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tet finden wir den Bauern am Ursprung, dessen Arbeit die Grundlage für alle Berufsarbeit wurde. Der Handwerker steht neben dem Bauern, denn der Bauer bedarf des Arbeiters, der ihm feine Handwerkzeuge schafft, und beide ergänzen sich. Dem Arbeiter ist im Ringen um einen neuen Glauben die soziale Verbundenheit zuerst auf­gegangen. Seine Arbeit bekommt neuen Sinn in oer sozialistischen Verbundenheit mit dem Gesamt- schafsen feines Volkes. Aus dem Grundsatz: Einer für alle und alle für einen! ist zugleich abgeleitet die Verpflichtung des Staates, dem Arbeiter die Grundlage für eine freudige Arbeit zu sichern.

Die nationalsozialistische Regierung Adolf Hitlers ist unermüdlich bestrebt, den letzten Volksgenossen in Arbeit zu bringen und ihm seine wirtschaftliche Lage zu verbessern. In diesem Zusammenhang wies der Vortragende aus die Rede des Führers hin, die dieser anläßlich Der Jahrhundertfeier der deutschen Eisenbahn in Nürnberg gehalten hat. Der Führer habe in dieser Rede betont, daß man aerobe in der Eisenbahn das erste ganz große sozialistische Unternehmen zu sehen habe gegen­über den Gesichtspunkten der Vertretung rein kapi­talistischer Einzelinteressen. Der Führer wies ferner darauf hin, daß sich der sozialistische Charakter der Reichsbahn auch darin ausdrücke, daß sie eine Warnung darstelle gegenüber den ausschließlichen Ansprüchen der privatkapitalistischen Doktrin. Die Reichsbahn, das größte Wirtschaftsunternehmen und der größte Auftraggeber der ganzen Welt, fei der lebendige Beweis dafür, daß man sehr wohl ein Gemeinschaftsunternehmen führen könne, ohne privatkapitalistische Tendenz und ohne privatkapita­listische Führung. Dabei sei dieser im höchsten Sinne des Wortes sozialistische Gemeinschaftsbetrieb der bestgeleitete, bestorganisierte und kaufmännisch ren­tabelste Betrieb.Berufskameraden", so sagte der Redner weiter,Sie sind zu beglückwünschen, in einem solchen, in wirtschaftspolitischer Hinsicht einzigartigen und richtunggebenden Betrieb arbeiten zu können zum Wohle des Volksganzen, daß Sie als Wirtschaftspioniere einer neuen Zeit und eines neuen Geistes arbeiten dürfen für einen Staat, der sich ganz aufbauen soll auf dem Gedanken, daß Gemeinnutz vor Eigennutz zu stehen hat." Der Vortragende vollendete die Betrachtungen über die Entwicklung des Arbeiters mit der Feststellung seiner kulturellen Leistungen, die ihn als Glied zwischen Bauer und Geistesarbeiter stellen. Der Geistesarbeiter, als die dritte Grundform, schaffe ebenfalls aus dem Ursprünglichen; denn vor Pflug und Hammer war der Geist. Das leitet aber nicht ein Sonderrecht der Ueberheblichkeit ab, da er ur­sprünglich nur bleibe in der Verbindung mit Bauer und Arbeiter. Nach einigen grundsätzlichen Aus­führungen über die Aufgaben und Verpflichtungen des Beamten schloß Kreisamtsleiter Ulrich seinen Vortrag mit dem Hinweis auf den Führer als das hervorragendste Vorbild für1 Den deutschen Beamten.

Den mit starkem Beifall aufgenommenen Ausfüh­rungen ließ Fachschaftsleiter R e u s ch in packenden Worten die Schilderung der Reichsgründung durch den eisernen Kanzler Bismarck, deren Tag sich jährte, folgen, der er eine Betrachtung über die Entwicklung des Reiches bis zur Wiedergewinnung der Macht durch den Nationalsozialismus anschloß. In das auf Volk und Führer ausgebrachteSieg- Heil" wurde freudig eingestimmt und die ersten Verse des Horst-Wessel- und des Deutschland-Liedes gesungen.

