Samstag, 22. Sebruar 1936
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
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(Aufnahmen |4]: Neuner, Gießener Anzeiger.)
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Links unten: Gesamtansicht der nahezu fertig verkleideten Luftschiffhalle.
Gewirr der Träger Verstrebungen bei Montage des zwei- Tores.
Rechts: Das nahezu fertig verkleidete südwestliche Tor. Links vor dem Tor steht der Ankermast. Die an diesem Mast beschäftigten Arbeiter gestatten einen Vergleich der Ausmaße der riesigen 5)aüe.
Links oben: Das im Rohbau nahezu vollendete Flughafengebäude.
(Aufnahme:
DNB.-Heimatbilddienst.)
Vorhaben handelt.
Die zentrale und verkehrspolitische Lage des reuen Flughafens ist unbestreitbar. Der ganze fyifen liegt unmittelbar an der Reichsautobahn der -trecke Frankfurt a. M. — Darmstadt, die ja in hren projektierten Fortsetzungen zu einer klaren ^ord-Siw-Verbindung werden wird. Ein weiteres
bereits das neue Luftschiff LZ 129 empfangen zu können. Das Luftschiff unternimmt in den nächsten Wochen feine Werkstättenfahrten von Friedrichshafen aus. Der Flughafen wird voraussichtlich im Sommer eröffnet werden können.
Der neue Flughafen in seiner Gesamtheit ist ein leuchtendes Zeichen des Aufbauwillens und des Unternehmungsgeistes.
Das Pferd als Kriegskamerad
Zahlreiche Auszeichnungen im Gau Hessen-Nassau.
Die vom „Deutschen Tierfreund" durchgeführte Ehrung der heute noch lebenden Kriegspferde hat ergeben, daß noch eine recht große Anzahl vierbeiniger treuer Kriegskameraden am Leben ist. Die Tiere sind meist auf dem flachen Lande zu finden, in bäuerlichen und ähnlichen Betrieben. Zum großen Teil sind ihre Besitzer selber Frontsoldaten gewesen. Auch im Gau Hessen-Nassau sind noch eine ganze Anzahl dieser treuen Kriegskameraden ausfindig gemacht worden.
Bisher konnten über 1000 Kriegspferde mit dem Ehrenschildchen, das die Aufschrift „Kriegskamerad" und ein Eisernes Kreuz trägt, ausgezeichnet werden. Fast über 200 Kriegspferde, deren Besitzer sich in nachweisbarer Notlage befinden, erhielten als Patenschaft einen Sack Hafer vermittelt.
Diese Aktion zur Ehrung unserer treuen vierbeinigen Kriegskameraden ist noch im Gange Besitzer von noch lebenden Kriegspferden müssen den Nachweis führen (durch Brandzeichen, Kaufpapiere, Zeugen usw.), daß es sich tatsächlich um ein Kriegspferd handelt. Diese Angaben müssen dann vom zuständigen Bürgermeisteramt und vom Ortsbauernführer bescheinigt werden. Eine Haferspende kann nur in Frage kommen, wenn die wirtschaftliche Notlage des Antragsstellers vom Bürgermeister anerkannt ist. Die Anmeldefrist läuft nur noch bis 1. März.
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Projekt der Reichsautobahn Saargebiet—Frankfurt a. M.—Würzburg—Passau, sieht die Bahnführung in wenigen hundert Meter Entfernung hinter dem Flughafen in den Richtungen West und Ost vor. Unzweifelhaft verkehrstechnisch ein idealer Platz für einen Flughafen! Die Stadt Frankfurt a. M. — auch die Städte Darmstadt und Wiesbaden, sowie der Hessische Staat sind an dem Flughafenprojekt interessiert — unterstreicht mit der Schaffung des Flughafens erneut ihre Bedeutung und belebende Wirkung für das ganze rheinisch-mainifche Wirt- chaftsgebiet.
