Ur.45 Drittes Blatt
GietzenerAnzeiger(General-AnzeigerfürOberheffen) Donnerstag, 20.gebruar 1936
Aus Oer Provinzialhauptstadt.
Das lächerliche Auto.
Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis.
Goethe.
In der historischen Schau der Berliner Automobil-Ausstellung drängen sich in diesen Tagen Hun- derttausende um die ersten „praktisch brauchbaren Motorwagen zur Beförderung von mehreren Personen". So langatmig bezeichnete man vor 50 Jahren das, was wir heute kurzweg „Auto" nennen.
Eigenartige Gefühle überkommen uns, wenn wir diese aus der Entstehungszcit des Kraftwagens zur Schau gestellten „Vehikel" betrachten. In die Ehrfurcht und Hochachtung vor diesen Zeugen deutschen Erfindergeistes auf dem Gebiet des motorisierten Verkehrs will sich immer wieder ein Schmunzeln einschleichen. Denn gar zu „putzig" und gar zu „drollig" sehen diese Kraftwagen aus Großvaters Zeiten aus, und manchem Besucher entschlüpfen beim Anblick des ersten Benz-Wagens aus dem Jahre 1886 die Worte: „D a s soll ein Auto sein? Wie lächerlich!"
Welche Entwicklung der Kraftwagen von diesem ersten Benz-Wagen bis jetzt durchlaufen hat, wissen wir. Wir sehen das heutige Endergebnis täglich auf der Straße, und, was es darüber hinaus Neues gibt, zeigt die Automobilausstellung auf ihren reich beschickten Ständen.
Doch nicht von diesem Neuen soll hier die Rede sein. Darüber mögen Berufenere berichten. Wir wollen nur als Laien einen kurzen Augenblick vor dem Stand des „lächerlichen Autos" verweilen und uns einmal überlegen, warum es eigentlich so „lächerlich" ist, und ob es überhaupt lächerlich ist?
Wir brauchen nicht lange nachzudenken, um zu erkennen, daß der Benz-Wagen von 1886 nur deswegen „lächerlich" aussieht, weil wir ihn vom Standpunkt des Jahres 1936 aus betrachten. Sind wir ehrlich, so müssen wir zugeben, daß uns vieles „lächerlich" vorkommt, was lange Zeit zurückliegt. Dabei brauchen wir gar nicht einmal 50 Jahre zurückzugehen. Wir brauchen zum Beispiel nur unsere eigenen Bilder aus der Jugendzeit hervorzukramen, um gewahr zu werden, daß wir vor zwei, drei Jahrzehnten eigentlich auch ein bißchen — „lächerlich" aussahen!
Es wird uns dann so gehen, wie manchem Besucher der historischen Autoschau, daß wir sinnend und verwundert fragen: „Das soll ich sein? So soll ich ausgesehen haben?" Nicht wahr, wir pflegen auf diese Bilder immer mit etwas Mitleid herabzusehen, denn heute — stehen wir doch ganz anders da! Der Unterschied zwischen uns von einst und von jetzt ist etwa, schmeicheln wir uns, so wie zwischen dem ersten Benzwagen und einem modernen Rennwagen. (Ist es nicht so?)
Doch bevor wir aus dieser Erkenntnis die Lehre ziehen wollen, schalten wir noch eine kleine Betrachtung ein. Woher kommt es, fragen wir uns, daß uns ein Kampfwagen, wie er im alten Rom benutzt wurde, nicht „lächerlich" vorkommt, während es doch beim ersten Benz-Wagen der Fall ist? Es kommt daher, weil wir die Entwicklungsreihe des römischen Kampfwagens nicht kennen, weil er für uns ein fertiges, (scheinbar) abgeschlossenes Ergebnis der Wagenbaukunst ist. Wir können keine Vergleiche ziehen!
Beim Kraftwagen und bei unseren (Lebens-) Bildern können wir aber Vergleiche ziehen. Und nun vermögen wir auch zu erkennen, was uns den ersten Benz-Wagen und unsere Jugendbildnisse so „lächerlich" machte: die Entwicklung, die Zeit ist über sie hinweggegangen! Oder noch tiefer durchdacht: das Leben ist über diese Ausdrucksformen hinweggegangen, hat diese Ausdrucksformen „abgelegt" und ist in neue Formen hineingeschlüpft.
