Lunge Musik in Deutschland.
Don Or. Erwin Kroll.
Wenn man sagt, daß die deutsche Wandlung unfern Taae im wesentlichen das Werk einer neuen Jugend sei, so gilt es, diesen Begriff „neue 3u» genb" richtig zu fassen. Nicht alles, was heute als jugendlich ausgerufen wird, ist wirklich jung, und das, was man bisweilen als verkalkt und „bartbehangen" abtut, braucht nicht immer wirklich greisenhaft zu sein. Zugegeben: der tatsächliche Unter- schied zwischen alt und jung ist heute immer noch groß, aber er ist weniger an die Jahre als an die innere Einstellung der Zeitgenossen gebunden. Auch im Bereiche der Musik steht neu gegen alt. Aber es gibt sehr junge Komponisten, die greisenhafte Musik machen, und es gibt ziemlich alte, deren Schöpfungen musikalisches Neuland erschließen. Die wirklich junge Musik ist kaum an die Jahre der- jenigen gebunden, die sie schaffen.
Rein zeitmäßig betrachtet kommt die älteste Generation unserer lebenden Komponisten von der Spätromantik her. Aber hat nicht der bedeutendste Spätromantiker unserer Tage, Hans P f i tz n e r, Werke geschaffen, die an vorwärtsweisender Kühnheit mit den Jüngsten wetteifern können? Seine cis-moU-Symphonie z. B. ist, obschon die Schöpfung eines Sechzigjährigen, gerade unserer Jugend aus der Seele gesprochen. Neben Pfitzner aber wirkt eine Reihe nur wenig jüngerer Spätromantiker, deren Musik keineswegs als überholt und altmodisch gelten kann, sondern uns zeigt, daß mit der Beibehaltung oder Weiterführung überkommener Formen keineswegs inhaltliche Grftarrung verknüpft zu sein braucht, und daß die vielgcscholtene Romantik nun einmal der Jungbrunnen ist, aus dem die deutsche Musik immer wieder schöpfen muß. Da schreibt z. B. Rudolf Siegel, der Schöpfer einer der schönsten komischen Opern seit dem „Barbier von Bagdad" und dem „Corregidor" — sie heißt „Herr Dandolo" — ein kleines Liederspiel auf altdeutsche Texte, das in der kunstvollen Linienführung der Singstimmen und der sie umspielenden, köstlich gelockerten Kontrapunkte einiger weniger Begleitinstrumente ganz gegenwartsnah wirkt und dabei doch die naturselige Innigkeit zeitloser Romantik atmet. Da schaffen, um nur noch einige, wenige Namen zu nennen, Max Trapp (geb. 1887) und Kurt von W o l f u r t (geb. 1880) Jnstrumentalwerke, die, unberührt von den Gefahren spätromantischer Verneblung, klare Umrisse und musikantischen Schwung zeigen. Wenn sich diese Musiker an der Kunst der großen Barock-
9 Jl.-Spott
lovoyobeieinemSiraßemenlien Riesenerfolg der Berliner Städtestaffel.
100 000 Menschen sahen am Himmelfahrtstag im Norden Berlins die erste Wiederholung der Rad-Städtestaffel, an der sich 16 Mannschaften beteiligten. Auf der drei Kilometer langen Rundstrecke waren insgesamt 45 Kilometer zuruck- zulegen. Die Stuttgarter Mannschaft, deren besonderer Vorzug in einer gesunden „Mischung" von ausgesprochenen Bahn- und Straßenfahrern liegt, gewann in 1:03:34,3 Stunden vor Chemnitz und Köln. Der Stuttgarter Bahn- und Straßenfahrer Weimer zeigte sich im Endspurt allen seinen Mitbewerbern überlegen. Die Berliner haben in diesem Jahre wenig Glück. Nachdem im Vorjahre der Stab verloren ging, machten diesmal zwei Stürze von Herb. Schmidt und Kaluppa alle Aussichten zunichte, und so reichte es nur zum vorletzten Platz vor den wirklich vom Pech verfolgten Leipzigern, bei denen nach einem Reifenschaden von Aurich auch noch ein Wechsel verunglückte.
