Ausgabe 
20.1.1936
 
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tr.16 Drittes Blatt

Aus der Provinzialhaupistadt

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et, aber er besaß sie. Für ihn gab es im All- nnmer einen Augenblick des Glücks, wenn er i kleinen Zeisig zuhörte, oder wenn er auch :n ihn dachte. Jedenfalls erschlug ihn der All- licht mit seiner Grämlichkeit. Und das ist ftich das Entscheidende.Wat dem einen sin is dem annern sin Nachtigall", sagt Fritz

<w *? *"/ RluL, und was diesem Manne der Zeisig war, ^..erlauf: 'iffbin andern vielleicht ein gutes Buch, eine kleine

BMei oder die Beschäftigung mit der Blumen- zucht

kk kommt ja nicht auf die Dinge an, denn das

Glück im Alltag.

$5 gibt Menschen, denen der Himmel fortwährend ' Datier Geigen hängt und andere, die unausgesetzt Dm einer galligen Wut geplagt werden. Aber das ße$)cr ist weder ein ständiger Iahrmarktstrubel, noch rine Wüste der sandigen Trostlosigkeit. Es ist viiilmhr ein abwechslungsreiches Spiel mit Siegen uri) Niederlagen, und wer die Regeln dieses Spiels kernt oder gar beherrscht, wird auch dem Dasein mirnite glückliche Stunde abgewinnen.

Uri) darauf kommt es an. Was wäre unser gonzis Erdenwallen, wenn es uns nicht ein bißchen GM bescherte? Gewiß, auch das Glück ist nicht für jiben dasselbe Manch einer glaubt Zeit seines ßMtis an das Glück der vollgestopften Brieftasche, bc3 :r nie erreicht, und für wieviel junge Leute liiijt nicht das Glück in der weiten, abenteuerlichen ÖSrni? Der sportbegeisterte Junge meint schon rest- loa, glücklich zu werden mit einem schnittigen Motor- roi), während das junge Mädchen zartere und innere Vorstellungen hat vom Glück.

ilh doch ist der Alltag da in seiner oft recht gt;iutn Eintönigkeit. Mit feiner Pflicht und feinen nicht immer leichten Aufgaben. Soll man sich von ifyh die Lebenslust vergrämen lassen? Soll man reilgrieren, weil er seinen Zins und Zinseszins färbt t?

Diifer Tage saß mir in der Straßenbahn ein Mi ist gegenüber, der einen Vogelbauer auf den Kkie- hielt und mit offenkundiger Heiterkeit zu- hösstk wie es sich in dem verhüllten Bauer dann

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iorbericht.) llm orauftrieb: 902 'kW Ochsen,

Kälber, 36 Rinder: Ochsen W 24 bis 43, Hammel 44 bis

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urb wann regte. Als er meine fragenden Blicke faa, rzählte er mir von dem kleinen Zeisig, der fiel) st dem Bauer befand, und den er von einem guiter Freund wieder abgeholt hatte, wo er sich wchn nd einer kurzen Abwesenheit des Besitzers imPlege befand.

,«e können sich nicht oorstellen, wie ich mich frrutf. das Tierchen wiederzusehen", schloß er seine SWerung,man kann sich so an ein kleines Lebe­rn ^ser gewöhnen, daß man es nicht mehr vermissen mich?." Dabei glitt ein stilles, glückliches Lächeln üß? fein Gesicht.

De Mann hatte sicher keine Lebensphilosophie

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GM liegt nicht in den Dingen, mögen sie be- sck^eit n oder großartig sein. Das Glück ist da zu G»ist, wo der Mensch die Dinge richtig betrachtet und iEmen das Erfreuliche abgewinnt. Wie es jener vartr ffliche Lebrecht Hühnchen tat, der die Kunst Detrfhnb, selbst aus den giftigsten Blüten Honig zus, saugen.

Uri» eben das ist es ja, was man das Glück im AWoz nennt. H. W. Sch.

Vornoiien

Tageskalender für Montag.

