Nr. 92 Zweiter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)Montag, 20. April M6
westwärts. Er schwang seine Büchse über dem Kopf urtb rief: „Wenn ich seine Spur finde, dann habe ich ihn!"
Ganz langsam und geräuschlos, ohne ein Wort zu sprechen, statten meine Schwarzen den Einbaum nahe dem Ufer vorbei. Am Mittag machten wir an einer sandigen Stelle Essenspause. Dann ging es langsam und vorsichtig weiter.
Die Sonne stand schon ziemlich tief. Wir näherten uns einer Stelle am Ufer, die mit wohl drei Meter hohem Büffelgras bewachsen war. Dicht dahinter begann der hohe, finstere Urwald.
Unerwartet hob sich der schwarze Jäger Ma- bunda, der vorne im Einbaum hockte und mit seinen Falkenaugen vorausspähte, er deutete nach vorne und sagte leise: „Ngana, Herr, dort ist der Büffel!"
Ich blickte der Richtung seiner Hand nach, sah aber zuerst nichts.
„Dort, Herr! Wo das Loch im Gras ist!"
Richtig! Dort stand ein starker Büffel. Er hatte uns noch nicht eräugt und äste, das Haupt von uns abgewandt. Leise glitt der Einbaum auf ihn zu. Nun bemerkte der Bulle die Bewegung unserer langen Stakstangen; er sprang wie der Blitz herum und äugte mit hocherhobenem Haupt zu uns herüber. Ich hatte nur die eine Angst: Jetzt springt er ab und verschwindet im Wald. — Doch dieser tückische Bursche kannte keine Furcht. Oder war er gar wahnsinnig? Er machte vier, fünf Sätze am Ufer entlang durch das hohe Gras uns entgegen und ging dann sogar in das knietiefe Wasser, wild das bewehrte Haupt wider uns schüttelnd. Dann stieg er an Land, lief im Stechtrab hin und her, stand wieder still und warf mit wütenden Schlägen seiner Dorderschalen ganze Schollen Erde hoch. Sein dumpfes Brüllen klang wie eine Herausforderung, wie eine Kampfansage.
Unser Einbaum hatte sich bis auf achtzia Meter genähert. Ich stand vorn im Kanu und befahl den Stakern, die Stangen in den schlickigen Grund zu stoßen, damit das schwankende Fahrzeug ruhig lag. Die Schwarzen saßen voller Erwartung regungslos wie Statuen. Als der Bulle einen Augenblick breit stand, gab ich Feuer. Er stürzte vorne zusammen, war aber sofort wieder hoch und im dürren Gras verschwunden.
Mabunda sagte: „Herr, du hast ihn gut getroffen, er wird sterben." ...
Ich sah nach der Zeit: es war schon fünf Uhr nachmittags. Der Bulle lag bestimmt im Wundbett und mußte bald verenden. Jetzt konnten wir nichts weiter tun. So fuhren wir denn zur Halbinsel zurück und machten das Lager fertig. Dann kam die Nacht.
In der ersten Frühe waren wir unterwegs. Bald stieß das Fahrzeug ans Ufer, und ich ging zum Anschuß.
Der Büffel mußte unbedingt in nächster Nähe verendet liegen, denn ich war gut auf dem Blatt abgekommen. Wir fanden das erste Wundbett. Schweiß in Mengen. Aber der Bulle war nicht da. Sollte er doch noch nicht verendet sein? Dann war die Sache faul. Denn wenn der Büffel noch auf den Läufen war, konnte er jeden Augenblick aus dem Halbdunkel des Waldes hervorbrechen und uns annehmen. Seine Fährte führte ins dichte Unterholz hinein. Die Schwarzen waren zurückgeblieben, nur Mabunda stand über die Trittsiegel gebückt neben mir. Er zitterte. Er wußte Bescheid. Wir pürschten mit größter Vorsicht weiter, ich hatte die Büchse schußfertig in der Hand. Da schwang sich Mabunda mit Affenschnelle auf die niedrigen Aeste eines Baumes und sagte leise: „Herr, dort ist er. Er steht!"
Im Dämmer des dichten Waldes, kaum fünfzehn Schritt von uns, stand der JBulIe neben einem dicken Stamm. Die wütenden Seher des schwarzen Teufels brannten giftig und tückisch. Ich riß die Büchse hoch, zielte auf die Stirn und machte den Finger krumm. Im Knall stürzte der Büffel prasselnd in das dürre Unterholz.
