Montag, 2l.VezemberM6
Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Nr. 298 Zweiter Blatt
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Die gesamte Presse Südaustraliens berichtete ausführlich über die festlichen Veranstaltungen in den Siedlungen der deutschen Einwanderer und nahm die Gelegenheit wahr, um ihrer Verdienste um die Entwicklung des Staates zu gedenken.
Das hatten sie nicht erwartet.
Eine Zeitung in Oslo erregte dieser Tage großes Aufsehen, indem sie in großer Aufmachung ein Bild brachte, auf dem man zwei Einbrecher bei ihrer „Arbeit" in einem Fenster sah. Diese Photographie war nicht etwa durch einen Trick entstanden, sondern das Ergebnis eines glänzenden Einfalls. Ein Fabrikant von Präzisionsinstrument'n, Halvorsen, dessen Landhaus verschiedene Male von Dieben heimgesucht war, richtete nun in einem Fenster, das den natürlichen Eingang für die heimlichen Besucher bildete, ein Alarmgerät ein, das mit einem photographischen Apparat und einer Magnesiumlampe verbunden war. Als die beiden Einbrecher in einer der letzten Nächte wirklich auf diesem Wege eindrangen, wurden sie mit einem starken Krach und einem aufleuchtenden Licht empfangen, und als sie sich verdutzt umsahen, sahen sie im Scheine ihrer Blendlaterne auf einem Tisch eine Visitenkarte, auf der sie freundlich also angeredet wurden: „Liebe Herren Diebe, ich bin Ihnen nicht böse, aber ich möchte gern, daß meine Sachen in Ruhe gelassen werden. Der erste Schlag war nur ein blinder Lärm, aber ich mache Sie daraus aufmerksam. daß, wenn Sie weiter vordringen. Zwei scharfe Schüsse kommen werden, und ich rate Ihnen daher, so schnell wie möglich wieder abzuziehen." Man kann sich denken, mit welcher Geschwindigkeit die beiden Kerle Reißaus nahmen. Wie erstaunt aber waren sie erst, als sie an einem der nächsten Tage ihre Photographie in den Händen der Polizisten sahen, die sie verhafteten. Angesicht des überzeugenden Beweises machten sie erst gar nicht den Versuch, zu leugnen.
staltungen in Hahndorf und Tanunda statt.
H a h n d o r f, so benannt nach dem Kapitän Hahn, der Ende 1838 eine Gruppe deutscher Einwanderer nach Südaustralien brachte, wurde während des Weltkrieges in Ambleside umgetauft, erhielt jedoch anläßlich der südaustralischen Jahrhundertfeier, auf Wunsch der ansässigen Bevölkerung, seinen ursprünglichen Namen wieder, zusammen mit Klemzig (während des Krieges in Gaza) in Lobethal (damals in Tweedvale umgetauft).
Für die Jahrhundertfeierlichkeiten in Hahndorf, wo übrigens der berühmteste deutsch-australische Maler, Hans H e y s e n , seinen Wohnsitz hat, war eine ganze Woche, vom 21. bis 28. November, angesetzt. Schon am ersten Tage hatten sich viele Deutsch- Australier aus nah und fern eingefunden. Die Veranstaltungen fanden auf dem neuen schönen Sportplatz statt und wurden durch einen Festumzug durch die prächtig geschmückten Straßen des Ortes öinge- leitet. An der Spitze des Zuges ritt eine Schwadron Lanzenreiter mit wehenden Fähnchen, dann folgte eine Reihe Wagen, mit historischen Gruppen, darunter alte Leiterwagen, wie sie die ersten deutschen Ansiedler gebraucht hatten. Auf den Wagen standen und saßen und um die Wagen gingen Männer und Frauen in der Tracht, wie man sie in Deutschland zu Anfang des 19. Jahrhunderts getragen hat. Die Teilnehmer marschierten zur Musik des Polizei- Orchesters von Adelaide und der Stadtkapelle von Hahndorf und wurden von den die Straßen füllenden, festlich gestimmten Menschenmengen jubelnd begrüßt. Außer deutschen Trachten sah man viele originelle Phantasiekostüme. Der Umzug endete auf dem Sportplatz, der von schönen hohen Bäumen umgeben ist. Gleichsam um die alte mit der neuen Welt zu vereinen, recken sich auf einer Seite majestätische Tannen, auf der andern australische Eukalyptus- bäume empor.
