Aeitag, 2l.August 1936
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhesfen)
Nr.l95 Zweiter Blatt
Feierstunde der Turner an der neuen Mn-ShrenWe.
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In der altehrwürdigen Jahnstadt Freyburg ad. Unstrut weihte Reichssportführer von T sch a mm e r und Osten (am Rednerpult) die Jahn-Ehrenstätte. Das alte Gebäude nimmt sich in seiner jetzigen Gestalt besonders gut aus, nachdem zwei benachbarte Häuser gefallen sind. Im Jnnenhof wurden die sterblichen Ueberreste Jahns zur letzten Ruhe gebettet. Am Schluß der Feier wurden die kleinen Eichenbäumchen, die von den beiden deutschen Mannschaften bei den Olympischen Spielen erkämpft worden waren, in die geweihte Erde des Ehrenhofs gepflanzt. — (Schirner-M.)
Durch den Panama-Kanal in die Heimat.
Ein Auslandsdeutscher fährt zu den Olympischen Spielen.
Don unserem H.W.-Berichierstatter.
Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.
Los Angeles (z. Z. Berlin), August 1936.
II.
Durchfahrt durch den Kanal.
Noch immer lagen wir außerhalb der befestigten Inselkette, die zum Archipel de las Perlas gehörte, vor Anker. Auf dem Kopf der Mole blitzten die Leuchtfeuer von Panama auf. Inzwischen hatten wir Gesellschaft bekommen, eine Anzahl fremder Schiffe hatte hinter uns Anker geworfen, die auch den Kanal durchqueren wollten: Da war ein fchnee- weißer dänischer Frachtdampfer, der Bananen von Costa Rica brachte, ein schneller Japaner, Engländer, Franzosen, Italiener. Um 6 Uhr kam eine Mo- torpinasse heranaefahren, an deren Heck stolz das Sternenbanner flatterte, wir befanden uns ja im Hoheitsgebiet der Vereinigten Staaten. Der Lotse kam an Bord und als wir die Wellenbrecher passiert hatten, beehrten uns die Quarantänebeamten, Zollbehörden und der Schiffsvermesser mit ihrem Besuch. Dieser letztere ist hier der wichtigste Mann, er verlangt Einsicht in den Meßbrief und Vorlage des Panama-Zertifikates, welche über die von allen Schiffen verlangten Größenmaße und Raumverdrängung Auskunft geben.
Nachdem wir die erkleckliche Summe von 523b,25 Dollar für Kanalspesen entrichtet hatten, ging es weiter. Wir passierten die Inseln Flamenco, Perico, Naos und Culebra, die gewaltige Panzer- f e st u n g e n sind und denen sich kein Unberufener nähern darf. Drohend richten die gewaltigen Schiffsgeschütze ihre langen Rohre dem weiten Pazifik zu. Noch gilt dieser Ozean als em Meer der Romantik, ein Meer des Friedens. Aber wie lange noch und der Kampf um die Vormachtstellung im Stillen Ozean wird entbrennen und die blauen Fluten werden rot gefärbt vom Blut der um ihr Schicksal ringenden Völker. Aber Amerika ist n c r ü ft e t. Es hat die modernsten Kriegsschiffe und die größte Luftflotte der Welt. Am Panama-Kanal
allein sind über 30 000 Soldaten der amerikani- chen Armee stationiert.
Jetzt erblickten wir zur Rechten die malerische neue Stadt Panama mit dem Hafen Balboa, gleich dahinter den befestigten Ancon-Berg. Jnzwi- chen waren wir im Kanal angelangt, und mußten vor der Miraflores-Schleuse halt machen. Den Schiffen ist es verboten, sich mit eigener Kraft durch die Schleusentore zu bewegen. Sechs elektrisch angetriebene Lokomotiven stehen zur Verfügung, um das Schiff mit Hilfe riesiger Trossen durch die echs Schleusenpaare, die insgesamt eine Gesamt- -ebeleistung von 26 Meter haben, durchzuschleppen.
