Ausgabe 
20.6.1936
 
Einzelbild herunterladen

irtschastsausschwung in England

die

R Bullrich- Brause

Gegen Durst

Die ner

Humboldt-Medaille ist das Werk des Münche- Bildhauers Professor Dr. Max Lange.

Kunst und Wissenschaft.

Verleihung der Humboldt-Medaille.

Die Humboldt-Medaille der Deutschen Akademie in München, die am 8. April 1935 zur Erinnerung an den 100. Todestag Wilhelm von Humboldts für gute Leistungen von Ausländern in der deutschen Sprache gestiftet worden war. wurde jetzt zum erstenmal auf Grund eines Preisaus­schreibens verliehen. Es waren im ganzen 104 Ar­beiten aus 31 verschiedenen Ländern zu begut­achten. Besonders stark war die Beteiligung aus Brasilien, Großbritannien, Japan, Jugoslawien und Ungarn. Insgesamt wurden 40 Medaillen ver­liehen, und zwar an Einsender von Arbeiten aus folgenden Ländern: Belgien, Brasilien, Bulgarien, Chma, Dänemark, England, Frankreich, Griechen-

men.

Das Bewußtsein des einzelnen, daß er nur ein Glied der Mannschaft, einer von elf Mann ist, gehl schon dem Jugendlichen in die Erkennt­nis über.

Im Spiel hilft keine Angeberei; denn die vielen anderen um das Feld herum sehen ja kritisch zu. Er muß darum alles daran setzen, um sich in sei­ner Mannschaft zu bewähren, den Sieg für seine Mannschaft, nicht für sich zu erringen. Das ver­anlaßt ihn darum auch, wenn er einmal in näch­ster Nähe des Tores steht, aber seinen Kamera­den in noch günstigerer Stellung antrifft, selbstlos auf den Ruhm zu verzichten und an den Sieg seiner Mannschaft zu denken. So wird der junge Mensch ganz wie von selbst in die Kameradschaft emgeführt und im Geiste der Volksgemeinschaft erzogen.

An vielen Beispielen zeigte er den Lehrern den Weg über die neben dem Turnunterricht zur Körperausbildung des Fußballspielers gangbaren Wege von den Freiübungen über die Ballspiele zum Fußballspiel selbst. All seine Hinweise und Vorschläge waren dazu angetan, dem Lehrer den Weg für die richtige Anwendung des Fußball­spieles als Erziehungsfaktor, zu weisen und ihm durch die entsprechende Selbstbetätigung die Mög­lichkeit zu bieten, aus der Erfahrung zu sprechen.

Anschließend fanden die praktischen Anleitungen mit dem Ball statt, bei denen die Lehrer in die Geheimnisse der Technik eines guten Fußballes eingeweiht wurden, woran sie sehr viel Spaß hatten.

land, Irland, Italien, Japan, Mexiko, Palästina, Persien, Rumänien, Siam, Spanien, Schweden, Südafrika Jugoslawien, Syrien, Tunis, Ungarn. Die Träger der Humboldt-Medaille erhalten' das Recht zu einem vierwöchigen unentgeltlichen Aufenthalt in Marktbreit bei Würzburg, wo die Deutsche Akademie Fortbildungskurse veranstaltet.

terlichkeit heraus. Der Vortragende sagte, daß Reichssportführung gerade bei der Nationalmann­schaft streng auf diese Ritterlichkeit dem Gegner gegenüber achtet und darum Wert darauf legt, daß schon in der Jugend diese Ritterlichkeit gepflegt wird.

In anschaulicher Weise schilderte der Redner dann, wie aus dem Spiel heraus, die Unterord­nung und die Kameradschaft zur Geltung kom-

Modernisierung würde gewaltige Kapitalmengen erfordern. Deshalb ist es nicht Derrounberhd), wenn in Südwales z. B. noch 70 v. H. aller Bergleute arbeitslos sind, soweit sie in den kleinen Kohlen­bergwerken beschäftigt waren. In anderen Gegen­den des Kohlenbergbaues ist die Lage etwas gün­stiger. Im April ist dort, trotzdem die Wintersaison vorüber ist, keine Steigerung der Arbeitslosenzisfer erfolgt. Das wird insofern günstig ausgelegt, als sonst der Monat April zu umfangreichen Feier- chichten Veranlassung gab.

