Dienstag, 18. August Mb
Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Ur. 192 Drittes Blatt
den kleinen Finger zum
zusammengedrückten Li-
Gelbe wie Phosphor
■ Maßgebend' )irtschastsverb°i ttspreis.
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Acker. „Und den Knecht haben Sie ja auch noch!", sagten wir. „Was? Knecht?", lachte dieser. Ich bin Arbeitsmann aus dem Lager in B., schon acht Tage hier." Ueberrascht sahen wir auf. Wir konnten uns diese Arbeitsmänner ja gar nicht ohne Uniform denken. Der Bauer mischte sich ein: „Ja, wir sind froh, daß der Wilhelm gekommen ist. Andere Arbeitskräfte sind gar zu feiten." — „Sind Sie auch Bauer?", fragten wir. — '.Nein! Ich bin gelernter Schlosser", sagte der Arbeitsmann, „und habe noch nie auf dem Felde gearbeitet. Ich bin aus M." Er nannte eine kleine Stadt in Württemberg. „Er hat aber die Arbeit rasch begriffen und schafft wie ein alter Bauer", mischte sich nun die Frau ein. „Zuerst konnte er die Sense noch nicht richtig halten, und jetzt mäht er, daß wir kaum alles abnehmen können!" Sie reichte ihm ein neues Butterbrot, in das er mit
Auf dem Barocksessel im Mondlicht funkeln die Goldknöpfe seines haselnußbraunen Staatsrockes, die Brillantnadel im Spitzenjabot schießt Blitze. —
Und im schmalen, venezianischen Spiegel — er
Schutz gegen den bösen Blick!
Und im Ohr fortsausend der betäubende Lärm, untermischt mit der quellfrischen Süße aufsprudelnder Melodien seiner Opera, seines Barbiers!
Er sucht Zuflucht bei dem Liebsten, das er kennt: bei Isabella! Isabella Colbrano, der Großen, Herrlichen, seiner Sängerin! Sie hätte den Erfolg geschenkt! Sie, deren samtener, pastoser Alt zu schimmernden Sopranhöhen aufzusteigen vermochte, wie die Fontana der Königsgärten Neapels. —
Warum hatte er in allbekannter Lässigkeit Bar- baja freie Hand gelassen bei der Besetzung der Rosine mit der Römerin? — Lässigkeit? Rossini stöhnte tief auf: Der Erfolg des Barbiers sollte sein Brautgeschenk für die heimlich Geliebte werden, mit der Krönung des Besten, das er je geschaffen, wollte er vor sie hintreten — und nun lag der Barbiere zerschmettert — in Scherben — und — Isabella zürnte — o es war mehr, als der verwöhnte, umworbene, junge Meister ertrug. — —
Das Wanderelend seiner jungen Jahre würde wieder aufwachen — vergessen, wie so bald vergessen würde er sein. Born Publikum Neapels, feiner und Isabellas derzeitigen Heimat, — dieser ewig wechselnden Welle — wie von — Isabella sebst. -
Rossini wirft sich stöhnend herum, vergrabt in Qual das Gesicht in den spitzenumsäumten Kissen — ein fürstlich Quartier, das Barbaja ihm bestellt, dieser Impresario, dieser kluge Rechner, der ein laues Bad des Genusses und des Wohllebens um ihn breitet, — wird er noch die Kraft aufbringen zu entbehren? Entbehrend zu schaffen, wie die großen deutschen Meister, Mozart und Haydn, die seine Lehrer, seine heiligsten Vorbilder geworden sind? Die deutsche Musik! _
Ein Wille blüht in ihm auf, wächst, öffnet sich wie eine, weiße, flammende Lilie ewigen Gewalten — ja! Wenn es Gott so bestimmte, er will es, und er wird es können!--
So schläft er ein. —
Der nächste Morgen findet ihn in fieberhafter Tätigkeit. Das zerstörte spanische Ständchen wird
sitzt champagnerfarben — die Katze!
