ßreitag, 18. Dezember 1936
186. Jahrgang
Nr 296 Erstes Blatt
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Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
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Die französische Flotte
mit 572 910 Tonnen
Zus. 190 Schifft
Zerstörer U-Boote
Fertig 9 1 10 8 31 45 86
umfaßte zum 1. September: ~ ■ e Schiffe:
Schlachtschiffe Flugzeugträger schwere Kreuzer leichte Kreuzer Flottillenführer
Angaben sprechen.
Zunächst ist die französische Seestellung in der Tat oon überlegener Güte. Der angebliche Nachteil der doppelten Seefront am Atlantik und Mittelmeer, der in englisch-französischen Kriegen über hundert Jahre eine beherrl^"nde Rolle spielte, verschwindet angesicht der zwischen den beiden Staaten herrschenden Beziehungen, so daß die Zusammenziehung beider Flottenteile durch nichts gehindert wird. Die lange, gut gegliederte Küste gewährt an beiden Fronten eine sehr große Zahl brauchbarer Häfen, von denen am Atlantik nur Calais, Cherbourg, Brest, St Na- zaire. Rochefort, Lorient, Bordeaux und am Mittelmeer Bort Vendres, Marseille und Toulon zu nennen sind ganz zu schweigen von den starken Außenposten Korsika. Biserta. Dran u. a.
Die atlantischen Häfen stehen zur Zeit fast im Vordergründe des Interesses. Das dort statwmerte Atlantische Geschwader wächst zusehends und umfaßt bereits 58 Schiffe mit 13 000 Mann. Dabei hält man es absichtlich schwach in Unterseebooten um englische Befürchtungen vor einer so nahen' aefährlichen Nachbarschaft nicht zu wecken. Dieses Geschwader, das bereits drei modernisierte Schlachtschiffe umfaßt, soll später auch die noch stärkeren Neubauten aufnehmen, also zum Schwerpunkt der Seeverieidigung werden. Daß eine solche Häufung oon Kampfstärke auch anders gedeutet werden kann nämlich als Ausgangspunkt für den Angriff, z B ' auf die Seeverbindungen eines vermeintlichen Gegners, findet man selten erwähnt. Mer^noch muß eine Uebersicht sprechen.
mit 185 925 Tonnen
„ 22146
„ 105 923
„ 54 052
„ 73 604 „
„ 4« 326
„ 83 024
Französischer Flottenbau
23on ^onteraöm rat a. D. Gadow
Cs scheint, daß die Pause im Flottenbau, die mit den jetzt ablaufenden Verträgen zusammenhing, nun gewaltsam zu Ende geht. Nachdem in England bereits 77 Kriegsschiffe mit rund 320 000 Tonnen im Bau oder vergeben sind, in den Vereinigten Staaten sogar 97, darunter in beiden Fällen Schlachtschiffe ersten Ranges, hat die französische Marineoerwaltung jetzt auch ihre Pläne abgeschlossen. Es war bereits bekannt, daß auf die beiden im Ausbau begriffenen Schlacht- fchifft „D ü n k i r ch e n" und „Straßburg" oon je 26 000 Tonnen zwei größere namens „Richelieu" und „Jean Bart" folgen sollten. Ebenso umfaßte das Programm eine Anzahl Kreuzer, große Zerstörer und U-Boote. Soweit war nur zu bemerken, daß die Abmessungen der großen Schiffe recht dürftig als „Antwort" auf die deutschen Panzerschiffe der „Deutschland"-Klasse (10 000 Tonnen) begründet wurden, da sie fast 2V2maI so groß und bedeutend schwerer bewaffnet sind. Kein anderer als >er damals nicht im Amt befindliche Paul D o n c o u r machte sich in der Kammer über diesen Aufwand und dieses Mißverständnis lustig, das den französischen Schiffbauern ein Armutszeugnis ausstellte. Aehnlicher Ansicht ist man in England, wo das Wiederansteigen der Abmessungen der Schlachtschiffe mit Unbehagen verfolgt wird. Die angesehene Fachzeitschrift „Naval Military Record" schrieb soeben rückblickend dazu, daß Frankreich mit diesem Vorgang das neue Wettrüsten in Schlachtschiffen verschuldet habe. Denn auf die beiden französischen Neubauten „antwortete" Italien mit zwei noch größeren zu 35 000 Tonnen, namens ittorio" und „Vittorio D e n e t o", und alsbald erklärte sich Frankreich „gezwungen", auch hierauf mit den beiden schon genannten „Richelieu" und „Jean Bart" zu antworten. Inzwischen hat Deutschland seine „S ch a r n h o r st" und „G n e i f e n a u" zu Wasser gebracht, Schiffe von 26 000 Tonnen und leichter bewaffnet als die französischen, und schon kündigt Frankreich ay, daß es nicht zwei, sondern fünf ganz große Schlachtschiffe der „R'chelieu"-Klasse bauen werde.
