Ausgabe 
22.5.1936
 
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kurzer Beratung ließ das Gericht die Frage zu, da sie nach der ihr gegebenen Begründung keine Be­weisermittlungsfrage fei. Der Zeuge erklärte dar­auf, daß er von einer Abhörung weiterer Ange­stellter nichts wisse. Allerdings habe Direktor Kempe von der Berlinischen Baugesellschaft auch mit ihm mehrfach über Angelegenheiten der Bau- grübe gesprochen. Der Zeuge stellt aber entschieden in Abrede, daß chm irgendwelche Richllinien für seine Aussagen gegeben worden seien.

Aus aller Wett.

Frühlingsfest der presse in Bad Homburg.

Im Bad Homburger Kurhaus findet morgen, Samstag abend, das Frühlingsfest der Rhein-Mainischen Presse zugunsten der Unterstützungskasse statt. Für dieses Pressefest ist ein abwechslungsreiches Programm zusammenge­stellt worden, so daß jeder Besucher auf seine Kosten kommen dürfte. Mehrere Kapellen werden zum Tanz aufspielen; in der Wandelhalle des Kurhauses findet ein Standkonzert des Artillerie-Regiments Frank­furt, im Kurpark ein Konzert des Kurorchesters unter Leitung von Musikdirektor John statt. Eine überaus reich beschickte Tombola (Hauptgewinn ein Auto) wird einen besonderen Anziehungspunkt für die Besucher des Pressefestes bilden. Im übrigen ist für Unterhaltung mannigfacher Art und für das leibliche Wohl der Gäste ausgezeichnet gesorgt. Jeder Besucher erhält eine Blumenspende und einen künstlerisch ausgestatteten Almanach, die Damen außerdem eine Damenspende. Es ist zu hoffen, daß dem Homburger Pressefest ein voller Erfolg beschieden fein wird.

Internationales Schachturnier in Vad-Tkauheim.

In der fünften Runde des Internationalen Schach­turniers in Bad-Nauheim spielte Dr. A l j e ch i n gegen den jungen Keres (Estland). Die inter­essante Partie wurde mit Qualitätsvorteil für Keres nach vier Stunden abgebrochen. Bogoljubow kam ebenfalls zum Abbruch gegen Professor Vid- m a r; Bogoljubow steht besser. Van den Bosch verlor ziemlich glatt gegen S t a h l b e r g. In einer spanischen Partte verlor Weißgerber gegen Rellstab. Ahues spielte gegen Heinicke remis. Desgleichen A l j e ch i n gegen Professor D i d m a r. Ebenso endete unentschieden die Partie Bogoljubow gegen Stahlberg. Eine sehr schöne Partie bot Ahues gegen Weißgerber, der glatt verlor. Die Partie Keres gegen Hei - nicke wurde unentschieden abgegeben. Stand des Turniers nach der 6. Runde: Aljechin führt mit 3V- Punkten und einer Hängepartie, Ahues, Rellstab und Stahlberg je 3V2 Punkte, Bogoljubow 3 Punkte und eine Hängepartie, Heinicke 3 Punkte, Prof. Vidmar 2 Punkte und 2 Hängepartien, Keres 2 Punkte und zwei Hängepartien, Weißgerber zwei Punkte, van den Bosch 1 Punkt.

Neuschnee in den Bergen.

Der starke Temperaturrückgang, der am Donnerstag eingetreten ist, hat in den Allgäuer Bergen Neuschnee zur Folge gehabt. Bis zu 1500 Meter hinab find die Berge mit Neuschnee bedeckt.

Verhängnisvoller Blitzschlag.

Bei einem in der Umgebung von Roch bei Nürn­berg niedergegangenen schweren Gewitter schlug ein Blitz in das Aluminium-Bronze-Werk Benda in Pfaffenhofen. Sofort entstand ein Brand, durch den der Lagerraum und der Dachstuhl zerstört wur­den. Bei den Löscharbeiten wurde ein Feuerwehr­mann, der Arbeiter Konrad Meyer aus Roth, von einer Stichflamme erfaßt und getötet. Ein zwei­ter Arbeiter trug schwere Brandverletzungen davon.

Blutiger Kampf zwischen zwei montenegrinischen Sippen.