Wie sie ihn ansieht mit dern, zwischen denen das gleißt und leuchtet. —
Unwillkürlich krümmt er
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der Wuchs, die Haltung! Das ist nicht die Righetti — aber wer — sonst — könnte —?—
Die andern machen sich Zeichen — verschmitzt, selig, — verlassen, ohne daß der wie im Wach« träum befangene Meister es merkt, das Gemach, — nur Rosine bleibt und lächelt mit einem fein in den Mundwinkeln vertieften Lächeln — —
„Isabella--!!" —
Er hält sie umschlungen, die Maske gleitet herab, und er sieht in dunkle, feuchtschimmernde Augen.—
„Ihr?? Ihr Isabella — habt ihn gerettet? —
„Nein!" Die schöne Spanierin schüttelt mit anmutiger Energie das lockige Haupt: „Nicht ich? Er hat sich selbst gerettet, dein Barbiere, Giacomo, denn — er ist unsterblich--*
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Dornotizen.
Tageskalender für Dienstag.
Gloria-Palast (Seltersweg): Winter - Olympiade in Garmisch-Partenkirchen 1936 „Jugend der Welt", dazu „Sport und und Soldaten".
Wiedereröffnung des Lichtspielhauses, Bahnhofstraße.
In unserem heutigen Anzeigenteil kündigt die Leitung des Lichtspielhauses, Bahnhofstraße, die Wiedereröffnung dieser Filmbübne für den morgigen Mittwoch, 19. August, mit einem Film unter Mitwirkung von Ian Kiepura an. (Siehe Anzeige.)
Das.Gießener Stadttheater rüst.
Offener Brief des dramaturgischen Büros an die All-Abonnenten!
Alt-Abonnent! Wo bleib st Du?
Wir vom Theater haben unsere Werbung für das Gießener Stadttheater bis nach dey Ferien zurückgestellt. Jetzt liegt bei vielen alten Abonnenten jedoch die Karte zur Erneuerung der Platzmiete noch unausgefüllt.
Aber man will doch auf feinen gewohnten Theaterabend im kommenden Winter nicht verzichten, zumal die Werbeschrift des Theaters einen solch abwechslungsreichen Spielplan im Schauspiel, Oper und Operette verrät, dazu eine ganze Reihe Neuerungen und sonstige interessante Veranstaltungen, wie Morgenfeiern, Konzerte, Einzelgastspiele berühmter Sänger und Sängerinnen, Ensemblegastspiele mit bedeutenden Schauspielern und hervorragende Tanzabende.
Außerdem macht die Werbeschrift mit den neuen Mitgliedern bekannt, die dem Spiel aus der Bühne ein gänzlich verändertes Bild geben und zusammen mit den bisherigen Darstellern und Künstlern manche frohe und genußreiche Stunde erwarten lassen. Dazu die neuen Preise, die neben den bekannten Vorteilen der Platzmiete dem ständigen Theaterbesucher vor allem große finanzielle Vorteile (Verbilligung und bequeme Ratenzahlung) bringen. Außerdem besteht für jeden interessierten Theaterfreund die Möglichkeit, in Form eines Werbepreises Gutscheine des I. Ringes zur Benutzung für beliebige Vorbestellungen zu erhalten, ja sogar eine ganze Freiplatzmiete im I. Ring zu gewinnen.
Trotzdem es für die Staffenabteilung nicht einfach ist, die umfangreichen und meist sehr schwierigen Vorarbeiten auszuführen, trotzdem sich bis heute eine erfreulich große Zahl von neuen Platzmietern bereits gemeldet, hat die Intendanz mit Rücksicht auf die Reifezeit und auf die eben beendeten Ferien den bisherigen Stammplatz-Mietern eine nochmalige, aus kassentechnischen Gründen allerdings ; auch letztmalige Frist zur Bestellung des bisher innegehabten Platzes bis Mittwoch, 19. Au- । guft, eingeräumt. Bis zu diesem Termin müssen [ aber alle Meldungen eingelaufen sein, da die Thea- ■ terkasse unbedingt die Zuteilung der Plätze nun- ; mehr vornehmen muß. Bis zu diesem Termin nicht ; wiederbestellte Plätze müssen dann anderweitig vergeben werden. Man beachte die Anzeige in der i vorigen Samstag-Ausgabe des Gießener Anzeigers.