Mrrmacht-Konzert zu Gunsten der Winterhilfe .30 Uhr im Gloria-Palast, Seltersweg. NSG. ,Äwt durch Freude",Wissenschaft im Dienst am dciulslhen Volk": 20 Uhr im Hörsaal des Kunst- wase'Uchaftlichen Instituts Vortrag von Pros. Dr. S:ch': chhardt,Neue Forschungen über die alten TÜM-el der Burg von Athen". Sportamt: 21 bist 72 Uhr Reiten, Reitschule Schömbs. Stadt- tijleabr (Ring Deutsche Bühne): 20 bis 23 Uhr 13ar Maskenball" Lichtspielhaus, Bahnhof- stfaß:April, April". Bausparkasse Deutsche Wu und Siedlungsgemeinschaft e. G. m. b. H. Mr^stadt: 20 Uhr im Hotel Viktoria Aufklärungs- oirrtmg von Herrn Lang, Butzbach.

$iere auf der Wanderschaft

Don Kranz Hohen

Dcs Phänomen des Vogelzuges hat die Menchheit seit Jahrtausenden beschäftigt: bereits Alrisl»teles versucht, die Erscheinung zu erklären, u&i !die Ilias berichtet von dem alljährlich sich writd'rholenden Südlandflug der Kraniche und Stirche. In der neueren und neuesten Zeit hat die Wßsimschaft, gestützt auf die Beobachtungen der Dlogt warten und Flugzeuge und die Ergebnisse ebner planmäßig durchgeführten umfassenden Berin- gtm vor allem die Wege und Ziele zahlreicher jörter von Zugvögeln zu klären vermocht, ohne frbilif) die übrigen Fragen des Problems abschlie- ßivd zu beantworten. Daß sich das Interesse der Wlqcrneinheit sonderlich auf die Vogelwelt be­schränkt, liegt in der Sichtbarkeit und Wahrnehm- bliitiit des Vorganges begründet, die auch den ßtoier zu Beobachtungen anregt; denn daß unsere Dloqr welt in der rauhen Jahreszeit nach Zahl und Eirlt^inungsformen ärmer ist als im Sommer, daß ejijim Winter keine Kuckucke, Nachtigallen und Rot- k'M^en bei uns gibt, davon hat sich gelegentlich schm jeder überzeugt. Wie aber steht es mit den Winterungen der Säugetiere und Fische?

Cie grundlegender Unterschied drängt sich von VW auf dem Wandertrieb gewisser Arten von Llanlsäugern fehlt die unbedingte Regelmäßigkeit, iimi der Stadtortswechsel mancher Fischarten emtchht sich, obwohl er nachweislich alljährlich er= filblgt der allgemeinen Beobachtung. Zu den Wan- tMftigen unter den Säugetieren zählen neben dilüi Pavianen, Fischottern und Spring- biiöä e n vor allem die Eichhörnchen und Erd- oibir Backenhörnchen, eine in Erdhöhlen lebende Fa­milie der Eichhörnchen. Unser einheimischesBaum- oiWi-n" wandert nur ausnahmsweise, nur im Falle eimplänbüd)en Nahrungsmangels; im Norden da- fifei, vornehmlich in Sibirien, treten sie alljährlich cw-c-dehnte, Hunderte von Kilometern weite, mehr tDibir minder regelmäßige Wanderungen an, durch- ?i iditn dabei auch baumlose Strecken, durchschwim- rnm breite Ströme wie Lena und Jenissei, und i-ibirjueren Gebirge, deren Höhenzügen sie sonst gM aus dem Wege gehen. Vor allem suchen sie im Spätherbst mit überraschender Jnstmktsicher- fiteit Gegenden zu erreichen, die große Bestände an ZKb lkiefern mit reichem Zapfenbehang aufweisen, Eiern schon eine geringfügige Abweichung von dem erschlagenden Wege würde die Tiere m Dickun- pten aahrungsarmer Rottannenwälder oder in limte LLauiholzbestände führen, deren eigentliche Be­wohner, die Erdhörnchen, beim Eintreffen der zu-

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhessen)Montag, ?v. Zanuar 1956

Wohnhausbauten an her Marburger Straße.

