Ausgabe 
21.11.1936
 
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lr.275 Erstes Blatt

186. Jahrgang

Somstög, 21. November M6

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Der Führer auf der Ordensburg Vogelsang.

Jubelnder Empfang in dem befreiten Grenzland. Triumphfahri durch die Eifel.

Burg Vogelsang, 20. Nov. (DNB.) Der Führer traf am Freitagvormittag gegen 10 Uhr auf der Ordensburg Vogelsang in der Eisel ein, um zum Höhepunkt und Abschluß der Tagung der 600 Gauamtsleiter aus allen Teilen des Reiches zu sprechen. In seiner Begleitung be­fanden sich Reichsstatthalter General Ritter von Epp, Brigadeführer Schaub, Adjutant Ober­führer Wiedemann und der stellvertretende Pressechef der Reichsregierung, Standartenführer Berndt.

Die Bevölkerung des Gaues Köln-Aachen berei­tete dem Führer auf seiner Fahrt durch das Rhein­land einen begeisterten Empfang. Alle Städte und Dörfer, bis herab zum kleinsten Flecken, waren mit Girlanden und den Freiheitsfahnen der Bewegung überreich geschmückt. Auf allen Bahn­höfen waren Volksgenossen und Schulkinder zur Stelle, um ihren Führer zu grüßen. Die Gebäude an der Bahnstrecke hatten ebenfalls reichen Flag- genschmuck angelegt. Tannengirlanden und Spruch­bänder, die den Führer im Grenzland willkommen hießen, zogen sich über die Straßen, an denen der Sonderzug des Führers vorbeifuhr.

Immer wieder (rat der Führer an das Fen­ster seines Wagens, um für die herzlichen Kundgebungen der Liebe und Verehrung zu danken. Die Arbeiter standen längs der Strecke vor ihren Betrieben, die Bahn- arbeiter neben den Schienen, die Bauern und Büdner vor ihren Gehöften, die Schulkinder mit Hakenkreuzfähnchen in den Händen an den Bahnübergängen. Sie alle jubelten und winkten ihrem Führer zu, als der Zug in langsamer Fahrt an ihnen vorüber­fuhr. 3m Braunkohlengebiet sah man die Bergarbeiter in ihrer Knappenfracht mit den Grubenlämpchen in der Hand. Die Vereine des R e i ch s k r i e g e r b u n d e s waren mit ihren Fahnen zur Stelle, vielfach sah man auch die Bauern in ihren Feier- tagstrachten, die sie an diesem Ehrentag des Grenzlandes angelegt hatten. So war der ganze Weg des Führers durch das Rheinland be­gleitet von einem unaufhörlichen, herzlich be­geisterten Jubel der Männer, Frauen und Kin­der, des ganzen Volkes der deutschen Westmark.

Auf dem Bahnhof Gemünd wurde der Führer von Reichsorganisationsleiter Dr. Ley, dem Stabs­chef der SA. Lutze, den Gauleitern Grohö und T e r b o v e n und dem Hauptdienststellenleiter Schmeer empfangen. Gemünd hatte ein präch­tiges Festkleid angelegt. Kein Haus ohne Grün und Fahnen, ohne Wimpelketten und Ginster- blumenbüfche, eine Ausschmückung, die um so über­zeugender von der Liebe und Begeisterung der Be­wohner spricht, wenn man berücksichtigt, daß es sich hier um das arme Eifelland handelt. Tosen­der Jubel begleitete den Führer auf dem gan­zen Wege. Es war eine wirkliche Triumph­fahrt.

Besichtigung der Burg.