Aus diesen Erkenntnissen können und müssen wir zwei Lehren ziehen! Einmal: Was uns das Leben, das ja etwas Ewiges ist, zur Schau stellt, ist nicht das Leben selbst, sondern ist nur die f ö r m- I i cf) e Zeiterscheinung des Lebens. Zum andern: Wer in irgendeiner seiner eigenen Zeiterscheinung mit den ihr anhaftenden Gefühlen, Gedanken und Einstellungen stecken oder stehen bleibt, der lebt nicht, der erstarrt, der ist „rückständig", und erscheint aus diesem Grunde den Lebenden, den Lebendigen oftmals — lächerlich.
Alles auf eine Formel gebracht: wir müssen vorwärts blicken, vorwärts schreiten, vorwärts leben, wenn das Leben nicht über uns hinweggehen soll, wenn wir überhaupt wahrhaft leben wollen!
Seltsame Gedanken auf einer historischen Autoschau? Aber vielleicht ist das ihr tiefster Sinn, daß wir in ihr nicht nur eine Zeiterscheinung, sondern das L e b e n s e l b st erkennen sollen. Dr. F. B.
Dornotizen.
Tageskalender für Donnerstag.
NSG. „Kraft durch Freude": 20 bis 21 Uhr und 21 bis 22 Uhr (nur für Frauen) fröhliche Gymnastik im Lyzeum-, 21 bis 22 Uhr: Reiten, Reitschule Schömbs. — NSLB. Gießen, Fachschaft höhere Schule, Arbeitsgemeinschaft für Mathematik und Naturwissenschaften: 16 Uhr Besprechung im Physiksaal des Realgymnasiums. — Gloria-Palast, Seltersweg: „Lady Windermeres Fächer". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Friesennot". — Oberhessischer Geschichtsverein: 20.15 Uhr im Kunst- wissenschaftlichen Institut, Ludwigstrahe 34, Vortrag von Stadtbaurat G r a v e r t über „Entwicklungslinien des deutschen Städtebaues, insbesondere des hessischen". — Reichsgemeinschaft Deutscher Hausfrauen, Ortsgruppe Gießen: 20 Uhr Jahresversammlung bei Boller. — Oberhessischer Kunstverein, Turmhaus am Brandplatz: 16 bis 17 Uhr Ausstellung von Gemälden von Josef Steib, Berlin.
Banen außerhalb des Ortsbauplans verboten.
Die Zentralabteilung der hessischen Landesregierung teilt mit: In letzter Zeit häufen sich die Fälle, 'n denen Baulusttge in der freien Gemarkung aüßer- halb der Orte Grundstücke zum Zweck der Bebauung erwerben. Es wird'deshalb wiederholt auf die bestehenden Verbote über das Bauen außerhalb des Ortsbauplans verwiesen. Ausnahmen werden künftig nur noch dann zugelaffen, wenn besonders schwerwiegende Gründe vorliegen, die auch mit den öffentlichen Interessen im Einklang stehen. Es wird davor gewarnt, außerhalb der Ortschaften Grundstücke für Bauzwecke zu erwerben, bevor feststeht, daß eine Bebauung baupolizeilich zulässig und er« loubt ist. Zuständig für die Auskunftserteilung hier- über find einzig und allein die Baupolizeibehörden (Kreisämter, Hochbauämter und in den Städten mit eigener Baupolizei die Bürgermeister). Die Baupolizeibehörden find angewiesen, gegen Verbots-
Horsts
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effel-Gedenkfeier
Gemeinschaft zusammengeschlossen sind, finden nur körperlich gesunde und geistig frische Knaben Ausnahme. Man beachte die heutige Anzeige.
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am Sonntag, 23. Februar, 16 Uhr,
' in -er Volkshalle zu Gießen
An dieser Feier nimmt die gesamte SA. des Standortes Gießen. TtSftfi.» Alarme-SA.. Arbeitsdienst und Fahnenabordnungen der SA.-Vrigade 147 teil.
3m Mittelpunkte dieser Feierstunde steht die mit Musik, Sprech- und Singchören umrahmte Ausführung
„Ewig lebt die 6>A!"
Die gesamte Bevölkerung von Gießen und Umgebung wird zur Teilnahme an dieser Stunde des Gedenkens aufgefordert.
Die Vegleitstürme der Standarten und Fahnen marschieren um 15.15 Uhr vom Bahnhof aus durch die Bahnhofstraße. Liebigstraße, hindenburgwall. Gartenstraße. Kaiserallee zur Volkshalle.