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In den letzten Monaten wuchsen gegenüber der GastwirtschaftKarls- ruhe" an der Marburger Straße mehrere Wohn­hausneubauten in massi­vem Ziegelsteinbau auf. Mit den Bauten war An­fangs November begon­nen worden. Im Rohbau sind sie bereits fertig- gestellt. Es handelt sich um insgesamt sieben neue einzeln stehende Wohn­häuser, deren jedes drei Familien aufnehmen kann. Jede der in diesen Neu­bauten enthaltenen Woh­nungen enthält drei Zim­mer. Bad und Küche Ge­genwärtig ist man mit dem Innenausbau be­schäftigt. Man hofft, die Häuser zum Teil bis zum 1. März bzw. bis zum 1. April fertigstellen zu können. Zu jedem der

neuen Häuser gehört ein stattliches Stück Gartenland Firma H. W. Rinn. Wie wir von zuständiger von etwa 600 Quadratmeter Größe, das anteilmäßig Stelle hören, sind die neuen Wohnungen bereits alle

von den Mietern bebaut werden kann. Die Jnitia-

oermietet.

tive für dieses Wohnungsbauprogramm liegt bei der

(Aufnahme: Neuner. Gießener Anzeiger)

Der Spielplan des Gießener Sladtthealers.

Montag, 20. Januar, von 20 bis 23 Uhr als Vor­stellung für die NS.-Kulturgemeinde Ring Deutsche Bühne, Verdis MeifteroperMaskenball" Musika­lische Leitung Paul Walter, Spielleitung der Intendant. Freier Kartenverkauf zu Tages­preisen an der Abendkasse. Dienstag, 21. Januar, Wiederholung der Straußschen Meisteroperette:Die Fledermaus". Leitung haben: Walter, Wrede, Schultheis. Dauer von 20 bis 23 Uhr 15. Vor­stellung im Dienstag-Abonnement Mittwoch, 22. Jan., als 14. Vorstellung im Mittwoch-Abonne­ment, von 19.30 bis 22 Uhr, Wiederholung des Ge­sellschaftsstückes:Eine Frau ohne Bedeutung" von Oskar Wilde, in der Neubearbeitung von Karl Lerbs, unter der Spielleitung des I n t e n d a n t e n. Freitag, 24. Januar, 20 Uhr, Erstaufführung des SchauspielsDer Kanzler von Tirol" von Josef Wenter; Svielleitung Kurt L ü p k e. Dauer bis 22.30 Uhr. 15. Vorstellung im Freitag-Abonnement. Samstag, 25. Januar, von 20 bis 22 30 Uhr, als Vorstellung der NS.-Kulturgemeinde Ring Deutsche Bühne.Der Stern von Sevilla von Lope de Vega, aus dem Spanischen übersetzt und frei bearbeitet von Hans Schlegel Spielleitung der Intendant. Sonntag, 26. Januar, 19 Uhr, außer Abonne­ment und zum letzten Male der OperettenerfolgDie Tanzgräfin" mit Maria Perry in der Rolle der Eolette. Ende 21.30 Uhr. Leitung haben: Bräuer, Wrede, Schultheis

Lhrenabend für Kapitän Schmehl.

Vor kurzem hat der Oberbürgermeister der Stadt Gießen dem Kapitän und Oberregierungsrat a. D. Karl Heinrich Schmehl, einem geborenen Gie­ßener, für feine mutigen Taten zu Wasser und zu Lande die Ehrenplakette der Stadt Gießen ver­liehen. Besonders bekannt wurde Kapitän Schmehl dadurch, wie bereits im Gießener An­zeiger berichtet wurde, daß er im Jahre 1903 im Hafen von Bombay eine geradezu beispiellose Ret­tungstat vollbracht". Dort war der Hansa-Damp- ferOckenfels" in Brand geraten, das Feuer drohte die aus 2000 Kisten Dnnamit, 620 000 Dnnamit- zündern und Spiritusfässern bestehende Schiffsla­dung zur Explosion zu bringen. Schon war nicht nur die Schifssbesatzung, sondern die ganze Be­völkerung des Hafenviertels vom Bombay in größ­

