Ausgabe 
21.10.1936
 
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Lebendige Verbindung zwischen Führung und Volk.

Gauleiter Sprenger sprach in Offenbach-Bürgel.

Offenbach-Bürgel, 20. Okt. (LPD.) Die Ortsgruppe Bürgel der NSDAP., die Gliederun­gen der Partei und die gesamte Bevölkerung Bür­gels erwarteten am Dienstag den Gauleiter und Reichsstatthalter Sprenger. Nach dem Fahnen­einmarsch erschien der' Gauleiter, von den Volks­genossen aus das herzlichste begrüßt. Eingangs sprach der Gauleiter davon, daß wir nur dann un­seren Lebenskampf bestehen werden, wenn sich Führung und Volk stets als eine Ganzheit erweisen. Notwendig sei es daher, daß immer wieder die lebendige Verbindung zwischen Führung und Volk geschaffen werde. Der Führer sei immer volksnah geblieben und gehe selbst immer wieder ins Volk hinein. Er habe durch den Nationalsozialismus das Volk gelehrt, die Welt in allen Teilen vernünftig an- zufchauen. Es fei von Anfang an klar gewesen, daß diese Weltanschauung einen Weltkampf be­deute, gegen das Weltgift: den Bolschewismus, das Experiment jüdischer Gehirne zur Vernichtung aller Völker. Der Gauleiter schilderte die Zustände in Sowjetrnßland und die Aufbauarbeit der natio­nalsozialistischen Regierung. Gerade in den Indu­striestädten fühle doch jeder, wie viele Erwerbslose in Arbeit und Brot gekommen seien. Allerdings auf einmal gehe es nicht. Im Kreise Offenbach konnte die Lederindustrie nicht mehr blühen, weil es an Abnehmern fehlt. Deshalb fei es nötig, sich u m - z u st e l l e n, sich umschulen zu lassen. Es sei die Möglichkeit gegeben, sich in einen anderen Beruf umzuarbeiten. Schritt um Schritt gehe der Natio­nalsozialismus allen Zweiflern zum Trotz seinen Weg. Der Gauleiter beschäftigte sich dann mit dem Winterhilfswerk, das für diejenigen Kin­derreichen bestimmt sei, die wegen ihres geringen Lohnes ihren Lebensunterhalt nicht ganz bestreiten können. In scharfen Worten rechnete dann der Gauleiter mit den versteckten Angriffen des poli­tischen Katholizismus gegen unsere erd-

Der alte Kurs in Norwegen.

Das Ergebnis der Gtortingwahlen.

Oslo, 21. Oft (DND. Funkfpruch.) Nach dem nunmehr vorliegenden amtlichen Ergeb­nis der Slorting-Wahlen haben die Arbeiter­partei 71 gegen bisher 69, die konser­vative Partei 36 (30), die Liberale Partei 23 (24), die Agrarpartei 18 (23) und die Christlich-soziale Volkspartei 2 (4) Sitze erhalten.

Norwegen hat eine Rekordwahl hinter sich, die in der parlamentarischen Geschichte Skandinaviens einzig dasteht. Der Nordländer läßt sich im allge­meinen nicht aus der politischen Ruhe bringen, er hat es auch nicht nötig, sich aufzuregen und politi­sche Kampfstellungen zu beziehen, weil er und sein Land von den Stürmen der Krisen und Kriege, die seit einem Menschenalter über die Erde dahin­brausen, kaum berührt worden sind. Auch Norwe­gen hat sich bis in die jüngste Gegenwart einer ruhigen Entwicklung erfreuen dürfen. Wenn sich trotzdem die Bevölkerung so außergewöhnlich stark an den Stortingwahlen beteiligte, so ist das wohl auf einige Ereignisse des letzten Sommers zurück­zuführen, die auch den Norwegern zeigten, daß die Bewegungen und Begebenheiten der großen Welt schließlich an dem Schicksal des abgeschiedenen Bauern- und Fischervolkes nicht spurlos vorüber­gehen werden. Die Aufdeckung der Trotz­ki st ischen Umtriebe und die darauf folgende Auseinandersetzung mit Sowjetrußland wirkte wie ein Alarmruf. Dazu kam ein Streit mit Eng­land wegen des Walfanges, der die nor­wegischen Gemüter ziemlich erregte.

