Ausgabe 
21.11.1936
 
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Nr. 273 Drittes Blatt

Samstag, 2i. November 1936

Giehener Anzeiger (General-Anzetger für Oberheffen-

Hausbriefkästen

Dreimal am Tage wandern unsere Briefträger durch die Straßen, um die Post zuzustellen. Schwer beladen mit den Brief-, Zeitungs- und Päckchen­taschen ziehen sie ihres Weges. Vielfach haben sie rechts und links an den Taschen noch kleine Pakete und Päckchen hängen, die sie auf andere Weise nicht verstauen können. Es ist eine schwere Last, die sie vom Postamt aus zu tragen haben und die zum Teil über eine weite Strecke ihres Bestell­weges mitzuführen ist. Mit dieser Belastung müssen sie in den meisten Fällen zwei bis drei Treppen hoch steigen, um dort an der einzelnen Wohnung schließlich nur immer ein kleines Stück ihre Trag­last loszuwerden. Morgens, mittags und nach­mittags ist diese beschwerliche Wanderung zu voll­bringen. Am Mittag und am Nachmittag mag die Last zwar leichter sein als am Morgen, dafür ist aber ihr Träger von der großen Anstrengung des Frühbestellganges schon erheblich ermüdet.

Jeder von uns hat diese Postboten schon irgend­wann mit ihrer umfangreichen Last von Haus zu Haus, treppauf und treppab schreiten sehen. Keinem wird es wohl entgangen sein, daß diese Männer am Ende ihres Bestellganges, besonders am Nachmit­tag bei der dritten Tour, erheblich mitgenommen waren von den Strapazen, die mit ihrem schweren Beruf verbunden sind. Das brauchte zu einem großen Teile nicht s o zu sein. Die Post kann da natürlich ebensowenig Abhilfe schaffen, wie der Briefträger selbst. Ihm helfen und ihm die Arbeit erleichtern kann nur der einzelne Volksgenosse, oder die Gemeinschaft eines Hauses.

Die Erleichterung des schweren Dienstes der Briefträger durch Hausbriefkästen ist zu einem Teile schon zu verzeichnen. Jedoch ist der weitaus größere Teil der Volksgenossen die Erfüllung die­ser Aufgabe bisher noch schuldig geblieben. Und dabei wäre es fast durchweg eine Kleinigkeit, den schwer bepackten Briefträgern die Last nicht nur leichter zu machen, sondern ihnen auch den Weg zu verkürzen. Es ist doch nicht notwendig, daß diese Männer zwei oder drei Treppen hoch steigen müssen, nur um an einer Wohnungstür einen Brief, oder eine Drucksache abzugeben, dabei aber ihre schwere Last unter erheblichem Kräftever­brauch mit hinaufzutragen und wieder herunterzu­schleppen.

Es wäre doch viel vernünftiger, zweckmäßiger und aüch kameradschaftlicher gehandelt, wenn in allen Häusern Hausbriefkästen angebracht würden, die sich im Parterre unmittelbar beim Hauseingang befinden müßten. Der Briefträger könnte mit einem einzigen kurzen Gang in das Haus dort feine ganze Poft für die Hausbewohner loswerden. Er würde bei der Vielzahl seiner Bestelloerpflichtungen er­heblich weniger von seinen körperlichen Kräften verbrauchen, aber auch mit seinem Bestelldienst schneller zu Ende kommen und dann vielleicht noch

für andere Aufgaben zur Verfügung stehen können.

Gewiß wird man nicht in allen Häusern Haus­briefkästen in so guter, baulich vielfach auch schöner Art schaffen können, wie man sie heute fast in allen Neubauten antreffen kann. Aber unmöglich ist diese Aufgabe auch in alten Häusern nicht, wenn man es nur praktisch anzufangen versteht und den guten Willen zur helfenden Tat besitzt. Da findet sich be­stimmt eine günstige Wandfläche im Parterre, an der in Form eines größeren Holzkastens, der für die Mietparteien des Hauses unterteilt ist, ein G e- meinschaftsbriefkasten angebracht werden kann, oder es besteht zum mindesten für jeden Hauseinwohner die Möglichkeit, seinen eigenen Metall- oder Holzbriefkasten in der Nähe der Haus­tür für sich allein anzuhängen. Im Laufe des Vor­mittags wird von allen Familien bestimmt mehr­mals ein Glied den Hauseingang passieren. Da wäre es doch nur eine Kleinigkeit, auf einem dieser Wege den Briefkastenschlüssel mitzunehmen und den Kasten zu leeren. Wenn bei dieser Einrichtung zweckmäßig verfahren wird, dürfte es auch nicht unmöglich sein, eine ausreichende Gelegenheit zum Einwurf kleiner Päckchen in den Briefkasten zu schaffen. Eine solche Ablegestelle für Postsachen könnte natürlich auch der jetzt noch vielfach auf anstrengendes Treppensteigen angewiesenen Zei­tungsträgerin eine Erleichterung ihrer Arbeit be­reiten.