Im riesigen Gelände des gesamten Flughafens dominiert die neue Luftschiffhalle. Zwar wenn man auf der Reichsautobahn von Frankfurt kommt, wenn auf der rechten Seite der Wald den Ausblick reigibt, dann erscheint die Luftschiffhalle zunächst nicht so außerordentlich, wie man es sich ursprünglich vorstellt. Aber da es in der Landschaft neben der Zeppelinhalle kaum einen Maßstab gibt, an dem die Größenverhältnisse verglichen werden könnten — etwa ein Wohnhaus oder einen Baum — läßt ich die Größe der Halle kaum schätzen. Erst beim Näherkommen gewinnt die Halle ihre Dimensionen, erst bann vermag man die Ausmaße abzuschätzen, wenn man selbst, oder die am Bau beschäftigten Arbeiter Maßstab werden, die hoch oben auf dem Dach nur als winzige Punkte erscheinen. Und steht man unmittelbar neben der Halle, dann muß man steil hinaufsehen an den riesigen Wandflächen, und es wird einem ohne weiteres klar, daß es ein zweites Bauwerk von diesen Verhältnissen in Länge, Höhe und Breite in Deutschland, vielleicht auf der ganzen Welt, nicht mehr gibt. Die Halle, die Stahl- konstruktion, ist zum großen Teil schon verkleidet. Gegenwärtig ist man an der Montage des zweiten großen verschiebbaren Tores. An diesem Teil der Halle verliert sich der Blick in einem scheinbar wilden Gewirr von Trägern, Verstrebungen, Versteifungen, Verspannungen — fast macht es Mühe, die Männer innerhalb dieses Gewirrs zu finden, die in großer Höhe über der Erde dem Ganzen zu seiner endgültigen vorbedachten Form verhelfen.
Wer unmittelbar neben der Halle steht, dem vermittelt der Anblick des riesigen Bauwerkes einen starken Eindruck, und er bedarf der zahlenmäßigen Angaben nicht. Demjenigen aber, der nicht selbst die neue Luftschiffhalle in Augenschein nehmen kann, müssen Zahlen zu Hilfe kommen-
Die Halle ist (in lichten Weiten gemessen) 275 Meter lang, 51 Meter hoch und 52 Meter breit. Sie ist in ihren Hauptkonstruktionsteilen aus hochwertigem Stahl hergestellt. Das Gewicht der gesamten Stahlkonstruktion beträgt 2600 Tonnen. Die Fensterfläche beläuft sich auf 3500 Quadratmeter, die der Dachoberlichte auf 2000 Quadratmeter. 900 Quadratmeter Lüftungsklappen sind vorgesehen. Die Verkleidung der Stahlkonstruktion besteht nicht aus Mauerwerk, sondern aus Eternitplatten (Mischung von Asbest und Beton), die in Wellblechform gegossen sind. Die Halle ist an beiden Enden durch riesige Tore zu öffnen und zu schließen, und zwar ' selbst bei größtem Winddruck in der Zeit von 5 1 bis 6 Minuten
Alle Konstruktionsteile mußten besonders dem un- ’ geheuren Winddruck, der auf die gesamte Halle zu liegen kommt, entsprechend gestaltet sein. Die Eternitplatten sind in Verbindung mit dem Stahlgerüst einem Winddruck von 125 Kilogramm pro Quadrat- ’ Meter gewachsen
Für den Transport des Luftschiffes in die Halle : und für den Transport ins Freie wurden besondere i Vorrichtungen geschaffen: der etwa 20 Meter hohe
straßen. Das Steinplattenfeld unmittelbar vor dem Flughafengebäude ist 20 000 Quadratmeter groß. An Umzäunung des gesamten Platzes sind 7,5 laufende Kilometer nötig.
Das große neue Flughafengebäude, das sich an der Nordseite unmittelbar am Wald befindet, ist in seinen Formen sehr einfach gestaltet und wird ebenso einfach, wie zweckmäßig eingerichtet. Es birgt viele Büro- und Abfertigungsräume, Gast- räume, Sitzungszimmer, Tagesräume, Werkstatt, Druckerei für die Wettervorhersage u. v. a. m.