Wenn Rüstungen in der Regel der Ausdruck der Besorgnis vor den Absichten eines möglichen Gegners sind, so wird man doch Fälle feststellen dürfen, wo diese Besorgnisse an den Haaren herbe i g e z o g e n ' werden und eher bestimmt scheinen, eigene Absichten zu verdecken. Als Deutschland entwaffnet war. starrte das bis an die Zähne bewaffnete Frankreich auf das Seecktsche 100 000- Mann-Heer mit seinen erbärmlichen Mun'ions- vorräten und Tankattrappen, auf den „Stahlhelm" mit seinen Windjacken und Lederriemen, auf die Lufthansa mit ihren „umstellbaren" Verkehrsmaschinen. Sväter mußte die wachsende nationalsozialistische Opposition in Deutschland herhalten, um die fehlende „moralische Abrüstung" zu beklagen und die eigene Aufrüstung zu begründen Nach der Machtübernahme entstand die Maginot-Linie. und die Luftwaffe wurde verdoppelt und vervielfacht. Heute sieht man auch auf See deutsche Gespenster und will sich und anderen einreden, wie fast in jeder Facherörterung zu lesen ist, daß die deutsche Flotte oon der Nordsee aus die französischen Seeoerbindungen im Mittelmeer, die Transportwege für die schwarzen Divisionen von Nordafrika nach Toulon-Marseille gefährdet, d. h. in einem Seegebiet, das im Schutz einer hervorragenden ftra- tegischen Stellung und einer mehr als dreifach überlegenen eigenen Flottenmacht steht. Jedoch, da man auf Unvernunft ober Verdrehung nicht mit Vernunft allein erwidern kann, müssen m a t er i e 11 e
Deutschlands koloniale Forderung ist ein Problem wirtschaftlicher Existenz.
Deutschland braucht koloniale Rohstoffländer unter eigener Verwaltung und Währung.
Dr. Schacht
in einer englischen Zeitschrift Über Oie Kolon aisrage.
Berlin, 17. Dez. (DNB.) Der Reichsbankprä- fibent unb Reichswirtschaftsnunister Dr. Schacht hat ber Zeitschrift „Foreign Affairs" einen längeren Aufsatz über „Deutschlands Kolonialproblem" zur Verfügung gestellt, bem wir folgenbe Ausführungen entnehmen:
Es ist heute fo viel davon die Rede, daß Deutschland nach Autarkie strebt; aber mancher vergißt ganz, daß diese Autarkie längst von Ländern wie Frankreich und Großbritannien verwirklicht wird, ganz zu schweigen von Rußland und USA. Der Anteil der britischen Dominions, Kolonien und Protektorate an der Einfuhr Großbritanniens stieg in den letzten zwölf Jahren oon rund 31 auf rund 42 o. H. und der Anteil an der Ausfuhr von rund 41 auf 49 o. H. Frankreichs Einfuhr aus feinen Kolonien stieg in den letzten zehn Jahren von rund 10 auf rund' 26 v. H. Seine Ausfuhr dorthin von rund 14 auf 32 v. H. Die geographische Ausdehnung der Vereinigten Staaten bietet ein Wirtschaftsgebiet dar von gewaltigem Ausmaß und von größter Reichhaltigkeit, so daß USA. viel weniger auf den Warenaustausch mit der Außenwelt angewiesen ist als andere Staaten. Noch viel günstiger liegen die Verhältnisse natürlich für bas noch weniger entwickelte, aber fast alle Rohstoffe in sich bergenbe R u ß l a n b. Diesen großen nationalen Wirtschaftsräumen gegenüber stehen nun die Län- ber, bie über beschränkte Raurnverhält- nisse aber gleichzeitig über eine große B e - d ö IF e r u n g verfügen unb bie infolgebeffen bei ber Knappheit ihrer Bvbenschätze auf den internationalen Warenaustausch viel stärker angewiesen sind. Japan unb Italien finb aus ber Reihe ber unbefriebigten Nationen ausgeschieben Und in die Reihe ber gesättigten Nationen übergetreten.
