Ausgabe 
20.2.1936
 
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M. 43 Erstes Blatt

186. Jahrgang

Donnerstag, 20. Zebruar 1036

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potemkinsche Dörfer.

Don (L. von Kügelgen.

Als am 11. Februar in der französischen Kammer lie historische Debatte über die Ratifizierung des kowjetpaktes eröffnet werden sollte, befand sich i ußenminister F l a n d i n in tiefem Gespräch mit jiiouarb Herriot, und die französische Presse i'rmerkte, daß die Unterredung mit offenbarer Übereinstimmung schloß. Durch diesen klei­en Vorgang wird die überraschende Bedeutung Iss Führers der Radikalsozialisten für das Zu- mnbetommen des Sowjetbündnisses unterstrichen. - erriet kann mit Recht als sein g e i st i g e r ^ater bezeichnet werden und ist, wenn nicht alles r ügt, stolz auf diesen fragwürdigen Titel.

herriot hat wie kein anderer französischer Staats­mann dem Einzug des Trojanischen Pferdes aus Moskau die Wege geebnet. Als früherer Minister- päfibent, als Führer der größten bürgerlichen imrtei hatte er an sich außerordentliche Wirkungs- söglichkeiten; er hat sie noch gesteigert, indem er I peimal die Sowjetunion bereiste und nun aus igener Anschauung sein Urteil über die Bündnis- ihiakeit des Kommunistenstaates abgeben konnte, lusfchlaggebend ist hierbei seine letzte Reise c wesen, die in vieler Beziehung eine geradezu ver-

\ fingnisvolle Wirkung hat.

Als Herriot im August 1933 von dieser zwei- wchigen Schnelltournee durch die Sowjetunion rückkehrte, entfesselte das unbeschränkte Lob, das e allem gewidmet hatte, was ihm unter GPU.- (chutz vorgesetzt worden war, neben begeistertem M auch heftigen Widerspruch. Man verglich in ikr ftanzösischen Rechtspresse diese Reise mit der Krtharinas II. unter Führung Potemkins. Aon erzählte sich Witze über die Frechheit, mit der d» Kommissare den nichts ahnenden Gast herein- fliEegt hatten, und schüttelte sich vor Lachen. Aber , v. gab auch Millionen Menschen, die blutige Trä- ! nm weinten, weil ein französischer Staatsmann ml der ganzen Autorität seiner Vergangenheit den IIllassenmord mit Hilfe des Hungers in der Sowjet- I wion leugnete, der Sowjetregierung ein glänzendes !k Fihrungszeugnis ausstellte und damit den inter- ! nilionalen Hilfsaktionen für die verhungernde Be- 1 * oiLteumg weiter Gebiete der Ukraine und anderer ! Länder des Sowjetreiches in den Rücken fiel.

Kürzlich ist in Wien das Werk eines der besten hnner des heutigen Rußland, des Sekretärs des Interkonfessionellen und übernationalen Hilfs- tmitees für die sowjetrussischen Hungergebiete", tamfö Ammende, unter dem TitelM u ß Rußland hungern?" erschienen. Ammende ü auch der Initiator der Nansen-Hilfe während k Hungersnot 1921/22 gewesen. Er hat sich (auch ir seinem Amt als Generalsekretär des Europäi- sten Nationalitäten-Kongresses) seit der gewalt­igen Kollektivisierung zu Beginn des Stalinschen Frnfjahresplanes 1929 für eine internationale d'.rchgreifende Hilfsaktion für die Hungernden der vrwjetunion eingesetzt. Denn Ammende sah die Hungersnot in den Kornkammern der Sowjet- unon als unvermeidliche Folge der Kollektivisierung ml) der zwangsweisen Beraubung der Bauern an iild erhob immer wieder warnend seine Stimme.

wie viele andere Kenner der Sowjetagrar- : Mik, wurden trotz des entsetzlichen Hilfegeschreis fiter buchstäblich verhungernden Millionenbevöl- le- ung nicht gehört oder zu wenig beachtet. Die Mße Hilfsaktion im Weltmaßstab ist nicht zu- it ndegekommen. Millionen und aber Millionen «raschen sind im Laufe mehrerer Jahre zugrunde- Wangen.