Von weitem schon grüßte der stolze Bau der Ordensburg herüber, von dessen Zinnen das Hakenkreuzbanner wehte. Vor dem Wachthaus der Burg grüßte der Führer die dort angetretenen Gauleiter, Gauleiter-Stellvertreter und Haupt­amtsleiter der Reichsleitung und schritt dann, be­gleitet von Reichsorganisationsleiter Dr. Ley, die Front der 600 Gauamtsleiter ab, die in der Vorhalle der Burg angetreten waren. Auf dem Vorplatz der Burg mit dem herrlichen Blick auf den Urftfee und die bewaldeten Eifelhöhen war die Burgmannschaft angetreten, deren Front der Führer unter den Klängen des Präsentier­marsches abschritt. Dann befichttgte er unter Füh­rung des Reichsorganisationsleiters die Baulich­keiten. Der Rundgang führte durch alle bereits fertigqeftellten baulichen Anlagen. Die am Hang der Höhe gelagerten Unterkunftshäuser, die schlich­ten und zweckmäßigen Einrichtungen, tragen in der Bauform den gleichen herben Charakter der Landschaft, der an die alte deutsche Bauweise er­innert und in feiner monumentalen Linienführung und seiner erhabenen Würde symbolisch für die Zielsetzung dieser Ordensburgen ist.

3m Vottragssaal.

Während der Besichtigung der Ordensburg durch den Führer hatten die Gauämtsleiter im großen Vortragssaal der Ordensburg Platz genom­men, um hier den Führer zu erwarten. Der Dor- tragsfaal ist mit der gleichen Schlichtheit gestaltet, die das Kennzeichen der Ordensburg ist. Die dach­förmige Balkendecke, die Aufteilung der Wand­flächen, die breiten Fenster und lichten Farben der Verkleidung geben ihm einen feierlich-würdigen Eindruck. Hinter dem Podium mit der Rednerkanzel liegt, durch einen weinroten Vorhang begrenzt, die Kulthalle der Ordensburg, zu der ein Vor- raum führt, dessen Wände zwischen schräggestell­ten Fahnen der Bewegung die NamenHorst Wes­sel" undSchlageter" tragen. Die eigentliche Kult­halle liegt in dem 50 Meter hoben Turm der Ordensburg. Wie ein gewaltiger Dom streben die Wände empor. Der Vorhalle gegenüber steht eine überlebensgroße Plastik des deutschen Menschen,

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Auf unserem Bilde, das die prachtvolle Lage der Burg wiedergibt, sieht man den Reichsjugend­führer beim Abschreiten der Front auf dem Hofe der Burg. (Presse-Jllustration-Hoffmann-M.)

der sinnbildlich dasHier" für den letzten Appell der am 9. November 1923 als erfte Blutopfer der Bewegung vor der Feldherrnhalle in München Ge­mordeten spricht. Verdeckt angebrachte Lichtstrahler und wiederum schräg gestellte mächtige Freiheits­fahnen tauchen den Raum in eine wundervolle feierliche Stimmung.

Der Führer spricht.

Als der Führer die Halle betritt, empfängt ihn tosender Jubel der Gauamtsleiter, der kein Ende nehmen will und sich vervielfacht, als der Burghauptmann das Sieg-Heil auf den Führer ausbringt. Reichsorganisationsleiter Dr. Ley weist mit wenigen Worten auf Sinn und Zweck der Tagung der Gauamtsleiter hin. Es sei immer wie­der notwendig, daß die Partei ihre Führer aus allen Gauen zusammenhole, um einmal, aus dem Getriebe des Alltags herausgehoben, sich wieder ge­meinsam auf die Grundkräfte der Bewe­gung zu besinnen, neuen Glauben, neue Stärke und neuen Mut wieder mit hinaus zu neh­men. Unter stürmischem Beifall der Gauamtsleiter bestätigte Dr. Ley, daß auch diese zehn Tage reiche Früchte für die Teilnehmer getragen hätten, daß die alten Bindungen wieder neu und fester ge­knüpft worden seien. Dr. Ley dankte dem Führer dafür, daß er dieser Tagung durch fein Kommen ihren Höhepunkt gegeben habe:Wir müssen Sie unter uns haben! Das ist das Gewaltige und Große dieser Tagung, daß wir Sie hier auf dieser Burg, in diesem Saal allein für uns haben!" Minutenlang jubelten die Männer der alten Garde aus allen Gauen dem Führer zu.

