Einzelbild herunterladen

Nr. 143 Drittes Blaff

Lietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Montag, 22. Juni 1936

Heimatfest auf dem Staufenberg.

Reigenaufführung des BDM. verschönten das Heimatfest. (Aufnahme: Neuner, Gießener Anzeiger.)

* Staufenberg, 21. Juni. Die Heimatvereinigung Staufenberg feierte heute bei herrlichem Wetter und starkem Besuche ihr dies­jähriges Heimatfest. Es nahm einen schönen Ver­lauf und förderte ganz gewiß die rechte deutsche Volksgemeinschaft, die letz­tes großes Ziel der Be­strebungen der Vereini­gung ist.

Nach einem Musikstück begrüßte der Vorsitzende, Dekan a.D. G ußm a nn (Gießen) die stattliche Versammlung, besonders die Gäste. Er wies auf die Bestrebungen der Ver­einigung hin, auf das im letzten Jahre Ge­leistete, auf den nun staatlich garantierten Na­turschutz, dem auch die von der Heimatvereini­gung mit Genehmigung

des hessischen Ministeriums vorgenommenen Ab­sperrung der oberen Burgruine dienen solle, ferner auf die in acht Tagen stattfindende Tagung des Landschaftsbundes für Volkstum und Heimat in Bad-Nauheim mit vielen instruktiven Vorträgen, und brachte zuletzt ein begeistert aufgenommenes dreifachesSieg-Heil" auf den Führer unseres Volkes aus, der mit starker Hand durch Schaffung unseres Volksheeres uns Freiheit und Ehre, und da­mit- unsere Heimat uns zurückgab und dadurch ge­segnete Arbeit an ihr erst ermöglichte.

Der Heimatdichter Ludwig Becker- Ruttershau­sen war leider durch Krankheit am Erscheinen ver­hindert. Da die Sonne unbarmherzig nieder­brannte, konnte das Spiel der Alten-Busecker Spiel­schar leider nicht auf dem sonnigen, großen Platz der oberen Burg aufgeführt werden. Hier war eine Bühne aufgeschlagen und für Sitzplätze gesorgt. Diese große Arbeit war das Verdienst des Schrift­führers L. Stephan II - Staufenberg. Die allzu heiße Witterung zwang die Versammlung, die Auf­führung auf der Bühne des großen Festsaales vor­zunehmen, der im Augenblick überfüllt war.

Hier sprach Frau Sarg (Alten-Buseck), die Lei­terin der dortigen bäuerlichen Spielschar, über die Entstehung und die Absicht der Spielschar. Die Auf­führung des DoppelaktersS. M. Nr. 265" hatte wie immer vollen Erfolg und führte in überaus wirkungsvoller Weise in das bäuerliche Leben des Dorfes ein.

Nach der Aufführung begann sich nun in den Räumen der unteren Burg ein buntes Leben zu entfalten. Die Kapelle M ö b u s (Gießen) konzer­tierte. Der Staufenberger BDM., der wie immer unter Leitung der Führerin Elli Schmidt zur Stelle war, erfreute die Anwesenden durch Reigen. Nach der Abendessen-Pause, wo viele Gäste bei Staufenberger Heimatfreunden eingeladen waren, setzte auf der Burg der gemütliche, inoffizielle Teil ein. Bei beginnender Dunkelheit wurde die Burg illuminiert. Viele Fackeln leuchteten vom Turm in das Lahntal weithin. Magnesiumlicht ließ die obere Ruine in phantastischem Lichte zu den vielen Beobachtern der Umgebung aufleuchten.

Der Turnverein Staufenberg, verstärkt durch eine Turnerriege Lollar zeigte nachmittags sehr schöne Hebungen am Barren.

Eine ganz besonders freudige Ueberraschung be­deutete der Besuch des Führers des Landschafts­bundes für Volkstum und Heimat, Ministerialrat Ringshausen (Darmstadt), mit Begleitung, der von Saasen her gegen 18 Uhr eintraf und über eine Stunde mit Interesse die schöne Burg und die Aus­sicht in das Lahntal bewunderte.

Fröhlicher Tanz hielt die Jugend noch einige Zeit zusammen. Aber alle waren voll der Freude und des Dankes, ein schönes Sommerfest, ein rechtes Heimatfest verlebt zu haben.