Von den unbefriedigten Großmächten ist allein Deutschland übrig geblieben. Solange daher das koloniale Rohstoffproblem für Deutschland nicht gelöst Ist, wird Deutschland ein Unruheherd bleiben trotz aller seiner Friedensliebe, die es auf die Hoffnung nicht verzichten läßt, das koloniale Problem auf friedlichem Wege zu lösen und damit in die Reihe der „Haves" einzutreten.
Nun gibt es eine Reihe von Leuten, die der Meinung sind, baß man ja nur ben international len Warenaustausch wieder herzustellen brauche, um Deutschlands Absatz zu vergrößern und ihm damit bie Möglichkeit zum Ankauf von Rohstoffen wieberzugeben. Mer es ist noch niemals gelungen, bie Jbeale biefer Leute in bie Wirklichkeit umzusetzen. Der Grunb hierfür liegt in ber Entbeckung, baß bie wirtschaftlichen Kräfte einer Nation eine außerorbentliche Bebeutung haben auch für bie politische Stellung einer Nation. Man glaubt, burch bie Zurückhaltung ober bie Zuteilung von Rohstoffen bie politische Lage beeinflussen zu können. Wer ben Frieben will, kann niemals solche Mittel billigen, wie sie bie Absperrung großer Motionen von ben Naturschätzen ber Erbe barstellt.
Besonbers lächerlich wirkt ber Einwurf, den Deutschlanb so oft auf feine koloniale Forberung hören muß, baß Kolonien unb insbefonbere seine früheren Kolonien nichts wert seien unb daß man ihm gar keinen Gefallen täte, wenn man ihm seine Kolonien zurückgeben würde. Die Gegenfrage liegt auf ber Hanb: Wenn bie Kolonien so schlecht finb, warum haltet i h r sie fest?
Wenn Deutschland heute, wo bie Welt keinen freien Hanbel mehr hat, wo Deutschlanb von Auslanbsschulben erbrücft wirb, wo Rohstoff- unb Devisennot es bebrängen, seine Kolonien zurückerhielte, so würbe es einen großen Teil seiner Nahrungsmittel unb Rohstoffe, bie ihm jetzt ehlen, aus seinen Kolonien gewinnen können.
Ein wenig ist ja bie Einsicht hinsichtlich ber kolonialen Bebürfnisse Deutschlanbs gewachsen. Als ich 1929 vor ber Young-Konferenz bie koloniale
Ich möchte deshalb zwei Bedingungen hier nennen, die für die Lösung des deutschen Rohstoffproblems unerläßlich sind. Erstens muß Deutschland seine Rohstoffe auf einem Territorium erzeugen können, das unter seiner eigenen Verwaltung sieht, und zwei- tens muh in diesem kolonialen Territorium d i e deutsche Währung umlaufen.
Wer koloniale Rohstoffe entwickeln will, der muh erhebliche Investitionen machen. Die kolonialen Märkte sind keine Märkte, die auf den persönlichen Bedarf der eingeborenen Bevölkerung beruhen. Hemden und hüte für die Reger und Schmucksachen für die Regerfrauen sind kein ausreichender Markt, koloniale Gebiete werden entwickelt durch den Bau von Eisenbahnen und Straßen, durch Automobilverkehr, Radio, elektrische Kraft, große Plantagen usw. von dem Augenblick an, wo die deutschen Kolonien unter die Verwaltung der Mandatsmächte gekommen sind, ist Deutschland von der Belieferung von Waren für alle diese Investitionen ausgeschlossen worden. Der Export Deutschlands nach Tanganjika z. B. betrug im Iahre 1913 52,6 v h. und im Jahre 1935 nur 10,7 v. h. der gesamten Tanganjika- Einfuhr. Es ist selbstverständlich, daß die britische Mandatsmacht in Orders in England placiert und nicht in Deutschland oder anderswo. Das ist der Grund, warum Deutschland koloniale Territorien braucht, in denen es selbst die Verwaltung hat. Da aber die Entwickelung der Kolonien von langfristigen Investitionen abhängig ist und diese Investitionen nicht von der eingeborenen Regerbevölkerung bezahlt werden können, so muh die eigene deutsche Währung in den kolonialen Gebieten umlaufen, damit die Investitionen mit deut-