Im Auftrage des Intendanten und der NSG. Kraft durch Freude" richtete Herr Kurt Richter vom Gießener Stadttheater einen packenden Appell an die Kameraden von der Reichsbahn, so weit es ihnen der Dienst erlaube, das Theater zu besuchen und nach eigenen Kräften durch die Entsendung ihrer Frauen das Theater zu unterstützen. Er wies auf die Werbeveranstaltungen hin und darauf, daß einem gemeinsamen Werk der Erfolg nicht versagt fein werde. Die Erhaltung dieses Kunstinstitutes sei Nicht müde werden,

Annelies!

Vornan von Bernhard Lonzer.

Urheberrechtsschutz: Aufwärts-Derlag, Berlin.

Schluß.

Versteh' mich nicht falsch", fuhr sie fort.Ich sage nicht, daß du mich bewußt belügst, dessen bist du nicht fähig. Ich kann nur deinem Herzen nicht mehr glauben. Du glaubst ihm ja selber nicht mehr. Heute meinst du, daß es nur Mitleid ist, und mor­gen rüttelst du an den Fesseln, die dich an mich binden. Ich bin dessen müde geworden, es muß ein Ende haben. Je eher es geschieht, desto besser ist es für uns alle beide."

Eine müde Traurigkeit war in der Bewegung, mit der sie den Blick wieder dem Fenster zuwandte. Günter sah ihr mit schmerzenden Augen in das verhärmte Gesicht, das er nie so sehr geliebt hatte wie in diesem Augenblick.

Er hätte sie in seine Arme nehmen und sagen mögen:Es ist ja alles nicht wahr, Annelies! Es war ja nur ein böser Traum. Ich liebe dich, nur dich!" Aber sie war ihm so weit entrückt, so fern und fremd geworden. Sie war müde geworden bei den inneren Kämpfen ja, und sie war ihm dabei entglitten. Nun war es also wirklich so weit, daß ihm nichts blieb nichts als das Bewußtsein, ein liebendes, vertrauendes Menschenherz langsam zu­grunde gerichtet zu haben...

Er atmete ein paarmal schwer, bann trat er roieber auf sie zu

Ich kann es verstehen, Annelies, wenn du müde geworden bist keiner kann es so gut verstehen wie ich, der ich schuld daran bin! Aber laß das nicht dein letztes Wort sein. ,Jch werde immer für dich da sein!' hast du mir damals gesagt weißt du es noch? Und ich bitte dich, bleib mir Annelies bleib mir! Du weißt ja nicht, wie sehr ich dich noch brauche."

Ein leises Zucken ging um ihre Lippen. Sie sah ihn nicht an, aber sie sagte:

Ich bin ja da, ich bleibe ja da. Du wirst mich immer finden, wenn du mich brauchst. NUr du sollst dich nicht mehr an mich gebunden fühlen."

Er nahm ihre Hand und zog sie an seine bren­nenden Augen. Sie ließ es geschehen. Dann entzog sie ihm die Hand wieder. Mit langsamen, schweren Schritten ging sie hinaus in die Küche.

16. Kapitel.

Costa trat an die Loge des Pförtners vom Con­tinental-Hotel heran.

Ich möchte zu Frau Rechberg. Die Zimmer­nummer, bitte!"

Nummer drei, erstes Stockwerk!" lautete die höflich gegebene Auskunft.

Costa dankte kurz und wandte sich wieder ab. Einer der Hotelpagen machte ihn zuvorkommend

AuW zum Reichsberufswettkamps 1936.

Tagung der Wettkampfleiter und -leiterinnen aus 15 Kreisen in Gießen.

Am geftriaen Sonntag fand im Saale des Licht­spielhauses, Bahnhofstraße, in Gießen eine Tagung der Wettkampfleiter und -leiterinnen zur Vorbe­reitung des Reichsberufswettkampfes 1936 statt. An der Tagung nahmen etwa 400 Personen aus 15 Kreisen des Gaues Hessen-Nassau teil.