ter Gefahr, als der damalige Erste Offizier Schmehl unter Einsatz seines Lebens das Feuer zum Ersticken brachte. Er erlitt dabei schwere Brandwunden. Der frühere Kaiser verlieh dem wackeren Manne dafür den Roten Adler-Orden. Im Weltkrieg war Schmehl zunächst Navigationsoffi­zier auf Linienschiffen, von 1916 bis 1918 war er Erster Offizier des weltbekannten deutschen Hilfs­kreuzersWolf", dessen abenteuerliche Kaperfahr­ten damals die ganze Welt in Erstaunen versetzte.

Als Dank für die ihm von seiner Vaterstadt Gie­ßen zuteil gewordene Ehrung hat er sich zu einem Vortrag zur Verfügung gestellt. An Hand von 130 prächtigen Lichtbildern wird er am Freitag, 24. Ja­nuar, über die 15monatige abenteuerliche und wagemutige Fahrt des HilfskreuzersWolf" mit dem FlugzeugWölfchen" berichten. Zur Eröff­nung und Begrüßung wird der Herr Oberbürger­meister sprechen. Der Eintrittspreis ist mit 25 Pf, so niedrig angesetzt, daß jedem Volksgenossen der Besuch des interessanten Abends möglich ist. (Siehe heutige Anzeige.)

Derbuna *är das Dinierhilsswerk

Die Landesregierung hat allen unterstellten Be­hörden, Gemeinden und Gemeindeverbänden und sonstigen Körperschaften des öffentlichen Rechts den nachstehenden Runderlaß des Reichs- und Preußi­schen Ministers des Innern zur Kenntnis und Be­achtung mitgeteilt:

Der Reichsbeauftragte für das Winterhilfswerk beabsichtigt, die Gebäude der Reichs-, Staats- und Gemeindebehörden in die Propaganda des Winter­hilfswerks einzubeziehen und Transparente, Pla­kate usw an den Fassaden und Eingängen dieser Gebäude anbringen zu lassen. Bei der Sonderstel­lung, die das Winterhilfswerk einnimmt, bestehen keine Bedenken, die beabsichtigte Propaganda in an­gemessenem und zweckdienlichem Umfange aus­nahmsweise zuzulassen

Deutsche Iäg-rschast

Jagdkreis Gießen.

Die Pressestelle des Kreisjägermeisters teilt mit: 1. Der Landschaftsbund Volkstum und Heimat hat die Jägerschaft zu einem am Mittwoch 22. Ja­nuar, um 20.15 Uhr pünktlich in der Aula des

Gymnasiums (Hindenburgwall) stattfindenden Lich^ bildervortragDeutsches Werdwerk im Wandel bef Zeiten" eingeladen. Es spricht Stabsjägermeistek Studienrat Ernst H ö l z e l. Eintritt gegen Vor» zeigen des Jagdscheines 10 Pfennig.

2. Der Hegering Gießen hält am Samstag, 25. Januar, um 20.30 Uhr, imHindenburg" eins Hegeringverlammlung ab. Vollzähliges und pünkt­liches Erscheinen aller Jagdscheininhaber des Hege­ringbezirkes ist Pflicht.

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Kachfchast Volksschule, Sießen-Sladt.

Sitzung der Arbeitsgemeinschaften Deutsch und Geschichte - Vorgeschichte am Mittwoch, 22. Januar, 16 Uhr, im Physiksaal der Schillerschule.

Sitzung des provinzialausschuffes als Verwaltungsgerich'shof.

