tigen Lieferung an die spanischen Marxisten zur Verfügung stellen solle. Eine zweite Abordnung der kommunistischen Arbeiter habe sich zum Luftfahrtminister Pierre C o t begeben, der den Arbeitern zugesagt habe, daß er ihrem Vorhaben nichts in den Weg stellen werde Die Direktion der Bloc-Werke habe sich daraufhin für die Lieferung der Flugzeuge entschlossen. — Der „Figaro" fragt, ob es den Tatsachen entspreche, daß der Beschluß der Arbeiter auf Veranlassung des marxistischen Gewerkschaftsverbandes hin erfolgt sei, und ob es stimme, daß die Direktion der Werke sich dazu entschlossen habe, den Preis für die Flugzeuge zu ihrem Schaden auf 1 600 000 Franken herabzusetzen. Waffenschiebungen dauern an.
Paris, 21. Aug. (DNB. Funkspruch.) Die „Aktion Francaise" bringt erneut ins einzelne gehende Mitteilungen über Waffentransporte für die spanischen Marxisten, die ununterbrochen im Gang seien, und zwar vor den Augen der zum Grenzschutz bestimmten mobilen
Garde. Die mobile Garde scheine nur dazu dazusein, Journalisten und Neugierige fernzuhalten.
Auch eine andere Geschichte sei von Interesse. Ein früherer mexikanischer Offizier namens Manuel Zernimo, ein Agent der Madrider Regierung, habe vor einigen Tagen im Hafen von Marseille den alten Dampfer „B erbere" gekauft. Die „Derbere" sei inzwischen zum mexikanischen Transportdampfer „Jalisce" umgearbeitet und übermalt worden. Am Donnerstag habe er endlich seine Ladung erhalten: Mehrere Waggons seien von der Schweiz kommend plombiert in Marseille eingetroffen. Am Kai D des Hafens seien dann 120 Kisten Gewehrpatronen und 20 Kisten mit Maschinengewehren in den Tiefen der „Jalisce" verschwunden. Das Cannossement laute auf Vera Cruz in Mexiko, aber man spreche im Hafen von Marseille davon, daß alles bereits für eine Havarie vorbereitet sei, damit der Dampfer in Barcelona anlegen könne. Immerhin sei es bemerkenswert, daß die „Jalisce", die doch nun ein mexikanisches Schiff geworden sei, weiterhin die französische Flagge führe.
San Sebastian Mittelpunkt des Mgeckriegs.
(Scherl-Bilderdienst-M.)
San Sebastian,
St. Jean de Lia
WSff/FRANK'
San Sebastian.
Es scheint eine andere Welt und war doch gestern erst, daß dieser Name, der heute einer der Brennpunkte eines grauenhaften Bürgerkrieges bedeutet, nur eine Vorstellung von Luxus, elegantem und heiterem Badeleben bedeutete. Seitdem im Jahre 1889 die Königin Christine, verführt von der paradiesischen Lage von San Sebastian, hier für den jungen König um drei Millionen Pesetas Schloß Miramar bauen ließ, ist San Sebastian der klassische Badeort der ersten Gesellschaft Spaniens geworden, der auch viele Gäste von fernher anzog. Wenn auch das internationalen Leben San Sebastians vielleicht nicht ganz das des nahen Biarritz erreichte, so besaß es dafür einen um so stärkeren Einschlag nationaler Eigenart, der moN- oänen Treffpunkten der großen Welt einen besonderen Reiz verlieh.
Landschaftlich und klimatisch ist San Sebastian kaum zu überbieten. In die tiefausgeschnittene Bucht schiebt sich die felsige Landzunge hinein, die in dem 135 Meter hohen, von der alten Festung Castillo de la Mota gekrönten Monte Urgull endet. Wer den von Tamariskenbüschen beschatteten Serpentinenweg zum Castillo hinaufgestiegen ist, dem bietet sich von oben ein unvergleichlicher Rundblick über die Bucht mit der Felseninsel Santa Clara, hinter der sich der unendliche Ozean öffnet, nach der anderen Seite über das hügelförmig ansteigende grüne Land vom silberblitzenden, bei San Sebastian von mehreren Brücken überwölbten Fluß U r u m e a durchschnitten, bis zu den Pyrenäen. An den Fuß des Monte Urgull schmiegt sich die Altstadt mit ihren engen verwinkelten Gäßchen,
in ihrer Mitte die von Laubengängen umgebene Plaza de la Constitucia, der Fischmarkt, die Barockkirche Santa Maria mit ihrer herrlichen reliefgeschmückten Fassade, die gotische Kirche San Vicente.