Die etwa acht Stunden dauernde Durchfahrt gehört zu den interessantesten Erlebnissen der ganzen Reise. Zu beiden Seiten des Kanals, der die Landenge nicht, wie gewöhnlich angenommen wird, von Westen nach Osten, sondern von Nordwesten nach Südosten durchschneidet, dehnen sich undurchdringliche Dschungel aus, die aus strategischen Gründen absichtlich nicht urbar gemacht worden sind. Auf dem Gatunsee, der sich kurz vor den Schleusen auf der atlantischen Seite befindet, wimmelt' es von Fahrzeugen aller Art und an den sumpfigen Ufern sieht man zuweilen schwerfällige Krokodile langsam durch das trübe Wasser gleiten.
Selbstverständlich sind alle Schleusen aufs schärf st e bewacht. Man hat nichts unversucht gelassen, um eine Zerstörung der für Amerika so lebenswichtigen Verkehrsstraße zu verhüten: Die Zelte der Besatzungstruppen stehen unmittelbar am Schleusenwerk und vom Schiff aus kann man die Truppen Onkel Sams beim Exerzieren beobachten. Schiffen mit Sprengstoffen, Pulver, Oel oder leicht entzündlichen Gütern kann ohne weiteres die Durchfahrt verboten werden. Solche Schiffe müssen, wenn die Passage gestattet ist, bei Tage eine rote Flagge, bei Nacht ein rotes Licht führen. Die Funkstation darf sicht benutzt und mit dem Lande darf nur durch den Lotsen verkehrt werden.
Gegen 3 Uhr nachmittags legten wir auf der
Reede von Cristobal an. C o l o n und C r i st o - b a l liegen zusammenhängend auf der Halbinsel Manzanillo und haben etwa 35 000 Einwohner. Beide Städte liegen in der Kanalzone, aber Cri- tobal wird von der amerikanischen Regierung Colon von der Republik Panama verwaltet. Was am meisten auffällt ist die p e i n l i ch e S a u b e r k e i t, die in der gesamten Kanalzone anzufinden ist. Sobald man diese verläßt und sich in das panama- nische Colon begibt, starrt alles vor Schmutz und Liederlichkeit. — Wir statteten dem Deutschen Konsulat einen Besuch ab und hatten Gelegenheit, das herrliche Gebäude des Hapqg-Lloyd zu bewundern: denn seit Jahren hat Deutschland mit den größten Anteil am Handel Zentral- und Südamerikas. Gegen 10 Uhr abends verließen wir die sonderbare Stadt, die ein Gemisch von Orient, Amerika und Europa darstellt. Einer der größten Umschlageplätze der Welt, aber auch eine Hochburg des Lasters und der Verführung. Wir waren froh, als die Schiffssirene ertönte und wir Kurs nahmen ins Karibische Meer.
Den ganzen Tag über war es bei absoluter Windstille drückend Heiß gewesen, und zwischendurch regnete es in Strömen, begleitet von Donner und Blitzen, die die hochgetürmten mächtig aufquellenden Haufenwolken durchzuckten. Zwar gibt es in Panama kein gelbes Fieber mehr, aber die mit Feuchtigkeit geladene warme Hochofenluft ist für Malaria und Lungenentzündung wie geschaffen und diese Krankheiten bilden heute die größte Sorge der Verwaltung. Ganz besonders ungesund ist das Klima natürlich während der Regenzeit, die vom Mai bis November dauert und im Juni ihren Höhepunkt erreicht. In diesen Monaten sind die tropischen Gewitter, die sich, begleitet von Wolkenbrüchen infolge des Aufsteigens erhitzter Luftmassen, über dem Lande bilden, eine tägliche Erscheinung. So freuten wir uns denn, als wir die Leuchtfeuer von Fort de Leffeps und Toro Point auf dem Nordwesthuk der Limon Bay hinter uns hatten; denn das Westindische Meer mit seinen ständigen Nordost-Passaten, die das ganze Jahr hindurch wehen, würde uns bald Linderung bringen.
