Ausgabe 
20.6.1936
 
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ttr.M Erstes Blatt 186. Jahrgang Samstag, 20. Juni 1056

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Mittelmeersorgen.

England hat durchaus nüchtern und sachlich aus einer veränderten politischen Lage die Folgerungen gezogen. Der britische Außenminister Eden, einst der Führer der Sanktionsfront des Völkerbundes gegen Italien in Genf, der noch unmittelbar nach der Eroberung und Besitzergreifung Abessiniens durch die italienischen Truppen im Unterhaus er­klärt hatte, die Politik des Völkerbundes sei zwar gescheitert, da sie die Niederlage Abessiniens nicht habe verhindern können, aber die Sanktionen gegen denAngreifer" gingen weiter, derselbe Eden er­klärt heute, wenige Wochen später, sich der Gewalt der Tatsachen beugend, daß England auf die wei­tere Durchführung der Sanktionen verzichten werde, da sie ihren Zweck nicht erreichen könnten, solange weder das britische Volk noch die anderen Völker- dundsstaaten bereit wären, das Risiko eines Krieges im Mittelmeer auf sich zu nehmen. Angesichts des

Schmeling schlägt Loms in der 12. 'Kunde.

Reuyork, 20. 3uni. (DRV. Funkspruch.) Wax Schmeling besiegte im Vankeesladion vor 85 000 Zuschauern Joe Louis in der 12. Runde durch Niederschlag. Schmeling erwarb sich damit die Be­rechtigung, gegen Braddock um die Weltmeister- chaft im Schwergewicht zu kämpfen. Reichs­minister Dr. Goebbels sandte an Schmeling olgendes Glückwunschtelegramm:Zu Ihrem wun- »erbaren Sieg, den wir heute Rächt am Rundfunk erlebten, meine allerherzlichsten Glückwünsche. Ich weih, dah Sie für Deutschland gekämpft i-aben, Ihr Sieg ist ein deutscher Sieg. Wir lind stolz auf Sie. Wit hitler-heil und herzlichen Grüßen Ihr Dr. Goebbels."

Der Führer hat an Wax Schmeling folgendes Telegramm gefandl:Rehmen Sie zu Ihrem groß­artigen Erfolg meinen herzlich st en Glück­wunsch entgegen. Adolf Hitler." An Frau Schmeling sandte der Führer folgendes Telegramm:Zu dem wunderbaren Sieg Ihres Mannes, unseres größten deutschen Boxkämpfers, muh ich Ihnen aus ganzem Herzen gratu­lieren. Adolf Hitler." Der Führer übersandte nach Erhalt der Nachricht von Schmelings Sieg Frau Schmeling einen Vlumenstrauh.

*

Ausführlicher Bericht im Sportteil des heutigen Blattes.

Heute abend noch einmal im Rundfunk

Berlin, 20. Juni. (DNB. Funkspruch.) Der Reichssendeleiter hat angeordnet, daß die Uebertra- gung des deutschen Rundfunks -vom Boxkampf schmeling - Loüisk der mit dem k.o. - Sieg Schme­lings endete, heute ab 19 Uhr über alle Sender wiederholt wird. *

Eindrucks, daß die sensationelle Rede seines Mi­nisterkollegen Chamberlain diese Wendung in der britischen Auffassung vom Sanktionsproblem vor­bereitet und beschleunigt habe, legte Eden Wert auf die Feststellung, daß die Entscheidung des Ka­binetts auf feinen Ratschlag hin erfolgt sei. Das war natürlich eine große Enttäuschung für die sanktionsfreunde im Lager der Opposition, die da­mit gerechnet hatten, daß Eden sich auf den Sank- tionsfurs allzu sehr festgelegt hätte, um noch zurück zu können, und deshalb sich auf eine Kabinetts­krisis gespitzt hatten. Aber der Fall zeigt wieder einmal, wie ja überhaupt der ganze Verlauf der diplomatischen Geschichte des Abessinienkonflikts, wie ungemein elastisch die britische Außenpolitik ist und wie sie nicht ansteht, einen oder sogar meh­rere Schritte zurückzumachen, wenn sie fürchten muß, in eine Sackgasse geraten zu sein.