Da war er auch schon wieder hoch. Er machte zwei, drei Sätze auf mich zu. Ich schoß schnell auf den Stich, sprang zurück und fiel rücklings über eine Liane. Auch der Büffel war wieder zusammengebrochen. Das Geräusch meines Repetierens machte ihn aber noch mal hoch, und sitzend konnte ich ihm im letzten Moment ein Geschoß auf den Hals geben, das ihn endgültig zusammenwarf. Ein tiefes, dumpfes „Mu-u-u-uh!" dicht vor mir, dann hörte ich, wie er sich zitternd streckte. Es war aus. Er hatte fein wildes Leben teuer verkauft.
Und ich? — Na, ja! Menschliche Nerven sind schließlich keine stählernen Klaviersaiten. Es war noch mal gerade gut gegangen. Wie so oft bei der Jagd auf wehrhaftes Großwild. Ich war recht froh, daß ich noch eine Flasche Rotwein im Blechkoffer hatte. Die nahm ich denn und trank den Bullen tot.
tzochschulnackrichten.
Der Führer und Reichskanzler hat den nicht- beamteten außerordentlichen Professor der Musikwissenschaft Dr. phil. Josef Müller-Blattau von der Universität Königsberg unter Berufung in das preußische Beamtenverhältnis zum ordentlichen Professor der Universität Frankfurt ernannt.
Er habe off genug darauf Hingewiefen, daß der nächste ft r i eg das Ende der Zivi- fifafion in Europa bedeute. Das wäre um fo sicherer, wenn die Völker Europas ihr Wort brächen und ihre Unterschrift verleugneten und wieder Giftgas in Europa verwendeten.
Denn das geschähe, so würde dieser Krieg alle Völker in Europa vernichten und nur noch eine Anarchie von einem Ende zum anderen Ende übrig lassen.
Wenn der Völkerbund nicht alles erreicht habe, was man erhofft habe, so müsse man bestrebt bleiben, die kollektive Sicherheit doch zu erreichen, indem man suche, festzustellen, was für eine weitere Garantie in Europa notwendig sei, damit diese Gase nicht verwendet würden. Er könne aber nicht sagen, was für Aussichten dafür vorhanden seien.
Ministerpräsident Baldwin schloß nach einem Hinweis auf die deutschen Friedensoorschläge mit der Feststellung, daß der Führer in der Lage sei, den Frieden in Europa zu garantieren.
nicht erreicht, und wir haben noch einen beträchtlichen weg zurückzulegen, bevor wir sie erreichen werben! Die kollektive Sicherheit wird niemals funktionieren, wenn nicht alle Kationen, die an ihr beteiligt sind, gleichzeitig und gemeinsam einen Angreifer mit Sanktionen bedrohen und ihn bekriegen, wenn das notwendig ist. Aber das heißt, daß die Kationen, die an der kollektiven Sicherheit beteiligt find, hierzu bereit fein müssen!"
Wenn der Schrecken eines neuen Krieges über diese Welt komme, werde es keine „begrenzten" Verpflichtungen mehr geben. Jeder Mann, jede Frau und jedes Kind werde eingesetzt werden müssen. Das sei der Grund, warum man alle Energien, alle Hoffnungen dafür einsehen müsse, daß der Krieg nicht komme.
Baldwin verteidigt den Völkerbund
Kollektive Sicherheit soll alle Gefahren bannen.
Daladier über den Frieden.
»Vielleicht der kommende Ministerpräsident.^
London, 18. April. (DNB.) Ministerpräsident Baldwin hielt am Samstag vor der Unionisti- schen Bereinigung in Worcester eine Rede. Der Ministerpräsident wies darauf hin, daß es in den letzten Jahren zwei Ereignisse von Weltbedeutung gegeben habe: die Wiederbewaffnung Deutschlands und den Versuch, die Völkerbundssatzung durchzuführen. Das Zusammenwirken dieser beiden Ereignisse habe es ihm klar- gemacht, daß er die Rüstung Britanniens vermehren müsse, wenn dieses Land seinen Verpflichtungen unter dem Völkerbund nachkommen wollte.
