven Kameraben am norböft« lichen Schantunger Vorgebirge bie Ehre zu erroei- fen. Wir wollen ihnen ben Dankesgruß aller Deut­schen bringen, ben Gruß eines Vaterlanbes, bas roieber im Besitz seiner Ehre ist, ben Gruß ber roieberauferstanbenen beutschen Flot­te, beren Ueberlieferung sich noch immer grünbet auf bem Heldentum ber Besatzung von S. M. Ka-

Dies ist ein Heiligtum ber beutschen :, war es vor bem Kriege unb wirb es

5- sonst Erbsen n9 ge-

Tier" von Castell. Reinholb Schünzel inszeniert zwei FilmeDie H o f I o g e" unbDie un- entschulbigte Stunb e". In die Zeit des Boxerausstanbes führt ber Cine-Allianz-Film Neun Offizier e". Der gleiche Probuzent liefertR e v o l u t i o n s h o ch z e i t" nach bem Bühnenstück von Sophus Michaelis mit Käthe von Nagy unb Walbemar Leitgeb in ben Hauptrollen. Regie: Johannes Meyer. Augusto Genina inszeniert bei ber Gloria in WienBlumen aus Nizza", in bem bie Sängerin Erna Sack debütieren wird. Neben ihr spielen Friedl Czepa und Paul Kemp. Dostojewskys RomanDer Spieler" wird mit Carl Ludwig Diehl in der Hauptrolle unter der Regie von V. Tourjansky verfilmt.

Die Patria-Wien liefertRomanze", dessen Handlung eine Liebesgeschichte mit einem Werk­spionagefall verbindet. Christi Mardayn, Peter Petersen, Willi Eichberger unb Trübe Marlen sind unter ber Spielleitung von Herbert Selpin für bie Hauptrollen eingesetzt. Erich Waschneck benutzt Fritz ReutersUt mine Stromtib" als Unterlage für feinen FilmOnkel Bräfig" mit Otto Wernicke in ber Hauptrolle. Harry Piel ist im Programm mit bem FilmSein bester Freunds Der- treten ein beutfcher Schäferhunb wirb diesmal

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fein Partner fein.

Die Majestic liefert für bie Tobis Rota vier Filme. Zwei werben inszeniert von Josef von Baky, nämlichIntermezzo" mit ber für ben Film neu entbedten Tresi Rubolf unb Albrecht Schoenhals als Partner, sowieDas ver- schwunbene B r i l l a n t e n k o l l l e r". Erwin van ber Noß inszeniertGeheimnis eines alten Hause s", ein Lustspiel mit Maada Schneiber unb Wolf Albach-Retty. Unter Mitwir­kung ber Schultes - Truppe wirb Anzengrubers BauernkornöbieDer G'roisfenswurm als Tonfilm erscheinen. Veit Harlan hat mit ben Aus­nahmen zuMaria, d ie M ag d" begonnen, mit Hübe Koerber in ber Titelrolle; Hübe Hilde- branb, Hans Schlenck, Alfreb Abel unb Ernst Le- qal vervollstänbigen bie Besetzung. Die Attila-Bu­dapest verfilmt Georg FrasersRegenbogen , ein Stück aus der Artistenwelt, für das bisher Lu Dagover und Fritz Kämpers verpflichtet find.

Eine dankbare Rolle für Paul Hörbiger bringt der RN.-FilmKinderarzt Dr -Engel m

dem Viktoria von Ballasko, Luis Trenkers Neu- « _ 1 Anin nnn SlnnnrmeS ;Aie*

Das Programm der Tobis ZRota 4936/37.

