Nr. 296 Drittes Blatt
Freitag. 18. Dezember 1936
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
6arl Mario von Weber.
Bonnführer Heim
Zeichen zum Entzünden der
libt das
552
Aus her Provinzialhaupistadi
der Reichsstrahensammlung der 35). zu einem
den Befehl an die Jugend zur Pflicht- in diesen Tagen der Straßensammlung
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und sein
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Wie schwer die Not sei, wir wollen
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formierten sich die Gefolgschaften der Jungen und Mädels zum Abmarsch durch die regennassen Straßen.
großen Erfolg zu verhelfen
Pflicht so zu tun, wie es notwendig ist, das deutsche Volk ewig lebe
Bannführer Heim
Stadttheater Gießen.
Aus dem Stadttheaterbureau wird
Abzeichen waren 1500 km nötig; das ist eine Strecke von Danzig bis Aachen und wieder zurück von Aachen bis Berlin.
Diesen Zahlen ist stets der erste Auftrag auf Her« stellung von 6 Millionen Abzeichen zugrundegelegt. Der Auftrag der Reichsführung des Winterhil's« wertes war für die Eifelbevölkerung eine sehr fühlbare Erleichterung, ganz besonders in diesem Jahr, in dem infolge des regnerischen Sommers die ohnehin magere' Ernte noch kümmerlicher ausgefall-n ist. Wenn dieser Verdienst zunächst auch nur ein einmaliger und vorübergehender war, so bedeutete er doch für viele Familien eine große Hilfe.
Bannführer Heim bringt den Gruß an den Führer aus. — (Aufnahme: Pfaff. Gießen.)
den; denn die Jugend von heute wird einmal die Partei von morgen sein. Was die Partei erkämpft, wird die Jugend zu bewahren, was der Partei heilig war, wird sie zu verteidigen haben Darum muß die Jugend schon jetzt in diese Aufgaben hineinwachsen, und wenn sie nun durch die Straßen geht und für das Volk sammelt, dann tut sie nur ihre Pflicht.
Kreisamtsleiter Heß sprach bann von den Maschen, die zu allen Zeiten größer waren, als ihre Zeit, die nicht an das eigene Ich dachten, sondern nur an das Volk. Er erinnerte daran, daß es auch Menschen gab, die von der Gemeinschaft und der Liebe redeten und darüber keine Zeit zur Tat hatten, unsere Jugend will aber nur die Tat.
3n dieser Tatbereitschaft geht die junge Generation auf die Straße, und sie will das Ge
wissen der Nation sein.
auch das Schicksal und wie groß auch wir kapitulieren nicht vor ihnen,
Am 18. Dezember jährt sich zum 150. Maie der Geburtstag Carl Maria von Webers, der in Eutin das'Licht der Welt erblickte. Er ist der Schöpfer der romantischen Oper, und seine Werke, wie der „Freischütz", „Euryanthe" und „Oberon", wer- den unsterblich sein. Eine ausführliche Würdigung finden unsere Leser im Familienblatt. —- (Scherl- Bilderdienst-M.)
Unaufhörlich fällt der Regen. Trotzdem ist am Donnerstagabend die Jugend des neuen Deutschland nut ihren Fahnen und Wimpeln zur feierlichen Eröffnung -der Reichs sammlung für das WHW. auf dem Landgraf-Philipp-Platz auf- marschiert Vor der Rednertribüne stehen die Fahnen, der Spielmannszug des JV. und die Fanfarenbläser.
