Das hessische Steuergesetz für 1936
Die Sanitätskolonne Gießen des Deutschen Roten Kreuzes hielt — wie man uns berichtet — am Samstag im oberen Saale des Restaurants „Zum Andres" ihre diesjährige Hauptversammlung ab, die von aktiven und inaktiven Mitgliedern gut besucht war. An der Versammlung nahmen auch der Vorsitzende des Kreismännervereins, Kreisdirektor Dr. L o tz, sowie der stellvertretende Vorsitzende, Regie- rungsrat Grein, teil. Ferner waren anwesend als Vertreter der Stadt Gießen Bürgermeister Dr. Hamm, der Provinzialkolonnenführer Professor Dr. Eger, die Führerin des Alicefrauenvereins vom Deutschen Roten Kreuz, Frau Ella Giese, und Kreiskolonnenarzt Dr. G r o s.
Kolonnenführer Kratz gab einen Ueberblick über die Tätigkeit im abgelaufenen Geschäftsjahr und stellte hierbei heraus, daß die Kolonne auch in diesem Jahre wieder ihre ganze Kraft in den Dienst der Allgemeinheit gestellt habe, jederzeit hilfsbereit, wo es galt, kranken oder verunglückten Dolksgenos»
Vorbildliche Arbeit der SanMskolonne Gießen
Oie Leistungen im Jahre 1935.
und Bauplätze, auf 47 Pf. je 100 Mark Steuer- wert des land» und forstwirtschaftlich genutzten Grundbesitzes, auf 63 Pf. je 100 Mart Gewerbe- kapital und auf 286 Pf. je 100 Mark Gewerbeertrag; , „
b) für die Kreisrealsteuersätze (mit Aus- nähme der auf die fünf großen Städte entfallenden Besteuerungsgrundlagen): auf 5,2 Pf. je 100 Mark Steuerwert der Gebäude und Bauplätze, auf 9,1 Pf. je 100 Mark Steuerwert des land- und forstwirtschaftlich genutzten Grundbesitzes, auf 11,8 Pf. je 100 Mark Gewerbetapital urtb auf 41 Pf. je 100 Mark Gewerdeertrag;
c) für die Provinzialreal st euersätze: auf 3,1 Ps. re 100 Mark Steuerwert der Gebäude und Bauplätze, auf 6,6 Pf. je 100 Mart Steuer- wert des land» und forstwirtschaftlich genutzten Grundbesitzes, auf 6,5 Pf. je 100 Mark Gewerbe- kapital und auf 25,3 Pf. je 100 Mark Gewerbe» ertrag.
Abänderungen des Gemeindeumlagegesetzes betreffen die Filial - und Warenhaus ft euer; der Steuersatz wird bei beiden von 100 auf 200 v. H. der allgemeinen Gewerbesteuer erhöht.
Eine weitere Bestimmung regelt die Zusammen- setzung des kommunalen Ausgleichs- stocks.
Das Gesetz ist mit Wirkung vom 1. April in Kraft getreten.
Rach dem vom Herrn Reichsstatthalter in Hessen als Führer der Landesregierung in dem soeben erschienenen Hessischen Regierungsblatt Rr. 5 verkündeten Steuergesetz für das Rechnungsjahr 1 936 bleibt für 1936 die staatliche Grundsteuer unerhoben, insoweit sie auf landwirtschaftlich, forstwirtschaftlich oder gärtnerisch genutzten Grundstücken einschließlich der Weinberge ruht. Grundsteuerpflichtig bleiben die Gebäude nebst Zubehör, der zugehörige Hofreitegrund und die damit zusammenhängenden Grab- und Grasgärten, ferner Grundstücke, die nicht landwirtschaftlich, forstwirtschaftlich oder gärtnerisch genutzt werden (z. B. Bauplätze, Steinbruche), auch dann, wenn diese Grundstücke (Gebäude) im Eigentum eines Landwirts stehen. Im Zweifel entscheidet die Landesregierung (Finanzverwaltung). Im übrigen sind die Steuersätze der staatlichen Grundsteuer einschließlich des Grundsteuerzuschlags nach dem Gesetz vom 5. Dezember 1930 für das Rechnungsjahr 1936 die gleichen, wie für das Rechnungsjahr 1935.