Don Beginn an drückte man scharf auf das Tempo, und das Stundenmittel sank in keiner einzigen Runde unter 40 Kilometer. Besonders die Kölner, Stuttgarter, Bielefelder und Hamburger machten sich um die Führung verdient. Ober- quelle- Bielefeld, der beim ersten Stabwechsel leicht stürzte, aber dennoch den Anschluß nicht verlor, unternahm in der 14. Runde einen Vorstoß und kam etwa 50 Meter vom Felde weg, aber bald darauf sah er sich wieder eingeholt. Nachdem
auch Frankfurt a. TL, Breslau und Stettin zurückgefallen waren, bogen noch elf Fahrer in die leicht ansteigende Sonnenburger Straße. Weimar gewann leicht.
Straßen-Naiionalmannschast in Nürnberg.
Zum siebenten Male in der neuen Rennzeit startete am Himmelfahrtstag die deutsche Nationalmannschaft der Amateur-Straßensahrer in einem Rundstreckenrennen, das rund um den Nürnberger Flughafen führte und eine Gesamtlänge von 105 Kilometer aufwies. Auf der 7,5 Kilometer langen Rundstrecke hatten sich trotz strömenden Regens rund 10 000 Zuschauer eingefunoen, die die Fahrer immer wieder durch stürmische Zurufe zu ermuntern suchten.
48 Fahrer fanden sich am Start ein. In den bei» den ersten Runden sah man den Bielefelder Oberdeck vor G r o n w a l d (Berlin) an der Spitze. Zwei Runden später hatte sich der Chemnitzer Hup - f e l d auf den ersten Platz gesetzt. Nun wechselte die Führung fast ununterbrochen. Oberbeck, Scheller (Nürnberg), Schulze (Chemnitz), Woelkert (Schweinfurt), Fischer (Düsseldorf) und Dubaschny (Berlin) sah man verschiedentlich sogar mehrere Male in Front. Im Endspurt lagen noch 17 Fahrer beisammen. Der spurtschnelle Berliner Dubaschny, der schon bei „Rund um Frankfurt" sein großes Können offenbarte, gewann nach einer Fahrzeit von 2:41:55 vor dem dichtauf folgenden Düsseldorfer Fischer und Scheller (Schweinfurt) (weitere fünf Meter zurück).
Generalversammlung des M. Reichsbahn.
Der VfB.-Reichsbahn hielt am Mittwoch im Vereinsheim am Waldfportplatz feine diesjährige Generalversammlung ab, die der Vereinsführer
Reichöbahnrat Niederstraßer
mit Begrüßungsworten und dem Hinweis auf den Uebergang der Turn- und Sportverbände in den DRfL. eröffnete. Die Reichsbahn-Turn- und Sportvereine werden bestehen bleiben und geschlossen dem Reichsbund eingealieüert. In einer ueberficbt über die Entwicklung Des Vereins konnte der Vereinsführer ein Anwachsen der sportlichen Aufbauarbeit und fortschreitende wirtschaftliche Gesundung berichten. In der Sportarbeit waren es besonders die Abteilungen Fußball und Leichtathletik, die sich ausgezeichnet haben. Der Mitgliederbestand ist trotz des Ausscheidens von Soldaten auf gleicher Höhe geblieben. Die rund 1200 Mitglieder, von denen ein großer Teil Eisenbahner sind, können sportlich und finanziell nicht so gewertet werden, wie die eines reinen Sportvereins; denn es liegt an der Art des Gießener Eisenbahnpersonals, das überwiegend Fahrpersonal ist, daß es sich nicht so regelmäßig turnerisch oder sportlich betätigen kann.