Gerade in einer Stadt wie Gießen, in der es noch viele ältere Häuser ohne die bei Neubauten heutzutage üblichen Gemeinschaftsbriefkästen am Hauseingang gibt, ist es besonders dringlich, daß die Hausgemeinschaft oder der einzelne Volksge­nosse, auch unter Einsatz eines gewissen Opfers, sich bemühen, durch eine derartige Einrichtung im Parterre schwer arbeitenden Volksgenossen eine Er­leichterung ihres Berufes zu verschaffen. In den meisten Fällen wird die ganze Sache, soweit es sich um die anderweitige Befestigung der jetzt schon vorhandenen Briefkästen handelt, mit einigen Nä­geln und mit wenigen Hammerschlägen getan sein. Falls sich aber eine Hausgemeinschaft auf die An­bringung des vorerwähnten Gemeinschaftsbriefka­stens einigt, so dürften auch hierbei die Unkosten nur verhältnismäßig bescheiden sein und jedenfalls keinen Grund darstellen, eine gute Sache deswegen scheitern zu lassen.

Sicherlich sind in allen Häusern der schwer be­packte Briefträger und die Zeitungsfrau wegen ihrer anstrengenden Arbeit gelegentlich schon be­dauert worden. Lassen wir alle es nicht bei einem solchen Bedauern bewenden, sondern seien wir be­reit, ihnen dadurch zu helfen, daß wir in allen Häusern am Hauseingang Hausbrief- kästen anbringen, wie sie in zahlreichen Neubau­ten und auch in den Großstädten zur Zufriedenheit beider Teile schon längst bestehen! B

Aus der Provinzialhauptstadt

Totengedenken.

Getrenntes Leben, wer Bereinigts wieder? Vernichtetes, wer stellt es her?" Der Geist!

Goethe.

Am Totensonntag gedenken wir derer, die für immer von uns gegangen find. Wunden des Schmer­zes, die die Zeit heilsam vernarben lassen wollte, werden an diesem Tage wieder aufgerissen. Sollen wir uns dieses Schmerzes schämen? Haben wir nicht ein Recht auf den Schmerz? Wer dürfte uns dieses Recht absprechen, im Schmerze der Toten zu ge­denken?

Mag sein, daß das vorwärtsstürmende Leben sagen muß: Kein Mensch ist unersetzlich! Mag sein, daß dies für den harten Alltag Geltung hat, ob­wohl wir wissen, daß sich auch am Werktag eine Lücke oft nur allzu notdürftig schließt. Die Lücke .ober, die der Tod in unferm Herzen gerissen hat, schließt sich nimmer! Die Liebe weiß nur zu gut, Saß der Heimgegangene für uns unersetzlich ist.

Auch der Schmerz will feinen Ausdruck haben. Und der Mann, vom Schmerze überwältigt, Braucht sich seiner Tränen nicht zu schämen!

Denn was ist der Schmerz in seinem tiefsten Gründe? Und was ist die Trauer? Wohnen nicht Trauer und Treue dicht beieinander?

Echte Trauer ist Treue! Echte Trauer ist die Treue, die wir unfern Toten halten, die wir unfern Toten halten müssen! Uns allen gilt der Ruf Theodor KörnersVergiß die treuen Toten nicht!"

So wächst aus dem Schmerz und aus der Trauer Sie Pflicht zur Treue gegen den Dahingeschiedenen. Was für eine Liebe wäre das, die am Grabe Halt­machen wollte?

Allen Toten schulden wir die Treue über das Grab hinaus, denn ihnen allen sind wir verpflich­tet. Diese Verpflichtung wird durch den Tod nicht aufgehoben. Spüren wir nicht immer wieder beim Abschied eines geliebten Toten:als wär's ein Stück von mir?"

Was sind wir aus uns selbst? Was wären wir ohne die Sippe? Gustav Kossinna hat es einmal so ausgesprochen:Nichts wären wir von dem, was wir sind, hätten wir nicht die große Erbschaft von unseren Urvätern zu eigen!"