Er bedauere, daß der Völkerbund niemals die gesamten Völker der Welt umfaßt habe und ins- besondere, daß die Vereinigten Staaten, Deutschland und Japan, drei der größten Mächte, außerhalb stünden. Ihr Fehlen gebe der Auferlegung von Sanktionen ein geringeres Gewicht, als wenn sie ebenfalls an ihnen teilnähmen, jedoch fei festzustellen, daß die dem Völkerbund angehörenden Völker, obwohl sie nicht in der Lage gewesen seien, den Kriegsbeginn zwischen Italien und Abessinien zu verhindern, alle oorge- schriebenen kollektiven Maßnahmen ergriffen hätten, indem sie den Angreifer bestimmt und ihm gewisse Sanktionen auferlegt hätten.
D;e Erfahrung hätte gezeigt, daß sich zwei Dinge herausgebilbet hätten: 1. Es gäbe f einerlei wirksame Maschinerie, einen Krieg z u verhinbern, bevor er begonnen habe, wenn eine Partei entschlossen sei, zum Kriege zu schreiten unb bie Streitfragen keiner Erörterung unb keinem Schiedsverfahren zu unterwerfen. 2. Es habe sich ergeben, baß Sanktionen nur langsam wirkten, unb baß sie einen großen Teil ihrer Macht verlören, wenn sie nicht unterstützt würben burch jene letzte Maßnahme, bie in einer vlockabe ober ber Gewaltanwenbung bestäube.
Bei der gegenwärtigen Zusammensetzung des Völkerbundes sei es aber schwierig, zu sehen, wie man zu einer Übereinstimmung über die Herbeiführung einer Blockade kommen könne. Baldwin erinnerte daran, daß er Genf erklärt habe, Großbritannien werde, soweit eine kollektive Aktion gesichert sei, diese mitmachen, aber nicht schneller und nicht langsamer als andere Länder und nur mit allen zusammen.
In seinen weiteren Ausführungen wandte sich Baldwin dagegen, daß man einzelne Persönlichkeiten, wie z. B. Eden, für die Völkerbundspolitik verantwortlich mache. Er wünsche klarzustellen, daß der Außenminister in dieser Frage nicht eine persönliche Politik führe, sondern daß es sich um die Politik der gesamten britischen Regierung handele. Er sei überzeugt, daß diese Politik von einer überwältigenden Mehrheit des britischen Volkes unterstützt werde. Hier handele es sich nicht um eine antiitalienische Politik. Diese Politik erstrebe weder die Besiegung noch die Erniedrigung Italiens, sondern stelle lediglich die Befolgung der Dölkerbundssatzung dar. Großbritannien wünsche, daß die Völkerbundssatzung zum Gesetz der Welt werde.
Baldwin erklärte, daß er einige wichtige Worte über die Frage der kollektivenSicher- h e i t sagen wolle. Es fei leicht, alle Schwierigkeiten damit abzutun, daß man erkläre, die kollektive Sicherheit werde schon alles in Ordnung bringen. Das sei der Fall, wenn sie durchgeführt werden könne. Er wünsche jedoch, ganz offen zu sagen:
„Wir arbeiten für bie kollektive Sicherheit unb werben für sie arbeiten. Wir haben sie aber
Paris, 20. April. (DNB.) Der Sonderberichterstatter des „Matin" Stephane Lauzanne hatte mit dem Vorsitzenden der radikalsozialistischen Partei und ehemaligen Ministerpräsidenten Daladier, der, wie er in seinem Bericht schreibt, vielleicht der kommende Ministerpräsi- d e n t sei, in Orange eine Unterredung. Im Verlaufe des Gespräches kam Daladier auch auf aktuelle Fragen der Außenpolitik zu sprechen. Er sei, so betonte Daladier, mehr als irgend jemand Anhänger der kollektiven Sicherheit. Aber wenn das die kollektive Sicherheit sei, so flöße sie ihm eine verständliche Unruhe ein.
In einer Wahlversammlung, die Daladier am Freitagnachmittag in seinem Wahlbezirk abhielt, führte er aus, die Verfasser des Vertrages von Versailles seien die großen Schuldigen. Immer wieder habe man eine unklare
Schaukelpolitik getrieben. Man habe England vor den Kopf gestoßen und Italien mit Sanktionen belegt, die nicht wirkungsvoll genug gewesen seien, um es aufzuhalten, aber sie hätten genügt, um es zu verstimmen.
