Zur 750-Iahrfeier der Stadt Grünberg
Ner große historische Jestzug.
+ Grünberg, 19. Juni. Wenn am Festsonntag (28. Juni) sich ein großer historischer Festzug mit zahlreichen Gruppen und 150 Darstellern in historischen Kostümen durch die Straßen und Plätze der Stadt Grünberg bewegt, dann sehen wir all die bedeutenden Männer, die im Laufe der Zeit aus der Masse ihrer Zeitgenossen Herausragend, mitbestimmend auf die Geschicke der Stadt Grünberg waren ober draußen in der weiten Welt zu Ehr und Ruhm ihres Volkes sich und ihrer Vaterstadt einen Namen gemacht haben.
Der Verlag des „Grünberger Anzeigers" hat für das Fest eine reichhaltige Festschrift herausgegeben. In einem längeren Aufsatz unter dem Titel „M an - ner und Frauen Grünbergs imSchritt der Jahrhunderte" haben hier die beiden Studienassessoren Dr. Fühler und Dr. Vaubel von der hiesigen Oberrealschule an Hand zahlreicher Urkunden eine Menge geschichtliches Material zu den einzelnen Gruppen des Festzuges zusammengetragen. Mit einigen Aenderungen werden auch die meisten Gruppen des Festzuges bei den lebenden Bildern am Festakt in der Turnhalle am Samstagabend (27. Juni) und bei der Wiederholung am Sonntagabend (28. Juni) gezeigt. Mit Erlaubnis des Verlages geben wir in Folgendem einen kurzen Auszug von den einzelnen Gruppen:
Der erste Durgvogl, Guntram von Marburg, 1216.
Wie wir schon kürzlich berichteten, leitet das bekannte althessische Adelsgeschlecht der Schencke von Schweinsberg seine Abstammung von diesem Guntram von Marburg her. Ein Glied dieser Familie, Freiherr Fritz von Schenck zu Schweinsberg in Kirtorf (Kreis Alsfeld), wird seinen Ahnherrn im Festzug darstellen.
Der erste bekannte Antoniterpropst Nikolaus von Lindenstruth.
Neben dem Barfüßerkloster, dem Augustinerinnenkloster und einer Tertianerklause besaß Grünberg als wichtigste geistliche Niederlassung das Antoniter- kloster. Es befand sich in dem heute mit dem Namen „Schloß" bezeichneten Gebäude und ist schon vor dem Jahre 1222 gegründet worden. Es war ein sehr
reich begütertes Kloster. Die Brüder trugen auch den Namen Töngesherren, der an der Spitze stehende Vorsteher entstammte einem adeligen Geschlechte.
Der Grünberger Dappenreiter, 1222.
Das älteste Grünberger Wappen befindet sich auf dem Siegel einer Urkunde des Klosters Arnsburg aus dem Jahre 1222. Dieses besteht in einem Schild mit dem thüringisch-hessischen Löwen. Den heute als Stadtwappen fungierenden „Wappenreiter" treffen wir auf Siegeln zwischen 1244 und 1366.
Landgraf Hermann
nach einer Jagd im Grünberger Ltadlwald, 1386.
Hessische Landgrafen haben oft in Grünberg Aufenthalt genommen, in den ältesten Zeiten in der „Burg", späterhin in dem zum „Schloß" gewordenen Antoniterhaus. Neben der Regelung politischer Angelegenheiten war es vor allen Dingen die hohe Jagd, vor allem auf Hirsche und Sauen, die sie hierher führte und der sie in den ausgedehnten Waldungen rings um Grünberg oblagen.
Johannes Rhau
aus Grünberg, der erste Lulherdrucker, 1516.
Luthers erste Schrift „Die deutsche Theologie" vom Jahre 1516, sowie zahlreiche weitere Schriften von ihm sind nach Ausweis der Druckoermerke von einem Johannes Grunenberg (Grunen- bergk) gedruckt. Der Familienname des Druckers „Rhau" weist in unsere Gegend, da in der Zeit zwischen 1494 und 1573 nicht weniger als 6 Grünberger diesen Namen tragen.
Bürgermeister Rabe und seine Ralsherren, 1594.
Die Geschicke der Stadt im Mittelalter wurde von den Schöffen geleitet. Aus ihren Reihen wurde der Bürgermeister erwählt. Das Amt eines Bürgermeisters wird zum ersten Mal 1341 urkundlich erwähnt. Wohl der bedeutendste, der dieses Amt in unserer Stadt inne gehabt hat, ist Bürgermeister Caspar Rabe. Sein Andenken wird noch heute durch die nach ihm benannte „Rabegasse" festgehalten.
