Ausgabe 
20.8.1936
 
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erstenmal die Riesensumme von 14,8 Milliarden Rubel ausmacht. Gegenüber 1934 mit einem Vor­anschlag von 1,6 Milliarden bedeutet dies eine Steigerung beinahe um das Zehnfache. Freilich find bereits 1934 über 5 Milliarden ausgegeben worden und auch der Voranschlag für 1935 in Höhe von 6,5 ist um 1,5 bis auf 8 Milliarden über- schritten worden. Da Tuchatschewski auch für 1936 sich noch keineswegs als befriedigt erklärte, kann man nach der Praxis der Vorjahre annehmen, daß auch dieser Riesenhaushalt, der etwa dem gesam­ten französischen Staatshaushalt entspricht, über­schritten werden wird. Man muß ja auch an­nehmen, daß erhebliche Nachforderungen bewilligt werden, denn für die 500 000 Mann, die im laufen­den Jahr erstmalig mehr einberufen werden, muß wohl auch das entsprechende Ausrüstungsmaterial beschafft werden. Diese Maßnahme stellt den Schluß­punkt unter einer Entwicklung dar, die die rote Armee zu der stärksten Armee der Welt macht. Tuchatschewski selbst brüstete sich damit:Wir kön­nen jetzt, wenn die Regierung es wünscht, auf je­den beliebigen Punkt eine kampfbereite ausge­rüstete bewaffnete Macht aufstellen!" Diese Macht sie ist durch intensive Vermehrung der Panzer­truppen, durch eine Verstärkung des Flugzeugparks, durch die Modernisierung und den Ausbau der Flotte, durch die Maßnahmen zur Beschleunigung der Mobilmachung und nicht zuletzt durch die be­sonderen Maßnahmen, die an der Westgrenze er­griffen wurden, zu einem furchtbaren Kriegsinstru­ment in der Hand der weltrevolutionären Sowjets gemacht worden.

Im Rahmen der Reform der Roten Armee wurde im Vorjahre ihre Organisation dergestalt geändert, daß das Verhältnis der langdienenden sogenannten Kadertruppen zu den nur kurzdienenden Territorial­truppen grundlegend geändert wurde. Nicht weniger als 7 7 v. H. der gesamten Truppenmacht der Sow­jets besteht heute aus langgedienten Sol­daten mit zweijähriger aktiver Dienst- zeit. Ihre Kriegsbereitschaft ist also gegenüber früher außerordentlich gehoben worden. Diesem Stand entsprechend hat sich auch die Zahl der ausgebildeten Reserven vermehrt. Wenn sie für 1932 noch mit etwa 5,6 Millionen Mann angegeben wurden, so dürften sie heute minde­stens 10,8 bis 11 Millionen Mann be­tragen. Der ungeheure Zuwachs ist nicht verwun­derlich, wenn man die starken Anstrengungen in Betracht zieht, die die Sowjets Jahr um Jahr unternehmen, um die Militarisierung der Bevölke­rung weiterzutreiben. Die staatliche Organisation Ossoaviachim umfaßt gegenwärtig 13 Millionen Mitglieder gegenüber noch 2,9 Millionen im Jahre 1927. Sie verfügte 1933 über rund 600 Mili­tärlager, in denen die Jugendsportlich ertüch­tigt" wurde, sie besitzt (1933) 72 Kriegskomman­deur-Schulen, 1500 Fliegerschulen, 2500 Kavalle­ristenklubs mit 100 000 Mitgliedern. Im Ossoavia­chim wurden zu Spezialisten ausgebildet: 700 000 Schützen, 900 000 Militärwagenführer, 140 000 Gleitflieger und 550 000 Fallschirmspringer. 500 000 Schwestern gingen den Kursus des Luftschutzes durch. Jede Stadt und jedes Dorf besitzt eine eigene Ab­teilung des Ossoaviachim, der Vorsitzende des Zen­tralrates aber ist ein kommandierender General der Roten Armee alles entsprechend einem Wort des Kriegskommissars Woroschilow, daß die Psyche der Bevölkerung militarisiert werden müsse. Die Rote Armee als die stärkste Kriegsmacht der Welt ver­fügt gegenwärtig über 130 Schützendivisionen, 15 Kavallerie-Divisionen und 8 Kavallerie-Brigaden, über mindestens 20 000 leichte und 12 000 schwere Maschinengewehre, 800 Minenwerfer, 1620 Infan­teriegeschütze, rund 4500 leichte und 800 schwere Geschütze, über mindestens 4000 Panzerwagen und 4800 Flugzeuge. Nicht umsonst hat sich der gleiche Tuchatschewski dessen gerühmt, daß die Rote Armee auch in der Motorisierung alle anderen Armeen der Welt weit hinter sich gelassen hat. Die Polizei - und GPU. - Truppen sind schließ­lich in den letzten zwei Jahren mehr als ver­dreifacht worden.