Es folgten ruhevolle Tage an Bord. Mit genießerischer Bewußtheit konnte man sich dem Nichtstun bingeben. Freundliche Stewards lesen einem die Wünsche geradezu von den Augen ab, die Verpflegung ist überreichlich, die Getränke auserlesen und preiswert. Geräumige Decks laden zu Bordspielen und Sonnenbädern ein, die Dord- bücherei, frohe Tanzabende, ein kühles Schwimmbassin, Spaziergänge auf dem schönen Promenadendeck lassen keine Langeweile aufkommen. Kurz und gut, man ist wunschlos glücklich und dabei hat man
Der hochsinnige Entschluß des Führers, Mittel zu spenden, um die deutschen Ausgrabungen in Olympia systematisch weiterzuführen, hat weit über die Fachwelt hinaus freudige Zustimmung gefunden. Voreilig wäre es, fchon jetzt Betrachtungen über den zu erwartenden Erfolg anstellen zu wollen. Wichtiger ist, daß mitten im Trubel der Festtage ein Versprechen gegeben wird, das e i n Bekenntnis z u einer nationalen Ehrenpflicht enthält. Das Dritte Reich greift damit ein Werk auf, das unter den friedlichen Taten des Zweiten Reiches eine der rühmlichsten war. Das Ergebnis jenes glückhaften Spatenfeldzuges ist bekannt, weniger seine Vorgeschichte und die Umstände, die aus einer großen Verheißung eine große Erfüllung werden ließen.
Ist auch die planmäßige Ausgrabung Olympias ausschließlich ein Werk des Deutschen Reiches, so sind doch Franzosen und Engländer an seiner Wiederentdeckung behilflich gewesen. Dem französischen Benediktiner Ber»nard de Montfau- con gebührt der Ruhm, 1723 als erster auf diese verschüttete Welt die Aufmerksamkeit gelenkt zu haben. Vierzig Jahre später meldet sich unser Winckelmann zu Wort. Galt seine Reise nach Deutschland 1768 u. a. doch auch einer „Unternehmung auf Elis", die er durch eine Spendensammlung finanzieren zu können hoffte. Ein tragisches Schicksal ließ ihn in den Vorbereitungen dazu dem Meuchelmörder zum Opfer fallen.
das Gefühl unbedingten Geborgenseins, absoluter Sicherheit. Der Kapitän, ein alter erprobter Seebär, wacht über unser Schicksal und seine Offiziere und die Mannschaft sind Menschen, die in der harten verantwortungsvollen Schule der Seefahrt groß geworden sind. Natürlich dreht sich das Hauptgespräch um die Olympischen Spiele. Die Fahrgäste, ob Deutsche, Engländer, Costaricaner oder Kolumbianer, alle sahen sie diesem Fest mit froher Erwartung entgegen und freudigen Herzens hörten wir von den Offizieren des Schiffes von den fabelhaften Vorbereitungen, die Berlin getroffen hat, um für die Jugend der Welt Gastgeber zu sein. Nur zu schnell vergehen die sorglosen Tage. Eines Nachts durchfuhren wir die Straße von Dover; zur Rechten erkennen wir verschwommen unter dem Lichte der Scheinwerfer die Küste Frankreichs, zur Linken die Felsen Englands. Am nächsten Morgen bekommen wir die Nachricht, daß Hoek van Holland angelaufen wird anstatt Antwerpen, da in Belgien Hafenstreik herrscht! Das klang so ähnlich wie Los Angeles, wo auch gestreikt wurde, als mir ausliefen. Wie werden wohl die Verhältnisse im neuen Deutschland sein? Nach sechs Jahren zum erstenmal wieder in der Heimat, und wieviel widersprechende Nachrichten hatten wir über das Vaterland gehört!
Wir konnten kaum erwarten, bis wir Holland wieder verließen, und dann kam die deutsche K ü st e : das Leuchtfeuer von Borkum, das Elbefeuerschiff. Der deutsche Lotse ging an Bord. Cuxhaven, Brunsbüttel, Blankenese zogen an unseren Augen vorbei und gegen 7 Uhr morgens legten wir in Hamburg an. Schnell noch einen Händedruck dem sympathischen Kapitän, und das pulsierende Leben der Großstadt Hamburg nahm uns auf. Ein festlich geschmücktes neues Deutschland grüßte uns. Während draußen die Welt von Streiks, Arbeits- losen-Unruhen und Bürgerkriegen durchtobt ist, sieht man hier nur Ruhe, Frieden, Arbeit. Ueberall wohin man blickt, herrscht fieberhafte Tätigkeit, gehen Arbeiter und Angestellte friedlich ihrer Beschäftigung nach. Dann kam die Fahrt durchs herrliche deutsche Land, durch deutsche Wälder, Dörfer und Städte. Wieder zu Hause nach jahrelanger Abwesenheit — eins der seligsten, glücklichsten Erlebnisse im Dasein eines Auslandsdeut- schen! Der erste Eindruck von der Heimat ist unbedingt, daß Deutschland wieder sauber, ehrlich und stark ist, und je tiefer man in die Verhältnisse einbringt, um so mehr erkennt man dann die stille, übermenschlich große Wiederaufbauarbeit, die der Führer Adolf Hitler begonnen hat und noch leisten wird. Mit Stolz und Freude stellen mir fest: Deutschland ist schöner geworden!