Das Gewerbe st euergefetz von 1928 wird mit einigen Aenderungen auf das Rechnungsjahr 1936 erstreckt. Der Anteil des Landes Hessen an der vom Reich für 1936 zu überweisenden Einkommen- und Körperschaftssteuer beträgt 65 v. H.
Der Landesdurchschnitt der Realsteuersätze wird, wie folgt, festgesetzt:
a) Für die Gemeindereal st euersätze: auf 34 Pf. je 100 Mark Steuerwert der Gebäude
je fünf Sanitätsleuten tm Depot in Bereitschaft ge» halten. Bei sonstigen Veranstaltungen wurden au Verlangen 62 Wachen gestellt ^d dabe m 239 Fal. len erste Hilfe geleistet. Im Geschäftsjahr wurden unter Leitung der Kolonnenärzte vier Ausbildungs» kurse in der ersten HUfeleistung abaeha ten Des weiteren stellte die Kolonne ihr Ausbildungsmate- rial und ihre Unterrichtsräume für Kurse des Alice- Frauenoereins und der NS.-Frauenfchaft zur Der- fügung. Bei der Ausbildung der Luftschutzhauswarte durch den Reichsluftschutzbund hat die Kolonne den sanitären Teil durch ihre Merzte und ihr Ausbi - dungspersonal durchgeführt. Von der Derleihanstalt wurden insgesamt in 382 Fällen Krankenpflegegerat ausgeliehen. ,„ri , ... ... .
3m Schlußwort des Geschoitsberichts ist der Stadtverwaltung Gießen, der Verwaltung des Krei- ses Gießen und der Provinz Oberhessen, dem Orts- männeroerein vom Roten Kreuz, den Unterstützenden Mitgliedern und sonstigen Gönnern der Kolonne für die zuteil gewordene Unterstützung Dank ausgesprochen.
sen Hilft zu leisten. Rach einer Mahnung an die Mitglieder, auch im kommenden Jahr in gleicher Weise ihre Pflicht im Roten Kreuz zu erfüllen im Dienst für Volk und Vaterland schloß er seine Ausführungen mit einem dreifachen „Sieg-Heil" auf den Führer Deutschlands und Schirmherrn des Deutschen Roten Kreuzes.
Aus dem Tätigkeitsbericht ist hervorzu- heben: Im Berichtsjahr waren im ganzen 6477 Hilfeleistungen zu verzeichnen, darunter 1770 Krankentransporte. Mit vier Krankenkraftwagen wurden insgesamt 31 200 Kilometer gefahren und 1670 Trans- porte ausgeführt. Don den Transporten entfallen auf die Stadt Gießen 1177, die Provinz Oberhessen 395, und außerhalb der Provinz 198. Die Hilfsdesinfektoren der Kolonne führten in 130 Fällen Desinfektionen aus. In 57 Fällen wurden Kolonnenmitglieder zur Hilft beim Umbetten und Baden von Schwerkranken herangezogen. Im Laufe des Jahres wurden an Sonn- und Feiertagen 61 Wachen mit
Licht und Schatten
Vor Bildern des Rembrandt van JRijn.
Rembrandt, der Maler von Hell und Dunkel, das wissen wohl fast alle von dem Meister, das haben sie vielleicht schon in der Schule gehört oder es an einem Bilde von ihm selbst gesehen. Doch ob sie auch mehr dahinter gefthen haben, ob sie je verstanden haben, was Rembrandt eigentlich will? Ein Künstler spricht sich selbst, aber er kündet auch das Leben aller Menschen. Die Seelen, die Geister der Menschen sind tausendfach unterschieden, und doch gibt es Lebensformen, Erlebnisse, die alle einmal durchleben, der eine mehr, der andere weniger. Sie ringen mit diesen Dingen in sich und haben oft schwer daran zu tragen. Der Künstler ist der, der diesen Erlebnisien Gestalt und Form geben kann, der sie sichtbar macht. Oberflächliche Menschen werden darum große Künstler nie verstehen, benn sie vermögen nicht in die liefe zu steigen und können nicht auf Höhen gehen, für sie gibt es nur Oberfläche.
Als Rembrandt feine bekannte „Nachtwache" gemalt hatte, die von der Amsterdamer Schützen
Morgenfeier im Gtadttheater.
