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Rickett in Addis Abeba.

A d d i s A b e b a , 21. März. (DNB. Funkspruch.) Heute traf R i ck e t t in Addis Abeba ein. Er ver­weigerte jegliche Auskunft über den Zweck feiner augenblicklichen Reife nach Abessinien. Da er von Rom kommt, vermutet man, daß sein Besuch nicht geschäftlicher, sondern politischer Natur

Kämpfer für Chinas Einigung

Don August Deck, Oberstleutnant a. O.

Sicherung des wichtigen Kalgan, das neuerdings von japanischen Truppen endgültig besetzt wurde. Damals entschuldigten sich die Japaner für ihr Vorgehen, doch war es dort schon beabsichtiat, die innere Mongolei für Japan völlig zu erschließen.

Unter dem japanischen Botschaftergeneral Mi- n a m i gewann zur gleichen Zeit die Kwantung- armee im Kaisertum Mandschukuo den großen Einfluß, den sie jetzt noch inne hat. Sie war der erbittertste Gegner der Nankingregierung, die unter dem mit diktatorischen Vollmachten ausgestatteten Tschiang-kai-schek die japanischen Ziele häufig durch­kreuzte. Die großen Cliquen der japanischen Mili­tärhierarchie waren in der Kwantungarmee ver­einigt und bemühten sich mit militärischer Gewalt alles durchzusetzen, was die japanische Regierung nur in vorsichtiger Weise anstrebte. Die Besetzung von Jehol, Tschahar, ferner großer Gebiete der inneren Mongolei, die Durchbrechung der chinesischen Mauer war ihr Werk. Ihrem ungebändigten Taten­drange, der unter Generalmajor Doihara China zu überrennen drohte, gebot die Regierung Okada Einhalt, um eine vorzeitige chinesische Explosion zu verhüten, durch die Rußland unfehlbar zu einem Eingreifen veranlaßt worden wäre. 4000 japanische Offiziere wurden im Spätsommer 1935 diszipliniert. Das Einverständnis zwischen der japanischen Armee und ihrer Regierung war hergestellt, das gespannte Verhältnis zu Tschiang-kai-schek blieb, es entstand durch die Verwundung des projapanischen Wang- tsching-wei sogar noch eine Verschärfung.

Tschiang-kai-schek ist jetzt zwei Großmäch­ten gegenübergestellt, die, einander feindlich, Ein­fluß auf China gewinnen wollen. Sowjetruß­land, das die westlichen Provinzen Sinkiang und äußere Mongolei mit mehr als zwei Millionen Quadratkilometer an sich gerissen hat, und im Norden Japan, das die Mandschurei, die innere Mongolei und Nordchina, ein nicht viel kleineres Gebiet, als seine Domäne ansieht. China wird wohl genötigt sein, zwischen beiden Gegnern zu wählen. In der letzten Zeit kursieren Nachrichten von starken russischen Ein­flüssen, auch der Kommunistenkampf in Kweitschou lebt wieder auf, auf der anderen Seite drängt Japan zu einem gemeinschaftlichen Vorgehen gegen Moskau. Tschiang-kai-schek kann wohl mit dem Faustzitat sagen:Zwei Seelen wohnen, ach, in meiner Brust, die eine will sich von der andern trennen".

Die Entscheidung Chinas ist das Schicksal O st a s i e n s. Mit einem Momente kann indessen Tschiang-kai-schek sicher rechnen, nämlich aus den westlichen und südlichen Provinzen Chinas einen Länderblock zu schaffen, der unabhängig von seiner Einstellung, mit mehreren hundert Millionen Ein­wohnern in Dftafien eine Rolle von größter Be­deutung spielen wird.

sätzen zu erreichen. Der Opiumhandel wurde bei Todesstrafe verboten.