Doch einmal wachgerufen, ließ der Gedanke daran die Gelehrten nicht mehr ruhen. Was der „griechische Baedecker" Pausanias in spätrömischer Zeit so verlockend beschrieben hatte, das muhte einmal ans Licht treten. Von französischen und britischen Gelehrten konnte um die Wende zum 19. Jahrhundert wenigstens der Zeustempel festgestellt und vermessen werden. Kurz vor dem Ausbruch des griechischen Unabhängigkeitskrieges faßten die Engländer, durch ihre Erfolge auf der Akropolis ermutigt, sogar den Plan zu einer umfassenden Ausgrabung. Doch verhinderte die nationale Bewegung in Griechenland das Unternehmen. Aber gerade dieser Krieg führte jetzt einen neuen Bewerber um die olympische Beute ins Land, der sich gleichfalls nicht mehr mit Teilentdeckungen begnügte, sondern aufs Ganze ging? d i e Franzosen. Als Helfer der Griechen kamen sie, als Gewinner wollten sie gehen. Den Anlaß gab nämlich eine gegen die türkischen Uebergrisfe im Peloponnes übernommene Militärexpedition, der auch ein Stab von Archäologen beigegeben war. Diesen gelang es jetzt, einiger Met- open vom Zeustempel habhafte zu werden, und ohnS gegeben war. Diesen gelang es jetzt, einiger Meto- pen vom Zeustempel habhaft zu werden, und ohne Frage wäre diesem vielversprechenden Anfang mehr gefolgt, wenn nicht in letzter Stunde die griechische Regierung den Plan der Franzosen durchkreuzt
Schatzgräber in Olympia
Eine Tat deutscher Wissenschaft wird fortgeführt. Don Ernst von Niebelschüh.
Nachdruck verboten!
20. Fortsetzung.
Gefühl habe, nicht ohne ihn leben zu können, ober ob es eine Leibenschaft war, bie vorübergeht."
„Was für große Worte! Nicht ohne ihn leben können! Diese Deutschen finb alle Romantiker. Was hast bu ihm geantwortet? Ober schreibst bu gar nicht?"
„Ich habe ihm gestern nach Singapore geschrieben. Der Brief muß bie „Mary D." bort noch erreichen. Ich habe ihm geschrieben, baß es keine Leibenschaft war, bie vorübergeht."
Frau Durham ließ bie Hanbarbeit enbgüftig in ben Schoß sinken. Bei biesem Gespräch konnte man nicht häkeln. „Das hast bu wirklich geschrieben? Du weißt, iDeber Vater noch ich wünschen, baß bu ben jungen Mann berartig ermunterst, feine aussichtslose Werbung um bich fortzusetzen." Frau Durham war ärgerlich. Die ganze Trennung hatte ja keinen Sinn, wenn solche Briefe gewechselt würben. Ihr Aerger schlug in Entsetzen um, als bie ungeratene Tochter ihr erklärte, sie werbe im nächsten Monat münbig unb gebenfe bann bie Gestaltung ihres Lebens selber in bie Hanb zu nehmen. Es gelange mit bem Tage ihrer Volljährigkeit der kleine Nachlaß der Großmutter frei zu ihrer Verfügung, unb sie bitte bie Mutter, bafür zu sorgen — ba ber Vater abroefenb fei -—, baß bas Kapital an sie ausgezahlt werben könne.
„Was willst bu mit bem Geld? Es handelt sich um 1500 Pfund."