Dann sprach der Führer zu den Gauamts­leitern. Er behandelte, wie NSK. meldet, in seiner Rede grundsätzliche Ideen unserer Tage und gab von der Schwelle des 3. Jahrtausends deutscher

Geschichte, in das der Nationalsozialismus das deutsche Volk heute führt, einen Abriß der deut­schen Geschichte der letzten beiden Jahrtausende. Die Worte des Führers wurden immer wieder von dem jubelnden Beifall seiner alten Mitkämpfer unter­brochen. Die allgemeine Begeisterung löste sich am Schluß der eineinhalbstündigen Rede in den spontan angestimmten Liedern der Nation.

Der Führer verweilte noch längere Zeit im Kreise der Gauamtsleiter, der Angehörigen des laufenden Jahrgangs der Ordensburg Vogelfang und feiner Gauleiter, die ebenso wie einige Reichsleiter an der Schlußveranstaltung teilnahmen. Der Führer trug sich in das Goldene Buch der Ordensburg Vogelsang ein und begab sich dann im Kraftwagen zum Bahnhof Gemünd. Die Zahl der Menschen, die sich in dem kleinen Städtchen zusammengefun­den hatte, um den Führer zu sehen und zu grüßen, hatte sich inzwischen noch erheblich vergrößert. Autobusse und Sonderzüge hatten viele Tausende aus dem westlichen Grenzland herangeführt, die noch nie den Führer gesehen hatten. An der fünf Kilometer langen Straße von Vogelsang bis Gemünd stauten sich ebenfalls viele Tausende, die trotz der schneidenden Kälte ausgehalten hatten. Im armen Eifelgebiet hat sich wie nirgends der Satz verwirk­licht, daß des Volkes ärmster Sohn auch sein ge­treuester war. Die Eifel war schon eine Hoch­burg des Nationalsozialismus, als in den großen Städten Millionen noch nichts von ihm wissen wollten. Durch seinen Besuch dankte nun der Führer den Männern und Frauen der Eifel für ihre jahrelange hin­gebungsvolle und opferbereite Treue, und die Be­völkerung des Eifellandes bekräftigte diese ihre Treue aufs neue durch die begeisterte und überaus herzliche Aufnahme, die sie dem Führer auf seiner ganzen Fahrt bereitete.

Wegbereiter des Friedens?

Französischer Frontkämpferführer spricht zu deutschen Kriegsopfern.

Hamburg, 20. Nov. (DNB.) Eine Kund­gebung der nationalsozialistischen Kriegsopferoer- forgung gewann besondere Bedeutung durch die Anwesenheit des Präsidenten der Union F&ferale des Associations framjaises danciens Combattants et de Victimes de la Guerre Professor Henri Pichot und des Reichskriegsopferführers Oberlindober.

Nach einer Ehrung der Toten des Weltkrieges und der nationalsozialistischen Revolution gab P i ch o t in deutscher Sprache einen Ueberblick über die Ver­sorgung der Kriegsopfer in Frankreich. Ihr habt den Krieg mitgemacht, erklärte er einleitend, und ich habe den Krieg mitgemacht. Wir haben gegeneinander Krieg geführt. Ihr seid harte Soldaten gewesen, und wir, eure Gegner, sind harte Soldaten gewesen. Dieser Krieg, der zehn Millionen Männer getötet hat, ist nicht der erste Krieg gewesen, in dem Deutsche und Franzosen gegenübertreten mußten. Wir fran­zösischen Kriegsteilnehmer wollen, daß er der letzte sei, und wir glauben, daß dies auch euer Wunsch und euer Wille ist. (Stürmischer Bei­fall.) Weil wir wissen, was Krieg bedeutet, und wie sein wahres Gesicht ist, verabscheuen wir ihn. Aber wir wissen ebenso genau, daß ein neuer europäischer Kriegsbrand den Zusammenbruch einer zivilisatorischen Arbeit von 15 Jahr­hunderten bedeuten würde. Diese beiden Gründe machen aus uns friedenswillige Männer. (Langan­haltender Beifall.) Unsere Vaterländer brauchen Frieden, und der Frieden zwischen Deutschland und Frankreich ist die Grundbedingung für den europäischen Frieden. (Erneute leb­hafte Zustimmung.) Der Krieg hat Ruinen gesät. Das

