Aus den preußischen Tlachbargebieten
zu
können.
Als Schreinerlehrling vermißt, als Landhelfer wiedergefunden.
im .Katholischen Vereinshaus" vereinte trotz der drückenden Hitze unter den Klängen der Kapelle K r e n g e l die 390er mit ihren Angehörigen zum ) alter Erinnerungen und der Festigung
die Person des Bademeisters und die Höhe der Badepreise wird in Kürze entschieden. Man hofft, am 5. Juli die Einweihung des Bades vornehmen
i Bill die Grütze an>Krenae die 9./116 aufgegangen Austausch stets guten Beziehungen der kameradschaftlichen Bande, hip Kameradickaft und I --------
* “später hielt Dr. Mothes (Darmstadt) einen Lichtbilderoortrag über das Regiment, bei der aus der Fülle umfangreichen Bildmaterials nur ein Auslcknitt gezeigt werden konnte.
Für die Regimentskameradschaft der IIBer überbrachte deren Führer Hans Bill die Gruße an die 390er, in deren Reihen b;° 0 ,11fi nnfnpoanaen und mit denen dte 116er in stets gestanden haben. Er feierte die Kameradschaft und
wünschte dem ersten Auftakt eine nachhaltige Wirkung in den Ortsgruppen.
Besondere Grütze übermittelte auch der Fried- berger Kameradschaftsführer der 390er, Kamerad Tönges, der auf den guten Zusammenhalt in seiner Kameradschaft zur Aufmunterung an die ankeren Kameraden verwies.
Unter den forschen Soldatenweisen der Kapelle K r e n g e l blieben die 390er mit ihren Angehörigen noch lange Zeit zusammen.
Am Sonntag wurde morgens die Waldka- s e r n e b e s i ch t i g t, die Bewunderung hervorries. Anschließend traten die Kameraden im Bataillons- Verbände zur
Gefallenenehrung am LL6er-Oenkmal zusammen, an der als Vertreter der Stadt Gießen auch Beigeordneter Sudheimer teilnahm. Leutnant d. R. a. D. Ad. Schad, Gießen, sprach aufrüttelnde Worte der Erinnerung. Rach der Kranzniederlegung marschierten die alten Soldaten in bester Haltung an ihrem alten Regimentskommandeur, Oberstleutnant a. D. Radolny vorbei. Das Mittagessen wurde gemeinsam im Bataillons- Verbände eingenommen.
OieKameradschastsfeieramNachmittag
Am Sonntagvormittag findet gleichzeitig eine Sitzung der in der Gaufachstelle für Landsmannschaften und Trachtenpflege vereinigten Beirate und Dereinsleiter statt, in der Georg Heß und der Leiter der Reichsfachstelle, K a p l a n e ck, sprechen werden. . v .. , ..
Eine Filmmorgenfeier wird tue Arbeitstagung abschließen. *
** Schwerer Derkehrsunfall. Gestern vormittag ereignete sich an der Ecke Bismarckstraße und Ludwigstratze ein schwerer Verkehrsunsall. Ein mit drei Personen besetzter Kraftwagen stteß mit
LPD. Limburg, 19. Juni. Der am Donnerstag durch den Rundfunk als vermißt gemeldete 16- jährige Schreinerlehrling Theodor Kolter aus Lindenholzhausen, der am 15. Juni seinem Lehrherrn durchgebrannt war und seitdem vermißt wurde, konnte durch die Vermißtenmeldung des Rundfunks schnell wieder aufgefunden werden. Kurz nach der Durchgabe der Vermißtenmeldung teilte der Bürgermeister von Waldmannshausen (Westerwald) den Eltern des Vermißten mit, daß der Aus-, reißer sich in Waldmannshausen aufhalte. Da er für Landwirtschaft und Pferde eine besondere Vorliebe habe, habe er sich bei dortigen Landwirten zu verdingen versucht und helfe ihnen bei der Arbeit aus.
Oie Jubiläums-Hundeausstellung im Gau Westmark-Heffen.