Aber das gesteigerte politische Interesse der Nor­weger reichte nicht aus, um aus der Rekordwahl eine Entscheidung zu machen. Die marxistische A r - beiterpartei, die vorher der Hauptträger der Regierung war und gegen die sich die Mißstim­mung weiter Volkskreise richtete, wird wahrscheinlich am Ruder bleiben. Ihre Hoffnung, die absolute Mehrheit im Parlament zu erringen, wurde

Die rote Regierung bereitet die Flucht nach Barcelona vor.

Moskaus Botschafter gibt den Widerstand gegen eine Räumung Madrids auf.

biologischen Auffassungen ab.Wir können nur durch Taten vorwärtskommen, und Adolf Hitler schafft Taten; daher gehen wir mit ihm und mit niemanden anders." Die kleinen Nahrungs­mittelsorgen ließen sich überwinden durch Klugheit und Geschick der Hausfrau. An die Haus­frauen richtete der Gauleiter den Appell:Tut Eure Pflicht, dann seid Ihr Mitkämpfer Adolf Hitlers!" Deutschland sei das Volk der Arbeit. Wir in Deutschland gehen in Ruhe unserer Ar­beit nach. Um uns herum aber entwickele sich bei anderen Völkern das Chaos.Deutschland ist wie­der außenpolitisch zu einem Machtfaktor geworden. Heute schon kommen führende Männer aus dem Auslande zu uns, um unsere neuen Einrichtungen kennenzulernen. Deutschland ist zum Vorbild auch nach außen hin geworden." Mit dem Ruf, dem Führer immer die Treue zu halten, damit Deutsch­land ewig bestehe, schloß der Gauleiter seine mit stürmischem Beifall aufgenommenen Ausführungen.

Oer Gauleiter beim Kameradschasts- abend der Junker unseres Gaues.

N S G. Das erste halbe Jahr ihres Aufenthaltes in der Ordensburg Vogelsang ist für die 20 Junker des Gaues Hessen-Nassau nun vorbei. Nach einem dreiwöchigem Urlaub in ihren Heimatorten wurden sie am Montag in der Gauhaupt- st a d t wieder zusammengezogen, wo der Gau­leiter sie zu einem Kameradschastsabend eingeladen hatte. Zusammen mit mehreren Gau­amtsleitern verbrachte der Gauleiter im Kreise der Junker den Abend, und immer wieder klang durch die persönlichen Unterhaltungen der Wunsch, daß einer der Männer, die zum Führernachwuchs Deutschlands befohlen sind, wieder den Weg zum Gau Hessen-Nassau zurückfinden möge, um hier, wo er sich die ersten Sporen verdiente, weiter für die Bewegung zu wirken.

allerdings zunichte gemacht. Ja, wenn man die Zu­nahme der Wahlbeteiligung in Rechnung stellt, kann man wohl sogar einen gewissen Rückgang des marxistischen Einflusses in Norwegen annehmen. Denn wenn auch die Arbeiterpartei zwei Sitze gewonnen hat, so muß anderseits die Bauern­partei, die als Bundesgenosse der Marxisten im alten Storting fungierte, einen Verlust von fünf Sitzen verbuchen. Dagegen kann die bür­gerliche Rechte 5 Abgeordnete mehr ins Parlament schicken, so daß im ganzen eine ge­wisse Verschiebung nach rechts stattgefunden hat, die jedoch nicht ausreichen dürfte, um eine Umbil­dung des Kabinetts im nationalen Sinne vorzu­nehmen.

Die Langsamkeit und Schwerfälligkeit der poli­tischen Bewegung in Norwegen hängt mit den ge- icherten Lebensverhältnissen der Bevölkerung zu- ammen, die deshalb im allgemeinen keinen Anlaß ieht, ihre politische Anschauung zu verändern. Nur o läßt sich auch das Beharrungsvermögen der Marxisten erklären, die in einem Augenblick die Re­gierungsgewalt ergriffen, als der Aufstieg der neuen Wirtschaftskonjunktur begann, die sich dann von dieser Welle hochtragen ließen und sie für ihre politische Agitation weidlich ausnutzten. So heim­sen den Lohn der norwegischen Wirtschaftsgesundung eigentlich jene Parteien ein, deren Ideologie überall sonst nur soziale Krisen und wirtschaftliche Erschüt­terungen hervorgerufen hat. Bemerkenswert ist schließlich das schlechte Abschneiden der N a s j o n a l Sämling des Majors Quisling, der mit seinen insgesamt 21 000 Stimmen ein Mandat nicht ge­winnen konnte. Diese nationale Sammlungspartei war anläßlich der Trotzki-Affäre besonders hervor­getreten, sie hat dann auch durch eine Asußerung Knut Hamsuns, der sich in einem Zeitungsaufsatz für Major Quisling aussprach, noch einmal die Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Aber wie gefugt, die Norweger glauben einstweilen noch nicht an die Notwendigkeit eines politischen Kampfes ...

