Ausgabe 
20.1.1936
 
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fast stereotyp gewordener Erklärungen Edens und Lavals beschränken, wozu die abessinische Be­schwerde wegen der Art der italienischen Kriegfüh­rung den äußeren Anlaß bieten könnte. Es ist aber nicht anzunehmen, daß darüber hinaus der avessiniscbe Vorschlag zur Entsendung einer Untersuchungskommission verwirklicht wird, und vor allem ist nicht zu erwarten, daß der in diesem Zusammenhang oft genannte belgische Mi­nisterpräsident zum zweiten Male eine undankbare Dermittlerinitiative ergreifen wird. Es wird sich ver­mutlich im Januar die Tendenz verstärken, die be­reits im Dezember zu beobachten war, nämlich das Abwarten einer Klärung der militä­rischen Situation in Abessinien.

Keine Erwartungen in England.

London, 20. Jan. (DNB. Funkspruch.) Die Morgenblätter sind einig in der Ansicht, daß von der Sitzung des Völkerbundsrates keine Auf­sehen erregenden Beschlüsse zu er­warten sind. Aufschlußreich für die Einstellung englischer Kreise ist das Bestreben der Blätter, die Frage der Oelsperre überhaupt in den Hin­tergrund zu schieben und die Aufmerksam­keit auf die bevorstehenden Besprechungen über Danzig abzulenken.

Daily Telegraph" schreibt, die britische Regie­rung sei der Meinung, der Völkerbund würde im Augenblick gut tun, langsam vorzugehen, das beziehe sich sowohl auf den italienisch-abessinischen Streitfall, als auch auf Danzig. Die Frage der Oelsperre sei offensichtlich nicht beschlußreif, da eine Einschränkung der Oellieferungen infolge der Quellen, aus denen Italien seinen Oelbedarf decken könne, w i r k u n s l o s wäre.

Die Oppositionspresse glaubt, daß die Völker­bundsmächte dem italienisch-abessinischen Streit hilflos gegenüber stehen werden, wenn nicht England wiederum die Führung übernehme. News Chronicle" meint, selbst die Sowjetregie­rung, die sich dauernd ihrer kommunistischen Leiden­schaft für den Frieden rühme, ziehe es vor, die Führung der kapitalistischen und konservativen bri­tischen Regierung zu überlassen. Die sanktions­feindlicheDaily Mail" fordert, daß die eng­lischen Schlachtschiffe sofort aus dem Mittel­meer zurückgezogen werden. Die Gefahren seien angesichts dervulkanischen Spannungen" in Europa größer denn je. Eine Verringerung der englischen Flotte im Mittelmeer würde außerordent­lich zur internationalen Entspannung beitragen und den Weg zu Friedensverhandlungen ebnen.

Abessinien bestreitet die italienische Siegesmeldung

Addis Abeba, 19. Jan. (DNB.) In einer amtlichen Erklärung der abessinischen Regierung werden die Mitteilungen des italienischen Heeres­berichtes von einem italienischen Siege an der Südfront, bei dem 4000 Abessinier getötet worden und 120 Kilometer abessinisches Gebiet be­setzt sein sollen, als jeder Grundlage ent- b e h r e n d bezeichnet. Die Nachricht solle offenbar lediglich dazu dienen, die Stellung Italiens bei den kommenden Völkerbundsverhandlungen zu stärken.

