Ausgabe 
22.6.1936
 
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Kandidat Roosevelt.

Don unserem K.G.S.-Äenchterstatter.

(Stabt werbe alle Kräfte daransetzen, die «Samm­lung stets auf der Höhe zu halten. Ein Rundgang beschloß die Eröffnungsfeier. Auf dem Freiplatz stehen drei der ersten neuzeitlichen Verkehrsflug- tytuge, ein Dornier-Komet", ein Dornier-Merkur" und ein Junkers G 24. In einer Halle beherrscht das Riefenboot Do X das ganze Blickfeld. Die Ge­schichte der deutschen Fliegerei zeigen die Original­flugzeuge von Lilienthal, Jatho, Wright und Hans Grade. In einem anderen Raum stehen das Originaljagdflugzeug Manfred o. Richt- Hofens und zahlreiche andere Kriegsflugzeuge.

Schweres INolorradunglück in Stuttgart.

Am Sonntagabend ereignete sich auf der Solitude- Rennstrecke in «Stuttgart ein schwerer Unglücks- falt, dem drei Tote und zwei Schwer­verletzte zum Opfer fielen. Beim Ueberholen eines Lieferwagens fuhr ein mit zwei Personen besetztes Motorrad auf ein entgegenkommendes Motorrad mit Beiwagen auf, die beide in über- mäßigem Tempo fuhren. Die Fahrzeuge stießen mit solcher Gewalt zusammen, daß Fahrer und Beifahrer der Maschinen zu einem unlösbaren Knäuel zusammengedrückt wurden. Ein im Bei­wagen der einen Maschine sitzender Mann wurde sofort getötet, während der Lenker der Solo­maschine und ein zweiter Mann von der Bei­wagenmaschine gleich nach ihrer Einlieferung im Krankenhaus gestorben sind. Zwei weitere Per­sonen mußten schwerverletzt ins Krankenhaus ge­bracht werden.

Französischer Autobus vom Zuge überrannt. Acht Tote, zwölf Schwerverletzte.

In der Nacht zum Montag ereignete sich auf der Bahnstrecke ParisCherbourg in der Nähe des Ortes Boucheville ein schweres Unglück, bei dem acht Personen den Tod fanden. Ein Autobus mit Sonntagsaueflüglern wurde auf einer Ueberfüh- rurtg von einem Zug erfaßt, wobei der vordere Teil des Wagens in Trümmer ging. Von den 28 Fahrgästen fanden acht den Tod. 12 andere erlitten schwere Verletzungen.

Zwölf Tote bei einem Grubenunglück in Spanien.

In Villanueva de las Minas bei Sevilla er­eignete sich in einem Grubenschacht eine Sch lag - wetterkotastrophe. Bei den sofort aufge­nommenen Rettungsarbeiten wurden die Leichen von zwölf Bergleuten geborgen.

Schwere Gewitter in Bulgarien. 52 Menschen vom Blitz erschlagen.

Der plötzliche Hitzeeinbruch in Bulgarien hatte in den letzten drei Tagen zahlreiche schwere Gewit­ter zur Folge, die in ganz Bulgarien viele Men­schenleben forderten. Bisher wurden 52 durch Blitzschlag getötete Personen gemeldet. An zwei Tagen sind 37 Personen umgekommen. Die Zahl der Opfer dürfte sich noch erhöhen, da aus den verkehrsentlegenen Gebirgsorten noch keine Nachrichten vorliegen.

Dreister Raubüberfall in Paris.

Einen Raubüberfall auf zwei Beamte der Stadtkaffe von St. Quen (Paris), die 120 000 Fran­ken Arbeitslofenunterftützungsgelder in Säcken und Koffern in das Unterftützungsbüro im Rathaus tru­gen, verübten zwei Unbekannte. Die Angreifer schlu­gen die beiden Beamten nieder, entrissen ihnen die Geldsäcke und entkamen in einem Auto, das sie einige Zeit später in einer Straße in Paris stehen ließen. Von den Tätern fehlt jede Spur.

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Washington, Juni. 1936.