Wenn auch noch 14,4 v. H. aller Arbeiter und Arbeiterinnen Großbritanniens beschäftigungslos find in Schottland 20,3, in Nord-Irland 23,4, in Wales 32,6, so ist doch die Zahl der Arbeitslosen im April um rund .50 000 auf 1831 000 gesunken. In­nerhalb eines Jahres hat die englische Wirtschaft rd. 200 000 Arbeiter wieder eingestellt, und seit dem Frühjahr 1932 verringerte sich die Zahl der Ar­beitslosen um rund eine Million. England hat nie­mals so viel Menschen beschäftigt wie heute. Heute sind ungefähr elf Millionen gewerblich tätig, das sind etwa zwei Millionen Personen mehr als im Jahre 1932, und der Beschäftigungsgrad des Schiff­baues, der Mafchinen-Jndustrie und des Häuser­baues ist derartig, daß man geradezu von einer Hochkonjunktur auf diesen Gebieten sprechen kann, die entsprechende Profite abwerfen, während in der Baumwoll-Industrie und im Kohlenbergbau aller­dings die Krise noch nicht überwunden ist. Die volks­wirtschaftlichen Mitarbeiter der großen englischen Presse geben deshalb auch der Erwartung Ausdruck, daß für die nächsten Jahre England keinen Rück­schlag der Konjunktur zu befürchten braucht.

- Bullrich Salz

Fußball als Erziehungssaklor.

Bundesjugendsportlehrer Gabriel-Berlin vor der Lehrerschaft.

Buntes Allerlei.

Was ist von denSieben Wundern der Welt" noch heute erhalten?

Im Altertum hat man sieben Bau- und Kunst­werken, die durch ihre Größe und Pracht heroor- ragten, den NamenSieben Wunder der Welt" gegeben, da man sich nicht oorstellen konnte, daß sie jemals übertroffen würden. Don einigen dieser Wunder können wir uns nur noch eine schwache Vorstellung machen, so von denhängenden Gärten der Simiramis". Von diesen ge­waltigen Parkanlagen auf den Terrassen und Dächern ihres Palastes geben die Ausgrabungen, die man am Euphrat und Tigris oorgenommen hat, nur ein sehr ungewisses Bild. Dagegen steht von den Pyramiden, die ebenfalls als Weltwunder gepriesen wurden, die größte und älteste, die Py­ramide von Giseh, noch in stolzer Unioersehrtheil und gewährt einen überwältigenden Eindruck von der Baukunst der alten Aegypter. Dazu kommt noch das Geheimnis, von dem dieser Bau umwittert ist, da man aus seinen mathematischen Zahlenverhält­nissen die merkwürdigsten Prophezeiungen heraus- gelesen hat. Verschwunden ist jetzt völlig der viel­bestaunte Leuchtturm auf der Insel Pha­ros, der den Schiffen die Einfahrt nach Alexan­drien bezeichnete und dessen Feuer auf 55 Kilome­ter hin sichtbar gewesen sein soll. Dieser ganz aus Marmor errichtete Turm erhob sich in mehreren Absätzen 120 Meter hoch und wurde 270 v. Ehr. vom König Ptolemäus eingeweihl. In dem unter­sten Geschoß, das noch bis in die Neuzeit erhalten war, hatten die Türken ein Kastell errichtet, das erst seit wenigen Jahren verschwunden ist. Das vierte der alten Weltwunder, der Tempel der Artemis zu Ephesus, dessen Pracht und Größe nicht seinesgleichen gefunden haben soll.