Das neue Derleihprograrnrn der Tobis Rota um­faßt 22 Filme. An feiner Spitze stehen em neuer Luis-Trenker-FilmTornado" und ein Willi- Forst-FilmDie zweite Frau, deffen Dreh­buch nach einem Manuskript von Dr. Roland Schacht und Jochen Huth, Willi Forst selbst schreibt. Jenny Jugo ist mit drei Filmen vertreten, von denen zwei Stoffe feststehen:Die 91 ad) t mit dem Kaiser" eine Episode um Napoleon, Regie Erich Engel unbTapfere I e n n y nach bem RomanBegegnung mit einem dosen

10 bis Ebkarol 35, Sa. is 2,00,

Kilo. Böhms abi 2Vt 25 bis ote. 0, Rot. Blätter itaL 16 bis 4,

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Der Untergang derLitis" 1896

Zum 23. Juli.

Don Admiral Adolf von Trotha.

d 139 ober w, 5 300;

Zwei, 'er bis lechz Notiz.

®erer Ur« richtzu/ )cr Anze- je an 5®el einen ron eine W len Bnefen ein, als ob Die gegen des W

Als im Sommer 1933 ber beutfdje Kreuzer .Köln" auf feiner Auslandsreife in unsere Geroäs- -r kam unb wir hörten, baß er auf bem Wege :on Dairen nach Tsingtau beim norböstlichen Sorgebirge ber Schantung-Halbinsel anfern würde, im demIltis" - Friedhof einen Besuch ab- justatten, machten wir uns von Chefoo aus auf, m den Kreuzer dort zu treffen unb ebenfalls, um !ie benkwürbige Stätte zu sehen. Eine anstren- tenbe unb ermübenbe Fahrt in einem Mietsauto i ber Lanb bei glühenber Hitze unb hunbsmiserabler Straße brachte uns nach acht entbehrungsreichen Stunben an Ort unb Stelle. Wir burchquerten bie Schantung-Halbinsel in süböstlicher Richtung unb irreichten über Mooping unb Wenteng ben kleinen tzinesischen Hasen unb Fischereiplatz Schitao. Der hinesische Zollbeamte bes Platzes war ein alter Sreunb aus Chefoo, unb er sorgte bafür, baß wir , ^ch am gleichen Abenb mit einer Dschunke zum keuchthaus übersetzen konnten, bas auf ber äußer­ten Klippe des norböstlichen Vorgebirges steht.

DerJltis"-Friebhof liegt nur wenige Schritte ..abseits von ber Leuchthausanlage auf einem Fels- i)dei, ber ihn hoch über bas Meer erhebt, das den ieutfd)en Seeleuten, bie hier ihre letzte Ruhestätte anben, zum Schicksal würbe. Ein richtiger kleiner deutscher Friedhof. Hohe, starke Steinmauern, die ivn dichtem Efeu überwuchert sind, erheben sich inmitten von Kaoliang- unb Maisselbern unb schlie­fen ein Stückchen ewigen Friebens in sich ein. Wir treten ein burch ein schönes, schmiebeeisernes Tor, las bie Überschrift trägt:Friedhof ber helben- nütigen Besatzung S. M. Kbt. Iltis". i±maler, bicht mit Bäumen beftanbener Weg fuhrt cuf einen großen, weihen Obelisk, ber in ber 9Jii te te5 Friebhofes steht unb bas Ganze majestätisch 6 berraqt. Zu beiben Seiten reihen sich bie Grad-

I Mann' ber Besatzung (darunter alle Offiziere!) eßen babei ihr Leben.

Als am nächsten Tage nach 24 Stunben äußer­er Not bie letzten 11 Ueberlebenben, bie sich an :n Resten bes Wrackes unb ber Takelage angc- lammert hatten, von chinesischen Fischern gerettet raren, erfuhr bie Welt von deutschem Heldentum, las bis zum letzten Atemzuge in dieser grausigen tackst ben Seemannstob überrounben hat. Im oe- onberen Auftrage bes Geschwaberchess, bes bama- igen Konterabmirals Tirpitz, nach unserem spä­ten ostasiatischen Stützpunkt Tsingtau entfanbt, ritte einer ber verheerenben Taifune bas schwache anonenboot ersaßt, ehe es die freie See gewinnen

Höhe des Gommers.