Nach einem musikalischen Gruß des Musikzuges der Gießener HI. und dem gemeinsam gesungenen LiedeBrüder in Zechen und Gruben" sprach

Gaujugendwalter Sauer

über den Sinn und Zweck der Reichsberufswett­kämpfe, deren dritten die deutsche Jugend Anfang Februar durchführt. Der Redner begrüßte es mit Freude, daß das Verständnis für das Wollen und die Ziele der HI. in immer breitere Volkskreise immer tiefer einbringt und sich immer mehr Helfer der Sache der HI. zur Verfügung stellen. Er wies weiter darauf hin, daß unter den Verhältnissen des früheren Systems und auch vor dem Kriege bei der tiefen Spaltung unseres Volkes ein Unter­nehmen wie der Reichsberufswettkampf unmöglich war, aber heute, da der Führer das ganze deutsche Volk geeint und mit einem einheitlichen Willen er­füllt hat, mit Leichtigkeit durchzuführen ist. Bei dieser Arbeit zum Wohle der deutschen Jugend und zum Nutzen des ganzen deutschen Volkes begrüßt die Jugend alle Helfer, die sich zu ihr bekennen, auch an Jahren ältere Menschen, deren Herzen und Denken aber jung geblieben und die darum als in ihrem Wirken und Streben der Jugend gleichgerichtet anzusehen sind. Mit Hilfe dieser an Erfahrungen reichen Volksgenossen, aber auch aus der eignen Kraft der Jugend soll der Reichsberufs­wettkampf dem Zweck dienen, die Mängel der früheren Berufsausbildung zu beseitigen und das fachliche Können der Arbeiter der Stirn und der Faust immer mehr zu vertiefen und zu vervoll­kommnen, damit ein hervorragend ausgebildeter fachlicher Nachwuchs auf allen Gebieten der Arbeit geschaffen wird.

Wie stark das Interesse der Jugend an den Reichsberufswettkämpfen sich gesteigert hat, geht daraus hervor, daß im Gau Hessen-Nassau im Jahre 1934 rund 18 000, im Jahre 1935 rund 32 000 Teilnehmer am Berufswettkampf zu verzeichnen waren, für den bevorstehenden Wettkampf aber 56 000 Jungens und Mädels des Gaues Hessen- Nassau sich gemeldet haben und damit die in Be­tracht kommende Jugend fast restlos erfaßt ist. Rund 8000 Wettkampfleiter in über 300 Orten des Gaues werden diese Arbeit in ehrenamtlicher Tätig­keit leiten, wie überhaupt die ganze Vorarbeit und die Auswertung des Reichsberufswettkampfs in völlig ehrenamtlicher Arbeit vollbracht wird. Aus den Erfahrungen dieses Reichsberufswettkampfes soll dann auch die künftige Winter-Schulungsarbeit bestimmt werden.

Mit der eindrucksvollen Aufforderung, in der Ar­beit und ihrer Erledigung immer nur Dienst an Deutschland zu sehen und sich dabei stets vor Augen zu halten, daß die nationalsozialistische Weltanschau­

ung und die Arbeit eine untrennbare Einheit zum gedeihlichen Aufbau des deutschen Volkes sind, schloß der Redner seine von starkem Beifall begleiteten Ausführungen.

3g. Niese

von der Gaujugendwaltung gab sodann an Hand der Bewertungsbogen für den Reichsberufswett­kampf eine Reihe von technischen Aufklärungen. Dabei teilte er u. a. mit, daß für praktische Ar­beiten 70 Punkte als Höchstzahl in Betracht kom­men, für theoretische Arbeiten 30 Punkte und für weltanschauliche Aufgaben 20 Punkte; bei den Mädels kommen außerdem für Arbeiten auf dem hauswirtschaftlichen Gebiete noch 30 Punkte als Höchstzahl in Betracht. Danach kann ein Junge bei vollwertigen Leistungen auf allen Aufgaben­gebieten im Höchstfälle 120 Punkte, ein Mädel im Höchstfälle 150 Punkte erringen.

Für den 2. Februar ist ein großer Teilnehmer­appell mit der feierlichen Aushändigung der Be­teiligungsurkunden vorgesehen.

Die Auswertung der Ergebnisse wird nach den Anordnungen der obersten Leitung des deutschen Berufswettkampfes so beschleunigt durchgeführt, daß wiederum, wie bisher schon, am Tage der natio­nalen Arbeit, 1. Mai, bas Ergebnis der Öffentlich­keit bekanntgegeben wird.