Edens Rede hat deutlich gemacht, daß England nun das Problem der Neuorganisierung des euro­päischen Friedens für vordringlich erachtet und daß ss sich von der Fortsetzung des Gesprächs mit Deutschland über ein neues Locarno für die Begründung einer neuen Friedensorganisation In Westeuropa am meisten verspricht. Eden hat dem Unterhaus noch einmal den Gang der bis­herigen Verhandlungen, vom englischen Stand­punkt aus natürlich^ im einzelnen dargelegt und die Frage wiederholt, die schon die Quintessenz des seinerzeit von Botschafter Sir Eric Phipps in Ber­lin überreichten Briefes war, ob nämlich Deutsch­land den gegenwärtigen politischen Zustand Euro­pas anerkennt, vorbehaltlich'der Aenderungen, tue künftighin etwa durch freie Vereinbarungen getrof­fen würden. Die deutsche Antwort wird vermutlich nur längst Gesagtes bestätigen können und damit feie Fortsetzung der deutsch-englischen Aussprache fördern. Auch der Ministerpräsident Baldwin hat ja am Schluß der Debatte im Unterhaus noch einmal den aufrichtigen Wunsch der britischen Re­gierung mit warmen Worten unterstrichen, mit Deutschland und Frankreich zusammen für den Frieden zu arbeiten, und er hat hinzugefugt, datz er es auszuprobieren wünsche, wenn ein Mann wie der Führer ihm sage, daß er den Frieden wünsche. Bei solcher Einstellung auf beiden Seiten wird es nicht schwer sein, aus dem deutsch-englischen Friedensgespräch ein zukunftsträchtiges Ergebnis herauszuholen. , ...

Eden hat nicht davon gesprochen^ wie man sich m London die Gestaltung des Verhältnisses zu

Starker Ausbau der englischen Stellung imMttelmeer

London, 20. Juni. (DRV. Funkspruch.) Die Worning Post" beschäftigt sich mit der Mitteilung, daß die britische Regierung in Zukunft eine st ä r - kere Verteidigung im Wittelmeer un­terhalten werde, als vor Beginn des abessinischen Krieges. Das Blatt, das britischen Flottenkreisen nahesteht, teilt mit, dah die Regierung zur Zeit die Frage löse, ob neue Flotten st ühpunkte im INittelmeer gebaut werden sollen. Ferner feine allgemeine lleberprüfung der britischen Ver- teidigungsmahnahmen im östlichen Wittel- meer vorgesehen. Die Regierung wolle die Welt wissen lassen, daß England keineElnmischung in seine Belange dulden werde. Der Be­schluß, eine starke Verteidigung zu unterhalten, be­ziehe sich auf sämtliche Floltengaltun- gen. Die Regierung werde sich daher nicht beeilen, die Flotlen-, Heeres- und Richt-Waffeneinheiten aus dem Wittelmeer aufzuberufen.

Der Flottenkorrespondent des Blattes teilt mit, daß in Zukunft 8 von den 15 britischen Großkampfschiffen im Wittelmeer ff a - Moniert sein werden. Ferner werde die Wittel­meerflotte durch kleinere Fahrzeuge besonders durch U-Boote verstärkt werden. Der Flotten­mitarbeiter desDaily Telegraph" berichtet, dah die Grohkampfschiffeh o o d",R e p u l s e" undR e- n o w n" in Zukunft ständig dem Wittelmeerge­schwader zugesellt werden. Wahrscheinlich werden auch die ersten vier Kreuzer der im Bau befind­lichenS o u t h a m p t o n"- K l a s s e (9000 Tonnen mit 12 15-Zentimeter-Geschühen) ins Wittelmeer ge­sandt werden. Ursprünglich war beabsichtigt, diese in die Heimatflotte einzureihen. Der Flotlen- ftühpunkt Walta werde besonders für die Flugabwehr weitgehend ausgebaut werden. Die Lrichtung eines neuen Flottenstützpunktes in Zypern werde folgen.

Italien und der Mtelmeerpakl.

Rom, 19. Juni. (DNB.)Tribuna" begrüßt die teilweise Evolution" Der englischen Auffassung, be­tont aber, daß für die übrigen Probleme wie Mittelmeer und Völkerbund die Lage vorerst unverändert geblieben sei, weshalb Italienseine weitestgehenden und starke Vorbe­halte anmelden müsse". Die von Eden behaup­tete Notwendigkeit der Beibehaltung der im vergangenen Winter für das Mittelmeer getroffenen Flottenvereinbarungen bilde ein wenn auch nur vorläufiges antiitalienisches Fl o t- t e n b ü n t) n i 5. Der Versuch Edens, zwischen die­sem Bündnis und dem Völkerbund einen Zusam­menhang herzustellen, sei eine seltsame Angelegen­heit, die zu der Annahme berechtige, daß die eng­lische Regierung in dieser Richtung gewisse Son­derziele verfolge. Es könne niemanden entgehen, daß dieses vorläufige Bündnis für die ganze Dauer der Konferenz von Montreux beibehalten werden könnte. Gleichgültig, ob man sich in Mon­

treux auf eine Wiederbefestigung der Dardanellen beschränke, an der Italien noch weniger als jede andere Macht interessiert-sei, ober ob der Rahmen der diplomatischen Besprechungen auf den geplanten Mittelmeerpakt ausge­dehnt werde, sei in beiden Fällen nicht zu ver­stehen, wie die gegen Italien gerichtete englisch­französisch - spanisch - griechisch -türkisch-jugoslawische Front den Abschluß einer Verständigung erleichtern könne. Im großen und ganzen würde man im