Aus der Proviuzialhauptstadt.

Jetzt ist Rosenzeit.

Der Dichter Hermann Claudius, Urenkel des Matthias Claudius, den wir alle als denWands­becker Boten" lieben und verehren, erzählt eine Erinnerung an feinen Vater. Da heißt es: ... Wie­viel Sehnsucht nach Acker und Garten und Vieh und Wald und grüner Weide mag in dem armen verhutzelten Büroläufer verschüttet gewesen sein! Einmal gingen wir, die Eltern und vier langbeinige Jungen, an einem Sonntagnachmittag spazieren und kamen bei einem kleinen Vorgarten mit Rosen vorbei. Da blieb der ,Alte' stehen, schlug laut die Hände zusammen und rief mit seiner Bärenbaß­stimme, die gar nicht zu ihm gehören schien: Kin­der, die Rosen, die Rosen! Seht doch die schönen roten, roten Rosen!< Und er stand in Gedanken und hielt immer noch die hageren Hände erhoben, und Tränen rollten ihm über die gefurchten Wangen. Und die Leute sahen ihn spöttisch an. Und wir brängton ihn weiter ..."

Dieses kleine Erlebnis stieg vor mir auf, als ich in diesen Junitagen auf einer Wanderung kurze Rast draußen am Abhang eines Berges hielt. Ich hatte eben den Wald verlassen und stieg durch Obstanlagen abwärts. Im Schatten einer Linde lud eine alte Holzbank zur Ruhe ein. Die Aussicht auf die im Tale gelegenen Dörfer und die in weiter Ferne blauenden Berge war wunderschön. Ich hatte schon den Stock in der Hand und wollte weiterwandern, da sah ich, daß hinter der Linde, ganz versteckt im Grünen, die Wände eines Wasser­werkes hervorschauten. Ich trat näher herzu, und unwillkürlich kam mir der Ausspruch des alten Claudius in den Mund: Die Rosen! Die Rosen!

Da hatte der Wasserwärter, ober wer es sonst auch gewesen war, den guten Gedanken gehabt und rings um das in die Erde eingebaute Wasserhaus Rankrosen gepflanzt. Diese Rosen verdeckten das Mauerwerk fast vollkommen und standen nun in vollster Blüte. Aus der einen Seite waren es hoch­rote, leuchtende Rosensträuße, während auf der an­deren Seite schneeweiße Blüten in großen Trauben herabhingen. Eine Rosenpracht in solcher Fülle und Ausdehnung hatte ich noch nie gesehen. Ungehemmt und frei hatten sich die Sträucher hier oben ent­wickeln können. Ganz überwältigend war der Blü­tenreichtum. Die Inschrift auf dem Mauerwerk war vollständig verdeckt und kaum noch zu erken­nen. Ich hatte auch kein Verlangen, die paar Buch­staben zu entziffern. Fassungslos und immer wie­der staunend stand ich vor dem Rosenwunder. Die Rosen! Die Rosen!

Ja, sie zaubern und locken Quellen hervor, die im Herzen der in der Stadt verbannten Menschen unbewußt und heimlich rauschen. Sie rühren an die tiefsten Tiefen unsrer Seele und wecken mit ihrem Duft die uralte Sehnsucht aller Menschen nach den Schönheiten der Natur.

Es ist wie im Märchen, wenn wir vor den Rosen stehen. Die Natur hat ihre ganze Liebe, ihren gan­zen Duft für die Herrlichkeit der Rosen aufbewahrt. Aus der schlichten Schönheit des Heckenröschens hat der Mensch mit unendlicher Liebe und Muhe Die wundervollen Formen und Farben der Gartenrosen gezüchtet. Und es gibt zur Sommerszeit nichts Schöneres als einen Gang durch einen Rosengarten am frühen Morgen. Da hängt noch der lau an den dunkelgrünen Blättern, und bescheiden lallen die Rosenknospen ihre Köpfe hängen. Aber der Duft aus den sich öffnenden Blüten erfüllt die Lust ringsum. Im Sonnenschein entfalten sie ficf) gan^. Auch bei Regenwetter sind sie schön, unsere Rosen. Da stehen sie tief gebeugt und demütig, um ihren Blütenstaub und die zarten Blättchen zu schützen.