3gn. Leus

als Vertreter des Reichsjugendamtes, sprach der Versammlung die Grüße des Obergebietsführers Axmann, des Organisators des Reichsberufs­wettkampfes, aus und berichtete weiter über Fragen der Organisation und der Auswirkungen dieses Wettbewerbs. Zum Schlüsse nahm er den Wett­kampfleitern und -leiterinnen die Verpflichtung ab, sich voll und ganz für ihre Aufgaben einzusetzen im Geiste des ersten Arbeiters des Dritten Reiches, des Führers Adolf Hitler. Hierauf wurde die Tagung in üblicher Weife mit dem Gruß an den Führer geschloffen.

Im Laufe des Sonntagnachmittag fanden noch Sondertagungen der einzelnen Berufsgruppen statt, in denen Spezialfragen behandelt und geklärt wurden.

Neichsberusswettkampf und Berufsschulunterricht.

Die Landesregierung Abt. II hat an die Kreis- und Stadtschulämter folgende Verfügung gerichtet:

Zur Durchführung des Reichsberufswettkampfes kann auch in diesem Jahre der Unterricht in der Berufsschule in der Zeit vom 3. bis 15. Februar ausgesetzt werden. Ich erwarte, daß sich die Lehrkräfte, soweit sie be­nötigt werden, zur Verfügung stellen und ersuche die Schulämter, olle Einzelheiten mit den örtlichen Dienststellen der Jugendwoltung der Deutschen Ar­beitsfront zu vereinbaren und eine reibungslose Abwicklung sicherzustellen.

Angelegenheit jedes Einzelnen, und mit frischem Mut sei schon manches schwere Werk geschafft worden.

Gemeinsame Gesänge, musikalische Darbietungen und Unterhaltung füllten im übrigen das kamerad­schaftliche Beisammensein aus.

*

* * Schulpersonalien. Ernannt wurden der Lehrer Jakob U s i n g e r zu Alsfeld zum Rektor an einer Volksschule im hessischen Landesdienst; der pro­visorische Gewerbelehrer August Schwarzhaupt

aus Ranstadt, Kreis Büdingen, unter Berufung in das Beamtenverhältnis zum Gewerbelehrer an einer Berufsschule im hessischen Landesdienst.

* * I n den Ruhe st and versetzt wurde der Bürodirektor Philipp Haller bei dem Hessischen Hochbauamt Gießen unter Anerkennung seiner dem Reiche geleisteten treuen Dienste.

* * Eine Fünfundsiebzigjährige. Am heutigen Montag, 20. Januar, kann Frau Johannette Zinn, geb. Reitz, Ederstraße 4 wohnhaft, in bester geistiger und körperlicher Frische ihren 75. Geburts-

auf den Fahrstuhl aufmerksam, aber er verzichtete darauf. Mit festen, elastischen Schritten stieg er die mit einem breiten Läufer belegte Treppe hinauf.

Ein erwartungsvollesHerein!" antwortete ihm auf sein kurzes Klopfen an die Tür zu Mias Zim­mer. Langsam öffnete er die Tür und blieb einen Augenblick stumm auf der Schwelle stehen.

Von der beguemen Chaiselongue an der linken Wand des Zimmers hob sich langsam der Ober­körper einer schönen Frau. Die geschmeidige Span­nung dieser Bewegung löste sich plötzlich und wurde zu einer jähen Haltlosigkeit. Den linken Ellbogen aufgestützt, starrte Mia mit schreckhaft geweiteten Augen und kreideweißem Gesicht dem Besucher ent­gegen, der jetzt langsam über die Schwelle trat und die Tür hinter sich schloß.

Das hast du wohl nicht erwartet?" sagte Costa mit einem harten Gesicht, wie sie es nicht an ihm kannte.

Die gefürchtete Stunde war da. Und Costas Auf­treten zeigte nur zu deutlich die Gefahr, die mit ihm kam.

Mit gewaltsamer Anstrengung richtete Mia sich vollends auf und zwang ein Lächeln auf ihr Gesicht. Costa legte die Hände in die Seiten und sah sie aus halb geschlossenen Augen an.

Was für ein komisches Lächeln du hast! Das kennt man ja noch gar nicht an dir. Du hast doch nicht etwa Angst vor mir?"

Einen Augenblick noch schwieg Mia. Dann lachte sie plötzlich auf.

Was für ein Einfall! Aber ich bin natürlich überrascht, daß du da bist Also hast du mich wirk­lich aufgestöbert. Aber ich freue mich, es fängt hier schon langsam an, langweilig zu werden."