Begegnungen mit Grizzly-Baren. Der Beamte von Hütte Nr. 5 traf den ersten Grizzly ganz m der Nähe seiner Behausung, als er sich auf Emeniagd befand. Da das riesige Tier plötzlich vor ihm auf- tauchte, gab er mehrere Schüsse ab, ließ dann die Flinte fallen und stürzte m seine Hütte zuruck. Ein erfahrener Kollege fand dann den Baren to über der ^ Flinte liegen. Der Telegraphist von Hütte Nr. 8 hatte schon Hunderte von Grizzlys gesehen ohne je von ihnen belästigt zu werden; er war daher überrascht, als er plötzlich von einem angegriffen wurde. Da er keine Waffe hatte, zündete er eine Zeitung, die er bei sich trug, an und warf diese brennende Fackel mit aller Gewalt in den ausge- sperrten Rachen des Tieres, das sich daraufhin eilig zurückzog. Ein großer Granitstein schmückt die letzte Ruhestätte zweier Beamten auf dem Friedhof von Hazelton. Der eine starb ganz unerwartet und wurde von einem Kollegen, der seinen Spuren folgte, im Schnee gefunden. Dieser trug den ver­eisten Körper, von'Wölfen und Coyoten umheult, nach der nächsten Station. Ein anderer sandte zwei Tage lang keinen Wetterbericht. Sein Kamerad in der nächsten Hütte legte 50 Kilometer auf Schnee- schuhen zurück, um nach ihm zu sehen. Er begeg­nete einem Indianer, der ihm auf die Nachfrage sagte:Lange nicht gesehen, denke, daß er rna- malee (tot)". Er fand den Kollegen auf seinem La­ger mit gekreuzten Armen verschieden vor; neben ihm auf dem Tisch lagen drei versiegelte Briefe, einer an seinen Kameraden, der andere an seinen einzigen Bruder in den Vereinigten Staaten und der dritte an ein Mädchen in Vancouver, das er nach dreijährigem Dienst bei seiner Rückkehr in die Welt" zu heiraten gehofft hatte.

persische Trppichkunst.

Der orientalische Teppich ist bei uns schon seit Jahrhunderten eine der begehrtesten Gaben des Morgenlandes, und seine Pracht ist in Europa oft in Wort und Bild gepriesen worden, seitdem er hier durch den venezianischen Handel im 13. Jahrhundert Eingang gefunden hat. Die Kunst der orientalischen Teppichknüpferei ist aber noch älteren Ursprungs, ihre Heimat dürfte, wie Marie Schuette in ihrem im Bibliographischen Institut, Leipzig, erschienenen BändchenPerserteppiche" ausführt, in Jnnerasien bei den türkischen Wanderstämmen zu suchen sein, und sie erstreckt sich bis nach Kleinasien und Aegyp­ten, bis Indien und China. Forschungsergebnisse weisen auf ihre Entstehung zwischen dem Ende des 2. vorchristlichen und dem Ende des 3. nach­christlichen Jahrhunderts hin. Die unübertrefflichen Meister der orientalischen Teppichkunst sind die Per­ser, bei denen sie ihren höchsten Stand wohl zwi­schen dem 15. und 17. Jahrhundert erreicht hat, aber auch noch heute gehen aus dem Lande Iran Teppiche hervor, die sich wie früher durch Geschmei­digkeit und Festigkeit des Haares, durch Weichheit und schönsten Glanz auszeichnen. Persiens Klima und Boden haben eine Wolle erzeugt, der ein an­deres Land für diese besondere Verwendung kaum etwas Gleichwertiges an die Seite zu stellen hat. Beim Färben spielt das Wasser eine große Rolle, und gewisse Gegenden sollen deshalb eigene Töne hervorbringen, woxaus sich auch die charakteristischen Abweichungen der Farbabstufungen in ein und demselben Teppich erklären. Das Färben, für das seit einigen Jahrzehnten allerdings nicht mehr nur tierische und pflanzliche Mittel benutzt werden, ist eine Kunst für sich. Man gebraucht nur handge­sponnenes Garn. Im Zeitalter der ausgeklügelten Erfindungen und hochwertigen Maschinen erscheint die uralte Knüpftechnik von einer genialen Einfach­heit. Die Feinheit des Teppichs richtet sich nach dem Material (vornehmlich Schafwolle, daneben Ziegen- und Kamelwolle, bisweilen auch Baum­wolle), und nach der Stärke des Garnes für Kette, Knoten und Schuß. Je mehr Knoten auf einen Quadratdezimeter entfallen, desto wertvoller ist der Teppich. An dem berühmten kaiserlichen Jagdtep­pich aus Seide, der jetzt einer her kostbarsten Schätze des Museums für Kunst und Gewerbe in Wien ist, werden 12 700 Knoten auf einem^Quadrat- dezimeter gezählt. Kaum ein Gegenstand vermittelt einen so starken Eindruck der orientalischen Welt wie ein erlesener Teppich.Es mag für den an die schweren Formen der abendländischen Kunst Gewöhnten vielleicht nicht leicht sein, zuerst Zugang zu finden zu dieser ihm ungewohnten Kunst, denn sie stellt Ansprüche an das Auge und an das be­wußte Schauen, und setzt eine andere Einstellung dem Sichtbaren gegenüber voraus. Aber wer sich einmal dem Reiz, man könnte sagen dem Duft ihrer Farben und dem Spiel ihrer Linien hingegeben hat, den läßt diese wunderbare Kunst nicht mehr los. Ihre Werke sind Ausdruck edelsten Lebens­genusses."