Ev.

Burgos, 21. Okt. (DNB.) Aus verläßlicher Quelle wird über einprivatesFunkgefpräch zwischen Madrid und Barcelona berich­tet, das interessante Enthüllungen über die augen­blicklichen Pläne der roten MadriderRegierung" bringt. Der rote Minister P r i e t o benutzte die an­gebliche Erkrankung des MadriderMinisterpräsi­denten" Caballero, um seinen Plan, Madrid zu räumen und den Sitz der rotenRegierung" nach Barcelona zu verlegen, vorzubereiten. Diese Absicht Prietos wäre schon lange durchgeführt wor­den, wenn nicht der sowjetrussische Botschafter Moses Rosenberg bisher dagegen gewesen wäre. Nach der Niederlage von Oviedo habe, so wurde in dem abgelauschten Funkgespräch mitgeteilt, Moses Rosenberg seine Meinung geändert. Man glaubt in Burgos, daß die roteRegierung" nun bald nach Barcelona übersiedeln wird, um dort eineunabhängige Sowjetrepu­blik" auszurufen. In dem Funkgespräche wurde u. a. auch von einer wachsenden Panik ange­sichts des Vordringens der nationalen Truppen ge­sprochen.

Sie Befreiung Oviedos.

Eine Unterredung mit General Aranda.

Luarca, 21. Okt. (Dom Sonderberichterstatter des DNB. Funkspruch.) Nach der Befreiung von Oviedo hatte der Sonderberichterstatter des DNB. eine Unterredung mit General Aranda, der die Stodt drei Monate lange verteidigt hat. General Aranda erklärte, er habe die Verteidigung nach den modernsten strategischen Grundsätzen in fünf stern- artig vorgeschobene Stellungen unterteilt, kleine Posten von 10 bis 12 Mann mit einem Maschinen­gewehr in gut getarnten Stellungen hätten die ersten Linien wirksam unterstützt. Da man ohne

Reserven gewesen sei, habe man einen elastischen Rückzug teilweise bis zum Stadtrand vorgenom­men. Die Roten hätten viele Tanks und Panzer­wagen zur Verfügung gehabt, die Verteidiger jedoch nur zwei alte Tanks. Man habe die Tanks der Noten mit einem 7,5-Zentirneter-Berggeschütz aus 50 Meter Entfernung bekämpft, wobei es gelungen sei, beim letzten Angriff am 17. Oktober auf 20 Schritt Entfernung einen Tank der Roten völlig zu zerstören.

Die Befreiung durch die marokkanischen Truppen sei in letzter Minute erfolgt, als fast keine Lebensrnittel und keine Munition mehr vorhanden gewesen seien. Die Roten seien bereits in einige Häuser der Dorstadt eingedrungen gewesen.

Die Artillerie-Beschießung und die Flugzeugbom­ben hätten in Oviedo kein Haus mehr ganz gelassen. Die Bevölkerung, die stets in Kellern gelebt habe, habe sich nur von Reis und Bohnen er­nährt und Wasser habe man nur aus Moosbrunnen schöpfen können. Trotz dieser großen Entbehrungen habe die Bevölkerung gut durchgehalten. Jetzt beginne der Vorstoß nach Norden und Osten sowie die Säuberung Asturiens von den Roten.

Rationalistische Erfolge an der Aragon-Front

DieBergkette östlich vonSaragossa erstürmt.

Burgos, 21. Okt. (DNB. Funkspruch.) Augen­blicklich sind die militärischen Operationen an der Front vonAragonien von großem Interesse. Seit einigen Tagen wurden die katalanischen roten Milizen in den Bergen östlich von Sara­gossa von den Truppen der Nationalisten immer mehr zurückgedrängt. Am Dienstag nahmen I nunmehr die Nationalisten die Bergkette von

Alentisque im Sturm. Der Gegner hinterließ eine große Anzahl von Toten und Verwundeten sowie eine große Menge Kriegsmaterial. Die Natio­nalisten beherrschen nach der Eroberung dieser Stel­lung, die von den Roten stark befestigt war und von großer strategischer Bedeutung ist, das ganze Gebirge von Alcubierre an der Grenze von Hueska und Saragossa.