Um eine neu aufbauende Staatsanschauuna zu schaffen, mußte Tschiang-kai-schek das chinesische Sippenwesen, die Bedeutung der Großfamilie bekämpfen und dahinarbeiten, das Einzelindividuum an dem Bestand des Staates zu interessieren. Die­sem Gedanken trug auch seine Agrarreform Rechnung. Der chinesische Bauer lebte nur in und für seine Familie, seine Sippe, sein Dorf, ein dar­über hinausaehendes Interesse fehlte ihm vollständig. Die Agrarreform sollte ein selbständiges Bauerntum schaffen, das in gleicher Weise seine Interessen mit dem des Staates verband. Im Sinne westlicher Prinzipien wurde eine Auflösung des kon­fuzianischen Sippen st aates angestrebt, eine Verschmelzung europäischer und chinesischer Ideen sollte sich vollziehen. Die Zusammenfassung des gesamten Bauerntums zu einer kooperativen Arbeit schon um die Riesenschädigungen durch Ueberschwemmungen einzuschränken, ferner die Gründung von Genossenschaften führten zu einem beschränkten Erfolg. Es wurde eine Herab­setzung der übertriebenen Pachtgelder ermöglicht, aber die Durchführung der Gesamtreform in dem großen Reiche fcheiterte an den Provinzialregierun- gen, welche die Durchführung vielfach zwar kräftig in die Hand nahmen, aber sie ganz verschieden­artig behandelten. Daß für den chinesischen Bauern eine Steuerentlastung eintrat, kann als Er­folg gebucht werden. Man darf über die Mängel der Zusammenfassung des großen Werkes nicht überrascht sein, die riesigen Verhältnisse Chinas sind die eines Erdteils mit großen klimatischen und völkischen Unterschieden und nicht vergleichbar mit den Dimensionen irgendeines europäischen Landes. Im Jahre 1935 hatte sich zu den Schwierigkeiten der Agrarreform noch das Problem des Uebergangs von der Silberwährung zur Papierwährung hin- zugefellt. Der Erfolg dieser Maßnahme muß erst abgewartet werden.

Die wachsenden Erfolge Tfchiang-kai-scheks im Kampf mit den Kommunisten hatten bei der j a - panischen Regierung Unruhe hervorgerufen. Japan wollte lieber einem zerrissenen als einem geschlossenen China gegenüberstehen. Der Gefechts­lärm der Kämpfe bei Tschapei im Frühjahr 1932 konnte die stillschweigende Besetzung der Mandschurei eine Zeit lang verschleiern. Im Waffenstillstand von Tang-ku trat das entschiedene Bestreben Japans hervor, auch auf Nordchina endgültig Einfluß zu gewinnen. Die Einigung Chinas war der größte Erfolg Tfchiang-kai-scheks, und da er geeignet war, die Politik im Fernen Osten in völlig geänderte Bahnen zu leiten, sah Japan mit mißgünstigen Augen auf den großen Leiter der chinesischen Schicksale. Es fehlte auch nicht an Anspielungen auf eine zweideutige Haltung des Marschalls. Bei einer seiner Besichtigungsreisen nach Kalgan kam es im Dezember 1934 zu einem Zu­sammenstoß mit japanischen Truppen bei Dolonor. Damals leitete Tschiang-kai-schek noch persönlich die

V.

Tschiang-kai-schek.

Oer nationale Führer.

In dem armen unendlich fleißigen chinesischen Bauern st and erweckt jede Revolution die For­derung nach Grundbesitz. Das chinesische Bürger­tum andererseits sah sich infolge Fehlens von Industrie meist in der Rolle des Inhabers von Großgrundbesitz, der zum größten Teil verpachtet wurde. Es ist sehr verständlich, daß die chinesische Revolution hier Umwälzungen bringen mußte, nach­dem Borodin die Gemüter erhitzt hatte, und daß wiederum das Bürgertum sich nur einer Staats­form zuneigte, die ihm den Besitz nicht allzu stark schmälerte. Tschiang-kai-schek, mit diktato­rischen Vollmachten versehen, sah es als seine be­sondere Aufgabe an, durch eine einschneidende Agrarreform sowohl dem Bürgertum als auch dem Bauerntum gerecht zu werden. Sein Ziel war, die Produktivität durch die langjährigen Bürger­kriege verarmten und verwüsteten Landes wieder zu heben.

Bevor er jedoch dieser Aufgabe feine Kräfte widmen konnte, mußte er mit dem in den Sud­provinzen Fukien und Kiang-fi stark auflodernden Kommunismus abrechnen. Nach langen schwe­ren Kämpfen im Sommer 1934 zerschlug Tschiang- kai-schek mit den japanischen Methoden des Bom­benwurfes aus der Luft den roten Aufstand Eugen Tschens. Nachdem er die kommunistischen Trup­pen zerstreut hatte, nahm er am 14. Dezember 1934 in energischem Anlauf den Hauptsitz der Aufständi- gen Juichan, an der Grenze zwischen Kiang-so und Fukien, so daß der Rest der roten Armee in wilder Flucht nach langen schwierigen Märschen die Ge­birge Szeschuans erreichte, wo die ermüdeten Trup­pen in der unzugänglichen Berglandschaft der weite­ren Verfolgung sich entziehen und Unterschlupf finden konnten.