Die offizielle Eröffnung der Feier fand durch den Gouverneur von Südaustralien, Sir Winston D u - gern, statt, der in Begleitung seiner Gattin und eines zahlreichen Gefolges erschienen war. In seiner Eröffnungsansprache wies der Gouverneur, wie er es auch bei früheren ähnlichen Veranstaltungen getan hatte, auf die großen Verdienste der deutschenAnsiedlerum die Entwicklung Südaustraliens hin, wo sie vor 100 Jahren eine neue Heimat gefunden hatten. Er beglückwünschte die Be- wobner Hahndorfs zum schönen Erfolge ihrer Bemühungen um die Feier und sagte, daß die deutschen Siedlungen einen stolzen Ehrenplatz innerhalb des britischen Empire einnehmen. Darauf durchschnitt der Gouverneur die Bänder am Eingangstor mit einer eigens zu diesem Zwecke angefertigten Schere, die die Aufschrift „Hahndorf 1936" trug, und die ihm vom Vorsitzenden des Jahrhundertfeier-Ausschusses der Stadt Hahndorf, Herrn C. G. E. N i t s ch k e , übergeben wurde.
Am folgenden Tage wurde, nachdem Ansprachen von einer Reihe evangelisch-lutherischer Pastoren gehalten und die in ganz Australien bekannte Lieder-
Veranstalter geht dahin, die Stücke, die sonst unter vielen anderen ständig ausgestellt sind, aus ihrem musealen Rahmen zu befreien und sie — mit anderen weniger bekannten Werken aus Museumsund Privatbesitz — zu einzelnen Themen zusammenzustellen, wie solche als „Das Bildnis in der Plastik", „Das Ereignisbild" und „Das Stilleben" vorausgegangen sind, lieber den Wert solcher Sonderausstellungen ist kein Wort zu verlieren; der großartige Erfolg der „Großen Deutschen in Bildnissen ihrer Zeit" bewies wiederum, welche überraschende Werbekraft von diesen Veranstaltungen ausstrahlt. Sie sind das einfachste und natürlichste Mittel, den starren Museumsbesitz zu bewegen und ihn nutzbar zu machen, damit Volksschichten, die dem Museum entfremdet waren, zurückgewonnen, damit andere, die das Museum usher nicht kannten, ihm zugeführt werden.
Das Gebiet des Sittenbildes ist beinahe unübersehbar weit: es umfaßt alle Darstellungen des alltäglichen Lebens, es schließt die Welt des Soldaten ebenso in sich wie die des Handwerkers, Künstlers, Bürgers; es enthält die wechselnden Formen des Gemeinschaftslebens, Spaziergang, Theater, Zirkus, Tanz und Musik. In solche Unterabteilungen gliedert sich zweckmäßig auch diese Ausstellung. Da sie Bilder von Dürers Zeit bis möglichst zur Gegenwart in sich vereinigt, stellt sie ein überraschend aufschlußreiches, buntes und spannendes Bilderbuch der deutschen Kultur da. Da sie nur etwa 150 Werke vorführt, ermüdet ihre Besichtigung nicht; die mannigfaltigsten Eindrücke behaupten sich nebeneinander und werden noch lange in der Erinnerung haften.
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Oer Traum der Bäuerin.
Durch den Traum einer Bäuerin im Dorfe Za- kaki auf Cypern wurde eine vergrabene Kirche mit Denkmälern aus byzantinischer Zeit entdeckt. Nacht für Nacht träumte die Frau, daß ihr befohlen würde, an einem bestimmten Ort nachzugraben, an dem sie eine alle Kirche auffinden würbe. Sie erzählte ihren Traum ihrem Manne und drängte ihn so lange, sich um die Ausgrabung zu kümmern, bis schließlich die archäologischen Beamten sich entschlossen, Ausgrabungen vorzunehmen. Schon am ersten Tage, als die Grabungen an dem von der Frau bezeichneten Ort begannen, wurde ein Teil einer alten Kirche aufgedeckt. Die weiteren Ausgrabungen haben jetzt die ganze Kirche ans Tageslicht gebracht, bei der zwei byzantinische Denkmäler, die Skelette enthielten, aufgefunden wurden.
