Ausgabe 
20.11.1936
 
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Nr. 272 Erstes Blatt

186. Jahrgang

Zreitag, 20. November 1636

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Pan-Amerika

Es müssen schon außerordentliche Anlässe vor­handen sein, wenn ein Präsident der Ver­einigten Staaten während seiner Amtszeit einmal eine Auslandsreise unternimmt. Wil­son tat es, als er im Jahre 1919 zu den Friedens­oerhandlungen nach Paris fuhr mit negativem Erfolg, wie wir alle wissen. Auch die Bürger der USA. haben das Unternehmen Wilsons immer als einen Fehlschlag empfunden. Wenn nun, trotz der amerikanischen Abneigung gegen Auslandsreisen des Staatsoberhauptes, der wiedergewählte Präsi­dent Roosevelt sich auf dem Kreuzer India­napolis" eingeschifft hat, um eine wochenlange Fahrt nach der südlichen Hälfte des amerikanischen Dop­pelkontinents anzutreten, dann ist in der Tat mit einem weltpolitischen Ereignis von größter Trag­weite zu rechnen. Es handelt sich um den 8. Pan­amerikanischen Kongreß, der am 1. De­zember dieses Jahres in der argentinischen Haupt­stadt Buenos Aires beginnt und der die Ver­treter von 21 amerikanischen Staaten vereinigen wird. Präsident Roosevelt beabsichtigt, sich nur zwei Nächte und einen Tag in Buenos Aires aufzuhal- ten, aber er wird diesen einen Tag dazu benutzen, um der feierlichen Eröffnungssitzung mit einer großen Rede die rechte Weihe und das Leitmotiv der Konferenz zu geben. Diese Tatsache unterstreicht die Bedeutung, die man dem Kongreß jenseits des großen Teiches diesmal zuerkannt. Aber auch Eu­ropa und die übrige Welt werden gut daran tun, die Zusammenkunft der amerikanischen Staats­männer in Buenos Aires nicht zu unterschätzen. Noch verbinden uns viele politische und wirtschaft­liche Beziehungen mit dem amerikanischen Konti­nent. Wenn aber eines Tages die panamerikanische Solidarität Wirklichkeit wird, wenn der gewaltige Erdteil, der fast von Pol zu Pol reicht, sich ganz auf seine eigene Lebens- und Wirtschaftskraft zu­rückzieht, dann kann das nicht ohne tiefgreifende Rückwirkung auf die politische und wirtschaftliche Struktur des Erdraumes bleiben.

Die diesjährige Konferenz von Buenos Aires ist, wie gesagt, nicht der erste großangelegte Versuch, so etwas wie eine gesamtamerikanische Gemeinschaft aufzubauen. Es ist auch fraglich, ob jetzt schon der Grundstein zu einem Völkerbund der Neuen Welt gelegt werden kann. Die Tendenz, etwas Aehnliches zu schaffen, ist jedenfalls trotz aller Gegensätzlichkeit zwischen den amerikanischen Staaten drüben vor­handen. Frühere Vorstöße in dieser Richtung sind allerdings mißglückt. Noch der vorige panamerika­nische Kongreß vom Jahre 1932 in Montevideo brachte keine nennenswerten praktischen Ergebnisse. Wenn heute die Bestrebungen nach einem allamerika­nischen Zusammenschluß sehr viel günstiger beurteilt werden, dann müssen inzwischen Ereignisse emgetre- ten sein, welche die damaligen Hemmungen zum großen Teil beseitigt haben. Diese neuen Momente liegen auf politischem wie auf wirtschaftlichem Ge­biet. Wir erinnern uns noch des überaus blutigen und hartnäckig geführten Krieges im Gran C h a c o , der die ungeklärten Besitz- und Grenz­verhältnisse auf dem südamerikanischen Kontinent ins hellste Licht rückte, und der Abgründe erkennen ließ, die scheinbar niemals zu schließen waren. Und doch war der endlich zustandegekommene Waffenstillstand zwischen Paraguay und Bolivien ein neuer Anfang der amerikanischen Geschichte, er war geradezu em Sinnbild der besonderen Friedensidee, die sich im Laufe der Zeit drüben herausgebildet hat, und die im stärksten Gegensatz zu der Ideologie der Genfer Liga steht.