Die gestrige vierte Morgenfeier im Stadttheater war im wesentlichen der Wiedererweckung wenig bekannter alter Musik gewidmet. Den Anfang machte ein Trio in G-dur von Giovanni Battista Pergolese; wir haben des Meisters anläßlich seines 200. Todestages mit einer ausführlichen Würdigung in den Familienblättern gedacht. Das Trio erwies sich als das lieblichste und zarteste unter den drei Stücken der Morgenfeier. Das Cembalo gibt dieser Musik ihren eigentümlichen Stilcharakter und erfüllt eine doppelte Funktion mit der akzentuierten Untermalung des kleinen Streichkörpers wie auch als harmonisches Element innerhalb des gesamten Klangbildes. Im ^.-dur-Konzert des Wieners Karl Ditters von Dittersdorf (1739 bis 1799), das sich besonders durch den überaus reizvollen Mittelsatz auszeichnet, tritt das Cembalo im Gesamteindruck noch ausgeprägter hervor; stellenweise gewinnt es geradezu den Charakter eines Soloinstrumentes, so daß man sich gelegentlich an ein altertümliches Klavierkonzert erinnert fühlt. Rosenmüllers Studentenmusik bewahrt ebenfalls noch den eigentümlichen Klangcharakter des Cembalos, doch ist hier der Gesamteindruck fülliger und schon orchesterhafter, zumal der Cembalopart nicht so ausgeprägt wie etwa bei Dittersdorf die Führung übernimmt, und die Besetzung durck zwei weitere Streicher aufgefüllt ist. Die musikaliscye Leitung des Konzertteils hatte Kapellmeister Ernst Bräuer, der auch das Cembalo spielte; Ausführende waren ferner die Herren Rein, Jost, Köhler, Scheuermann, Schneider.
Herr V o l ck ergänzte die Vortragsfolge von der literarisch-historischen Seite her mit einer Vorlesung von Anekdoten um Friedrich den Großen; wir hörten zunächst die Ansprache des jungen Königs an seine Generale beim Regierungsantritt im Jahre 1740; unter den dann folgenden Anekdoten fanden sich neben sehr volkstümlichen Stücken, wie etwa der Geschichte vom Müller Arnold in Sanssouci und vom Berliner Kammergericht, vom saufenden Rittmeister, von den „lauter Wedells", die mehrfach literarisch behandelt wurde, auch ganz oder fast unbekannte Anekdoten, wie die Sache mit der katholischen Bittschrift und dem Traum des Königs, die Scherze mit Voltaire und die hübsche Episode mit Zielen, dem Husarenkdachtmeister und einem FascM von der königlichen Tafel in Sanssouci. —
Die Morgenfeier war diesmal erfteulicherweise besser besucht; allen Beteiligten wurde verdienter- l maßen reicher Beifall zuteil. httu
gilbe bestellt war, da war es alles andere als ein Paradestück, das die Mitglieder dieser Gilde in schönster Pose darstellte, es war etwas so Gewaltiges geworden, datz jene es nicht verstanden, weil sie sich auf ihm nicht wiedererkannten und es im allgemeinen nicht der Mode gemäß war. Trotz ihrer Bestellung haben sie es dein Meister nicht abgekauft.
Was er aber hineingelegt, hineingelebt hatte, war gewaltiger und größer und ging über ihren Krämergeist hinaus. Die „Nachtwache" wurde jenes Bild genannt, obwohl eine Szene am hellichten Tage dargestellt werden sollte. Das 18. Jahrhundert verstand das nicht mehr und gab dem Bild jenen falschen Namen.
Und da liegt das Ungeheure, Umwälzende in Rembrandts Kunst, er macht Schluß mit aller bequemen, glatten Art. In allen seinen Werken ballt er das Sein der Menschen zu Licht und Schatten zusammen, packt sie gewaltsam und stellt sie vor Die Menschen: Seht, bas seid ihr! Erschrocken sind damals all die kleingeistigen engherzigen Menschlein vor diesem Gewaltigen gewichen, das riß sie aus aller Gemütlichkeit m ein entschiedenes Hoch und Tief hinein, darum flohen sie und wollten die Darstellung nicht verstehen. Die Lichter Rembrandts kommen aus einer anderen, geheimnisvollen Welt, die in das Dunkel aller Not, aller Schlechtheit ragt. In Nacht und Schatten leuchten plötzlich Farben auf, beginnen Gesichter zu leben, als wollten sie sagen: Wir kamen aus dem Dunkel und haben ins Licht gefunden. So spricht sich in den großen, figurenreichen Werken das zwiespältige Sein aller Menschheit überhaupt aus, so redeten aus seinen Bildnissen einzelner Menschen die beiden Mächte Gut und Böse, Kraft und Schwäche.
