Ausgabe 
18.8.1936
 
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Dienstag, 18.August <956

Nr. 192 Zweites Blatt

Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Von Danzig aus gesehen

Von Dr. Hans von Malottti

Danzig, im August 1936.

Während der weiße Seedienst-Dampfer in der Sommernacht gen Osten fuhr war Zeit für einen Blick in die völkerrechtliche Literatur. Versailler Diktat Pariser Vertrag, Warschauer Abkommen, dazu die Danzig-polnischen Vereinbarungen der letz­ten Jahre- man bekommt wieder einen Begriff von dem ungeheuer komplizierten Rechts-Ge- Ib ä u d e, das den politischen Körper des kleinen Frei­staates an der Weichselmündung bildet. In der Tat: Kompliziert ist das Leben Danzigs, im inneren Be­reich und auf dem größeren Felde der auswärtigen Politik, und Spannungen und Kampfzustände sind ifjier keine Seltenheit. Denn dieser Danziger Staat, Das spürt man hier wieder genau, ist nicht nur der Kleinste in Europa; er ist vor allem dadurch gekenn­zeichnet, daß in ihm selbst nicht die Spur einer Ent- fstehungsursache liegt. Außerhalb ihr selbst liegende fsremde Kräfte haben diese Stadt als Staat or- «anisiert. Die Vielfalt der Verträge und Abmachun­gen, auf denen Danzigs Eigenstaatlichkeit ruht, druckt roor allem eins aus: daß diese Eigenstaatlichkeit michts von organischem Wachstum hat, jonbern das zwangsweise verfügte Ergebnis ent- «eaenqesetzter politischer Kampflofungen ist. Dies be­stimmt den Lebensrhythmus Danzigs, und hieraus «rklärt sich all die Problematik, wie sie diesem Staat Ligen ist. Denn das Leben eines Staatswesens, das entgegen dem Willen der Bevölkerung nur auf dem .,Necht" beruht, muß zwangsläufig im Zeichen einer ständigen Problematik stehen.

Die Danziger Eigenstaatlichkeit ist denn auch nichts anderes als eine Umschreibung für eine in erritorialer, und wirtschaftlicher Hinsicht h ö ch st Zebrechliche Staatskonstruktion. Na­tional und kulturell trotz aller staatlichen Grenzen mit dem deutschen Dolkskörper verbunden, in wirt­schaftlicher Hinsicht in engen Zusammenhang mit Polen gestellt, ist es Danzigs Schicksal und Auf- Aabo gewesen, die hieraus sich ergebende Spannung jo zu gestalten, daß weder seine völkische noch seine wirtschaftliche Lebensfähigkeit in Frage ge­stellt wurde. Daß es dem Nationalsozialismus in Danzig gelungen ist, die jahrzehntelange Kampf­tage zwischen Danzig und Polen in eine positive w'i>r tschastliche Zusammenarbeit zu -wandeln, war eine Friedenstat von europäischer Bedeutung. Daran zu erinnern ist um so notwen­diger, als es heute im Ausland Mode geworden ist, Danzig die Bedeutung eines internationalen Ge­fahrenherdes beizulegen. Hier, an Ort und Stelle, erweisen sich diese Behauptungen als absolute Willkür.

lieber eines muß man sich nämlich klar sein: Die Politik unmittelbarer Verständigung und wirt­schaftlicher Zusammenarbeit mit Polen verlangt jon feiten Danzigs nationale Disziplin. 3ine solche Politik kann nur von einer ft a r * en Regierung geführt werden, die es ver- chmäht, um ihrer Wählerschaft willen und um populär zu sein, ihr Illusionen von möglichen Ent­wicklungen oorzuträumen. Die alten Parteien und Parteifragmente, die in Danzig ihr Leben fristen, oaben die Möglichkeit und die Ausgabe gehabt, das Schicksal Danzigs gegenüber Polen zu gestalten. ±>ie haben es nicht einmal gesehen, viel weniger gemeistert. Für einen Völkerbund den Bürgen Danzigs, der ehrlich um die zwischenstaatliche Befriedung bemüht ist, hätte dies eigentlich ein Grund mehr sein müssen, der Leistung des Natio­nalsozialismus in Danzig mit Aufgeschlossenheit zu negegnen, anstatt sich von weltanschaulichen Ani­mositäten leiten zu lassen.___________________________

Oie Sendung Bayreuths im Dritten Rech.