Auch der Völkerbund hat bekanntlich die Aufgabe der Kriegverhütung, aber um dies Ziel zu erreichen, verpflichtet er die Staaten zu automatischen Beistand, organisiert er den Krieg gegen den Krieg und nennt das Ganzekollektive Sicherheit" oder unteilbaren Frieden". Die Erfahrung der letzten Jahre hat uns Deutschen, aber auch den südameri­kanischen Staaten gezeigt, daß dieses System ent­weder völlig versagen oder, wenn es doch an­gewandt wird, einen neuen Weltenbrand von ungeheuren Ausmaßen entfachen muß. Im Gegensatz zu der Genfer Doktrin geht der Vorschlag eines panamerikanischen Neutralitätspaktes von der natürlichen Friedensliebe der Völker aus. Er ver­pflichtet im Falle eines irgendwo ausbrechenden kriegerischen Konfliktes nicht die ganze Welt zum gegenseitigen Beistand, sondern bezweckt lediglich die Isolierung der beiden streitenden Parteien durch das Verbot von Waffenlieferungen und finan­ziellen Beihilfen. Außerdem sollen sich die Nachbar­staaten um eine friedliche Schlichtungdes Kon­fliktes bemühen. Dieses Prinzip hat auch ?m Chaco-Krieq schließlich zum Erfolge geführt, wah­rend alle Versuche des Völkerbundes kläglich schei­terten So wuchs die Abneigung gegen die Genfer Institution bei den lateinamerikanischen Ländern immer mehr Der Eintritt Sowjetrußlands in die Ligo und besonders die lächerliche Rolle^ die Genf im Abessinienkonflikt spielte, haben die Loslosungs­tendenzen weiter gefördert. Mehrere Staaten Süd­amerikas haben ihren Austritt aus dem Genfer Verein bereits vollzogen, die Vereinigten Staaten sind sogar niemals Mitglied des Völkerbundes ge= wesen. ,

So sind von der politischen Seite her alle Vor- aiissetzungen für eine panamerikanische Einigung gegeben, zumal auch die USA sich bemüht haben, durch das Abqehen von der früher so gefürchteten Dollar-Diplomatie die Bedenken Lateinamerikas zu zerstören Präsident Roosevelt Hut die Monroe- Doktrin alten Stils verabschiedet. Er will sie in Zu­kunft nur noch auf die außeramerikanischen Staa­ten anwenden. Das heißt, daß man eine von außen kommende Einmischung in interkontinentale Ange­legenheiten nicht mehr dulden wird. Auch die USA. verzichten damit auf ihre Vorherrschaft und betrach-

Der österreichische Besuch in Berlin.

Aussprache beim Führer.

B e r l i n, 19. Nov. DerFührerundReichs- kanzler empfing den österreichischen Slaatsfekre-1 tär Dr. Schmidt zu einer etwa zweistündigen Aussprache über schwebende politische Fragen. An der Besprechung nahmen Reichsmi­nister Freiherr von Reurath, der öster­reichische Gesandte in Berlin Dr.-Jng. T a u s ch n i h, Botschafter von Popen und Staatssekretär Dr. Meißner teil. 3m Anschluß hieran stellte Staatssekretär Dr. Schmidt dem Führer seine Mitarbeiter, Gesandten Dr. W i l d n e r, den Leiter der Wirtschaftspolitischen Abteilung, Gesand­ten hoffinger, den Leiter der Abteilung Mit­teleuropa des Wiener Außenministeriums, sowie seine anderen Begleiter vor.

Der österreichische Staatssekretär des Aeußeren, Dr. Guido Schmidt in einer Unterhaltung mit Reichsaußenminister Freiherrn von Neurath. (Scherl-Bilderdienst-M.)

Staatssekretär Schmidt am Ehrenmal.

Den gefallenen Helden des verbündeten deutschen Heeres."