Nachdem der Verein über die Schwierigkeiten des letzten Jahres hinweggekommen ist, stehen ihm neue Zukunftsaufgaben bevor. Die Sportanlage, die in den letzten Jahren stark gelitten hat und nicht so laufend erneuert werden konnte, wie es einem guten Verein entspricht, bedarf besonderer Zuwendungen. Neben dem Sportplatz bedarf auch die Turnhalle einer Reihe von Erneuerungen, die erhebliche Aufwendungen fordern. Auf dem Sportplatz soll zunächst die Duschanlage in einen besseren Zustand gebracht werden. In die Turnhalle soll eine Waschanlage eingebaut werden. Auf dem Sportplatz sind nun auch die Betonmauer, der Durchgangsweg zur Galerie und diese selbst in einen besseren Hustand zu versetzen. Zu den Aufwendungen für die Turnhalle, deren Umkleideräume erst kürzlich heraerichtet wurden, zählt namentlich die Erneuerung der Fenster. Bei all diesen Maßnahmen aber wird der strenge Sparwille im Vordergrund bleiben.
Für die treue Mitarbeit des hiesigen Geschäftsführer M ü s s i n g, der anläßlich seiner Versetzung bereits durch ein Bild des Führers ausgezeichnet wurde, sprach der Vereinsführer ihm nochmals Dank und Anerkennung aus. Mit feiner Vertretung wurde Bellof und zum Abteilungsleiter der Leichtathletik, Sportlehrer Fischer bestellt.
Oer Leiter der Fußballabteilung, Gemmer,
gab sodann seinen Tätigkeitsbericht, aus dem u. a. zu entnehmen war, daß die Aufbauarbett sich bewährt hat. Der Verein konnte drei Mannschaften ins Feld stellen, die von 117 ausgetragenen Spielen 55 gewinnen und 20 unentschieden gestalten konnten und 42 verloren. Die 1. Mannschaft gewann von 46 Spielen 23, verlor 16 und spielte siebenmal unentschieden. Das Torverhältnis betrug 111:92. Die 2. Mannschaft gewann von 32 Spielen 12, verlor 16 und spielte 14mal unentschieden. Die 3. Mannschaft gewann von 39 Spielen 20, verlor 7 und spielte zwölfmal unentschieden. Die 1. Mannschaft nimmt in der Bezirksklasse den 4. Platz ein, obwohl sie durch ernstere und lange anhaltende Verletzungen ihrer besten Spieler stark zu leiden hatte. Sie konnte gegen spielstarke Mannschaften gut abfchneiden und hat in letzter Zeit erfolgreiche Gesellschaftsspiele ausgeführt, so daß sie dem Fußballsport an sich gute Anregungen brad)te und den Gießener Fußballfreunden namentlich tüchtige süddeutsche Mannschaften vorführte. Besondere Anerkennung sprach G e m m e r der Jugend aus, die sich tapfer gehalten und schöne Spiele durchgeführt hat.
Oer Leiter der Fußball-Iugendabteilung Bernhardt,
konnte ein Anwachsen der Zahl der Jugendlichen von 35 auf 74 melden, so daß trotz des Aufrückens von 10 Mann zu den aktiven Spielern 3 Jugend- und 2 Schülermannschaften gebildet werden konnten. Obwohl es nicht immer leicht war, für diese 5 Mannschaften Spielrnöalichkeiten zu schaffen, hat sich der Spielbetrieb günstig entwickelt, so daß Der I
Verein über gutes Sptetermafedat in seiner Jugönd verfügt. Die 1. Jugendmannschaft hat in ihrer Gruppe die Meisterschaft mit 18:2 Punkten errungen, in den Zwischenrunden um die Kreis- meisterschast war sie führend. Die Entscheidung fällt am nächsten Sonntag. Auch die arideren Mannschaften haben sich bewährt, was sie der treuen Obhut ihres Trainers, des Sportkameraden Post, verdanken.
Oer Leiter der Handballabteilung, Balser,
der nicht immer die Führung hatte, konnte über wechselvolle Spielerfolge berichten. Namentlich durch den Fortgang von Soldaten hat die Abteilung stark gelitten, aber sie will sich in Zukunft nur auf ihren Nachwuchs verlaßen, der sich gut anläht. Durch die Zusammenarbeit mit den Leichtathleten soll der Jugendarbeit und dem Ausbau besondere Pflege gewidmet werden.