„Die hoffentlich flüssig zu machen sind? Gut. Ich will sie Hans Lorenzen zur Verfügung stellen Da ich gegen euren Willen heirate, rechne ich nicht aus eine Mitgift. Er soll aber, da er selber nichts hat, nicht auch noch ein ganz mittelloses Mädchen zur Frau bekommen." ,, ,
Nach diesem Satz ihrer Tochter schnappte Frau Durham noch zweimal kurz nach Luft mit weit- offenem runden Karpfenmund, dann fiel sie aus einige Minuten in eine wohltuende Ohnmacht.
8. Kapitel.
Rudolf Terbrügge zählte die Tage nicht mehr; er war nun fchon ein alter erfahrener Seemann. Daß er vor den Kochtöpfen stand unb mittags bas Essen auftrug, änberte baran nichts. Seemann bleibt Seemann. Er nahm mit gnäbigem Interesse ßänber unb Ozeane zur Kenntnis. 23orbermDien mit Ceylon. Die Malakkastraße, Singapore voll von grauen britischen Kriegsschijjen.. i Aber die „Mary
Es war etwas von ihm abgefallen, er hatte roieber (ein Alltagsgesicht unb äußerte gleichmütig: „Es ist aber gut möglich, Mr. Durham, daß uns in ben nächsten Wochen die Haifische vor Honkong fressen. Dann ist unsere Rede gegenstandslos gewesen, und wir hätten nicht nötig gehabt aneinander zu geraten." Er stand auf. „Haben Sie sonst noch etwas für mich, Kapitän Durham.
„Nein", sagte der Schotte. Er war bleich geworden; alle Rote hatte sich verzogen. Auch er erhob sich. „Wollen Sie mir die Hand geben, Mr. Lorenzen?"
„Gewiß. Warum?" . .
Durham antwortete nicht. Er packte des anderen Hand lUid drückte sie. Dann drehte er sich um. Lorenzen ging hinaus. Seine Gedanken und Empfindungen waren zwiespältig. „Warum habe ich soviel geredet und verraten", murmelte er. „Ujjb wav sollte der Händedruck? War der Alte gerührt, hat er Sorgen? Ich glaube, ich habe seinen Verstand seine Gewitztheit etwas überschätzt, dafur^schemt er mehr Herz zu haben, als ich vermutete.
Etwa zur gleichen Zeit mochte es fein, bafj Ttife Mary Madge Durham im schonen Landhaus am Firth of Tay ihrer Mutter eine Rede hielt, die ähnlich im Thema war. Sie erklärte ihrer völlig überraschten Mutter, daß sie vor kurzem emen Brief aus Suez bekommen habe. „Vom Vater , meinte die alte Dame mit Genugtuung feftfteüen zu können. „Er hat mir auch geschrieben. An Bord ist alles wohlaus." n .
„Mein Brief war von Hans Lorenzen sagte Miß Mary, und im Ton war schon der Angriff spürbar.
Krau Durham sah kurz von ihrer Hakelarbeit aus, es war die neue Garnitur für Den Kuchen- schrank; -sie erschrak, zwang sich aber zur Gelassenheit unb sagte unbetont: „Was schreibt der Herr Lorenzen bann?" „
„Er fragt, ob ich ihn noch liebe. Ich soll es mir in der Zeit ber Trennung gut überlegen, ob ich das
Unbekannte Fracht
Roman von Frank Z.vraun.
D." hielt sich nirgenbs lange auf. Sie nahm zuletzt in Saigon Kohlen auf; von ben Zubringern wehte bie französische Trikolore, bie Leute waren gelbe Anamiten, sehr häßlich, langsam unb unachtsam. Die Mannschaft hatte einen vollen Vormittag schwer zu arbeiten, bis sie bas Deck roieber sauber bekam.
Dor Hainan würbe Mr. Che Wong unruhig. Er war viel auf Deck, besprach sich mit bem Mann auf bem Ausguck unb schien auf irgenb etwas zu warten. Durham versuchte ihn zu beruhigen.
„Wir finb pünktlich, Mr. Che Wong", hörte Ru- bolf Terbrügge ihn einmal versichern. „Es eilt uns ja auch gar nicht. Wir können warten. Sie sehen selber, fein Mensch behelligt uns. Der Schiffsverkehr scheint gering zu sein. Wir haben seit zwei Tagen keinen fremben Rauch mehr bemerkt."