Von Johannes Jacobi.

Am 13. August 1876 wurde bas Festspiel­haus in Bayreuth eingeweiht. Am 18. August beginnt der zweite Abschnitt der diesjährigen Jubiläums-Festspiele.

Zum dritten Male, seit Deutschland unter Wolf Hitlers Führung steht, gehen auf demgrünen Hügel" in Bayreuth die festlichen Aufführungen der t Musikdramen Richard Wagners in Szene Vor -ehn Jahren, als die Festspiele auf em halbes Jahrhundert zurückblickten, erschienen in allen Zei- ungen Würdigungen des Bayreüther Werks, die iciften waren au einen sehr pessimistischen Ton leftimmt. Der Fest pielleitung selbst stand der Sinn iicht nach Feiern, sie veranstaltete dieJubiläums- s Festspiele" erst ein Jahr später. Welche Wandlung .at sich in diesem einen Jahrzehnt vollzogen!

Es scheint uns mehr als Zufall zu fein, daß der rfte Zyklus der diesjährigen Festspiele eine Ve- | »iligung führender politischer Persönlichkeiten des leiches aufwies, die in der Geschichte der geftfpiele cnug dastehen dürfte. Gewiß erschienenPromi­nente" aus Politik und Wirtschaft auch früher m ß Äayreuth, aber gerade von deutscher Seite ließ Der l besuch gewichtiger Politiker stets zu wünschen ubng. I Denn nun in diesem Jahr mit dem Führer und j Reichskanzler, der sämtlichen Vorstellungen bei- rwhnte, nicht weniger als sechs Reichsminister, Die ! berbefehlshaber des Heeres, der Kriegsmarine unü i=r Luftwaffe, der Ministerpräsident Bayerns Die Gauleiter des Traditionsgaues München - Ober- tzigern und zweier anderer Gaue und "eben zwei l-.otschaftern des Reiches mehrere Reichsstatthalter und die Spitzen verschiedener Parteiglieberungen Die 1 ufführungen besuchten, dann Darf diese leilnaljme cs die endlich vollzogene Anerkennung dernatio- lalen Bedeutung des Werkes °°n Bayreuth (Elten. Bedenkt man schließlich die looiale WurD - (ung, mit Der Kaiser Wilhelm I- Die Tatsache der t-ften Festspiele von 1876 quittierte fcbe richt geglaubt. Daß Sie es zustanDebringen wur- ten"), bann Darf man mit Genugtuung feftftellen, lafc Richarb Wagners Vermächtnis im Dritten Reich r.e staatliche Anerkennung gefunben hat. Die oer rngenbe Künstler im Zweiten Reiche (von der rühmlichen Ausnahme Des Bayemkonigs g f h r^rgeblicf) erstrebte.

Welche Gründe haben nun diese veränderte Em- s^llung der staatlichen Treuhänder des deu^n Lölkes zu Richard Wagner und seinem ^benswerk h rbeigeführt? Den Ausschlag gab-- wie stets im 1 «ritten Reich die persönliche Ueberzeugung des Fuhners. Es ist -bekannt, daß Adolf Hitler zu Den ! b: geiftertften Verehrern Wagners zahlt, fett er im