Oer Leiter der Abteilung Leichtathletik, Fischer
die an 24 Veranstaltungen beteiligt war, teilte mit, daß die Abteilung eine noch nie erreichte Siegeszahl erringen konnte. Sie erkämpfte sich 155 erste, 120 zweite und 80 dritte, also insgesamt 355 Preise, unter denen sich manche sehr wertvolle und auch schwer zu erringende Siege befanden. Auf dem Bezirkssportfest der Reichsbahn-Turn- und Sportvereine der Direktion Frankfurt errang die Abteilung trotz stärkster Konkurrenz, noch dazu ohne Luh, den Ehrenpreis des Frankfurter Präsidenten und 9 von den 11 Ehrenpreisen, sowie ein Relief für die beste Sonderleistung. Es gereicht der Abteilung zur Ehre, daß Luh in die Olympia-Kernmannschaft berufen wurde. Im Vorjahr konnte er als 20jähriger den sechsten Platz bei den Deutschen Meisterschaften erringen, und mit feinem Wurf von 15,07 Meter steht
er an dritter Stelle Tn Deutschland. Die Abteilung zählt etwa 30 Aktive, 40 Jugendliche. 20 Schul«? und 25 Frauen. Trotz des zahlreichen Abganges ziM Arbeitsdienst und zum Militär hat sich die Tlaxm, schäft gut gehalten. Die Jugend konnte die (Sau. lugendmannfchastsmeisterfchaf^ erringen.
Oer Leiter der Turnabteilung, Hans Köhler,
der 35 Schüler und 30 Schülerinnen, sowie 50 Jugendturner zu betreuen hat, wies gleichfalls rege Betätigung und gute Erfolge auf. Die Schwimm- abteilung unter Hellmuth Köhler konnte sich nicht in gewünschter Weise entwickeln, aber ihr, wie der Frauen-Abteilung, die von Bellof geführt wird, sollen besondere Pflege zugewandt werden.
Nach dem Vortrag des Kassenberichtes wurde auf Anregung aus der Versammlung dem Vereinsführer, Reichsbahnrat Nieder st raßer, unter dessen Leitung sich der Verein in jeder Hinsicht wieder emporgearbeitet hat, so daß er nicht nur finanziell gefestigt datteht, sondern auch durch einen zahl- reichen Nachwuchsstamm einen sportlichen Wiederaufstieg vor sich hat, Dank und Anerkennung ausgesprochen, und Mitglied Simon schlug seine einstimmige Wiederwahl vor, die spontan oorgenom- men wurde. Der Dereinsführer nahm dis Wiederwahl an, bestellte Reichsbahnrat Wahr» l i ch zu seinem Stellvertreter und bestätigte die bisherigen Mitarbeiter. Zum Verbindunasmann zwischen dem Verein und der HI. wurde Jugend- kamerad Zecher berufen.
Nach einem Hinweis auf das Bezirksturnfest der Reichsbahn-Turn- und Sportvereine am 21. Juni in Hersfeld, zu dem ein verbilligter Sonderzug durchgeführt wird, weil damit die Jubiläumsfeier der Stadt verbunden sind, schloß der Vereinsführer die Versammlung mit dem Treuegelöbnis zum Führer.
Gwßstaffel-Lauf in Gießen.
3m Olympiajahr wird die Reihe der großen Leichtathletikoeranstaltungen in Gießen durch den Großslaffel-Lauf „Rund um die Anlage n", der am kommenden Sonntag zum Austrag kommt, eingeleitet. Die Ortsgruppe Gießen des DRL. hat es sich zur Aufgabe gemacht, jeweils zu Beginn der sommerlichen Wettkampszeit diese Veranstaltung durchzuführen, wodurch der in früheren Jahren bereits durchgeführte Lauf „Rund um die Anlagen" wieder aufleben soll. Die Einrichtung dieses Staffeltages wird von den Gießener Leichtathleten sehr begrüßt, und es liegt m n an den Vereinen, ohne Rücksicht auf die Gegnerschaft zahlreiche Meldungen zu erfüllen.