LPD. Frankfurt a. M., 19. Juni. Der Jubiläums-Hundeausstellung am 3. und 4. Juli in der Fefthalle zu Frankfurt a. M. kommt sowohl für die Kynologen als auch für die gesamte Oeffentlichkeit eine größere Bedeutung zu. Polizeipräsident Gruppenführer B e ck e r l e hat die Diensthunde der Frankfurter Schutzpolizei mit ihren Führern zur Verfügung gestellt, ebenso werden sich die SA. und die Reichsbahndirektion mit einem Teil ihrer Diensthunde an den Polizei- und Schutzhundevorführungen beteiligen. Sämtliche Rasse-Fachschaften des Gaues Westmark-Heffen wetteifern miteinander, in den 24 Sonderausstellungen ihr bestes Hundematerial zu zeigen. Der große Zuchtgruppenwettstreit, zu dem Gauleiter Sprenger, Reichssportführer v. T s ch a m • mer und Osten, der Verkehrsverein, die Messegesellschaft und andere Körperschaften wertvolle Ehrenpreise gestiftet haben, wird Leistungen hervorbringen, wie sie bis jetzt noch nicht aesehen wurden. Interessant dürften sich auch die Länderausscheidungskämpfe sowie die Ermittlung bzw. Prämiierung der zwei besten Hunde in der Ausstellung gestalten.
Das Krofdorfer Schwimmba d vollendet
(D Krofdorf-Gleiberg, 21. Juni. Inner- halb kurzer Zeit sind die Arbeiten an unserem Schwimmbad unter Leitung von Architekt Haas, hier, und in Ausführung von Baugeschäft K. Drescher hier soweit fortgeschritten, daß es in diesen Tagen in Betrieb genommen werden kann. Die Verwirklichung des Projektes darf als glücklich gelöst angesehen werden. Zu der Bodenfläche und den Seitenwänden, die aus gutem Beton bestehen, waren viele Lastwagen vorn besten Splitt und weit über 1200 Sack Zement nötig. Die Einrichtung ist so angefertigt, daß Schwimmwettkämpfe in vorschriftsmäßigen Entfernunasmaßen stattfinden können. Die Zuleitung des Wassers aus dem unmittelbar am Bad fließenden Fohnbach, der aus dem Krofdorfer Wald kommt, geschieht mit 15- Zentimeterrohren, die in 12,5-Zentimeterrohre übergehend, das Kinder-Planschbecken, das Fußwasch- Becken speisen und in zwei Einflüssen im großen Becken enden. Der Abfluß regelt sich infolge des geringen Bachgefälles in einer etwa 150 Meter langen Rohrleitung, die ein Stück südlich der Fel- lingshäuser Straße in das Bachbett mündet.
Man hat am Samstag zum erstenmal das Becken voll Wasser laufen lassen und dabei die sehr erfreuliche Feststellung gemacht, daß die Füllung in etwa 18 Stunden vor sich ging. Naturgemäß herrschte am Sonntag hn Bad Hochbetrieb. Neben den zahlreich von hier und auswärts erschienenen Badenden ließen sich viele Neugierige das neue Bild nicht entgehen. Es herrschte allenthalben Freude und Lob über das geschaffene Werk, das ein großer Fortschritt dörflicher Kulturarbeit bedeutet und eine vielbesuchte Stätte zu werden verspricht. Ein vrovisorisch hergerichteter Sprungturm fand lebhafte Benutzung. Alt und jung sonnte sich auf dem das Bad umgebenden Gelände, das natürlich noch pfleglicher Instandsetzung bedarf, mit Rasen eingesät wird und die notwendigen Aus- und Ankleideräume erhält, zu denen bereits das Fundament gelegt ist. Die Kabinen werden vorwiegend an der Nordseite liegen, um durch sie gleichzeitig eventuelle Tal-Nordwinde abzuhalten. Ein betonierter Laufsteg umzieht das Becken, das somit von allen Seiten bequem erreichbar wird. Der Eingang zum Bad kommt so zu liegen, daß der noch anzustellende Bademeister vom Schalter bzw. von seinem nebenan liegenden Zimmer alles überblicken kann. Ueber
Tanz? Damit müßt ihr bei Wintersanfang kommen, wenn man Muße und Luft dazu hat." —
Nein, gerade jetzt sprechen wir vom Tanz, denn der Tanz in der Hauptarbeitszeit ist ein mindestens so gutes Kriterium für Art und Wert unserer Jugend wie die Arbeit selbst. Wer bei der Arbeit faul und unlustig ist, wird nach Feierabend und an Feiertagen Küße und Augen schonqn und höchstens nach irgendeiner beliebigen Melodie im Stil des Einheitsschiebers durch den Saal schlenkern. Gerade die fleißigsten und gewecktesten Burschen und Mädel aber werden eben dann ihre Freude zeigen an einer besseren Art des Tanzens. Denn der Tanz ist ja auch nur ein wenn auch äußerlicher Ausdruck unserer durch Blut und Rasse bedingten Lebensgestaltung. S i e f k e n.