Neue Funde altägyptischer Kultur.

Die Ausgrabungen in Armant in Oberägypten, die von einer englischen Expedition ausgeführt wurden, haben zu einer Reihe wichtiger Funde ge­führt. Am erfolgreichsten waren die Arbeiten in der Stadt selbst, wo die Stelle desSees der Kleopatra" ohne Schwierigkeiten ermittelt wurde. Es handelt sich hier um einenheiligen See", dessen Wasser besondere Heilkräfte haben sollte. Als die Forscher ankamen, war nur eine Senkung in der Schlamm­schicht zu sehen, die mit einer grünen fauligen Flüssigkeit gefüllt war. Im Verlauf der Ausgrabun- gen zeigten sich aber bald die Wände des Sees, von denen zwei oder drei Meter der ursprünglichen Fläche erhalten waren; eine steinerne Treppe führte an einer Seite hinab. Dabei wurde ein Pylon von Thothmes III. gefunden, auf dem eine Darstellung seiner Siege gegeben wird. Die Säule ist bis zu etwa zwei Meter Höhe erhalten; auf der Nord­seite sieht man eine prächtige Prozession von Ne­gern, die Beutestücke aus dem nubischen Feldzug des Königs tragen. Die Arbeit ist sehr fein aus­geführt, und die Bewegungen der Neger, die tanzen und die gefangenen Tiere halten, sind höchst leben­dig dargestellt. An der Spitze des Zuges ist ein Rhinozeros gemeißelt, dessen Dimensionen in Ellen angegeben werden; dies ist die erste bildliche Dar­stellung dieser Tierart, die in Aegypten bekannt ge­worden ist. Aus zwei großen Bruchstücken einer prächtigen roten Granitsäule von demselben König wird die Gefangennahme dieses Tieres geschildert. Vor dem Pylon stehen zwei Sphinxe von Thoth­mes III., die eine noch mit dem erhaltenen Kopf. An der Wand des Tempels ist eine Elle eingegra­ben, die nach dem Duodezimalsystem gestellt ist; bisher hatte man angenommen, daß diese Einteilung erst von den Griechen eingeführt worden ist. Schließlich wurden über zwanzig Statuen gefun­den und zwei ausgezeichnete Köpfe, ein ptolernä- ischer in schwarzem Granit und einer aus der 11. Dynastie in Sandstein.

wurde durch ein ruchloses Verbrechen vernichtet. Kurz nachdem der Bau sein tausendjähriges Be­stehen gefeiert hatte, im Jahre 356 r> Chr., wurde das Gotteshaus von dem Griechen Herostratos cm» gezündet, und der Name dieses Ehrgeizigen hat dadurch unverdiente Unsterblichkeit erhalten. Der Neubau, der mehr als viermal so groß war als das athenische Parthenon und ganz aus weißem Marmor bestand, wurde von Konstantin dem Gro­ßen zerstört. Einen Ueberreft dieses Wunderwerkes besitzt das britische Museum in einer Säulenbasis und am gleichen Ort finden sich auch die. Reste des fünften Weltwunders, des Grabmals des K ö n ig s M a uf o l os zu Halikarnaß, das durch die Erdbeben erschüttert und von den Johannitern völlig vernichtet wurde. Immerhin ist es der moder­nen Archäologie möglich gewesen, diesen mächtigen Pyramidenbau zu rekonstruieren. Der Koloß von Rhodos, die neben dem Hafeneingang errichtete, 34 Meter hohe Kolossalstatue Apolls, ist schon 50 Jahre nach der Vollendung durch ein Erdbeben ge­stürzt worden. Auch das siebente Wunderwerk der Alten, die Statue des Zeus zu Olympia, das Meisterwerk des Phidias, das acht Jahrhun­derte lang im heiligen Hain der Tempelstätte stand, wurde durch eine Feuersbrunst zerstört.