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durchschwimmen, werden dem Leser gedeutet. Prof. Frisch erzählt uns viele andere Probleme voller Seltsamkeiten. Fortpflanzung, Entwicklung und Vererbung, und die vielumstrittenen Fragen der Abstammungslehre erfahren eine klare und verständliche Darstellung, der Zauber des Buches ist, daß der Wissenschaft die Schwere genommen wurde, die dem Laien die Freude an der Biologie bei aller Begeisterung oft genug verdirbt, und trotzdem bleiben wir niemals an der Oberfläche. Wir sehen die Geheimnisse des Lebens so klar, wie wir die Geheimnisse des Meeres durch die Glasscheiben des Aquariums betrachten können, während sie vor- her in einer uns unergründlichen Teste verborgen waren. Dr. G.
— P. C. Ettighoffer: Moskau — Corn- p t 6 g n e — Versailles, Erlebnisse eines deutschen Nachrichtenoffiziers mit 33 dokumentarischen Photos. Preis geb. 4,40 Mark. Verlag C. Bertelsmann, Gütersloh. — (588) — Mit diesem Tagebuch ist ein düsteres Kapitel der Weltgeschichte auf- geschlagen. Es ist ein Blick hinter die jämmerlichen Kulissen jener Waffenstillstands- und „Friedens"- komödien, der nur wenigen vergönnt war! Dieser Offizier traf die russische Waffenstillstandskommission im Schneefeld bet Hinzenberg, erlebte in Moskau die Ermordung des deutschen Gesandten, Grafen Mirbach. Er fuhr bei Trelon mit der weißen Fahne, vom Feind beschossen, mit übers Nie- mandsland; wurde zum düsteren Wald von Com- viegne gebracht, wo in jenem berühmt gewordenen V-Zugwagen des Marschall Foch Erzberger unterschreiben sollte; er war in Versailles im Hotel des Reservoirs unter Bewachung hinter Gitter; arbeitete dann mit der „Wako" in Spa, dem ehemaligen Großen Hauptquartier. Ein erschütterndes Dokument gerade durch viele aufschlußreiche Einzelzüge und persönliche Eindrücke.
— Theodor Bohner: Der ehrbare Kaufmann. Ein I ah rhund er t in Deutsch- lands Kontor en und Fabriken. Mit Die»
Ueberraschung bieten.
— Hans Helfritz : I m Urwald von M a l a y a. Preis in Leinen gebunden 4 Mark. Deutsche Verlags-Gesellschaft, Berlin SW. — (471) — Das Buch gibt in Bild und Text starke Ein- drücke von dem heute noch nicht völlig erschlossenen Lande Malaya, dem unter britischer Herrschaft stehenden südlichsten Zipfel Hinterindiens. Der Hauptteil ist Urwald, aber am äußersten Ziviel, dem holländischen Sumatra gegenüber, liegt Sin- gapore, Englands Schlüssel zur ostasiatischen Welt. Seine Gründung wird in diesem Buche erzählt. Helfritz hat aber auch die chinesischen Siedlungen besucht, die im Urwald bereits die malaische Urbevölkerung zurückzudrängen beginnen. Eine Menge interessanter Bilder veranschaulichen Landschaft, Leben und Treiben der Urbewohner und Einwanderer dieses seltsamen Landes. e-
— Jacob Sann: Das Mädchen Lv und die Vögel. Volker-Verlag, Köln. — (38fä — Preis gebunden 3,80 Mark. Jacob Sann ist ein norwegischer Landschaftsmaler, d-r in der Natur die verschiedenen Dogellaute unterscheiden lernte und ihre Lieder in Noten aufzeichnete. Aus dem Studium der Vögel erwuchs dieses Buch. Das Mädchen Liv, das hoch im Norden auf dem Leuchtturm lebt, hat ein Rotkehlchen einen Winter hindurch zum Gefährten. Ein Buchfink läßt sich auf einem Frachtdampfer nach Norden treiben. Aus den Erzählungen beider Vögel lernen wir ihr wechsel- volles Schicksal während des Winters kennen. Das Buch zeugt von einem unaemein feinsinnigen Verständnis für Natur und Tiere.