gegenseitige Verstehen, der gute Wille und der Geist der Gerechtigkeit müssen die Geister öffnen und d i e Atmosphäre des Friedenswillens vor­her e i t e n , die es den Regierungen erlauben wird, ohne Hintergedanken die schwierigsten Fragen in Angriff zu nehmen. Wir Frontkämpfer waren gleich in Der Pflicht des Krieges, wir bleiben gleich vor den Pflichten des Friedens. Aus der Erbitterung des Kampfes bleibt die gegenseitige Achtung übrig. Machen wir diese gegenseitige Achtung nutzbar für die Arbeit am Frieden zwischen Deutsch­land und Frankreich.

Reichskrieqsopfersührer Oberlindober führte dann u. a. aus: Wir suchen nicht das Trennende zwischen unseren Völkern, sondern das Gemeinsame und wir haben uns gefunden in der Erin­nerung an viereinhalb Jahre Krieg, in dem wir Frontsoldaten auf beiden Seiten unsere Pflicht getan haben. Wir Frontkämpfer haben den Willen zum Frieden der Ehre und der Gerechtig­keit! Wir Frontsoldaten des großen Krieges wollen in unsere immer noch harten Hände das Ban­ner der Verständigung und des guten Willens nehmen!

Aus Anlaß der Anerkennung der spanischen Re­gierung des Generals Franco durch die Reichs­regierung hat zwischen General Franco und dem Führer und Reichskanzler ein in herz­lichen Worten gehaltener Telegrammwechfel statt­gefunden.

Mare Verhältnisse.

Die deutsche Reichsregierung und das faschistische Italien haben die spanische National­regierung des Generals Franco in Burgos als tatsächliche und alleinige Inhaberin der politischen Macht in Spanien völkerrechtlich aner­kannt und die diplomatischen Beziehungen zu ihr aufgenommen. Nationalsozialismus und Faschismus haben aus ihren moralischen Sympathien für die nationale Bewegung in Spanien niemals ein Hehl gemacht, weil sie in ihr die Abwehrkräfte des spa­nischen Volkes gegen den Versuch einer Bolschewi- fierung des Landes sahen, von dessen Gelingen sie eine ungeheure Gefahr für den europäischen Frie­den befürchten muhten. Aber die völkerrechtliche Anerkennung geschah aus der ganz nüchternen Er­wägung, daß die Nationalregierung des Generals Franco das einzige Element der Ordnung darstellt und in dem weitaus größten Teil des Landes die tatsächliche Macht ausübt, während in Katalonien und den übrigen letzten Zufluchtsstätten der Bolsche­wiken von der Ausübung einer verantwortlichen Regierungsgewalt längst keine Rede mehr sein kann. Ueberall herrscht dort vielmehr ein nackter Kampf um die Macht unter den verschiedenen Gruppen der Marxisten, Kommunisten und An­archo-Syndikalisten untereinander, von denen keine der anderen die Führung gönnt und von denen jede einzelne in den noch von ihnen beherrschten Städ­ten, wie Barcelona, Valencia, Alicante und Ma­laga, durch ihre lokalen Terrorausschüsse in den radikalen Gewaltmitteln, mit denen sie alle ihre Blutherrschaft ausüben, die Konkurrenten zu über­trumpfen und aus dem Sattel zu heben suchen. Selbst den Krieg führt anscheinend jede Gruppe auf eigene Faust. Immer häufiger besagen die Meldungen von den verschiedenen Fronten, daß die roten Milizen mehr und mehr den internationalen Bataillonen, die sich aus Sowjetrussen und französischen Kom­munisten rekrutieren, den Kampf gegen die natio­nalen Truppen Francos überlassen,' weil sie an einen Sieg der bolschewistischen Sache nicht mehr zu glauben vermögen und nicht die Letzten sein wollen, die bei dem weiteren Vordringen der nationalen Truppen mit der Waffe in der Hand betroffen werden.