Sie streckte ihm die Hand entgegen.

Er behielt seine Haltung bei und sah auf ihre Hände herab.

Was für wundervolle Hände du hast! Hände, die man lieben konnte. Wenn man wahnsinnig ge­nug wäre, es zu tun. Nur es scheint, daß sie nach allem greifen müssen, was ihnen gefällt. Ist es nicht so?"

Mia ließ die Hand sinken. Ihre Augen schlossen sich zu einem kleinen Spalt. Sie suchte vergeblich nach Worten.

Also du freust dich, daß ich da bin?" fuhr Costa fort.Kann ich mir denken. Du brennst natürlich darauf, mir zu berichten, wie es Günter Sartorius geht nicht wahr?"

Mia erschrak. Also wirklich! Er wußte...

Sie riß sich wieder zusammen.

Ach, Sartorius...? Erinnerst du dich an den überhaupt noch?"

Dann lachte sie plötzlich wieder auf.

Du bist doch nicht etwa gar eifersüchtig?" Eifersüchtig? Der Himmel bewahre mich davor!" Na, Gott sei Dank! Ich habe ihn übrigens wirk­lich ein paarmal getroffen."

Ich weiß!"

"So? Du scheinst ja gut unterrichtet zu sein. Also doch ein bißchen Eifersucht! Sartorius ist übrigens verlobt und wird bald heiraten."

Hoffentlich!"

Mia sah iyn wieder unsicher an.

Wie meinst du das?"

Ich hoffe, daß er bald heiraten wird. Aber nicht dich, sondern die kleine Fahrenkamp."

Mia verfärbte sich wieder. Costa richtete sich auf.

Ehe ich sage, weshalb ich gekommen bin, wirst du mir freundlichst ein paar Fragen beantworten. Erstens: Du hast mich los sein wollen nicht wahr?"

Das ist ein bißchen heftig ausgedrückt, finde ich. Ueberhaupt..."

Zweitens: Du bist jetzt hinter Sartorius her?" Ein zuckendes Lachen antwortete ihm.

Ja oder nein?" forderte er.

Sie bog sich unter seinem Blick unwillkürlich zu­rück. Ihre Gedanken kreisten wie in einem Wirbel. So kam man nicht zum Ziel; wenn Costa die Ober­hand gewann, war alles verloren. Man mußte es auf andere Weise versuchen.

Sie richtete sich plötzlich auf, ein kleiner Blitz schoß aus ihren Augen.

Du, hör mal, in solchem Ton lasse ich nicht mit mir reden, das solltest du eigentlich wissen. Wenn dir an meiner Freundschaft gelegen ist, dann betrag' dich auch, wie es einem anständigen und vernünf­tigen Menschen zukommt. Du benimmst dich ja geradezu unglaublich. Ich mochte zu deiner Ent­schuldigung annehmen, daß du ein bißchen stark gefrühstückt hast."

Auf Costas Gesicht erschien ein hartes Lächeln.

Ich habe weder zu stark gefrühstückt, noch ist mir an deiner Freundschaft gelegen. Ich bin in doppel­ter Hinsicht nie nüchterner gewesen als in diesem Augenblick. Das wäre das Erste, was ich dir zu sagen hätte. Und das Zweite: Sartorius ist trotz allem ein durchaus anständiger Charakter. Ich lasse nicht zu, daß du mit ihm dasselbe Spiel treibst wie mit mir, oder daß er mit einer Frau, wie du es bist, in sein Unglück rennt."

Ein leises, unterdrücktes Zischen kam von Mias Lippen.

Ach so, wenn ich recht verstehe, willst du zu ihm gehen und ein bißchen die Klatschbase spielen...?"

Ihre Stimme triefte von Hohn, aber in ihr war eine wühlende Angst, die ihr schönes Gesicht zu einer Grimasse verzerrte.

So ungefähr ist es", erwiderte Costa unbewegt. Und damit du ganz klar siehst, warum ich zu die­sem mir keineswegs sympathischen Mittel greife: Ich tue es um seiner Braut willen. Ich habe sie kennengelernt und gesehen, daß sie ein todunglück­liches Menschenkind ist. Todunglücklich durch dich! Ihr will ich wieder zu ihrem Glück zu verhelfen versuchen."