Mittelmeer eine ähnliche Lage schaffen wie im Rheinland, würde als für das Mit­telmeer den gleichen politischen und psychologischen Fehler begehen, der die Krise des Locarno-Paktes hervorgerufen habe. Wolle London, so fragt die Tribuna", Italien im Mittelmeer etwa einkreisen? Wenn dem so wäre, so müsse man trotz der Aushebung der Sanktionen feftstellen, daß die Staatsmänner aus der jüngsten Geschichte nichts gelernt hätten.

Die Unruhen in Palästina.

Oer britische Kolonialminister berichtet dem Unterhaus.

Unannehmbare Forderungen der Araber.

London, 19. Juni. (DNB.) Im Unterhaus nahm der Kolonialminister Ormsby-Gore zu dergegenwärtig io beklagenswerten Lage in Palästina" Stellung. Der Minister wies u. a. auf die Verschlimmerung der Lage durch Streiks hin. Einige Stadtverwaltungen hätten zwar ge­meinsame Sache mit den Streikenden gemacht, aber im wesentlichen sei der öffentliche Dienst aufrecht­erhalten worden. Er sei erfreut zu sagen, daß, während zweifellos Rassenauseinander­setzungen im Gange wären, solche in bezug auf die religiösen Gefühle nicht entstanden seien. Der Kolonialminister wies mit Bedauern auf die Anschläge auf Eisenbahnlinien, auf die Vernichtung der Ernte und Pflan­zungen hin und gab bekannt, daß während der letzten beiden Wochen etwa 15 Feuerüber­fälle auf Truppen und Polizei unter­nommen worden seien und idaß innerhalb 24 Stun­den manchmal bis zu 1 0 Bombenanschläge auf Telephon- und Telegraphenlei­tungen zu verzeichnen gewesen seien. Die Ver­stärkung der militärischen Streit­kräfte habe aber schon viel Schaden verhindert und für die Zukunft würden die stärksten Be­mühungen gemacht, um Leben und Eigentum zu schützen.

Nach Wiederherstellung des Friedens werde dem König die Ernennung einer Kommission zur gründlichen Untersuchung der Ursachen des Aufruhrs und der Beschwerden empfohlen wer­den. Hauptziel der britischen Regierung sei, einen unparteiischen Bericht zu erhalten, der sie in die Lage versetze, allen Teilen der Bevölkerung Ge­rechtigkeit widerfahren zu lassen. Ormsby-Gore sprach sein Bedauern über die getrübten Beziehun­gen zwischen der britischen Regierung und den Ara­bern in Palästina aus. Er hoffe jedoch, daß das vorübergehend sein werde. Die britische Regierung werde eingedenk des Vertrauens, das die Welt ihr als Mandatsmacht entgegenbringt, die Verwaltung Palästinas nach beiden Seiten hin gerecht durch­führen.

Auf die Anfrage des konservativen Abgeordneten Vizeadmiral Taylor, ob die Araber ihre Beschwer­den schon formuliert hätten, antwortete Ormsby-Gore, daß sie eine völlige Einstel - lung der jüdischen Einwanderung, fer­ner eine Einstellung aller LandVer­käufe anJuden und eine Ueberleitung der Re­gierung aus der jetzigen Verfassung an eine n a - Monate Regierung forderten, die einer zu wählenden Volksvertretung verantwortlich sei. Solchen Forderungen könne er unmöglich 3 u ft i m m e n.

Der Führer der Oppositionellen, Williams, stimmte den Darlegungen des Ministers zu. Die Ar­beiteropposition ergreife Partei zwischen Juden und Arabern. Der Streik in Palästina richte sich eigent­lich gegen das Mandatssystem. Die ara­bische Forderung sei ein Widerspruch zum Wert und Sinn des Mandats. Auf eine Zwischenfrage über die Bevölkerungszusammensetzung in Pa­lästina gab Kolonialminister Ormsby-Gore bekannt, daß es sich um 759 000 Mohammedaner, 320 000 Ju­den und 103 000 Christen handele. Lloyd Ge­orge erklärte hierauf, die arabische Forderung auf Einstellung der jüdischen Einwanderung könne Groß­britannien nicht erfüllen, wenn es nicht feine Mandatsverpflichtungen verletzen wolle. Sowohl Lloyd George wie auch einige andere Abgeordnete fetzten sich für eine Art Selbstschutz der Bevölkerung in Palästina ein. Ormsby-Gore ver­sicherte zum Schluß, daß die britische Regierung erschlossen sei, diesen Kampf für sich zu entscheiden, selbst wenn sich härtere Maßnahmen als unerläßlich erweisen sollten.