Das Entzücken des Gastes aber ist die „C o n ch a", der berühmte breite Sandstrand, auf dem sich während der Saison unter der südlichen Sonne ein farbenprächtiges Badeleben voll beschwingter Festlichkeit abspielt, oder die Alameda, die 70 Meter breite Dromenade, auf der sich in den Nachmittagsstunden die elegante Welt traf. Auch die S t i e r k ä m p f e San Sebastians sind berühmt. Die Stadt ist stolz auf seine 1903 neu erbaute Arena, die den Kampfstätten der größten spanischen Städte ebenbürtig ist, und die Stierkämpfer, die hier auftreten, gehören zu den ersten des Landes.
Die neuere Stadt, die sich südlich von der „Concha" aufbaut, ist von der erstaunlichen farblosen Regelmäßigkeit des 19. Jahrhunderts. Von dem alten Jzurun, wie die Stadt im früheren Mittelalter hieß, hat die neuere Geschichte so gut wie gar nichts übrig gelassen. 1808 fiel die Stadt in die Hände der Napoleonischen Truppen, 1813 wurde sie nach langer Belagerung von den verbündeten Spaniern und Engländern zurückerobert und dabei von Feuer fast vollständig zerstört. Im Jahre 1836 hatte sie in dem Krieg zwischen Karlisten und Christinas noch einmal eine Belagerung von den Carlisten zu erdulden. Das letztemal, daß sie in der Geschichte eine Rolle spielte, war das Abkommen von San Sebastian vom 17. August 1930, in dem sich die republikanischen und sozialistischen Gruppen Spaniens gegen die Monarchie verbündeten.
Zweiter Angriff aus Mallorca abgeschlagen.
Hendaye, 21. Aug. (DNB.) Aus Palma de Mallorca wird berichtet', daß die Roten einen zweiten Angriff auf die Stadt versucht haben, der ebenso abgeschlagen worden sei, wie der bereits gemeldete vom Mittwoch. Die Maschinengewehre der Nationalisten hätten den Angreifern fürchterliche Verluste beigebracht. Der Sender LaCoruna behauptet, daß am Donnerstag drei Kriegs flugzeuge vom Typ Bregurt von Frankreich kommend, als Verstärkung für die roten Flieger in Barcelona gelan- d e t seien. Der Sender von Burgos bestätigt die Gerüchte über den Abfall der Flieger des Flugplatzes Quatro Vientos in der Nähe von Madrid. Die Flieger hätten sich zugunsten der Nationalisten erhoben. Auf der Insel Mallorca hätten die nach den Balearen entsandten Regierungstruppen außerordentlich schwere Verluste gehabt. Von 3500 Mann, die ausgebootet worden seien, seien rund 25 00 getötet oder verwundet worden. Die Nationalisten beherrschten die Insel vollkornrnerk.
Waffenstillstand mit den basUchen Separatisten?
Paris, 21. August. (DNB. Funkspruch.) Zur Waffenruhe, die Donnerstag bei Jrun und San Sebastian herrschte, wird dem „Echo de Paris" gemeldet, daß sich gegenwärtig in Pamplona die Führer der baskischen Separatisten aufhielten, um mit General Mola über den Abschluß eines Waffenstillstandes zu verhandeln. Die baskischen Bauern hätten einzusehen begonnen, daß ein Sieg der Marxisten für sie eine Niederlage bedeuten könne. Außerdem hätten sie festgestellt, daß die wirklichen Herrscher in der spanischen Republik nicht die gemäßigten Republikaner sondern die k i r ch e n - und religionsfeindlichen Marxisten und Anarchisten seien. Die nationale Bewegung in Burgos beginne auch für die baskischen Bauern eine nationale Bewegung zu werden.
Aber, so meint das Blatt weiter, auch ohne die baskischen Separatisten seien die Marxisten von Jrun und San Sebastian außerordentlich stark, sie seien auch gut bewaffnet. Auf „geheimnisvolle" Weise hätten sich in den letzten Tagen den Marxisten von Jrun 3 0 0 0 katalanische Anarchisten angeschlossen. Ein Blick auf die Karte aber genüge, so meint das Blatt, um zu erkennen, daß
diese „geheimnisvolle" Verbindung zwischen dem Norden Spaniens und Katalonien über die französische Stadt Hendaye führe.