Vorsicht beim piUgenuß
Pilzvergiftungen, von denen oft ganze Familien . betroffen werden und die nicht selten sogar tödlich - verlausen, kommen alljährlich vor. In den weit- , aus meisten Fällen werden sie durch selbstgesam- ! melte Pilze verursacht. Unter den auf Märkten ge- - kauften Pilzen sind Giftpilze infolge der auf fast - allen Märkten ausgeübten Marktkontrolle kaum
famer Arbeit, in Freud und Leid. Gewiß sind schon immer Kinder verschickt worden, auch Angehörige der Formationen kamen zur Erholung aufs Land. Da wurde erzählt und wieder erzählt. Aber diese neue Gemeinschaft zwischen Arbeitsmännern und Bauern bringt doch noch eine innigere und freundlichere Verbindung zustande. Und daß es meistens gar keine Bauern sind, sondern Städter, die hier einspringen und die dadurch auch einmal die Arbeit der Landleute kennenlernen, das ist besonders zu begrüßen. Erst bei der Arbeit lernen wir Deutschen uns richtig kennen und verstehen. Z.
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Zeiischristen.
Einen anschaulichen Bildbericht von den XI. Olyrn- vischen Spielen in Berlin gibt die „I 11 u st r i r t e Zeitung Leipzig" (I. I. Weber, Leipzig) den Lesern ihres neuen Heftes. Zu den genauen Angaben über die Preisträger und ihre Leistungen kommen vorzügliche Aufnahmen von den wichtigsten Kämpfen. Auch die Weihespiele im Reichsstadion und auf der Dietrich-Eckart-Freilichtbühne sind in Bild und Text ausführlich berücksichtigt worden. Daß auch die Technik den bildenden Künstler zum Schaffen anregt, beweist der Beitrag „Vollkommene Straße", in dem der Zeichner Albert Birkle künstlerische Impressionen vom Bau der gewaltigen und an Naturschönheiten überreichen Autobahn München-Landesgrenze gibt. Weitere Bildbeiträae behandeln ein im Aeußeren und Inneren gleich vorbildliches Landhaus, einen „Badeplatz in Bali", „Alte Turnierspiele im Stallhof zu Dresden" und zum 75. Geburtstag des Meisters eine Würdigung des Malers Ludwig von Hoffmann Der Bürgerkrieg in Spanien wird in interessanten Bildern gezeigt.
Nicht nur die Frage, welche Früchte dem Säugling und Kleinkind besonders dienlich sind, sondern auch in welcher Zubereitung die einzelnen Obstsorten gereicht werden sollen, interessiert die junge Mutter. Eine genaue Uebersicht über die verschiedenen Obstsorten und deren Vitamingehalt gibt Prof. Rott in dem bekannten Blatt „Mutter und Kind". Aus dem Augustheft seien noch genannt: „Windeln gut spülen", „Unser Kinderhaus", „Wer darf unser Kind versorgen Helsen", „Warum weint das Kind", „Die stillende Frau" usw. Verlag Elwin ©taube, K. G., Berlin W 30, Motz- straße 5. Der Abonnementspreis vierteljährlich 1,30 Mark einschließlich Porto.
üossims „Barbier von Sevilla".
Don Zula Hartmann.
— Zischen — Pfeifen, heulendes Johlen und Gelächter! Kaum daß ein Takt der Ouvertüre durchdringen vermag! — Dem jungen Komponisten r.ird's heiß und kalt auf seinem Dirigentensitz am stortepiano unter den Blitzen des Spottes, den ^onnerschlägen der Vernichtung, die fein jüngstes, crimutstrahlendes Werk, den in dreiundzwanzig Urzen Tagen vollendeten „Barbier von Sevilla" 51 Tode Hetzen.
Natürlich die Meute Paissiellos! Des eifersuchtl- ci-n, älteren Meisters. Eine Intrige, weiter nichts!
Das Teatro Argentinia in Rom ist ähnliches wohnt. Sein „Barbier" wird sich — trotz allem — durchsetzen! —
1 Rossini beißt die Zähne zusammen, er steht wie unter einem Hagelwetter, dirigiert, beruhigt, und — erwidert mit geistvoller Parade, die ihn um- f.groirrenben höhnischen Zurufe. —
„Diabolo!" Da reißt dem Grafen Almaoioa mit= fxn im Schmachten des Ständchen eine Saite' — Ibonnernbes Gelächter! Höhnisches: Eviva! Reicht hnn keiner aus der Kulisse ein ander Instrumente'.. Üsein, auf offner Szene zieht er die neue Saite auf -- das Publikum jubelt, tobt. — Weiter, Ruhe. Duur weiter — durch — !! —
:Da — neues Mißgeschick: Basilio will auftreten, bxibt an einem Nagel hängen, stürzt, schläft das Csefidjt blutig — mitleidloses Heulen, Pld und Spottrufe! — Weiter, nur weiter. — Basilio, blut3 i oerftrömt, singt wie ein Held feine Arie. — — lic Kavatine der reizenden Grigori-Righetti bringt durch, einen Augenblick atemlose Stille, sie ist der Vebling Roms. — „Frag' ich mein benomm nes §rrze", steigt wie ein Lerchenflug in blaue Lust i;: das Wetter vorüber? Rossini schöpft tief Atem.