Staatssekretär Dr. Schmidt gedachte Donnerstag mittag durch eine feierliche Kranznieder­legung am Ehrenmal Unter den Lin­den der Gefallenen des deutschen Heeres. Um

13 Uhr marschierte vor dem Ehrenmal Unter den Linden eine Ehrenkompanie des Wach­regiments unter Führung des Hauptmanns Hoebel, eines Trägers des Blutordens, mit klin­gendem Spiel auf. Kurz darauf erschien Staatssekre­tär Dr. Schmidt, begleitet vom Chef des Protokolls, Gesandten von Bülow-Schwante, dem Botschafter von Popen, Gesandten Wildner und Gesandten Hof­finger. Sie wurden von dem Kommandanten von Berlin, Generalleutnant Schaumburg, begrüßt. Unter den Klängen des Präsentiermarsches schritten

sie die Front der Ehrenkompanie ab und begaben sich bann in das Ehrenmal, wo sie einen Lorbeer­kranz niederlegten, dessen rotweißrote Schleifen die Inschrift trugen:Den gefallenen Helden des ver­bündeten deutschen Heeres. Der österreichische Staats­sekretär für die auswärtigen Angelegenheiten". Nach stillem Gedenken, währenddem von draußen die Klänge des Liedes vom guten Kameraden hineintön­ten, bildete ein Vorbeimarsch der Ehrenkompanie den Abschluß der Totenehrung, der viele Hundert Berliner beiwohnten.

Vertiefung der Zusammenarbeit.

Vom Bewußtsein und Bekennen gemeinsamen Volkstums getragen.

Abendtasel beim Reichsaußenmimster.

Zu Ehren des Staatssekretärs Dr. Schmidt ver­anstalteten der Reichsminister des Auswärtigen und Freifrau v. Neurath eine Abendtafel im Haufe des Reichsministers. Von österreichischer Seite waren außer dem österreichischen Gesandten Tau- schitz sämtliche Herren der Begleitung des Staats­sekretärs sowie die Herren und Damen der öster­reichischen Gesandschaft erschienen. Außerdem nah­men der königlich-ungarische Gesandte S z t o j a y, sowie der königlich-italienische Geschäftsträger und Gräfin M a g i ft r a t i teil. Deutscherseits waren neben Mitgliedern des Reichskabinetts führende Persönlichkeiten aus Staat, Wehrmacht und Partei mit ihren Damen anwesend. Während des Essens begrüßte

der Reichsminister des Auswärtigen

den Gast der Reichsregierung mit folgenden Wor­ten:Herr Staatssekretär! Es ist mir eine besondere Freude, im Namen der deutschen Reichsregierung Sie und die Herren Ihrer Begleitung als Vertreter Oesterreichs hier in Berlin begrüßen zu können. Ich hoffe, datz trotz der Kürze Ihres Aufenthaltes Sie Gelegenheit finden werden, an der Wärme und Herzlichkeit, mit der die Bevölkerung der Reichs- haupfftadt die Gäste aus deutschem Stamm auf» nimmt, den hohen Grad des Zusammen­gehörigkeitsgefühl zu ermessen, den jeder Reichsdeutsche für jeden Oesterreicher empfindet. Die politischen und wirtschaftlichen Fragen, deren Er­örterung den Anlaß Ihres Besuches bilden, liegen aus den gleichen Gründen uns allen besonders am Herzen. Ihre Besprechung dient dem Zwecke, die

durch das Abkommen vom 11. Juli neu erstandene Zusammenarbeit der beiden Staaten des gleichen deutschen Volkstums zu vertiefen und zu erweitern. Es ist mein ernster Wunsch, daß diese Arbeit zu einem vollen Erfolge führen möge. Ich bitte die Anwesenden, mit mir zu trinken auf das Wohl Sr. Exz. des Herrn österreichischen Bundespräsidenten, Sr. Exz. des Herrn Bundeskanzlers sowie auf das Wohl unserer hier anwesenden österreichi­schen Gäste.