AatiomWische Saubemngs- aktion m Badajoz.
Badajoz, 21. Aug. (DNB.) Die in Badajoz liegende Standarte 4 der Fremdenlegion ist damit beschäftigt, die Provinz einer gründlichen Säuberung zu unterziehen und allenchalben die marxistischen Widerstandsnester zu vernichten. Dabei ist es angesichts der entsetzlichen Greueltaten, wie Verbrennungen, Kreuzigungen und Martern aller Art, die in den unter Kommunistenherrschaft stehenden Ortschaften an der Tagesordnung waren, nicht verwunderlich, daß teilweise recht umfangreiche Erschießungen von Komm uni st en vorgenommen werden, um auf diese Weise das Uebel mit der Wurzel auszurotten. Außer den Städten Villa Nueva de la Serena und Don Benito mit seinem wichtigen Flughafen, haben die Legionäre vier weitere Ortschaften erobert. Der Widerstand war überall nur gering. Damit ist in der gesamten Provinz Badajoz wieder Ruhe und Sicherheit ein- getreten. Der Eisenbahnverkehr zwischen Merida und Badajoz konnte wieder ausgenommen werden.
poalino standrechtlich erschossen.
L o n d o n , 20. Aug. (DNB.) Wie Reuter aus Madrid meldet, ist nach einer Meldung der Rundfunkstation Pontevedra derspanischeBoxerPao- lino Uzcudum in Madrid zusammen mit mehreren seiner Landsleute standrechtlich erschos- s e n worden. Als Boxer hat Paolino eine außerordentlich erfolgreiche Laufbahn hinter sich. U. a. ist Paolino dreimal gegen Max Schmeling angetreten. Zweimal verlor Paolino, in einem Falle gelang es ihm, ein Unentschieden zu erzielen.
Mißglückter Gpanienflug.
Geldgier und Abenteuerlust führten auf dem Flugplatz von Portsmouth zu einem kaum glaublichen Zwischenfall. Verführt durch die Zeitungsberichte, daß die Agenten der kriegführenden Parteien im spanischen Bürgerkrieg jedem britischen Flugzeugführer, der in Spanien eine Maschine abliefere, einen Betrag von 2000 bis 3000 Mark auszahlen würden, erschienen zwei des
Fliegens völlig unkundige Engländer im frühen Morgengrauen auf dem Flugplatz, setzten sich in eine startbereite Maschine und flogen davon. Das Flugzeug machte die wildesten Sprünge, ehe es sich vom Boden erhob. Sie waren mit dem Wind im Rücken gestartet, doch es gelang ihnen, die Maschine in die Höhe zu bringen. Ihr Schicksal ereilte sie jedoch in dem Augenblick, als sie als letztes Hindernis eine in der Nähe des Flugplatzes eingepflanzte Baumgruppe nehmen wollten. Das Fahrgestell des Flugzeuges streifte die Baumwipfel. In kurzem Steilflug fand die geplante Spanienreise ihr vorzeitiges Ende, und d i e Maschine ging zu Bruch. Die beiden Insassen, die, wäre ihnen das Glück nicht hold gewesen, in den nahen Flußlauf gestürzt und ertrunken wären, wurden in schwer verletztem Z u st a n d e in das Krankenhaus gebracht. Bei der verunglückten Maschine handelt es sich um eines der fünf von Privatagenten in London angekauften Flugzeuge, die seit Montag in Portsmouth bereitstanden, um nach einem unbekannten Bestimmungsort abzufliegen. Die beiden Pseudoflieger werden sich vor Gericht zu verantworten haben, da sie sich widerrechtlich ein fremdes Flugzeug angeeignet haben, ein Flugzeug benutzten ohne im Besitz eines ordentlichen Flugzeugführerscheines zu sein, wegen Beschädigung fremden Eigentums und wegen Umgehung des Waffenausfuhrverbotes, das auch Verkehrsflugzeuge umfaßt.
Graf Baillet-Laiour danki dem Führer.