Das alles war ja auch Rembrandts Lebenskampf. Er rang mit der ganzen Kraft feiner Seele um klares, warmes Licht wider die Schatten. Taufend Nöte feines Lebens, Geifer und Haß der andern, Geld und Krämergeist waren die Schatten. Die Macht seiner Kunst, Die Kräfte seiner Seele und seines Geistes, das Ringen um höchste Vollendung überhaupt, das war das Licht. Er selbst lebte auch bald mit Geist und Seele und mit (einer Kunst ganz im Hell und führte mit seiner Umgebung nur noch ein Schattendasein, zur Qual seiner Angehörigen.
So hat 9iembranbt sein Leben immer ein Stück vorausaefthen, er hat das Leben aller Menschen in seiner Zwiespältigkeit gesehen, er hatte für gestern, heute und morgen geschaffen. Gewaltig war das innere Leben, das er geführt, gewaltig war sein Werk. FriedrichLange.
staltsoberwachtmeister L R., 75 Jahre alt, Steinstraße 45; 10. April: Mathilde Euteneuer, geb. Becker 44 Jahre alt, Kaiserallee 1; 11. April: Luise Müller, geb. Koch, 67 Jahre alt, Rodheimer Straße 81; 11. April: Karl Schick, Dostassistent i. R„ 53 Jahre alt, Ebelstrahe 5; 12 April: Johanna Ben- der, geb. Lehrmund, 68 Jahre alt, Ebelstrahe 30; 13. April: Martin Gerhardt, ohne Beruf, 55 Jahre alt, Sandgasse 18.
** Seinen schweren Verletzung «ne r - legen. Der am Freitagfrüh auf der Landstraße Dutenhofen—Klein-Linden schwer verletzt aufgefundene Lokomotivführer Weber aus Dutenhofen, der auf dem Wege mit dem Fahrrad zu seiner Dienststelle beim Bahnhof Gießen gestürzt war und schwere Kopfverletzungen, u. a. auch eine Gehirnerschütterung davongetragen hatte, ist in der Chirurgischen Klinik in der Nacht zum Sonntag verstorben.
** Preußisch-Süddeutsche Staats- lotterte. Die Ziehung der 1. Klasse der neuen Lotterie (47.Z273.) findet am 24. und 25. April statt. (Siehe heutige Anzeige.)
** Die Allgemeine Ortskrankenkasse für den Kreis Gießen mahnt in em er Bekanntmachung im heutigen Anzeigenteil Oie Beitrage für Monat März an. Es fei besonders darauf aufmerksam gemacht.
das weitere zu veranlassen." Ob der fragliche 23er- dienst von der Anrechnung auf die Wohlfahrtsunterstützung freibleibt und der Antrag auf die Befreiung des gleichen Personenkreises von der Lohnsteuer gewährt wird, darüber ist im Augenblick eine Entscheidung noch nicht gefällt worden.
** Die Jubiläumstagung des Hessischen Fürsorgevereins für K r ü p pel, die ursprünglich Ende März in der Orthopädischen Universitäts-Klinik in Gießen stattfinden sollte, dann aber wegen der Reichstagswahl abgesagt wurde, findet nunmehr in Verbindung mit der ordentlichen Jahres-Mitgliederversammluna am 9. Mai in der Orthopädischen Universitäts-Klinik in Gießen statt.