Nachdem Caballero und Azana mit ihren roten Minister"-Kollegen die Hauptstadt fluchtartig ver­lassen haben, um sich in Valencia und Barcelona im Schutz sowjetrussischer Waffen vorerst in Sicher­heit zu bringen, hätte es auch den verstocktesten Ge­mütern in Paris und London klar werden müssen, was man in Berlin und Rom seit langem wußte, daß nämlich der Sowjetbotschafter Moses Rosenberg und seine Emissäre die einzigen sind, die das schon verlorene Spiel nicht aufgeben wollen und mit allen Mitteln der Verzweiflung, gestützt auf die Zu­fuhren an Mannschaften, Waffen und Munition aus Frankreich und Sowjetrußland den Wider­stand organisieren und die bejammernswerte Be­völkerung in den von ihnen noch gehaltenen Ge­bieten durch eine beispiellose Schreckensherrschaft in Schach halten. Daß hier von einem Rest staatlicher Ordnung oder gar von einer sich verantwortlich fühlenden Regierung längst keine Rede mehr sein kann, hat ja Deutschland wieder und wieder wie eine Reihe anderer Mächte zu spüren bekommen. Weder für die Ermordung zahlreicher Reichsdeut­scher, noch für die Beschlagnahme eines reichsdeut­schen Zivilflugzeugs oder für die Plünderung des deutschen Eigentums, wie deutscher Schulen und Klubs, und das völkerrechtswidrige Verhalten roter Kriegsschiffe" gegenüber dem deutschen Dampfer Kamerun" vermochten die marxistischen Gewalt­haber Sühne zu leisten. Schließlich mußte die deutsche Botschaft mit ihrem Personal von Madrid nach Alicante in den Schutz der dort vor Anker liegenden deutschen Kriegsschiffe übersiedeln, weil man in Madrid sich außerstande sah, ihre Sicher­heit vor den tätlichen Uebergriffen des roten Mob zu gewährleisten. Alle Versuche, Leben und Besitz der ansässigen deutschen Staatsbürger zu sichern, scheiterten an der gänzlichen Machtlosigkeit der Be­hörden, die durch unverantwortliche Revolutions­ausschüsse und Volksemissäre längst aller Macht ent­kleidet waren.

Gegenüber diesen völlig verworrenen Zuständen galt es klare Verhältnisse zu schaffen. Wäh­rend in den von den Bolschewiken noch besetzt ge­haltenen Gebietsteilen eine verantwortliche Regie­rungsgewalt nicht mehr vorhanden ist und schran­kenlose Anarchie jeden Schutz ausländischer Staats­angehöriger und ausländischen Eigentums unmög­lich macht, hat es die nationale Regierung des Ge­nerals Franco verstanden, in dem von ihren Trup­pen besetzten Gebiet, und das ist heute schon der erheblich größere Teil Spaniens, die öffentliche Ord­nung wiederherzustellen und die ersten Voraus­setzungen für die Rückkehr zu einem geregelten Wirtschaftsleben zu schaffen. Auch staatsrechtlich hat die nationale Regierung bereits bemerkenswerte Schritte zur Konsolidierung getan. General Franco wurde von der nationalen Junta zum spanischen Staatschef erklärt und die Gliederung des die Re­gierungsgewalt ausübenden nationalen Verteidi­gungsausschusses bekannt gegeben, in dem ©er­rat y Bonastre, der ehemalige spanische Bot­schafter in Warschau, als Außenminister die Verbin- düngen mit dem Ausland aufnahm. Portugal und Uruguay haben die Beziehungen zu den roten Gewalthabern schon vor längerer Zeit abge­brochen, die blutsverwandten mittelamerikanischen Staaten Guatemala und San Salvador dar­über hinaus die nationale Regierung in Burgos anerkannt. Mit Deutschland und Italien haben nun auch zwei europäische Großmächte aus der tatsächlichen Lage die entsprechende Folgerung gezogen. Dieser Schritt fiel um so leichter, als weder in Berlin noch in Rom eine diplomatische