Einsiedler der Polarwelt.

Ein wenig bekannter Kulturvorposten im hohen Norden sind die Stationen der Dukon-Telegraphen- Gesellschaft in Nordkanada, die sich über ein Ge­biet von 3000 Kilometer erstrecken. Die Aufgaben der Beamten werden im Winter durch Schneever­wehungen, die sich manchmal bis 10 Meter auf­türmen, außerordentlich erschwert. Außer der Haupt­station zu Ashcroft in Britisch-Kolumbien gibt es im Polarkreis zahlreiche Unterstationen, die als Hütte Nr. 1, Nr. 2 usw. bezeichnet werden. Wie aus Vancouver ^richtet wird, hat der vor einigen Jahren verstorbne I. T. Phelan den Rekord eines 3Ojährigen Wirkens in diesem Gebiet ausgestellt. Wenn auch der Dienst sehr anstrengend ist,' so ist doch das Klima gesund, und unter den Pukon- Telegraphisten ist noch fast niemals ein Krankheits­fall vorgekommen. Dafür leben die Männer hier als Einsiedler in der Polarwelt, und ihre einzige Zerstreuung besteht darin, dem Rundfunk zu lau­schen ober telegraphisch miteinander Bridge zu spie­len. Bei der Jnstanderhaltung des Netzes fehlt es nicht an aufregenden Abenteuern, besonders bei

In den letzten Monaten hat der Produktions- Index in England stark zugenommen. Allerdings läßt er sich nicht mit dem Jahre 1929 vergleichen, da sich England infolge der Ueberhöhung der Preise in einem kritischen Stadium befand, jedoch lag der Produktions-Index des Jahres 1935 noch um rund 20 v. H. unter dem Stand von 1929. Inzwischen ist d i e Aufrüstung dazu gekommen, die viele Betriebe voll ausnutzt, und ferner sind die Se­rn e i n ö e n zu umfangreichen Vergebungen geschrit­ten. So werden überall in der Provinz Straßen erneuert, Flugplätze angelegt, öffentliche Anlagen errichtet, Schwimmbäder gebaut usw Die Summen, die hierfür ausgegeben ober be­reitgestellt worben sinb, sinb bei ber Zersplitterung der britischen Gemeindeverhältnisse zwar unbekannt, aber sie müssen sich doch in einer bisher ungewohn­ten Höhe bewegen. In den Industriestädten herrscht lebhafte Beschäftigung. Es gibt industrielle Unter­nehmungen, die, wie derDaily Telegraph" sich ausdrückt,unter Volldampf arbeiten, viele von ihnen Tag und Nacht und bei dreifacher Arbeits­schicht". Die Rückwirkungen auf die Umsätze des Kleinhandels sind sehr günstig. Er hat seit Jahren nicht ein so gutes Geschäft gemacht wie gegenwärtig, da in der Zeit der Arbeitslosigkeit Neu- bzw. Ersatzanschaffungen zurückgestellt wur­den, die jetzt nachgeholt werden.

Nur in ber Kohleninbustrie sieht es noch ziemlich trübe aus. Zwar hat bie Mehrbeschäftigung ber Jnbustriewerke ben Kohlenabsatz gesteigert, aber die Kohlenzechen selbst arbeiten unter den verschiedensten Wirtfchaftsbedingungen. Zu einem Teil sind sie veraltet. Man hat die modernen tech­nischen Errungenschaften nicht eingeführt, und die

polens Vierjahresplan.

Lon unserem Dr. ^.-Berichterstatter.

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Warschau, Juni 1936.