Diesen Urvätern, diesen Ahnen haben wir die Treue zu halten, denn sie gaben uns das, was in uns ist. Aber verdanken wir nicht auch das, was darüber hinaus von außen zu uns kam, denen, die uns liebten denen, die uns Freunde waren? Wie vieles an uns ist von ihnen! Auch diesen Toten schulden wir Treue.

Was aber wäre Treue ohne die Tat? Sie wäre leerer Wortschwall! Nein, nicht mit Worten, so schön sie auch klingen mögen, können wir Treue halten. Wir können nur Treue halten, indem wir uns der Aufgabe bewußt werden, die unsere Toten, die unsere Gestorbenen uns hinterließen. Es ist die Aufgabe zu leben!

Ergreifend hat es der am Skagerrak gefallene Dichter Gorch Fock ausgesprochen:Die Gestor­benen, die im Leben mein gewesen sind, muß ich ersetzen, fortan muß ich für sie mitleben!"

Und so erfahren wir: wohl darf uns niemand den Schmerz wehren, den wir an den Gräbern unserer Toten empfinden! Wohl darf niemand über unsere Tränen lächeln! Aber Schmerz und Tränen sind noch kein Totengedenken! Aus unserer Trauer muß die Treue der Tat erstehen! Das aber heißt: W i r müssen jetzt für die Toten mit­te b e n!

Wir müssen im Geiste bei ihnen sein. Wir müs­sen aus ihrem und in ihrem Geiste leben und wir­ken und kämpfen!

Leben und kämpfen wir so für und mit unseren Toten, so wird, wie Goethe sagt, getrenntes Leben vereinigt und vernichtetes wieder hergestellt.

Und so wird unser Totengedenken ein heiliges Totengedenken fein!

Dornoiiren.

Tageskalender für Samstag.

NSDAP., Amt für Beamte, Kreis Wetterau: 20 Uhr Gemeinschaftsabend im Cafe Leib für die Kreisabschnitte Gießen, Allendorf a. d. Lda, Grün­berg, Hungen und Lollar. Stadttheater: 20 bis 22.45 UhrEin idealer Gatte" (geschlossene Vor­stellung der NSG.Kraft durch Freude"). Glo-

ria-Palast, Seltersweg:Du bist mein Glück". Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Fiaker-Lied" Deutsche Glaubensbewegung, Ortsring Gießen, 20.15 Uhr im Burghof (Ebel) Vortrags-Abend, Stu­dienrat K W. Schollmayer spricht überJüdisch- christliche oder deutsche Erziehung". Mtv.: 20 30 Uhr: Familienabend im RestaurantZum Andres". Oberhessischer Kunstverein, Turmhaus am Brand: 17 bis 18 Uhr Ausstellung von Oelgemälden. Aqua­rellen und Tempera

Tageskalender für Sonntag

Stadttheater: 19 bis 21.30 UhrDer Bogen des Odysseus". Gloria-Palast, Seltersweg:Du bist mein Glück". Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: Fiaker-Lied". Musikalische Abendfeier 17 Uhr in der Johanneskirche. Luther-Gemeinde, Beginn der Biblischen Woche 20 Uhr in der Kapelle des Alten Friedhofs. Oberheffifcher Kunstverein, Turmhaus am Brand: 11 bis 13 Uhr Ausstellung von Oelgemälden, Aquarellen und Tempera.

Sladttheater Gießen.

Heute abend findet eine geschloffene Vorstellung für NSG.Kraft durch Freude" statt. Es geht der große ErfolgEin idealer Gatte", Schauspiel von Oskar Wilde, in Szene. Die Spielleitung führt Wolfgang Kühne. Es findet kein freier Kartenver­kauf statt. Anfang 20 Uhr, Ende 22.45 Uhr.