In einem montenegrinischen Dorf in der Nähe der Stadt Danilowgrad kam es wegen eines Streites um die Benutzung eines Brunnens zu einer b l u - tigen Auseinandersetzung zwischen den Mitgliedern zweier montenegrinischer Sippen. Das Ergebnis der Auseinandersetzung waren drei Tote, acht Schwerverletzte und eine größere Anzahl von leicht verletzten Männern und Frauen. Der Streit um das Benutzungsrecht datiert noch aus der Vorkriegszeit. Anlaß zu der Auseinandersetzung gab ein behördlicher Ortsaugenschein zur Feststellung des Nutzungsrechtes. Hierbei kam es zuerst zu heftigen Beschimpfungen zwischen beiden Sippen, die schließ­lich aufeinander zu schießen und mit Messern los­zustechen begannen. Im Verlaufe des Kampfes wur­den sogar zwei Bomben geworfen. Am Kampf nah­men auch die weiblichen Sippenmitglieder teil, von denen mehrere Verletzungen davontrugen.

Das Reichsführerlager der HL.

Braunschweig, 20. Mai. (DNB.) Reichs­leiter Alfred Rosenberg svrach im Reichsführer, lager der HI. zu der Führerschaft der HI. und des Jungvolkes über Fragen der Weltanschauung und Aufgaben der Jugendführung.Es ist in der Ge­schichte der Völker das erste Mal, daß eine poli- tische Bewegung und ein Staat gemeinsam einer Heranwachsenden Jugend eine derartige 23er» antwortung übergeben haben, wie Sie sie erhalten haben. Noch nie sind allen gestattenden Möglichkeiten eines jungen Geschlechtes derartige freie Bahnen geschaffen worden wie Ihnen. Das be­deutet ein Glück. Es hat aber auch feine Gefahren, wenn diese Jugend nicht vom ersten Tage an, wo sie diese Freiheit und Möglichkeiten der Selbstfüh- rung bestätigt, ich der Verantwortungbe­wußt ist, die ie damit für heute und die kommen­den Zeiten au ihre Schultern nimmt. Wesentlich ist nicht, daß von außen an der Jugend Kritik geübt wird, sondern daß die Jugend an sich s e l b st Kritik ü bt. Es ist nicht so sehr nötig, daß diese Jugend von außen her Schutz erhält, sondern daß sie Selbstzucht übt. Die höchste Aufgabe der Juaendführung ist die, die Einheit des nationalsozialistischen Erlebens und der national­sozialistischen Idee schon in der Hitlerjugend so stark zu machen, daß sie durch alle Sonderaufgaben be­stehen bleibt. Diese Einheit der nationalsozialistischen Idee ist das wesentliche für alle weiteren praktischen Maßnahmen und Gestaltungen und die Voraus­setzung dafür, daß die nationalsozialistische Revolu­tion nicht eine vorübergehende Epoche, sondern wirklich eine neue Grundlage- des deutschen Le­bens ist."

Obergebietsführer Cer ff sprach über die Kul­turarbeit der Hitlerjugend. Der Künstler müsse aus dem Erlebnis der Gemeinschaft heraus schaffen und sich in der Gemeinschaft gegenwartsnahe Auf­gabengebiete und Probleme suchen. Die Jugend habe mit der Arbeiterschaft den sicheren Instinkt für eine wahrhafte und echte Kunst gemeinsam. Mit der An­ordnung über das VerbotvonSprechchoren in der HI. t)abe der Reichsjugendsührer sich gegen jeglichen Mißbrauch des Sprechchors gewandt. Es sei unnatürlich, wenn eine Gemeinschaft gleichzeitig ein langes Gedicht aufsage. Der Sprechchor könne vielmehr nur die Aufgabe haben, wenn er später einmal wieder von geschulten Kräften bei Feiern durchgeführt werde, um durch eine Gemein­schaft die Proklamation eines einzelnen nachdrücklich zu bestätigen.(wie z. B. die Langemarck-Kantate von Wolfgang Eberhard Möller). Das unterscheide den Sprechchor von einem Schreichor, der für die Hitler- Jugend unwiderruflich verboten sei.

