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M. 43 Erstes Blatt
186. Jahrgang
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potemkinsche Dörfer.
Don (L. von Kügelgen.
Als am 11. Februar in der französischen Kammer lie historische Debatte über die Ratifizierung des kowjetpaktes eröffnet werden sollte, befand sich i ußenminister F l a n d i n in tiefem Gespräch mit jiiouarb Herriot, und die französische Presse i'rmerkte, daß die Unterredung mit offenbarer Übereinstimmung schloß. Durch diesen kleien Vorgang wird die überraschende Bedeutung Iss Führers der Radikalsozialisten für das Zu- mnbetommen des Sowjetbündnisses unterstrichen. - erriet kann mit Recht als sein g e i st i g e r ^ater bezeichnet werden und ist, wenn nicht alles r ügt, stolz auf diesen fragwürdigen Titel.
herriot hat wie kein anderer französischer Staatsmann dem Einzug des Trojanischen Pferdes aus Moskau die Wege geebnet. Als früherer Minister- päfibent, als Führer der größten bürgerlichen imrtei hatte er an sich außerordentliche Wirkungs- söglichkeiten; er hat sie noch gesteigert, indem er I peimal die Sowjetunion bereiste und nun aus igener Anschauung sein Urteil über die Bündnis- ihiakeit des Kommunistenstaates abgeben konnte, lusfchlaggebend ist hierbei seine letzte Reise c wesen, die in vieler Beziehung eine geradezu ver-
\ fingnisvolle Wirkung hat.
Als Herriot im August 1933 von dieser zwei- wchigen Schnelltournee durch die Sowjetunion rückkehrte, entfesselte das unbeschränkte Lob, das e allem gewidmet hatte, was ihm unter GPU.- (chutz vorgesetzt worden war, neben begeistertem M auch heftigen Widerspruch. Man verglich in ikr ftanzösischen Rechtspresse diese Reise mit der Krtharinas II. unter Führung Potemkins. Aon erzählte sich Witze über die Frechheit, mit der d» Kommissare den nichts ahnenden Gast herein- fliEegt hatten, und schüttelte sich vor Lachen. Aber , v. gab auch Millionen Menschen, die blutige Trä- ! nm weinten, weil ein französischer Staatsmann ml der ganzen Autorität seiner Vergangenheit den IIllassenmord mit Hilfe des Hungers in der Sowjet- I wion leugnete, der Sowjetregierung ein glänzendes !k Fihrungszeugnis ausstellte und damit den inter- ! nilionalen Hilfsaktionen für die verhungernde Be- 1 * oiLteumg weiter Gebiete der Ukraine und anderer ! Länder des Sowjetreiches in den Rücken fiel.
Kürzlich ist in Wien das Werk eines der besten hnner des heutigen Rußland, des Sekretärs des Interkonfessionellen und übernationalen Hilfs- tmitees für die sowjetrussischen Hungergebiete", tamfö Ammende, unter dem Titel „M u ß Rußland hungern?" erschienen. Ammende ü auch der Initiator der Nansen-Hilfe während k Hungersnot 1921/22 gewesen. Er hat sich (auch ir seinem Amt als Generalsekretär des Europäi- sten Nationalitäten-Kongresses) seit der gewaltigen Kollektivisierung zu Beginn des Stalinschen Frnfjahresplanes 1929 für eine internationale d'.rchgreifende Hilfsaktion für die Hungernden der vrwjetunion eingesetzt. Denn Ammende sah die Hungersnot in den Kornkammern der Sowjet- unon als unvermeidliche Folge der Kollektivisierung ml) der zwangsweisen Beraubung der Bauern an iild erhob immer wieder warnend seine Stimme.
wie viele andere Kenner der Sowjetagrar- : Mik, wurden trotz des entsetzlichen Hilfegeschreis fiter buchstäblich verhungernden Millionenbevöl- le- ung nicht gehört oder zu wenig beachtet. Die Mße Hilfsaktion im Weltmaßstab ist nicht zu- it ndegekommen. Millionen und aber Millionen «raschen sind im Laufe mehrerer Jahre zugrunde- Wangen.