4vchön im Jahre 1933, als Herriot die Ukraine leiste, haben zahlreiche Reifende, wie der ameri- konisch-jüdische Journalist Harry Lang, der Eng- der Muggeridge, der Franzose P. Verland u. a., «« furchtbare Katastrophe in der Ukraine, ein Massensterben, dem stellenweise bis zu 40 i. H. der Bevölkerung zum Opfer sielen, mit ! schaudern geschaut und darüber berichtet. Herriot rirßte davon wissen, als er im Luxuszuq von Ma durch das Land sauste, Städte und ländliche! Musterwirtschaften besichtigte und binnen fünf tagen die Ukrainestudierte". Ammende schildert <ir Grund der Berichte von Augenzeugen den j^rumphzug Herriots oon Odessa über Moskau bis «n die lettische Grenze. Es ist, wenn auch Herriot inner feuriger gefeiert wird, ein Triumphzug aus- Ueßlich für biß Sowjets. Denn bereinge- Difelte" Herriot rebete wie ein beflissener Schüler tflis nach bem Munbe, was sie für ihre Propa- kiluda brauchten. Für jeben Kenner ber Verhält- nse ein lächerlicher unb zugleich wiberlicher An- :Iit. Er pries die sauberen Städte mit ihrer freund- Iden, ihm Ovationen bereitenden Bevölkerung Mo wie die fortschrittliche Landwirtschaft (sogar

Hilfe oon Flugzeugen) und die kulturellen Ver- ocknisse. Ammende läßt Augenzeugen auftreten, < berichteten, wie die Hauptstraßen der oon Üt'rioi besuchten Städte mit Hilfe oon Poli- i?-kraftwagen gesäubert wurden: von Stiern, Verhungernden, umherliegenden Leichen, knwahrlosten Kindern, Unrat und Schmutz. Dafür Achten bann auf Befehl ber GPU. (Herriots Be­reiter standen unter der Obhut des mächtigen ^U.-Mannes Helfant) wohlgenährte Milizionäre ben hergerichteten Straßen ai^

, für Herriots idyllische Eindrücke-^mf dem Lande dcht der Umstand, daß er strahlend verkündete, Y Towjetregierung sei sogar dafür eingetreten, daß p! jede Bauer wenig st ens eine Kuh ?l'^en solle. Das verkündete er aus einem Lande, £ bem d i e Ernte vor den hungernden 5° u ern militärisch bewacht wurde und £ ben meisten Dösern schon längst nicht nur die S|l,e, sondern auch d i e Katzen und Hunde <Ir 9 e g c ff e n waren. Kein Geringerer als Sta-

Azana bildet in Spanien eine Regierung der Linken.

Siraßenumzüge in Madrid. Befreiung der politischen Gefangenen. Rückkehr der katalanischen Separatisten.

Madrid, 19. Febr. (DNB.) Der spanische Landwirtschaftsminister teilte dem Staatspräsiden­ten mit, daß die Regierung auf Grund der bis jetzt vorliegenden Wahlergebnisse zurückge­treten sei. Der frühere Ministerpräsident und Linksrepublikaner Azana wurde vom Staats­präsidenten mit der Regierungsbildung beauftragt. Azana gab am Spätabend des Mitt­woch die neue Kabinettsliste bekannt. Die neue Regierung setzt sich aus 10 Linksrepublika­nern, zwei Vertretern der Republikani­schen Union und einem Parteilosen zu­sammen. Innenminister Amos Salvador (Linksrepublikaner), Außenminister Augusto Bar - c i a (Linksrepublikaner), Kriegsminister General M a s q u e l e t (parteilos), Marineminister Jose Giral (Linksrepublikaner). Sechs Minister gehör­ten bereits früheren Kabinetten an. Die übrigen find Abgeordnete, die im öffentlichen Leben bisher noch nicht heroorgetreten sind.

Auf die Nachricht von der Bildung der neuen Regierung bildeten sich in Madrid Umzüge. Vor dem Innenministerium brachte die Menge Hoch­rufe auf die linksrepublikanischen unb marxisti­schen Führer unb auf die Republik aus. Die Kund­geber führten zum großen Teil rote Fahnen mit und sangen die Internationale. Der Ministerpräsibent Azana erschien in Begleitung des Präsibenten ber sozialdemokratischen Gewerk­schaften Largo Caballero auf dem Balkon des Innenministeriums unb richtete eine Ansprache an die Massen. Er erklärte, baß das Regierungspro­gramm ohne Abstriche verwirklicht werbe unb daß am Donnerstag alle Gemeinbeverwaltun- g e n in ihrer parteipolitischen Zusammensetzung vom 12. April 1931, bie auf Grund der Ereignisse vom Oktober 1934 aufgehoben worben waren, wieber eingesetzt werben würden. Der Mini­sterpräsident forderte dann die Menge auf, aus- einanderzugehen und mit Vertrauen der kommen­den Arbeit der Regierung entgegenzusehen. Sämt­liche Polizeistreifen waren zur Vermeidung von Zwischenfällen von der Straße zurückgezogen worden.