Stabsführer Hartmann - Lauterbacher gab einen Schulungsplan für Führer der HI.

und des Jungvolks bekannt. Die weltanschauliche Schulungsarbett an den Jungen werde vom kom­menden Herbst ab stufenmaßig jahraangs- weise durchgeführt werden, wobei im Zuge des bestimmten Schulungsweges und Schulungszieles jedem Jahrgange besondere Aufgaben gestellt seien. Die Schulungsarbeit des Pimpfes muffe mit dem Geburtstag des Führers und feinem Lebensweg be­ginnen, denn alles, was die nationalsozialistische Idee und Weltanschauung lehre, sei im Leben des Führers enthalten. Grundsätzlich sei überhaupt bei der gesamten Schulung das Wissen um die Probleme der Gegenwart in den Vorder­grund zu stellen. Von der Gegenwart aus müsse die Vergangenheit mit nationalsozialistischem Blick ge­sehen werden, um von der Vergangenheit für das Heute und Morgen zu lernen. Die Führerschulung müsse eine körperliche, charakterliche und rassische Auslese darstellen. Grundlage für die Schulungsarbeit der Unterführer seien die Wochenend - Lehrgänge, denen für Gesolg- schafts- und Unterbannführer bzw. Anwärter Be­suche der Gebietsführerschule folgen. Als nächste Stufe würden die Bann-- und Jungbann- führer bzw. Anwärter jedes Jahres neben der Teil­nahme am Reichsführerlager einmal zu einem dreiwöchigen Lehrgang auf die R e i ch s füh­re r s ch u l e berufen. Als letzter und wichtigster Ab­schnitt folge später der Besuch der A k a d e m i e für Jugendführung in Braunschweig und Mün­chen. Grundgedanke dieser Arbeit sei, daß die Füh- rerschulen nicht dazu da feien, Führer zu schaffen, sondern den berufenen Führern das Rüstzeug für ihre Arbeit zu oermttteln.

Reichsamtsleiter Dr. Groß sprach über bevölke­rungspolitische und rassehygienische Aufgaben. In den Mittelpunkt aller geschichtlichen und rassischen Betrachtungen tjabe der Nationalsozialismus den Menschen gerückt, der als Glied einer großen und jahrhundertealten Erbgemeinschaft verant­wortlich sei für die Zukunft seines Volkes. Hieran anknüpfend streifte Dr. Groß das Problem des Geburtenrückganges und der Gefahr einer lieber» alterung unseres Volkes. In jeder sozialen Schicht dürfe grundsätzlich der Familienvater nicht gegen­über dem benachteiligt sein, der seine volkspolitische Pflicht nicht erfüllt habe. Jede geschichtliche Leistung eines Volkes stehe und falle damit, ob es den Schöpfern dieser Leistung gelinge, chre hochwertigen Anlagen auf kommende Geschlechter zu überfragen. Dr. Groß schloß mit einem Appell an die HI.- Führer, nicht in Dogmen und Prinzipienreiterei zu erstarren, sondern immer im innersten Wesen jung zu bleiben und über alle Prinzipien hinaus das Leben der Nation als höchstes Gesetz anzuerkennen.

Am Vorabend der belgischen Wahlen.

Don unserem Or. K.-Korrespondenten.

(Nachdruck, auch mtt Quellenangabe, verboten.) Brüssel, Mai 1936.

Am nächsten Sonntag finden in Belgien die Wahlen statt. In den ersten Wochen nach oer Aus­lösung des Parlaments hat man vom Wahlkampf wenig geredet. Seit dem vergangenen Sonntag aber herrscht allgemeines Wahlfieber. Die Mauern und Anschlagsäulen bedecken sich mit Wahlplakaten und Flugblättern; auch die in den Wahlkämpfen anderer Länder erprobten modernen Propaganda- mittel, wie Rundfunk, Lichtbildoorführungen, Stra­ßentransparente usw., finden reichliche Verwendung. Die anfängliche Teilnahmlosigkeit der Bevölkerung ist in den letzten Tagen einem wachsenden und un­ruhigen Jrtteresse gewichen. Allerdings eine Fest­stellung drängt sich dem unparteiischen Beobachter und Besucher der Wahlversammlungen von vorn­herein unwillkürlich auf: Gering ist auch in den letzten Tagen, die dem Wahlsonntag vorausgehen, das Interesse der Bevölkerung an den Kundgebungen und an den Parolen der alten Par­teien geblieben. Wenn die Wahlversammlungen der Marxisten etwas besser besucht sind als die der Katholiken und Liberalen, so deshalb, weil die belgische Arbeiterpartei über eine straffere Organi­sation verfügt.