Anstalten zur

Musik zu erzwingen, was Arnim, die Brüder Grimm, die Schlegels, Uhland und Görres doch nicht vollständig erreichen konnten: Die lebendige Verbindung herzustellen zwischen dem Volk und seiner Vorzeit: Gestalten der nationalen Sage und des germanischen Mythos, wie Parzival und Tristan, Lohengrin und Tannhäuser, die Götter und Helden Der Edda und des Nibelungenliedes, waren durch Die Bemühungen Der literarischen und Der wissenschaftlichen Romantik wieDer Bildungs- besitz geworden Durch Wagner rourDen sie Volks- besitz! Er konnte mit Recht am Schluß der ersten Bayreuther Festspiele Das viel mißDeutete Wort aussprechen:Wenn Sie wollen, so haben wir eine Kunst". Diese Deutsche Kunst aber ist es. Die das Dritte Reich sucht und fördert.

Zeichnen diese Vorzüge Die Tonwerke Richard Wagners allgemein aus, in welchem Theater sie auch erklingen mögen, so errichtete ihr Schöpfer gleichzeitig im Bayreuther Festspielhaus eine Stätte, Deren Bedeutung im heutigen Deutschland nicht ge­ringer ist, als in jener Zeit, Da es seine Aufgabe war, Wagners unverstanDene Musikdramen über­haupt erst durchzusetzen. Der Dichterkomponist Des Nibelungenrings und des Parzifal, Des Lohengrin unD Der Meistersinger, Der Der national-deutschen Kunst eine Tribüne schuf, vollzog in Bayreuth auf eine neue Art Den Ausgleich zwischen geschichtlich gewachsenem Deutschtum unD rassisch verwandtem Griechentum. Er erneuerte Die JDee Des Theaters als gemeinschastbilDendes Fest, wie es im helleni­schen Theater beftanDen hatte. Bayreuth war unD ist ein revolutionärer Kampfruf gegen Das Theater als flache Unterhaltungsstätte. Mag dieOper' ihre Daseinsberechtigung auch weiterhin erweisen, das Bestehen Bayreuths ist stets einPfahl im Fleisch , ein Stachel, der immer gegen Veräußerlichung des entfesselten Theaterbetriebs, gegen künstlerische Schlamperei und Verantwortungslosigkeit locken ^Unabhängig von der künftterischen Qualität der Aufführungen in Bayreuth, bedeutet die Festspiel­idee zusammen mit dem Wagnerschen Lebenswerk die umfassendste Synthese unserer germanischen Kultur. Hier finden wir Deutschtum und Griechen­tum, Sinnlichkeit und Askese, Heidentum und Chri­stentum, Natürlichkeit und Theattalik, Dichtung, Musik, Malerei und Schauspiel, Kunst und Leben zusammengefaßt durch eine mit all ihren Wider­sprüchen zur geistigen Einheit emporgewachsene Ge­stalt, die einmalig und bannend ist. Dies alles aber steht und ebenfalls einzigartig von Anfang an im Ringen um dasVolk". Für das Volk ging Wagner in Die Schweizer Verbannung, für das Volk schuf er feine Werke, errichtete er das Fest­spielhaus, für das Volk dachte er als Denker, Dich­ter und Musiker, für ein Volk, das ihm galt als derInbegriff aller derjenigen, die eine gemein­schaftliche Not Empfinden; zu ihm gehören daher alle diejenigen, welche ihre eigene Not als eine ge­meinschaftliche erkennen, oder sie in einer gemein­schaftlichen begründet findet, somit alle diejenigen.

Warum hat sie flerbeu müssen?

Aus dem Umgang mit Mutter Natur: Die jährliche Tiertragödie.

Von Dr. Karl Nudolf Fischer.

Danzig führen muß, nicht zuletzt ein Problem der inneren Ueberroinbung ber Parteireste unb Der gei­stigen Ueberzeugung unD Gewinnung Der Abseits- stehenDen ist. Aber hier, an Ort unb Stelle, wird es ebenso auch klar, daß biefcr geistig-weltanschau­liche Kampf mit zersetzenben Mächten ber Unduld­samkeit im Grundsätzlichen und des harten Not­wehrrechtes des Staates nicht entbehren kann. Um Danzigs und des Deutschtums willen nicht.