Für alle Leichtathleten soll dieser Staffeltag eine Prüfung sein für die im Winter geleistete Sorbe« mtungsarbeit. Es ist Pflicht und Ehrensache aller Leibesübung treibenden Vereine und Formationen, sich an diesem Lauf zu beteiligen. Der DRL. will mit dieser Veranstaltung erreichen, daß gerade im Olympiajahr der Gedanke an die Leibesübung mehr denn je unserem Volke vor Augen geführt wird. Darüber hinaus sollen diese Veranstattungen nicht nur eine Werbung sein, sondern sie sollen allen deutschen Männern und Frauen Gelegenheit
zur sportlichen Betätigung geben. Nicht nur die Besten sollen in diesem Kampfe stehen, sondern alle die, die bereit sind, sich für ihren Verein zur Verfügung zu stellen. Gleichgültig, ob Anfänger oder überragender Könner, allen soll die Möglich, keit gegeben werden, sich an diesem Lauf zu beteiligen. Es darf deshalb in Gießen keinen Verein geben, der sich etwa deshalb nicht an der Staffel beteiligt, weil er fürchtet, daß feine Mannschaft nicht Sieger wird. Wir glauben nicht, daß es heute noch derartig eingestellte Vereine gibt, und dürfen deshalb hoffen, daß diese Veranstaltung zu einem bedeutenden sportlichen Ereignis wird.
Der Start für alle Herren- und Jugendklassen befindet sich an der Straßenecke Hitlerwall-Gar- tenstraße, der der Frauenklasfe an Der städtischen Waage im Horst-Wessel-Wall. Das Ziel ist für sämtliche Mannschaften am Stadttheater.
Zeitplan: 11.00 Uhr Start der Frauenklasse 11.15 „ „ „ Jugendklasse
11.30 „ „ „ Sonderklasse
11.45 „ „ „ Klasse B
12.00 „ „ „ Hauptklasse.
So rüstet euch nun Leichtathleten und beweist, daß ihr die Bestrebungen des DRL. unterstützt.
Fußball und Handball am Himmelfahrlslag.
Allzu umfangreich war das Sportprogramm des Himmelfahrtstages nicht, es gab aber eine Reihe interessanter Veranstaltungen.
3m Fußballfport
war das Stuttgarter Everton -Spiel das wichtigste Ereignis. Im vierten Spiele stand den Engländern eine sehr starke deutsche Mannschaft gegenüber, die verdient mit 4:2 (3:0) Toren gewann. Der Wormser Linksaußen Fath und der Bonner Rechtsaußen Elbern schossen jeweils zwei Treffer, neben ihnen war der Wormser Eckert der beste Stürmer. Sonst war die deutsche Elf ausge- zeichnet, Läuferreihe und Hintermannschaft waren
ohne Fehler. Die beiden Tore der Engländer erzielte der Halbrechte Cunlisse. Das Spiel hatte in der Stuttgarter „Adolf-Hitler-Kampfbahn" Rieseninter- esse gefunden, es wohnten dem Spiele rund 25 000 Zuschauer bei.
Danzigs Fußballer trugen ihr zweites Spiel gegen eine Ludwigshafener Stadt- e l f aus und gewannen 2:1 (2:0).
3m Kampf um den „T f ch a m m er - P o k a l"
meister geschult haben, so verwarfen sie doch weder die reichen musikalischen Mittel der Romantik, noch gingen sie achtlos an den strengeren Ausdrucksformen der Gegenwart vorüber. Es ist Zucht und Verantwortlichkeit und eben deshalb Jugend in ihrem Schaffen.
Die Anknüpfung ans musikalische Barock ergab sich in dem Augenblicke, als die junge musikalische Nachkriegsgeneration in einem zertrümmerten, ent» götterten Deutschland nach neuen Idealen suchte. Die Romantik zu entthronen wurde damals als Verdienst angesehen; Expressionismus, Atonalität, Neue Sachlichkeit sollten an ihre Stelle treten. Ein Schlagwort jagte das andere, und viel starkes jugendliches Wollen ging bei dieser Jagd verloren. Ein kundiger Beobachter dieser Zeit mußte sich noch kürzlich von Hindemith, den er „als die größte musikantische Begabung der jungen Generation bezeichnet, zu dem Wunsche bekennen: „Möchte er sich harmonisch immer mehr wieder zu fester Tonalität zurückfinden und nach so langem Spötteln sich nicht mehr vor seiner eigentlichen religiösen Wärme genieren". Es spricht manches dafür, daß Hindemith, der die Vierzig inzwischen auch schon überschritten hat, zu solcher Läuterung gelangt ist. Aus jeden Fall hat er und die musikalische Jugend, die ihm folgte, sich auseinanderfetzen müssen mit den gewaltigen kulturpolitischen Wandlungen, die uns das neue Deutschland bescherte, und diese Auseinandersetzung beherrscht heute die jüngste Musikergeneration naturgemäß noch stärker als die Aelteren.