Die HZ. marschiert im Kamps gegen Hunger und Kälte
schrieben:
Infolge anhaltender Erkrankungen im Personal findet die Erstaufführung von , Gyges und sein Ring", Trauerspiel von Friedrich Hebbel heute nicht statt. Dafür geht das rheinische Volksstück „Der
gab ersüllung in diesen Tagen „ ,
und brachte das Treugelöbnis zum Führer aus. Die begeisterten Sieg-Heil-Rufe auf den Führer und die Nationallieder schallten über den Platz. Dann
_______ sie überwinden. Großes ist schon getan, aber die Not war zu groß, als daß sie in dieser kurzen Zeit seit der Machtübernahme restlos hätte beseitigt werden können. Wir werden auch diese Zeit noch überstehen, wenn wir uns der Schicksals- und Glaubensgemeinschaft bewußt sind, die unser Volk umschließt. Darum richtete der Kreisamtsleiter den Appell an alle Volksgenossen,
NSG. Das Material für das W e i h n a ch t s a b - zeichen des Winterhilfswerkes, dessen Verkauf jetzt die Hitlerjugend besorgt, wurde ausschließlich aus der deutschen Westmark bezogen. Wie stark dieser WHW.-Auftrag die einzelnen Wirtschaftszweige beeinflußte, lassen die nachfolgenden Zahlen erkennen: es wurden zirka 42 cbm = 14 000 qm Holz beansprucht. Wollte man die daraus angefertigten 6 Millionen Abzeichen aneinanderreihen, so würde sich eine Strecke von 300 Kilometer ergeben, was einer Entfernung von Berlin bis Bremen entspricht. An Farben und Bronze zum Bemalen der Abzeichen wurden etwa 1800 kg gebraucht. Mit dieser Farbe könnte man eine Fläche von etwa 18 000 qm streichen bzw. einen 10 cm breiten Streifen von Berlin bis Dresden ziehen. Der benötigte Lack (zirka 2400 Liter) würde eine Säule von' 8 cm Durchmesser in einer Hohe von
m füllen An Kordel für das Aufhängen der
gibt das Zeichen zum Entzünden der Fackeln, die bei dem anhaltenden Regen das Bild nur spärlich erhellen. Dann künden Fanfarentöne den Beginn der Feierstunde. Eines der Nürnberger Lieder der HI von der Freiheit, der das junge L^ben gehört, leitet über zu den kurzen Worten des Bannführers Heim, der den Beginn der Reichsjammlung der
Heute, morgen und übermorgen?
NSG. Drei Tage marschiert die junge Garde des Führers im Kampf gegen Hunger und Kälte. Am 18., 19. und 20. Dezember steht sie auf den Straßen und Plätzen, bewaffnet nut den bekannten Sammel- büchsen der NSV. und richtet ihren Appell an das deutsche Volk: „Helft uns helfen!" Damit stellt sich die gesamte Hitlerjugend zum dritten Male in den Dienst des Winterhilfswerks: keiner schließt sich aus. Hitlerjungen und die Mädel vom BDM., Pimpfe und Jungmädel, sie alle stürmen gemeinsam gegen die Not, wie sie es Jahr für Jahr schon getan haben und wie sie es auch fürderhin tun werden, solange, bis der Führer sie zum neuen Einsatz ruft. „Freude zum F e st" ist ihre Parole, und so überschütten sie das Land mit einem Heer von Märchenkindern, die alt und jung begeistern werden Engel und Zwerge haben sich auf- gemacht, um auf der Erde — und wo wäre ihr Treiben wünschenswerter — in jedes Haus, in jede Hütte einzudringen und Freude zu bringen.
Der Generaleinsatz aller verfügbaren Kräfte ist für den dritten Sammeltag, den Sonntag, angeordnet. Es dürfte sich im Gebiet Hessen-Nassau um etwa 300 000 „verkaufstüchtige" Hitlerjungen, Madels des BDM., Pimpfe und Jungmädel handeln, die büchsenichwingend jeden Volksgenossen um sein Scherflein bitten werden.
Oie wirtschaftliche Seite des neuen Winierbilfsabzeickens.
Oer Lhristbaumbänbler.