Kleine politische Rachrrcdten.

Der englische Unterstaatssekretär Sir Robert Dansittart hatte auf der Durchreise von Berlin nach der Bretagne in Gegenwart des englischen Bot­schafters eine Unterredung mit dem französischen Außenminister D e l b o s.

Die Estländische Telegraphenagentur meldet: Am Sonntag überflog ein sowjetrusfisches Militärflugzeug estländisches Gebiet und landete bei Narva. Beim Herannahen estlän- discher Polizisten stieg es sofort wieder auf, nach- dem es vorher die Polizisten beschossen hatte.

Der rumänische Generalstabschef General Sam» sonowisci wird demnächst in Warschau eintref­fen, um dem Generalinspekteur der polnischen Ar­mee einen Besuch abzustatten. In den letzten zwei Jahren hat ein Austausch zwischen der verbündeten rumänischen unb polnischen Armee nicht mehr statt­gefunden.

Alter von zwölf Jahren zum ersten Male von der Kunst des Lohengrin-Schöpfers angerührt wurde. Die Treue, die der Politiker dem Künstler hielt, findet nach dem eigenen Zeugnis des Führers ihre Begründung in einer Schickfalsverwandt- fchaft der beiden Kampfernaturen. Tatsächlich hat neben dem jahrelangen Streit mit widrigen Ge­walten der endliche Erfolg Wagners große Aehn- lichkeit mit Dem Siegeslauf Adolf Hitlers. Erinnert es nicht an des Führers Kampf, wenn einer, der es miterlebt hat, über Die Eröffnung des Bay­reuther Festspielhauses im Jahre 1876 u. a. schreibt: Es lag eine ungewöhnliche Spannung in der Luft. Gar soviel war schon vorher über das kommende Ereignis geschrieben und geredet worden... Ein eigenes Theater war für die Aufführung des Werkes erbaut..., dessen Zuschauerraum zum ersten Male von dem Rang- und Logenstil des Re- naissancetheaters abwich, sein Proszenium hatte und während der Ausführung verdunkelt wurde. Die ersten und berühmtesten Sänger und Sängerinnen stellten sich unentgeltlich in den Dienst der Sache... Eine Elite Der internationalen Kunstwelt wurde nicht vergeblich als Zuschauerschast erwartet. Das alles war in Der Geschichte Der Qpernkunst noch nicht Dagewesen... Wagner, Der Revolutionär, Der... Die Geister in zwei Lager gespalten hatte, (Dielte mit Bayreuth seinen stärksten Trumps aus. Zum erstenmal hatte ein Künstler sich felbftänDig, aus eigener Kraft durchgesetzt, der seinem Dater- lande, seiner Nation und der Welt zugute gekom­men ist." .

Die Treue des Führers, seines Staates und feiner Bewegung zu dem Werke von Bayreuth findet ihre Rechtfertigung durch ein künstlerisches Vermächtnis, das in feinem Charakter grunddeutsch und national- bewußt ist. Das unschätzbare kulturpolitische Ver­dienst Wagners, das auch heute noch, ja gerade im Dritten Reiche gilt, liegt darin, daß er mit Der Schöpferkraft eines begnaDeten Genies Den An­schluß Der deutschen Dichtung und Musik an das Dolksganze vollzogen hat. Was diese entwicklungs- gefchichtlich epochemachende Tat bedeutet, wird klar, wenn man Die Ablenkung Der deutschen BilDung und Der Deutschen Kunst von ihren organischen Quellen im gräzisierenden Zeitalter Der Deutschen Klassik bedenkt. Die Strömung, Die «us germani­scher Zeit über DolkslieD, höfische Kunst und Burge^ fultur Des deutschen Mittelalters ungebrochen auch noch durch den Querstrom der Renaisiance und des Humanismus im 16. Jahrhundert hinubergelangte zu Gestalten wie Grimmelshausen, Opitz und Lvgau im 17. Jahrhundert, dann wieder ausrauschte im Zeitalter Klopstocks sie wurde sah unterbrochen durch das griechische Bildungserlebnis der deutschen Klassik. Damals forderte bereits Herder den^ An­schluß der Kunst an diesen langen Entwicklungszug und damit an die Ueberlieferung des Dottstums Die Heidelberger Romanttk, z. T. auch Die Jenaer und Berliner, versuchte es Dann auf Dem Gebiete ber Dichtung. Aber ihre Stimme ^b zu schwach. Wagner war es Vorbehalten, Durch Die Hüse Der