Was dem jetzigen Wahlkampf den Stempel auf­drückt, ist der unaufhaltsame Vormarsch einer jungen politischen Bewegung, die die meisten Belgier vor einem halben Jahre nod) nicht einmal dem Namen nach kannten, obwohl sie schon längere Zeit bestand. Leon D e gr e lle, der jugend­liche Führer der Rex-Bewegung, steht unbe­streitbar im Vordergrund dieses Wahlkampfes. Seine

Versammlungen weisen einen Massenbesuch auf, wie man ihn in Belgien noch nie erlebt hat, eine wahre Welle von Versammlungen der Rex-Bewegung er­gießt sich über das Land. Ihren Höhepunkt fand sie dieser Tage in Brüssel und Antwerpen, wo Degrelle vor mehreren Tausenden von Zuhörern sprach. An manchen Tagen spricht Degrelle in mehreren Ver­sammlungen und an verschiedenen Orten, und zwar in allen Landesteilen. Schon das ist neu und er­staunlich; Degrelle, der Wallone ist und nur fran­zösisch spricht, versteht es, in Flandern Massenver­sammlungen in den größten zur Verfügung stehen­den Sälen zu organisieren, während flämische Mini­ster der Katholischen Partei, die bisher in Flandern ihr stärkstes Bollwerk hatte, in nur mäßig gefüllten Vereinshäusern sprechen. Degrelle, über den man anfänglich zur Tagesordnung übergehen zu können glaubte, wird heute sehr ernst genommen, und zwar nicht nur von der K a t h o l i s ch e n Partei, die in ihm chren schärfsten Gegner erblickt, sondern auch von den Sozialisten und Liberalen, die ebenfalls in letzter Zeit mit wachsender Besorgnis die Entwicklung der Rex-Bewegung verfolgt haben.

Die drei alten Parteien, die in den letzten Jahr­zehnten das Monopol der Staatsführung in Belgien zu haben glaubten, sehen in Degrelle ihren gemein­samen Feind. Sie befinden sich in einer ausgesproche­nen Defensivstellung gegenüber dieser jüngsten poli» tischen Bewegung, die eine unbändige Dynamik un­aufhaltsam vorwärts treibt, und deren Anziehungs­kraft sich auf alle Schichten der Bevölkerung erstreckt, so daß Degrelle mit größerer Berechtigung als die Linksparteien in Frankreich und Spanien feine Be­wegung als eine wahreVolksfront" bezeichnen

kann. Mit den verschiedensten Parolen wird Degrelle von den alten Parteien bekämpft. Die Katho­lische Partei stellt ihn als einen Verräter hin. der die Einheit des politischen Katholizismus zerstört hat und in Belgien ein faschistisches Regime auf­richten will. Sozialistenund Liberale sehen in ihm einen verkappten Klerikalen, der, auch wenn er augenblicklich bei den Bischöfen in Ungnade ge­fallen ist, aus Belgien einen rein klerikalen Staat nach austro-faschististhem Muster machen will. In der Wallone! behauptet man, daß er im Dienst des flämi­schen Imperialismus stehe; m Flandern wird er von den Katholiken und den Nationalflamen abgelehnt, well er Wallone ist und als solcher als frankophil gilt.