Staatssekretär Schmidt

antwortete darauf: Herr Reichsminister! Die liebens­würdigen Worte, mit denen Sie, Herr Reichs­minister, mich als Vertreter Oesterreichs zu be­grüßen die Freundlichkeit hatten,' haben in meinem Herzen warmen Widerhall geweckt. Es ist mir vor allem ein Bedürfnis, Ihnen, Herr Reichs­minister, sowie allen, die es sich angelegen sein lassen, uns den hiesigen Aufenthalt so überaus an­genehm zu gestalten, meinen aufrichtigsten Dank auszusprechen. Die Wärme des Empfanges, der uns hier zuteil geworden ist, ist mir ein Be­weis für die Gefühle der Freundschaft und Verbundenheit zwischen den beiden deutschen Staaten. Ich begegne mich mit Ihnen, Herr Reichsminister, in den herzlichen und auf- richttgsten Wünschen, daß unsere polittschen und wirtschaftlichen Besprechungen, die vom Geiste der durch das Abkommen vom 11. Juli wieder belebten Zusammenarbeit unserer Staaten von dem Be­wußtsein und Bekennen gemeinsamen Volkstums getragen sind, beiden Staaten zu Nutzen und Frommen gereichen mögen. Ich bitte Sie, meine Damen und Herren, mit mir Ihr Glas zu erheben auf das Wohl Seiner Exzellenz des Führers und Reichskanzlers und des Herrn Reichsministers des Auswärtigen."

ten sich nur alsprimi inter pares. Die von Roosevelt vertretene These der guten Nachbarschaft kam bereits sinnfällig zum Ausdruck in der Beseiti­gung desPlatt Amendement" für Kuba, das den Vereinigten Staaten das Recht der Truppenstatio­nierung und des Eingreifens bei Unruhen auf Kuba gab, in der Souveränitätserklärung für die Phi­lippinen und für Haiti und in ähnlichen Bestrebun­gen hinsichtlich Portoricos.

Verschwanden so die politischen Streitpunkte zwi­schen Nordamerika und Südamerika immer mehr, so fordert anderseits der wirtschaftliche Zu­stand in beiden Amerika eine engere Zusammen­arbeit. Jbero-Amerika hat in den letzten Jahren den Charakter eines reinen Rohstofflandes ver­loren. Auf südamerikanischem Boden wuchsen eigene Industrien empor, und diese Entwicklung gibt wie­derum der nordamerikanischen Schwerindustrie Ge­legenheit, die nötigen Maschinen und Ausrüstungs­gegenstände für diesen Wirtschaftsaufbau zu liefern. Der Handelsaustausch Südamerikas mit Europa hat dementsprechend einen Rückgang erfahren. Es find also überaus wichtige Probleme, die auf dem Kongreß von Buenos Aires zur Sprache kommen werden. Der großartige Plan eines politischen und wirtschaftlichen Zusammenschlusses der Neuen Welt kann niemanden gleichgültig lassen, der an dem Frieden und der Wohlfahrt der europäischen Völ­ker interessiert ist.

Roosevelts Reise nach Buenos Aires.

Die Friedensaltion im Vordergrund.

Washington, 17. Nov. (DNB.) Der Kreuzer I n d i a n o p o l i s", der den Präsidenten der Vereinigten Staaten nach Argentinien bringt, wird von dem SchwesterschiffC h e st e r" begleitet. Roosevelt nimmt kein Personal seiner Kanzlei mit, sondern nur seinen ältesten Sohn und einen Flügel­adjutanten. Der Zweck seiner Reise ist, mit drama­tischer Geste eine große Friedensbewegung einzuleiten, von der Roosevelt hofft, daß sie ihren Siegeszug über die ganze Welt nehmen werde. Den über 100 Bürgermeistern amerikanischer Städte, die in Washington den Präsidenten zum Eingreifen in den Seemannsstreik aufforderten, erklärte Roose­velt, der Friede der Welt sei wichtiger als die Beilegung des Streiks, der auch ohne feine Anwesenheit in Washington zu einem befriedigen­den Abschluß gebracht werden könne.

Auf der lagesorbnung der panamerikanischen Friedenskonferenz in Buenos Aires stehen folgende

Punkte: Vervollkommnung bestehender Anti- kriegsverträge, Richtlinien über die Rechte und Pflichten neutraler Staaten, Verbesserung interamerikanischer Verkehrsverbindungen, Aus­tausch von Professoren und Studenten und Re­form der Handelsbeziehungen mit dem Ziele der Vermeidung jeglicher Bevorzugung einzelner Fremd st aaten.

