Ausgabe 
21.8.1936
 
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DerMoskauerprozeß gegen die Opposition

Moskau. 20. Slug. (DNB.) Im Prozeß gegen Sinowjew und Genossen kam der Angeklagte Ka­menew erneut auf Verbindungen der Sinowjew- Trotzki-Organisation mit Angehörigen der früheren Rechtsopposition zu sprechen. Solche Verbindungen hätten bestanden mit dem Chefredakteur derJs- westija", Bucharin" ferner mit dem ehemaligen Leiter der Sowjetgewerkschaften T o m s k i, sowie mit dem Post- und Telearaphen-Kommissar R y - kow. dem früheren Vorsitzenden des Volkskom­missariates. Diese seien über die terroristischen Ab­sichten der Sinowjew-Gruppe im Jahre 1934 u n - t e r r i ch t e t gewesen. Sie hätten ihre Hoffnungen, wieder zur Macht zu gelangen, auf den Erfolg der beabsichtigten Anschläge gegen Stalin und die übrigen Parteispitzen aufgebaut. Kamenew betonte, daß ihm und Sinowjew, die unrechtmäßig von der Macht abgedrängt worden seien, jedes Mittel brauchbar erschienen sei, um wieder an die Macht zu kommen. Seine Gruppe sei stets sicher gewesen, im Einverständnis mit dem im Ausland weilenden Trotzki zu handeln, da dieser immer die Ansicht vertreten habe, daß dieblutige Kon­zentrierung der Macht in den Händen Stalins für Sowjetrußland verderblich sei".

Sinowjew machte ausführliche Aussagen über die Vorgeschichte dergegenrevolutionären Tätig­keit" seiner Gruppe. Im wesentlichen bestätigten feine Aussagen die Feststellungen der Anklageschrift.

Im Laufe des Sinowjew-Verhörs kam zum ersten­mal auch Moisse Lurje zu Wort, der nach der Anklageschrift Terrorakte auf Veranlassung einer fremden Stelle geplant haben soll. Die Stichhaltigkeit dieser Anklage wurde dadurch nicht gerade bekräftigt, da es sich herausstellte, daß Moisse Lurje mit dem berüchtigten Emil Alexan­der identisch ist, der früher die Abteilung für Agitation und Propaganda im Zentralausschuß der Kommunistischen Partei in Deutschland leitete!

Smirnow, den Sinowjew noch am Donners­tag früh als den Führer der Trotzkischen Truppe seiner Organisation bezeichnet hatte, b e st r i t t, an der Vorbereitung terroristischer Akte im Auftrage Trotzkis unmittelbar teilgenommen zu haben. Die Angeklagten O l b e r g und Bärmann erklärten, sie seien früher aktive Mitglieder in der ehemaligen deutschen kommunistischen Partei gewesen und hät­ten sich seit den letzten Jahren Trotzki verschrieben. Im Tone harmloser Plauderei erzählte Olberg u. a., wie er im Frühjahr 1936 unter der Mitwirkung einer Terroristen-Gruppe aus Gorki (Nischninow- gorod) bei der Parade auf dem Roten Platz in Moskau aus Anlaß der Feier des ersten Maies einen Anschlag auf Stalin durch das Werfen einer Bombe geplant habe. (!) Seine sowie Bärmanns Aussagen müssen mit größter Vorsicht ausgenommen werden.

Wie sieht es in der Wirtschaft aus?