Und gegen wen richtet sich diese furchtbare Macht? Kein Geringerer als Molotow, derMinister­präsident" der Sowjetunion, hat unter ständigem Hinweis auf die angeblichen deutschen Kriegs­drohungen eine noch größere Rüstung gefordert, um auf alle Eventualitäten gefaßt zu sein". Seine Satrapen und die vielen Sowjetmarschälle, von denen jeder immer wieder wüste Kriegsdrohungen gegen alle Welt ausstößt, haben mehr als einmal deutlich den offensiven Charakter der Rüstungen unterstrichen. Bedenkt man, daß das Rüstungsfieber der roten Macht Hand in Hand geht mit einer Ver­stärkung der weltrevolutionären Propaganda, so sind die Ziele auch hinreichend klargelegt.Die Rote Armee erzieht den jungen Kämpfer zu einem Soldaten, der bedingungslos der Weltrevolution dient", schreibt mit großer Offenheit ein Blatt, das es wissen muß, die parteiamtlichePrawda". Viel­leicht mag das Außenkommissariat sich von der neuesten Moskauer Rüstungsmaßnahme eine wei­tere Stärkung des Bündniswertes Sowjetrußlands in Frankreich und anderswo versprechen. Angesichts der Tatsache, daß die Grenzen zwischen der Tätig­keit der Abteilung Dimitroffs und der Litwinows sich aber immer mehr verwischen, müßte wohl in aller Welt so sollte man meinen die wahre Bedeutung dieses neuen weltrevolutionären Rü­stungssiebers aufgehen.

SoWewiftische Mrtfchasts- methoden in Barcelona.

Barcelona, 19. Aug. (DNB.) Die katalanische Regierung hat eine Verordnung erlassen, durch die die Wirtschaft Kataloniens auf eine völlig neue. Grundlage gestellt wird. Die Verordnung sieht u. a. die Errichtung eines Außenhandelsmono­pols vor, um einen schädigenden Einfluß von außen auf die neue Wirtschaftsform zu vermeiden. Besonders wichtig ist ferner die Bestimmung, durch die die großen landwirtschaftlichen Güter kollektivisiert und durch die Sand- arbeitersyndikate mit Unterstützung der Re­gierung bewirtschaftet werden sollen. Die kleinen und mittleren Landwirtschaftsbetriebe sollen zwangs­weise zu Syndikaten zusammengefaßt werden. Das Wirtschaftsdekret ordnet weiter die Vergesellschaftung der großen Indu­striebetriebe, der öffentlichen Unternehmun­gen und Transportgesellschaften an. Eine weitere Bestimmung sieht die Beschlagnahme und Ver­gesellschaftung aller von ihren Eigentümern ver­lassenen Betriebe vor. Alle Unternehmungen, die ihren privatwirtschaftlichen Charakter beibe­halten dürfen, sollen der Kontrolle durch die Gewerkschaften unterstellt werden.

DeMe Mirosen bringen Flüchtlinge aus Spanien an Land.

Das an der spanischen Nordküste eingesetzte TorpedobootSeeadler" brachte in dem südfranzösischen Seebad Saint Jean de Luz mit Beibooten gerettete Flüchtlinge an Land.