Es war schon mehr als eine parlamentarische Sensation, als der polnische Finanzminister Kwiat- kowski vor dem Warschauer Sejm die bevor­stehende Ingangsetzung eines Dierjahres- planes verkündete, es war wie das Spannen eines Bogens, dem das Abschießen des Pfeiles folgen muß, dessen Ziel man noch nicht kennt. Wirt­schaftspläne sind in Polen schon oft aufgestellt wor­den, und auch Kwiatkowski hat sich daran bereits namhaft beteiligt, aber ebensoviele Pläne sind u n - erfüllt geblieben, teils weil sie von Geburt an lebensunfähig waren oder weil die Meute der Wirtschaftsführer, der Großgrundbesitzer, ber Groß- inbustriellen unb der Kartelle sie zu Tode hetzte, ehe die Regierungen überhaupt die ersten Schritte getan hatten. Daß es diesmal anders kom­men wird, dafür spricht die allgemeine Erkenntnis, daß für die Stärkung der Landesver­teidigung und die Einschränkung der Arbeitslosigkeit entscheidende Opfer gebracht werben müssen.

Polen in Not", ist bie einzige Parole, bie im Lanbe keinen Wiberspruch finbet. Wie konnte ein zu Dreioiertel agrarischer Staat in solche Not ge­raten? Polens Wirtschaftskrise ist e i n e Agrar­krise. Um 66 o. H. sinb bie Preise für Agrar- probukte seit 1928 gefallen, währenb bie Zinslasten fliegen unb bie Preise für lanbwirtschaftliche Be­darfsartikel nur um 33 v. H. zurückgingen. Dazu vermehrt sich die bäuerliche Bevölkerung in Rekord­ziffern und beträgt jährlich 14 auf 1000 Einwoh­ner, während das über Ueberbeoölferung klagende Italien nur 10 auf Tausend aufweist. Auf kleinem Areal sitzen die Bauern dicht beieinander und sehen kein Land, auf dem sich ihr Fleiß betätigen könnte. Es gibt keine Saisonarbeit mehr in Nach­barstaaten, keine Auswanderung zu Hun- derttausenden nach Frankreich oder Ueberfee. Diese Wege sind verbarrikadiert, und die Hoffnungslosig­keit, die gefährliche Nährmutter des Kommunismus, greift weiter um sich. Der inneren Kolonisation sind ebenfalls enge Grenzen gesetzt. Ein Drittel aller landwirtschaftlichen Betriebe sind Z w e r g w i ri­sch a f t e n von weniger als zwei Hektar, ein weite­res Drittel verfügt über fünf Hektar, es wäre über­haupt fein Ausweg sichtbar, wenn die Latifundien der polnischen Magnaten in Kongreßpolen unb Galizien nicht wären. Hier soll der Vierjahres­plan dieCzterolatka" ansetzen.

Und noch andere Ansatzpunkte bieten sich da, so in der gewaltigen Kluft zwischen der herrschenden, ver­mögenden Schicht und dem kleinen Manne im Lande, dessen Schicksal so leicht vergessen wurde, wenn der äußere Anschein nur einen glatten Ablauf des öffentlichen Lebens zu ge­währleisten schien. Jetzt aber, da die Verzweiflung oft die Schranken der Gesetze sprengt, da wie bürokratische Bequemlichkeit versichert dieKri­minalität" wächst und der politische Radikalismus an den Fundamenten des staatlichen Gefüges rüt­telt, jetzt erinnert man sich des kleinen Cannes und sinnt auf Mittel, seinen Magen satt und da­mit seinen Kopf wieder klar zu machen. Aber Ar­beit unb Brot können nicht burch Präsidialverord- nungen herbeigezaubert werben, befonbers bann nicht, wenn die, die im Wohlstand sind und damit den Schlüssel zur Arbeitsbeschaffenheit in der Hand halten, aus kurzsichtiger Gewohnheit und im Froh- aefülj[ der Unoerantwortlichkeit, sich jener privaten Initiative versagen, auf die Kwiatkowski seinen Dierjahresplan aufbauen zu wollen erklärte.