;?ör Volkstum und Heimat.
Arbeilslagung des Landschaftsbunbes Volkstum und Heimat.
NSG. Diese Arbeitstagung des Landschaftsbundes Volkstum und Heimat, die in Bad-Nauheim am 27. und 28. Juni stattfindet, soll einen umfassenden Querschnitt durch die Arbeit der Volkstums- und Heimatbewegung im Gau Hessen-Nassau geben. Neben organisatorischen Besprechungen werden zahlreiche Vorträge mit Lichtbildern und Filmen erläutert, die das ganze Aufgabengebiet des Landschaftsbundes Volkstum und Heimat behandeln und einen Ueberblick geben über die Wege, die zu gehen sind, um eine echte deutsche Volkskultur wieder zu erwecken und im Sinne der nationalsozialistischen Weltanschauung der Kulturarbeit Richtung und Führung zu geben.
Der Samstagvormittag steht im Zeichen des Fachamtes Naturschutz. Der Leiter dieses Fach- amtes, der Beauftragte für Naturschutz im Bereich des Landes Hessen, Professor Dr. Schmidtgen, Mainz, spricht über die Ausgaben des Naturschutzes.
Der weiteren Vertiefung des Verständnisses für die Natur- und Heimatschutzbestrebungen dienen die Vorträge: Tier- und Vogelschutz von Studienrat Veith, Darmstadt, Der Heimatboden und seine Beziehungen zu Pflanzen, Tier und Mensch von Professor Wagner, Darmstadt; Reichsautobahn und Landschaftsgestaltung von Architekt Hirsch, Wiesbaden. . L £
Im Anschluß an diese Vorträge wird eine Fahrt nach Wisselsheim zum Kennenlernen der Salzflora durchgeführt.
Am Nachmittag kommt die wissenschaftliche Volks- kundesorschung und die praktische Dolkstumsarbeit zu Wort. Nach einem Vortrag des Fachamtsleiters, Kreisschulrat Schäfer, Dieburg, über die Aufgaben und Ziele werden die Referenten für Brauchtum, Volkstanz und Volksmusik in die praktische Volkstumsarbeit einführen und den Zuhörern die Erforschung des alten Brauchtums und dessen Verlebendigung und Erhaltung im heutigen Lebensraum zeigen. Dr. Winter, Heppenheim, spricht über Symbol- und Brauchtumsforschung, Oberreallehrer Mössinger, Darmstadt, behandelt einen Brauch der Landschaft: „Pfingstreiten und Laub- Männchen", Studienrat v. d. Au spricht über Volkstanz und Lehrer Händchen, Mörfelden, über das Volkslied. Am Abend behandelt Ober- ftudiendirektor Philipps, Friedberg, der Refe- rcnt für Volksbühnen und Laienspiel, in Gemeinschaftsarbeit mit unserem oberhessischen Heimatdichter Georg Heß, Leihgestern, und Lehrer Händchen, die Gestaltung des Dorf- und Heimatabends mit praktischen Beispielen.
Am Sanntagvormittag kommt das Fachamt für Heimatgeschicht? und Denkmalpflege zu Wort. Nach einem Einführungsvortrag von Professor M i n d n e r, Darmstadt, über Denkmalpflege und Heimatschutzarbeit im Landschaftsbund reihen sich Kurzvorträge an: Bausteine zur Heimatgeschichte, „Das . Dorf und Hausbuch" von Lehrer Gail, Lixftlb; Die Bedeutung der Vorgeschichte für die Volkstums- und Heimatsorschung von Professor Dr. Richter, Gießen; Rassen- und Rassenseelenkunde, die Grundlage aller Dolkstumsarbeit und Dolkskundeforschung, von Studienrat Dr. Paul, Darmstadt.