Der Provinzialausschuß der Provinz Oberhessen als Verwaltungsgerichtshof hatte sich in feiner Sitzung vom Samstag zunächst mit dem Karl Walter in Wieseck zu beschäftigen, der eine ganz ansehnliche Vorstrafenliste zu verzeichnen hat. Hoch­trabend war die Aufmachung seiner Briefköpfe und Rundschreiben, und wenn er ein Opfer in der Hand hatte, dann legte er ein Geschäftsgebahren an den Tag, das jeder Beschreibung spottet. Nur ein Fall fei hier erwähnt. Ein Landwirt, der in Not ge­raten war, kam ratsuchend in die Hände Walters und beauftragte diesen, durch Einleitung eines Ent­schuldungsverfahrens ihm Erleichterungen zu ver­schaffen. Walter brachte es fertig, den Landwirt unter Ausnützung dessen Gutgläubigkeit um einen Betrag von 540 Mark zu bringen und in seine eigene Tasche zu stecken. Das Geschäftsgebahren und die unlauteren Praktiken gaben dem Prooin- zialausschuß Veranlassung, dem Karl Walter in Wieseck die gewerbsmäßige Besorgung fremder Rechtsangeleaenbeiten und bei Behörden wabrzu- nehmender Geschäfte sowie die gewerbsmäßige Ver­mittlung von Jmmobili"n und Darlehen 3u unter­sagen. Die Kosten des Verfahrens hat Walter unter Zugrundelegung eines Streitwertes von 2000 Mark zu tragen.

Ferner kamen die Klagen der Jakob Hilde­brand Eheleute, des Wilhelm C r o m b a ch und der Wilfried Guericke Erben in Bad Nauheim wegen Heranziehung zu den Kosten des Gelände­erwerbs für die Wege zwischen Karlstraße und Waitz-von-Eschenstraße in Bad Nauheim zur Ver­handlung. Der Provinzialausschuß stellte fest, daß die Kläger tur Zahlung der ihn»n von der B ''raer- meifteret Bad-Nauheim angeforderten Gelände- 'rurrbgfoften nicht verpflichtet sind Die Kosten des Verfahrens find von der Stadt Bad-Nauheim zu tragen.

SchulunaS- und Kamerodschoffsabend der ^achschaffVe'chakahn".

Der Schulungs- und Kameradschaftsabend der FachschaftReichsbahn" am Samstag im (Safe Ebel war gut besucht.

Nach musikalischer Einleitung widmete Fach­schaftsleiter R e u s ch den Kameraden, besonders dem Redner des Abends und Kreisleiter z. b. D. Adam Lotz, den Willkommengruß.

Anschließend hielt der stellv. Kreisamtsleiter des Amtes für Beamte der NSDAP., Zollinspektor Ulrich, einen Vortrag überDie Bedeutung und Auswirkung der drei Grundformen der Berufs­arbeit". In feinen berufs- und wirtschafts-ethischen Betrachtungen machte er verständlich, wie bei rech­tem Hineinwachsen in den Beruf zu der inneren Verbundenheit mit der Arbeit auch die innere Be- friebiaung tritt, bie eine Steigerung ber Leistungen zur Folge haben unb burch bie bann in 23er- binbung mit der Gesamtleistung des Volkes Arbeit sich als Segen auswirke Die Gesamtheit der Lei­stungen eines Volkes lasse drei Grundformen der Berufsarbeit erkennen: die Arbeit des Bauern, des Handwerkers und des Geistesarbeiters, die die Volkskultur geschaffen haben. Rückschauend betrach-

gewanderten Artgenossen unter den vorhandenen Mengen an Eicheln und Bucheckern bereits gründ­lich aufaeräumt haben. Die Eichhörnchen rücken bei ihren Märschen nicht, wie Ziesel und Lemming, in geordneten Zügen vor, sondern schweifen in ver­teilten Gruppen und Haufen über Berg und Tal, bis sie die Landstriche, wo, bildlich gesprochen, Milch und Honig für sie fließt, erreicht haben

Wie stark dieser Wandertrieb unter Umständen ist, beweist die Beobachtung, daß man bei derartigen Zügen ganze Eichhornvölker angetroffen hat, die mit einer ansteckenden eitrigen Zehenentzündung behaftet waren; dennoch den Marsch unbeirrbar fortsetzen.