Der Plan ist noch voller Geheimnisse, das kann gewollt sein, um ihn nicht sofort der zerpflückenden Arbeit der Opposition auszusetzen, ober auch, um ihn elastisch zu halten, falls es an bem mehr ober weniger Harken Wiberhall sich ermessen ließe, baß die Widerstände zu stark sind, also radikalere Mit­tel zur Anwendung kommen müssen. Solche Pfeile halten Skladkowski-Kwiatkowski bereits im Köcher verborgen, unb ein Artikel bes offiziösen unb

dem Armeeinspektor Rydz-Smigly nahestehenden

Kurzer Poranny", der in diesen Tagen wie

ein Blitz in das Lager der Großen von

Industrie und Landwirtschaft einschlug, zeigt, daß es auch im Wirtschaftskampfe Polens eineultima ratio" gibt. Darin wird angekündigt, daß das von Kwiatkowski im Sejm entwickelte Wirtschastspro- aramm nur bie Einleitung zu einer viel oreiteren Aktion barstelle. Man werbe zur Enteignung ber Großgrundbesitzer unb zur Kürzung ber Gewinne ber gro­ßen Unternehmungen auf bem Wege einer entsprechenben Besteuerung schreiten.

Das trifft einmal bie Magnaten, bie im Czas" verzweifelte Versuche unternehmen, bie Un- Haltbarkeit bes Planes barzulegen, unb bas trifft die monopolartigen Unternehmungen, die es bisher immer verstanden haben, ihre über­mäßigen Gewinne zu verheimlichen. Daneben sol­len die Bauern voll entschuldet werden, wobei man unter ihren Gläubigern nur den Be­sitzern kleiner Ersparnisse gewissen Rechtsschutz zu- ertennen will. Diese Ankündigung kann zunächst nur eine Drohung sein, ein Druckmittel, um die Geldbeutel ber Besitzenben zu lockern, aber bie Gren­zen ber Entschlossenheit unb Tatkraft Sklabkowskis sinb noch nicht erkennbar. Fraglich bleibt es, ob mit solchen Programmen schon bie Masse ber Mil­lionen ber Regierung noch fremb gegenüberstehen­der Bauern gewonnen ist. Das bäuerliche Kampf­blatt, derZielony Sztandar" jedenfalls kündigt an, die Bauern würden ihrem emigrierten Führer Witos die Treue halten und verlangten schließlich nicht nur Brot unb einen vollen Bauch, fonbern auch politische Rechte.

Am Donnerstag weilte der Bundessportlehrer Gabriel des Fachamtes Fußball aus Berlin in unserer Stadt zu Gast und widmete sich in erster Linie dem Schulfußball. Am Vormittag zeigte er in einem kurzen Lehrgang den Schülern, wie man Fußball richtig spielt, unb am Nachmittag erteilte er ber Arbeitsgemeinschaft ber FachschaftKörper­liche Erziehung" in ber neuen Pestalozzischule einen theoretischen unb praktischen Unter­richt im Fußballspiel. Gabriel kommen bei seinen Lehrgängen neben seiner Körperbeherr­schung besonders seine rhetorischen Fähigkeiten zu­statten, so daß es interessant ist, ihm zuzuhören. Es war eine stattliche Anzahl von Junglehrern unter der Leitung von Sportlehrer Mohr, die sich zu diesem Lehrgang eingefunden hatten und auch praktisch betätigten. Daneben waren auch einige ältere Herren erschienen, die sehr aufmerksam zuhörten.

Bundessportlehrer Gabriel erzählte, wie er sich entwickelt hat und zum Sport kam und nun über­all für den Fußball Freunde wirbt. Dabei verstand er es, das Verständnis für diese Sportart zu wecken.

Mit Unterstützung von praktischen Beispielen zeigte er, welch günstigen Einfluß das richtige Fußballspiel auf die körperliche Erziehung des Jugendlichen ousübt, weil es den ganzen Körper in Bewegung seht und den ganzen Kerl bean­sprucht.

Nur wer seinen Körper ganz beherrscht unb sich geistesgegenwärtig allen Situationen anpassen kann, wirb auch einmal ein tüchtiger Fußballspieler werben. Wie kein anberes Spiel ist ber Fußball bazu angetan, bie Freude am Kampf zu wecken unb zu förbern. Zu bem Wettkampf um bie Lei­stung gesellt sich ber Kampf Mann gegen Mann, ber seine besondere Note baburch erhält, baß bei ihm jede Schärfe fehlt und baß er mit erlaubten Mitteln unb anftänbig ausgetragen werben muß. Auf solche Weise bilden sich Sportgeist und Rit­