Wir Menschen möchten uns umgeben mit Rosen. Wir bringen sie der glücklichen Mutter, die einem jungen Erdenbürger das Leben schenkte, wir gehen zur Liebsten mit einem Rosenstrauß in der Hand, und mir schmücken unser Heim mit Rosen. Wie freuen wir uns, wenn uns am frühen Morgen auf dem Tisch ein Rosenstrauß begrüßt! Solch ein Strauß hat Gewalt über uns. Er kann uns trösten und erheitern, und das AlltagswortLaßt Blumen sprechen!" enthält einen tiefen Sinn und eine große Wahrheit. Das wollen wir nicht vergessen. Auch die weißen Trauerrosen auf dem Friedhof sprechen zu uns, mahnen und erinnern.

Bei uns sollauch die Rose fleißig vom Morgen bis Abend dabei sein, und hat zum Danke nichts als das Verblühen, dafür ist sie dann aber auch eine leibhaftige Rose gewesen". (Gottfried Keller.) Die Rof ist ohn' Warum;

sie blühet, weil sie blühet; sie acht't nicht ihrer selbst, fragt nicht, ob man sie siehet.

(Angelus Silesius.) L.

Bornotizen.

Tageskalender für Montag.

Gloria-Palast, Seltersweg:Natascha, Moskauer Nächte". Oberhessischer Kunstverein, 16 bis 19 Uhr, AusstellungFrauenbildnis mit Schmuck" im Foyer des Stadttheaters. Englisches Seminar und Akademische Auslandsstelle: 20.15 Uhr, eng­lischer Vortrag von Professor L. A. Willoughby Wordsworth and Coleridge in Germany im Kunstwissenschaftlichen Institut (Luhwigstraße 34). Das Miffionssest auf dem Gchlffenberg

Die Luthergemeinde feierte gestern auf dem Schiffenberg ihr Missionsfest. Infolge der günftigen Witterung war der Besuch außerordentlich stark. Unter schattigen Bäumen, in der Nähe der altehr­würdigen Kirche lauschten Hunderte andachtsvoll den vielseitigen Darbietungen und Ansprachen Nach einem Lied der Gemeinde erfreute zunächst der Kirchenchor durch Vortrag mehrerer Lieder, die ebenso wie die sonstigen Darbietungen des Chors auf beachtlicher Höhe standen. Ein besonderer Ge­nuß wurde den Besuchern durch die Musikvorträge eines Trios (Cello und zwei Flöten) geboten

Pfarrer Anthes wies in feinem Grußwort u. a. daraufhin, daß der Schiffenberg ein Stück alter deutscher Vergangenheit sei. Unter Betonung des Heimatgedankens brachte er zum Ausdruck, daß man sich überall heimisch fühlen könne, wenn man fest im Glauben stehe. So wie bei dem herrlichen Wetter draußen in der Natur alles vorwärts gehe, so trage auch die Missionsarbeit reiche Früchte. Nach einigen weiteren Liedern des Kirchenchors, die teilweise von diesem allein, teilweise mit der Ge­meinde gesungen wurden, sowie einem weiteren Jnstrumentalvortrag sprach Pfarrer K. G. Steck, Dozent am Predigerseminar der bekennenden Kirche in Frankfurt a. M., von der Missionsarbeit in Neu- Guinea. Der Redner, der zwar nicht selbst ist Neu- Guinea war, schilderte die dortigen Verhältnisse und zeigte dann die Erfolge der in Bayern aus­gebildeten und nach Neu-Guinea entsandten Mis­sionare. Die Kirche sei dort eine wirklich lebendige Gemeinde. Die bekehrten Christen seien dafür daß man ihnen das Evangelium gebracht habe, dank­bar. Sie unterstützten die Arbeit der Missionare durch Stellung und Entsendung junger Gehilfen in neu zu bearbeitende Gebietsteile. Das laufende Kirchen- und Christenleben werde nicht durch die Missionare, sondern durch die Gemeinden selbst be­wegt. Zum Schluß betonte der Redner noch, daß da, wo eine wirkliche Kirche und wirkliches Evan­

gelium sei, auch eine wirklich lebnbige Gemeinde entstünde.

Anschließend sprach Pfarrer Steck noch zu den anwesenden Kindern über die Missionsarbeit in Neu-Guinea.