Auch an der Biscaya-Front haben die nationalistischen Truppen einen Erfolg zu verzeich­nen. Sie erstürmten am Montag den Berg Sus- quiza, der die Straße und Bahnlinie von Mon­dragon südlich von Eibar beherrscht. Die Roten wur­den acht Kilometer zurückgedrängt. Diese Stellung war durch vorzüglich ausgebaute Schützengräben und zwölf Maschinengewehre ge­sichert.

Mischer Schritt zur Rettung der Geiseln.

London, 20. Okt. (DNB.) Nach einer Mittei­lung des Außenministeriums hat die britische Regie­rung ihren Geschäftsträger in Madrid beauftragt, seine Aufmerksamkeit der Lage der spanischen Geiseln ^uzuwenden. Es bestünde die Gefahr, daß diese Gei­seln angegriffen ober abgeschlachtet werben könnten. Die britische Regierung richte daher aus humanitären Gründen an die spanischen Behör­den auf beiden Seiten den Appell, ein Abkom­men über den Austauschaller Geiseln und die Entlassung aller Frau en aus der Geiselhaft abzuschließen. Die britische Regierung sei bereit, ihre Dienste beiden Parteien zur Verfügung zu stellen. Sie sei auch bereit, die britische Flotte zur Verfügung zu halten, falls Transporte erforderlich werden sollten. Der Geschäftsträger ist angewiesen worden, bei der Madrider Regierung auf baldige Antwort zu bringen. Ein gleiches Telegramm ist an den britischen Botschafter gerichtet worben, der sich zur Zeit in Hendaye befindet, mit dem Auftrag, bei der Militärgruppe in gleichem Sinne vorstellig zu werden.

Times" schreibt, der Appell des englischen Außenministers an die Parteien im spanischen Bürgerkrieg sei zu begrüßen. Die Festhaltung von Geiseln und noch mehr ihre Mißhandlung und ihre Ermordung sei ein Rückfall in d ie barba­rischen Methoden der Vergangenheit. Die Nachricht, daß nunmehr auch Frauen als Geiseln verhaftet worden seien, habe in der zivili­sierten Welt großen Ab scheu hervorgerufen. Morning Post" greift die englische Arbeiter­partei scharf an. Sie wünsche eine Einmischung der englischen Regierung in den spanischen Bürger­krieg nur deshalb, um der sogenanntendemokra­tischen" Regierung von Madrid zum Siege zu ver­helfen. Sie denke aber nicht daran, eine Einmischung zu verlangen, um den Greueltaten der spanischen Marxisten ein Ende zu bereiten. Diese Haltung werde dann alsPazifismus" be­zeichnet.

0er Wahlkampf in USA.

Landon entwickelt das republikanische Wirt­schaftsprogramm.

N e u y o r k, 20. Okt. (DNB.) Auf seiner Wahl­reise nach Kalifornien hielt der republikanische Prä­sidentschaftskandidat Landon eine Rede in Albu­querque (Neumexiko). Er kritisierte heftig die Farm- und Handelspolitik des New Deal und führte aus: Die Anwendung des Grundsatzes gegenseitiger Handelsverträge zur Wiedereröffnung der Auslandsmärkte fei durchaus wünschenswert, falls er richtig angewendet werde. Die Regierung habe Zugeständnisse nur Nationen eingeräumt, die Ame­rika kaum anderes als Farmprodukte senden könn­ten. Die Republikaner würden Verhandlungen zum Abschluß von gegenseitigen Handelsverträgen so führen, daß die Auslandsmärkte ohne Schädi­gung des amerikanifchenFarmers, in­dustriellen Erzeugers und Arbeiters wieder geöffnet würden. Die wichtigste Aufgabe fei, die von der jetzigen Regierung vernichteten Möglich­keiten für den Auslandsabsatz wiederherzu­stellen. Die Farmer der USA. wollten ihre volle Ernte zu angemessenen Preisen absetzen. Dieses Ziel könne jedoch nicht erreicht werden ohne Deff= nung der Auslandsmärkte. Auch dürfe die Er­zeugung nicht eingeschränkt werden. Die von anderen Ländern errichteten wirtschaft­lichen Schranken müßten beseitigt wer­den. Die Republikaner wollen zur Förderung des zwischenstaatlichen Handels die Zolltarife än­dern. Landon bekannte sich zu dem Gedanken der Stabilisierung der Währungen und zur Herstellung eines angemessenen Gleichgewichtes zwi­schen Landwirtschaft und Industrie. Die Wiederher­stellung nationalen Wohlstandes und die Sicherheit der Weltwirtschaft könnten nur erreicht werden, wenn sich die Nationen der Welt davon überzeugen ließen, daß der Weltfrieden auf der Wiederbelebung und Ausdehnung des internationalen Warenaustau­sches beruht.