Am Sonntag, 22. November, findet die zweite Wiederholung des SchauspielsDer Bogen des Odysseus" von Gerhart Hauptmann statt. Die Spiel­leitung führt der Intendant. Anfang 19 Uhr, Ende 21.30 Uhr. Außer Miete. Montag', 23. Noo., Anfang 20.15 Uhr, Ende 23 Uhr, Einmaliges Gast­spiel der weltberühmten italienischen ClownsDrei Zachinis" mit acht Nummern des internationalen Groß-Variete. Dienstag, 24. Nov., Anfang 20 Uhr, Ende 22.45 Uhr. Zum letzten MaleEin ide­aler Gatte", Schauspiel von Oscar Wilde. Spiellei­tung Wolfgang Kühne. Dienstag-Miete. 10. Vor­stellung. Mittwoch, 25. Nov., Anfang 19.30 Uhr, Ende 22.30 UhrDer Zarewitsch", Operette von Franz Lehär. Musikalische Leitung: Hans H. Ham­pel: Spielleitung: Paul W r e d e. Mittwoch-Miete. 10. Vorstellung. Freitag, 27. Noo., Anfang 20 Uhr, Ende 22 Uhr. ErstaufführungJngeborg"; Komödie von Curt Götz. Spielleitung: Wolfgang Kühne. Freitag-Miete. 11. Vorstellung. Samstag, 28. No­vember, Anfang 20 Uhr, Ende 23,15 Uhr, Theater- nng der NS.-Kulturgemeinde, 4. Vorstellung. Zum letztenmalFigaros Hochzeit", Oper von W. A. Mozart. Musikalische Leitung: Paul Walter. Spielleitung: Paul Wrede. Freier Kartenverkauf an der Abendkasse. Sonntag, 29. November, Anfang 15 Uhr, Ende 17.30 Uhr, zum erstenmal Prinzefsin Allerliebst" oderDer wundersame

Günther Ramin.

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Der hervorragende Orgelmeister Günther Ramin, Organist der Thomaskirche zu Leipzig, gibt am Montag ein Konzert in der Stadtkirche.

Regenschirm", Märchenspiel von Friedrich Forster. Spielleitung: Karl V o l ck. Musikalische Leitung: Ernst Bräuer. Außer Miete. Anfang 19 Uhr, Ende 22 Uhr:Der Zarewitsch", Operette von Franz Lehär. Musikalische Leitung: Hans H. Ham­pel. Spielleitung: Paul Wrede. Außer Miete.

Groh-Variete-Gastspiel im Sladttheater.

Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Die Intendanz hat für kommenden Montag die drei weltberühmten italienischen ClownsDie drei Zachinis" zu einem Gastspiel in das Stadttheater verpflichtet. Sie find der Schlager der vielgestaltigen und abwechslungsreichen Vortragsfolge. Drei Bur­schen von unendlichem Humor, nicht allein grotesk in der Maske, sondern auch in der Absonderlichkeit ihrer Einfälle. Drei Komiker als lachende Philo­sophen, von einer tollen Ausgelassenheit und schier unerschöpflichen Fülle origineller Urwüchsigkeit, ge­hören diedrei Zachinis" zu den besten italienischen Clowns. Neben ihnen ein ausgezeichnetes Variete- Programm internationaler Artistik. U. a. ein Kunst­radfahrakt, dessen Fertigkeit zum Besten gehört, was Kunstradfahrer leisten können. Die beiden acht- bzw. zehnjährigen Wunderkinder Quintino und Diana Zachini, die jüngsten Musik- und Tanz­artisten, die mit verschiedensten Musikinstrumenten erstaunlich umzugehen wissen und entzückende Tanz­künstler sind. Ein glänzender Kraftakt der Brüder Harrissvn wechselt mit einem Perche-Gymnastik-Akt der zwei Nanzedils ab, tollkühne Kopfbalancen am schwebenden Trapez, die Willi Rogaly mit ver­blüffender Sicherheit ausführt. In der reichhaltigen Vortragsfolge außerdem die durch den Rundfunk bekannte Sängerin Erika Achtmeyer als angenehme Unterbrechung der artistischen Darbietungen. Eine ganz neue Nummer ist die Wurfnummer der vier Metropolis. Dieser Ueberblick der wichtigsten Num­mern des Programms zeigt deutlich die Vielseitig­keit des Abends. Jeder Freund artistischer Kunst und herzhaften Humors wird voll auf seine Kosten kommen. Diesem Umstand hat die Theaterleitung hinsichtlich der Preise in weitem Maße Rechnung getragen. Der Abend dauert von 20.15 bis 23 Uhr.

^Steinhäger f

Urquell 1

Wege im Nebel.

Vornan von Käthe Mehner

(Copyright by Auswärts-Verlag, Berlin SW 68.)

13. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Ich habe Skier!" rief er ihr sofort freudig ent­gegen.Ja, wirklich, man bekommt hier welche zu leihen! Wenn sich das Wetter einigermaßen auf­klärt, können wir nun doch noch miteinander lau­fen! Sieh nur, es wird schon heller!"

In der Tat ließ das heftige Schneegestöber lang­sam nach. Ein heller Schein am Himmel verriet, daß die Sonne bald durchbrechen würde.