Besonders hervorzuheben ist noch ein Vortrag über die Gestaltung der Fest- und Feierplätze im dörflichen Lebensraum von Professor Mindner, Darmstadt.
einem Auto zusommen. der Kroltwagen
wurde dabei umgeworfen, und die Jnfotzen kam unter das Auto zu liegen. Emer der Verung uai wurde schwer verletzt, er erlitt e>n-n komM^erten Schenkelbruch und mußte sofort in d'eMin g bracht werden. Außerdem entstand einiger <sacy schaden. , . „ h a
** Sonntagsrückfahrkarten aus be- isss*i &.S’ ä«
Rückfahrt vorn 27. Juni bis 29.Jum 24 Uhr.
Erster Regimenlslag der 390er in Gießen.
Am 24. August 1916 wurde aus vielen Regimentern das Jnfanterie-Rgt. 390 zusammengestellt das sich in den Schlachten der Westftont tapfer Mug und viele Ehren und Anerkennungen errang. Mancher Oberhesse und Gießener, der von den 116ern oder als Ersatz zum Regiment kam, hat in seinen Reihen den Heldentod gefunden. Dank den Bemühungen des Vorsitzenden der Vereinigung ehern. Offiziere der 390er, Regierungsrat Weise, Frankfurt a. M. und des Verfassers der Regvments- geschichte, Studienrat Schad, Gießen, wurde zum ersten Male nach dem Weltkriege und 20 Jahre nachdem das Regiment aufgestellt worden war, eine
Wiedersehensfeier
durchgeführt, die etwa 400 Offiziere und Mannschaften in Gießen zusammenführte. Bereits am Samstagnachmittag waren die ersten Kameraden emgetroffen, die im „Katholischen Vereinshaus nach etwa 18jähriger Zwischenzeit freudig bewegt und stürmisch begeistert ihrer Wiedersehensfreude Ausdruck gaben. Die Kapelle Krengel leitete die Feier mit flotter Marschmusik ein. In seiner Begrüßungsansprache hieß der Leiter der Veranstaltung
Regierungsrat Weise, Frankfurt a. M., alle Teilnehmer herzlich willkommen. Besonders aber den Kommandeur Nadolny, der eigens aus Königsberg i. O. kam. In einer stürmischen Begrüßung spiegelte sich die allseitige Verehrung und Wertschätzung wieder, deren sich der Kommandeur bei seiner Truppe erfreut. Regierungsrat Weise feierte bann das Gefühl der kameradschaftlichen Zusammengehörigkeit. Er gab seinem Erstaunen über die so zahlreiche Beteiligung an dem ersten Regimentstag Ausdruck und erinnerte an manches starke Erlebnis an der Front. Der Redner dankte den Gießener Kameraden, namentlich Kamerad Schad für die Mühen und die opferbereite Borarbeit zu dieser Feierstunde.
Der letzte Regimentskommandeur
Oberstleutnant a. O. Nadolny, Königsberg,
ergriff nun, wiederum stürmisch gefeiert, das Wort zu einer kurzen Ansprache. Ergriffen dankte er für die herzliche Bekundung der Anhänglichkeit und Kameradschaft, die ihn als alten Mann und Soldaten all die Mühe vergessen ließen, die er auf der beschwerlichen Reise und durch das polnische Korridorgebiet bis hierher fast an den Rhein für nur wenige Stunden des Zusammenseins gebracht habe.
In einem kurzen Ueberblick über die nur zweijährige Geschichte des früheren Regiments 390 ließ der Kommandeur noch einmal die Erinnerungen an die gewaltigen Anstrengungen und Heldentaten feiner Offiziere und Mannschaften aufleben, die im ununterbrochenen Kampf an der Westftont den Stellungskrieg dis zur Neige auskosten mußten und große Opfer für das Vaterland brachten. An allen größeren Schlachten der Westfront hatten sich 390er beteiligt. Ganz bedeutend waren die Verluste an Verwundeten und Gefallenen. 14 gefallenen Offizieren und 560 Unteroffizieren und Mannschaften wurde ein stilles Gedenken gewidmet. Der Redner erinnerte daran, was die alten Soldaten dem Kameraden aus dem großen Weltkrieg Adolf Hitler zu danken
ErsterRegimentstag Der390er in Gießen haben, daß er die Ehre des deutschen Soldaten wie- derberaestellt hat und eine neue Wehrmacht schuf, auf bie nicht nur bi- alten Soldaten, fonbern bas aanxe Bolk stolz ist. Mit bem Treugelobms zum ® er unb bem Gelang ber Vtationallieixr klang die Ansprache bes Kommandeurs in stürmischem Bei fall-
Tierliebe.