Meldungen von der Südfront berichten von dem Einsatz einer großen Anzahl italieni­scher Bombengeschwader, die die anstür­menden abessinischen Truppen mit Gasbom­ben bewerfen. Dadurch seien die Abessinier gezwungen worden, besser geschützte Stellungen zu suchen. Die abessinische Re­gierung bestreitet auch die italienischen Behauptun­gen von der großen Zahl abessinischer Gefangener. Im Dolo-Gebiet haben die Italiener seit Sonntag ihre Gegenangriffe eingestellt und neh­men Umgruppierungen vor. Zwei neue Divisionen sollen aus der Heimat im Hafen von Mogadischo ausgeladen werden. Es bestehen weiterhin Anzei­chen dafür, daß die Italiener in die Provinz B a h i einzudringen versuchen werden. Zu beiden Seiten der Flüsse Ganale Doria und Webb sind abessinische Streifabteilungen eingesetzt, um die Ita­liener zu beunruhigen. Die Italiener unternehmen mit Tanks und Panzerwagen Erkundungsfahrten und haben ihre Fliegertätigkeit aufs äußerste ver­stärkt.

Ein neuer mongolischer Staat Mengno".

Peiping, 19. Jan. (DNB.) In Nordchina ist plötzlich eine neue Lage geschaffen worden. Der stellvertretende Vorsitzende despolitischen Rates der inneren Mongolei" Fürst Tew an g hat in einem Zirkulartelegramm die Ausrufung eines neuen mongolischen Staates M e n g u o bekanntgegeben. Das Telegramm ist noch von dem Kommandierenden der vom japani­schen Oberkommando in Mandschukuo organisierten mandschurischen Truppen T s o s ch i h a e unterzeich­net. 2000 Kavalleristen der Armee Tsoschihae sind bereits in der mongolischen Stadt P i n d i t s u j a n eingetroffen, die nur 40 Kilometer von der Provinz Tschachar entfernt liegt. Der Eisenbahnverkehr auf der durch die nordchinesischen Provinzen Schansi und Tschachar führenden Strecke Peiping Suiyuan ist fast völlig eingestellt.

Die Truppen des Generals Lifchuhsin er­oberten im Norden von der Grenzstadt Kalgan den strategisch wichtigen Punkt D a t s i n m y (Provinz Tschachar). In der Provinz Suiyan ist es nördlich des Ortes Sinhe bereits zu einem Zusammenstoß zwischen der japanisch-mandschurischen Armee unter dem Befehl des Generals Lifchuhsin und den Truppen der Provinzialregierung von Schansi gekommen, wobei Lifchuhsin den Rück­zug angetreten haben soll.

Heer und Politik in Japan.

Tokio, 19. Jan. (DNB.) Wie die ZeitungJuji Sbimpo" berichtet, baden 30 jüngere Maine- offiziere den Stationschef des Kriegshafens Yokusuka, Vizeadmiral I o n a i, aufgesucht, und ihm ihre Unzufriedenheit über die Entwicklung der politischen Lage und die mangelnde Energie des Kabinetts in der Frage der Klärung der wahren japanischen S t a a t s i d e e auszudrücken.

Vereidigung des SA.-Heldjägerkorps durch Ministerpräsident Göring.

Berlin, 18. Jan. (DNB.) Am 65. Jahrestage der Grundsteinlegung des Deutschen Reiches in Ver­sailles sämtliche Gebäude des Reiches, des Staa­tes, der Stadt Berlin und der Körperschaften des öffentlichen Rechtes haben das Hakenkreuzbanner gesetzt fand im Lustgarten die Vereidigung von über 500 SA.-Feldjägern durch den

Religion, Partei und Staat

Eine Ltnterredung mit dem Neichsmimster für kirchliche Angelegenheiten Kerrl.

Hannover, 19. Jan. (DNB.) Der Reichs­minister für die kirchlichen Angelegenheiten Pg. K e r r l behandelte in einer längeren Unterredung mit dem Hauptschriftleiter derNiedersächsischen Tageszeitung" eine Reihe grundsätzlicher religiöser und kirchenpolitischer Gegenwartsfragen, wobei er auch auf die Lage in der evangelischen Kirche ein­ging.

Zu der Frage, wie er die gegenwärtige Lage beurteile, und was er unter positivem Cdri­ft e n t u m verstehe, erklärte der Minister u. a.: Das Ringen unserer Zeit ist im großen und ganzen gesehen nicht ein Ringen aegen die Religion, son­dern ein Ringen um die Religion.