Zum Schluß erklärte Daladier, man müsse Deutschland beim Wort nehmen. Da es erklärt habe, den Frieden in der Gleichberechtigung zu wollen, müsse man es einladen, zuvor die R ü ft u n g e n nicht zu erhöhen. Auf beiden Seiten müßte zunächst die gleiche Anzahl Soldaten festgelegt werden. Dann hätte eine gleichmäßige Herabsetzung unter internationaler Kontrolle auf beiden Seiten zu folgen. Wenn Deutschland diese Vorschläge annehme, sei das Problem gelöst, wenn es aber ablehne, so werde Deutschland entlarvt sein.
Äaliemscher Sieg an der Soniaüsroni.
Der Vormarsch vom Süden im Gange.
Rom, 19. April. (DNB.) Der von Marschall B a d o g l i o gedrahtete Heeresbericht Nr. 189 lautet:
An der Somalifront haben unsere Truppen unter dem Kommando von General G r a z i a n i in den frühen Morgenstunden des 14. April eine Offensivbewegung begonnen. Am linken Flügel unserer Front hat sich eine Schlacht entwickelt.
lieber die neue Offensive an der Somalifront gibt am Sonntagabend ein weiterer, als amtliche Mitteilung Nr. 190 veröffentlichter Heeresbericht folgende Einzelheiten:
„Am Morgen des 14. April hat die von General Nasi befehligte l y b i s ch e Division an der Somalifront die abessinischen Streitkräfte angegriffen, die am Flusse Dschanagobo zusammengezogen waren und unter dem Befehl der Dedschiatsch Abbebe Damtu und Maconnel Endelatschu stehen. Der Feind hat unter Ausnutzung des unwegsamen Geländes voller Höhlen und Schluchten in den Tagen des 15., 16., sowie am Morgen des 17. hartnäckigsten Widerstand geleistet. Die nationalen, lydischen und Somalitruppen, dauernd von den Schwärmen unserer Luftwaffe unterstützt, haben diese zweieinhalb Tage schärfsten Kampfes mutig
durchgehalten und dem Feinde nach einer auf beiden Flügeln vollkommen gelungenen Umfassung eine vollständige Niederlage beigebracht. Um die Mittagsstunde des 18. konnte der letzte Widerstand als gebrochen betrachtet werden, und der Vormarsch unserer Truppen in der Richtung auf weitere Ziele begann.
Unsere Verluste, einschließlich der des Samstag, belaufen sich auf 10 Offiziere tot oder verwundet, ferner drei Fliegeroffiziere verwundet mit dem Der? lüft von zwei Flugzeugen, die in unseren Linien niedergegangen sind, und einigen hundert außer Kampf gesetzten Mannschaften. Auf dem Schlachtfeld liegen mehrere tausend tote Feinde, darunter einige wichtige Unterführer. Tausend Gewehre und Dutzende von Maschinengewehren wurden eingebracht. Die Luftwaffe hat sich bis zum äußersten eingesetzt.
Sicherhettsvorkehrungen für die deutsche Kolonie.
Addis Abeba, 19. April. (DNB.) Der deutsche Geschäftsträger in Addis Abeba hat alle erforderlichen Maßnahmen zum Schutze der Reichsangehörigen bei Luftangriffen und
DerSchrecken vomAgolome-See Bon H. G. Althoven.
Der Postläufer von Cassoalala zum Hauptlaaer der schwarzen Fischer am Ngolome-See war seit drei Tagen überfällig. Die ausgesandte Askari- Patrouille fand seine Ueberreste und das kleine Briefpaket auf dem schmalen Steig im dichten Wald nahe dem Ufer an der Nordostecke des Sees. Die Spuren verrieten, daß der Läufer von einem einzel- gehenden Büffelbullen überraschend angenommen und getötet worden war. Sicher handelte es sich um denselben Büffel, der vor einer Woche zwei Kilometer weiter südlich einen landenden Einbaum angegriffen und die Insassen, zwei Selle-Fischer, im seichten Uferwasser getötet hatte.
Solche einzelgehenden, von der Hauptherde abgekämpften alten Büffelbullen sind griesgrämige, gefährliche Burschen, die in blinder Zerstörungswut alles überfallen und vernichten, was sich in ihre Nähe wagt. Die Angriffe erfolgen stets plötzlich und überraschend aus dem Hinterhalt und enden fast immer mit dem Siege des Büffels.