Er hat seit Jahren denselben Platz. Bei einem großen Hauseingang, in den er sich bei allzu schlechter Witterung zurückziehen kann. Gern tut er oas freilich nicht. Lieb-r steht ->r neben feinen Bäumen, die sich in gleichmäßiger Reihe an die breite Haus- roanb lehnen. Oder er geht langsamen Schrittes auf und ab, mit kritischen Blicken die Bäume und die Passanten musternd. Dabei trägt er gewöhnlich eine dicke grüne Joppe und eine altväterliche warme Mütze mit Ohrenklappen. Im ganzen macht er den Eindruck eines Mannes mit soliden und grundfesten Ansichten, der alles, was er tut, von der rechten Seite anpackt.
Zeigt jemand von den Vorübergehenden die Neigung, stehenzubleiben und die aufgestellten Bäume zu betrachten, so ist er gleich bei der Hand, die vielleicht vorhandenen Kaufabsichten zu fördern. „Sehen Sie, dieser Baum ist ein Prachtexemplar. Er ist tadellos schlank, und seine Zweige sitzen genau richtig. Was Besseres gibt es überhaupt nicht. Ich sage Ihnen, mit dem Baum können Sie Staat machen."
Ist der Vorübergehende jedoch nur absichtslos stehengeblieben und schickt er sich rasch an, weiterzugehen, dann brummelt der graubärtige Verkäufer etwas von Unverstand und reibt sich die klammen Finger. Oder er verzieht nur ein wenig die Mundwinkel und setzt seine Tabakspfeife erneut in Brand. Paffend schreitet er dann die Front der grünen Waldkinder ab, und seine Augen unter den dichten Brauen blitzen womöglich noch kritischer auf die eiligen Fußgänger.
Aber er ist bei aller gelegentlichen Rauhbeinigkeit eine wackere Seele. In seinem Straßenviertel kennt man ihn, und für nicht wenige ist es deshalb eine ausgemachte Sache, daß der Weihnachtsbaum bei ihm erstanden wird. Und er freut sich offensichtlich, wenn jemand von seinen „alten Käufern" kommt. In den letzten Tagen vor dem Fest ist gewöhnlich Hochbetrieb an dem großen Hauseingang, den die Tannenbäume flankieren. Dann hat der Mann in der dicken grünen Joppe nur noch wenig Gelegenheit, langsam auf und ab zu schreiten. Ab°r er nimmt sich nichtsdestoweniger Zeit, für alle Käufer ein passendes Bäumen herauszusuchen. Und ro-nn es mal jemanden nicht schnell genug geht, dann blitzen ihn ein Paar Augen unter buschigen Brauen an und eine tiefe Stimme brummelt etwas.
H. W. Sch.
D^noinen.
Tageskalender für Freitag.
Stadttheater: 20 bis 22.30 Uhr „Der Sprung aus dem Alltag". — Gloria-Palast, Seltersnng: „Diener lassen bitten". — Lichtspielhaus, Bahnhof- straße: „Wenn wir alle Engel wären". — Weihnachtsausstellung der vberhefsischen Künstler: ab 17 Uhr im Turmhaus am Brand.
Hitlerjugend ankündet. Dann spricht der
GebietSabtei'ungSleiier-, tlnterbannsührer Oetimar-Wiesbaden über die Arbeit und den Sinn dieses neuen Einsatzes der HI., die nicht nur zu marschieren versteht, sondern auch zu dienen bereit ift Diese Jugend ist eine junge sozialistische Tatgern e i n s ch a s t, die sich von Anbeginn ihres Bestehens zu der Schicksalsgemeinschaft und zu der Ausgabe des deutschen Volkes bekennt.
wenn diese Jugend jetzt wieder mit ihren Sammelbüchsen durch die Straßen geht, so erfüllt sie nur ihre Ausgabe im Dienste der Gemeinschaft, und sie will ihr Teil an der natio- nalsozialistischen Arbeit für das Volk tun, die ihr innerhalb der 5)3. aufgetragen ist.