Des Landgrafen Witwe Maria von Mansfeld, im Schloß zu Grünberg, ihrem Wohnsitz, 1605.
Das im Jahre 1526 aufgehobene Antoniterkloster
wurde landgräflicher Besitz und hieß von da ab Schloß. Mehrmals diente es für die Wltwe eines Landgrafen als Witwensitz. So finden wir auch obengenannte Maria von Mansfeld, die zweite Gemahlin Ludwigs IV. von der Marburger Linie, die nach dem Tode ihres Gemahls (1604) im folgenden Jahr das hiesige Schloß als Witwensitz bezieht, da sie Stadt und Amt Grünberg, sowie das benachbarte Schloß Merlau als Wittum erhalten hat.
Pfarrer Eervinus
mit Detkerfelder Flüchtlingen. 1635.
Diese Gruppe erinnert uns an die traurige Zeit des Dreißigjährigen Krieges mit ihren vielfachen Kriegsnöten. Flüchtlinge, Bauern aus dem benachbarten Wetterfeld, geführt von ihrem Pfarrer, einem geborenen Grünberger, suchen hinter den Mauern Grünbergs Schutz.
Generalwachtmeister Hartmann Samuel Hoffmann von Löwenfeld als Hauptmann vor Wien, 1683.
Als Sohn eines Grünberger Amtmannes hat er sich sowohl in den Türkenkriegen, als auch in den Kriegen gegen den französischen Sonnenkönig Ludwig XIV. einen Namen gemacht. Der Kaiser belohnte seine Verdienste mit der Ernennung zum Generalwachtmeister und der Verleihung des erblichen Adelstandes. Erst 54jährig, starb er infolge von Gift, das ihm wahrscheinlich von Franzosen im Wein beigebracht wurde.
Konrad Justus
der Kalendermann vom Veitsberg, 1744.
Als Sohn eines Grünberger Hutmachers wurde er nach mancherlei Schicksalen Schulmeister aus dem Veitsberg bei Saasen. Durch seine astronomischen und mathematischen Studien erhielt er den Namen „Kalendermann". Bekannt ist er auch durch Glaubrechts Erzählung „Der Kalendermann vom Veitsberg."
Leutnant Ebel und Sekondeleutnant Ebel im
Heere Napoleons auf dem Rückzug aus Rußland, 1812.
Diese Gruppe versetzt uns in die Zeit der tiefsten Erniedrigung unseres Vaterlandes. Deutschlands Söhne kämpften und verbluteten unter fremden Fahnen. Auch aus unserer Stadt hat diese schlimme Zeit schwere Opfer gefordert. Ein Gedenkstein im Brunnental bewahrt die Namen von 22 Grün
bergern, die für Napoleons Sache kämpften und dabei den Tod erlitten.
Professor Friedrich Gottlieb Welcker bei einer Ausgrabung in Griechenland, 1841.
Professur Welcker, als Sohn eines Pfarrers 1784 in Grünberg geboren, ein Zeitgenosse Wilhelms v. Humboldt, dessen Kinder er als Haus, lehrer in Rom unterrichtete, fretrotllrger Jager 1813, wirkte erst in Gießen und später m Bonn als Philologe und Altertumsforscher. Er unternahm größere Forschungsreisen nach den klassischen statten in Griechenland und Klein-Asien.
Professor Dr. Koch-Grünberg bei den Indianern Nord-Vrasiliens, 1913.
Unser Theo Ko ch, der als Pfarrerssohn hier geboren, auf Wunsch der Eltern Neu-Philologie stu- vieren mußte, folgte später seinem inneren Drange, der ihn schon früh auf das Forschungsgebiet der Jndianerstämme der neuen Welt hinwies. Seine be- sondere Befähigung, mit diesen Naturmenschen um- zugehen, ließ ihn wertvolle Forscherarbeit über Lebensweise, Sitten und Gebräuche der Jndianerstämme im Inneren Brasiliens leisten. Noch im besten Schaffen stehend, raffte ihn ein tückisches Fieber im Alter von 52 Jahren an der Stätte seiner Forschungsarbeiten dahin.
Generalleulnanl Steinmetz, Artilleriekommandeur vor Lüttich, Namur und Maubeuge, 1914.