Wenige Augenblicke später stand Costa wieder auf der Straße. Er sah aus wie ein Mensch, der etwas Häßliches von sich abgetan hat.

Annelies staubte in der Diele die Möbel ab. Es geschah rein mechanisch und war zudem überflüssig; die alte Kathrin hatte bereits ihre Schuldigkeit ge­tan. Annelies hielt plötzlich inne war das nicht Costa, der da auf das Haus zukam? Ja, jetzt er-

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tag begehen. Die Jubilarin ist leit 40 Jahren treu, Bezieherin des Gießener Anzeigers. ,

** Eine Zahlungsmahnung veröfienb: licht die Ortskrankenkasse für den Kreis Gießen im 1 heutigen Anzeigenteil. Es fei besonders darauf auf. merksam gemacht.

** Gesangs-Konzert in der Chlrur. gischen Klinik. Die Sängervereinigung Wiesej erfreute am gestrigen Sonntagnachmittag einen in der Chirurgischen Klinik befindlichen Sangesbruder und darüber hinaus auch die übrigen Pattenten und das Klinikpersonal mit einem Gesangs-Konzert unter Leitung des Chormeisters Philipp Groß. Die Sänger brachten einen Kunstchor, außerdem Volkslieder in klangvoller Weise zu Gehör. Die schönen Darbietungen bereiteten den Zuhörern einen erlesenen, mit Dankbarkeit begrüßten Genuß, der den Pattenten ein Lichtblick in ihren Leiden und den Pflegern ein Ansporn für ihre Arbeit war. Bei dieser Gelegenheit fei noch bemerkt, daß die Sängervereinigung durch Beschluß ihrer jüngsten Generalversammlung auch einen namhaften Be- trag für das Winterhilfswerk stiftete.

** Landarbeiter auf Urlaubsfahrt. Am Samstagnachmittag passierten zwei große Auto-Omnibusse mit etwa 100 Landarbeitern und Landarbeiterinnen aus dem Bückeburger Land, letz, tere in ihrer heimatlichen Tracht, unsere Stadt auf der Durchfahrt nach Limburg. Die Insassen der Autobusse, junge und ältere Leute, begaben sich nach der Limburger Gegend, um dort einen vom Reichs» nährstand veranlaßten Erholungsurlaub zu ver­bringen und dabei neue Kraft zu gewinnen für ihre weitere schwere Arbeit im Dienste der deutschen Volksernährung. Die Arbeitskameraden dieser Ur­lauber-Fahrt werden von Limburg aus mit den Autobussen Besuchsfahrten über Koblenz den Rhein hinauf bis in den Rheingau unternehmen und dann durch den Taunus wieder nach ihren Urlaubsorten zurückkehren. Sie freuen sich, durch diesen Urlaub nun ebenfalls ein schönes Stück unseres deutschen Vaterlandes kennenzulernen und den Segen der Urlaubs-Ausspannung auch einmal genießen zu können. Die Urlauber werden während ihres Aufenthaltes in unserer engeren Heimat in fürsorg- licher und anerkennenswerter Weise von der San« desbauernschaft Hessen-Nassau betreut. Am kom­menden Samstag werden die Urlauber von Lim­burg aus mit den Autobussen wieder die Heimfahrt antreten, um dann mit neuer Kraft an ihr Werk zu gehen. Im Verlause der nächsten Wochen sollen im Rahmen dieses Landarbeiter-Urlaubs weitere Besuche unserer Gegend erfolgen, darunter auch des Kreises Gießen.

** Beim Sport verunglückt. Am Sams­tagabend ereignete sich in der Sportstunde ein Un­fall. Ein hiesiger SA.-Mann kam bei einem Sprung über das Pferd so unglücklich zu Fall, daß er mit einer schweren Verletzung des linken Armes in die Chirurgische Klinik gebracht werden mußte.