In dieser Reichsstraßensammlung sieht die HI. nur einen Teil ihrer sozialen Arbeit, von der der markanteste Zug der Reichsberufswettkampf ist, der durch die Berufsschulung, die Lehrlingsbetrenung, die Freizeitbewegung und eine große stille Kleinarbeit vertieft Ausdruck ist der hohen Auslastung der Aufgaben, die die Jugend am Volke erfüllt. So soll diese Reichssammlung nur der Auftakt für die Proklamierung der sozialistischen Tatbereitschaft der Hitler-Jugend sein, die Im Monat Januar im ganzen Gau Hessen-Nassau erfolgen wird
Durch diese Sammlung will die Jugend allen Volksgenossen mit gutem Beispiel vorangehen und sie ausmuntern und anspornen zum Opfer für das Volk. Wenn die 5)3. mit ihren Sammelbüchsen durch die Straßen geht, will sie, die auch darum weiß, wieviel von jedem einzelnen Volksgenossen an Opfern gefordert wird, daran erinnern, daß immer wieder neue Taten notwendig sind.
Sie will auch den letzten Volksgenossen von der Notwendigkeit dieser Opfer überzeugen, und er soll wissen, daß manche von den Jungen und Mädels, die durch die Straßen gehen und vielfach selbst nicht einmal ordentliches Schuhwerk oder warme Kleidung haben, das größere Opfer bringen. Die Jugend kennt selbst die kleinen Alltagssorgen, die von manchen Eltern an die Dienststellen herangetra- gen werden. Aber sie weiß auch, daß diese Sorgen überwunden werden können durch die gemeinschaftliche Tat, durch das Bekenntnis zur Schicksalsgemeinschaft des deutschen Volkes. Durch gemeinsame Arbeit und gemeinsamen Kamps gegen Bolschewismus und Judentum will auch die Jugend mithelfen, bis der letzte Deutsche ein anständiges Leben führen kann und bis er eingereiht ist in die Schicksalsgemeinschaft des Volkes.
Als Vertreter des verhinderten Kreisleiters überbrachte
Kre'samtsieiter Heß
dessen beste Wünsche für volles Gelingen dieser Arbeit und betonte die Verbundenheit zwischen der Hitler-Jugend und der Partei. Er gab zu wissen, daß HI. und Partei nie voneinander getrennt werden können, sondern stets eine Einheit bilden wer-
Wege im Rebel.
Vornan von Käthe Mehner.
(Copyright by Aufwärts-Verlag, Berlin SW 68.)
36 Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
„Und Dr. Rammelt? Wissen Sie etwas von ihm?"
„Leider nein! Aber ich will gleich von hier aus zum Magdalenenhospital fahren und mich erkundigen' Ich komme dann wieder und gebe Ihnen Bescheid'"
„Wie soll ich Ihnen nur jemals danken, Fräulein Inge!"
„Sprechzeit zu Ende!"
Der Beamte von vorhin stand in der Tur und forderte Inge Schlicht auf, sich zu verabschieden.
Fast war sie froh über die Unterbrechung. „Wer weiß, ob ich sonst nicht doch noch schwach geworden wäre", dachte sie heimlich.
Dann gab sie Walter Brand mit festem Händedruck ihre Rechte:
„Ich komme bald wieder!" rief sie zuruck. „Nur nicht den Mut verlieren!"
Lange noch stand Walter Brand, blickte wie verzückt auf die Stelle, an der Inge Schlicht gestanden hatte. Ein leises Lächeln lag auf seinen Zugen
Dann legte er sich auf das einfache Lager Die Reaktion nach den erlittenen Qualen machte sich geltend. , r£ .
Schon nach wenigen Minuten war er fest und traumlos eingeschlafen.
♦
Mit eiligen Schritten lief Inge Schlicht die breite treppe des Magdalenenhospitals hinab
In ihren Auaen stand noch das Erschrecken über hie furchtbare Nachricht, die sie soeben von Sanna Heller erfahren hatte. Wie entsetzlich hatte sich das Verschwinden Olga Willnoffs nun aufgeklärt! Fast undenkbar schien es, und doch hatte es Rammelt ja selber ausgesagt: daß er auf Olga Willnoff geschossen und sie verwundet habe! Daß sie alle die Zeit in der Weststadtklinik gelegen hatte, wahrend man vergeblich überall nach ihr suchte ...