** Sterbe fälle in Gießen. In der Zett vom 1. bis 15. April verstorben in Gießen: 1. April: Emma Laub, geborene Ruckelshaus, 40 Jahre alt, Ebelstraße 39; 2. April: Georgine Kochs, ohne Berus, 60 Jahre alt, Bahnhofstraße 26; 3. April: Marie Becker, geb. Loth, 67 Jahre alt, Asterweg 43; 4. April: Karl Walbrach, Oberjustizinspektor i. R., 73 Jahre alt, Goethestraße 68; 5. April: Anna Katharine Feiling, geb. Mader, 31 Jahre alt, Sel- tersweg 9; 6. April: Christian Schweitzer, Reichs- bahnlokomotivführer i. R., 63 Jahre alt, Wetzlarer Weg 63; 9. April: Friedrich Kohlweyer, Strafan-
Oberhessen.
OiamantschleifereibetriebinOberhessen
LPD. N i d d a, 19. April. Um auch in den kleinen Städten und deren ländlicher Umgebung in Ober- Hessen neue Arbeits - und Verdien st mög» l i ch k e i t e n zu schaffen, sind im Zuge der Arbeits- befchaffungsmahnahmen schon mancherlei gute und dankbar begrüßte neue Unternehmungen ins Leben gerufen worden. Nunmehr wurde in Nidda eine Diamantschleiferei eingerichtet und fertig zum Betrieb gemacht. Die Arbeit, die manchem Volksgenossen wieder Brot geben wird, soll in den nächsten Tagen aufgenommen werden.
Auto von der Lokomotive erfaßt.
ch M ü ck e, 18. April. Der Schwiegersohn des Metzgermeisters Weifenbach von hier befand sich auf einer Geschäftsfahrt nach Ober-Ohmen. An der Reichsver- kehrsstrahe kamen dem Kraftwagenfahrer ein Radfahrer und ein Motorradfahrer entgegen, die bei dem stürmischen und regnerischen Wetter, das die Sicht stark beeinträchtigte, die ganze Aufmerksamkeit des Kraftwagenlenkers in Anspruch nahmen. Infolgedessen entging dem Fahrer das Herannahen eines Zuges der Nebenbahn Hungen—Laubach— Mücke; es erfolgte ein Z u s a m m e n st o ß, und das Auto wurde ungefähr 80 Meter weit vor der Lokomotive hergeschoben, bis der Zug zum Stehen kam. Glücklicherweise kam der Fahrer ohne wesentliche Verletzungen mit dem Sckrecken davon; das Auto glich einem Trümmerhaufen.
Landkreis Gießen.
> Aliendorf a. d. L d a., 18. April. Hier verstarb der weit über die Grenzen unserer Stadt hinaus bekannte, allgemein beliebte und geachtete Arzt Dr. Friedrich Kunz infolge eines Schlaganfalles im Alter von 68 Jahren. Ueber 31 Jahre hat der Verstorbene die ärztliche Praxis hier und in der Umgebung unermüdlich und segensreich ausgeübt, und so manche Person verdankt ihm die wiedergewonnene Gesundheit. Dr. Kunz war hier einer der ersten, der sich der NSDAP, anschloß' und der hiesigen Ortsgruppe beitrat. Seit drei Jahren war er in der SA. Sturmbannarzt, und auch in dieser Position zeigte er sich unermüdlich. Ferner gehörte der Verstorbene noch mehreren hiesigen Vereinen als Mitglied an, die ihm aKe neben der übrigen hiesigen Einwohnerschaft weit über das Grab hinaus ein ehrendes Andenken bewahren werden.
* Hungen, 18. April. Auf dem benachbarten Hof Graß machte in der Nacht zum Samstag Meister Reinecke den Hühnern seine Aufwartung. Nicht weniger als 2 2 H ü h n e r im besten Legealter wurden von dem Räuber getötet.
* Geilshausen, 19. April. Im hiesigen Gemeindewalde wurde ein Wildschwein verhungert aufgefunden. Nach den Feststellungen des Försters war dem Tier der Rüssel abgeschossen worden, so daß es nicht mehr frejfen konnte und dem Hungertod erlegen ist.
Jener tm Luftschiff.
Don Lustschiffkapiian Ernst A Lehmann.
Mit Genehmigung des Volksverbandes der Bücherfreunde, Wegweiser-Verlag G. m. b. H., Berlin, entnommen dem spannenden, aktuellen Tatsachenbericht „Auf Luftpatrouille und Weltfahrt" von Luftschiffkapitän Ernst A. Lehmann. Erlebnisse eines Zeppelinführers in Krieg und Frieden. Herausgegeben von Leonhard Adelt. 332 Seiten, reichillustriert.