Der Name dieses Mannes ist mit den ersten Ruhmestaten der deutschen Armee in den August- und Septembertagen des Jahres 1914 untrennbar verknüpft. General Steinmetz wurde 1860 als Sohn des hiesigen Pfarrers Steinmetz geboren. Er hat als Leiter der Belagerungsartillerie hervorragenden Anteil an der raschen Niederkämpfung dieser drei starken feindlichen Festungen. Leider fand er schon am 15. September an der Marne einen allzufrühen Tod. Auch sein Gedenken wird durch einen Gedenkstein im Brunnental wachgehalten.
Finden wir in den historischen Gruppen einen Auszug aus der Geschichte unserer Stadt im Laufe ihres 750jährigen Bestehens, so zeigen uns im An- schluß daran noch eine Anzahl Gruppen die Geschichte der Einigung unseres deutschen Volkes, wie sie von 1813 über 1870/71 und den Weltkrieg zur nationalen Erhebung und Gründung des Dritten Reiches 1933 führt.
750-Jahrfeier der Stadt Grünberg!
Samstag, den 27. Juni, 20 Uhr, in der Turnhalle: Festakt (Ansprachen, geschichtlicher Festvortrag, lebende Bilder mit 120 Darstellern in historischen Kostümen unter Musik- und Chorbegleitung.
Sonntag, den 28. Juni, 13.15 Uhr, auf dem Marktplatz: Großkundgebung mit Gauleiter Sprenger. — 14.30 Uhr: Großer historischer Festzug mit allein 18 Gruppen (150 Darstellern) in historischen Kostümen. Anschließend auf dem Festplatz Volksfest bei Tanz- und oberbayrischer Stimmungsmusik. — 20.30 Uhr in der Turnhalle: Wiederholung der lebenden Bilder des Festaktes. — 22.45 Uhr: Großes Feuerwerk.
Montag, den 29. Juni, 10 Uhr: Konzert der Stimmungskapelle im Festzelt — 14 Uhr: Jugend- und Volksfest.
Reichsbahn-Sonderdienst: Sonntagskarten im Umkreis von 75 km, verstärkte Züge aus allen Richtungen. Sonntag, 24 Uhr: Sonderzug in Richtung Gießen. zssev
Reichspost-Sonderdienst: Omnibusverbindung mit Laubach und Decken hach (Her- und Rückfahrt), utid in Richtung Mücke nach Bedarf.
IBIEIRGSCHIE1NKIE
Sonntag, den 21. Juni, von 16 —19 Uhr:
Großes Militär-Konzert
Ausgef. vom Musikkorps MG.-Batl. 2 unter Musikleiter Feldwebel Nickel
Eintritt 30 Pfennig
Militär 20 Pfennig
02815
Bad?Nauheimer Woche 1936
21. bis 28. Juni
Sonntag, den 21. Juni: Der Tag des Volksliedes. 1000 Sänger singen z. T. nachmittags 49/4 Uhr auf der Kurhaus-Terrasse im Rahmen eines Konzertes des Kurorchesters und nachmittags 67. Uhr auf dem Johannisberg. Abends 9 Uhr im Sprudelhof: „Das deutsche Lied in vier Jahrhunderten.“
Montag, den 22. Juni: Kudi-Stephan-Fcier (1887-1915). Kammermusik-Abend im kleinen Bühnensaal d.Kurhauses. Mitwirkende: Henny Trundt(Sopran), Ernst Fleischhauer (Bariton), Lenzewski- Quartett, Heinz Schroeter (Klavier), Dr. Karl Holl (Ansprache und Klavier). w
Dienstag, den 23. Juni: Bluinen-Tag. Jeder Gast und Einwohner trägt eine Blume. Prämiierung des schönsten Blumenschmuckes in Vorgärten, Balkons und Hausfronten. Abends bei ein tretender Dunkelheit: Illumination des Kurparkes.
Mittwoch, den 24. Juni: Oper und Ballett im Rokoko abends 8*/«Uhr im kleinen Bühnensaal des Kurhauses: ,,La Servapadrona“ (Die Magd als Herrin). Komische Oper in 2 Akten von Giovanni Pergolese mit Kammersänger Theo Herrmann iStaatstheater Hambg.) und Ingeborg Burmester (Hambg.X „Eine kleine Nacht- Tnusik“ von W. Ä. Mozart. Ballett d. Landestheaters Darmstadt.