Die Spannungen Des außenpolitischen Kraftfeldes, dem das Nachkriegsschicksal Danzig verhaftete, ber unglückselige staatsrechtliche Aufbau, bem bie Freie Stabt im Innern zu einer Stabt in Fesseln stem­pelte, all bas ergab einen Tatbestanb, ber ge­wiß Danzig zu einem höchst ungünstigen Objekt für Den revolutionären Gestaltungswillen Des National­sozialismus machte. Hierauf hatten Leute, Drinnen unb braußen, ihre Hoffnung gefetzt. Die gleiche übe» ral-bemokratifche Umwelt, beren Kreuzfeuer sich ber Nationalsozialismus in ber ersten Zeit im Reich gegenübersah, glaubt auch heute noch, baß sich in Danzig bie ganze Fragwürbigkeit bes nationalsozia­listischenExperimentes" erweisen würbe. Denn wie, so lautet bie mit Behagen gestellte Frage, soll diese Bewegung sich und ihrem Gestaltungswillen freu bleiben können in einer Stadt wie Danzig? Und wenn sie es tut, muß sie sich dann nicht in Wi­derspruch setzen zu den verfassungsmäßigen und vertraglichen Gegebenheiten?

Damit ist man bei der inneren Lage Dan­zigs angelangt. Und sie stellt sich als ein ständig anhaltender Kampf dar, der den Besucher aus dem Reich um so eigenartiger berührt, als er an Zeiten erinnert, die im Reich schon verges- f e n sind. Kein Zweifel, daß diese inneren Ausein­andersetzungen doppelt bedauerlich sind auf einem so exponierten Posten, dessen Lebensenergie von einer fremden Umwelt an dem Grad seiner inneren Geschlossenheit gemessen wird. Aber es ist auch kein Zweifel, daß die volle Verantwortung dafür auf jene oppositionellen Kreise fällt, die durch formelle Berufung auf Buchstaben und Paragraphen ihrer Existenz vergeblich einen Sinn zu geben versuchen. In diesen Tagen erschien von der Presse der Oppo­sition noch bas Zentrumsorgan. Unb es war höchst auffällig, zu sehen, wie weit sich bieses Blatt bereits von ber gefamtbeutschen Entwicklung entfernt hat.

Wohlgemerkt: es hanbelt sich bei ben Führern ber Danziger Opposition zum Unterschieb von ben Zei­ten an ber Saar nicht um lanbfrembe Elemente ober Emigranten, jonbern um hoben ft änbige Menschen. Um so schwerer wiegt bie Verant­wortung. Denn was nützen alle Behauptungen, baß es sich für sie lebiglich um parteipolitische Aus- einanbersetzungen hanbele, nicht aber um einen Kamps, ber bie völkische Substanz, das Deutsch­tum, berührt! Sie verkennen vollkommen, daß ber Anspruch bes Nationalsozialismus auch in Danzig etwas ganz anberes ist als bie parlamentarische Herrschaft einer besonbers starken Mehrheitspartei. Sie verkennen aber auch, daß es eine absolute Un­möglichkeit ist, mit dem Munde das Deutschtum zu bejahen unb gleichzeitig ben Nationalsozialismus als bie geschichtliche Entwicklungsstufe bes beutschen Volkes zu verneinen unb zu biffamieren.