Nach einem weiteren Lied des Kirchemhors ver­sammelten sich die Festbesucher in der geräumigen alten Kirche, wo zunächst der Chor, teilweise zu­sammen mit einem Kinderchor, herrliche Choräle zum Vortrag brachte. Es folgte dann ein von Max Mell verfaßtes Apostelspiel, aufgeführt von Gie­ßener Thevlogiestudenten. Dieses Stück, das seine Wirkung nicht verfehlte, zeigte, was starker Glaube zu leisten vermag. Ein weiteres Lied des Kirchen- chors, ein kurzes Schlußwort des Gemeindepfarrers, sowie Gemeindegesang, bildeten den Abschluß der schön verlaufenen Veranstaltung.

Treuestaffel für denAeichsarbeitsführer

Gießener Arbeitsdienst

bestritt die Strecke GießenNieder-Florstadl.

Gestern nachmittag zwischen 3 und 4 Uhr waren die Angehörigen des Gießener Arbeitsdienstlagers Justus von Liebig" zu einem Staffellauf unter­wegs. Auf der Kaiserallee, am Hindenburgwall und auf der Frankfurter Straße konnte man den kräf­tigen Gestalten des Arbeitsdienstes begegnen. Sie standen in ihrem schönen Sportdreß an der Straße und erwarteten jeweils den Läufer, der ihnen die Urkunde in einer stattlichen Metallhülse zu über­geben hatte. Jeder der Läufer hatte eine Strecke von hundert Metern zu bewältigen. Die Läufer schlugen ein ungemein rasches Tempo an und hat­ten, vom Lager aus, in wenigen Minuten die Stadt hinter sich, um in der Richtung nach Klein- und Großen-Linden weiterzueilen. Führer des Ar­beitsdienstes begleiteten die Staffel im Kraftwagen und auf dem Motorrad.

Die Staffel des Gießener Arbeitsdienstes hatte den Köcher mit Urkunden aus dem Marburger Land und dem Hinterland von Biedenkopf und Dillenburg in Gießen übernommen und führte von hier aus die Staffel bis Nieder-Florstadt weiter; dort übernahm das Arbeitsdienstlager Wickstadt den Köcher und brachte ihn bis Nidda. Von dort aus führte der Weg der Staffel über Schotten zum Hoherodskopf, wo im Rahmen einer Sonnwend­feier der Köcher mit den Treueurkunden dem Gau­arbeitsführer übermittelt wurde, der sie nach Berlin an den Reichsarbeitsführer weiterleitete.

Auffahrt der Motorstandarte 147.

Eine eindrucksvolle Kundgebung stellte die Fahrt der Motorstandarte 147 von Gießen nach Frankfurt dar. Am Samstagnachmittag sammelten sich die Mannschaften, etwa 1200 NSKK.-Männer der Standarte mit über 350 Fahrzeugen auf dem Trieb. Nachdem Standartenführer Nagel die letzten Fahranweisungen und -befehle ausgegeben hatte, machten sich die Kolonnen auf den Weg. Durch viele Straßen der Stadt führte die Fahrt; vor der Uni­versität hielt der Standartenführer Ueberschau über die teilnehmenden Mannschaften und Fahrzeuge. Der Musikzug der Motorstandarte spielte für die große Auffahrt schneidige Märsche. Bald darauf verließen die Kolonnen in der Richtung nach Frank­furt unsere Stadt. Die Einwohnerschaft brachte der imposanten Auffahrt alle Aufmerksamkeit entgegen.

Wiedereinstellung bedingt nicht das Aufleben einer erlassenen Schuld.

Eine Entscheidung des Wiesbadener Arbeitsgerichts.