** Sie Kneipp-Bewegung, Ortsgruppe Gießen, eröffnete mit einem öffentlichen Vortrag im Bayerischen Hof" eine Reihe von Vorträgen und praktischen Hebungen, Lehrausflügen usw. Nach der Auffassung des Ortsgruppenleiters Sier gilt die'er­höhte Betätigung nicht nur etwa der Erfassung an­gekränkelter oder kranker Menschen, sondern vor allem gesunder und junger Volksgenossen. Diese sollen in die Gedankenwelt einer neuen Lebensweise eingeführt werden, um vorzubeugen und Kräfte zu erhalten. In ihrer Auswirkung ist die Kneipp-Be­wegung in vielfacher Hinsicht auf den Lebensgebieten der Ertüchtigung, der Fruchtbarkeit, der Gesunderhal­tung und der Pflanzennahrung ein beachtlicher Auf­baufaktor für das Gesamtwohl des Volkes, dem volkshygienisch, volkspolitisch und volksw'.tschaftlich heute besondere Bedeutung und igung zu- gemessen wird. In sehr lebhafter tr erfrischender Art sprach nicht nur für Frauen, sondern für die allgemeine Lebenshaltung die Lehrerin der Kneipp­

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kannte sie ihn. Was wollte er? Ehe es ihr richtig zum Bewußtsein tarn, lief sie schon die Treppe hinauf.

Es ist nicht recht!, klang es in ihr. Es ist nicht recht; ich muß ihn wegen des Wagens um Ent­schuldigung bitten! Aber sie eilte weiter. Nein, sie mochte ihm nicht wieder gegenübertreten, nicht jetzt er wußte offenbar alles. Fremde Menschen durf­ten so etwas nicht wissen!

Sie eilte in ihre Wohnung hinaus und schlug die Tür hinter sich zu. Mit klopfenden Schläfen wartete sie, daß sich irgend etwas ereignen würde. Nichts geschah, niemand fragte nach ihr. Zu wem hatte Costa gewollt? Zu Günter...?

Sie zitterte bei diesem Gedanken. Wenn es zu einer Aussprache oder gar zu einer Auseinander­setzung mit Günter kam, dann gab es vielleicht ein Unglück.

Nahezu eine Stunde war vergangen, als dis Glocke an ihrer Vorsaaltür anschlug. Es war das Zeichen, das Onkel Korbinian immer gab, wenn er etwas von ihr wollte. Mit schweren, unsicheren Schritten ging sie, um zu offnen.

Korbinian Sartorius hatte leuchtende Augen, als er jetzt vor ihr stand.

Annelies, es gibt jemanden, der mit dir sprechen mochte. Günter wartet darauf. Soll er kommen? Darf er kommen?"

Sie sah ihn mit umflorten Augen an. Kein Wort brachte sie über die Lippen, nur ein stummes Nicken gab ihm Antwort.

Er fuhr ihr mit einer zarten Bewegung über das Haar. Dann ging er, um Günter zu holen.

Annelies stand am Tisch, die Hand schwer auf die Platte gestützt, als Günter eintrat. Er war ernst, aber in feinen Augen war ein Glanz, wie sie ihn seit langer Zeit nicht gesehen hatte. Ihr war es, als müßte dieser stille Glanz auch das Dunkel in ihr mit strahlender Helle füllen.

Ich danke dir, Annelies, daß ich zu dir kommen darf", sagte er mit seiner dunklen, klangvollen Stimme.Costa war bei mir, wir haben uns aus­gesprochen. Und was ich gehört habe, das hat mir die Binde vollends von den Augen gerissen. Ich habe dir schon gestern gesagt, daß es nur noch Mit- leid war, was ich mit Mia Rechberg empfunden habe. Du hast es mir nicht glauben wollen, und du hattest ein Recht dazu, denn ich bin lange, viel zu lange, in der Irre gegangen. Heute kann ich nicht einmal mehr Mitleid mit dieser Frau empfinden. Und ich bin fast dankbar dafür, denn nun kann mir nichts mehr den Blick trüben. Ich habe es nicht ver­dient, aber ich mochte mich in dieser Stunde doch wieder des Wortes erinnern, was du einmal zu mir gesprochen hast: ,Was auch kommen mag, mein Herz wird immer um dich und bei dir fein'. Anne­lies, kannst du auch heute noch zu diesem Wort stehen? Nach allem, was ich dir angetan habe?"

Annelies rührte sich nicht, aber ihr Atem gin­schneller; eine ungeheure, unendlich süße Schwäche drohte sie hinwegzunehmen.

Ich stehe zu meinem Wort bis in alle Ewigkeit!" brachte sie mit Anstrengung hervor.

Dann lag sie in Günters Armen.

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