Der Postenchef Vasco Nunes war ratlos, denn der Abtransport der Trockenfische vom Lager war völlig unterbunden. Er besuchte mich in meinem Camp, wo ich für die Baumwollpflanzung Beatrice nach Flußpferden jagte. Den ihm unterstellten Großwildjäger Albuquerque hatte er zur Nordostecke des Sees geschickt, um dem gefährlichen Bullen das Handwerk zu legen. Aber Albuquerque hatte trotz eifrigen Suchens feit Tagen kein Haar von einem Büffel gesehen. Es ist die Gewohnheit der tückischen Einzelgänger, unstet hin und her zu wandern.
Da kam nach sechs Tagen der Libollo-Läufer Kipungo zum Lager, der die Schreckenskunde mitbrachte, daß der Teufelsbulle im dichten Wald am Ufer, dort, wo der schmale Weg nach Manzombe führt, schon wieder zwei Träger getötet hatte. Nun war das Maß voll. Am anderen Tage erschien der Postenchef schon mittags mit Albuquerque bei mir, um zu beratschlagen, was zu machen sei. Der letzte Platz des Ueberfalles war etwa zehn Kilometer von meinem Lager entfernt. Wir tarnen dahin überein, daß Albuquerque von Westen und ich von Osten mit je fünf fährtenkundigen und zuverlässigen Schwarzen den jetzigen Standort des Büffels ausmachen würden. Koste es, was es wolle, der Bulle mußte beseitigt werden!
Am nächsten Tage fuhren wir mit zwei Einbäumen los und trennten uns an der Spitze der kleinen Halbinsel Cbakikanda. Albuquergue fuhr
anderen Vorkommnissen getroffen, so daß im Falle der Gefahr bei Befolgung der Vorschriften kaum Zwischenfälle zu erwarten fein dürften. Die deutsche Kolonie wird ein gutes Beispiel deutscher Disziplin und Ordnung im Falle ernster Gefahr geben und sieht der Entwicklung der Dinge mit Ruhe entgegen.
Oie Beisetzung
-es Botschafters von Hoesch.
Am Samstag fand in Dresden in Anwesenheit der Vertreter der Reichsregierung mit dem Reichs- außenminister Freiherrn von Neurath an der Spitze, der als Vertreter des Führers und Reichskanzlers zugegen war, der Vertreter der Partei, der Regierung, zahlreicher Behörden, der Wehrmacht ufw. die feierliche Beisetzung der sterblichen Hülle des deutschen Botschafters von Hoesch statt. In den Straßen, durch die sich der Trauerzug bewegte, hatten sich große Menschenmengen aufgestellt, die dem Entschlafenen die letzte Ehre erwiesen. Ehrenstürme der SA. und SS., der Politischen Leiter, des NSKK. und eine Ehrengefolgschaft der HI. gaben dem Toten das letzte Geleit. Als Vertreter des englischen Königs und der englischen Regierung war der englische Botschafter in Berlin zugegen.
Der Sarg wurde mit großer Feierlichkeit vom Fürstenpavillon des Bahnhofs nach der Trinitatiskirche geleitet, wo ein Trauergottesdienst stattfand und die Kranzniederlegungen, darunter auch ein prächtiger Kranz des Führers und ein Kranz des Stellvertreters des Führers, erfolgten. Dann wurde der Sarg zum Erbbegräbnis der Familie Hoesch auf dem Trinitatis-Friedhof geleitet. Hier sprach der Reichsaußenminister Freiherr v. Neurath herzliche Worte der Würdigung des Werkes des Verstorbenen und des Dankes, sowie des Abschieds. Dann erfolgte die Beisetzung des Verstorbenen.
Der Führer und Reichskanzler hat dem König von England telegraphisch für seine Anteilnahme am Ableben des deutschen Botschafters in London, Dr. Leopold v o n H o e s ch, gedankt, insbesondere dafür, daß die Uebersührung des Verstorbenen auf einem englischen Kriegsschiff unter militärischen Ehren erfolgt und der Königlich britische Botschafter in Berlin, Sir Eric P h i p p s, mit der Vertretung des Königs bei der Beisetzung beauftragt worden ist.
Unfall des Generals der Artillerie Freiherr von Fritsch.