Franklin D. Roosevelt arbeitet im Weißen Haus an den großen Aufgaben, die den Bestand der Nation und der von ihm geführten Partei sichern sollen. Daß seine Arbeit nickt leicht ist und ihm zudem durch reaktionäres Kleben gewisser Richter am Buchstaben der Verfassung sowie durch groteskes Jonglieren seiner Gegner mit den zeit- gebundenen nationalökonomischen Tatsachen sehr erschwert wird, ist wohl allgemein bekannt. Roose­velt hat in den drei Jahren unter dem hier herr­schenden parlamentarischen System und unter der Herrschaft eines unabsetzbaren Obersten Bundes- gerichts so viele Verzögerungen und Entstellungen seiner Reformpläne, so viele Fußtritte gegen sein Regierungsprogramm über sich ergehen lassen müssen, daß man zuweilen sich fragt, wie er diese Schläge noch aushält.

Sieht man sein freundlich lächelndes Gesicht, so ist feine Energie offenbar ungebrochen. Immer­hin zeigen die tiefen Furchen auf feiner Stirn die Einwirkungen des politischen Kampfes, der kaum in einem Land der Welt so aufreibend und so un­dankbar ist wie in den Vereinigten Staaten. Und er hat im Lause der letzten Monate manche der ihm liebgewordenen Gewohnheiten aufgegeben; er plaudert nicht mehr zwanglos mit Journalisten oder Politikern. Er hat nicht mehr dasLever" morgens in feinem Schlafzimmer, wo feineamtliche Familie" sich um fein Bett zu intimer Rücksprache zu ver­sammeln pflegte. Er bleibt mehr allein, als es je feine Art war.

Roosevelt läßt sich morgens um 8 Uhr wecken und frühstückt in seinem Schlafzimmer, worauf er die Morgenzeitungen liest. Gegen 9.30 Uhr kommen seine Sekretäre, mit denen er die wichtigsten und dringlichsten Dinge durchspricht, darunter d i e Li st e der Besucher, die stets sehr lang ist und oft zusammengestrichen werden muß. Vor 11 Uhr gelangt er selten an seinen Schreibtisch in der an das Weiße Haus anschließenden Reichs­kanzlei, außer Freitags, wenn er um 10.30 Uhr d i e Presse empfängt. Bald nach 11 Uhr be­ginnt der «Strom der Besucher. Um 13 Uhr frühstückt er mit Mrs. Roosevelt an feinem Schreib­tisch, über den dann ein Tischtuch gebreitet wird. Täglich hat er ein oder zwei Gäste; mehr läßt der rechteckige Schreibtisch nicht zu. Keine Ruhepause nach dem einfachen Mittagessen (das stets alkohol­frei ist; abends wird nur Bier und vielleicht Sherry serviert; nie gibt es schwere Spirituosen im Weißen Haus), sondern weitere Unterredungen bis in den späten Nachmittag; dazwischen kurze Zettel an diesen oder jene» Minister oder Bürochef mit Weisungen oder Anfragen. Um 18 Uhr geht's in das Schwimmbassin, das ihm amerikanische Schulkinder gestiftet haben, und um 19.45 Uhr wird zu Abend gegessen. Nach dem Abendbrot, so­fern keine Gäste zugegen sind oder feierliche Ban­kette ihn in Anspruch nehmen, beginnt die schwere Arbeit der Aufarbeitung von Aktten, Studium von Berichten. Diktate von Briefen.

Samstagnachmittags und Sonntags versucht er

stets auf das von ihm heiß geliebte Wasser zu ent­fliehen, hinunter den Potomac-Fluß zum Meer aus einem kleinen Regierungsdampfer, umgeben von Stößen amtlicher Berichte und Entwürfe, die er mit seinen Prioatsekretären das ganze Wochenende durch bearbeitet. Manchmal gönnt er sich am Sams­tagabend die Lektüre der B r i e f m a r k e n-Zeit­schrift, denn er ist eifriger und begeisterter Samm­ler und stellt seine Kollektion bei den Jckhres- tagunqen der Philatelisten regelmäßig aus. Er hebt Wagners Musik und hörte sich kürzlich an einem Samstagnachmittag über sein RadioGöt­terdämmerung" aus der Metropolitan Oper an. Dann mußte er zu einer Besichtigung der Feld­artillerie-Reitschule fahren. Als er zuruckkam, ging er sofort ans Radio, hörte zu feiner Freude, daß die Oper noch im Gange war und blieb bis zum Ende ein andächtiger Zuhörer.