Der nalionalsozialistische Staat bejaht die Verlebendigung des Glaubens­lebens, weil er den religiösen Menschen zur Grundlage seines Staatsbaues macht. Lin Nationalsozialist muß religiös sein, er muß Ehrfurcht vor der religiösen Ueberzeugung eines anderen haben, aber die Form seines Glaubenslebens bleibt ihm freigestellt; jederkann nach seiner Fasson selig werden".

Alle Behauptungen, die Religionsausübung sein in irgendeiner Form behindert worden, stellen eine unerhörte Verleumdung dar. Seit der Machtüber­nahme ist niemals irgendwo oder irgendwann der­gleichen vorgekommen. Die Deutsche Glaubens­bewegung ist keine Gottlosenbewegung, sie hat aber auch nichts mit der NSDAP, zu tun.

Der Staat steht diesen Dingen durchaus objek­tiv gegenüber, er hat jedoch dafür zu sorgen, daß im kirchlichen Leben Zucht und Ordnung herrscht, daher wendet er sich gegen religiöse Ver­sammlungen öffentlichen Charakters außerhalb der Kirche, denn Religion ist nach unserer Auffassung kein politischer Massenartikel, sondern Sache der dazu berufenen Gemeinschaften.

Der Streit unter den Konfessionen ist rein negativ, positiv dagegen ist es, dem Wollen und handeln des Stifters der christlichen Kirche praktisch nachzueifern, um in wahrhaft christ­

licher Gesinnung durch die lebendige Tat Jesu zu dienen. Weniger Dogmenstreit sollten sie dabei in den Vordergrund stellen, vielmehr die Religion der Gesinnung und des Einsatzes für die Nächsten und die Gemeinschaft des Volkes, denn das

ist wirklich positives Ehristentum.

Tendenzen, die zur Gottlosigkeit führen, bekämpft der nationalsozialistische Staat auf das schärfste, weil er sie als den Feind jeder Ordnung und Kul­tur betrachtet. Daher der Kampf gegen den Bolschewismus, daher der Schutz der Kirchen. Daher aber auch die Forderung an die Kirchen, daß sie diesen Staat bejahen und aus völliger innerer Freiheit zu ihm kommen.

lieber seine Stellung z u den Konfes­sionen sagte Minister Kerrl dann weiter:Be­züglich der Religionsausübung besteht völlige Freiheit. Dis Kirchen beider Kon­fessionen erfahren in jeder Beziehung staatliche Hilfe und Förderung; sie haben sich jedoch auf ihr religiöses Gebiet zu beschrän- k e n. Der Staat kann keinesfalls dulden, daß die Kirchen auch heute noch da und dort in mehr oder weniger versteckter Form eine poli­tische Einflußnah me erstreben und damit die nationale Einigkeit und Disziplin unseres Vol­kes untergraben.

Zu dem bedauerlichen Bruder st reit in der evangelischen Kirche betonte der Minister, daß die Deutsche Evangelische Kirche bekanntlich selb st nicht einig in ihren Uederzeugungen ist. Der Streit sei dadurch so scharf geworden, daß sich die Parteien selbst als rechtmäßige Kir­chen proklamierten. Weder Kirchenrecht noch Staatsrecht erkennen eine Möglichkeit an, daß sich eine Partei innerhalb der Kirche als dieKirche betrachte und entsprechende Ansprüche äußere. Der Staat als Garant der öffentlichen Ordnung und des kirchlichen Friedens müsse da eingreifen; denn er habe dafür zu sorgen, daß keine Gruppe un­terdrückt werde. Er habe es in einer treuhände­rischen Form getan, indem durch Bildung des Reichs­kirchenausschusses die bisher vorhandenen, sich strei­tenden kirchlichen Fronten ihrer machtpoliti­

schen Position entkleidet worden feien* Heute sei der Kirchenausschuß die kirchlich legi­timierte Leitung der Kirche und als solche im Kirchenvolk anerkannt.