Berlin, 20. Aug. (DNB.) Der Präsident des Internationalen Olympischen Comitees, Gra Baillet-Latour, hat an den Führer und Reichskanzler das nachfolgende Schreiben gerichtet:
„Herr Reichskanzler! Ich möchte Ew. Exzellenz danken für die Unterstützung, die Sie der XI. Olympiade gegeben haben, deren großer Erfolg nur durch das tiefe Verständnis Ew. Exzellenz für den olympischen Gedanken möglich war. Mögen die Spiele dazu beitragen, die Zufriedenheit des deutschen Volkes, die ich ihm von ganzem Herzen wünsche, zu wahren und die für die Rettung unserer gefährdeten Zivilisation so notwendige Annäherung zwischen den Völkern zu fördern. Bevor ich Berlin verlasse, möchte ich Ew. Exzellenz versichern, daß Sie immer auf mich rechnen können, wenn die olympische Idee zu ihrem bescheidenen Teil in der Zukunft wiederum zum Wohle der Menschheit eingesetzt werden soll. Ich bitte Ew. Exzellenz, die Versicherung meiner ehrerbietigsten und dankbarsten Gefühle 'entgegenzunehmen. Baillet-Latour."
Kleine politische Nachrichten.
In Oberhof fand unter Leitung des Reichswirtschaftsministers Dr. Schacht eine Tagung der R e i ch s st a t t h a l t e r und preußischen Oberpräsidenten statt, auf der nach einem Vortrag des Ministers eine Aussprache über wirtschaftspolitische Fragen erfolgte. Am Nachmittag kamen die Reichsstatthalter und Oberpräsidenten mit den Mitgliedern des Beirates der Reichswirtschaftskammer zur Fortsetzung der wirtschaftlichen Diskussionen zusammen.
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Wie die Warschauer Presse mitteilt, wird ein B e - such des Außenmini st ers Beck in Paris erwogen. Beck würde sich gemeinsam mit dem Generalinspekteur der Armee General Rydz- S m i g l y Anfang Dezember nach Paris begeben.
König G h a s i I. v o n I r a k hat in Bagdad den irakischen Ministerpräsidenten, den Außenminister und den englischen Gesandten empfangen. Ghasi I. legte dem englischen Gesandten nahe, in London wegen einer beschleunigten Lösung ber a = lästinafrage im arabischen Sinne vorstellig zu werden. Eine beschleunigte Lösung sei im Interesse der Aufrechterhaltung der guten Beziehungen zwischen den Arabern des Irak und England notwendig.
Kunst und Wissenschaft.
Schachotympia München 1936.
Die 5. Runde, die am Donnerstagvormittag in Angriff genommen wurde, führte Deutschland und Bulgarien zusammen. Die deutsche Mannschaft führte beim Abbruch um die Mittagsstunde bereits 4:0. Richter siegte am Spitzenbrett gegen Gescheff durch einen scharfen Angriff auf der L-Linie. Einen sehr feinen Sieg errang Engels am zweiten Brett gegen Z w e t c o f s. Nach 19 Zügen errang Engels einen Läufer und erzwang in wenigen Zügen ein undeckbares Matt. Zwetcoff mußte aufgeben. Der Kampf D a n t s ch e f f — Carls wurde abgebrochen. Der Bulgare dürfte Gewinnstellung haben. Saemifch kam gegen K i p p r o f f bereits in der Eröffnung in Vorteil und siegte ziemlich rasch. Auch Michel, der diesmal am achten Brett antrat, konnte seine Partie gegen Martscheff zu einem Siege gestalten. Die Partien Rödl—Weinoff, Heinicke—Loschest und Ernst—Froncez wurden abgebrochen. Ergebnisse der fünften Runde bis zum Abbruch: Holland—Dänemark 2l/i: V2, Frankreich — Litauen 2 : 5, Jugoslawien — Island 6V2: V2, Schweden ■— Lettland 2 :1, Bulgarien — Deutschland 0 : 4, Norwegen — Polen V2: 2V2, Estland — Schweiz 2 :1, Brasilien — Tschechoslowakei 1 :2, Finnland — Rumänien IV2: V2, Ungarn — Italien 3V»: V2.
Mit der sechsten Runde traf Deutschland auf Norwegen. Wiederum zeigten sich unsere beiden Spitzenspieler Richter und Engels in ausgezeichneter Form. Sie gewannen ihre beiden Partien mit außerordentlicher Sicherheit. Bei Ab- bruch war das Ergebnis der 6. Runde folgendes: Rumänien — Ungarn 0 :1 (Hängepartien), Tschechoslowakei — Finnland 5 :1 (2), Schweiz gegen Brasilien 4:4 (7), Polen — Estland 4:3 (1), Deutschland — Norwegen 2V2: V2 (5), Lettland — Bulgarien 5V2: V2 (2), Island — Schweden IV2: 3V2 (3), Litauen — Jugoslawien 3 :4 (1), Dänemark gegen Frankreich 4V2: V2 (3), Oesterreich — Holland 4V2: 2V2 (1), Italien spielfrei. Am Freitag- vormittag wird Deutschland in der siebenten Runde Estland gegenüberstehen, wobei man auf den Ausgang der Partie Keres — Richter gespannt sein darf.