4vchön im Jahre 1933, als Herriot die Ukraine leiste, haben zahlreiche Reifende, wie der ameri- konisch-jüdische Journalist Harry Lang, der Eng- lä der Muggeridge, der Franzose P. Verland u. a., «« furchtbare Katastrophe in der Ukraine, ein Massensterben, dem stellenweise bis zu 40 i. H. der Bevölkerung zum Opfer sielen, mit ! schaudern geschaut und darüber berichtet. Herriot rirßte davon wissen, als er im Luxuszuq von Ma durch das Land sauste, Städte und ländliche! Musterwirtschaften besichtigte und binnen fünf tagen die Ukraine „studierte". Ammende schildert <ir Grund der Berichte von Augenzeugen den j^rumphzug Herriots oon Odessa über Moskau bis «n die lettische Grenze. Es ist, wenn auch Herriot inner feuriger gefeiert wird, ein Triumphzug aus- Ueßlich für biß Sowjets. Denn ber „einge- Difelte" Herriot rebete wie ein beflissener Schüler tflis nach bem Munbe, was sie für ihre Propa- kiluda brauchten. Für jeben Kenner ber Verhält- nse ein lächerlicher unb zugleich wiberlicher An- :Iit. Er pries die sauberen Städte mit ihrer freund- Iden, ihm Ovationen bereitenden Bevölkerung Mo wie die fortschrittliche Landwirtschaft (sogar
Hilfe oon Flugzeugen) und die kulturellen Ver- ocknisse. Ammende läßt Augenzeugen auftreten, •’< berichteten, wie die Hauptstraßen der oon Üt'rioi besuchten Städte mit Hilfe oon Poli- i?-kraftwagen gesäubert wurden: von Stiern, Verhungernden, umherliegenden Leichen, knwahrlosten Kindern, Unrat und Schmutz. Dafür Achten bann auf Befehl ber GPU. (Herriots Bereiter standen unter der Obhut des mächtigen ^U.-Mannes Helfant) wohlgenährte Milizionäre ben hergerichteten Straßen ai^
, für Herriots idyllische Eindrücke-^mf dem Lande dcht der Umstand, daß er strahlend verkündete, Y Towjetregierung sei sogar dafür eingetreten, daß p! jede Bauer wenig st ens eine Kuh ?l'^en solle. Das verkündete er aus einem Lande, £ bem d i e Ernte vor den hungernden 5° u ern militärisch bewacht wurde und £ ben meisten Dösern schon längst nicht nur die S|l,e, sondern auch d i e Katzen und Hunde <Ir 9 e g c ff e n waren. Kein Geringerer als Sta-
Azana bildet in Spanien eine Regierung der Linken.
Siraßenumzüge in Madrid. — Befreiung der politischen Gefangenen. Rückkehr der katalanischen Separatisten.
Madrid, 19. Febr. (DNB.) Der spanische Landwirtschaftsminister teilte dem Staatspräsidenten mit, daß die Regierung auf Grund der bis jetzt vorliegenden Wahlergebnisse zurückgetreten sei. Der frühere Ministerpräsident und Linksrepublikaner Azana wurde vom Staatspräsidenten mit der Regierungsbildung beauftragt. Azana gab am Spätabend des Mittwoch die neue Kabinettsliste bekannt. Die neue Regierung setzt sich aus 10 Linksrepublikanern, zwei Vertretern der Republikanischen Union und einem Parteilosen zusammen. Innenminister Amos Salvador (Linksrepublikaner), Außenminister Augusto Bar - c i a (Linksrepublikaner), Kriegsminister General M a s q u e l e t (parteilos), Marineminister Jose Giral (Linksrepublikaner). Sechs Minister gehörten bereits früheren Kabinetten an. Die übrigen find Abgeordnete, die im öffentlichen Leben bisher noch nicht heroorgetreten sind.
Auf die Nachricht von der Bildung der neuen Regierung bildeten sich in Madrid Umzüge. Vor dem Innenministerium brachte die Menge Hochrufe auf die linksrepublikanischen unb marxistischen Führer unb auf die Republik aus. Die Kundgeber führten zum großen Teil rote Fahnen mit und sangen die Internationale. Der Ministerpräsibent Azana erschien in Begleitung des Präsibenten ber sozialdemokratischen Gewerkschaften Largo Caballero auf dem Balkon des Innenministeriums unb richtete eine Ansprache an die Massen. Er erklärte, baß das Regierungsprogramm ohne Abstriche verwirklicht werbe unb daß am Donnerstag alle Gemeinbeverwaltun- g e n in ihrer parteipolitischen Zusammensetzung vom 12. April 1931, bie auf Grund der Ereignisse vom Oktober 1934 aufgehoben worben waren, wieber eingesetzt werben würden. Der Ministerpräsident forderte dann die Menge auf, aus- einanderzugehen und mit Vertrauen der kommenden Arbeit der Regierung entgegenzusehen. Sämtliche Polizeistreifen waren zur Vermeidung von Zwischenfällen von der Straße zurückgezogen worden.