Einer der wenigen, die einen erfolgreichen Fliegerangriff auf einen Zeppelin überlebt haben, ist Leutnant z. S. Otto Mieth. Er war Bombenoffizier auf L 48, einem neuen Fahrzeug von 55 800 Kubikmeter, als dieses Marineluftschiff zusammen mit L 42, Kommandant Jahn, am 17. Juni 1917 London angriff. Geführt wurde das Luftschiff auf dieser Fahrt von Kapitänleutnant Eichler; der bisherige Kommandant Schütze war jedoch ebenfalls mit an Bord. Dem Schwesterschiff L 42, gelang es, ein Munitionslager bei Ramsgate, in die Luft zu sprengen. L 48 wurde bei Harwich von einigen zwanzig Scheinwerfern gefaßt, und sofort war die Luft mit pfeifenden Granaten, Schrapnellen und Brandgeschossen erfüllt. Aber das Schiff ließ sich nicht stören, warf planmäßig seine Bomben ab und entfernte sich dann erst aus der Feuerzone.
Nach und nach wurde das Feuer schwächer, die Scheinwerfer erloschen einer nach dem andern, und die Mannschaft des L 48 atmete auf. Tief hinter ihnen glimmten die Brände, die ihre Bomben verursacht hatten, während das Luftschiff der See entgegenstrebte. In diesem Augenblick entdeckte man, daß der Kompaß versagte, Staat nach Osten steuerte man nach Norden, und wertvolle Zeit war verloren. Außerdem setzte einer der vorderen Mo- toen aus, so daß sich die Geschwindigkeit des Schiffes verringerte. Gerade hatte der Funker die Meldung über den Erfolg des Angriffs ausgesandt, als die Strahlen eines einzigen Scheinwerfers auf» flammten und voll auf die Hülle prallten.
Im nächsten Augenblick meldet der Posten auf dem Ausguck: „Feuer im Hinterschiff!" Mieth beugt sich aus der Führergondel und schaut nach hinten, er sieht einen rötlichen Schein, der unheimlich rasch zunimmt. Er wendet sich tem Kommandanten zu, aber es tut nicht mehr not, daß er ihm die Tat- fache bestätigt. Korvettenkapitän Schütze weiß es selber, was dieser rote Schein zu bedeuten hat; ohne seine Haltung zu verändern, mit ruhiger Stimme sagt er: „Es ist alles aus."
Noch laufen die Motoren, aus den Maschinengondeln kommt durch das Sprachrohr die Anfrage des Maschinisten, ob sie abstellen sollen. Der Kommandant lächelt bitter: Wackere Jungen, aber es ist jetzt schon alles einerlei!
Das Feuer wälzt sich schnell vom Heck aus nach vorn, greift mit gierigen Zungen nach den Matrosen, die durch den Laufgang flüchten, erreicht nun auch das Vorderschiff und entfaltet sich über der Führergondel zu einem purpurnen Baldachin. Schwarzer Rauch füllt den engen Gondelraum des Kommandostandes. und droht das Häuflein wehrloser Helden zu ersticken. Einer von ihnen denkt an die Vorschrift im Schiff und knurrt ingrimmig vor sich hin: „Rauchen streng verboten!"
Danach gibt es nichts mehr zu sagen. Einige Sekunden lang behält der L 48 noch ebenen Kiel, ein flammendes Band, das sich langsam gegen die aufgehende Sonne bewegt, 3600 Meter über der füllen englischen Stadt. Dann bricht das Luftschiff auseinander und saust mit dem Heck voran zur Erde. In der Führergondel, die sich mit brechenden Streben in das Gerippe vreßt, kollern die Eingeschlossenen haltlos durcheinander. Mieth bleibt in der Funkbude, bis die brennende Masse mit Donnergetöse auf die Erde kracht. Er erwacht in einem englischen Krankenhaus, und eine freundliche Stimme fragt: „Wünschen Sie eine Zigarette?"
für Frauen. (Vorherige Anmeldung nicht erfor» i derlich.)
Reiten. Von 21 bis 22 Uhr, Unwersitäts-Reit- inftitut, Brandplatz.