Von Maria von Olfers.
Es gibt viele Menschen, die eine aroße Tierliebe haben, aber es ist nicht immer gesagt, daß diese Neigung durch eine große Gegenliebe erwidert wird. Viel seltener sind die Menschen, denen sich Flora und Fauna der Erde in stummer Hingabe zuneigen, denen die Blumen zublühen und die Tiere zueilen in einer geheimnisvollen Verbundenheit. Zu diesen, die eine so wunderbare Anziehungskraft für die Kreatur besahen, gehörte Bernarde Eschenkrug, die ich in einer norddeutschen Stadt kennenlernte. Sie war die Frau eines Konsuls und lebte mit ihrem Manne in glücklicher, aber kinderloser Ehe in einem BiHenoorort der Stadt. Eine große lichtblonde Erscheinung, wie man sie oft in den Hansestädten findet, lag ihrem Wesen doch nordische Strenge und Herbheit fern. Vielmehr zeichnete sie eine große Güte und Weichheit aus, die an sonnige Sommertage denken ließ. Sie war eine sorgsame stille Hausfrau, und wenn ich mit ihr zusammen war, mußte ich oft an das Sprichwort denken — es stammt, glaube ich, aus dem Französischen —: „Gut wie das tägliche Brot."
Diese einfache Güte und ruhig mütterliche Art waren wohl die Ursache, daß sich nicht nur ihr Mann, das ganze Hausgesinde, Verwandte und Freunde bei ihr wohlfühlten, sondern auch die Tiere zu ihr tarnen wie in eine Zone der Geborgenheit und stillen Wohlseins. Es gab fein noch so scheues Kätzchen, das sich nicht auf ihren Anruf buckelnd und schnurrend in ihre Hand geschmiegt hätte. Die Hühner, die sie fütterte, sprangen ihr kakelnd aufs Knie, und selbst die scheue Meise setzte sich schwanzwippend auf den Rand ihres Buches, wenn sie nachmittags im Liegestuhl lag und las. Kein Wunder — und hier kommen wir zu dem eigentlichen Helden dieser wahren Geschichte — kein Wunder, daß der langhaarige braune Teckelhund Kuhle (achi Wochen alt, aus Der Zucht des Försters Malotke stammend und Frau Bernarde zum Geburtstag ver- ehrt) schon bei der ersten Begegnung mit ihr sein Heimweh vergaß, sich sofort, mit einem Lächeln kann man nur sagen, rücklings in ihren Schoß legte und mit seinen guten, noch hellen und sehr unschuldigen Aeuglem zu ihr aufblickte.
Von diesem Augenblick an fühlte sich Kuhle restlos glücklich bei Eschenkrugs. Wenn er auch die für einen Hund immerhin angenehmen äußeren Ber» hältnisse wie den großen schönen Garten mit seiner Gelegenheit zum Graben und Spielen und gutes bekömmliches Futter zu schätzen wußte, so kam dies bei ihm doch erst in zweiter Linie. Frau Bernarde
liebte und verehrte er über alle Maßen, und hinter der braunen gefalteten Hundestirn lebte bald nur ein Gedanke, der ihn ganz erfüllte: die Herrin. Er ließ das beste Futter stehen, wenn er Aussicht hatte, von ihr auf einen Spaziergang mitgenommen zu werden. Er saß, wenn sie Besuch und den Hund etwas ungeduldig abgeschoben hatte, still in einer Ecke des Zimmers und starrte sie an. Sein Blick war eindringlich und tief traurig.
Es ist immer unbehaglich, der geheimnisvollen tummen Ansprache im Blick eines Tieres zu begegnen und allzuviel Verehrung kann selbst bei einem Hunde lästig werden. Welch ein Umstand zum Beispiel, wenn Frau Bernarde verreisen und Kuhle zurückbleiben mußte. Man verbarg die Koffer vor [einer pathetischen Trauer, und fein Geheul, das langgezogen, eine einzige Klage, ertönte, wenn der Wagen mit dem Gegenstand seiner Verehrung entschwand, konnte das Vergnügen einer Reise auf lange Zeit vergällen.