Mit einer nicht alltäglichen Rechtsfrage hatte sich das Wiesbadener Arbeitsgericht in einer Sitzung der Angestelltenkammer zu befassen. Der Klage lug folgender Sachverhalt zugrunde:

Das Arbeitsverhältnis eines Angestellten einer Wiesbadener Firma war in gegenseitigem Einver­ständnis gelöst worden. Zu diesem Zeitpunkt hatte nun die Firma an ihren ehemaligen Angestellten noch eine Forderung, die sie aber als Entschädi­gung für die Auflösung des Arbeitsverhältnisses ansah und deshalb dem Arbeitnehmer die

Schuld erließ. Kurze Zeit nach seinem Aus- ttitt wurde aber der Arbeitnehmer wieder von der­selben Firma eingestellt und vertraglich weiterbe­schäftigt. Bei dem neuen Zustandekommen des Ar- beitsverhältnisses wurde weder von feiten der Ar­beitgeberin, noch von feiten des Angestellten dieser Schulderlaß erwähnt. Die erneute Beschäftigung dauerte nahezu 15 Monate, als es abermals zu einer Auflösung des Arbeitsoerhältnisses kam. Eine Forderung der einen oder anderen Partei bestand nicht mehr. Trotzdem beschritt die Firma den Klage­weg und forderte von dem Arbeitnehmer die Rück­zahlung der Schuldsumme, die ihm bei Auslösung des ersten Dienstverhältnisses als Entschädigung an­gerechnet und demzufolge erlassen war.

Die Firma begründete nun vor Gericht ihren Anspruch damit, daß die Wiedereinstellung auch das Wiederaufleben der alten Schuld aus dem ersten Dienstverhältnis zur Folge gehabt habe. Die­ser Ansicht konnte jedoch die Angestelltenkammer des Arbeitsgerichtes nicht beitreten; sie vertrat vielmehr die Ansicht, daß die Schuld des Arbeitnehmers aus dem ersten Dienstverhältnis auf Grund der damals gesoffenen Vereinbarung erloschen war.

Torh harter Arbeit fröhlicher Tan,.

ZdR. Wenn man an Sonn- und Feiertagen abends durch ein deutsches Dorf geht, so hört man vielleicht aus dem Saale der Gastwirtschaft sröh- liche Musik. Da ist die junge Dorfgemeinschaft aus irgendeinem Anlaß zum Tanz zusammengekommen. Was tanzen diese Bauernkinder? Nun, in sehr vie­len Fällen nichts anderes als was der Großstädter in seinen Vergnügungslokalen auch tanzt. Auch in der Kleidung besteht hier oft kein Unterschied. Man kann selbst zu einer offiziellen Veranstaltung kom­men, wenn zum Tanz aufgefordert wird, erlebt man häufig das gleiche Bild. Die Landjugend scheint ihre Eigenart verloren zu haben.

Nur hier und da erleben wir es heute, daß sich ganz allmählich aus der jungen Dorfgemeinschaft heraus eine neue Form herausbildet. So war es kürzlich auf einem Kreisbauerntag in einer deut­schen Kleinstadt. Wenig bäuerliche Eigenart in Tracht und Tanz haben sich in diesem Bezirk im Wandel der Zeiten erhalten. Aber als nach der Arbeitstagung, nach den Vorträgen über die wirt­schaftlichen und völkischen Fragen unseres Volkes am Abend Freude und Tanz zu ihrem Recht kamen, da gab es zwischen den verschiedenen Trotts immer wieder eine wunderbare Abwechslung. Die Landjugend eines einzelnen Dorfes hatte sich dis sowohl von der Hitlerjugend wie vorn Reichsnähr­stand herausgegangenen Anregungen zur Pflege des deutschen Volkstanzes zu eigen gemacht. Jede Woche waren sie schon lange vorher zusammengekommen und hatten miteinander getanzt. Sie lernten die schönen stilechten Gemeinschaftstänze.

Diese tanzten sie nun auch hier auf dem Kreis­bauerntag und die gleiche, kleidsame Tracht tat das ihre, um den Eindruck noch erfreulicher zu machen. Machte dieser Tanz ihnen nun mehr Freude als z. B. die auch bei dieser Gelegenheit unvermeid­lichenRegentropfen"?Und ob!" sagt der Führer der Gruppe:Wir tanzen am liebsten die Grup­pentänze und haben viel mehr Spaß daran als an anderen Vergnügungen."

Auch die übrigen Gäste des Abends hatten ihre Freude an dieser Gruppe gesunder, lachender Bur­schen und Mädel und ihrem Tanz, und es klang von manchem wie ein Bedauern, daß er nicht mitmachen konnte. Es ist gar nicht daran zu zweifeln, daß der Gemeinschaftstanz oder sagen wir ruhig, der Volkstanz, allmählich weit über die Gegenden hin­aus, wo er heute noch bodenständig lebt. Anklang finden wird, wenn nur ein tatkräftiger und fröh­licher Kerl da ist, der die Sache anfängt. Sinn und Denken unserer deutschen Dorfjugend sind ge­sund genug, um das Gute vom Geringeren auch beim Tanz unterscheiden zu können.