Berlin, 18. April. (DNB.) Der Oberbefehls- Haber des Heeres, General der Artillerie Freiherr von Fritsch, hat sich auf dem Truppenübungsplatz Berge in Westfalen durch Sturz mit dem Pferde einen Bluterguß und Quetschungen an der Brust zugezogen. Wenn die Verletzungen auch nicht schwerwiegender Art sind, so machen sie es doch dem General zur Zeit unmöglich, nach Berlin zurück- zukehren. In seiner Vertretung wird infolgedessen General der Infanterie von Rundstedt, Oberbefehlshaber der Gruppe I, an den militärischen Ver- anftaltungen anläßlich des Geburtstages des Füh- rers und Reichskanzlers teilnehmen.
Aus aller Wett.
„Graf Zeppelin- zur Heimreise gestartet.
Das Luftschiff „Gras Zeppelin" ist am Montag um 0,50 Uhr MEZ. in Pernambuco zur Heimreise gestartet. Es überflog um 6.37 Uhr MEZ. die Insel Fernando do Moranta.
Der Maibaum in Berlin.
Aus dem Anhalter Güterbahnhof in Berlin traf der Maibaum für die Lustgartenveranstaltung am Nationalfeiertag des deutschen Volkes ein. Für den Transport der 40 Meter langen Rotfichte wurden zwei Langschienenwagen und ein Kurzwagen verwendet. Ein vierter Wagen brachte die prächtige, vom Stamm getrennte Baumkrone mit.
Aus den Kindheitstagen unserer Flotte.
Kann man sich vorstellen, daß der Bug eines deutschen Kriegsschiffes die Wellen des Ozeans durchschneidet, von dem in großen Lettern der Name leuchtet „Der preußische Urwähler?" Und doch ist es einmal der Traum vieler Tausende gewesen, die mit ganzem Herzen dabei waren, ihrem Vaterlande zu helfen. Es ist eine rührende Geschichte aus den Anfängen unserer Kriegsmarine, die in der „Marine-Rundschau" wieder aufgefrischt wird. Es war in dem „tollen Jahr" 1848, als die Wogen der Marinebegeisterung im deutschen Volk hoch gingen. Jeder Mann wurde aufgefordert, an dem großen Werk mitzuarbeiten, und so erging auch ein „Aufruf an die preußischen Urwähler zu freiwilligen Beiträgen, behufs Erbauung eines Kriegsdampfers für den Schutz des preußischen Handels und Eigentums." Urwähler, das waren die dreieinhalb Millionen Männer im damaligen Preußen, die Wahlmänner zu wählen hatten, die ihrerseits erst die eigentlichen Abgeordneten in den Landtag schickten. Durch „Herumreichen von Becken" vor der Wahl sollte die Sammlung unterstützt werden. Man gab sich die größte Mühe, aber es kamen schließlich doch nur 28113 Taler zusam- men, und das langte selbst in der damaligen Zeit nicht für einen ganzen Kriegsdampfer. Auch 4505 Taler, die ein Danziger Komitee dazubrachte, füllten die Schiffbaukasse nicht genügend. Trotzdem schien den Sammlern ihr Erfolg so bedeutend, daß sie ihre Bedingungen stellten. Als man den Betrag dem Kriegsministerium überwies, forderten die Danzi- ger, daß das Schiff in ihrer Stadt gebaut werde, die Berliner aber dachten ideeller, sie wollten nur, daß es den Namen „Der preußische Urwähler" erhielt. Fast noch merkwürdiger als diese Tatsache ist die andere, daß das Preußische Kriegsministerium auf diese Bitte einging. Aber es dauerte zu lange, bis zum Jahre 1852, ehe die Verhandlungen zum Abschluß kamen, und der Bau eines Schoners wurde der Rest der hochfliegenden Pläne; dazu aber mußte der Marinefonds seinerseits noch einen Zuschuß von 16 000 Talern leisten. Unter diesen Umständen bestand das Berliner Komitee nicht mehr auf seinem Schein. Danzig wurde zwar der Bauart, aber die Wahl des Namens für das Kriegsschiff wurde der Entscheidung des Königs anheimgestellt und dieser bestimmte durch Ordre vom 16. September 1852, daß das Schiff den Namen „Hella" erhalten sollte. Es war das erste deutsche Kriegsschiff dieses Namens, dem dann noch zwei andere gefolgt sind.