Diese Musiker um Zwanzig und Fünfundzwanzig herum find heute keineswegs alle in einem Lager geeint. Gewiß hat das Gemeinschaftserlebnis für sie, die Söhne eines endlich wieder geeinten Volkes, eine neue Bedeutung bekommen. Aber Musik ist nun einmal eine Kunst, die auch Der Einsamkeit bedarf, und so sucht mancher junge Schaffende abseits von der großen Heeresstraße seinen Weg. Zu ihnen zahlt der Süddeutsche Karl Höller, von Dem neu» !!$ Cm ®enner gesagt hat: „Er ist einer Der rassig- jtcn Vertreter unserer jungen Generation, ober er sihreibt keine „Jugendmusik". Er kennt keine Bindungen an kadenziale Begriffe und Tonarten, aber
siok sich nie der Zwölftonreihe eingegliedert. Er •ft Süddeutscher, aber er schreibt keine „Bauern«
(roie fein in letzter Zeit vielgenannter Landsmann Werner E g k). Er kommt von der Bamberger Domorgel und vom gregorianischen Choral, aber er musiziert nicht katholisch. Er ist Romantiker ufro. Wenn in diesen Sätzen auf eine „Jugend musik besonderer Art angespielt wird, so bedarf das einer Erklärung. Tatsächlich hat es — und zwar schon lange vor dem Kriege — eine Ju
gendbewegung gegeben, die sich bewußt nicht nur oon den Alteren, sondern auch von Den Gleichallri- gen abfonDerte. Sie entftanD in DeutschlanD um Die JahrhunDertwenDe und lebte sich auch mufita- lifch aus. Vom „Wandervogel" führte ihre Entwicklung über Die „FreiDeutsche JugenD", „Freischar" und sonstige BünDe folgerichtig zum Jungvolk, zur HitlerjugenD und zum BunDe Deutscher MäDel. Ein zunächst oft unklares Ringen um neue völkische Ge- meinschaftsiDeale fand darntt seinen letzten, tiefsten Sinn. Was jene musikalischen Gemeinschaften, also den „Finkensteiner Bund" und die sonstigen Singgemeinden und „Musikantengilden" auszeichnete, war der Glaube an Die völkische Aufgabe Der Musik, an ihre gemeinschaftsbilDende Macht, war Die Auflehnung gegen einen veräußerlichten Konzertbetrieb, ein innerlich untätiges sattes Musik- genießen, war Der WiDerwille gegen gespreiztes romantisches Pathos unD jeDe Art von Uebermaß im Gebrauche musikalischer Mittel.