— Mirlache als. Eine Sammlung fröhlicher Mundartdichtunq. Gegeben von Dr. Ferdinand Werner. Erste Folge: Oberhessen und Nassau. Zweite verbesserte Auflage. 80 Seiten. Kart. 1,25 Mark Verlegt bei Emil Roth, Gießen. — (543) — Wir haben die erste Auflage des lustigen Büchleins seinerzeit ausführlich besprochen; zur zweiten bemerkt der Herausgeber, daß an Stelle eines auf seinen Wunsch ausgebooteten Fahrtgenossen" drei neue Gäste an Bord des fröhlichen Schiffchens ae» stiegen sind: E. Otto, Wiesbaden; R. Koch, Nidda; Anna Damm, Giffelberg; bei Frohwein, Fuchs, Rühle und Reuter konnte außerdem das ..Passagiergut" vermehrt werden. Die Sammlung, die von Anfang an keinen anderen Zweck verfolgte, als die Leute herzhaft zum Lachen zu bringen, wird auch in der vorliegenden Fassung ihren Weg machen und sowohl beim stillen Leser als auch in angeregtem Kreise verständnisvolle Heiterkeit, Freude an heimischer Mundart und bodenständigem Mutterwitz wecken.
— Kosmos-Taschenkalender für d i e Jugend 1 9 3 7/38. Seinen 1,50 Mark. Franckb- sche Verlagshandlung. Stuttgart. — (505) — So ist der Kosmos-Taschenkalender: praktisch, weil er
Jahrhundertfeier deutscher Ortschaften in Güdauflralien.
Don unserem ständigen v. Sk.-Äerichierstatter.
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,.Es kommt ein Schiff, geloben bis an den höchsten Bord", wiederum unter Leitung von Kapellmeister Bräuer, der sich um die Ausgestaltung der musikalischen Morgenfeiern sehr verdient gemacht hat. Die Veranstaltung war auch diesmal erfreulich gut besucht; es hat sich, wie Intendant Schultze- Griesheim zu Anfang betonte, in der Tat bereits eine kleine Sonntagsgemeinde gebildet, die andächtig lauschte und mit herzlichem Beifall dankte.
H. Thyriot.
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Staatlichen Museen in Berlin veranstalten eine Ausstellungssolge „Deutsche Kunst seit Dürer", in der die Kunstschau „Das Sittenbild" die vierte ihrer Art ist. Das Bestreben der
(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.)
Sidney, Ende November.
Während im November die offiziellen Jahrhundertfeier-Veranstaltungen des Staates Südaustralien ihren Höhepunkt erreichten, haben auch deutsche Siedlungen, deren Ursprung auf die ersten deutschen Einwanderer nach Südaustra- l i e n zurückgeht, es sich nicht nehmen lassen, das Andenken ihrer Vorfahren zu ehren.
Nachdem schon im Laufe des Jahres ein Denkmal zum Gedenken des Komponisten der südaustralischen Hymne „Song of Australia“, Carl Singer und ein zweites auf der Ruhestätte der ersten deutschen Ansiedler, dem alten Friedhof zu Klemzig, auf- gestellt waren, fanden im November große Veran-
Sockschulnachrichten.
Der Verein der Zellstoff- und Papierchemiker und -Ingenieure hat in seiner Hauptversammlung zu Bersin zum ersten Mal die Mitscherlich-Medaille vergeben. Diese Auszeichnung als Anerkennung für hervorragende wissenschaftliche Verdienste auf dem Gebiete der Forschung wurde dem Inhaber des Sehrstuhls für Papierfabrikatton an der Technischen Hochschule D a r m st a d t, Professor Dr.-Jng. Walter Brecht, verliehen.
Der Reichs- und Preußische Minister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung hat den ordentlichen Professor für Sozial- und Wirtschaftspolitik Dr. Emil Werke zum Direktor der neuen Abteilung für Handwerkswirtschaft und Handwerkspolitik an dem Institut für Wirtschaftswissenschaft der Uni- 1 oerfität Frankfurt ernannt.
werden. - --------- - -
Hochachtung, Euerer Exzellenz sehr ergebener
Frhr. von N e u r a t h."