Neuanmeldungen für die Kurse: Fechten, 1 Schach, Kindergymnastik, Reiten, Rollschuhlaufen werden auf der Geschäftsstelle, Schanzenstraße 18, entgegengenommen.
Amt für Volkswohlfahrt.
Lebensmittel-Opferring der Ortsgruppe Gießen-Osl.
Die Sammlung wird Dienstag, 21. und Mittwoch, 22. April von der NS.-Frauenschaft durchgeführt. Die Mitglieder wollen bte Pfundpäckchen bereithalten und den Inhalt außen sichtbar angeben.
Wiedergefaßte Ausbrecher.
Die beiden in der Nacht zum Dienstag aus der Strafanstalt Butzbach ausgebrochenen Sträflinge Fritz Sichert und Adam Gidrowfki hatten sich auf ihrer Flucht in den Landkreis Hanau begeben und sind dort zwischen den Dörfern Ostheim und Eichen nach einem wahren Kesseltreiben, an dem sich Gendarmeriebeamte sowie der Bürgermeister der Gemeinde Eichen und zwei Ostheimer Einwohner beteiligten, festgenommen worden.
Unzulässige Eintragungen in den Arbeitsbüchem.
Wie m der letzten Zeit beobachtet wurde, haben Arbeitsbuchinhaber und auch Betriebsführer auf den Seiten 1 bis 5 der Arbeitsbücher unberechtigterweife Eintragungen oorgenornmen. So sind in die Arbeitsbücher Lichtbilder und Originalzeuanisft des Inhabers eingeklebt worden. Das bei Der Ausstellung des Arbeitsbuches ausgehändigte Merkblatt enthält alle näheren Angaben über die Eintragungen in das Arbeitsbuch. Nach § 17 der ersten Verordnung zur Durchführung über die Einführung eines Arbeitsbuches vom 16. Mai 1935 setzt sich jeder, der unbefugt oder andere als vorgeschriebene Eintragungen in das Arbeitsbuch macht, einer Geldstrafe bis zu 150 Mark oder entsprechender Haft aus.
Scharfschießen bei Erda.
Dod 21. April bis 23. April von 7 Uhr bis 17 Uhr finden auf der Schußbahn beiErda Schießübungen mit scharfer Munition statt. Gefährdet ist das Gelände südlich der Sttaße Erda—Frankenbach, westlich der Straße Krumbach—Fellingshausen, nördlich der Straße Fellingshausen—Bieber—Königsberg- Hohensolms und ostwärts der Straße Hohensolms —Erda.
Das gefährdete Gelände wird durch Posten abgesperrt und muß eine Stunde vor Beginn bis eine Stunde nach BeendiKng des Schießens von jedem Verkehr freibleiben. Die Bevölkerung wird darauf hingewiefen, daß sie den Weisungen der Absperrposten, die die Rechte und Pflichten eines Wachtpostens haben, unbedingt Folge zu leisten hat.
Die Straße Fellingshausen—Frankenbach wird an den genannten Tagen während den obengenannten Stunden für jeden Verkehr gesperrt. Die Umleitung erfolgt über Krumbach.
Zusätzlicher Verdienst.
Den Aushilfskräften des Gaststättengewerbes wird der Verdienst am 1. Mai nicht angerechnet. Der Reichs- und Preußische Arbeitsminister hat auf einen Antrag der Reichsfachgruppe Gaststättenge- roerbe der RBG. „Handel" wie folgt entschieden: „Im Hinblick auf die Bedeutung, die der 1. Mai als nationaler Feiertag des deutschen Volkes hat, bin ich damit einverstanden, daß in diesem und in den folgenden Jahren der Verdienst, den die am 1. Mai aushilfsweise tätigen Gastwirtsgehilfen und in Gaststätten spielende Musiker an diesem Tag und in der folgenden Nacht bis zum Schluß der Gaststätten durch Beschäftigung im Gastwirtsgewerbe erzielen, von der Anrechnung auf die Arbeitslosenunterstützung (oersicherungsmäßige Unterstützung und Krisenünterstützung) freibleibt. Der Reichsminister der Finanzen hat dieser Regelung gleichfalls zugestimmt. Ich habe den Präsidenten der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung angewiesen,