Der Generalstaatsanwalt hat die vorläufige Freilassung aller wegen politischer und sozialer Vergehen in Untersuchungshaft befindlichen Gefangenen angeordnet. Die Gefangenen der Strafanstalt San- tena haben rebelliert. Der Aufruhr konnte erst durch die Polizei unterdrückt werden. Drei Personen sollen getötet unb mehrere verletzt worden sein. Auch in Bübao erhoben sich die Sträflinge bei der Nachricht oon ihrer baldigen Freilassung gegen die Gefängnisbeamten, steckten Betten unb Stühle in Brand und verprügelten die Feuerwehrleute. Polizei stellte die Ruhe wieder her. Der General- st r e i k i n Saragossa ist auf Veranlassung der Leitung der marxistischen und syndikalistischen Arbeitergewerkschaft abgebrochen worden. Das Leben in der Stadt nimmt seinen normalen Gang. In der Nacht zum Mittwoch sind bei Schießereien zwischen der Polizei und den Streikenden noch zwei Personen schwer verletzt worden.
Moskaus Ratschläge.
Moskau, 19. Febr. (DNB.) Das Ergebnis der spanischen Wahlen wird in Moskau begreiflicherweise mit großer Genugtuung aufgenommen. Das Blatt der Komintern, die „Pr awda", verzeichnet begeistert die „starke Linksentwicklung der spanischen Massen" und die „scharfe Polarisation der Klassenkräfte". — Die „Prawda" mißt dem Sieg der Volksfront in Spanien größte Bedeutung für die internationale proletarische Bewegung bei unb erteilt ihren spanischen Genossen gute Ratschläge, wie burch eine Verwirklichung des Programms der Volksfront dieser Sieg fest verankert werden könne. Als besonders wichtig empfiehlt das Blatt die Enteignung des Großgrund- b e s i tz e s und die sofortige Befreiung aller politischen G e f a n g e n e n. Daß es ihm dabei auf eine Einmischung in die spanischen Verhältnisse nicht ankommt, ergibt sich aus der weiteren dringenden Empfehlung an die spanischen Kom
munisten, sich mit diesen Maßnahmen nicht zufrieden zu geben. Es sei vielmehr erforderlich, weiter für „die demokratische Revolution" (!) zu kämpfen und in Dorf und Stadt die Aktivität der werktättgen Massen zu entfalten.
Manuel Azana.
Manuel Azana wurde 1880 geboren. Er studierte Jura und wurde Rechtsanwalt. Aber als politischer Schriftsteller machte er sich einen Namen. 1926 erhielt er für seine Schrift „Das Löben des Juan
Valera" den spanischen Nationalpreis für Literatur. Azana hat auch eine Neuübersetzung der Bibel in Spanisch herausgegeben, die als ein klassisches Werk der spanischen Literatur gilt. Als langjähriges Mitglied des „Ateneo", jenes berühmten Madrider Klubs, der alle bedeutenden Denker Spaniens vereint, übernahm er die Stellung des Generalsekretärs.
In dem ersten republikanischen Kabinett Zamora vom 14. April 1931 übernahm Azana das Ministerium des Krieges. Nach Rücktritt Zamoras am 14. Oktober 1931 infolge Annahme eines Verfassungsartikels über Auflösung der religiösen Orden und Abschaffung der offiziellen Staatsreligion übernahm Azana, der beträchtlich weiter links steht, die Regierung unter Beibehaltung des bisherigen Kabinetts. Aber schon im Dezember 1931 kam das Kabinett Azana durch die Machenschaften des Außenministers Lerroux in Schwierigkeiten und trat zu
rück. Azana wurde jedoch wieder mit der Führung der Regierung betraut und behielt auch das Kabinett mit einer parteimäßigen Verschiebung nach links in feinen Grundzügen bei. Am 27. Mai 1932 erklärte Azana die Autonomie Kataloniens im Rahmen des spanischen Staatsverbandes. Im Januar 1933 kam es zu Putschen anarchistischer Syndikalisten. Am 8. Juni 1933 trat Azana abermals zurück, bildete aber am 13. Juni sein drittes Kabinett. Als die Wahlen der Gemeindevertretungen zum Staatsgerichtshof einen scharfen Ruck nach rechts brachten, trat Azana am 8. September 1933 erneut zurück. Präsident Zamora beauftragte darauf Lerroux mit der Regierungsbildung. Azana gründete im April 1934 eine neue Partei unter dem Namen „Die republikanische Linke". Diese neue Partei mit Azana an der Spitze war dann führend an dem Separatistenaufstand in Katalonien im September 1934 beteiligt, wobei Azana zum Präsidenten der beabsichtigten spanischen föderativen Republik ausgerufen wurde. Mie Ma- orider Regierung schlug diesen Austtand jedoch mit aller Schärfe nieder.