Die Verlesung dieser Botschaft machte einen tiefen Eindruck auf alle Anwesenden. Herr Krawinkel übermittelte auch die Glückwünsche des Premier- ministers von Südaustralien.
Diele Glückwunschtelegramme und -schreiben waren eingelaufen, darunter vom Präsidenten des Bundes des Deutschtums in Australien und Neuseeland, Herrn Otto von Drehnen und dem Schriftleiter der deutsch-australischen Wochenschrift „Die Brücke", Herrn A. von S k e r ft.
In der Stadt Tanunda, die vor dem Kriege das „kleine Berlin" von Südaustralien genannt wurde, und die auch heute noch von einer überwiegend deutschstämmigen Bevölkerung bewohnt wird, fanden die Jahrhundertfeier-Veranstaltungen ihren Abschluß durch einen Festumzug, an dem sich etwa 500 Personen in lustigem Mummenschanz beteiligten. Die Zahl der Zuschauer in den festlich geschmückten Straßen des malerisch gelegenen, sauberen Städtchens wurde auf über 3000 geschätzt. Am Umzug nahmen alt und jung teil, sogar der 81- jährige Herr Oscar Basedow von Adelaide marschierte, als deutscher Student gekleidet, mit. Die Konkurrenz der Königinnen, die über 800 Pfund einbrachte, wurde von Frl. D. Schulz gewonnen. Sie wurde von Frl. S. S e p p e l t als „Königin der Blumen" gekrönt. Herr Fritz Homburg, Vorsitzender des Festausschusses und Seiter der berühmten Tanunda-Siedertafel, gab bekannt, daß die Einnahmen aus dem Festumzuge sich auf 1100 Pfund stellten, die zur Verschönerung der Stadt verwendet würden.
Eine solche Ausstellung kann nicht nur „große Meister" und „berühmte Namen" bringen; der Wert dieser Bilder liegt ja weniger in der darstellenden Kunst als in dem dargestellten Gegenstand. Dennoch begegnen wir auch den „Bekannten", den Malern, die die typischen Abbilder des täglich-bürgerlichen Sehens wurden: beinahe in allen Abteilungen erscheint Spitzweg, Chodowiecki ist der Sittenbildmaler des achtzehnten Jahrhunderts, Wilhelm L e i b l der Maler des Bauern- und Jägerlebens.
Geschichte bedeutet Entwicklung, Wandel und Wechsel der Erscheinungsformen. Welch ein Weg von dem Feldlager Kaiser Karls V. (1546) über Spitzwegs „Gähnenden Vorposten" (denn er bewacht trocknende Wäsche) bis zu den berühmten „Trommlern" Fritz von Uhdes aus dem Jahre 1883! Welche Entwicklung im „Berufsleben": Sie geht von der mittelalterlichen Baderstube über Spitzwegs „Poeten in der Dachstube" bis zum „Eisenwalzwerk" Menzels. In der luftigen Abteilung „Lotterleben" findet man Sukas Cranachs berühmten „Jungbrunnen und Rambergs „Spiel- Höllen"-Bilder. Sehr reich ist die „Geselligkeit" ausgestattet: Wolfgang Heimbach malt ein Festmahl des 17. Jahrhunderts, Chodowiecki eine Gesellschaft im Berliner Tiergarten, die „Fahrt zum Ball" von Friedrich Kraus bringt ein Beispiel des zeitgenössischen Genrebildes, Menzel ist der Maler des höfischen „Ballfoupers" von 1878.
Damit seien nur wenige Stichproben gegeben. Sie mögen von dem Umfang und der Reichhaltigkeit einer Ausstellung überzeugen, die, wie ihre Vorgängerinnen, den Berliner Museen neue ständige Freunde gewinnen wird. Gerhard Bohlmann.
Seiner Exzellenz, dem Premierminister von Sudaustralien, The Honourable Richard Layton Butler!