Die Zeit, bis Frau Bernarde zurückkam, war für Kuhle mit Warten ausgefüllt. Er betrat bann nicht mehr die Wohnräume des Hauses, sondern hielt sich in der Küche auf, war herablassend gegen die Köchin, und fraß sein Futter notgedrungener Weise. Denn er wollte ja noch leben, wenn sie, die Herrin, zurückkehrte. Er lag still da, wartete und horchte. Wer aber kann die Seligkeit des Wiebersehens beschreiben, wenn endlich das Auto vorfuhr und Bernarde zurückbrachte. In dem Freudengeheul Kühles war eine noch von Trennungsschmerz durchzitterte Wonne. Frau Bernarde nahm das Tier sorgsam in den Arm. „Du guter Kerl", sagte sie, „kannst du denn nicht vernünftig werden?^ Sie leate ihre Wange an das braune seidenglänzende Köpfchen. ,Hu, hu", heulte der Hund, aber feine Augen lachten wieder. Das Leben geht seinen Gang. Frau Bernarde erkrankte noch in der Blüte der Jahre, sie wurde in eine Klinik gebracht, verfiel in Bewußtlosigkeit und starb. In diesen schweren Tagen hatte natürlich niemand Zeit, sich um Kuhle zu kümmern. Der Hund war aber merkwürdig vernünftig und verhielt sich ganz still.
Er schien zu fühlen, daß die Herrin nicht weit fort und noch in derselben Stadt war. Immer noch hing ihre Witterung um die Menschen, die außer ihm auch noch zu ihr gehörten. Aber irgend etwas Schreckliches war geschehen! Wußte es Kuhle, und beugte er sich vor der Unabänderlichkeit eines Schicksals, dem die Tiere sich still und klaglos unterziehen? Er lag meist in seinem Körbchem in dem von ihr verlassenen Schlafzimmer, die Schnauze zwischen den Pfoten, und der Ausdruck seines Gesichtes war leidend. Er trug die Miene eines melancholischen Philosophen zur Schau Verwandtenbefuch war gekommen. Eine Dame in Schwarz ging an Kuhle
vorbei, streichelte ihn und sagte: „Ach, das ist ja der kleine Hund, den Bernarde so gern hatte." Kuhle rührte sich nicht.
Eines Tages kam der Konsul mit diesen Verwandten nach längerer Abwesenheit wieder nach Hause. Er trug einen Frack und legte feinen Zylinder im Hausflur auf den Tisch. Er hatte ein sehr rotes Gesicht. Er ging in sein Zimmer, setzte sich in einen Lehnstuhl und rief, feit langer Zeit zum erstenmal, wieder nach Kuhle. Der reckte sich und kam langsam angetrottet. Er sah den Konsul an, sprang ihm auf die Knie und leckte ihm unversehens in das Gesicht, das naß von Tränen war. Im übrigen aber zeigte sich Kuhle höchst gleichgültig gegen feinen trauernden Herrn. Er beklagte auch nicht mit leidvollem Geheul die Abwesenheit der geliebten Herrin, wie in den Zeiten, wenn sie verreist war. Er verschlief offenbar, denn es war Winter, seinen Kummer in der Ofenecke oder ging geheimnisvoll im Hause umher. Gegen eine unverheiratete Schwester des Konsuls, die nun an Stelle Vernarbens den Haushalt führte, war er von einer an Abneigung grenzenden Gleichgülttgkeit. So nett sich Fräulein Eschenkrug auch gegen ihn benahm, er ignorierte sie vollständig.