Von Eberhard Meckel.

Es ist je nach ben Jahren unbestimmt, wann cenau es geschieht, benn nie fällt es mit ber astro­nomischen Jahresmitte zusammen, sonbern gewohn- !äch ist es in ber Zeit von Mitte bis Enbe Juli l a wacht man vielleicht ohne sichtbaren Grunb in t-er Nacht auf ober unvermittelt rührt einen am ^aqe eine Stunbe seltsam an, unb ba weiß man Mötzlich: Jetzt, jetzt ist bie Witte bes Sommers, bis i ahin unb nicht weiter geht es mit ihm aufwärts, nun hat sich bas gewaltige Rab bes Jahres zum höchsten Punkt hinaufgebreht, nun wirb es eine Weile, eine bitter kurze Weile oben bleiben, um äch bann langsam unb rasch roieber schneller hinab- usenken in ben Grunb bes grau unb öbe endenden

Lahres.

Es ist nicht zu sagen, wie alles kommt, wie iiinem geschieht, aber auf einmal liegt es eben m der Luft, man kann es einatmen, wenn man oas Befühl dafür hat, man kann es fühlen, riechen. Bis gestern, bis vorhin, bis eben sind vielleicht noch d ie Blätter an den Hecken und Bäumen gewachsen vielleicht noch um den Bruchteil eines Millimeters drängten sich die Ränder weiter hinaus. Aber nun g;eht es nicht mehr, nein, es geht nicht wehr weiter die letzte Größe, die äußerste Grenze der Fülle ist einmal erreicht, und nun bleibt alles wie atemlos fliehen. Bis gestern, bis vorhin, bis eben stiA viel­leicht noch der Saft leicht und rasch den Stamm mb pulste schnell durch die Adern, Abzweigungen mb unendlich feinen Verästelungen; nun aber be. rinnt er sich zu verbicken unb zah 3111 rocrt। , ch unb schwerer von Tag zu Tag rollt er em Bellen unb Kammern unb geheimen Ach auf e d er Lflanzen. Bis gestern Haden aus den Aeckern viel- .eicht noch die Rispen des Kornes stell n di Luft tzestochen, heute sind sie em roemg gefenft well die »er Endreife entgegenwachsende Frucht in Den Spelzen sie allmählich mehr und mehr hmabzu iiiehen beginnt.

UcberaU sättigt sich das junge Grün zur vollen Narbe tief aus, jetzt gibt es nur nach Helles und schwarzen Schatten gegeneinander nichts cha °es mehr, denn der Sommer drangt zur Ent toeibuna Der frische Geruch, zuwellen >m ttruq- wmmer Reicht daher geweht, wird stetig und durch, »ringend, von Rosen und Jasmin genährt. Cme Trägheit unb Schwere breitet sich "ber alles lagert iich lässig unb gemächlich hin. In jeden Raum, in liebe Pore, in jede Ritze dringt sie unmerklich ein unb füllt alles mit Getragenheit und Sattheit der Zeit.

Iltis", wie sie auf ber Fahrt von Chefoo nach Tsingtau vorn Taifun überrascht wurde, wie hie Maschinen sich der Naturgewalt gegenüber als zu schwach erwiesen, den letzten verzweifelten Versuch, Segel zu setzen. Schließlich bie Stranbung, bie den Kommandanten, der unerschütterlich und treu auf ber Brücke ausharrte, zuerst in bie Tiefe riß. Und bann ben letzten Teil ber tragischen Szene, ber auf alle Zeiten hinaus biesen Schiffsuntergang verklärt hat: ein Rest ber Besatzung bes zerborstenen Schiffes stimmt bas Flaggenlieb anStolz weht bie Flagge schwarzweißrot...! " bis sie von ben tosenden Flu­ten verschlungen werben. Dieses heldenmütige Ster­ben würben seither zum leuchtenben Beispiel für bie späteren Geschlechter, unb ber große Krieg hat es zur Genüge bewiesen, wie sehr ber Geist berIltis" in unserer Flotte lebenbig war. Der Komman­bant spricht. Seine Worte fallen hart unb knapp. Wie ein Befehl klingt es, als er seinen Männern bas Vorbilb weist:wie jene starben in treuer Pflichterfüllung für Kaiser unb Reich, so müßt auch ihr bereit sein...!" Der Kommanbant legt einen Kranz am Gebenkstein nieber. Die Kapelle spielt:Ich hott' einen Kameraben..." unb bannStolz weht bie Flagge schwarzweißrot...", währenb sich ein jeber strafft zum stummen, ernsten Gruß bem An­denken ber toten Helben.