In der Außenhandelsbilanz für das erste Halbjahr 1 936 kommt die Beobach­tung wieder zum Ausdruck, daß die Ausfuhr weiterhin zunimmt. Mit dieser Ausweitung unseres Warenverkehrs wird im weiteren die Tat­sache bestätigt, daß man auf die Dauer die Kauf­kraft eines 67-Millionen-Volkes ebenso wenig am Weltmarkt entbehren kann, wie das hochwertige deutsche Erzeugnis. Während die deutsche Handels­bilanz im ersten Halbjahr 1935 noch mit 163,2 Millionen Mark passiv war, schloß die Handels­bilanz des ersten Halbjahres 1936 mit einem Aktiv- Saldo von 131,7 Millionen Mark. Mit anderen Worten, der Ausfuhrhandel zeigt eine Gesamtbesse­rung Bfiji 330 Millionen Mark. Besonders erfreu­lich ist die weitere Stärkung des Warenverkehrs mit den europäischen Ländern. Die beson­ders starke Zunahme unserer Fertigwaren-Lieferun- gen nach Frankreich und Großbritan­nien, die in den ersten sechs Monaten dieses Jahres zu verzeichnen ist, zeigt, daß gerade die am stärksten durchindustrialisierten Länder nach wie vor die besten Abnehmer für hochqualifizierte Er­zeugnisse sind. Aus diesem Gesichtspunkt heraus haben wir an einer immer stärkeren Technisierung und Industrialisierung in unseren Nachbarländern durchaus Interesse. Die Einfuhr ist im ersten Halbjahr 1936 um nicht ganz 1 Prozent gerin­ger als in der gleichen Zeit des Vorjahres. Im großen Ganzen hat sich infolge des durch die Ver­größerung der Beschäftigtenzahl gesteigerten Nah- rungs- und Genußmittelbedarfes die Einfuhr nur aus solchen Ländern erhöht, die vorwiegend Le­bensmittel erzeugen. So u. a. aus Ungarn (Fleisch), Bulgarien (Fleisch, Obst, Rohtabak), Ita­lien (Südfrüchte, Kartoffeln), Griechenland (Roh­tabak), Spanien (Südfrüchte), Dänemark (Rindvieh, Schweine), Lettland (Schweine). Unter den Roh­stoffländern haben namentlich Schweden durch Lieferungen an Eisenerz, Finnland durch Holz- und Kupferlieferungen und die Türkei durch Woll­lieferungen mehr Waren als zur gleichen Zeit des Vorjahres nach Deutschland ausgeführt.

In der Zeit vom 16. bis 19. August trafen sich in Hamburg die Lebensmitteleinzelhänd-

ler aus aller Welt zu ihrem 9. Kongreß zusam­men. Auch bei dieser Zusammenkunft war es zu­nächst notwendig, sich mit einer Reihe von Vor­urteilen auseinanderzusetzen, die sich im Ausland gegenüber dem deutschen Einzelhandel eingeschlichen haben. Die Auffassung, als sei der Einzelhändler in Deutschland heute nicht mehr berechtigt, an sein eigenes Geschäft zu denken, nicht mehr berechtigt, Individualist zu sein, wurde vom Bürgermeister Krogmann dahingehend richtiggestellt, daß ge­rade bei uns in Deutschland der Individualismus mit am stärksten ausgeprägt sei, allerdings mit der Einschränkung, daß auch dieser Individualismus sich heute ausschließlich im Rahmen der Ge­meinschaft zu betätigen habe. Von verschiede­nen Seiten wurde auf die Notwendigkeit hingewie­sen, daß die Olympische Glocke, die am 1. Tag des Hamburger Kongresses in Berlin zum letzten Mal erklang, nicht nur die Sportler, sondern auch die Wirtschaftler der ganzen Welt zu gemein­samer Arbeit und zu gemeinsamem Wettstreit zu­sammenrufen müsse. Von den Vertretern aller Län­der wurde die Notwendigkeit betont, dem Klein­gewerbe größte Aufmerksamkeit zuzuwenden, so wie es bei uns in Deutschland seit der Machtüber­nahme durch den Nationalsozialismus der Fall ist, so wie Italien es seit langem tut und wie man es in Oesterreich schon immer gehandhabt hat. Eine Reihe weiterer Vorträge galt der Förderung von Fachbildungsfragen, sowie dem Gedanken gesunder internationaler wirtschaftlicher Zu­sammenarbeit. Einer der Hauptaufgaben der 1927 gegründeten internationalen Vereinigung ist das Bestreben nach gegenseitiger wirtschaftlicher Verständigung.