London, 17. Dez. (DNB.) Der englische Politiker Noel Buxton weist in einer Zuschrift an bie „Times" auf bie Dringlichkeit bes Kolonialproblems hin In Deutschland sei man nämlich ber Meinung, daß bie Abmachungen von O t - t a ro a, bie ein Abgehen von ber Trabition ber offenen Tür bebeuteten, bereu sich früher England gebrüstet habe eine wirkliche Härte für Deutschland barstellten. Das System ber Vorzugszölle, bie sich bie einzelnen Mitgliebstaaten bes' Britischen Imperiums gewährten, habe ben b e u t f d) e n Hanbel schwer getroffen. Die Erweiterung bes Systems ber Vorzugsbehanblung auf die Kolonien werbe in Deutschland als ein
Forberung Deutschlanbs als unerläßliches Element für bas wirtschaftliche Bestehen Deutschlanbs bezeichnete, würbe ich verlacht. Jetzt aber hat ein englischer Minister Sir Samuel 8) o a r e, im September vorigen Jahres vor bem Völkerbunb sich für eine neue Verteilung bes Zuganges zu ben Rohstoffguellen ber Welt eingelegt. Was hinter biefer Formulierung an näheren Vorschlägen unb Absichten steht, ist bisher mcht bekannt geworben.
fchem Kredit gemacht werden können. Daher sind diese beiden Bedingungen, deutsche Verwaltung und deutsche Währung in den kolonialen Gebieten, die Deutschland beansprucht. unerläßlich.
Alle anderen Fragen bie ben äußeren Einbruck ber Souveränität: Militär, Polizei, Rechtsprechung, Kirchen internationale Mitwirkung unb bergleichen betreffen, finb bisfutierbar Sie werben alle gelost werden können unter bem Gesichtspunkt internationaler Zusammenarbeit, solange man ber Ehre Deutschlanbs nichts unroürbiges zumutet. Das beutsche koloniale Problem ist kein imperialistisches Problem, kein bloßes Prestigeproblem, sondern einzig und allein ein Problem ber wirtschaftlichen Existenz Aber gerabe beshalb wirb hiervon bie Zukunft des europäischen Friedens abhängen.
*
Der Aufsatz im „Foreign Affcrirs" stellt noch einmal bie Grunbfätze bes beutfchen Kolonialproblems einbeutig heraus und widerlegt bie falschen Argumente, bie über bie deutschen Kolonialforderungen im Auslande leider immer noch gebräuchlich sind. Die Ausführungen Dr. Schachts bedeuten, im ganzen gesehen, einen neuen Versuch, die Debatte über diese für das gesamte deutsche Volk entscheidend wichtige Frage nicht versanden zu lassen. Wir können es nicht dulden, daß man die deutsche Forderung mit billigen, alltäglichen Schlagworten und beguemen Hinweisen auf Welthandel und Weltwirtschaft abtut. Für Deutschland ist, wie der Reichsbankpräsident vor aller Weltöffentlichkeit überzeugend bargetan hat, bie koloniale Frage keine Angelegenheit bes Prestiges, kein imperialistisches Problem. Zum erstenmal sind in biefem Artikel bie beiben grunblegenben Be- bingungen festgelegt worben, die Mindeft- erfordernisse für eine koloniale Betätigung des deutschen Volkes sind Hier bietet sich eine «Plattform für eine fachliche Aus- ! sprache.
Angriff auf die internationale Gerechtigkeit angesehen.
Nach deutscher Auffassung stehe das System der Vorzugsbehandlung im Gegensatz zur modernen Auffassung, wonach die Kolonien ein ungehindertes wirtschaftliches Betätigungsfeld für alle Nationen fein müßten. England und die anderen Kolonialstaaten schienen in deutschen Augen einen unangemessen großen Anteil an den kolonisierten Gebieten der Erde zu besitzen, so daß diese Mächte es selbst in der Hand hätten, sich eine stärkere moralische Stellung zu verschaffen, indem sie für diese Gebiete Mandatsbedingungen annähmen. Die
Die Voraussetzungen kolonialer Betätigung.
Die offene Tür.
Englischer Politiker fordert koloniale Zugeständnisse an Deutschland.