(Presse-Jllustration-Hoffmann-M.)

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Strenges Waffenanssnhrverbot in England.

Hoare warnt vor den Folgen einer Parteinahme im spanischen Bürgerkrieg.

London, 19.Aug. (DNB.) Das britische Han­delsministerium hat mit Wirkung vom 19. August alle Ausfuhr - Genehmigungen nach Spanien, spanischen Besitzungen und nach der spanischen Zone Marokkos für alle Arten von Waffen, Munition, Luftfahrtgerät usw. laut Waffenausfuhroerdot-Erlaß vom Jahre 1931 auf» gehoben. Das Verbot über Ausfuhr von Luft­fahrtgerät umfaßt alle militärischen und zivilen Flugzeuge. Großbritannien hat die Unterbindung der Ausfuhr nicht nur für den Luftweg, sondern auch über See angeord­net.

In einer öffentlichen Versammlung begründete der Erste Lord der Admiralität Sir Samuel Hoare den Neutralitätsstandpunkt seiner Regie­rung. Parteinahme in Spanien würde un­vermeidlich dazu führen, daß Europa von einem Ende bis zum anderen in Brand gerate. Eng­land werde sich unter keinen Umständen auf eine abenteuerliche Politik einlassen. England ziehe es vor, eine Haltung der strikten Neutralittä zu be­wahren. Wenn die Politik in die Hände e x - tremistischer Fanatiker gerate, und die Kugel und die Bombe die Stelle der Wahlurne ein­nähmen, dann werde ein großes Land wie Spa­nien in unheilbare Bruchstücke zerrissen. Das Bri­tische Reich jedenfalls besäße nicht dieses politische Barbarentum. An die Adresse der englischen Sozia­listen gewendet, erklärte der Minister, daß die nationale Regierung nicht die geringste Absicht habe, sich in die inneren Angelegenheiten Spaniens ein­zumischen ober England in einen Kampf zu ver­wickeln, der es unmittelbar nichts angehe.

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Die der Regierung nahestehenden Blätter er­klären, daß die englische Regierung durch ihr Waf- fenausfuhrverbot den anderen Staaten führend üorangegangen fei und ihre Wünsche nach einem Nichteinmischungsabkommen praktisch Ausdruck gegeben habe.Times" schreibt, man halte es in London für außerordentlich ge­fährlich, wenn der Bürgerkrieg in Spanien Europa in zwei Lager teilen würde, zu denen jedes zu Vorkämpfern feiner eigenen Welt­anschauung in Spanien werden würde. Ohne ein Nichteinmischungsabkommen würde eine solche Spaltung schwer zu verhindern sein. Nachdem be­reits zuvrel Zeit verlorengegangen sei, müsse jetzt schnell gehandelt werden.Daily Telegraph" jagt, daß auch das Mißtrauen an der englischen Ehrlichkeit bei dem Wafsenaussuhrverbot nun ver­schwinden könne. Sofern die Waffen und Flug­zeuge nach anderen Ländern außer Spanien gesandt wurden, bestehe allerdings die Gefahr, daß

dieses Material später an die spanischen Bürger­kriegsparteien weiter befördert werde. Die Ausführhändler müssen sich daher so bald wie mög­lich von dem wirklichen Bestimmungs- o r t ihrer Ausfuhr und der Ehrlichkeit ihrer Kun­den überzeugen.Morning Post" schreibt, daß auf Grund der Anordnung in Zukunft jeder Flugzeug­führer, der der Ablieferung eines Flugzeuges in Spanien überführt werde, schwer bestraft werden könne.

Die englischen Gewerkschaften gegen Neutralität.

Offene Unterstützung der spanischen Marxisten.