Kommunistischer prcisidentschasts- kandidat in Amerika mit fauien Eiern beworfen.

Neu York, 21. Oft. (DNB. Funkspruch.) Der kommunistische Präsidentschaftskandidat B r o w d e r wollte in Zerre Haute (Indiana) eine Radiowahl­rede halten. Als er vor dem Sendehaus eintraf, wurde er von einer erregten Volksmenge mit einem Hagel fauler Eier empfangen und mußte schleunigst in sein Hotel zurückkehren.

Bereits vor drei Wochen hatte Browder versucht, in Zerre Haute zu reden. Er war damals von den Stadtbehörden verhaftet worden. Jetzt hatte er es verstanden, die Behörden zu zwingen, ihn noch einmal in die Stadt hineinzulassen. Er mußte aber die Erfahrung machen, daß die Bevölkerung im Mittelwesten von kommunistischen Lehren nichts wissen will.

Oie Lage in Jerusalem.

London, 20. Okt. (DNB.) Nach den letzten Be­richten aus Jerusalem hat der Kampf der Araber gegen die Juden eine neue Wendung genom­men. An die Stelle des abgesagten Streiks der arabischen Kaufleute und Händler ist ein Boy­kott der jüdischen Kaufleute durch die Araber getreten. Jugendliche arabische Boykott­posten stehen vor den jüdischen Läden und warnen alle Araber davor, diese Kaufläden zu betreten oder sonst von Juden Waren zu kaufen. Die arabischen Kaufleute sind gleichzeitig bestrebt, den Groß­handel mit Artikeln, die bisher ausschließlich von Juden geliefert wurden, neu zu organisie­ren, um sicherzustellen, daß die kleineren arabischen

Kaufleute nicht mehr bei jüdischen Grossisten zu kau­fen brauchen. Zusammenstöße zwischen Arabern und Juden sind nicht zu verzeichnen. In englischen Strei­fen ist man geneigt, dies als ein Zeichen der Rück­kehr zu normalen Zuständen anzusehen.

Erfolgreicher italienischer Vorstoß in Abessinien.

Rom, 20. Okt. (DNB.) Die römischen Zeitungen bringen ausführliche Schilderungen aus Addis Abeba über den erfolgreichen Vorstoß der italienischen Zrup« pen unter Führung des Generals G e l o f o nach dem westlichen Abessinien. In erbitterten sechs­tägigen Kämpfen, die zuletzt mit blanker Waffe ge­führt worden seien, habe das Giabassere-Ge- birge besetzt werden können. Der Führer der abessinischen Rebellen, D e s ch a k A l a i, sei gefallen. Die italienische Infanterie und Artillerie sei wirksam von italienischen Bombern unterstützt worden, die den Zruppen des Deschak Alai große Verluste zugefügt hätten. Die Abessinier hätten einige hundert Zote auf dem Schlachtfeld zurückgelassen. Mehrere Kanonen und Maschinengewehre seien erbeutet wor­den.

General Vydz-Smigly wird Marschall von Polen.

Warschau, 20. Okt. (DNB.) Die polnische Regierungspresse bestätigt die seit einiger Zeit um­laufenden Gerüchte über die bevorstehende Er­nennung des Generalinspekteurs der polnischen Wehrmacht, General Rydz-Smigly, zum Mar­schall. WieKurjer Czerwonny" erfährt, wird diese Ernennung durch den polnischen Staatspräsidenten am Unabhängigkeitstage (11. November) erfolgen. An diesem Zage wird dem Oberbefehls­haber feierlich der Marschallstab überreicht werden. Die Würde eines Marschalls von Polen hat bisher außer Marschall Pilsudski nur der französische Marschall F o ch bekleidet. Vielfach wird vermutet, daß der 11. November auch der Zag der Verkün­dung des ideellen Programms sein wird, das der Kommandant des Legionäroerbandes Oberst K o c im Auftrage des Generalinspekteurs ausge­arbeitet hat und das die Grundlage für die Neu­ordnung der inneren politischen Ver­hältnisse sein soll.

Wirtschaftliche Zusammenarbeit der Kleinen Entente.