Ob sie wollen ober nicht: biefer Weg führt in einen geistigen Separatismus, ber mit parteipoli­tischem Machtkampf nichts mehr zu tun hat unb eine Versünbigung gegenüber einer Bewegung bar­stellt, bie in Danzig wie im Reich allein in ber Lage ist, bie inneren Gegensätze zu einer leben» bigen Einheit zusammenzuziehen. Wenn bie NSDAP, in Danzig Dagegen mit ber gebotenen Energie Front macht, so hat sie bas geschichtliche Recht auf ihrer Seite, denn es geht hier um Dinge, bei denen Kompromißlosigkeit nottut, weil es sich u m bas Leben des deutschen Dan- z i g handelt.

Dies ist das Argument, das man all Denen im Ausland entgegenhalten möchte, Die Den fortgesetz­ten Kampf gegen überalterte Ideologien als un- Derftänblid) ober unzivilifiert empfinben. Die Ele­mente zum Aufbau einer wahren Volksgemein­schaft werden nur frei, wenn das Alte aufgelöst, Das Trennende unb Unzureichenbe überrounben wirb. Wenn biefer Kampf hier und Dort notroenbig in Nieberungen steigt, so liegt bas im Wesen jeher

Ein alljährlich wiederkehrenbes Bild: Die Familie geht spazieren. Am Waldrand plötzlich ein Schrei, ein entsetztes Stehenbleiben. Dann Kriegsrat. Was ist nun zu tun? Totmachen natürlich. Das muß Vater tun. Es kann doch was passieren. Nicht nur das Kind, auch andere Menschen sind in Gefahr.

Während Vater, Mutter und Sohn ihren Kon­vent abhalten, liegt eine harmlose Blind­schleiche träge in der Sonne, macht gar keine Anstalten zur Flucht, freut sich ihres Daseins unb träumt vor sich hin. Ihr Tag gehört Dem Sonnen­licht unb seiner Wärme, ihr Abend Der Jnsekten- jagD. Für Die Familie ist sie selbstverstänDlich eine Kreuzotter unD Daher giftig. Man kennt ja sonst keine Schlangen im Volk. Wenigstens nicht mit Namen. UnD weil sie nun giftig ist, bie Men­schen anspringt, beißt und vergiftet, so daß sie sterben müssen, ist ihr Los eben besiegelt. Der Vater dreht ben Stock auf Notwehr, faßt ihn an ber Zwille, holt aus wie ein Holzhacker, läßt ihn zur Erbe sausen, haut natürlich Daneben, und dann geht mit Schrei und Schreck die Jagd los auf das flüchtige Gewürm, bis einer Der Blinbschläge trifft, unD das arme Tierchen mit zerschmettertem Rück­grat im Grase liegt und sich zum letzten Gang reckt, zum Gang ins Tierparadies.

Jahr für Jahr, Sommer für Sommer, immer basfelbe Bild. Das gleiche Lied und das gleiche Leid. Dabei predigt man jahraus, jahrein, in Der Schule, in Der Zeitung, bei Wanderungen der großen Vereine, in heimatkundlichen Vorträgen, kurz, bei allen Veranstaltungen, da sich natur- freundlich gesinnte Menschen, Kenner und Laien, treffen, daß es bei uns gar keine Kreuz­ottern gibt, daß Die bei uns Dorfommenben Schlangen" absolut nützlich sinb ob ihres Bei­trages zur Insektenbekämpfung unb ihrer eifrigen Schneckenoertilgung unb außerdem Durch den Na­turschutz unter der Gunst Des Staates stehen.

welche die Stillung ihrer Not nur in Der Stillung ihrer als gemeinsam erkannten Not finDen".