Zu den wanderfrohen Säugern zählen auch die Lemminge, eine zur Familie der Wühlmäuse ge­hörige Nageart, kleine, gedrungene, auf höheren Gebirgen, stellenweise aber auch in Steppen leb"nde Tiere, die in fruchtbaren Jahren ungeheure Wan­derungen antreten, wobei ihre Feinde, sonderlich die mittelgroßen Raubvögel, deren Hauptnahrung sie in manchen Gegenden bilden, zu folgen pflegen. Auch für den Lemming gibt es kaum ein natür­liches Hindernis, das er nicht zu bewältigen ver­möchte; dabei aber treten sie in Mengen auf, die sich einer sicheren Schätzuna entziehen, ohne Zweifel aber in jedem Einzelfall Millionen umfassen. Wie­derholt sind schon solche Lemmina-Wanderungen den kanadischen Weizengebieten verhängnisvoll ge­worden. Am bemerkenswertesten von allen Tier- wanderungen aber erscheinen neben den der Zug­vögel die der Wasserbewohner, um so mehr als die­sen alle Orientierungsmöalichkeiten fehlen. Von den regelmäßigen Zügen der Sprotten und Thun­fische sei hier abaesehen, denn die Annahme der Wissenschaft, diese Massenzüge kämen nicht aus ent­legenen Gebieten des Weltmeeres, sondern stiegen aus mehr oder minder großen Tiefen der See an die Oberfläche, hat viel für sich. Doch von den Meeressäugern wissen wir mit Sicherheit, daß sie weite Wanderungen unternehmen, z. B. gewisse Robbenarten. Diese kommen immerhin zeit, weilich noch mit dem Land in Berühruna, so daß ihnen nicht jede Orientierungsmöglichkeit abgeschnit­ten ist; bei den ausschließlich im Wasser lebenden Walen kommt jedoch eine solche nicht in Frage, sie sind auf ihren natürlichen Instinkt angewiesen und die riesenhaften Wale treten alljährlich weite Rei­sen an.

Die meisten fischfressenden Waltiere, von denen die größeren fast sämtlich in der kalten Zone, an den Küsten Grönlands und Spitzbergens leben, zie­hen im Dezember den Heringsschwärmen nach, vor­nehmlich die Delphine und Springwale, die Meer­schweine und Finnfische oder Furchenwale, ihnen

schließen sich die Schwertfische an, die im Januar die norwegische Küste erreichen. Im Atlan­tischen Ozean erscheinen die Grundwale und Schnabelwale, in der Bucht von Biskaya die Nord­kaper. Gegen Ende Februar, also bei steigender Erwärmung, wenden sich die meisten der vorher nach Süden wandernden Wale wieder nach Nor­den, die Geschwader des langfloffigen Finnwals erscheinen im März schon an den Bermuda-Inseln, um die gleiche Zeit verläßt der Schwertwal mit nördlichem Kurs den Gold von Biskaya, im April sind Nar­wale und Grönlandwale bereits wieder in der Baffinsbai, also im hohen Norden, angelangt, um ihn im Setember wieder zu verlassen und von neuem südlich zu ziehen. Die Uebereinftimmung der Wanderungen der Wale mit denen der Zugvögel zeigt sich am deutlichsten in der Regelmäßig­keit ihrer iöhrlichen Wiederholung, und zwar so­wohl hinsichtlich der Zeit wie der gewählten Stra­ßen, Standorte und Ruheplätze, obwohl sie nicht ganz die südlichen Breitengrade erreichen, unter denen die Zugvögel den Winter verbringen Der Wandertrieb von Norden nach Süden und umge­kehrt ist also keineswegs auf die Zugvögel be­schränkt