Seine Geburtstage verbringt er stets im engsten Kreise der alten Mitkämpfer, die nach seiner ersten schweren politischen Niederlage 1920 zu ihm hielten und die ihn auch bei seiner tragischen Erkrankung an spinaler Kinderlähmung nicht verließen. Loyali­tät gegenüber alten Parteigenossen und Freunden ist eine feiner heroorstehenden Eigenschaften. Er mag ihr Auftreten, ihre Betätigung mißbilligen; aber er stößt sie nicht von sich, selbst wenn sie seiner eigenen Laufbahn abträglich sind oder seinen Maßnahmen zuwiderhandeln. Mrs. Roosevelt stellte einmal fest, daß ihr Gatte offenbar nicht an Illoy­alität glaube, sondern die ihn schmerzenden oder schädigenden Handlungen alter Freunde mit deren Dummheit entschuldige. General Johnson, Professor Moley und viele andere sind Beispiele für das lange Zögern Roosevelts, sich von alten Freunden zu trennen, selbst wenn sein eigenes Ansehen unter der Fortsetzung dieser Freundschaft leidet. Im Falle Peek, der lange Zeit die Handelspolitik des Außen­ministers Hüll scharf kritisierte, entschloß sich Roose­velt erst nach wiederholten Warnungen, ihm den Laufpaß zu geben.

In seinem politischen Feldzug hat Roosevelt, einer aus Holland eingewanderten, aber feit Gene­rationen in Amerika ansässigen typisch nordamerika- nischen Familie entstammend, teils aus der Atmo­sphäre seiner Kindheit, teils aus bitteren Erfahrun­gen im parteilichen Kampf die Lehre gezogen, daß man zwischen Idealen und der rauhen Wirklichkeit einen Kompromiß schließen müsse. Ueberzeugt sozial versucht er, die amerikanische Gemeinschaft allmählich aus den individualistischen, konservativen Anschauungen zu moderner Erfassung volksgenvssi- scher Schicksalsoerbundenheit überzuleiten. Sein Kompromiß besteht in dem Tempo dieser Ueber- leitung, nicht in irgendwelchem Paktieren mit ver­alteten Ideen privater Vorherrschaft vor Erforder­nissen des Gemeinwohls. «Seine großen Reform­werke Nira, die Sozialversicherung, die Erhebung der Arbeiter zu gleichberechtigten Verhandlungs­gegnern mit den Arbeitgebern, die zwangsweise Abfindung widerspenstiger Gläubiger, Herabsetzung des Zinsfußes bei Hypotheken und Kommunal- anlerhen, Regelung der landwirtschaftlichen Er­zeugung und Preisgestaltung, gleiche Maßnahmen für die arg verfahrene Kohlenindustne, fein schwerer

Schlag gegen die Kriegsgewinnler in dem Neutrali» tätsgesetz, feine Maßnahmen im Falle lockender Ge­schäfte mit Italien während des abessinischen Feld­zuges u. a. mehr zeigen dies ganz deutlich. Seine Vorliebe für die amerikanische Jugend und feine Sorge um ihr Wohlergehen zeigen ferner den neuen Geist, mit ihm in das Weiße Haus ge­zogen ist. Er kämpft, ganz allein, einen schweren Kampf um ein neues, besseres Amerika, und manch­mal ist er sehr einsam und recht niedergeschlagen.

Roosevelts Gegner stehen, wie aus Vorhergehen­dem ersichtlich, nicht auf der linken Seite. Große Massen der Arbeiter treten geschlossen für feine Wiederwahl ein. Es gibt sogenannte Sozialisten und auch eine kommunistische Partei, aber beide haben keine Bedeutung für die Wahlen zum Par­lament oder zum Weißen Haus. Roosevelt wird von seinen Gegnern, darunter von feinem früheren MitkämpferAl" Smith, als Sozialist ober gar als Kommunist bezeichnet. Smith hat sich mit dieser Beschimpfung unsterblich blamiert. Was Roosevelt will, würde Karl Marx in seinem Grabe rotieren lassen; Roosevelt denkt weder an Nationalisierung der Erzeugung noch an Beseitigung des Unter­nehmertums. Er lehnt es ab, von Menschen als wirtschaftlichen oder sozialenEinheiten" zu reden. Für ihn sind alle Amerikaner Perjonen und Men­schen, nicht Individuen, mit denen der Staat Ver­suche anstellen darf. Das hat er kürzlich erst wieder in einer Ansprache an den Kongreß für Sozial­wohlfahrt deutlich ausgesprochen.