*

Eine zusammenhängende Statistik der deutschen Arbeitslosigkeit ergibt bis Ende Juli 1936, daß zum erstenmal die Arbeitslosigkeit niedriger liegt als Ende Juli 1929, dem letzten Jahr der Scheinkonjunktur, denn damals hatten wir gut 80 000 Arbeitslose mehr als Ende Juli 1936. Die Arbeitslosigkeit als Massenerscheinung ist also dank der Energie der Führung für Deutschland beseitigt, es macht sich sogar in manchen Berufen ein ge­wisser Mangel an fachlich geschulten Arbeitern oe-

Ist es jetzt deutlich genug?

Verschärfung des antireligiösen Kampfes in der Sowjetunion.

NSG. Wer sich der leisen Hoffnung hingegeben har, daß mit der Einführung der neuen S o w j e t -V e r f a s s u n g" der Kampf der Bol­schewisten gegen die Religion eingestellt oder we­nigstens abgeschwächt werden würde, ist durch die allerletzten Ereignisse schnell und bitter enttäuscht worden. Der Gottlosenfeldzug in der Sowjetunion nimmt nicht nur seinen Fort­gang, in der letzten Zeit ist sogar eine Verschär­fung der Unterdrückungsmethoden zu verzeichnen, so daß kein Zweifel darüber bestehen kann, daß die Sowjets nicht eher ruhen werden, bis auch die letzte Kirche ge sch lassen und verletzte Priester verbannt oder ausgerottet ist. Daß sich die neue Verfolgungskampagne ganz besonders gegen die deutschen Gemeinden richtet, be­weisen die soeben aus der Sowjetunion hier ein­gegangenen Nachrichten.

Die einzige deutsche Kirche in Odessa ist den Bolschewisten seit langem ein Dorn im Auge. Für die gottesfürchtigen deutschen Menschen, die fern der Heimat unter dem bolschewistischen Joch schmach­ten, ist die Kirche ein Ort der Zuflucht und der Tröstung, wo sie sich wenigstens auf Stunden der grauenvollen bolschewistischen Wirklichkeit entziehen können. Mit bewundernswertem Opfermut hat die deutsche Gemeinde jahrelang die unglaublichsten

Schikanen der bolschewistischen Gottlosen ertragen. Diese holen nunmehr zum entscheidenden Schlag aus. Von der GPU. tatkräftigst unterstützt, zwirn gen sie die deutschen Einwohner, eine Petition zu unterschreiben, in der d i e Schließung der Kirche gefordert wird. Der Druck, den die Bolschewisten ausüben, ist so brutal, und die Dro­hungen so unmißverständlich, daß an dem Erfolg dieser Aktion nicht zu zweifeln ist. Besonders die deutschstämmigen Studenten Odessas haben unter diesem neuesten Terror unsäglich zu leiden. Mit der Schließung der letzten deutschen Kirche hofft der Bolschewismus dem Deutschtum in Odessa einen tödlichen S ch l a g zu ver­setzen und eine der letzten Inseln europäischer Kul­tur zu vernichten.

In Saratow ist, der gleichen Quelle zufolge, die deutsche Kirche in eine Filiale der Staatsbank umgewandelt worden. Der Kirchturm wurde ni e d e r g e r i s s e n. Auch bie große Kathedrale der Stadt ist wie das bekannte Denkmal Alexanders II. entfernt worden. Ohnmäch­tig müssen die deutschen Gläubigen dem grausamen Liquidierungswerk der jüdischen Sowjetmachthaber zusehen. Die noch nicht bolschewisierte Kulturwelt aber hat die heilige Pflicht, ihre Stimme gegen den bolschewistischen Vernichtungswahn zu erheben.

merkbar, der auch noch einige Zeit anbauern wird, bis die Umstellung Erfolg verspricht und die Ver­mehrung der gelernten Kräfte sich aus­wirkt. Dabei ist es bemerkenswert, daß hauptsäch­lich auf dem Lande die Arbeitslosigkeit stark sank, aber der Reichsdurchschnitt in den Großstädten vor allem übergipfelt wird. Wenn auch die Arbeits­losigkeit in biefen selbst zurückging, so ist doch noch viel zu tun, um eine gesundere Beziehung zu schaf­fen. Ferner kommt hinzu, daß gelernte Arbeiter in erster Linie von der Jnvestitionsgüter-Jndustrie be­schäftigt werden, während der Außenhandel immer noch nicht seine normale Höhe erreicht hat. Zudem werden unter den Arbeitslosen auch die älteren und beschränkt erwerbsfähigen Personen mitgezählt, die für die meisten der angebotenen Stellen nicht in Betracht kommen. Jedenfalls marschiert Deutsch­land in der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit weit­aus an erster Stelle.