Kahri nach her Teufeisinsel

In diesen Tagen hat wieder einmal dieMar­tiniöre" mit ihrer traurigen Menschenlast an Bord die Ueberfahrt nach Cayenne angetreten. 350 Ver­brecher, die zur Verschickung in die Strafkolonie verurteilt wurden, sind ihre Passagiere, und in Nordafrika soll dieMartiniöre" weitere 300 Ge­fangene aufnehmen. Vergeblich hofften die Ver­urteilten, daß die feit geraumer Zeit erhobenen Ein­wände gegen die Deportation sich durchsetzen wür­den und daß man zunächst davon Abstand nehme, weitere Gefangene nach Südamerika zu verfrach­ten. Aber während die Gegner dieser Strafe, die den Aufenthalt in Cayenne als ein Leben in der Hölle bezeichnen, jeden erzieherischen Wert dieser Strafe in Zweifel ziehen, haben die Strafvollzug­behörden wieder eine Liste von Verurteilten zu­sammengestellt und ihre Verbringung nach dem Hafen angeordnet, von dem aus jeweils die Fahrt angetreten wird. Gemäß den Anweisungen der Polizei müssen beim Abtransport der Verurteilten, der früh am Morgen stattfindet, alle Fenster, die auf die Straße führen, durch die der grausige Zug geht, geschlossen bleiben. Weiterhin soll niemand auf den Straßen sein; aber auch diesmal fanden sich wieder viele Angehörige der Verurteilten ein, um hier noch einmal wortlos Abschied von ihnen zu nehmen.

Zeitsckriffen

Im Januarheft derZeitwende" (Wi- chern-Verlag, Berlin-Spandau) schildert der Psycho­therapeut Dr. Johannes Neumann denMenschen der Angst", die Lebensangst als stärkste Triebkraft des von allen Bindungen gelösten,emanzipierten" modernen Menschen und als Hauptursache aller seelischen Erkrankungen: den Glauben als einzige Rettung. Es zwingt zum Aufhorchen wenn er hier aus feiner Erfahrung nüchtern und sachlich fest­stellt:Der Mensch von heute braucht das Evan­gelium. Und 3mar nicht als eine Weltauffassung, der er in willkürlicher Wahl wegen ihres gedank­lichen Gehaltes oder ihrer gedanklichen Möglich­keiten vor anderen den Vorzug chbt, sondern weil er in feiner Selbstveraottung einfach nicht mehr leben kann." Die Betrachtung von Professor D. Jo­hannes von Walter überMeister Eckhard im Kreuzfeuer neuzeitlicher Weltanfchauungskämpfe" arbeitet die Zwiesnältigkeit im Denken dieses heute vielberufenen Mystikers deutlich heraus: feine Her­kunft einerseits aus neuplatonischen, andererseits aus augustinischen Gedankengut, eine Zwiespältig­keit, die zwar die erstaunliche Tatsache erklärt, in­wiefern beute sowohl der römische Katholizismus wie der Deutschglaube Eckhard für sich in Anspruch nehmen können, die aber für eine nüchterne Be­trachtung diesen selbst schwankenden Denker nicht als geeigneten Führer in die religiöse Zukunft un­seres erfd)"inAn läßt.

Der Brinz von W">les, der Thronanwärter des britischen Weltreiches, ist durch seine Ansprache an die deutschen Frontkämpfer und durch feine Stel­lungnahme zu einer innerenglifchen Frage in das scharfe Rampenlicht der Weltbühne gerückt worden. Seiner Persönlichkeit und seiner Stellung im öffent­lichen Leben Englands widmet das neue Heft der I l l u ft r i r t e n Zeitung" (Verlag I. I. Weber, Leipzig) mehrere Bildseiten. Von der neuen Uni­versitätsstadt in Rom, die in ihrer Gesamtheit 20 Gebäude umfaßt, und um die herum ein mächtiger Komplex von wissenschaftlichen Instituten entstanden ist, wird in Wort und Bild ausführlich berichtet. Ein weiterer Beitrag bringt interessante Aufnahmen vom Suezkanal, der, gleich wichtig für Verkehr und Po» litik, durch den abessinisch-italienischen Konflikt erneut im Mittelpunkt des Weltgeschehens steht.

Der bedeutende Kinderarzt Geheimrat Profesfok Dr. Adalbert Czerny, seit langen Jahren Direktor der Universitäts-Kinderklinik in Berlin, über­nimmt den Lehrstuhl für Kinderheilkunde an der Medizinischen Akademie in Düsseldorf und die Leitung der dortigen Kinder- und Jnfektionsklinit.