London, 20. Aug. (DNB. Funkspruch.) Die offene Unterstützung der spanischen Marxisten durch die englische Arbeiterpartei und die Gewerkschafts­bewegung wird immer deutlicher. Zunächst spra­chen am Mittwochabend Führer der englischen Ar­beiterbewegung, darunter der stellvertretende Führer der parlamentarischen Labourfraktivn Green- w o o d und der Generalsekretär des Gewerkschafts­kongresses Sir Walter Citrine, beim Außen­minister Eden vor und teilten ihm ihre Ansichten zur gegenwärtigen Lage in Spanien mit. Wie der Daily Herald" hört, drückten die Labourvertreter ihr Bedauern darüber aus, daß eine Unter­stützung der spanischen Links-Regie­rung durch die von England, Frankreich und an­deren Staaten befolgte Neutralitätspolitik ver­hindert werde. (!) Außenminister Eden habe die Stellungnahme der britischen Regierung dahin gekennzeichnet, daß jede Anstrengung gemacht werden müsse, um das von Leon Blum vorge- schlagene Nichteinmischungsabkvmmen zustande zu bringen.

Der britische Gewerkschaftskongreß veröffentlichte am Mittwochabend eine Mitteilung über die von ihm ergriffenen Maßnahmen zur Unterstützung der spanischen Marxisten. Daraus geht zunächst hervor, daß sich die englischen Gewerkschaften endgültig für eine Einmischung in denspanischen Bürgerkrieg entschieden haben. Bisher seien 4 0 0 0 Psund Sterling für Arznei- mi.ttel für bie Regierungsstreitkräfte gesandt worden. Ferner habe man zahlreiche Liefe­rungen von Nahrungsmitteln, Zigaret­ten und Tabak vorgenommen. Die englische Transportarbeitergewerkschaft hat einen Betrag von 1000 Pfund Sterlin für die spanischen Gewerkschaf­ten geleistet und kündigt eine Geldsammlung in ihren Filialen an.

Dasblutige Badajoz" die meistbelagerte Stadt.

Badajoz, die Stadt an der portugiesischen Grenze, liegt heute in Trümmern nach schwerer Beschießung und blutigem Kampfe, und damit ein neues Ka­pitel der an krigerischen Ereignissen so reichen Ge­schichte des Hauptortes im südlichen Estremadura hinzugefügt, der sicher die meisten Belagerungen von allen Festunaen in der Welt erlebt hat. Ba­dajoz ist eng gebaut und gruppiert sich um ein altes Kastell, das aus der Ebene weithin sichtbar herausragt. So ergab sich bei den jüngsten Kämpfen eine einzigartige Situation. Die Eroberung der Stadt durch die Truppen der Nationalisten wurde an der nahen portugiesischen Grenze von der Be­völkerung des anderen Landes und von den Bericht­erstattern mitangesehen wie ein Schauspiel in einem riesigen Theatersaal. Saia, der äußerste Punkt der Grenze, liegt nur wenige Kilometer von der Festung Badajoz, und die Portugiesen drängten sich auf den Mauern, um die Erfolge der Bomben, die von Flugzeugen auf die Stadt geworfen wurden, und der Beschießung zu beobachten.

Die strategisch wichtige Lage an einem der gang­barsten Uebergänge nach Portugal hat es wie heute, so auch in der Vergangenheit bewirkt, daß der Be­sitz der Stadt immer wieder durch die Jahrhunderte so heiß umstritten ist. Sie bestand schon im Alter­tum, wenn auch ihr alter Name nicht sicher fest- ftefjt; manche nehmen an, daß sie Pax Augusta hieß und daß ihr heutiger Name aus diesem alten entstanden ist. Andere wieder glauben an einen arabischen Ursprung des Namens, und es waren in der Tat bie Mohammedaner, die sich früh hier niederließen. Seit dem 11. Jahrhundert, in dem die Stadt der Hauptort eines kleinen mau-.

rischen Königsreichs wurde, beginnen bereits die Kämpfe um ihren Besitz. Das maurische Königreich wurde im Jahre 1094 zerstört, und die Stadt kam dann unter die Oberhoheit des Königs von Leon. Im Jahre 1168 eroberten sie die Portu­giesen, und in den folgenden Jahrhunderten wurde Badajoz häufig der Mittelpunkt von krie­gerischen Ereignissen in den Kämpfen zwischen Spanien und Portugal. Von dort brach der Herzog von Alba im Jahre 1580 auf? um Portugal zu erobern; 1658 belagerte sie der Graf von San Lorenzo an der Spitze der Portugiesen vergeblich. Im spanischen Erfolgekrieg wurde sie der Mittelpunkt der Unternehmungen des Erzherzogs Karl.