Oer Kronprinz von Transjordanien Gefangener seines Daters.

London, 20. Juni. (DNB. Funkspruch.)Daily Herald" meldet, es sei zu ernstlichen Meinungsver­schiedenheiten zwischen dem Emir Abdullah von Transjordanien und seinem Sohn, dem 25jährigen Kronprinzen T a l a l gekommen. Kronprinz Talal soll versucht haben, einen Aufstand gegen bie britische Verwaltung in Transjordanien zu organisieren. Der Emir habe diesen Vorschlag ab- gelehnt und angeordnet, seinen Sohn im Königs­palast von Amman gefangen zu halten.

Italien denkt. Er hat die Besprechungen mit dem italienischen Botschafter Grandi nicht erwähnt, viel­mehr wie es ja während des ganzen Abessinien­konflikts englische Taktik war, auch weiterhin eisern an der Fiktion festgehalten, daß England ausschließlich als Mitglied des Völkerbundes und Anhänger eines kollektiven Sicherheitssystems ein Interesse am Abessinienkonflikt gehabt habe und daher auch fetzt sich den Beschlüssen des Völkerbundes in Genf fügen werde. Die Opposition wittert, daß der Auf­hebung der Sanktionen in nicht allzu ferner Zeit die Anerkennung der Einverleibung Abessiniens folgen werde. Man hält der Regierung vor, daß sie gerade in einem Augenblick das Rennen aufgebe, wo m Frankreich eine sanktionsfreundliche Regierung ans Ruder gekommen sei und also der Vorwand, daß England sich im Ernstfälle allein Italien gegenüber gesehen habe, da Frankreichs Hilfsver- sprechungen unzureichend und unbestimmt gewesen seien angesichts des Kabinettswechsels in Frankreich nicht'mehr zutreffe. Man hat trotzdem den Eindruck, daß auch die Regierung Blum trotz der antifaschi­stischen Neigungen der sie stützenden Parteien auf die so mühsam angebahnte italienische Freundschaft großen Wert legt und in Genf gerne anderen Mach­tenden Vortritt lassen wird, wenn es noch jemandem danach gelüsten sollte, für die verfahren^ Sache der Sanktionen eine letzte Lanze zu brechen Die Franzosen sind eher enttäuscht, daß es nicht ihrer Vermittlung bedurfte, um zwischen England und Italien die Voraussetzungen zur Versöhnung zu schaffen. Man verargt es Herrn Eden, daß eraus eigene Faust" gehandelt habe, denn aus dem Ver­mittlungsgeschäft hätte sich sicher noch ein politischer Nutzen für die eigene Tasche herausschlagen lassen.

Daß indessen nicht alles wieder so werden soll wie einst in der Blütezeit englisch-italienischer Freundschaft, daß vielmehr England entschlossen ist, aus dem Erstarken der neuen Mittel- meergroßmacht seine Folgerungen zu ziehen, erhellt aus dem einen Satz in Edens Unterhausrede, die Regierung habe angesichts der Erfahrungen der letzten Monate beschlossen, dauernd im Thttelmeer eine Derteidigungsstreitmacht zu unterhalten, die stärker sei als vor Beginn des Abesstmenkonfl.ktes Wir haben schon von dem Plan gehört, Kapstadt zu befestigen, um auf dem alten Seeweg nach In­dien um den afrikanischen Kontinent herum einen