Mehr als das hatte freilich auch Janna nicht berichten können. Niemand wußte den Grund für Rammelts Tat, niemand kannte die eigentlichen Zusammenhänge, die zu dem Zwischenfall geführt hatten. Und doch hatte sie, Inge Schlicht, Olga Will- noff mit Rammelt, — noch am gleichen Abend wahrscheinlich — vor der „Excelsior-Bar" gesehen! Was bedeutete das alles?
Sie hielt plötzlich betroffen im Laufen ein. Ein furchtbarer Gedanke ließ ihr Herz in rasenden Stößen schlagen. Würde man nicht auch diese neue Sache wieder zuungunsten Walter Brands auslegen? Würde man nicht Olga Willnoff als Abgesandte Brandts betrachten, die Rammelt mit oder ohne Gewalt das Gutachten entreißen sollte, so daß es auf diese Weise zu einer gewaltsamen Auseinandersetzung zwischen ihnen gekommen war, in deren Verlauf Rammelt dann auf Olga Willnoff geschossen hatte?! Mußte nicht auch der Kommissar zu dieser Folgerung kommen?
„Nein' Nein!" sagte Inge Schlicht plötzlich laut vor sich hin. „Das darf, darf nicht sein! Ich muß selber mit Olga Willnoff sprechen, koste es, was es wolle!"
Sie winkte einem Taxi.
„Zur Weststadtklinik bitte! Lindenstraße 111" *
„Leider kann ich einen Besuch für Fräulein Will- noff heute noch nicht anehmen!" gab die auf ihre dringende Bitte herbeigeeilte Oberin Inge Schlicht den abschlägigen Bescheid
„Aber ich muß zu ihr!" rief Inge verzweifelt, kaum daran denkend, daß die Oberin von ihren besonderen Gründen nichts wissen könnte. Flehentlich sah sie zu ihr auf,--sah dann plötzlich die
Güte in den freundlichen, aber beherrschten Zügen der Oberin, und beschloß impulsiv, diese Frau ins Vertrauen zu ziehen, ihr alles zu erzählen. Vielleicht hatte sie einen Rat vielleicht konnte sie helfen!
„Darf ich Sie einen Augenblick sprechen, Frau Oberin?" bat sie. „Es ist sehr dringend!"
Der Gesichtsausdruck Inges war so verzweifelt, so voll heißer Angst daß die Oberin gern einwilligte
„So kommen Sie bitte mit mir!" sagte sie freundlich. indem sie Inge durch einen kleinen Gang in ein stilles, zum Garten hinaus gelegenes Zimmer führte.
wir Gewißheit bekommen, desto mehr Stunden der
Rot über» zu haben.
das Krankenzimmer.
jemanden, der Sie be>
bei den letzten Worten mit glühendem zogen Fast beschämt, zu viel verraten brach sie in ihrer Rede ab
Vielleicht überlassen Sie es mitzuteilen!"
Inge nickte wortlos.
Dann betrat die Oberin
„Hier bringe ich Ihnen
Und Inge erzählte. — — — — — — —s Mehr und mehr war das Gesicht der Oberin während der Erzählung des jungen Mädchens in Erregung geraten.
„So steht also der Fall dieses Fräulein Willnoff in Verbindung mit dem Fall Brand, mit dem Mordverdacht gegen den bekannten Großindustriellen Brand?" rief sie laut aus. „Und die Vernehmung Fräulein Willnoffs durch Kommissar Wagner hätte hauptsächlich den Zweck, weitere Beweise gegen Direktor Brand zu konstruieren! Denn jetzt kann ich es Ihnen ja sagen, Fräulein Schlicht: Kriminalkommissar Wagner war gestern schon zweimal hier, um auch mit uns wegen Fräulein Willnoff ein Verhör vorzunehmen!"