Wetterbericht

des Relchsweiterdienstes. Ausgabeort Frankfurt.

Begünstigt durch das Eindringen kühlerer Luft- massen kam es am «Sonntag bereits zum Auftreten vereinzelter Wärmegewitter. Inzwischen ist auch am Boden kühlere Meeresluft nach Deutschland eingedrungen und hat heute früh unter teilweise gewittrigen Niederschlägen die Rheinlinie über­schritten. Anschließend setzt sich rasch wieder Besse­rung durch, doch noch Neigung zu gewittrigen Störungen.

Aussichten für Dienstag: Vielfach hei­ter, doch Auftreten einzelner, meist gewittriger Schauer, Mittagstemperatur bei 25 Grad, ziemlich schwül, vorwiegend süd- bis südwestliche Winde.

Aussichten für Mittwoch: Fortdauer der teilweise heiteren und ziemlich schwülen Witterung mit Neigung zu gewittrigen «Störungen.

Lufttemperaturen am 21. Juni: mittags 30,3 Grad Celsius, abends 21,4 Grad; am 22. Juni: morgens 18,9 Grad. Maximum 30,5 Grad, Minimum heute nacht 14,2 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 21. Juni: abends 27,8 Grad; am 22. Juni: mor­gens 22,1 Grad. Sonnenfcheindauer 14,2 Stunden.

Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr. Friedrich Wilhelm Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil t. D.: H. L. Neuner. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlick für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D. A. V. 36: 9760. Druck und Verlag: Brühl'fche Universitäts-Buch-und Steindruckerei R.Lange,K.-G., sämtlich in Gießen.

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Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 vom 1. Juni 1935 gültig.

Die trauernden Hinterbliebenen

Gießen, Neuyork, den 22. Juni 1936.

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Heuchelheim Storndorf, den 22. uni 1936.

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Die Beerdigun, findet Dienstag, den 23. Juni, nachmittags 4 Uhr vom Sterbehause, Kirchstraße 3. aus statt

Die Beerdigung findet am Dienstag, dem 23. Juni, nachmittags 3 Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt

dem Buche, und wer versteht, mit emp»

Rosel Zimmer, geb Benner Heinz Zimmer

Gießen, Kreuzplatz 1, den 20. Juni 1936

länglichen Sinnen die biidgeword. Natur­schönheiten in sich auf­zunehmen, dem fingen u. klingen die Tafeln tausend (Erinnerungen wach an einstmals leibhaft Erschauter." Reclams Universum Verlangen Sie kostenlos unsere

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Heute morgen 10% Uhr entschlief sanft nach kurzer Krankheit unsere

liebe unvergeßliche Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, Schwester,

Schwägerin und Tante

nach längerem, mit Geduld ertragenem Leiden durch einen sanften Tod

von uns zu nehmen.

Die trauernden Hinterbliebenen:

Famibe Theodor Herr

Familie Hermann Henkelmann

In tiefer Trauer: Ludwig Heep

Ottilie Heep.

Samstag morgen gegen 7 Uhr entschlief sanft unsere liebe Grobmutter

und Schwiege-mutter

Frau Maria Luise Henkelmann Wwe

im Alter von 85 Jahren.

Die Beerdigung findet Mittwoch, den 24. Juni, nachmittags 3 Uhr, auf

dem Neuen Friedhof statt

Heuchelheim, Offenbach, Lauterbach, Berlin-Mariendorf, Düsseldorf,

den 21. Juni 1936

Die Beerdigung findet Dienstag, den 23. Juni, nachmittags 5 Uhr vom

Sterbehause aus statt

Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, unsere Hebe, treusorgende,

herzensgute Mutter

Frau Marie Heep, geb. Horn

Margarete Gilbert Wwe

geb. Volkmann

im fast vollendeten 75. Lebensjahre

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In tiefer Trauer: Karl Laux, Rgf. i. R. Tochter Else und Angehörige

Leihgestern, Gießen, Offenbach, Großen-Linden, den 22. Juni 1936

Die Beerdigung findet am Dienstag, dem 23. Juni, nachmittags 31/, Uhr vom Sterbehause, Bahnhofstraße 16, aus statt

Todesanzeige

Gestern abend 7x/t Uhr verschied unerwartet meine liebe Gattin und gute Mutter, unsere Schwester, Schwägerin und Tante

Katharina Laux, geb, Spies

im 59. Lebensjahre

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