HL Internationaler Oto-Rhlno-Laryngologen- kongreß.
In Berlin tagt seit dem 17. August der III. Internationale Oto - Rhino - Laryngologen - Kongreß unter zahlreicher Beteiligung aus allen Kulturstaaten der Welt. Es hat sich als undurchführbar her- ausgestellt, in den vorgesehenen sechs Kongreßtagen mit je fünfstündiger Vortragsdauer das ganze Programm abzuwickeln. Auf Anregung des Präsidenten Professor Dr. von Eicken haben aus diesem Grunde die deutschen Wissenschaftler und Aerzte auf das Halten ihrer Vorträge verzichtet, um zu ermöglichen, daß die ausländischen Gäste ihre zahlreich gemeldeten Vorträge halten können.
Das wahre Krankreich,
Von unserem rt.-Berichterstaiter.
Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!
Paris, August 193g
Herrn Leon Blum, dem marxistischen Ministr, Präsidenten Frankreichs, hat Leo Trotzki in ;er Neuyorker „Nation" für den Herbst das Schjj, sal Kerenskis prophezeit, gegen das Blum ahnungsvoll in seiner ersten Kammerrede o.r wahrte. Trotzki hat erkürt, Blum werde im Hei«, gestürzt werden und die S 0 w j e t r e p u big Frankreich erstehen, denn das französische $rL?: tariat sei reif, und die Nöte der Regierung jit Volksfront seien mit deren Mitteln nicht zu \ti heben. Mittlerweile hat Monsieur Roger Sale^ gro, Blums Innenminister, in Lille eine Rh gehalten, die in der französischen Presse ein :.lt schlechtes Echo fand; denn Salengro war 3Kir Marxist, galt aber als fähig, solange er nicht öm Ministersessel zierte.
Als Inhaber seines Portefeuilles machte er h zunächst unliebsam bemerkbar durch die Art, in er vor den Gewerkschaften katzbuckelte und n.r durch die energische Sprache des Senats i- zwungen wurde, die B e t r i e b s b e s e tz u ng',^ künftighin nicht mehr durchgehen zu lassen. 2)afT rächte er sich, indem er ganz offen davon fpr^ daß die Kämpfe im Parlament eine Fortsetzu»! a u f der Straße finden könnten, also in Rei! lution ausarten, und am Sonntag hat er nicht ng Deutschland und Oe st erreich angepöM, sondern seinem radikalsozialistischen AußenminiiI Delbos geradezu Knüppel zwischen die Beine* warfen. Er hat die Linke in Spanien als befrei bete Regierung angesprochen, ihr ben Sieg <, wünscht unb hat bamit alles getan, um bie tralitätsaftion seines Regierungschefs zu bur> kreuzen. Im Namen ber Marxisten unb Kommu 1, ften. Kurzum, er ist bas Schreckenskind das Kabinetts geworben unb nicht nur bie Parißx Rechtsblätter beuten an, baß er so wenig M Minister passe wie ein Bock zum Gärtner.
Die massive Sprache Salengros gegen Berlin u-J Wien mag aus feiner Einstellung als SalonfoziM herrühren, ber sich rabikaler gibt als ber Mann 1 ber Straße, unb zubem mögen gewisse perfönlire Erfahrungen aus ber Kriegszeit mitsprechen, bei Salengro hat als Kriegsgefangener in Kottbus & beitsdienst machen müssen, weil er seine Mitgesw- genen zu Streiks gegen bie Anordnungen b? deutschen Heeresleitung aufgefordert hatte. Aber dr ehemalige Student der Pariser Sorbonne hat sfh nicht gewandelt. Er hat mit den Jahren nicht 1 Verstandesklarheit gewonnen, und daher spricht r gerade das aus, was die Mehrheit der Franzosst nicht wünscht: den Kreuzzug gegen alle NichtliM« regierungen unb bie Einmischung in b;e Verhältnisse anberer ßänber.