Seit dem Einzug der Franzosen in Spanien 1808 erklärte sie sich energisch zu Gunsten von Ferdinand VII. und wurde eine Zeitlang zum Sitz der Regierung, die vor den Franzosen aus Aranjuez hatte fliehen müssen. Die schwersten Stürme aber brausten um die alte Festung in den Kriegsjahren 1811 und 1812, in denen sie der Schauplatz großer Kämpfe zwischen den Fran­zosen und den Engländer wurde. Schon in den vorhergehenden Jahren waren Angriffe der Franzosen erfolgt, und am 26. Januar' 1811 be­gann die französische Armee von Andalusien unter dem Befehl von Marschall Soult die Belagerung. Die Stadt hatte eine sehr starke Garnison, ausge­zeichnete Verteidigungswerke und war auch von einer Armee gedeckt, die auf den nahen Hügeln lagerte. Mit großer Anstrengung wurden die 'Be­lagerungsarbeiten durchgeführt, und die Armee wurde in die Flucht geschlagen; dann wurde im

Herbstparade des IX.A.K.

Am 18. September findet im Anschluß an die Korpsmanöver des IX. Armeekorps eine F c ld - parabe bei Großenenglis in Gegend südlich Fritzlar statt (siehe Skizze), an der a l l e T r u p- penteile aus dem Bereich des!X Ar« m e e f o r p s teilnehmen. Es wird schon jetzt auf dieses große diesjährige militärische Ereignis West« und Mitteldeutschlands aufmerksam gemacht. Zwei Zuschauertribünen werden unmittelbar an dem Paradefeld errichtet werden. Bei dem zu er­wartenden Andrang ist damit zu rechnen, daß die verfügbaren Tribünen-Sitzplätze bald vergriffen ein werden. Der Verkauf der Tribünen­karten (Preis: 6,, 4,, 3,, 2,, 1,50 RM.) erfolgt ab 12. August durch: Frankfurt a. M.: Mittel- europäisches 'Reisebüro, Hauptbahnhof; Fritzlar: Hamburg-Amerika-Linie, Fritzlar; Gießen: Ha» pag - Reisebüro K r e g e r, S e l t e r s w e g : Marburg: Norddeutscher Lloyd, Agentur, Bahn­hofstraße 20; Bad-Nauheim: Nordd. Lloyd, Agentur, Parkstraße. Wetzlar: Städtisches Ver­kehrsamt, Rathaus.

März von den Geschützen eine Bresche aeschossen, um sie sturmreif zu machen. Der Befehlshaber der Festung, General M e n a ch o , versuchte durch Un­terhandlungen die Belagerer hinzuhalten, da er auf den Anmarsch von Wellingtons Heer hoffte, aber Soult ließ die Sturmkolonnen antreten; vor dieser drohenden Haltung ergab sich die Stadt am 11. März. Da Wellington herannahte, wurden 9000 Mann zu ihrer Verteidigung zuruckgelassen. In den Kämpfen im Mai machten die Engländer nur schwache Versuche, Badajoz zu nehmen, und erst im folgenden Jahre, im März 1812 erschien Wel­lington mit 50 000 Mann vor der Stadt und schloß sie vollständig ein. Die Belagerten machten kräf­tige Ausfälle und fügten den Engländern schwere Verluste zu, aber schließlich mangelte es ihnen an Munition, und ihre Zahl war durch die Verluste sehr zusammengeschmolzen. Am 30. März befahl Wellington den Sturm. Die Franzosen hatten sich auf einen verzweifelten Widerstand eingerichtet, jede Straße, jedes Haus war verbarrikadiert, und trotz des Gefchoßhagels, der über sie niederging, schlugen sie die Massen der Angreifer zurück, von denen in kurzer Zeit 3000 Mann fielen. Die Eng­länder waren bereits auf dem Rückzug, als ihnen die Einnahme eines wichtigen Stützpunktes durch d i e H e f s e n , die als Hilfstruppen bei ihnen waren, doch noch ermöglichte, in die Festung ein- zudringen. Es war nur noch eine kleine Schar Franzosen, die kapitulieren mußte. Wellington er­laubte seinem Heer, das 6000 Mann verloren hatte, zur Belohnung, die Stadt zu plündern. Der Kamps um Badajoz war aber doch ein Wendepunkt in dem Kriege: wenige Monate später konnte Wel­lington im Triumph in Madrid einziehen.