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wir nichts könnten." Er sagte das im schönsten Schwäbisch.
Bald standen der Bauer und der Arbeitsmann au und meinten: „Jetzt muß wieder geschafft werden", und freundlich grüßend schritten sie hinauf zu ihrem Getreide. Die Frau packte Brot und Butter in einen Korb und sagte uns noch beim Weggehen: „Der Wilhelm ist so arbeitswillig und immer so froh, daß wir ihn alle gern haben, besonders aber unsere beiden Kinder." —
Das war ein schönes Erlebnis für uns. Da hieben sie schon wieder das Getreide, der Bauer und der Arbeitsmann. Die Frauen nahmen ab, denn das kleine Mädchen behütete nun das Brüderchen.
Mit großer Freude im Herzen gingen wir weiter. Wir sprachen viel von den Bauern, von ihrer Arbeitsfreudigkeit. Aber auch davon mußten wir reden, wie durch die Einsetzung von Arbeitsmännern die
(LPD.) 3n k ! seinerzeit bero Hlereinbrui > verfolgt, tone . f)t gab er eine Mrbeiter ob i- j furter ftriinii; | h eine vrxtr ■ M F I -X im Lis die Seil gewisser während fei en und Mi lkamm von:r Jen zurück. ? nbefanntenk men „Ems!' fe- jei den erstens ebstähle r seit Juni M' irts beging. » eute nahm M-' m sich Ws'5. -chlachllM v-. Hehler Me ng von Frank
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Das Studium der Medizin in Gießen
Von cand. med. Fritz Müller.
richtet sich auf — leise sträubt sich sein Haar — leise gesträubten Felles
— Ist der Barbier — gerettet?! —
'Win! — Die Darsteller stocken, verwirren sich — ?oosinchen flüchtet mit zierlichem Aufschrei — eine 5mtze saust, mon Lichtern und Lärm geblendet und Ei-täubt, über die Szene — o fein glänzendes — c ein jammervolles Finale! Der Vorhang sinkt — . „Maledetto! — Unsinn!" verbessert sich der Dieb crwandte Barbaja, Rossinis Gönner und Irn- x-'esario: „Unsinn! Die Opera ist einzig! Morgen fLhren wir sie wieder auf!" —
62,K .„Dann ohne mich!" seufzt die weinende Rosine ii den Armen ihrer Duenna. — v
" .„Und ohne mich!" — murmelt der Komponist und
-• ist verschwunden — als sie ihn im Quartier auf3 iiifjen, ihn zu trösten, schläft er fest. — Fest! 11
Unser Mbül- i wohnhaft, kc ingeMN r alte Herr ist : Anzeigers.
stark von Patienten aus nah und fern besucht, so daß die Medizinstudenten in Gießen ein recht viel- eiliges Krankengut zu sehen bekommen. Einen genauen Dorlesungsplan für alle 11 Semester zu bringen, würde im Rahmen dieser Artikelreihe zu weit führen. Ein solcher ist in dem „Gießener Universitätsführer 1936/37" enthalten, der auf Wunsch vom Universitäts-Sekretariat Gießen kostenlos geliefert wird.
Die ärztliche Prüfung — das Staatsexamen — ist wie die ärztliche Vorprüfung eine Reichsprüfung. Sie umfaßt 15 Fächer und wird in Gießen gewöhnlich innerhalb 10 Wochen erledigt. Die Prüfungsfächer sind: Pathologische Anatomie und allgemeine Pathologie, Topographische Anatomie, Pathologische Physiologie, Pharmakologie, Innere Medizin, Chirurgie, Geburtshilfe und Frauenheilkunde, Augenheilkunde, Ohren-, Hals- und Nasenheilkunde, Kinderheilkunde, Haut- und Geschlechtskrankheiten, Jr- renheilkunde, Hygiene, Gerichtliche Medizin und Rassenhygiene. Ist das Staatsexamen vollständig bestanden, so beginnt für den Medizinalpraktikanten sofort das praktische Jahr, nach dessen Ablauf ihm die ärztliche Approbation erteilt wird.