Salengro mag sich nicht als Aufwiegler, nicht ols Demagoge fühlen, in Wirklichkeit wirb er als sicher empfunben unb zubem als Vermehrer frr Unruhe unb Unrast, die feit den Maiwahlen ofjneh auch dem unpolitischen Franzosen allmählich Bit Ueberzeugung eingehämmert hat, baß Franknst an einer Schicksalswenbe, baß es in einem Umbruch, in einer Aenberung eines ZustW bes steht, ber über zwei Menschenalter gebauert U unb nunmehr zu Grübe getragen wird. Das Em:- finbungsbarometer bes Franzosen reagiert je nccj ber Landschaft sehr verschieden, unb diese £om> schäften, die Normandie, Bretagne, Jsle defframe, Touraine unb bie südlichen Provinzen reagieren anders als Paris unb bie Städte; aber sie geborn doch schließlich in der Geschichte Frankreichs bem Ausschlag. Mehr als in Deutschland ist der FranzM Bewohner der kleinen Städte unb Dörfer, nirii schließlich hat in allen Revolutionen biefe Masse bin Ausschlag gegen bie großen Stäbte gegeben. 6:e vernichteten bie Jakobiner der großen französisch-n Revolution, stellten Napoleon bie besten Soldaten, überroanben bann bie Revolutionen von 1830 uri 1848, stellten bie Stimmen für ben dritten W- poleon, zwangen die Kommune von 1871 nieder mri haben seitdem nichts von ihrer Zähigkeit, ihren?:■ zialen Verhältnissen, ihrer Friedensliebe eingebiW
Man will auf dem Lande den Frieden, M allem nach den Erfahrungen des Weltkrieges. IM auch in den Städten richtet sich der Witz der irrt unter einer Wolke Lebenden bitter gegen die FrUi- densstörer, die von ihren Aemtern aus den Bal' schewismus oder Linksradikalismus der ganM Welt lenken möchten, während der Franzose dich zunächst nur und ausschließlich an sich selbst benlit Das ist entscheidend. Man hat sich daran geroöhrri, daß das moderne freie Verfassungswesen beftänbi??* Aufregungen verursacht, und diese Aufregungen eri- prechen dem französischen Charakter, 'man nr6 auch, daß zum Politiker nicht gerade eine fü|§< Lavendelseele geeignet ist und nimmt Unvollkommenheiten. ja ein gewisses Maß Korruvtion in bad Kauf. Maitre Arouet-Voltaire kannte seine Land-'-- leute wenn er sagte, sie seien
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also im Kleinen vollkommen. Aber das ist nur Anregung für bie Nerven bes Franzosen. Man immer wieber finben, baß im Familienleben, in’ Arbeitsethos, in der individualistischen Auffassung vom Staate, in allen täglichen Gewohnheiten toit Franzose selbst der proletarischen Schicht bist „Niens" zu „Etwas" macht, und die Pariser M1 nettes, die zwar gewerkschaftlich organisiert slin), aber mit einer Schleife ihr billiges Fähnchen einem unsagbaren Chick veredeln und davon träi? men unb es manchmal erreichen, Besitzerin ein -s kleinen Labens zu werben, finb gewissermaßen ö'f Tnp bes Franzosentums.
Jeboch zum erstenmal seit 60 Jahren ist jetzt di^ ganze Drbnung in Gefahr. Man erkannte da- zuerst nicht, man ließ die Streiks, bie Blumf^' Gesetze, über sich ergehen und trat nur für die Mr rechterhaltung der Ordnung ein. Seit vielen Jahr-'’ war nichts geschehen, um bas soziale und wirtsäfl'/ liche Leben mit den Erfordernissen der Neuzeit Einklang zu bringen. Jetzt erhob gerade zum 6|r:‘ setzen der ruhigen, aus ReoolutionstraditionalisM» links wählenden Franzosen nicht die Reform^ sondern die Revolution ihr Haupt. 3uen1 war man unsicher, dann aber spürte man, daß Regierung Blum daran ging, das soziale sicht Frankreichs zu verändern. Ihr Gesetz«^' ist insofern eine Vorstufe des Bolschewismus, es den Kollektivismus dem individuali! scheu Frankreich aufzwingen möchte.
Man erkennt jetzt, daß die Regierung Blum &11’ Z w a ngsorganifierung bes Franzose” erreichen, die Unternehmer in Trusts, die BauelU in kollektive Genossenschaften, die Arbeiter in ®e' werkschaften gliedern möchte. Die Regierung Bl^ läutet seit Monaten die Totenglocke über den fr<wv zösischen Individualismus, während doch das Sine- ben mach Selbständigkeit, und sei sie noch so wirrzH dem französischen Charakter entspricht. Sie hat u«