Die 66 X32 Meter große Flugzeughalle ist etwa 15 Meter hoch und kann drei große Maschinen und mehrere kleinere Flugzeuge aufnehmen.
Der Luftschiffhafen, wie auch der Flughafen sollen in wenigen Monaten ihrer Bestimmung über- l geben werden. Ende des Monats März hofft man.
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westdeutschen Luftschiff- und Flughafen Frankfurt a. M. zugrunde. Mit bei- pielloser Energie wurden die Arbeiten in Angriff genommen, und. sie wurden bereits so weit gefördert, daß die Anlagen in den nächsten Monaten ifjrer Bestimmung übergeben werden können. Der chem-mainischen Presse wurde am gestrigen Frei- lognachmittag unter berufener Führung Gelegen- beit gegeben, all das in Augenschein zu nehmen. Das seit Anfang Januar 1934, seit dem ersten Axt-
LustschisshaUe auf dem neuen Flughafen größte und modernste Luftfchiffhalle der Welt ist.
neben dem Luftschiffhafen auch ein großer
Nr. 45 drittes Mast
Rechts oben: Ein Blick in die weite Halle, die in ihren hauptsächlichen Konstruktionsteilen aus vielen Stahlträgern besteht.
Links: Ein Blick auf
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Flughafen lediglich für Flugzeuge entsteht — verwaltungstechnisch vom Luftschiffhafen getrennt — l-ißt erkennen, daß es sich hier um ein großartiges
fierten Eindruck zu erwecken. Es ist nicht lieber« jeblichkeit amerikanischen Stils, sondern Tatsache, laß
hieb, geschaffen wurde.
Es erscheint überflüssig, in Superlattven von dem sprechen, was unmittelbar an der Autobahn wischen Frankfurt a. M. und Darm- a d t im Werden begriffen ist. Was sich dort den lugen darbietet, ist an sich zu imposant, als daß 15 irgendeiner Uedertreibung bedürfte, um einen
werden kann.
Viel Aufmerksamkeit mußte der Brennstoffversorgung der Luftschiffe zugewandt werden. Das Luftschiff „Graf Zeppelin" wird mit Propangas (Probylwasserstosf) betrieben, L. Z. 129 hat jedoch Dieselmotoren. Für beide Luftschiffe mußte also die Betriebsstoffversorgung sichergestellt werden. Auch für das Traggas (Wasserstoffgas) mußte gesorgt werden, da ja von Zeit zu Zeit die Tragballons des Luftschiffes nachgefüllt werden müssen. Diese Wasserstoffgaslieferung hat die IG.- Farben übernommen. Das Gas wird in einer 13 Kilometer langen Leitung auf den Platz geführt, dort mit Kompressoren verdichtet und in lange Stahlflaschen mit 3 Zentimeter dicken Wandungen abgefüllt. 348 solcher Flaschen nehmen unter einem Druck von 150 Atmosphären 60 000 Kubikmeter Gas auf. Zur Luftschiffhalle gehören noch ein kleines Wirtschaftsgebäude, ein Bürogebäude, eine Werkstatt, das Traggaslager u. v. a. m. Winzig klein nehmen sich alle diese Nebenanlagen neben der Riesenhalle aus. Im Gesamtbild und aus einiger Entfernung sind sie fast nicht zu sehen.