Da die Zahl der Studierenden in Gießen verhältnismäßig niedrig ist, kommt der einzelne beim Praktizieren sehr oft an das Krankenbett heran und sieht vor allem viel, was für den Mediziner außerordentlich wichtig ist. Er bekommt ferner enge Fühlung zu den Dozenten, die jeden einzelnen persönlich kennen und ihn gern beraten und fördern.
Dem kameradschaftlichen und geselligen Beisammensein einerseits und der gemeinsamen Arbeit in Arbeitsgemeinschaften andererseits dient die Medizinische Fachschaft. Sie hat neuerdings den Krankenpflegerdienst für Vorkliniker eingerichtet und damit eine Lücke in der Ausbildung des Mediziners ausgefüllt. Der Pflegerdienst wird während der Semesterferien an der Hessischen Landes- Heil- und Pflegeanstalt in Alzey durchgeführt. Er stellt eine Bewährungsprobe für die jungen Medizinstudenten dar, die hier ihre Eignung für den späteren Beruf des Arztes erproben sollen. Schließlich besetzt die Fachschaft im Einvernehmen mit den einzelnen Kliniken die Famuli-Stellen. Das Famulieren während der Ferien dient der intensiveren Ausbildung des Klinikers. Er wird für einige Wochen einer Station zugeteilt, und kann hier, mehr als das im Semester möglich ist, am Krankenbett praktische Erfahrung sammeln.
So ist die Ausbildung des jungen Arztes an der Universität Gießen eine recht gründliche und vielseitige. Es ist dies notwendig, denn der nationalsozialistische Staat hat gerade ihm als dem Hüter der Volkszukunft große und wichtige Aufgaben gestellt. Die junge medizinische Mannschaft ist sich der hohen Verantwortung voll und ganz bewußt und wird sie freudig übernehmen: der Nation zum Segen, der ärztlichen Kunst zum Ruhm.
Aus Der provinzialhauptstadt.
Rast am Getreidefeld.
In diesen Erntewochen sind wir für jeden son- xigen Tag von Herzen dankbar. Wir wissen, welche Bedeutung die Sonne für alle Arbeiten unserer ( dauern hat. Aber auch wir Städter wünschen uns < inen blauen Himmel. Gar mancher sehnsuchtsvolle !4lick schweift hinauf nach den ziehenden Wolken, jnb die bange Frage taucht auf: Wird morgen das Setter halten, können wir unsere Wanderung aus- , Uhren?
Seltene Schmuckstücke, seltene Bücher und Bilder i ,eb wir besonders, und genau so müssen wir auch i ie schönen Tage des Sommers von 1936 werten.
•5ie find uns doppelt willkommen. —
Unser gestriger Wandertag brachte uns endlich .ms heißersehnte Sommerwetter. Wir waren froh, , A=> uns der Wald mit seinem Schatten aufnahm, jon hier aus konnten wir durch die grün behan- 2nen Seitenwege hinab in das fruchtbare Tal Hauen. Da herrschte überall lebhaftes Treiben. :aft auf jedem Acker standen die fleißigen Bauern :md schnitten die reife Frucht. Wir sahen alte, weiß- opfige Männer, die in guten Jahren wohl zu ,;auje bleiben konnten, wenn die Maschinen ratter- «n, die Sensen schwangen. Die Freude, daß sie nun iod) einmal mitangreifen konnten, belebte ihre lcfid)ter.
Hinter den Mähern bückten sich Frauen und Nädchen, zum Teil auch Kinder, und nahmen die ,2fd)nittene Frucht ab. Junge Kräfte banden die i-arben und stellten sie zu Haufen zusammen. Hier nd da wurde auch eine Mähmaschine eingesetzt, .oer die großen Ungetüme, die Selbstbinder, die n an sonst in der Erntezeit über die Aecker fahren sucht, waren nirgends zu erblicken. Sie haben es ’uer schwer, unsere Bauern. Kaum daß sie einmal s^hen und sich ausruhen. Dann und wann geht ein Illid hinauf zum Himmel, ob nicht wieder eine aue Wolke sich entladen und die Arbeit stören :iill. Aber heute ist damit nicht zu rechnen, und mit hohen Augen wird die Arbeit fortgesetzt. Es ist ja Och so viel zu tun, und jede Minute ist kostbar. —
Wir wollten eigentlich einen Weg nehmen, der uer durchs Feld führte. Aber im innersten Herzen chämten wir uns doch ein wenig, setzt in diesen jagen, inmitten der fleißigen Schnitter, zu wan- ?rn, und so beschlossen wir, den Pfad, der am i-ach entlang bis zum nächsten Dorfe führte, zu wählen. Es war auch hier schön schattig und das i.untere Bächlein, das viel Wasser führte und laut »laudernd neben uns herlief, machte uns viel ireube.