Der Generalstaatsanwalt hat die vorläufige Freilassung aller wegen politischer und sozialer Vergehen in Untersu­chungshaft befindlichen Gefangenen angeordnet. Die Gefangenen der Strafanstalt San- tena haben rebelliert. Der Aufruhr konnte erst durch die Polizei unterdrückt werden. Drei Personen sollen getötet unb mehrere verletzt worden sein. Auch in Bübao erhoben sich die Sträflinge bei der Nachricht oon ihrer baldigen Freilassung gegen die Gefängnisbeamten, steckten Betten unb Stühle in Brand und verprügelten die Feuerwehrleute. Poli­zei stellte die Ruhe wieder her. Der General- st r e i k i n Saragossa ist auf Veranlassung der Leitung der marxistischen und syndikalistischen Ar­beitergewerkschaft abgebrochen worden. Das Leben in der Stadt nimmt seinen normalen Gang. In der Nacht zum Mittwoch sind bei Schießereien zwischen der Polizei und den Streikenden noch zwei Personen schwer verletzt worden.

Moskaus Ratschläge.

Moskau, 19. Febr. (DNB.) Das Ergebnis der spanischen Wahlen wird in Moskau begreif­licherweise mit großer Genugtuung aufge­nommen. Das Blatt der Komintern, diePr awda", verzeichnet begeistert diestarke Linksentwicklung der spanischen Massen" und diescharfe Polarisa­tion der Klassenkräfte". DiePrawda" mißt dem Sieg der Volksfront in Spanien größte Bedeutung für die internationale proletarische Bewegung bei unb erteilt ihren spanischen Genossen gute Rat­schläge, wie burch eine Verwirklichung des Pro­gramms der Volksfront dieser Sieg fest verankert werden könne. Als besonders wichtig empfiehlt das Blatt die Enteignung des Großgrund- b e s i tz e s und die sofortige Befreiung aller politischen G e f a n g e n e n. Daß es ihm da­bei auf eine Einmischung in die spanischen Ver­hältnisse nicht ankommt, ergibt sich aus der weite­ren dringenden Empfehlung an die spanischen Kom­

munisten, sich mit diesen Maßnahmen nicht zu­frieden zu geben. Es sei vielmehr erforderlich, weiter fürdie demokratische Revolution" (!) zu kämpfen und in Dorf und Stadt die Aktivität der werktättgen Massen zu entfalten.

Manuel Azana.

Manuel Azana wurde 1880 geboren. Er studierte Jura und wurde Rechtsanwalt. Aber als politischer Schriftsteller machte er sich einen Namen. 1926 er­hielt er für seine SchriftDas Löben des Juan

Valera" den spanischen Nationalpreis für Litera­tur. Azana hat auch eine Neuübersetzung der Bibel in Spanisch herausgegeben, die als ein klassisches Werk der spanischen Literatur gilt. Als langjähriges Mitglied desAteneo", jenes berühmten Madrider Klubs, der alle bedeutenden Denker Spaniens ver­eint, übernahm er die Stellung des Generalsekretärs.

In dem ersten republikanischen Kabinett Zamora vom 14. April 1931 übernahm Azana das Ministe­rium des Krieges. Nach Rücktritt Zamoras am 14. Oktober 1931 infolge Annahme eines Verfas­sungsartikels über Auflösung der religiösen Orden und Abschaffung der offiziellen Staatsreligion über­nahm Azana, der beträchtlich weiter links steht, die Regierung unter Beibehaltung des bisherigen Ka­binetts. Aber schon im Dezember 1931 kam das Ka­binett Azana durch die Machenschaften des Außen­ministers Lerroux in Schwierigkeiten und trat zu­