Aus dieser Zielsetzung ergeben sich Die Aufgaben, die Bayreuth auch heute noch zu erfüllen hat. Ge­wiß ist es ein verlockender Gedanke, neben Wagners eigenen Schöpfungen auch Die besten Werke in original Deutschem Styl" auf Der Festspielbühne aufzuführen. Wagner hat mit wechselnDer Stel­lungnahme diese Möglichkeit selbst erwogen, um sie schließlich auf Werke zu beschränken, Die nach seiner Auffassung vom musikalischen Drama geschaffen sind. Doch wer wollte heute in diesen Fragen eine legitime Entscheidung fällen? Einzig Pfitzners Palestrina" wäre ohne Schändung des Bayreuther Gedankens auf dem Festspielhügel möglich. Die Sendung Bayreuths im Dritten Reich darf jedoch nicht in Experimenten bestehen. Mit dem neu er­wachten Sinn für Ueberlieferung soll es sich auf basHüten Der Trabition" Durch vorbildliche, ftil» bilbenbe Aufführungen beschränken. Die Kultur- synthese von Bayreuth ist so verpflichtenb, baß die besten Kräfte Arbeit genug haben, um bie Jbee Wagners in szenischer, musikalischer unb Drama­tischer Hinsicht rein zu erhalten unter ausgleichen- Der Berücksichtigung Der Verwandlung künstlerischer Ausdrucksformen, wie sie vom Lauf der Zeit be­dingt wird.

Darüber hinaus hat Bayreuth aber feine größte Mission noch zu erfüllen. Das ist Die Erweiterung Der sozialen Grundlage Der Festspiele. Wagners JDeal ist mit unentgeltlichem Eintritt zu den Fest­spielen verbunden gewesen. Bitter beklagte er sich nach den ersten Festspielen von 1876 darüber, daß er in den Patronen eigentlichnur Zuschauer auf sehr teuer bezahlten Plätzen" gehabt habe und daß ihn die Verhältnisse dazu zwingen, daßvorzüglich nur Reiche eingelassen werden". In der Zeit schwe­rer Daseinskämpfe des Hauses Wahnfried war diese Kluft zwischen Vorstellung und Wirklichkeit nicht zu vermeiden. Heute aber ist Die Zeit gekommen. Das JDeal Wagners in angemessener Form zu er­füllen. Die Reichshilfe Des vorigen Festspieljahrs war ein Anfang. Der Staat verteilte Eintritts­karten an Volksgenossen aus allen Schichten. In Diesem Sommer konnte die Reichshilfe ausfallen. Da Der Kartenverkauf überrafchenD gut war. So blieb Der soziale Ausgleich zwischen begüterten Leuten, die dreißig Mark Eintritt für eine Vor­stellung sowie die Summen für Die Fahrt und den leider recht kostspieligen! Aufenthalt in Bay­reuth aufbringen können, und den füT Wagners Kunst nicht minder empfänglichen, aber unbemittel­ten Volksgenossen auf bie Schützlinge ber Richard- Wagner-Sttpenbien-Sttftung beschränkt. Die immer­hin 865 Karten an 350 Stipendiaten verteilen und 5000 Mark an Baraufwenbungen zur Bestreitung bes Aufenthalts bereitstellen konnte. Um Der einzig­artigen Idee von Bayreuth unb ihrer gemeinschafts- bilbenben Kraft willen sollten aber gerade in* Dritten Reich Möglichkeiten gefunden werden, nach Bayreuth Das Volk zu führen. Dem Wagner seine Werke gewidmet hat!