Diese Abneigung ist geblieben, und geblieben ist auch Die Liebe zum Volksliede. Gewiß hat es auch hier Wandlungen gegeben, inDem immer mehr Das ältere VolkslieD vorgezogen rourDe, bis sich ihm schließlich Das Kampf- unD Marschlied einer neuen JugenD zugesellte. Die, zunächst keineswegs „musisch" gesonnen, sich erst nach und nach wieder zu einem wirklichen Musizieren vokaler und instrumentaler Prägung zufammengesunden hat. Wenn man dabei der älteren Instrumental- und Vokalmusik den Vorzug gegenüber der romantischen gibt, wenn man neben den alten und neuen Volksliedern Kanons und Madrigale singt und sich an alten Sonaten und Suiten und an alten Instrumenten ergötzt, so entspricht das dem Willen dieser Jugend, immer klarer, einfacher, oolkhaster zu werden. Die oon der ehemaligen Jugendbewegung her- kommenden Komponisten wie Heinrich Kaminski, Armin K n a b, Ludwig Weber, Walter R e i n^ Die ja auch nicht mehr zu Den Jüngsten zählen, fanden mit ihren Schöpfungen naturgemäß hier be- fonDeren Widerhall, unD wenn sie in Der Anknüpfung an Das Alte, in Der Stellung zur Romantik unD in Den besonderen Persönlickkeitswerten ihrer Tonsprache unter sich immer noch verschieden sind so gilt das auch oon Dem kompositorischen Nachwuchs in diesen Kreisen. Hier lasten uns Männer wie Heinrich S p i 11 a, Paul Höffer, Ernst Lothar von Knorr, Kurt Thomas, Hugo Di ft l e r, Ernst Pepping hoffen, daß ihre junge Musik nach und nach immer mehr aus chrem Son- DerDafein heraustreten unD Den Weg zum Herzen Des ganzen Deutschen Volkes finden wird.
„Das Beste ist das Wasser."
Die berühmten Worte Pindars in feiner Olym- plfchen Ode, daß das Wasser das Beste fei, hatten für Das griechische Altertum auch insofern Bereift tigung, als Die Heilbehandlung mit Wasser hier bereits eine große Rolle spielte. Dr. W. Groh stellt in der Wochenschrift „Hippokrates" einige Zeugnisse aus alten Schriftstellern zusammen, Die zeigen, daß öte Griechen eine Reihe von Grundsätzen hatten, die auch heute noch in der Heilkunde unumschränkte Gültigkeit haben. Schon Thales oon Milet, Der Be- grunDer Der griechischen Philosophie unD Damit Der europäischen Wissenschaften überhaupt, hat den Satz aufgestellt: „Das Prinzip aller Dinge ist das Wasser. In Der Zett Der hippokratischen Aerzte unD ihrer Nachfolger, Die etwa um 400 o. Chr. be- ginnt, hat Die Wasserbehandlung Dann eine befonDere Rolle gespielt. Die Leitsätze Des Hippokrates enthal- ten die ersten biologisch-medizinischen Grundlagen Dieses Gebietes Der Heilkunde. Von Griechenland aus kam die Lehre auch nach Italien, wo Asklepia- des die Technik der Wasserbehandlung weiter ausbaute. Der Leibarzt des Kaisers Augustus, Muss wurde einer ihrer stärksten Vertreter und gewann solchen Einfluß, daß Das Kaltbaden allgemein ein- geführt wurde: „Wer da will die kurze Zett seines Lebens in Gesundheit zubringen, muß sich recht oft kalt baden. Denn ich kann es kaum genug sagen, wie nützlich diese kalte Waschung sei", erklärte Ori- basius der Leibarzt Des Kaisers Justinian; ebenso sagte Agathinus: „Diejenigen, so Die kurze Zeit Des liebens in guter Gesundheit zubringen wollen, müssen sich oft der kalten Bäder bedienen." Gestützt auf Hippokrates hat Galen genaue Vorschriften von Wasserbehandlung gegeben: er hat auch die Wechselbäder besonders empfohlen, indem er „die Patienten zu den kalten Bädern bereitete, dadurch daß er sie zuvor in das warme tat". Das Kaltbaden gehörte ja auch, wie die römischen Schriftsteller be- richteten, zu der Gewohnhett Der Deutschen. Diese gesunden Anschauungen des Altertums gerieten Dann lange in Vergessenheit, bis sich zuerst um 1700 wieder deutsche, englische und französische Aerzte um Die Einführung Der Wasserbehandlung bemühten und Dann, nach einer neuen Zeit Des Vergessens. Priesnitz, Pfarrer Kneipp, Lahmann, Schweninger unD andere die heutigen Erfolge der Wasserbehandlung einleiteten. Priesnitz, der in der ersten Hälfte Des 19. Jahrhunderts aus genialer Begabung Die WasterbehanDlung methodisch neu durchdachte und in dosierbare Formen brachte, hat Formen Der Anwendung ausgebildet, die bis heutt die Grundlage für jede Wasserbehandlung bilden.
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