Bukarest, 20. Okt. (DNB.) Die 8. Tagung des Wirtschastsrates der Kleinen Entente hat fest- umriffene Ziele für die Zusammenarbeit im Donau­raum auf der Grundlage des Planes des tschecho­slowakischen Ministerpräsidenten H o d za aufgestellt. Zwischen Rumänien und Jugoslawien und der Tschechoslowakei wurde die Aufhebung der Visa vom 1. Januar 1937 ab beschlossen. Weiter hat der Rat Pläne für eine Zusammenarbeit der Ausfuhrorganisationen sowie der Eisen­bahnen ausgearbeitet, ebenso ein Arbeitspro­gramm für ein noch engeres Zusammenwirken der Donau -Schiffahrtsunternehmen der Kleinen Entente. Der Rat hat ferner eine Post- union zwischen der Kleinen Entente und der Balkan-Entente, eine Herabsetzung der Telegraphen­gebühren und Briefmarken mit einem ©innbilb der Kleinen Entente beschlossen. Schließlich ist für No­vember eine Zusammenkunft der Gouverneure der Notenbanken in Prag und eine Zusammen­kunft von Luftfahrtsachverständigen vor­gesehen.

OaS Grauen in Sowjetrußland.

Belgrad, 20. Okt. (DNB.) Zwei Russen, die vor kurzer Zeit aus Sowjetrußland nach Jugoslawien geflohen sind, halten in Bel­grad Vorträge, in denen sie in erschütternder Weise die sowjetrussische Wirklichkeit schil­dern. Beim Bau des Kanals, der den Finni­schen Meerbusen mit dem Weißen Meer verbindet, haben ungefährt 100 000 Menschen i h r Leben verloren. Der gesamte Personenverkehr über diesen Kanal betrug im vergangenen Jahre 800 Menschen. Der Sowjetbürger lebt in ständiger Angst, da er jeden Augenblick verhaftet werden kann. Man kann die Bevölkerung Sowjetrußlands in drei Klassen einteilen: Die eine habe in den Gefängnissen der GPU gesessen, die andere sitze und die dritte werde sitzen. In den Gefängnissen befinden sich 5 000 000 Gefangene. Für den Polizei­dienst werden 35 v. H. der Staatseinnahmen ver­wendet. Bei der Unterdrückung des Georgier-Auf­standes wurden 40 000 Menschen erschossen.

Kleine politische Nachrichten.

Staatssekretär General der Flieger Milch be­sichtigte in Turin die Lingotto-Werke und unter­nahm in einer neuartigen italienischen zweimotori­gen Maschine einen Rundflug über der Stadt. So­dann setzte er im Kraftwagen die Reise nach Mai­land fort, umd ie 4. Bomberbrigade in Sonate Poz- zolo sowie die Flugzeugfabriken in Sesto Calende zu besuchen. Mittwoch werden sich die deutschen Flieger nach Desenzano am Gardasee begeben, wo sie die dort stationierte Fliegerabteilung besichtigen werden.

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Die Abordnung der deutschen Poli- z e i wurde bei den Veranstaltungen zum Jahrestag der italienischen Sicherheitspolizei von Mussolini mit besonderer Aufmerksamkeit behandelt. Bei der Parade und bei den gymnastischen Hebungen des Corpo bei Metropolitani, rief Mussolini den Reichs­führer SS. an seine Seite und unterhielt sich mit ihm angelegentlich über den Verlauf der Hebungen. Botschafter von Hassell gab zu Ehren der Abord­nung einen Empfang auf der Botschaft. Anschlie­ßend folgte die Delegation einer Einladung des Pro­pagandaministers zu einem Besuch der Film- ft a b t zwischen Rom unb Frascati, wo fie ben neuesten Aufnahmen für ben historischen Film Scipio Africanus" beiwohnen konnte.

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Der Regierungsausschuß zur Regelung der beutsch - jugoslawischen Wirtschafts­beziehungen hat in Dresben seine dritte Ta­gung abgehalten. Da die Hanbelsbeziehungen sich befriedigenb entwickelt haben, konnte eine weitere Steigerung bes Warenaustausches in Aussicht ge­nommen werben. Außerdem wurde ermöglicht, in gewissem Umfange die erforderlichen Zahlungsmit­tel für ben deutschen Reiseverkehr nach Jugo­slawien bereitzustellen.

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Die englische Fliegerin Amy Mollisons er­litt bei einer Notlandung in der Nähe von Orping- ton einen Nasenbeinbruch unb anbere Ver­letzungen. Sie teilte später mit, baß sie sich von ihrem Fliegergatten Jim Mollisons getrennt habe unb in Zukunft wieber unter ihrem Mäbchen-. namen fliegen werbe.