Euere Exzellenz! Die Deutsche Reichsregierung hat die Entwicklung des Staates Südaustralien zu seiner jetzigen Blüte mit Interesse verfolgt und mit Genugtuung gesehen, daß deutsche Einwanderer einen wesentlichen Anteil an dieser Entwicklung haben. Sie begrüßt die anläßlich des Jubiläums des Staates Südausttalien erfolgte Wiederherstellung von einigen alten deutschen Ortsnamen als ein Zeichen dafür, daß die Verdienste des deutschen Elements der Bevölkerung um die Wohlfahrt des Staates erneut ihre öffentliche Anerkennung finden. Im Namen der deutschen Reichsregierung habe ich die Ehre, Euerer Exzellenz zu der Jahrhundertfeier des Staates Südaustralien die aufrichtigsten Glückwünsche auszusprechen, und darf der Hoffnung Ausdruck geben, daß auch künftig die Beziehungen zwischen dem Deutschen Reich und diesem Teil des .Australischen Bundes, mit dem es sich durch seine zahlreiche deutschstämmige Bevölkerung besonders verbunden fühlt, immer die freundlichsten bleiben
täfel von Tanunda der Gelegenheit entsprechende Gesänge vorgetragen hatte, vom Vorsitzenden des Deutsch-Australischen Jahrhundertfeier-Ausschusses, Herrn H. K r a w i n k e l, auf Wunsch des Premierministers von Südaustralien, Hon. R. 8. Butler, die folgende Botschaft des Reichsaußenministers, Frhr. v. N e u r a t h , in deutscher und englischer Sprache verlesen:
„Berlin, den 22. Ium 1936.
Gießener Gtadttheater.
VIL Morgenveranstaltung:
Kantaten und Chöre zur Weihnacht.
Die gestrige siebente Mvrgenveranstaltung im Theater war wiederum, dem Charakter des letzten Adventssonntags entsprechend, überwiegend dem Dortrage alter W^ihnachtsmusik gewidmet. Zu Beginn der Programmfolge stellte sich unter Leitung von Kapellmeister Ernst Bräuer der neugebildete Chor des Stadttheaters zum ersten Male mit einer selbständigen Gesangsleistung (außerhalb einer Aufführung) vor. Der Chor, der einen erfreulich geschlossenen Klangkörper darstellt und sich durch einen profunden Baß auszeichnet, brachte zunächst drei alte Chorsätze: „Nun komm, der Heiden Heiland" von L. Osiander (1586), dann das jubelnde „Quem pastores laudavere“ (Den die Hirten lobten sehre) von M. Praetorius, um 1600, und die wunderschöne, alte und vertraute Weihnachtsweise „Dom Himmel hoch, da komm ich her", im Satz von I. Crüger, um 1620, und Johann Sebastian Bach. Wir hörten darauf zwei Zwiegesänge mit Begleitung von drei Streichern, „0 Jesulein zart" (anonym, 1623) und „Steffel, du Schlafhaubn", em österreichisches Hirtenlied aus dem 18. Jahrhundert, nach Sätzen von Walter Hensel: zwei entzückende, ganz volkstümlich schlichte Gesänge, vorge- traqen von Hilde I a ch n o w (Alt) und Ilse L a s - kus (Sopran), die sich im zarten Zusammenklang der respondierenden Stimmen ausgezeichnet ergänzten Als Streicher wirkten, feinsinnig begleitend, Franz K e r z i s n i k (1. Violine), Karl J o ft (2. Violine) und Ernst Schneider (Violincello). Diese beiden Stücke bildeten, für unser Empfinden, einen reinen Höhepunkt im Weihnachtsprogramm der Morgenfeier. Die musikalische Folge wurde dann durch eine Rezitation unterbrochen; Inge B i r k m a n n las fein, behutsam und ausdrucksvoll die Erzählung „Herodesspiel" des siebenbürgischen Dichters Erwin Wittstock: die beschauliche und humorvolle Schilderung einer volksdeutschen Weih- nachtsfeier auf dem Dorfe. Hierauf folgten roieberum zw°i alte Chorsätze, und zwar „Es ist em Ros entsprungen", wohl die schönste und innigste deutsch" Weihnachtsmusik, und das zart bewegte „In du'ci jubilo“, in Sätzen von M. Praetorius und von H. L. Hasler, um 1590. Dann härten wir die große Weihnachtskantate „Willkommen, süßer Brau- tigern" des Danziger Organisten Vincent Lübeck, für zwei Solostimmen, drei Streicher und Continuo. Den Schluß bildete ein alter Straßburger Chor- satz aus dem 15. Jahrhundert von Kurt Thomas,