Gil Nobles auf Urlaub.
Madrid, 19. Febr. (DNB.) Der Führer der Katholischen Volkspartei, Gil Ribles, hat die Leitung der Parteigeschäfte bis auf weiteres niedergelegt und ist beurlaubt worden. An seine Stelle tritt der frühere Landwirtschaftsminister Gimenez Fernandez. Die Beurlaubung des Ceda-Führers gilt als eine Folge der Niederlage der Rechten bei den Wahlen, für die die verfehlte Politik oon Gil Nobles verantwortlich gemacht wird. Hinter der Maßnahme vermutet man Herrera, den Präsidenten der Katholischen Aktion.
Rückkehr der katalanischen Separatisten.
Madrid, 19. Febr. (DNB.) Aus Barcelona wird gemeldet, daß sich der frühere Präsident des katalanischen Parlaments, Casanova, der im vergangenen Jahr aus dem Gefängnis in Barcelona nach Paris entkommen konnte, sich wieder in der katalanischen Hauptstadt befindet. Casanova, der wegen seiner Beteiligung am Separatistenaufstand im Oktober 1934 z u l e - b e n s l ä n g l i ch e m Zuchthaus verurteilt worden war, soll beim Eintritt der Abgeordneten in den Sitzungssaal auf dem Präsidentenstuhl gesessen haben, ohne daß jemand vorher von seiner Rückkehr Kenntnis gehabt hat.
Um die Höchsttonnage der Schlachffchiffe.
Eine französische Anfrage in Washington.
London, 19. Febr. (Reuter.) Die französische Regierung hat außerhalb der Londoner Flottenkonferenz unmittelbare Verhandlungen mit der amerikanischen Regierung in der Schlachtschiff-Frage aufgenommen. Sie hat durch ihren Botschafter in Washington die amerikanische Regierung ersuchen lassen, einer Verminderung der Tonnage der Schlachtschiffe zuzustimmen. Falls man in Washington jedoch hartnäckig bleibt, so wird Frankreich, wie Reuter wissen will, voraussichtlich nachgeben und dem amerikanischen Vorschlag einer H ö ch st - tonnage von 3 5 0 0 0 Tonnen und 42- cm - G e s ch ü tz e n für Schlachtschiffe zustimmen.
Das Ende der Flottenkonferenz steht damit vor der Tür. Man nimmt an, daß die technischen Abmachungen über die gualitatioen Begrenzungen und den Austausch von Benachrichtigungen in der ersten Märzwoche paraphiert werden. Dann wird ein Protokoll abgefaßt werden, in dem grundsätzlich festgelegt wird, daß andere Mächte eingeladen werden sollen, dem Flottenvertrag beizutreten, der dann im Herbst unterzeichnet werden würde. Bis dahin sollen zweiseitige Besprechungen mit den anderen Mächten stattfinden.
Ablehnung wahrscheinlich.