Gerade bei Erörterung des letzten Punktes dürfte Staatssekretär H u l l, der Führer der Abordnung der Vereinigten Staaten, sehr tätig werden, da die Erreichung einer allgemeinen Meistbegünstigung eines seiner Lieblingsziele ist. Hüll hielt in Rio de Janeiro eine Rede, in der er den Zweck feiner

München, 19. Nov. (DNB.) Am Donnerstag wurde in der großen Aula der Münchener Univer­sität dieForschungsabteilung Juden­frage des Reichsinstituts für Geschichte des neuen Deutschland" feierlich eröffnet. Unter Musikklängen wurde in feierlichem Zuge der Stellvertreter des Führers, Reichsminister Rudolf Heß, in den Saal geleitet. Der wissenschaftliche Leiter der neuen Forschungsabteilung, Professor Karl Alexan­der v. Müller, begrüßte weiter u. a. Minister­präsident Siebert, Vertreter zahlreicher wissenschaft­licher Institute und Universitäten, darunter die Rektoren der Universitäten München, Berlin, Heidelberg, Frankfurt a.M., Tübingen, Jena, Er­langen und Gießen. Er dankte weiter dem Präsidenten und Schöpfer des Reichsinstituts, Pro­fessor Walter Frank, für die Bildung dieser Ab­teilung. Mit Stolz erlebe die deutsche Wissenschaft, daß auch sie jetzt vom Führer wieder aufgerufen sei in den größten Kampf um die Freiheit und die Ehre und Zukunft unseres Volkes. Dann über­brachte der Chef des Wissenschaftsamtes im Reichs- erziehungsministerium, Ministerialdirektor Profes­sor Dr. V a h l e n , die Grüße des Reichswirt­schaftsministers Rust.

Der Präsident des Heichsinffituts Professor Wolter ftratif.

zeigte bann, wie in ber liberalen wissenschaftlichen Welt selbst die rein tatsächliche Erwähnung des Ju-

Pilgersahrt" nach Buenos Aires darlegte. Wenn die Pilger aus allen Ländern Amerikas in Buenos Aires ihren Entschluß klar machten, daß sie stark, aber gleichzeitig friedfertig sein wollten, wenn sie es schwieriger für diejenigen machten, die den Krieg als Werkzeug nationaler Politik ober eigennütziger Gebietsvergroßerung benutzen moch­ten, wenn ferner biejenigen, beren Leben auf ben Schlachtfeldern geopfert würbe, über die Wirklich­keit des Krieges nicht im Dunkeln gelassen würben und wenn sie schließlich die Handelsbeziehungen fördern könnten, bann sei bie Zusammenkunft in Buenos Aires vollauf gerechtfertigt.

bentumes unb feiner Rolle verfemt würbe. An ber Judenfrage entzünbe sich bie sogenannte wissenschaft­liche Objektivität als bie ärmliche Unterwerfung bes Erkenntniswillens unter bie tatsächlichen Machtver- hältnisse bes liberalen Zeitalters.

Am 1. April 1936 wurde die besondere For- schungsabteilung Juden frage geschaffen. An bie Spitze würbe Prof. Karl Alexander v. Müller gestellt, weil nichts besser als bie Wahl biefer Per­sönlichkeit ben Willen hätte ausbrücken können, auch an bie Erforschung ber Judenfrage mit bem weiten Blick einer beutschen und universalen Bilbung her­anzutreten. Die geschäftsführenbe Leitung ber Ab­teilung mürbe in bie Hänbe von Wilhelm Grau gelegt. Eine große Reihe von Arbeitsplänen für bie auf lange Sicht berechnete Forschungsarbeit ist be­reits begonnen. Zur umfaffenben Forschung zur Jubenfrage soll in München bie großangelegte tech­nische Voraussetzung burch bie Gründung ber größten europäischen Bibliothek zur Jubenfrage geschaffen werben. Von München aus soll, wie weiter erklärt wurde, der Angriff der beutschen Wissenschaft gegen bie westliche Ideologie geführt werben. Professor Frank erklärte, baß bie Zeit ber Wissenschaft unb ber Hochschulen nicht vor­bei ist, baß aber roohl bie Zeit einer erneu­erten Wissenschaft unb einer erneuer­ten Hochschule gekommen ist.

Zur Eroberung ber Hochschulen unb zur Losung ber Hochschulkrise sieht er nur einen Weg: die

Geistige Aufrüstung der deutschen Wissenschaft.

Oie ForschungsabteilungIudenfrage" des Reichsinstituts für Geschichte des neuen Deutschlands in München eröffnet.