Bei einer Biegung sahen wir im Schatten der brlen einige Bauern auf Garben sitzen. Sie hielten !iachmittagsrast, tranken Kaffee und aßen ihr Brot. S8ir grüßten und blieben stehen. Freundlich wurden riir zum Sitzen eingeladen. Ein junger Bauer mit brau und Kind und einem Knecht saßen beisammen. Ü8ir folgten der Einladung und kamen bald in ein ILHaftes Gespräch. „Ja", meinte der Bauer, „so ein f.»g tut auch den Städtern gut. Woher kommen Sie bmn?" Zwischen seinen Fragen schnitt er sich ein listiges Stück Schwarzbrot ab und bestrich es mit butter, trank Kaffee und schaute mit Hellen Augen um sich. Die Frau sorgte für das kleine Mädchen.
Es war ganz natürlich, daß wir bald auf die torntearbeiten zu sprechen tarnen und nun selber einiges fragten. Wir sprachen die Befürchtung aus, !nß das Getreide wohl nicht so gut wäre wie in mderen Jahren, daß cs bei dem ständigen Regen ii eileicht auswachsen könnte usw. Aber der Bauer jchte und sagte: „Laßt nur das Wetter noch ein :nar Wochen so sein, dann ist alles daheim. So Wimm ist's noch lange nicht. Auch der Körnerertrag t recht gut, wenn auch nicht so, wie in früheren Uhren. Aber das ist bei uns Bauern immer so. nn Jahr hilft das andere ausgleichen." Und seine irau nickte lächelnd dazu. Wir erfuhren noch, daß ?ibe Eltern der jungen Leute kurz hintereinander Starben waren, und daß sie nun ihre Arbeit allein m mußten. Eine Magd hatte das Essen gebracht mb erschien nun mit dem jüngsten Kind auf bem
Das Studium der Medizin ist wohl das längste, erstreckt es sich doch auf elf Semester, lieber die Einteilung heißt es in der für das ganze Reich einheitlichen Prüfungsordnung: Es werden mindestens ünf oorklinische medizinische Semester verlangt, denen nach vollständig bestandener ärztlicher Vorprüfung mindestens fünf klinische Semester folgen müssen. Ein weiteres Semester steht noch für das vorklinische oder klinische Studium zur Verfügung, da zum Staatsexamen elf Semester nachgewiesen werden müssen.
Das oorklinische Studium umfaßt die naturwissenschaftlichen Fächer Chemie, Physik, Zoologie und Botanik und die medizinischen Fächer Anatomie, Physiologie und Physiologische Chemie. Das richtige Belegen macht dem jungen Medizinstudenten keine besonderen Schwierigkeiten. Durch die Unterteilung der ärztlichen Vorprüfung in ein Dorphysikum mit den naturwissenschaftlichen Fächern und in einen anatomisch-physiologischen Teil sind die Richtlinien für ein richtiges Belegen schon gegeben. Der Student soll sich zunächst eine naturwissenschaftliche Grundlage schaffen, was durch den Besuch der Vorlesungen und Praktika dieser Fächer in den beiden ersten Semestern geschieht. Gleichzeitig wird er aber in der Anatomie mit dem Bau und später mit der Entwicklung des Menschen und vom dritten Semester an in die Physiologie mit seinen Lebensvorgängen bekanntgemacht.
Das oorklinische Studium schließt mit dem Physikum ab. Die Prüfung im naturwissenschaftlichen Abschnitt — dem Vorphysikum — wird gewöhnlich zu Beginn des dritten Semesters abgelegt und erstreckt sich auf die Fächer Chemie, Physik, Zoologie und Botanik. Drei Semester nach bestandener Prüfung in diesem Teil erfolgt die Prüfung im anatomisch-physiologischen Abschnitt, der Die Fächer Anatomie, Physiologie und Physiologische Chemie umfaßt.