Schlangen"? Ja, in diesem Falle, Denn die Blindschleiche gehört gar nicht z u Den Schlangen, wenngleich sie im Volk wegen ihres Mangels an jeDweben Fortbewegungswerk- zeugen, ihrer schlangenartig ausgestreckten Körper- form unb ihrer unangenehmen Glattschlüpfrigkeit beharrlich ben Schlangen zugerechnet wirb unb mit allem Haß unb aller Abneigung gesegnet ist, Den man instinktiv Diesen Geschöpfen entgegenbringt. Wenn auch jahrzehntelang unter Den Autoren hin­sichtlich Der systematischen Unterbringung Dieser Tierart große MeinungsverschieDenheiten herrsch­ten, so ist man sich Doch nun auf GrunD Der gemein­samen Embryonalentwicklung Darüber klar, Daß man Diese JonDerbar gestaltete Saurierform Den Echsen, also Den Eidechsen zuzurechnen hat. Aber von Der Harmlosigkeit, mit Der man sonst im Volk Diesen gutartig veranlagten Tierchen begegnet, ist bei Der wohl in Der Körperform, aber nicht im Charakter stark abweichenDen Blindschleiche wenig zu merken, unb so sterben Jahr für Jahr Tau­sende ihrer Artgenossen ben sinnlosen unb grau­samen Tod menschlicher Justizirren als Folge eines gänzlich ungerechtfertigten Schlangenhaffes.

Dabei besteht, wenn man sich nur die Mühe ma­chen wollte, ein wenig aufzupasfen, gar keine Ge­fahr, unsere Blindschleiche mit irgend einer anderen Reptilienart zu verwechseln. Schon rein charakter­lich nicht. Ist die Kreuzotter zum Beispiel scheu und flüchtig vor des Menschen Tritt und alles andere als wie man es ihr aber leider angedichtet hat angriffsluftig, so zeichnet sich die Blindschleiche durch eine ausgesprochen phlegmatische Lebenshaltung und Gutmütigkeit aus und denkt noch nicht einmal dann ans Beißen oder sich durch Wehren ober irgenbwelche Schreckbewegungen bes Menschen zu erwehren, wenn sie in die Hand genommen wird. Was eben allemal gegen sie steht unb instinktiv auf den stets oberflächlich in solchen Fällen handelnden

revolutionären Auseinandersetzung. Hier an Ort und Stelle ist aber festzustellen, daß bas Maß sol­cher Auseinanbersetzungen nie ein solches ist wie bei manchen anberen Volkern, bie sich ber Demo­kratischen DulDsamkeit rühmen. Schließlich ist es nur zu begreiflich, wenn Die Danziger Regierung Dafür sorgt. Daß Die Grenze klar unD rein bleibt, wie weit Die Freiheit persönlicher Ueberzeugung geht unD wo Staat unb Vaterlanb zerstorenbe be­wußte ober fahrlässige Hanblungen vorliegen.

Diese Grenze kennt Die Danziger Oppositions- presse nicht mehr. Welche Gesinnung z. B. sprich! aus Der Behauptung, Der Danzig-polmsche Aus­gleichgebe zu Den schwersten BeDenken Anlaß, weil er Die Ausführung eines Wunsches Hitlers, Des Oberhauptes eines staats- unD völkerrechtlich frem- ben Staates an bie souveräne Freie Stabt Danzig barstelle!" Hier wird ganz deutlich, daß die Eigen­staatlichkeit Danzigs als willkommener Anlaß ge­nommen wird, um den Trennungsstrich zu ziehen selbst wenn die Lebensfundament e Dan­zigs dadurch in Mitleidenschaft gezogen würben. Oder man lieft Ungereimtheiten wie diese, daß die NSDAP, in Danzig denGeßlerhut der Diktatur" aufrichten würde, wenn sie die Zweidrittelmehrheit gewänne. Hier führt politische Verblen­dung die sogenannten Demokraten soweit in die Irre, daß sie nicht mehr zwischen Diktatur und einem vom Volk gewünschten autoritären Regime zu unterscheiden vermögen. Es ist keine Frage, daß die innere Auseinandersetzung, die die NSDAP, in