Eigenartige Neutralität.

Blum duldet Anwerbungen des Pariser Botschafters der spanischen Marxisten.

Paris, 20. Aug (DNB. Funkspruch.) Die Action Fran^aise" schreibt zu dem französischen Neutralitätsvorschlag, der Ministerpräsident verstoße nicht nur s e l b st täglich gegen diesen Neutralitäts­vorschlag, den er Europa anbiete, sondern er lasse es auch zu, daß seine Freunde von der spanischen Volksfront von sich aus auf französischem Boden diese Neutralität un­unterbrochen verletzen. Wenn Freiwillige nach Spanien reiften, um sich auf der Seite der einen oder anderen Partei anschließen zu lassen, so sei das Sache eines jeden einzelnen. Aber die An­werbung von bezahlten Söldnern für den Bürgerkrieg durch den spanischen Botschafter in Paris Alvaro de Albornoz, stelle eine schwere diplomatische Untor- rektheit dar. Mindestens 12 französische Flieger seien bereits zu einem Monatsgehalt von 25 000 Franken von dem spanischen Botschafter und einem kommunistischen Literaten namens M a - l a u x angeworben worden. Letzterer fei wegen Kunstdiebstahls in Jndochina verurteilt gewesen. Ministerpräsident Blum habe sich nicht gescheut, den früheren spanischen Militärattache, der Rit­ter der Ehrenlegion sei, schmählich aus Frankreich auszuweisen, aber den neuen spa­nischen Botschafter in Paris zur Ordnung zu rufen, hatte er nicht für notwendig. Für die Bürger Frankreichs scheine er wenig Verständnis zu haben.

Der Sonderberichterstatter des Diario de Noticias berichtet von der französisch-spanischen Grenze, daß hort eine größere Abteilung belgischer roter Miliz eingetroffen sei. Die Belgier, die als Maschinengewehrschützen ausgebildet feien, sollen gegen die spanischen Nationalisten ein­gesetzt werden.

M nenqefahr an her foanifchen Küste?

Berlin, 19. Aug. (DNB.) Der Sender Santa Cruz de Teneriffa funkte am Mitt­woch um 21.15 Uhr MEZ. folgende Warnung an alle Schiffe auf hoher See, die in mehreren Sprachen, darunter auch der deutschen, wiederholt wurde:Alle auf Fahrt befindlichen Schiffe werden darauf hingewiesen, daß für nach- folg en den Häfen Gefahr besteht, da M i - n e n gelegt sind: Malaga, Almeria, Cartagena, Valencia, Barcelona".

Kleine politische Nachrichten.

Bei der Abnahme des Goldenen Reichssportab­zeichens erlitt der Reichsbauernführer R. Walter Darre einen schweren Riß der Achilles-Sehne. Diese Verletzung veranlaßte den Reichsbauernfüh­rer sich zu Prof. Gebhardt-Hohenlychen in Behandlung zu begeben.

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General Gamelin ist von feiner Polenreise am Mittwochnachmittag nach Paris zurück- gekehrt. Im selben Zuge trafen auch die Mit­glieder einer sowjetrussischen Flieger- aborbnung in Paris ein.

Der australische Derteidigungsmini- ft e r Sir Robert P ar khill kündigte ein neues zusätzliches Aufrüstungsprogramm für Australien an. Das neue Programm solle bereits im September in Angriff genommen werden.