Die Bruderräte hätten vielfach Veranlassung gegeben, daß gegen sie hätte eingeschritten werden müssen, jedoch sei noch keiner aufgelöst worden.

Die Frage, ob die Auseinandersetzungen innerhalb der evangelischen Kirche bereits zu einer Erschütte­rung ihrer Stellung in der prote st antischen Welt geführt haben ober Aussicht vorhanden sei, daß diese Krise zu einer Stärkung ihrer Position beitragen könne, beantwortete der Minister u. a.: Die Stellung des deutschen Protestantismus in der evangelischen Welt hängt davon ab, ob er sich wie­der auf seine Aufgabe besinnt, um damit die ihm naturgegebene Position seit Luther zu behaupten, andernfalls läuft er Gefahr, zur Bedeutungslosigkeit herabzusinken. Während in anderen Ländern, bei­spielsweise in England, in Italien und auch in Frankreich, die Kirchen durchaus auf nationaler Grundlage stehen, haben sich in Deutschland leider nur allzu häufig Tendenzen gezeigt, die nationalen Belange des eigenen Volkes in bezug auf die Kirchen als etwas Zweitrangiges zu betrachten. Dis evangelische Kirche würde sich jedoch damit von dem Vorbilde Luthers mehr und mehr entfernen.

Zu der letzten Frage, ob die Bekenntniskirche in protestantischen Kreisen des Aus­landes, z. B. in der Schweiz, eine gewisse mo­ralische Unterstützung finde, stellte Minister Kerrl bann fest, daß man im Auslande, veranlaßt durch eine unzureichende und tendenziöse Berichterstat­tung, das Aufbauwerk des Reichskirchenausschusses in der Deutschen Evangelischen Kirche oft falsch beurteilt habe. In letzter Zeit sei aber auch hier einbegrüßenswerterWandel eingetreten. Ich bin überzeugt, so schloß der Minister, in dem Augenblick, wo sich irgendwo im Auslande eine Richtung als die Kirche bezeichnet und eine illegi­time Kirchenleitung einrichten würde, würden Staat und Kirche selbst derartige Erscheinungen sehr schnell unterdrücken, und zwar in völlig legi­timer Ausführung ihrer Aufsichtspflicht.

preußischen Ministerpräsidenten General Goring statt. Fast das gesamte Offizierskorps und 14 Ehren­hundertschaften der Feldpolizei sowie zahlreiche Ehrengäste und Tausende von Zuschauern nahmen an der Feier teil.

KeineKontingentierung" der HI.

Schwerin, 17. Jan. Bei der Führertagung des Gebietes Mecklenburg wandte sich der Stabsführer der Reichsjugendführung, Hartmann-Lauter­bacher, scharf gegen die Gerüchtemacher, die von einer Kontingentierung der Hitler-Jugend reden. Nach wie vor soll die Jugend des Führers den größten Teil des jungen Deutschlands umfassen. Sie soll auch darin dem Gesetz treu bleiben, nach dem sie angetreten ist.

Besonders beachtliche Ausführungen machte der Stabsführer ferner über d i e Stellung des deutschen Mädels in der Hitler-Jugend. Die Vorsehung hat Mann und Frau verschiedene Aufgaben im Volk gegeben: Hier Schutz und Führung des Staates, dort feine Erhaltung in der Familie. Diese Aufgaben sollen schon den jungen Menschen formen, sollen den Jungen männlich und hart, das Mädel weiblich erziehen. Eine Verkehrung dieser Ausgaben und der damit verbundenen Hal­tung ist ebenso verwerflich wie eine gegenseitige Ge­ringschätzung. Besonders der Junge soll wahr­haft ritterlich fein, das heißt, die nötige Ach­tung und Ehrfurcht vor dem Mädel haben, die als künftige Frau das Gesicht der Familie und damit des Staates gestalten wird.