So zögerten sie denn auch nicht mehr lange. Auch Skianzüge wurden im Hotel, das auf solche Fälle gut eingerichtet war, schnell aufgetrieben, und kurze Zeit später waren Gerhard und Janna schon auf dem Wege zum Berggipfel, von wo aus sie herrliche Abfahrt haben würden.

Noch hatten sie die Skier auf dem Rücken, wäh­rend ihnen beim Gehen die Füße bis fast zu den Knöcheln im tiefen Schnee versanken.

Jannas Wangen glühten. Wie schön, herrlich schön war dies Wandern im Schnee und in der stillen Vergeinsamkeit, dachte sie froh.

An einer hochgelegenen Stelle zwischen den vom Schnee weiß überstäubten Tannen machten sie halt, halfen sich gegenseitig beim Anschnallen der Skier. Ein paar prüfende Versuche, dann fuhren beide schon in sausender Fahrt dahin. Beide liebten sie nichts mehr als dieses Dahingleiten und Absprin­gen! Die Berge hinauf und hinunter ging es, bald in mühsamem Anstieg, bald in kühnem Absprung über die Abhänge und Schluchten! Dazu strahlte jetzt der fast wolkenlose Himmel! Was konnte es Schöneres geben?

Nur zu schnell vergingen die Stunden.

Ties stand die Sonne, als sie endlich, die Ski­bretter wieder auf dem Rücken, in einem stillen, aber in der Nähe der Straße gelegenen Gasthause ankamen.

Dort, an einem der massiven, mit einfachem

Tischtuch gedeckten Tisch in dem stillen, ungestör­ten Gastzimmer nahmen sie Platz. Schnell wurde der dampfende Kaffee gebracht. Der eiserne Ofen verbreitete behagliche Wärme, so daß die müden Skifahrer sich bald von neuem erfrischt fühlten.

Freilich, mit dem finkenden Abend kam auch wieder die Frage auf: was sollte nun morgen geschehen? Wann sollte Janna zurückfahren, um die Aussprache mit Ralf herbeizuführen, die die ersehnte Klarheit, die Lösung aller Konflikte brin­gen sollte?

Ach, Gerhard, du weißt ja nicht, wie mir immer wieder vor allem bangt! Wie ich mich fürchte vor Ralf..."

Wenn du dich vor Ralf fürchtest, so ist das ja um so mehr ein Grund, daß du dich von Ralf tren­nen mußt!" sagte Gerhard ernst.Jede wirkliche Freundschaft, und wieviel mehr noch eine Ehe, muß doch auf gegenseitigen^ Vertrauen aufgebaut sein, nicht aber auf Furcht und Zweifeln! Meinst du das nicht auch, Janna?"

Janna sah zustimmend zu ihm auf:

Ganz gewiß, Gerhard! Bei dir ist das ja auch alles so selbstverständlich! Aber bei Ralf... Ich weiß ja oft selber nicht, warum ich nie zu ihm so rechtes Vertrauen haben konnte! Er ist ja so wi­derspruchsvoll, heute so, morgen so. Man weiß nie recht, in welcher Laune man ihn findet. Und trotz­dem, das, was mir bisher mehr als alles andere die Hände gebunden hat, ist immer wieder nur das Gefühl der Dankbarkeit für all das, was er an uns getan hat, für uns noch tut! Muß er nicht Recht behalten, wenn er mir schwärzesten Undank vor­wirft, wenn ich mich von ihm trennen will...?"

Nein, Janna! Nein! Wenn Ralf Rammelt ein wirklich edler Mensch wäre, der euch die Hilfe aus guten Beweggründen hat angedeihen lassen-, so würde er es gerade dich niemals fühlen lassen, daß du ihm Dank schuldest! Verstehst du, wie ich es meine, Janna? Sag, wirst du stark sein können?"

Statt aller Antwort schlang sie ihre Arme um seinen Hals und küßte ihn heiß. Sie fühlte sich in diesem Augenblick so stark, so mutig, daß sie glaubte, allen Widerständen trotzen zu können.

Fest preßte Gerhard sie an sich, flüsterte dann innig, indem er sanft ihren blonden Kopf zu sich

emporhob:Glaub mir, es wird schon alles gut werden!"

Es wurde schon dunkel, als sie sich endlich, erholt und gestärkt durch den herrlichen Tag, auf den Rückweg zumTyüringer Hof" machten.

VIII.