Was sagt mein älterer Nachbar?Gerade jetzt, wo die Arbeit im landwirtschaftlichen Betrieb alle Kräfte erfordert und kein Mensch Zeit hat, an an­deres als an Arbeit zu denken, sprecht ihr vom

DasDeutsche Lugendsest" in Gießen.

Der Tag des Jungvolkes und der Lungmädel

In Gießen standen der Jugend für die Durch­führung ihrer Pflichtübungen für dasDeutsche Ju­gendfest" so ausgezeichnete Sportplätze zur Verfü­gung, wie der der Universität, auf dem die Jung­mädels übten und der Waldsportplatz des VfB.- Reichsbahn sowie der Trieb-Sportplatz der 1900er, die von den Jungen belegt waren. Die große An­zahl der Lehrer und Lehrerinnen waren der Jugend wertvolle Helfer, die nicht nur bei den Messungen halfen, sondern anschließend auch die Bewertung meisterten, die sich zum Teil bis in den Nachmittag hinauszog.

In Anbetracht der vielfach weiten Anmarsch­strecken und der drückenden Sommerwärme wurden doch verhältnismäßig günstige Ergebnisse erzielt.

Die Wettkämpfe der HZ.

Die Mannschaftsmehrkämpfe der HI. einschließ­lich der Marine-HI. wurden am gestrigen Sonn­tagvormittag durchgeführt und konnten verhältnis­mäßig rasch abgeschlossen werden. Auf zwei Plätzen wurde gekämpft. Auf dem Platz der Spielvereini­gung 1900 und auf dem Waldsportplatz des VfB.-

Reichsbahn waren viele Mannschaften, je ein Füh­rer und neun Mann, angetreten, um im 100-Me- ter-Lauf, im Keulenweitwurf und im Weitsprung die Kräfte zu messen. Von einem Kampfplatz gingen die Mannschaften zum anderen und brachten die Wettkämpfe mit mehr oder weniger guten Ergeb­nissen hinter sich. Die herrschende Hitze drückte aller­dings nicht unerheblich auf die Leistungen. Daher mag es auch kommen, daß manche die Zeit und Weite unter den in den Einzelwettkämpfen erziel­ten Ergebnissen lag. Das Kampfgericht lag in be­währten Händen der in dieser Hinsicht häufig und mit Erfahrung tätigen Mitglieder der Vereine des Reichsbundes für Leibesübungen.

BDM. auf dem Llniversitcitssportplatz.

Der BDM. trug die Mannschaftsmehrkämpfe auf dem Universitätssportplatz aus, wo sich das gleiche Bild einer eifrigen sportlichen Betätigung bot. Auch die Mädchen hatten die 100-Meter-Strecke zu laufen und dabei eine ausgezeichnet beschaffene Bahn zur Verfügung. Ferner war auch von ihnen der Ballweitwurf und der Weitsprung zu bestreiten. Eine große Gruppe von Mädchen war außerdem in eifrigem lieben für gymnastische Darbietungen zum nächsten BDM.-Sportfest begriffen. Die Wettkämpfe waren ebenfalls bis gegen Mittag beendet.

Eine umfangreiche Ar­beit galt es bei den ge­samten Wettkämpfen des Deutschen Jugendtages auf dem Papier zu leisten. Die Berechnungs­ausschüsse hatten alle erzielten Leistungen an Hand umfangreicher Ta­bellen in Punktwertung umzusetzen. Doch auch diese Arbeiten konnten im Laufe des Sonntags und zum Teil noch wäh­rend der Wettkämpfe ab­geschlossen werden.

Für den notwendigen Sanitätsdienst hatte die Sanitätskolonne Gießen Wachen gestellt, die glück- licherweise in keinem ern­steren Fall einzugreifen brauchte.

Kämpfe der Hitler-Jugend auf Dem Waldsportplatz. (Aufnahme: Neuner, Gießener Anzeiger.)

--/VT-