Auch bei der Staatsjugend religiöse Betätigung gewährleistet. Berlin, 19. Jan. Vor der Führerschaft der HI. undd es BDM. im Gebiet Schlesien erläu­terte Hartmann Lauterbacher die angekündigte Neuordnung der Jugendorganisationen. Mit Nach­druck betonte er, daß durch die Erfassung in der Staatsjugend oder in der HI. das Verhält­nis jedes einzelnen zu seiner Kirche und die religiöse Heberzeugung sowie die Aus­übung seiner religiösen Pflichten in Zukunft ebensowenig berührt würden, wie sie bis­her berührt worden seien. Führer der Staatsjugend könnten nur Führer der HI. sein, denn allein oiefe gäben die Gewähr für eine der nationalsozialisti- chen Weltanschauung entsprechenden Ausrichtung der Staatsjugend. Der Heranbildung eines Führer­korps werde auch die Akademie für deutsche Jugendführung dienen, die noch in diesem Jahr in München und Braunschweig er­richtet werden soll. Auf besonderen Wunsch des Führers werde außerdem eine Schule für die BDM. -Führerinnen, die Reichssportschule in Berchtesgaden, erstehen.

Die sportliche Leistungsprüfung beim Neichsberufswetlkampf.

Berlin, 17. Jan. Da beim Reichsberufswett­kampf die Gesamt-Leistungsfähigkeit nachgewiesen werden soll, haben die Sieger aus den Ortsentscheidungen innerhalb der Gauentschei- dungswettkämpse 1936 auch noch an sportlichen Wettbewerben teilzunehmen. Durch diese Anordnung wird vermieden, daß nicht durch Zu- all etwa ein Schwächlings- ober Strebertyp Sie­ger wird, sondern ein gesunderJungarbei- ter. Die Bedingungen sind auch für Ungeübte äußerst einfach und stellen lediglich Mindestforde­rungen dar, die an jeden körperlich einwandfreien Menschen gestellt werden können. Die Wertung ist entsprechend den Altersstufen angesetzt. Für sämt­liche Altersgruppen wird eine Mindestpunktzahl ungeschrieben, deren Erreichung den Bewerber berechtigt, weiterhin in der Entscheidung mitzu- kampsen Schwächen in einer Hebung können durch gute Leistungen in der anderen Hebung ausgegli­chen werden. Die Gesamtpunktzahl ist en t s che id e n d. Heberpunkte werden gewertet. Es ist je eine Lauf-, eine Sprung- und eine Wurs- ubung vorgesehen. Mit Ausnahme des Laufes fin­den die Hebungen in der Halle statt.

DieNationalsozialistische Bewegung Oesterreichs" fordert Volksabstimmung.

Wien, 18. Jan. (DNB.) In ganz Oester­reich wurde gestern in Hunderttausenden von Exemplaren ein Flugblatt verteilt, unterzeich­net von derNationalsozialistischen Bewegung Oe st erreich s", in dem eine all­gemeine Volksabstimmung verlangt wird. In dem Flugblatt heißt es:

Wir stellen fest, daß die Regierung des derzei­tigen österreichischen Regimes durch Rechtsbeugun­gen und Verfassungsbrüche den Boden der Legalität verlassen, den Volkswillen aus­geschaltet und damit die den Staat tragende Rechts­grundlage zerstört hat. Wir stellen fest, daß das derzeitige System sich nur mit Mitteln gewaltsamer Hnterdrückung und mit fremder Hilfe an der Macht erhält. Tausende der Besten des Volkes, die für Freiheit und Recht der Nation eintraten, wurde verfolgt, entrechtet und in die Gefängnisse geworfen. Wir stellen fest, daß das derzeitige Gewaltsystem zur Erhaltung seiner eigenen Macht gegen den Willen des Volkes ungeheuere Summen sinnlos ver­schleudert, während es der immer mehr um sich greifenden Verelendung des Volkes nicht zu steuern vermag. Wir stellen fest, daß die Regierung des gegenwärtigen Systems, indes sie vorgab, zum Besten des gesamten Deutschtums Oesterreichs Um abhängigkeit zu wahren, diese längst völlig preisgegeben hat zugunsten fremder Mächte, die den deutschen Staat Oesterreich als Werkzeug ihrer deutschfeindlichen Politik miß­