„Ich dachte es mir schon!" murmelte Inge.
„Aber wir haben ihm ja auch nicht viel sagen können!" fuhr die Oberin fort. „Was hätten wir auch weiter sagen sollen, als das Dr Rammelt eine schwerverletzte Dame spät in der Nacht hier ablieferte, daß er behauptet hat, sie hätte einen Selbstmordversuch begangen, und daß er in sehr erregter Verfassung zwei Nächte hier in der Klinik verbracht hat, um das Resultat über die Operation entgegenzunehmen Daß er Namen und Adresse für die Patientin falsch angegeben hat, ist ja unter den gegebenen Umständen nicht weiter erstaunlich — ebenso, daß diese Tatsache uns verhindert hat, die Eltern der jungen Dame zu benachrichtigen — was er außerdem selbst zu tun vorgegeben hatte!"
„Und hat nun Kommissar Wagner mit Olga Willnoff selbst gesprochen?" warf Inge ein.
„Nein, von einer Vernehmung von Fräulein Willnoff konnte noch gar keine Rede sein. Ich habe dem Kommissar versprochen, ihm Bescheid zukommen zu lassen, sobald der Zustand der Kranken ein Verhör zuläßt."
„Und mein Kommen ist bann also auch vergeblich Frau Oberin?" sagte Inge traurig. „Und ich hatte mir so viel davon versprochen! Wenn man nur wenigstens erfahren könnte, ob es sicy vei diesem seltsamen Streit zwischen Rammelt und ihr
Doch mit gütigem Lächeln strich ihr die Oberin über bas Haar.
„Ich verstehe jetzt schon, Fräulein Schlicht!--
Sie benken, in ber Sache am besten etwas tun zu können, inbem Sie selber mit Fräulein Willnoff reden. Sie denken, von Frau zu Frau spricht sich leichter aus, was sonst vielleicht verschloßen bliebe. Ich will Ihnen etwas sagen, gehen Sie ruhig zu Fräulein Willnoff hinein ..!"
„Ich barf zu ihr? Sie erlauben ...?
In überftrömenber Dankbarkeit ergriff Inge die große, kräftige Hand der Oberin.
„Danke, Frau Oberin, wie kann ich Ihnen nur danken?!"
Doch diese wehrte ab:
„Da ist doch nichts zu danken, Kind! Ich weiß genau, was ich Ihnen erlaube, und was ich einem Kommissar noch nicht erlauben konnte. Unter andern Umständen hätte ich ja auch Ihnen den Besuch nicht gestattet. Hier aber liegen die Verhältnisse so besonders, daß man auch eine besondere Art der Hilfe versuchen muß. Kommen Sie, ich will Sie jetzt selber zu Fräulein Willnoff führen!"
Mit klopfendem Herzen folgte Inge Schlicht der Oberin ins erste Stockwerk, bann an einer langen Reihe von Türen entlang, bis bie Oberin stehen blieb.
Qual, bes Wartens in seiner entsetzlichen Unter- suchungszelle werden Generaldirektor Brand erspart!"
Ohne es zu wollen, hatten sich Inges Wangen
suchen will, Fräulein Willnoff;" sagte sie, zum Krankenbett gerichtet, winkte dann Inge herein.
(Fortsetzung folgtI)
„Hier ist es!" flüsterte sie. „Aber nicht wahr, Si« vergessen nicht, daß Sie eine Kranke vor sich haben!
mir, ihr bas Wichtigste
„Hier können Sie ungestört sprechen, Fräulein j muß, muß boch aufgeklärt werben' Unb je früher Schlicht!" sagte sie, ihr einen Stuhl heranholenb.' t*'e ******* *****t"‘
„Worum hanbelt es sich benn?"
wirklich um bas Gutachten ober vielleicht bvch um etwas ganz anberes gehandelt hat! ©erabe das I