Seine ParoleKampf der Parteikor­ruption" hat mächtig gezündet; feine Volkstüm­lichkeit ist daher besonders groß, weil er seine Ver­sprechungen, den Staat von unsauberen Politikern zu befreien, bereits in wirksamster und drastischer Weise eingelöst hat. Seine Enthüllungen über die korrupten Verhältnisse in der Katholischen Partei und bei den Sozialisten haben wie Bomben einge- schlaaen und mehrere der Betroffenen veranlaßt, sich schleunigst aus dem politischen Leben zurückzu- ziehen. Die Fehde, die ihm die Kirche und die Katholische Partei vor einigen Monaten angesagt haben, hat seine Volkstümlichkeit nicht vermindert. Im Gegentell, von da ab datiert eigentlich erst der Aufschwung seiner Bewegung. Eine geradezu un­begreifliche Verblendung spricht aus dem Hirten­brief, den der Bischof von Brügge am vergangenen Sonntag von allen Kanzeln in Flandern verlesen ließ. Obwohl die Katholische Partei auf das schwerste durch Verfehlungen ihrer maßgebenden Führer kompromittiert ist, werden die Gläubigen aufgefor­dert, dieser Partei ihre Stimme zu geben.

Aber auch die Hilfeleistung, die der Katholischen Partei von kirchlicher Seite gewährt wird, wird ihr wenig nützen. Von allen Parteien sieht die Katho­lische Partei mit größter Besorgnis dem Ausgang der Wahlen entgegen. Sie wird zweifellos eine Reihe von Mandaten an Rex verlieren und die Spitzenführung im politischen Leben, die sie seit beinahe hundert Jahren innehatte, an die nächst­größte Partei, die sozialistische, abgeben müssen. So wird im kommenden Parlament die Belgische Arbeiterpartei unter der Führung Danderveldes die meisten Sitze haben, und es ist zu erwarten, daß die Marxisten, auch wenn sie selbst keine neuen Mandate gewinnen, die Führung der Regierung beanspruchen werden. Die Liberale Partei, die mit ihren 28 Sitzen immer nur eine bescheidene Rolle gespielt hat, wird sich vielleicht behaupten können.

Don wesentlicher Bedeutung für die Entwicklung Belgiens, namentlich in außenpolitischer Hinsicht, wird es fein, ob d i e Flamen ihren Einfluß im belgischen Parlament bei den Neuwahlen verstär­ken werden. Es gibt bekanntlich im belgischen Par­lament keine gejchlossene Vertretung der Flamen. Am zahlreichsten sind diese in der Katholischen Par­tei vertreten. Ihre Wahlaussichten in Flandern er­scheinen dadurch beeinträchtigt zu sein, daß einer ihrer Führer, Minister van Cauwelaert, gleichfalls durch die Enthüllungen Degrelles schwer kompromittiert worden ist, und weil trotzdem der Vorstand der Katholischen Partei seine schützende Hand über ihn gehalten hat. Gegen die Katholische Partei in Flandern hat sich für den Wahlkampf ein aus verschiedenen nationalflämischen Gruppen bestehender Block gebildet, dessen Hauptkern der Flämische Nationaloerband darstellt. Dieser nationalflämische Block ist übrigens die ein­zige Partei im Wahlkampf, die ein klares außen» politisches Programm auf ihre Fahnen ge­schrieben hat. Alle anderen Parteien, auch die Rex- Bewegung, vermeiden es, zur Außenpolitik Stellung zu nehmen. Die flämischen Nationalisten fordern mtt aller Entschiedenheit die Loslösung Belgiens aus allen Verstrickungen der Großmächtepolitik, nament­lich Unabhängigkeit gegenüber Frank­reich. lieber die Wahlaussichten dieser Gruppe, die in der letzten Kammer acht Sitze errungen hatte, lassen sich nur schwer Voraussagen machen.

Auf die innerpolitischen Wahlprogramme der einzelnen Parteien einzugehen, verlohnt sich nicht. Sie überbieten sich gegenseitig in Versprechungen, von denen der Wähler schon jetzt weiß, daß sie doch nicht gehalten werden, und denen er deshalb auch keine Beachtung schenkt. Die Marxisten neh­men für sich das Verdienst in Anspruch, wenn das Experiment van Zeeland geglückt ist. Nicht ganz mit Unrecht übrigens, denn sie waren die einzige Partei, die in den vergangenen Jahren mit van Zeeland durch Dick und Dünn gegangen ist. Ob sie damit bei ihren Wählern Eindruck machen, ist eine andere Frage, denn die Maßnahmen, denen sie in einjähriger Regierungstätigkeit ihre Zustim­mung geben mußten, hatten oft einen wenig sozia» len und einen noch weniger sozialistischen Charakter.

rundXBM