rück. Azana wurde jedoch wieder mit der Führung der Regierung betraut und behielt auch das Kabinett mit einer parteimäßigen Verschiebung nach links in feinen Grundzügen bei. Am 27. Mai 1932 erklärte Azana die Autonomie Kataloniens im Rahmen des spanischen Staatsverbandes. Im Ja­nuar 1933 kam es zu Putschen anarchistischer Syn­dikalisten. Am 8. Juni 1933 trat Azana abermals zurück, bildete aber am 13. Juni sein drittes Kabi­nett. Als die Wahlen der Gemeindevertretungen zum Staatsgerichtshof einen scharfen Ruck nach rechts brachten, trat Azana am 8. September 1933 erneut zurück. Präsident Zamora beauftragte darauf Lerroux mit der Regierungsbildung. Azana gründete im April 1934 eine neue Partei unter dem NamenDie republikanische Linke". Diese neue Partei mit Azana an der Spitze war dann führend an dem Separatistenaufstand in Katalonien im September 1934 beteiligt, wobei Azana zum Präsidenten der beabsichtigten spanischen föderativen Republik ausgerufen wurde. Mie Ma- orider Regierung schlug diesen Austtand jedoch mit aller Schärfe nieder.

Gil Nobles auf Urlaub.

Madrid, 19. Febr. (DNB.) Der Führer der Katholischen Volkspartei, Gil Ribles, hat die Leitung der Parteigeschäfte bis auf weiteres nieder­gelegt und ist beurlaubt worden. An seine Stelle tritt der frühere Landwirtschaftsminister Gimenez Fernandez. Die Beurlaubung des Ceda-Führers gilt als eine Folge der Niederlage der Rechten bei den Wahlen, für die die verfehlte Politik oon Gil Nobles verantwortlich gemacht wird. Hinter der Maßnahme vermutet man Herrera, den Präsidenten der Katholischen Aktion.

Rückkehr der katalanischen Separatisten.

Madrid, 19. Febr. (DNB.) Aus Barcelona wird gemeldet, daß sich der frühere Präsident des katalanischen Parlaments, Casanova, der im vergangenen Jahr aus dem Gefängnis in Barcelona nach Paris entkommen konnte, sich wie­der in der katalanischen Hauptstadt befindet. Casanova, der wegen seiner Beteiligung am Separatistenaufstand im Oktober 1934 z u l e - b e n s l ä n g l i ch e m Zuchthaus verurteilt worden war, soll beim Eintritt der Abgeordneten in den Sitzungssaal auf dem Präsidentenstuhl ge­sessen haben, ohne daß jemand vorher von seiner Rückkehr Kenntnis gehabt hat.

Um die Höchsttonnage der Schlachffchiffe.

Eine französische Anfrage in Washington.

London, 19. Febr. (Reuter.) Die französische Regierung hat außerhalb der Londoner Flotten­konferenz unmittelbare Verhandlungen mit der amerikanischen Regierung in der Schlachtschiff-Frage aufgenommen. Sie hat durch ihren Botschafter in Washington die amerikanische Regierung ersuchen lassen, einer Ver­minderung der Tonnage der Schlacht­schiffe zuzustimmen. Falls man in Washington jedoch hartnäckig bleibt, so wird Frankreich, wie Reuter wissen will, voraussichtlich nachgeben und dem amerikanischen Vorschlag einer H ö ch st - tonnage von 3 5 0 0 0 Tonnen und 42- cm - G e s ch ü tz e n für Schlachtschiffe zustimmen.

Das Ende der Flottenkonferenz steht damit vor der Tür. Man nimmt an, daß die technischen Ab­machungen über die gualitatioen Begrenzungen und den Austausch von Benachrichtigungen in der ersten Märzwoche paraphiert werden. Dann wird ein Protokoll abgefaßt werden, in dem grund­sätzlich festgelegt wird, daß andere Mächte eingeladen werden sollen, dem Flottenvertrag beizutreten, der dann im Herbst unterzeichnet wer­den würde. Bis dahin sollen zweiseitige Besprechun­gen mit den anderen Mächten stattfinden.

Ablehnung wahrscheinlich.