Nach Beendigung der Feier erfolgt Abmarsch durch Kaiserallee. Ludwigstrahe, Vleichstraße, Seltersweg, Kreuzplah, Sonnenstraße zum Landgras-Phllipp-Plah. Am Ehrenmal erfolgt Vorbeimarsch.
widrige Bauausführungen mit aller Schärfe einzuschreiten und nötigenfalls widerrechtlich errichtete Gebäude oder Gebäudeteile im polizeilichen Zwangsverfahren wieder beseitigen zu lassen, wie es in letzter Zeit leider wiederholt notwendig geworden ist. Den Baulustigen wird daher dringend empfohlen, bevor sie irgendwelche Schritte hinsichtlich des Erwerbs des Bauplatzes unternehmen, sich mit den Baupolizeibehörden in Verbindung zu setzen. Die Baupolizeibehörden stehen als Bauberatungsstellen in diesen Fällen kostenlos zu Verfügung. Auch wegen der äußeren Gestaltung der geplanten Bauvorhaben empfiehlt es sich, rechtzeitig bei den Baupolizeibehörden festzustellen, ob auf Grund der hierüber bestehenden Vorschriften Bedenken gegen die Bauausführung zu erheben sind.
Oie Polizeistunde an Fastnackt aufaehoben.
Die Polizeidirektion Gießen teilt mit: Aus Anlaß des diesjährigen Karnevals wird die Polizeistunde vom Samstag, 2 2. Februar, bis Dienstag, 2 5. Februar, allgemein gebührenfrei aufgehoben.
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? n.5.=6emcinfchaft „Kratt durch kreude"
Sonderfahrt nach Württemberg — Allgäu — 3sny vom 27. Februar bis 5. März.
Kosten: 22,25 Mark, mit Sportkursus 27,25 Mark.
Diese Fahrt ist für Arbeitskameraden vorbereitet, die sich sonst keine KdF.-Reise erlauben können. Die Reise führt über Ulm, Memmingen nach Jsny. Jsny, ein schönes, altes Städtchen im bayerischen Allgäu, liegt 720 Meter hoch. In seiner Umgebung bietet sich die beste Gelegenheit zum Skisport. Sprungschanzen und Uebungshänge erweitern die Sportmöglichkeiten. Hier wurde auch 1924 die deutsche Skimeisterschaft ausgetragen.
An dieser Fahrt können noch einige Arbeitskameraden teilnehmen Schluß der Anmeldung: 23. Februar 1936.
Iahresprogramm des Amtes Reifen, Wandern und Urlaub.
Das Jahresprogramm, das sämtliche Reisen des Jahres 1936 enthält, ist auf der Kreisdienststelle zum Preis von 10 Pfennig erhältlich.
Sportamt „Krast öurrf» Freude-.
heute folgende Kurse:
Fröhliche Gymnastik und Spiele (Frauen): Von 20 bis 21 Uhr und von 21 bis 22 Uhr, Lyzeum, Dammstraße 26.
Reiten: Don 20 bis 21 Uhr, Universitäts- Reitinstitut, Brandplatz.
Für die in der nächsten Woche neu beginnenden Reitkurse können noch Anmeldungen auf der Geschäftsstelle, Schanzenstraße 18, Telephon 2919, abgegeben werden. Die Kosten betragen für den 6ftünbigen Kursus für Mitglieder der DAF. 6 Mk., für Nichtmitglieder 9 Mark.
Deutsche Arbeitsfront.
Die Abteilung für Arbeitsführung und Berufserziehung in der DAF. führt in der Arbeitsschule jeden Monat Leistungsschreiben in Deutscher Kurzschrift durch. Diese dauernde Kontrolle der Leistungsfähigkeit ist für den Arbeitskameraden ein Ansporn zur Leistungssteigerung. Das Leistungs- zeugnis der Arbeitsschule wird dem Arbeitskameraden nur dann ausgestellt, wenn er das Fünf-Mi- nuten-Diktat in der vorgesehenen Zeit einwandfrei übersetzt. Handel, Industrie und Behörden schätzen bereits das Leistungszeugnis der DAF., und mit Recht bezeichnet man es als Leistungsmesser für wirkliches Können. Im Monat Januar haben das Leistungszeugnis errungen:
Abteilung 150 Silben: Karl Böhringer.
Abteilung 120 Silben: Liselotte Müller. Helmut Fleischmann, Mariechen Meyreiß, Otto Weigel, Lore Hofmann und Karl Schick.
Abteilung 10 0 Silben: Wilhelm Schäfer, Liselotte Noll, Erich Runzheimer.
Abteilung 80 Silben: Heinz Herrlich, Hermann Kirchner, Wilhelm Best.
Abteilung 60 Silben: Karl Schäfer, Robert Sparr.
Hessische Aufbauschule Friedberg.