Der Stahlverein wurde im Dezember 1933 zu einer Holding-Gesellschaft umgebildet und hat seit dieser Zeit immer mehr sich auf sein natür­liches Gebiet, nämlich die Erzeugung von Eisen beschränkt; bas Aufgeben der Maschinenbau-Inter­essen war also gegeben und die jetzige Aktion lag in Vorbereitung. Jetzt f)at der Stahlverein, nach­dem er feinen Aktienbesitz an der Demag, der Deutschen Maschinenbau-Aktien-Gesellschaft Duis­burg, schon im Jahre 1933 aufgab die Demag ist eine Vereinigung einer großen Anzahl von Maschinenbauunternehmungen des rheinisch-westfä­lischen Industriegebietes auch die ihm noch ver­bliebene Hälfte der Aktien abgestoßen, zumal es gelungen ist, die Rentabilität der Mgschinenbau- Jndustrie wieder herzustellen. Vor einigen Mongten gab der Stahlverein sein Aktienpaket von 70 Mil­lionen Essener Steinkohle an die Gruppe Har­pen-Flick. Der Stahlverein hat jetzt nur noch Züricher Böhler, Aktien einer Braunkohlengesell­schaft, der Ofenbau-Union und einen Jmmobilien- besitz, der mit 3,5 Millionen Mark ausgewiesen wird. Auch diese Beteiligungen dürften bald li­quidiert werden. Finanziell ist das Geschäft für den Stahloerein günstig, denn er erzielt einen Barbetrag von 19,18 Millionen Mark und erreicht dadurch eine Verstärkung seiner Umsatzmittel. Die Stellungnahme der Großeisenindustrie zur Verfeine­rungsindustrie wird durch die Demag-Transaktion

und die Verselbständigung des zweitgrößten Ma­schinenbau-Konzerns, der Schies-Defries- Gruppe nicht berührt. Die anderen Großkon­zerne, z. V. Krupp, Hösch, Klöckner, Gutehoffnungs- Hütte, haben den Weiteroerarbeitern nicht solche Zu­sagen wie der Stahlverein gemacht, sondern haben sogar in den letzten Jahren Umschau nach neuen Er­werbsmöglichkeiten gehalten.

Wetterbericht

des Reichswetterdienstes. Ausgabeort Frankfurt.

Nach dem Durchzug einer langgestreckten Regen­front, die am gestrigen Donnerstag in ganz Deutsch­land von West nach Ost fortschreitende kräftige Niederschläge lieferte, konnte sich zunächst rasch wieder Besserung durchsetzen, lieber Frankreich vor­dringende feuchte subtropische Warmluft, die an der vorgelagerten kälteren Luft zum Aufgleiten kommt, brachte am Freitagmorgen vornehmlich dem Rhein- Main-Gebiet neue landregenartige Niederschläge. Die Großwetterlage bedingt auch die Zufuhr feuch­ter, vom Meere stammender Lustmassen, so daß zwar gelegentlich Schönwetter zum Durchbruch kommt, im ganzen genommen bleibt die Witterung jedoch sehr unzuverlässig.

Aussichten für Samstag: Vielfach dun­stig und meist wolkig, zeitweise auch Regen, Tem­peraturen wenig geändert, südliche bis westliche Winde.

Aussichten für Sonntag: Bei Luftzu­fuhr aus West Fortdauer der unbeständigen, aber nicht durchweg unfreundlichen Witterung.

Lufttemperaturen am 20. August: mittags 20,4 Grad Celsius, abends 17,9 Grad; am 21. August: morgens 16,9 Grad. Maximum 20,7 Grad,

Hauptschriftleiter Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr. Fr. W. Lange; für Feuilleton: i. V. Dr. Fr. W. Lange; für den übrigen Teil: Ernst Slumjdfdn. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für Öen Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D.A.VU.36: 9350. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts- Buch- und Steindruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags

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