Im Bau oder bewilligt waren:
4 Schlachtschiffe mit 123 000 Tonnen
4 leichte Kreuzer „ 31 400 „
2 Flottillenführer „ 5 726 „
13 Zerstörer „ 14 888 „
6 U-Boote „ 6 261
Zus. 29 Schiffe Hierzu tritt bas neu brachte neue Progr
3 Schlachtschiffe
10 Kreuzer
6 Zerstörer
7 U-Boote
mit 187 917 Tonnen vom Marineminister einge» amm:
mit 105 000 Tonnen
„ 80 000
11400 „
mit etwa 7 000 „
Zus. 26 Schiffe mit 203 400 Tonnen
Dazu 23 Kanonenboote, Minensucher unb U-Boots- iäger unb 8 weitere Kriegsfahrzeuge, wahrscheinlich auch Flugzeugträger, sämtlich fertig bis 1943.
Setzt man billigerweise bis bahin einen Abgang von runb 200 000 Tonnen veralteten Schiffsraums ein (was bie Gegenrechnung bei uns geflissentlich nicht zu tun pflegt), so erhält man einen Enb- beftanb von runb 760 000 Tonnen, b. h. eine Flotte von runb 60 v. H. ber jetzigen englischen Stärke, veraleichbar mit den 35 v H., auf die Deutschland sich am 18. Juni 1935 mit England vertraglich geeinigt hat. Die engeren Beziehungen Frankreichs zu ber Sowjetunion
lassen dabei auch auf bie bort geplante Verstärkung oon 2 Schlachtschiffen unb 7 schweren Kreuzern einen Blick fallen, um bas ebenso Drohenbe wie Unbegrünbete bes Aufwanbes zu erkennen, ben ber Vizeabmiral Darlan, ber künftige Chef bes Ab- miralftabes, kürzlich bahin erläuterte, baß Frankreich notroenbigerroeife eine stärkere Flotte haben müsse als jede andere Kontinentalmacht.
Enalands ©eerüfhing.
Keine alten Krenzer werden abgewrackt.
London, 17. Dez. (DNB.) Der Erste Lord ber Admiralität, Sir Samuel Hoare, fünbigte im Unterhause an, baß bie britische Regierung die Vereinigten Staaten und Japan amtlich davon in Kenntnis setzen werde, daß Großbritannien fünf feiner überalterten Kreuzer gemäß Artikel 21 bes ßonboner Flottenvertrages nicht ab» wracken, fonbern beibehalten würde. Angesichts der Verschlechterung ber internationalen Lage sei jetzt zweifellos nicht ber gegebene Augenblick, um noch kriegsfähige Schiffe abzuwracken. Die Vereinigten Staaten haben bereits zu verstehen gegeben, baß fi» keinerlei Einwanb erheben warben. Eine Antwort ber japanischen Regierung fei noch nicht eingegangen. Die britische Regierung
habe jeboch allen Anlaß anzunehmen, baß diese Antwort z u st i m m e n b lauten werbe.
Im Unterhaus erhob sich lauter Beifall, als Winston Churchill bem Ersten Lorb ber Abmiralitat zu ber Bekanntgabe biefes Beschlusses beglückwünschte.
Der Beschluß wirb auch von ber konservativen Presse begrüßt. „Morning Poft" schreibt, baß bie fünf Fahrzeuge trotz ihrer leichten Bestückung im Ernstfälle gute Dienste lei st en könnten. Es sei möglich, baß bie Kreuzer zu „f ch ro i m- menben ßuftabroehrbatterien" für bie Flotte ober beren Stützpunkte umgeroanbelt werben würben. Der Verzicht auf bie Verschrottung be» beute eine Ersparnis von 15 Millionen Pfund. Wichtiger noch fei, daß England die Schiffe f ü r einen Notfall sofort bereit habe, anstatt auf bie Fertigstellung der Ersatzbauten warten zu müsftn. Niemand könne Voraussagen, rognn ein solcher Notfall eintreten könne, aber die augenblickliche Nervosität sei in ber Erklärung, die ber Dorsitzenbe bes Auswärtigen Ausschusses der fron- zöllschen Kammer am Donnerstag gegeben habe, keineswegs übertrieben worden. — Die „Time schreibt, daß die Welt heute nicht ruhiger sei als int Jghre 1930 Ueberall werde zugegeben, daß die Wiederherstellung einer nngemeffcnen Stärke der britischen Flotte jetzt eine Notwendigkeit fei.