brauchen. Wir stellen fest, daß die vom gegenwär­tigen Regierungssystem mißbräuchlich durchgeführte Vermischung von Religion und Staat das Ansehen der Kirche weitgehend herabgesetzt hat.

Wir fordern: Wiederherstellung eines unanta st baren Rechts- und Berfas- s u n g s z u sta n d es in Oesterreich. Wir fordern eine freie, allgemeine und geheime Abstimmung zur Ermittlung des unverfäschten Volkswillens. Durch sie soll eine vom Vertrauen des Volkes getragene Regierung an die Macht ge­bracht werden, deren Aufgabe es sein wird, im In­nern Arbeit und Brot für jeden Volksgenossen ju schaffen und wahre deutsche Volksgemeinschaft zu verwirklichen und nach außen eine Politik gesamt­deutscher Solidarität zu betreiben, die in Ablehnung jeder volksfremden Abhängigkeit aus dem bisherigen Unruheherd Oesterreich ein Element der Sicherheit und des Friedens im Herzen Europas schafft.

Unerschütterlich auf dem Boden des nationalsozia­listischen Programmes stehend, erklären wir österrei­chischen Nationalsozialisten uns entschlossen, in eige­ner Verantwortung und aus eigener Kraft bis zur äußersten Grenze der Zurückhaltung mit den Waf- fcn des Geistes und Charakters dafür zu kämpfen, daß die kostbarsten nationalen Güter: Vaterland, Volkstum, Heimat, Religion, Freiheit, Ehre und Recht dem eigennützigen Mißbrauch der Gegen­wart entzogen und in einer größeren Zukunft Ge­meingut aller deutschen Volksgenossen in Oesterreich fein werden!

Deutsche und ungarische;

&

irtschast.

Der Besuch des ungarischen Handelsministers Dr. Stephan vonWinchkler in Berlin galt Han­dels- und wirtschaftspolitischen Fragen. Bei den engen Beziehungen zwischen Deutschland und Un­garn und der geschichtlicben und gegenwärtigen Be­deutung des guten deutsch-ungarischen Verhältnisses Dr. von Winchkler mit der gleichen Herzlichkeit begrüßt worden, mit der Ministerpräsident Gömbös bei seinem letzten Besuch am 29. September 1935 vom Deutschen Reiche empfangen worden ist. Der ungarische Handelsminister sieht seine Hauptaufgabe darin, den Warenaustausch zwischen den beiden Ländern zu heben und zu vertiefen. Als Anfang November die deutschen und ungarischen Regierungs- ausscküsse über die Probleme verhandelten, die eine schnell wechselnde Zeit aufwarf, und im Zusatz­abkommen zum Handelsvertrag vom 21. Februar 1934 nicht vorgesehen waren, standen sie vor der Tatsache, daß Deutschland im Jahre 1935 zum ersten- mal vor Oesterreick) und Italien an die Spitze des ungarischen A u ß e n h a n d e l s ver­te h r s gerückt war.