Donnerstag, 25. Jnni: Konzert des Musikkorps mit Spielmannszug der Leibstandarte „Adolf Hitler“, nachmittags 4—6 Uhr und abends 8-10 Uhr auf der Kurhaus-Terrasse.
Freitag, den 26. Jnni: Bad-Nauheim in Licht. Bei beginnender Dunkelheit werden alle besonderen Merkmale und Gebäude in hellstem Licht erstrahlen. Auf der Kurhaus -Terrasse, abends 8 Uhr: Doppelkonzert.
Samstag, den 27. Jnni: Bad -Nauheimer Rosen - Fest. Abends 87a Uhr, im Rahmen eines Balles im großen Bühnensaal des Kurhauses wählt das Publikum die „Rosenkönigin von Bad- Nauheim 1936“.
Sonntag, den 28. Jnni: Salzgrafentag (Fest der Salssöder um 1750).
Nähere Auskunft durch die Kur verwaltung Bad-Nauheim. 3962d
Herzliche Eieladnng
zum
Mssioflsiesl der Lute-Gemeinde am Sonntag, den 21 Jnni, um 14/z Uhr, auf dem Schiffenberg. Anmeldung zur Sonderfahrt (14 Uhr ab Ludwigsplatz) i. Pfarr- baus, Ludwigsplah 2.______
Familien-Genealogie
Rumpf Oberhessen
Hr. Rumpf, Fabrikant in Zürich, sucht in Oberhessen Familien Rumpf, deren Vorfahren ums Jahr 1700 herum in Leihgestern ansässig waren. Er interessiert sich vor allem um solche, die ums Jahr 1750 von Leihgestern nach Friedberg verzogen. — Bitte etwaige Auskunft per Karte an Professor Dr. Kraemer, Bad-Nauheim, Hitlerstr. 11, zu senden. 3955V
Am Montag, dem 22. Juni abends 20 c. t. spricht auf Einladung des Englischen Seminars und der Auslandstelle der Universität Im Hörsaal des Kunstwissenschaftlichen Instituts (Lud- wigstraße 34) der Germanist der Londoner Universität 3951D Professor L. A. Willoughby in englischer Sprache über
Wordsworth and Goleridge in Germany.
Eintritt frei. Gäste willkommen.
THÜRINGER HOF
Hammstraße 7 UM- Heute
TAXNZ t
Ihre Vermählung zeigen an
Asterweg 1
3945p
Ihre Vermählung geben bekannt
Bahnhofstraße 34
02845
3959D
Sommerveranda
Bei dieser Hitze sind
otwifmg
TANZ
3989Ö
Es ladet ein Franz Rathenow.
f, Pren RM I JO i* ApolKeL «. Oo^. /S • ■ /V'ob« Herme«. München. Güllitr 7 WlUlCft
mit Lezithin
Or. med. vet. Walter Loh und Frau Margret, geb. Göh
Gießen, den 21. Juni 1936.
Med. Delerinärklinlk
Helmut Schneider
Emmy Schneider, geb. Schmidt
Gießen, den 21. Funi 1936.
Mühlstraße 8
Rheingold
Samstag, «len 2V. Jnni 1936
Sommerfest
Fe- tliche Räume —
Quid, und Dr. Ernst Eichten Frühttückikräutertee - lu^ine^uelle
WIESECK
Sonntag, den 21. Juni 1936
•TANZ•
»Zum kühlen Grund«
Adolf Schepers 3947D
•Ibil aber komm! des nicht, denn die Nerven 1 ’«9»über genügend aulgerieben. Aber Quid Lezithin erweckt die Lebensgeister, stellt die Spenn. I wieder her und wirkt uverlessig ,hne auhupul- en. Quick, der wissenschaftliche AulbausloH für 1 und Nerven, unschädlich für die Organe, aber belebend lur Körper und Geist Versuchen auch Sie
LMWIgShAW
bei Wieseck
Sonntag, den 21. Juni 1936
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im Grünen und im Saal
Anfang 4 Uhr 3942D
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„Zur deutschen Eiche“ Klein-Linden
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Nicht nur, weil die Hausfrau heute mit Kohle und Elektrizität kochen kann, nein, heute besitzt sie viel mehr als vor 750 Jahren.
Denken Sie an Kartoffeln, an Reis, an Teigwaren, an Konserven, denken Sie an Kaffee, Kakao,Tee, all das kannte die Hausfrau damals nicht.
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