Tschiana-kai-schek konnte nun an den kultu­rellen Ausbau seines Einigungswerkes Heran­gehen. Durch kluge Verbindung von Altem und Neuem stellte er unter Wahrung der Tradition Wissenschaft und Technik in den Dienst seiner Be­strebungen. Er modernisierte Verwaltung und Steuersystem, er verwendete den Rundfunk als Er­ziehungsmittel des Volkes, er schuf die Hochschulen zu nationalen Lehrstätten um und ließ Lehrer für Volksschulen ausbilden. Das Straßennetz ließ er durch seine Divisionen ausbauen, neue Eisenbahn­linien wurden nach Maßgabe der vorhandenen Mittel fertiggestellt, Fluglinien zwischen den wich­tigsten Städten wurden angelegt. Bei der Heeres- organifation waren ihm deutsche und österreichische Offiziere behilflich. Ein kulturelles Verdienst war es, daß er dem Volke die Lehren des Konfuzius wiedergab und die verwüsteten Buddhatempel wie­der herstellte. Die Hebung der Moral suchte er durch die in seinemrechten Weg" niedergelegten Grund-

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ist. Die Vereinigung abessinischer Patrioten fanbfü am Samstag an die internationalen Frauen-Or- ganisationen und an die Friedensvereinigungen der Welt Protest-Telegramme, daß Italien neuerdings fast bei jedem Bombenabwurf Gift- gasbomben benutze, die meistens Opfer un­ter d e r Zivilbevölkerung forderten. In den Telegrammen wird um Maßnahmen gebeten, Italien anzuhalten, seinen Verpflichtungen aus dem Abkommen nachzukommen.

Die polnische presse zum Locarno-Mmorandum.

Warschau, 21. März. (DNB. Funkspr.) Die Stellungnahme des polnischen Außenministers Beck in der Ratssitzung am Freitag wird von der pol­nischen Presse mit großem Beifall ausgenommen. Polen wird als d e rV e r t e i ü i g e r d e r A u t o. rität des Völkerbundes" bezeichnet. Die Blätter unterstreichen in erster Linie den Gedanken, daß der Völkerbund kein bloßes Anhängsel des Rheinpaktes sei und sein wolle. Minister Beck sei energisch gegen die diktatorischen Be­strebungen der Großmächte vorgegangen und habe den Beifall vieler Völkerbundsmitglieder gefunden und zunächst einmal bewirkt, daß der Völkerbund es ablehnte, bereits fertige Vorschläge einfach anzunehmen.

Expreß P o r a n n y" undP o l s k a Z b r o j - n a" werfen die Frage auf, ob der Völkerbund nicht schon mit seiner ersten Resolution, die die Vertrags­verletzung feststellte, seine Pflicht erfüllt habe. Ob der Völkerbund noch weiter gehen wolle, werde sich zeigen. Aber jedenfalls werde er nicht so tanzen, wie die Großmächte pfeifen.Polska Zbrojna" hält es für durchaus noch offen, ob der Rat über seine erste Entschließung hinausgehen solle, da weder Artikel 43 des Versailler Vertrags noch Artikel 4 des Rheinpaktes den Lo­carnomächten Grundlagen zu Empfehlungen gäben, die über die unmittelbare Streitfrage hinausgingen.

Der konservativeCzas" stellt fest, daß die Be­mühungen, die Kriegsgefahr zu bannen, von Er­folg gekrönt seien. Besonders unklar sei die Rolle Litwinows, der sich eifrig dazu dränge, den Westmächten seine Dienste anzubieten, wobei der Preis leicht ein Danaer-Geschenk sein könnte. Der bolschewistische Sendling zeige sich sehr besorgt um das Wohlergehen Europas.Wir sehen aber, nfas in Spanien geschieht, und das Auftreten der Drit­ten Internationale in der europäischen Arena be­geistert uns durchaus nicht." Polen wünsche gute Nachbarbeziehungen mit der Sowjetunion, glaube aber nicht, daß es den allgemeinen Frieden finde, wenn man aus der Sowjetunion den Schieds­richter in europäischen Konflikten mache. Das Ende der Locarno-Verträge stelle eine gewisse Entlastung des polnisch-französischen Bünd­nisses dar. Die neue Verständigung der Locarno­mächte, die zeitweilig und provisorisch sei, könne Polen nicht beunruhigen. In der Perspektive er­scheine eine internationale Konferenz, die die Sicherheitsgarantien Westeuropas und Ost­europas in gleicher Weise gestalten müsse, da nur dann die Möglichkeit eines Krieges nach mensch­licher Voraussicht abgewendet werden könne.

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