Deutschland war der beste Kunde und der befte ß i e"f e r a n t Ungarns. Wir führten hauptsächlich nach Ungarn aus: chemische Erzeug­nisse, Holz- und Papierwaren, Porzellanwaren, Glas, Eisen- und Metallwaren, Messerschmiede­waren, landwirtschaftliche Maschinen und Geräte, kurzum Erzeugnisse, die Deutschland mit seiner hoch­qualifizierten Arbeiterschaft herstellt. Dagegen bezo­gen wir aus Ungarn vor allem landwirtschaftliche Produkte. Diese Einfuhr aus Ungarn hat in der letz­ten Zeit sich noch vermehrt, vor allem nehmen wir Ungarn Schweinefleisch und Fett ab. Die früher also stark beschränkte Vieheinfuhr nach Deutschland ist er­weitert worden. Vor allem wurde der Zahlungs­verkehr durch Kompensationen der Devisen neu geregelt. Die ungarischen Warenschulden gegenüber Deutschland sind im Vorjahre glatt beglichen worden.

Die Ziffern für das letzte Vierteljahr 1935 lie­gen noch nicht vor, doch zeigen die Tabellen über die Entwicklung des deutsch-ungarischen Handels die Bedeutung des Gesamtverkehrs. Denn in ben er ft en neun Monaten des Jahres 193 5 entfielen auf die Gesamteinfuhr U n- g a r n s in Höhe von 267,4 Millionen auf Deutsch­lands Anteil 62,7 Millionen und auf Oesterreich nur 57, auf Italien 20,5. In derselben Zeit betrug

bie Ausfuhr aus Ungarn nach Deutsch­land 62,1 Millionen Pengö, nach Oesterreich 60,9 Millionen und nach Italien 39,2. Es ist also nicht wahr, daß in Verfolg des Abkommens von Rom Italien der beste Absatzmarkt Ungarns wurde, denn Italien kam erst an d i e dritte Stelle hinter Deutschland und Oesterreich. Die Forderungen Ungarns an Italien bereiten in Bu­dapest erhebliche Kopfschmerzen. Dagegen verläuft der Handel zwischen Ungarn und dem Deutschen Reiche glatt. Deutschland war in den Jahren 1933 mit 19,9 1934 mit 18,2, in den ersten neun Mona­ten des Jahres 1935 aber 23,5 Prozent an der ungarischen Einfuhr beteiligt. Dagegen nahm Deutschland von der ungarischen Ausfuhr 1933 nur 10,7 Prozent auf, 1934 20,3 Prozent, in den ersten neun Monaten des Jahres 1935 20,8 Prozent. Gegenüber 1933 hat sich also die ungarische Aus­fuhr nach Deutschland beinahe verdoppelt.

Das Zusatzabkommen vom 21. Februar 1 93 4 hat dem Warenaustausch einen neuen Auftrieb gegeben. Aus der ungarischen Einfuhr- Statistik geht hervor, daß die deutschen Erzeugnisse sich in allen Positionen erheblich vermehrten. In den ersten neun Monaten des Vorjahres führte Ungarn aus Deutschland für 62,725 Millionen Pengö aegen 44,853 im Jahre 1934 ein und nach Deutschland für 62,075 Millionen gegen 56,669 aus. Auf der ungarischen Ausfuhrseite spielten vor allem die landwirtschaftlichen Erzeugnisse eine Rolle, besonders Schweinefleisch und Speck. Bereits im Vorjahre lieferte Ungarn ein Zusatz- kontingent von 2500 Rindern, und die letzte Er­höhung der landwirtschaftlichen Kontingente; vor allem die vermehrte Lieferung von Schweinefleisch und Schweinefett ist den Ungarn hoch willkommen, weil das Land noch immer unter den Wirkungen der Agrarkrise zu leiden hat. Zudem hat Ungarn auch seine Landwirtschaft auf die Erzeugnisse umgestellt, die Deutschland fortlaufend in gro­ßen Mengen benötigt, so vor allem auf den An­bau von Sojabohnen und Leinsaaten. Die Oelsaatenverwertungsgenossenschaft Ungarn* hatte bereits im Jahre 1934 60 000 Katastraljoch nicht mehr mit Weizen, an dem Ueber- stuß herrscht, sondern mit Leinsaaten be­pflanzt, um auf dem neuerschlossenen deutschen Markt damit vorzudringen. Andererseits steht im