Währenb bie Mannschaften sich einschiffen, sind wir mit ben Offizieren noch kurz im Leuchthaus zusammen. Wieder geht bas alte Gästebuch von Hanb zu Hanb. DieKöln" soll es beschließen. Als ber Kommanbant es weitergibt, steht barin;

bleiben. Damals im letzten Jahrzehnt bes voriaen Jahrhunderts, inmitten einer Zeit, ba das Deutsche Reich sich zu Macht und Größe erhob, da die deutsche Flotte sich zur Weltgeltung entwickelte, war es das kleine KanonenbootJlti s", das bie rühm- reiche Ueberlieferung beutschen Seehelbentums be- grünbete unb bie Aufmerksamkeit ber ganzen Welt auf sich zog. Im Kampf mit ben Gewalten ber Natur hatten beutsche Seeleute ein Beispiel heldenmütigen Sterbens gegeben. So war ber ,,Jltis"-Friedhof vor bem Kriege ein Pilgerplatz ber beutschen Flotte ge­worben.

Wir blättern in bem alten Gästebuch bes Leuckst- hauses. Da stehen zuerst bie Namen ber elf Ueber­lebenben berIltis": Bootsmannmaat A. Mosböh- mer, Mat.-Derw. 21. Meifarth, Laz.-Geh. I. Olbruck, Schreiber H. Westbunk, Oberheizer Langenberg, Mat. K. Zimmerling, Obermat. Rabe, Obermat. Priebe, Obermat. Kühl, Mat. Habeck, Mat. C. Keil. Dann folgen viele berühmte Namen. Es haben wohl so ziemlich alle beutschen Seeleute, bie auf ber ostasiati­schen Station gebient haben, biefem Platz bie Ehre erwiesen. Tirpitz war einer ber ersten, ber bie Stelle nach bem Unglück besuchte unb bie Anlage bes Friebhofes anorbnete. Dann finben wir bie Namens­zeichnung aller Gouverneure von Tsingtau unb vieler später berühmt geworbener Seeoffiziere, Grasen von Spee, Trotha, Zenker unb vieler anberer. Auch bie Prinzen Heinrich unb 21 b a l b e r t von Preußen haben bem Friebhofe ihren Besuch abgestattet. Wir haben Stunben über biefem Gäste­buch gesessen, aus bem uns ber Hauch einer vergan­genen, für uns fo stolzen Zeit entgegenwehte.

Unb nun ankerte dieK ö 1 n" braufeen in ber

Dabei darf neuerbings auch Beurlaubung zur Erntehilfe im elterlichen Betriebe und in Betrieben von Verwandten erfolgen, wenn Mißbrauch ausge­schlossen ist. Ferner ist bie K 0 m m a n b i er u n g geschlossener Abteilungen, von Zugen, Trupps unb Halbtrupps bes Reichsarbeitsbienstes vorgesehen. Bei Einzelurlaub und bei Kommandie­rungen ist der Tariflohn für unverheiratete Arbei­ter zu zahlen. Einzelurlauber, die zum Betriebs­führer in keinem Verwandtschaftsverhaltms stehen, erhalten ihren Lohn unmittelbar, während bet Kommandierungen unb bei Beurlaubungen zu El­tern unb Verwanbten ber Lohn an bie zustänbige Gruppe des Reichsarbeitsbienstes abzuführen 'ft. Diese letzte Bedingung entspricht dem Wesen bes Einsatzes des Reichsarbeitsbienstes als einer staatlichen, rein volkswirtschaftlich be - grünbeten Maßnahme unb läßt feinen Zweifel darüber aufkommen, daß es sich nicht etwa um eine Unterstützung von Privatbetrieben handelt, sondern um ben Kampf für bie Nahrungs­freiheit bes beutschen Volkes. Die Durch­führung erfolgt in engstem Einvernehmen zwischen der örtlichen Führung bes Reichsarbeitsbienstes, ben