Paris, 20. Febr. (DNB. Funkspr.) Der Sonderberichterstatter des „Petit Parisien" will melden können, daß die Antwort der amerikanischen Regierung heute oder morgen dem französischen Botschafter übermittelt werde. Man glaube nicht, daß die amerikanische Regierung den französischen Wünschen entsprechen werde. Außerdem wolle die Regierung es vermeiden, die Londoner Flottenbesprechungen, wenn auch nur vorübergehend, nach Washington zu verlegen. — Das „Oeuvre" stellt die ganze Angelegenheit ziemlich dramatisch dar. Der französische Botschafter, so schreibt es, sei nur vom Unterstaatssekretär Phillips empfangen worden. Es fei ihm nicht möglich gewesen, den Präsidenten Roosevelt oder Staatssekretär Hüll zu sprechen. Aus seine Vorstellungen hin habe man ihn wissen lassen, daß die Flottenfrage in London behandelt würde. Die französische Abordnung müsse sich in London über die Höchsttonnage für Schlachtschiffe m i t dem Führer der amerikanischen Abordnung Norman Davis einigen. Diese in der Tat etwas kühle Aufnahme bezeichnet das
lin hatte über die Vernichtung der Rinder während des Moskauer Kongresses gesprochen. Aus diesem Notstand der Urkraine machte auch die Sowjetstatistik kein Hehl. Selbst Herriot, der „mit dem kühlen Blick des alten Verwaltungsfachmannes" reifte, wagte die Frage, wie ein gewisser Milchmangel zu erklären sei. Tief befriedigt verkündete er der Welt den blutigen Witz, den der Staatsälteste Kalinin ihm aufgebunden hatte. Die Milchproduktion sei wohl außerordentlich gestiegen, doch die sozialen Werke hätten sich noch schneller entwickelt, so daß man die Milch habe reglementieren müssen.
Die Blamage des französischen Staatsmannes wäre bloß lächerlich, wenn seine unglaubliche Irreführung nicht so verhängnisvolle Folgen gehabt hätte. Die Sowjets mißbrauchten ihn schamlos und ließen sich von ihm sogar bestätigen, daß das Lebensniveau der Bevölkerung in der toorojet- union „im Vergleich zum Jahre 1992 9anz unvergleichlich gestiegen sei". In einer Zeit wo Moskau das Nationalgefühl des ukrainischen Dol^s mit Hilfe des Hungers, aber auch durch Massenausweisungen der nationalbewußten Ukrainer zertrat, erklärte Herriot: „Mich hat es überrascht, wie Sie
es verstehen, die Achtung vor dem Geist der Zivilisation mit der Achtung vor dem unkrainischen Nationalgefühl in Einklang zu bringen." Ja, Herriot ging im Verrat an ber Kultur Westeuropas so weit, daß er sich zu Urteilen hinreißen ließ, in denen die kommunistischen Grundsätze bedingungslos anerkannt wurden. Dem russischen Volk erklärte er, daß nur die russische Revolution ihr Problem einer „glücklichen Lösung zuführen" konnte, und den Schülern einer kommunistischen Musterschule schrieb er ins Ehrenbuch, daß ihnen „prächtige Grundsätze" beigebracht würden.
Indem Herriot die geschauten Potemkin-Dörfer seinem und damit der Welt in Vorträgen und Artikeln als Wahrheit, schilderte, indem er den Hunger in Rußland als ein Produkt der Hitler-Propaganda brandmarkte, hat er eine ungeheure Veranwortung auf sein Haupt geladen. Das Blut von Millionen, denen bei gründlicher Hilfe durch eine Weltaktion hätte geholfen werden können, schreit zum Himmel. Die Sowjetunion ist in den bis dahin von ihr geschmähten Völkerbund eingezogen und sucht immer festeren Fuß in Westeuropa zu fassen. Möge das französische Volk nicht
die Hilfe bezahlen müssen, die Herriot als schuldiges Opfer eines durchsichtigen Riesenbetruges dem Eindringen des Kommunismus nach Westeuropa geleistet hat.
Iagdbesuch Görings in polen.
Warschau, 19. Febr. (DNB.) Ministerpräsident Göring und Frau Göring trafen in Warschau ein. Auf dem Bahnhof Hattern sich u. a. der deutsche Botschafter und Frau o. M o l t k e, Frau Beck und Graf Lubienski mit Frau eingefunden. Ministerpräsident Göring machte einen Besuch beim Ministerpräsidenten Äofcial- k o w s k i, hatte eine Audienz beim Staatspräsidenten und besuchte ben Außenminister Beck, bei bem bann ein Frühstück ftattfanb. Am Nachmittag reiste Göring im Sonberzuge nach Bialo« w l e s ch , wo er einige Tage zur Jagd bleiben wirt. Mit dem Ministerpräsidenten reisten Botschafter von Moltke, Graf P o t o ck i, Staatssekretär Körner, Oberlandesforstmeister Dr. Hausen- d o r f f und Oberjägermeister Menthe.