Rubolf fragte John Schnakenbeck: „Aus was warten wir, bu? Weshalb mußten wir pünktlich ^Schnakenbeck zuckte bie Achseln. „Vielleicht soll bie Labung hier auf hoher See übernommen werben?" — Er irrte sich; aber seine Meinung ging boch nicht gänzlich vorbei. Hans Lorenzen hielt bie beiben ßanbsleute an ber Reeling beim Heck fest. Niemanb konnte sie hören. Es war wie eine Verschwörung, aber er verriet nur etwas, bas boch balb bekannt werben mußte.
„Wir finb gezwungen, burch eine Zone zu fahren, bie von chinesischen Schiffen bewacht unb kontrolliert wirb. Die britische Flagge nützt ba auch nichts, wenn es sich um Gewässer im chinesischen Hoheitsgebiet hanbelt. Nun scheint unser guter Mr. Che Wong aber über ganz ausgezeichnete Verbinbungen zu verfügen Ober man braucht bie Waffen ganz bringenb. Jebenfalls sollen wir hier einen Dampfer treffen, ber uns vorausfahren wirb. Wir halten uns zurück, währenb ber Dampfer wie ein Köber bie chinesischen Bewachungsfahrzeuge auf sich ziehen soll. Vielleicht wirb ein Fluchtversuch gespielt. Jebenfalls rechnet Mr. Che Wong bamit, für bie „Mary D." freie Bahn zu bekommen."
„Was geschieht mit bem Schiff, das sich ver» folgen läßt?^
„Es wird irgendwo und irgendwann emgeholt und gestellt. Der Kapitän spielt den Dummen. Er hat eine harmlose ßaöung an Bord, und die Chinesen ziehen wieder ab."
„Wird das oft gemacht, Herr Lorenzen?*
„Es war die Methode der amerikanischen Alkoholschmuggler. Mr. Che Wong führt das Verfahren für China neu ein, glaube ich." ßorenzen lachtS und ging davon.
Tatsächlich tauchte an einem der nächsten Abends im Norden ein Dampfer auf. Da die „Mary D." nördlichen Kurs hielt, kamen bie beiben Schiffe ein- anber rasch näher. Mr. Che Wong ftanb auf ber Kommandobrücke neben dem Kapitän. Er reichte Durham sein Glas hin. „Es ist besser als das Ihre", sagte er, „können Sie den Dampfer sehen?"
Die Dämmerung fiel schon vom Himmel; in wenigen Minuten würde es Nacht sein. Sie waren diese raschen Uebergänge hier gewohnt. Durham strengte seine Augen an, noch etwas von dem fremden Dampfer zu erkennen. „Er scheint stillzuliegen", stellte er fest und setzte das Glas einen Augenblick ab.
„Dann ist es die ,ßucille'", sagte der Chinese erfreut. Sein rundes Gesicht strahlte. Er rieb sich bis Hände.
Noch ehe es ganz dunkel war, kam die „Mary D." dem anderen Schiff so nahe, daß Durham unö die ßeute an Deck den Namen lesen und die Flagge erkennen konnten. Es war die „ßucille", wie Mr. Che Wong es vorhergesagt hatte. Der Name stand mit erhabenen Buchstaben gut leserlich am Bug.
Die „ßucille" lag still. Trotzdem erkannte man an Bord der „Mary D.", daß auch dieses Fahrzeug unter britischer Flagge fuhr. Die „ßucille" war kleiner als die „Mary D.", aber sie würde dafür schneller fein, das verriet Che Wong dem aufhorchenden Durham.
„Soll ich etwas signalisieren?" fragte der Kapitän. Der Chinese schüttelte den Kops. „Sie wissen dort an Bord, daß ich mit der „Mary D." komme. Es ist nichts erforderlich, als daß Sie den verabredeten Kurs halten. Morgen nacht müssen wir an dem Küstenpunkt sein, den ich Ihnen auf der Karte bezeichnet habe. Sie laufen keine Gefahr^ Macao ist portugiesisch; nur ßuxusjachten der reichen Spieler aus aller Welt anfern im Hafen. Wir bleiben draußen davon. Die ßabung wirb von kleinen Fahrzeugen übernommen. Sie bekommen Ihr Geld unb können unter Balast jeben gewünschten Hafen anlaufen."
I (Fortsetzung folgt!)