Erntenothilfe

geht jeder anderen Arbeit vor!

ZdR. Es ist schon im vorigen Jahr wieberholt so gewesen, baß bei ber Einbringung ber Ernte Mangel an Arbeitskräften war. In solchen Fällen hat der Reichsarbeitsdienst schon damals geholfen. Auch in diesem Jahr, wo eine gute Ernte auf dem Felde steht und der Arbeitermangel in der Land­wirtschaft sich noch verschärft hat, wird ber Reichs- arbeitsbienst in Notfällen eingesetzt werben. Der Reichsarbeitsführer hatte bereits am 28. Mai einen grundsätzlichen Erlaß für ben Einsatz bes Reichs­arbeitsdienstes bei diesjährigen landwirtschaftlichm Erntenotständen herausgegeben. Seitdem hat sich aber durch teilweise ungünstige Witterungsverhalt­nisse die Notwendigkeit von weitergehenden Hilfsmaßnahmen zur Einbringung der Ernte herausgestellt. Dieser Lage hat der Reichsarbeitsführer durch einen zusätzlichen Erlafe vom 13. Juli Rechnung getragen. Darin ist einlei­tend gesagt, daß zur Einbringung der zu erwar­tenden großen Ernte seitens des Reichsarbeits­dienstes jede nur mögliche Hilfe zu leisten ist. Erntenothilfe geht jeder anderen aufschiebbaren Arbeit vor."

Die Hilfeleistung erfolgt durch Einzelurlaub, der in weitestem Maße bei Erfüllung ber Voraussetzung (bescheinigter Notstanb, Unmöallchkeit der Beschaf­fung anderweitiger Arbeitskräfte) zu gewähren ist.

Besuch aus demÄ1is"-Friedhos

Don unserem W. O.-Sonderderichierstntier.

Im hoffnungslosen Kampf gegen die rasende Ge­walt des Orkans wurde, mitten in der Nacht, die Iltis" von der haushohen See auf die Felsen ^schleudert und hin- und hergeworfen; von der berfftäumenöen Brandung barst der Rumpf des leinen Fahrzeuges auseinander.

dieser furchtbaren Lage sind die Ge­ber Braven nur beherrscht von der Dienstes am Deutschtum. Mit drei Hur-

Drei Wochen lang mag das so anhalten, drei lange oder kurze Wochen scheint nach allem Dor- wärtsdrängen, Vorwärtsstürmen des Wachsens, des Blühens, des ungestümen Hinaustreibens, was bie Natur hergibt, nun bie Zeit still zu stehen. Das wuchernbe Leben, aufgeschlossen zur letzten Ueppig- feit, genügt sich einmal selbst unb steht in ruhiger Verhaltenheit. Die Gewichte an ber Waage bes Jahres sinb gleich verteilt, hier wie bort Fülle, Fülle ohne Rest. Was jetzt noch wächst unb reift, wächst unb reift gleichsam unter ber Decke ber ruhenben Zeit, ohne bie Leichtigkeit, ohne bas Heitere unb Unbekümmerte bes ersten Triebes, aber im Glück ber satten Säfte unb ber darin enthalte­nen erdigen Sonnensüße, die zur schweren prallen Reife langsam sich in die Frucht ergießt.