Paris, 20. Febr. (DNB. Funkspr.) Der Son­derberichterstatter desPetit Parisien" will melden können, daß die Antwort der amerika­nischen Regierung heute oder morgen dem französischen Botschafter übermittelt werde. Man glaube nicht, daß die amerikanische Regierung den französischen Wünschen entsprechen werde. Außer­dem wolle die Regierung es vermeiden, die Lon­doner Flottenbesprechungen, wenn auch nur vor­übergehend, nach Washington zu verlegen. Das Oeuvre" stellt die ganze Angelegenheit ziemlich dramatisch dar. Der französische Botschafter, so schreibt es, sei nur vom Unterstaatssekretär Phil­lips empfangen worden. Es fei ihm nicht möglich gewesen, den Präsidenten Roosevelt oder Staatssekretär Hüll zu sprechen. Aus seine Vor­stellungen hin habe man ihn wissen lassen, daß die Flottenfrage in London behandelt würde. Die französische Abordnung müsse sich in London über die Höchsttonnage für Schlachtschiffe m i t dem Führer der amerikanischen Ab­ordnung Norman Davis einigen. Diese in der Tat etwas kühle Aufnahme bezeichnet das

lin hatte über die Vernichtung der Rinder während des Moskauer Kongresses gesprochen. Aus diesem Notstand der Urkraine machte auch die Sowjetstati­stik kein Hehl. Selbst Herriot, dermit dem kühlen Blick des alten Verwaltungsfachmannes" reifte, wagte die Frage, wie ein gewisser Milchmangel zu erklären sei. Tief befriedigt verkündete er der Welt den blutigen Witz, den der Staatsälteste Kalinin ihm aufgebunden hatte. Die Milchproduktion sei wohl außerordentlich gestiegen, doch die sozialen Werke hätten sich noch schneller entwickelt, so daß man die Milch habe reglementieren müssen.

Die Blamage des französischen Staatsmannes wäre bloß lächerlich, wenn seine unglaubliche Irreführung nicht so verhängnisvolle Folgen ge­habt hätte. Die Sowjets mißbrauchten ihn scham­los und ließen sich von ihm sogar bestätigen, daß das Lebensniveau der Bevölkerung in der toorojet- unionim Vergleich zum Jahre 1992 9anz unver­gleichlich gestiegen sei". In einer Zeit wo Moskau das Nationalgefühl des ukrainischen Dol^s mit Hilfe des Hungers, aber auch durch Massenaus­weisungen der nationalbewußten Ukrainer zertrat, erklärte Herriot:Mich hat es überrascht, wie Sie

es verstehen, die Achtung vor dem Geist der Zivili­sation mit der Achtung vor dem unkrainischen Na­tionalgefühl in Einklang zu bringen." Ja, Herriot ging im Verrat an ber Kultur Westeuropas so weit, daß er sich zu Urteilen hinreißen ließ, in denen die kommunistischen Grundsätze bedingungs­los anerkannt wurden. Dem russischen Volk erklärte er, daß nur die russische Revolution ihr Problem einerglücklichen Lösung zuführen" konnte, und den Schülern einer kommunistischen Musterschule schrieb er ins Ehrenbuch, daß ihnenprächtige Grundsätze" beigebracht würden.

Indem Herriot die geschauten Potemkin-Dörfer seinem und damit der Welt in Vorträgen und Ar­tikeln als Wahrheit, schilderte, indem er den Hunger in Rußland als ein Produkt der Hitler-Propa­ganda brandmarkte, hat er eine ungeheure Veranwortung auf sein Haupt geladen. Das Blut von Millionen, denen bei gründlicher Hilfe durch eine Weltaktion hätte geholfen werden kön­nen, schreit zum Himmel. Die Sowjetunion ist in den bis dahin von ihr geschmähten Völkerbund ein­gezogen und sucht immer festeren Fuß in West­europa zu fassen. Möge das französische Volk nicht

die Hilfe bezahlen müssen, die Herriot als schul­diges Opfer eines durchsichtigen Rie­senbetruges dem Eindringen des Kommunis­mus nach Westeuropa geleistet hat.

Iagdbesuch Görings in polen.

Warschau, 19. Febr. (DNB.) Ministerpräsi­dent Göring und Frau Göring trafen in Warschau ein. Auf dem Bahnhof Hattern sich u. a. der deutsche Botschafter und Frau o. M o l t k e, Frau Beck und Graf Lubienski mit Frau einge­funden. Ministerpräsident Göring machte einen Besuch beim Ministerpräsidenten Äofcial- k o w s k i, hatte eine Audienz beim Staatsprä­sidenten und besuchte ben Außenminister Beck, bei bem bann ein Frühstück ftattfanb. Am Nachmit­tag reiste Göring im Sonberzuge nach Bialo« w l e s ch , wo er einige Tage zur Jagd bleiben wirt. Mit dem Ministerpräsidenten reisten Botschaf­ter von Moltke, Graf P o t o ck i, Staatssekretär Körner, Oberlandesforstmeister Dr. Hausen- d o r f f und Oberjägermeister Menthe.