— Das Mainschiff. Hessen-Nassauisches Dichterjahrbuch 1937. Preis 2,50 Mark. Verlag Moritz Diesterweg, Frankfurt a. M. — (594) — „Das Mainschiff" ist herausgegeben vom Landesleiter der Reichsschrifttumskammer und Gauschrift- tummart Hessen-Nassau und als erstes Jahrbuch hessen-nassauischer Dichter im neuen Deutschland dem Gauleiter Jakob Sprenger gewidmet. Etwa 50 Dichter unseres Gaues sind mit kennzeichnenden Proben ihres Schaffens darin vertreten. Neben berühmten alteren Namen findet man manches vielversprechende junge Talent; mit Freuden wird der Leser den Reichtum dichterischen Schaffens in unserem Gau erkennen. — Von den Mitarbeitern seien genannt: Willy Arndt, Friedrich Bethge, Helene Christaller, Werner Deubel, Otto Doderer, Kasimir Edschmid, Dorothea Hollatz, Wilhelm Müller- Scheld, Alfons Paquet, Meta Schneider-Weckerling, Nikolaus Schwarzkopf und Heinrich Philipp Tempel.
— Prof. Dr. K. von Frisch: Du und das Leben. Eine moderne Biologie für jedermann. Mit 212 Textzeichnungen und 4 vierfarb. Tafeln. Preis Ganzl. 6,80 RM. Verlag Ullstein, Berlin. — (592) — Der Mensch als Lebewesen steht heute mehr denn je im Mittelpunkt der wissenschaftlichen Forschung. Allein schon die Vererbungslehre macht uns die Bedeutung klar, die für uns die Lehre vom Leben, die Biologie, hat. Um aber etwas tiefer ein« zudrmgen, muß man all die vielfältigen und wunderbaren Erscheinungen betrachten, welche die Tiere und Pflanzen um uns zeigen. Das ist dos Wunder der Entwicklung, das uns jede brütende Henne offenbart. Da find die großen Geheimnisse des Bienenstaates ... Tausende von Rätseln sind es, die immer wieder dem denkenden Menschen aufgegeben werden. Professor von Frisch, Direktor des Münchener Zoologischen Institutes berichtet vom Leben, Sterben und der Unsterblichkeit, von den großartigen ßeiftunaen der Organe. Die Rätsel des Vogelzuges, die Wanderungen der Aale, die ein Drittel des Erdumfanges während ihres Lebens zweimal
— (504) — Theodor Bohner ist bereits 1919 nut einem Erinnerungsbuch von seiner reichsdeutscherA Kindheit in Afrika heroorgetreten. Zehn Jahre spd- ter erst folgten vier Bücher über Kamerun, wo -Bohners Vater Missionar war. Das Buch „Die Woer- manns" gibt eine Geschichte des größten deutschen Afrika-Handelshauses, ein weiteres behandelt das Leben Gustav Nachtigals, des großen deutschen Forschers und Reisenden. Sein neues Buch will den vielerlei Namen, die uns aus dem täglichen Wirtschaftsleben entgegentreten, einen Sinn geben. Wir sollen erfahren, was hinter den Namen an täglicher Arbeit und ausschauender Ueberlegung steckt. Auch die Hausfrau, durch deren Hände der größte Teil der Wirtschaftsgüter geht, soll die Leistungen verstehen lernen, die sich heute hinter ost nichtssagenden Namen für sie verbergen. Aus der Geschichte der deutschen Wirtschaft lernen wir anhand der fesselnden Darstellung Bohners die Größe deutschen Unternehmertums und die gewaltigen Erfolge eines Kirtorf, eines Thyssen, eines Krupp und vieler anderer kennen. Das Werk, das uns die einfachsten Dinge des täglichen Bedarfs höchst lebendig macht, ist ungemein spannend geschrieben und wird auch den in der Wirtschaft Stehenden manche