Drei Wochen lang, und man selbst ist, gleich, ob man durch die Straßen der Stadt ober an ben mahn- unb korndlumburchblühten Felbrainen ent­lang geht, wie im Traum unb benommen von dieser Zeit. Drei Wochen, und bie Schwalben hasten unaufhörlich burch ben Himmel, unb ihr Gefieber blitzt bei ben Wenbungen rasch gegen bas ewige Blau. Drei Wochen, bis sich auf einmal verräte­risch die ersten Flecken an den Blättern zeigen. Noch fällt es nicht auf, noch sieht man nicht l)in? noch will man es nicht glauben, daß sich kaum merklich die Spitzen Ahornbäumen zu krümmen und dürr einzurollen beginnen, daß ein erstes gelbes Blatt sich löst, als gelte es nur einen sanften Flug zur Erde und nichts weiter.

Aber damit ist die Zeit des Sommers um. Noch, ja noch werden erst die Sensen gebengelt, noch sinb bie Birnen nicht geborgen, noch bröhnt ber Boben nicht roiber vom Fall bes zeitigen Obstes. Nur sind erst die Körbe unb Bütten gerichtet unb noch wahrt es eine ganze Weile bis zum ^116, aber das Rad, das oben verweilte, das Rad des Jahres dreht sich schon wieder langsam, ganz langsam hin­ab. Und unser Herz dreht sich mit.

Bai. Nach nahezu zwanzig Jahren, Jahren ruhm­reichen Kampfes, Jahren schmählichen Niedergangs und mühsamen Wiederaufstiegs, erscheint wieder­um einSendbote der deutschenKriegs- flotte, um den tapferen Kameraden derIltis" einen Gruß der fernen Heimat zu bringen. Das Landungsmanöver gestaltet sich sehr schwierig, denn die Gegend ist reich an Riffen. Wir sind mit Sam­pans hinausgefahren und führen die Boote ein. Dann stehen wir im feierlichen Rund auf dem Fried­hof, um das Denkmal gruppiert die Offiziere, Mannschaften unb zwei Spielmannszüge.Morgen­rot, Morgenrot..." tönt bie feierliche unb tapfere Weise. Der Pfarrer spricht, kurz unb markig. Er auf uem w beschreibt mit knappen Worten ben Untergang ber' nonenbootIltis .

manbant, Kptl. Otto Braun. Als erster war er auch feinen Leuten vorangegangen in ben Tob. Es folgen bie Hügel von Offizieren unb Mannschaften, wahrscheinlich in ber Reihenfolge, wie sie ange- trieben worben sinb. Ein Grab, Wilh. Prasse, Ltn. zur See. Ein Gemeinschaftsgrab, Schmiebt, Spitz- kowski, Engler, Preugschat, zwei Unbekannte. Steuer­mann Hein. Wieber ein gemeinsames Grab, Seeger, Kiel, Natelberg, Ulrich, Bohlen, Altmann, be Wall, ein Unbekannter. Linker Hanb bie Reihe zuruck das Grab von Masch. Maat Fuchs. Ein anderes, Anton Moritz von Holbach, erster Offizier derIltis . Zahlmeister Applik. Gieseler. Ein gemeinsames Grab, Klatt, Kau, Freese, Kopp, vier Unbekannte. Als letzter in der Reihe ruht der deutsche Leucht­hauswärter Schliep, ber hervorragenben Anteil an der Rettung der wenigen Ueberlebenben hatte, unb der diese Stätte Jahre hindurch liebevoll pflegte.

Der Obelisk in der Mitte des Friedhofes tragt die Inschrift:Bei ber Stranbung am 23. Juli 1896 starben ben Helbentob für Kaiser unb Daterlanb", e5 folgen bie Namen aller, bie geblieben sinb. Dar­unter bie Wibmung:Ihren gebliebenen Kameraben bie Schiffe auf ber ostasiatifchen Station Kaiser, ,Irenes ,Prinzeß Wilhelm', ,2Icona, ,Comoran' 1896."