Die Aufbauschule führt begabte, fleißige und gesunde Jungen, die mindestens sieben Jahre die Volksschule besucht haben, in sechs Jahren zur Reifeprüfung. Das Reifezeugnis der Aufbauschule berechtigt zu allen akademischen Studien und zu allen Berufen, für die das Bestehen der Reifeprüfung Vorbedingung ist. Dielen Eltern vom Lande war es früher wegen der großen Entfernung und den dadurch entstandenen Kosten nicht möglich, ihre Söhne einer höheren Schule zuzuführen und ihnen dadurch eine bessere Lebensstellung zu verschaffen. Gerade diesen Knaben, nachgeborene Bauernsöhne, Söhne von Arbeitern und kleinen Beamten, will die Aufbauschule helfen. Ihnen kann, wenn die wirtschaftliche Not besonders groß ist und ein gutes Schulzeugnis es gestattet, nach dem ersten Halbjahr eine Schulgeldfreistelle gewährt werden. Auswärtige Schuler, die nicht bei ihren Eltern wohnen können, finden im Schülerheim der Aufbauschule Wohnung und Verpflegung. Auch hier kann durch Gewährung einer Kostgeld freistelle bei nach- geroiefener Bedürftigkeit Erleichterung verschafft werden. Da die Schüler der Anstalt zu einer HJ.-
*♦ Sitzung des Provinzialausschus» s e s. Am Samstag, 22. Februar, vormittags 9.30 Uhr, findet im Sitzungssaal des Regierungsgebäudes zu Gießen, Landgraf-Philipp-Platz 3, eine öffentliche Sitzung des Provinzialausschusses statt mit folgender Tagesordnung: Klage des Fuhrunternehmers Anton Traud in Herbstein wegen Entziehung der Fahrerlaubnis: hier: Berufung und Anschlußberufung gegen das Urteil des Kreisausschusses des Kreises Lauterbach vom 17. Oktober 1935. -— Klaae der Anny Hadermann in Schotten wegen Versagung der Genehmigung zum Betriebe eines Cafäs mit Ausschank alkoholhaltiger Getränke. — Klage des Ludwig Meisel in Gießen wegen Versagung des Wandergewerbescheins für das Kj. 1936.
** ©terbefälle in Gießen. Es verstarben in der Zeit vom 1. bis 15. Februar in Gießen: 2. Frosch, Anni, 2 Jahre alt, Schloßgasse 10; 5. Mün- ker, geb. Wohlers, Olga Marie, 44 Jahre alt, Liebigstraße 46; 6. Lepper, Katharine, 68 Jahre alt, Alicenstraße 29; 6. Repp, geb. Matt, Lina, 28 Jahre alt, Asterweg 25; 8. Becker, geb. Klein, Edith, 32 Jahre alt, Bahnhofstraße 46; 7. Binz, Ludwig, Gärtnergehilfe, 21 Jahre alt, Frankfurter Straße 142; 7. Schütte, Heinrich, Kaufmann, 71 Jahre alt, Frankfurter Straße 61; 8. Schmitt, geb. Eich, Elise, 71 Jahre alt, Mittelweg 18; 11. Keßler, geb. Berber, Antonie, 45 Jahre alt, Roon- stroße 24; 11. Schöne, geb. Gunkel, Elisabeth, 41 Jahre alt, Sonnenstraße 11.
** Eine Hans-Ewald-Kleine-Gedächtnis-Ausstellung ist in Vorbereitung und wird demnächst hier ftattfinben. Außer den Gemälden und Zeichnungen wird eine große Anzahl von Werken der Theaterkunst zur Schau gestellt werden, die bisher noch nicht in die Oeffentlichkeit gelangt waren. Bekanntlich hatte Hans Ewald Kleine mit einer Ausstellung feiner Theaterkunst in Westdeutschland einen guten Erfolg erzielt.
** Eine öffentliche Mahnung zur Bezahlung der Beiträge vom Januar erläßt die Allg. Ortskrankenkasse für den Kreis Gießen in unserem heutigen Anzeigenteil. Säumige Zahler seien auf die Bekanntmachung besonders hingewiesen.
** E i n Derkehrsunfall ereignete sich am gestrigen Mittwochabend vor der alten Bürgermeisterei in der Gartenstraße. Dort stießen an der Ecke der Straßenkreuzung zwei Personenkraftwagen zusammen, wodurch Sachschaden entstand, Personen zum Glück aber nicht zu Schaden kamen.
** Eine R o s e n m o n t a g s f a h r t nach Mainz wird von dem hiesigen Reisebüro Kreger veranstaltet. Interessenten seien auf die heutige Anzeige hingewiesen.