An diesem Nachmittag aber hatte einer der Schnellzüge, die wie immer zum beginnenden Win­tersport eine Menge Menschen mit sich führten, auch Olga Willnoff nach Oberhof gebracht.

Soeben war sie in einem am Bahnhofsvorplatz wartenden Omnibus gestiegen, um sich zu den auf der Höhe gelegenen Hotels mitnehmen zu lasten.

Ohne Mühe bekam sie einen Fensterplatz, von dem aus sie die Straße gut übersehen konnte.

Langsam schraubte sich der schwere Wagen den in Serpentinen verlaufenden Weg hinauf. Jeder der Vorübergehenden war leicht und deutlich zu er­kennen.

In ihrer Erregung glaubte Olga mehr als ein­mal sogar Gerhard und Janna in einem der Paare zu sehen, die die Straße hinunterkamen. Beim Näherkommen erst stellte sich der Irrtum heraus.

Es hätte ja auch ein besonders günstiger Zufall fein müssen, wenn sie beide schon jetzt' getroffen hätte, gestand Olga sich ein. Vielleicht aber war es sogar das beste, wenn sie sie überhaupt noch gar nicht zu sehen bekam! Zu leicht wurde sie gleich­zeitig auch selber entdeckt! Und ihre eigene An­wesenheit jetzt schon verraten, hieß von vornherein alle Chancen aus der Hand geben, ehe der End­sieg sicher war! Das Wichtigste war, erst einmal abzuwarten und aus dem verborgenen Hinterhalt zu beobachten! Dann erst konnte sie ihre Pläne gestalten!

Schon eine knappe Viertelstunde später befand sie sich bereits in einem der eleganten Zimmer des Berghotels", das demThüringer Hof" unmittel­bar gegenüberlag.

Die Lage des Zimmers war in der Tat zum Be­obachten wie geschaffen. Solange die Vorhänge vor den Fenstern drüben auf der anderen Seite nicht zugezogen waren, konnte man sogar mühelos in einzelne der Fenster hineinblicken.

Doch ob Janna überhaupt nach vornheraus wohnte? Vielleicht war es das beste, zuerst einmal

Näheres zu erkunden, ehe sie sinnlos Zeit mit Warten vergeudete!

Nachdenklich trat Olga vom Fenster zurück, schlüpfte in den weiten Mantel, an dem sich der Kragen so gut hochschlagen ließ, daß die untere Ge­sichtshälfte fast völlig darin versank. Sie vermied auch die kleine Sportkappe, in der Janna sie allzu­schnell hätte erkennen können, sondern barg das verräterische, rotglänzende Haar unter einem breit­randigen Hut. Mit eiligen Schritten ging sie so­dann die Treppe hinunter, zuerst einmal eine kleine Erkundungstour zu machen.

Jedoch schon nach wenigen Minuten war sie zu­rück. Nein, es war unmöglich, einfach unmöglich, in der engen und fast einzigen Straße nicht er­kannt zu werden, wenn sie durch einen Zufall Ger­hard oder Janna begegnen sollte! Es blieb eben nichts anderes übrig, als zu warten, bis die Däm­merung hereingebrochen war.

Langsam, unendlich langsam verging Olga die Zeit, die sie teils lesend, teils immer wieder zum Fenster hinausblickend verbrachte.

Doch endlich begann es auch draußen immer dunkler und dunkler zu werden.

Von ihrem Beobachtungsposten aus sah Olga, roie, hier und dort hinter den Fenstern das Licht aufflammte und helle Lichtstreifen auf den Schnee lallen ließ, bis die zugezogenen Fenster sie wieder verdeckten.

Doch so sehr sie auch spähte, keines der Zimmer, in die sie hineinblicken konnte, wurde von Janna betreten, und Olga empfand ärgerlich die Tatsache, daß sie ohne Kenntnis der Lage von Jannas Zim­mer nichts würde anfangen können.

Inzwischen war es mit zunehmender Dunkelheit auf den Straßen eher lebhafter als stiller ge­worden.

Kleine Gesellschaften im Skidreß, die Bretter auf dem Rücken, kehrten in ihre Hotels zurück. Dann wieder sah man einige Nachzügler, einzelne Paare, die sich von den andern getrennt haben mochten.

Jetzt sogar kamen Damen und Herrn in Abend- kleidung den Weg von unten herauf. Zu ihrer Ver­wunderung sah Olga, daß alle im hellerleuchteten Eingang desThüringer Hofes" verschwanden.

Hastig erhob sie sich, drückte auf die Klingel.

(Fortsetzung folgt!)