Eines Tages aber — es war inzwischen Frühling geworden — kehrte des Konsuls Schwester mit allen Zeichen der Erregung von einem Besuch auf dem Friedhof am Grabe der Schwägerin zurück. „Willst du es glauben ober nicht", sagte sie zu ihrem Bruder, „aber Kuhle besucht das Grab Bernar« öens." „Nicht möglich", wendete der Konsul ein, „ber Kirchhof ist so weit, wir haben bas Tier nicht mitgenommen, es muß ein Zufall fein, wenn bu ihn heute in der Gegenb gesehen hast. Kuhle treibt sich ja neuerdings überhaupt so viel herum, was er früher nie getan." „Es war kein Zufall", beharrte Fräulein Eschenkrug, „denn als ich heute hinkam, lief Kuhle gerade mit wehenben Ohren aus bem Kirchhofstor. Er sah mich aber nicht. Und am Grabe, auf das ich tags vorher einen Strauß Veilchen gelegt hatte, finde ich die Veilchen zerpflückt am Boden und auf dem nassen Sand die Spuren von kleinen Pfoten. Ich fragte nun einen Arbeiter, was diese Unordnung bedeuten solle, er erklärte mir lachend, jeden Vormittag besuche ein kleiner brauner Dackel dieses Grab. Er säße da still und sei ganz artig und manierlich, sonst hätten sie ihn wohl schon weggejagt. Nur eins könne der Hund offenbar nicht leiden. Uneingepflanzte Blumen reißt er immer vom Hügel herunter und zerpflückt sie gänzlich. Die müssen ihm nicht gefallen.
Noch während Fräulein Eschenkrug sprach, kam Kuhle durch die Gartentür gelaufen. Er war er» W, die Zunge hing ihm aus bem Maul. Er ging
an eine gefüllte Gießkanne und trank. Dann streckte er sich in der Nähe des Konsuls auf den Rasen. „Was soll man mit dem Hund machen?" fragte das Fräulein, „das ist ja unheimlich." Der Konsul zuckte die Achseln. „Nichts", sagte er lakonisch und sah zu dem schlafenden Tier, „diesen Morgenspaziergang muß man dem treuen Tier wohl lassen, wir glaubten, er habe Bernarde vergessen, — wir haben ihm Unrecht getan." So setzte Kuhle ungehindert seine Besuche am Grabe Bernarbens fort. Ein Zufall aber fügte es, baß ber Hunb halb barauf, als er nahe bem Friedhof den Fahrdamm überquerte, unter ein Auto geriet und überfahren wurde. Er war sofort tot.
Weltenbummler von heute
Es heißt oft, in unserer so praktischen und nützlichen Welt habe der Weltenbummler und Abenteurer keinen Platz mehr. Daß aber ber Abenteurergeist immer noch lebendig ist, erzählt in einem Londoner Blatt A. W. Roderts, ber englische Wettenbummler jeben Alters, von 20 bis 70, unb in allen Teilen ber Wett aetroffen hat. „Vor drei Jahren", so berichtete er, „begegnete ich in Guyana einem jungen Englänber, ber eben ganz Sübamerika burch- quert hatte von Guayaquil in Equabor bis Georgetown in Demerara. Vor kurzem war er erst in einem kleinen Segelboot von den Galapagos». injeln gekommen und mit ein paar Dollars in der Tasche losgezogen. Er wanderte auf Dschungelpfaden, hielt Freundschaft mit Indianern unb legte manchmal Hunberte von Meilen im primitiven Kanoe zurück. Guyana ist ein gutes Feld für solche, die auf Abenteuer aus sinb. Es ijt ein unentwickeltes Lanb, unb manchmal sinb irh wilben Busch noch Golb unb Diamanten zu haben. In Brasilien habe ich vorigen November einen Iren getroffen, der auf feine eigene Art eine Menge Abenteuer erlebt hatte. Wenn es je Glücksritter gegeben hat, bann war er einer, gerabe erst von den Schlachtfeldern des Gran Chaco zurück, wo er als Offizier in der Bolivianischen Armee gekämpft hatte. Vorher hatte er in chinesischen Diensten gestanden und einmal als Revolutionär in Venezuela gefochten. Nicht lange, unb er fragte mich genau nach Abessinien aus. Auch Westafrika ist ein Lanb, wo ein Mann viel Würze aus bem Leben gewinnen kann, wenn es ihm gelingt, ben Gefahren des Klimas zu entgehen. Erst vor kurzem hörte die Welt von der Mannschaft des verschollenen Fischerbootes „Girl Pat", die an der Westküste von Afrika von Eingeborenen angegriffen worden ist. Wenn das nicht ein richtiges Abenteuerstück ist, bann gebe ich zu, baß bie Welt heute nur noch aus tödlichem Einerlei besteht."