** Der Kurhaus-Maskenball in Bad- Nauheim findet am kommenden Samstag statt. Im Anzeigenteil unseres heutigen Blattes wird zu dieser Veranstaltung eingeladen.
** Richtigstellung. In unserem gestrigen Bericht über die amtliche Schultagung in Wieseck ist ein sinnentstellender Setzfehler enthalten. Es muß dort anstatt Januar-Plan richtig Jenaer Plan heißen.
Amtsgericht Gießen.
Das Gericht befaßte sich in der geftrtgen Sitzung mit einem Autounfall, der sich im Laufe des vorigen Jahres auf der Straße Gießen—Frankfurt in der Nähe von Großen-Linden ereignete. Angeklagt ist der O. R. aus Großen-Linden. Nachdem man eine Ortsbesichtigung oorgenommen und verschiedene Zeugen vernommen hatte, wurde die Verhandlung zwecks Einholung eines Sachverständigengutachtens vertagt.
Schöffengericht Gießen.
Unter Ausschluß der Oeffentlichkeit hatten sich die M. W. und der W. R., beide aus Glauberg, wegen versuchter Abtreibung dzw. Beihilfe dazu zu verantworten. Das Gericht erkannte auf je einen Monat Gefängnis.
Wegen Beleidigung eines Jungvolkführers wurde der L. F. aus Lich zu 10 0 Mark Geldstrafe. Hilfsweise 20 Tage Gefängnis verurteilt.
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Wims im Begegnungsgefecht - Soldaten im Vormarsch.
Links: Schweres Maschinengewehr unter dem Tarnnetz am Waldrand. —
Vor vielen Zuschcn.^rn, Studenten und geladenen Gästen, zeigte am gestrigen Mittwochnachmittag eine Kompanie unseres Infanterie-Regiments 36 südlich unserer Stadt eine anschaulich angelegte Hebung im Begegnungsgefecht. Mit großem Inter- esse folgte man der Entwicklung und dem Vorgehen der Truppe, wie es im modernen Infam teriekampf durchgeführt wird und lernte dabei die Systematik kennen, die es ermöglicht, ohne große Opfer an den Feind heranzukommen.
Die Kompanie hatte als Vortrupp-Kompanie die Aufgabe, einen Höhenrücken, der als von vorgeschobenen Kräften des Feindes besetzt angenommen wurde, zu gewinnen, sich dort festzusetzen und die Höhe zu halten. Das Vorgehen gegen diesen Hügel wurde in allen Einzelheiten und unter Einsatz aller der Infanterie zur Verfügung stehenden Hilfsmittel
Rechts: Am (Aufnahmen [2]: Photo-Pfaff, Gießen.)
veranschaulicht. Der Reiterspahtrupp wurde voraus- geschickt, erkundete und erstattete nach rückwärts Meldung. Dann folgte in zwei kleinen Gruppen die Spitze zu Fuß, die sich im Felde voranarbeitete und mit leichten Maschinengewehren anrückte, um ebenso wie die am Waldrande aufgebauten schweren Maschinengewehre das Vorgehen der Kompanie in Schützenrudeln und in Schützentrupps zu decken. Mit Blinkgeräten, Signaltafeln, mit Meldern usw. wurde die Verbindung der Vortrupps mit dem noch am Walde liegenden Haupttrupp aufrechterhalten, bis schließlich auch dieser folgen konnte.
Die Lage des Feindes und seine Stärke wurde als unbekannt vorausgesetzt. Er sollte angegriffen werden, wo er anzutreffen war. Erst der Angriff sollte die Lage klären. Unter Ausnützung aller Deckungsmöglichkeiten bewegten sich die Soldaten
(Entfernungsmefcgerät in guter Deckung.
im Gelände. Rasch wurden die leichten Maschinengewehre in Stellung gebracht und feuerten. Mehr und mehr arbeiteten sich die Soldaten an den vom Feind besetzten Hügel heran. Minenwerfer wurden eingesetzt. Panzerabwehrkanonen fuhren rasch auf und gingen in Feuerstellung. Auch eine Panzer- wagenattrappe nahm am Gefecht teil.
Die Zuschauer folgten allen Bewegungen, soweit sie sichtbar werden konnten, mit größtem Interesse. Fachmännische Erläuterungen vertieften das Verständnis. Gleichzeitig sah man auch, wie der Soldat in der neuen Einheitsgruppe auf sich selbst gestellt ist und wie der Führer dieser Einheitsgruppe takttsches Vermögen zu beweisen hat.
Der Uebungsverlauf lieh einen klaren Eindruck von moderner Gefechtsführung gewinnen.