Für den Luftschiffhafen sind, wie auch für den Flughafen, riesige Rasenflächen angelegt worden, da ja für einen Flugplatz feste Rasenflächen das A und O bedeuten. Hier begegneten der Bauleitung große Schwierigkeiten, die jedoch überwunden werden konnten. Wo sich heute die weite Rasenfläche dehnt, stand ursprünglich nur Wald. Es mußten etwa 50 000 Festmeter Holz geschlagen werden. Das bedeutet etwa 330 000 Tagewerke Arbeit. 100 000 Kubikmeter Erdbewegung waren für die Planierung von 1,5 Quadratkilometer Bodenfäche nötig. 400 Zentner Grassamen mußten beschafft, mit 1700 Zentner Kali, 2000 Zentner Thomasmehl und 1400 Kubikmeter Klärschlamm mußte der Boden gedüngt werden. Der gesamte Flughafen umfaßt 1136 Morgen Land. 312 Morgen entfallen auf den Luftschiffhafen, 824 Mor-
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gen auf den Flughafen. Die Größe des Rollfeldes für den Flughafen beträgt davon allein 424 Morgen. Die größte Länge beträgt in Richtung Nord- Süd 2225 Meter, in West-Ost 1570 Meter.
Für die Wasserversorgung, insbesondere für die Rasenberieselungsanlagen, mußten zwei 31 Meter tiefe Brunnen mit einer Stundenleistung von 100 Kubikmeter Wasser gebohrt werden.
Selbstverständlich sind alle Maßnahmen für die Flugsicherung getroffen. 48 Hindernisleuchten kennzeichnen die Platzgrenzen und die Gebäude. Umrandungsfeuer sind 35 geschaffen. Das rotierende Anfteuerungsfeuer mit einer Leistung von 1,8 Millionen Hefnerkerzen (spezielle Maßeinheit) kommt auf die Zeppelinhalle zu stehen. Vorgesehen sind ferner drei Landebahnleuchten, die je einen Lichtkegel von 300 Meter Breite und 860 Meter Länge werfen. Für den Fall des Versagens dieser Leuchten können Sturmlaternen eingesetzt werden.
Zwei Windrichtungszeiger (mit Beleuchtungsvor- richtung) werden angebracht Der Hafen erhalt 15 Amts-Fernsprechanschlüsse und 80 Nebenanschlüsse. Der Flugsicherung dienen außerdem Fernschreibeanlagen in direkter Verbindung mit den Flughäfen Hannover, Erfurt, Stuttgart, Nürnberg, München, Köln, Mannheim und Saarbrücken. Ein ausgedehnter Wetterdienst wird im Turm des Flughafengebäudes untergebracht. Im Wetterdienst sind zusammengefaßt: Wirtschaftswetterdienst, Flugwetterdienst, Wetterflugstelle (ständige Aufstiege un Flugzeug für Wetterbeobachtung) langfristige Wettervoraussage und die Agrarmeteorologische Forschungsstelle, die von Gießen aus betreut wird. Das Institut für Meteorologie der Universität Frankfurt wird ebenfalls Mitarbeiten.
Der Flughafen birgt 7 Haupttankstellen (5 Unterfiurtankstellen), ein unterirdisches Pumpenhaus und vier unterirdische Tanks von je 30 000 Liter Fassungsvermögen. Innerhalb der Hafenanlagen laufen 5 Kilometer modernste Beton-
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Weltflughafen Frankfurt a.M. - Großtaten deutscher Technik. — Lm Zentrum des Weltverkehrs.
(Eigener Bericht des Gießener Anzeigers.
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Ankermast, der auf breiten Schienen sowohl im Freien, als in der Halle läuft, dann der Heckwagen, der im weiten Halbkreis ebenfalls auf Schienen läuft. Am Ankermast und am Heckwagen befestigt, kann das Luftschiff ohne große Mühe nach der Landung in die Längsachse der Halle gebracht und eingefahren werden Das Luftschiff ist außerdem auf besonderen Ausfahrgeleisen befestigt, auf denen es mittels Rollen und Katzen in die Halle gezogen
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Frankfurt a. TI., seit einem halben Jahrtausend Brennpunkt eines regen Handels und Ber- jehrs, ist seit einiger Zeit dabei, engsten Anschluß «n die großen Verkehrsverbindungen Europas her- gufteUen, ja die direkte Verbindung über den Atlan- xt)läqe7ei Xi“/ binweg aufzunehmen.
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