Flottenstützpunkt zu erhalten, wenn der Weg durch das Mittelmeer und den Suezkanal durch irgend­welche Umstände der britischen Kriegsflotte ver­schlossen sein sollte. Aber auch der Ausbau Alexandriens soll in den letzten Monaten un­geheure Fortschritte gemacht haben und es ist ge­rade jetzt am wenigsten anzunehmen, daß England auf sein Besatzungsrecht in Aegypten verzichten könnte, das ja in den gegenwärtigen Verhand­lungen des britischen Oberkommissars Sir Miles Lampson mit den ägyptischen Nationalisten die Hauptschwierigkeiten für eine Einigung über einen Bündnisvertrag bildet. Ein Blick auf die allgemeine Unruhe in der arabischen Welt empfiehlt ja nicht minder, die britischen Streitkräfte im mittleren Osten auf der Höhe zu halten. In dem britischen Mandatsland P a l ä st i n a kann man schon bald von einem Aufstand der Araber gegen die britische Herrschaft sprechen, die sich mit der Balfour-Dekla- ration vom 2. November 1917 insofern zwischen zwei Stühle gesetzt hat, als die Anerkennung des Rechts der Juden auf einenationale Heimstätte" in Palästina und die Durchführung dieses Grund­satzes in die Praxis durch Förderung der jüdischen Einwanderung und des Bodenerwerbs die Araber zu heftigstem Widerstand angeregt hat, der gerade eben wieder sich in blutigen Ausschreitungen gegen die Juden sowohl als auch gegen die britische Mandatsherrschaft Luft macht.

Ein Ereignis der letzten Tage, das ebenfalls Englands Lage im mittleren Osten erschweren wird, ist die Erklärung des neuen französischen Kabinetts, den französischen Mandatsländern Syrien und Libanon unter dem gemeinsamen Namen Leoantestaat ihre Unabhängigkeit zu gewähren und für ihre Aufnahme in den Völkerbund einzutreten. England hat hierzu zwar den Präzedenzfall ge­schaffen, als es 1930 das Königreich Irak, das mit der Hauptstadt Bagdad und den vielbegehrten Oelquellen von Mofful den größten Teil von Meso­potamien umfaßt, aus feiner Mandatsherrschaft entließ, seine Unabhängigkeit anerkannte und seine Aufnahme in den Völkerbund veranlaßte. Das war damals eine Abschlagszahlung auf die viel weiter­gehenden Versprechen, die der britische Unterhänd- [er und Führer des panarabischen Aufstandes gegen die Türkenherrschaft Oberst Lawrence den ara­bischen Fürsten Scherif Hussein von Mekka und

seinen Söhnen gemacht hatte, um sie zum Abfall von der türkischen Lehnsherrschaft und zum Zug nach Damaskus zu bewegen. Nur der Unterstützung der Araber verdankte es England, daß die türkische Palästinafront sich nicht halten konnte. Lawrence hatte den Arabern ein großarabisches Reich vom Indischen Ozean bis zum Mittelmeer versprochen, und der Scherif Hussein hatte sich bereits 1916 die Königswürde beigelegt und gehofft, als Großscherif eines national geeinten Arabiens in Damaskus einziehen zu können. Aber die britische Regierung desavouierte den Obersten Lawrence. Der berüch­tigte Sykes-Picot-Vertrag zwischen Frankreich und England teilte insgeheim schon 1916 die zu er­obernden arabischen Länder bis zur Levante hin zwischen beide Großmächte auf. Nach Veröffent­lichung des Vertrags im Jahre 1920 mußte Hussein, der Sohn des alten Scherifen von Mekka, auf sein kurzes Glück als König von Syrien verzichten, er wurde mit dem Irak entschädigt und mußte Bagdad mit Damaskus vertauschen. Syrien wurde franzö­sisches Mandat, Palästina, Irak und Ostjordanland kamen unter britische Mandatsherrschaft. Das Tei­lungsprinzip wurde überhaupt zu einem der wich­tigsten politischen Mittel beider Großmächte zur Beherrschung der um ihre nationalen Hoffnungen schmählich betrogenen Araber. Der von dem mäch­tigen Wahabitenfürsten Ibn Saud aus seinem an- geflammten Königreich Hedschas vertriebene Emir Abdullah wurde von den Engländern mit der Scheinherrschaft über das kleine Ostjordanland ent­schädigt. Sein Bruder Hussein, der ehemalige Syrerkönig, erhielt zwar ein der Form nach un­abhängiges Königreich Irak, aber der britische Ober« kommisiar und die britischen Militärflugplätze im Lande mahnen an den wahren Beherrscher des Irak.

Auch Frankreich ist in Syrien ähnlich vorge­gangen. Unter dem Oberkommissar in Beirut stan­den die sogenannten Levante-Staaten Syrien mit der Hauptstadt Damaskus, der autonome Sandschak Alexandrette, die Republik Libanon mit der Haupt­stadt Beirut, die Gouvernements Latakie und Dru- fien. Trotz dieser systematischen Zersplitterung ist auch in Syrien ebensowenig wie in den britischen Mandatsgebieten der panarabische Gedanke jemals zur Ruhe gekommen. Aufstände und Streiks wech­selten einander ab, und die militärische Besetzung