Nach bestandenem Dorexamen beginnt das k l i- nische Studium, das sich nach 5 vorklinischen Semestern auf 6 Semester erstreckt. Während vorher die einzelnen Institute in der Stadt verteilt lagen, spielt sich das weitere Studium in dem sogenannten Kliniksviertel ab. Die medizinischen Institute und Kliniken sind hier im Lause der letzten 50 Jahre auf einem großen zusammenhängenden Gelände errichtet. Zum Teil sind sie vollständig neu und sehr modern eingerichtet. 1927 wurde die Hautklinik vollendet, der eine Lupusheilstätte angeschlossen ist, und 1930 wurde der Ohrenklinik die Heilstätte Seltersberg für Tuberkulose der oberen Luftwege angegliedert. Ganz neuzeitlich eingerichtet sind die 1931 erstellte Orthopädische Klinik, das 1935 bezogene Pharmakologische Institut, sowie die im gleichen Jahr erbaute Medizinische Poliklinik. An allen Instituten und Kliniken wirken hervorragende Professoren und Aerzte und ausgezeichnete Dozenten. Die Universitätskliniken werden deshalb sehr
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Men a) 41 b a) 41 bi543/„ c) 28 bis 3' < bis 44 (4|' js 90), b) 8h 15 78), d) 60:'; 5 56 (52 bis 5! wtiert. Schim 56), b2) 55 |.y 56 (56). Mai? vurden zuqei^ ausoerfauft.
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durch die strahlend taufrische Weise: Sieh schon die Morgenröte der Welt entgegenlachen! ersetzt. Er ändert, fügt zu, — arbeitet hinter verschlossener Tür in atemloser Eile. —
So, nun ist's geschehen und vollendet? Was er für seine Opera tun konnte, hat er getan. Das weitere ist Sache der andern — und verstohlen faltet er die Hände — einer höheren Fügung.--
Sie versuchen es nicht mehr, ihn zum Dirigieren zu überreden, still gehn sie fort.
Still ist es im Quartier, darin er allein zurück- bleibt. — Diesmal vergräbt er sich nicht in die Kissen. Ruhelos wandert er auf und ab, zwischen Fenster und Spiegel, zwischen Welt und Abglanz der Welt — er fühlt und weiß es jetzt: Mehr steht für ihn auf dem Spiel, als Erfolg, Ehre, Liebe und Glück. Ja, auch die Liebe! — Nie wird er mehr eine Note schreiben, wenn der Barbier versinkt — die tönende Welt in ihm wird stumm werden, die blühenden Melodien, die quellende Freude seines Herzens tot, erkaltet. — Ist sie es nicht jetzt schon?
Isabella, fern in Neapel, fern ihm zürnend in rätselndem Mißverstehen. —
Die Opera, vielleicht jetzt schon zum zweitenmal und endgültig vernichtet — Paissiello wird dafür gesorgt haben, denkt er bitter. — Da — er horcht auf — Tumult auf der Straße, Getöse, das näher und näher kommt, — jetzt — unter seinen Fenstern --wie? Kommen sie ihn zu höhnen, zu
verfolgen — bis hierher —?! — Wie in der Flucht wirft er sich auf sein Bett, zieht die Decke über die Auaen — o — nichts sehen — nichts hören —!
„Eviva! Eviva!!! Eviva ii Barbiere! Eviva il Maestro!!!“
Das Brausen dringt durch die Decke — er wirft sie von sich — Fackeln glänzen herauf, — sie stürmen die Tür.
„Maestro! Maestro! Ein Sieg, ein überwältigend Gelingen?"
Die Sänger heben ihn aus dem Bette, knüpfen die Bänder des Jabots, schließen die Schnallen, Basilio kniet vor ihm, Figaro, der Behende, streift ihm den Rock über, nur Rosine wendet sich ab. —
Rossini weiß nicht, wie ihm geschieht, wie glühende Lava stürzt der heiße Strom der Freude über fein Herz. —
Dank, Dank! Weiter weiß er nichts, er umarmt trunken die Treuen, die die Schlacht für ihn geschlagen, läßt sich umarmen.--Da wendet sich
Rosine ihm zu, kommt ihm langsam entgegen — eine Seidenmaske verhüllt noch die Augen, aber
blitzenden Zähnen biß. Er meinte dann noch: „Ich , . _ „
muß doch Ehre für meine schwäbische Heimat ein-. Menschen aus allen möglichen Gauen Zusammenlegen. Wir wollen uns nicht nachsagen lassen, daß | geführt werden, wie sie sich kennenlernen in gemein-


