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ttr.91 vierter Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)

Somstag, 18. April M6

Oberhessen.

Sitzung der liateherren in Grünberg.

Oer große Tag -er Sechsjährigen.

fGrünberg. 17. April. Bürgermeister Wag­ner machte bei Beginn der Sitzung verschiedene Mitteilungen.

Mit Beginn des Rechnungsjahres 1936 wurde ein neues Protokollbuch für die Sitzungen an- gesangen. Das seitherige ein ziemlich umfang­reicher Band wurde am 21. September 1926 in Gebrauch genommen. Da es auf seiner ersten Seite die Namen von Bürgermeister, Beigeordneten und Gemeinderäten verzeichnet, schlägt Bürgermeister Wagner vor, diesem Brauche auch jetzt zu folgen und Bürgermeister, die zwei Beigeordneten und die sieben Ratsherren den Namenseintrag zu voll­ziehen.

Der Zuzug unerwünschter Personen, die sehr ost nach kurzer Zeit der Gemeinde zur Last fallen, kann nach dem noch gültigen Frei­zügigkeitsgesetz nicht ohne weiteres verboten wer­den. Bei rechtzeitiger Meldung von solchen Zuzugs­fällen an den Bürgermeister können aber Versuche zu ihrer Verhinderung unternommen werden.

Eine Untersuchung des Wassers im Q u e l l g e b i e t des Brunnentales, das unsere Wasserleitung speist, ergab sowohl in chemischer als auch in hygienischer Beziehung keinerlei Be­ll n st a n d u n g.

Die etwas erniedrigten Tagegeldsätze für Bürger­meister, Beigeordnete und Ratsherren bei Erledi­gung auswärtiger Dienstgeschäfte werden bekannt­gegeben. Der folgende Punkt betraf die Her­richtung von Räumen in der Turn­halle. Gelegentlich der 750jährigen Jubiläums­feier soll in den Räumen über der Bühne in der Turnhalle eine Ausstellung von Urkunden, Alter­tümern und dergleichen stattfinden. Da die Räume noch nicht ausgebaut sind, war zunächst nur das Dielen derselben vorgesehen, wozu die Stadt das nötige Holz, etwa 5 bis 6 Festmeter, stellen will, während Schreinermeister Gehringer freiwillig das Dielen ausführen will. Mittlerweile ist nun angeregt worden, den völligen Ausbau gleich mit vorzunehmen. Der Führer des Turnvereins, Lehrer Wenzel, erläutert den Plan näher. Die 130 Quadratmeter großen Räume können nach Ansicht des Architekten Balser mit 1600 bis 1800 Mark vollständig hergerichtet werden. Der Turnverein er­klärt sich bereit, sofern die Stadt bzw. die Partei die Summe für den Ausbau übernimmt, die Räume auf die Dauer von 8 bis 10 Jahren gegen eine monatliche Miete von 15 Mark an dieselben zu vermieten. Es wird dies zur Kenntnis genommen und zunächst eine Besichtigung mit Vertretern des Turnvereins verabredet.

Mit der Einführung einer Verkehrs- w e r b e a b g a b e , zu der in erster Linie die mittel­bar und unmittelbar aus der Hebung des Fremden­verkehrs Nutzen ziehenden Gastwirtschaften, Metz­gereien, Bäckereien und offenen Ladengeschäfte heranzuziehen wären, kann sich die Mehrzahl der Ratsherren nicht einverstanden erklären.

Das Gesuch der Ortsgruppe des Reichsbun - des der Kinderreichen wegen Abgabe von Holz soll zustimmend beschieden werden, wenn das Forstamt den Vorschlag für durchfühbar hält. Es wäre für jede Familie eine Höchstmenge von zwei Raummeter festzusetzen. Von Familien in günstigen wirtschaftlichen Verhältnissen wird erwar­tet, daß sie zugunsten der Bedürftigen verzichten.

Em umfangreiches Hügelgräberfeld entdeckt.

* Kirch-Göns, 16. April. Bei Rodungs­arbeiten im Walde stieß man hier auf ein u m - fangreiches Hügelgräberfeld. Die Grä­ber werden zur Zeit unter fachmännischer Leitung geöffnet. Es handelt sich um mehr als 30 Gräber aus der Hallstattzeit (etwa 600 bis 500 Jahre vor Christi Geburt). Man hat beim Aufdecken der Gräber, die fast alle eingelegte Steinkreise zeigten, viele wertvolle Funde gemacht. Die Gräber sind teils Brandgräber, teils Skelett - gröber. Von den Urnen fand man bis jetzt nur kleine Teile. Das Wurzelwerk der Waldbäume hat das meiste zerstört. Dafür wurden aber viele an­dere Gegenstände, wie Schmucksachen (Halsringe, Armbänder usw.), Lederreste u. v. a. gefunden. Die Arm- und Halsbänder haben mitunter sehr schöne Verzierungen. Sie sind ausnahmslos aus Bronze. Aber man fand auch Reste von Eisengeräten. Nach einer sorgfältigen Prüfung und Aufstellung der Funde bis jetzt wurden 15 Gräber freigelegt, aber nur ganz wenige sind restlos durchsucht wor­den werden diese dem Ober hessischen Mu­seum in Gießen zugeführt.

Landkreis Giesten

< Staufenberg, 17. April. Sieben Buben und acht Mädchen unserer Gemeinde traten dieser Tage ihren ersten Schulgang an; zwei Kinder wurden ein Jahr zurückgestellt.

0 Harbach, 17. April. Wie überall, so er­folgte auch hier am Mittwoch die Einschulung der ABC-Schützen. Bei der ärztlichen Unter­suchung am 19. März konnten alle Schul-Neulinge aufgenommen werden. Es sind acht Knaben und fünf Mädchen. An Ostern wurden drei Knaben und zwei Mädchen entlassen. Unsere einklassige Volksschule zählt nun 71 Schüler. In diesen Tagen wurde die D D A. - S a m m l u n g abge­schlossen. Es konnten 13,40 RM. an den Landes­verband abgeführt werden.

]) Harbach, 17. April. Gegenwärtig werden unter der sachkundigen Leitung des Gärtners Hans Loch mann aus Ettingshausen die hiesigen Friedhofsanlagen verbessert. Der frühere Friedhof, der die Kirche umrahmte, wird schon lange nicht mehr benutzt. An manchen Stellen ragen noch einige Kreuzüberreste aus dem Boden hervor und erinnern die Kirchgänger daran, daß hier ihre Vorfahren zur letzten Ruhe bestattet wur­den. Der jetzige Gottesacker liegt abseits vom Dorf. Er hat die Form eines Rechtecks und zieht sich von Nordwesten nach Südosten am Fuße des Kirsch­bergs hin. Drahtzäune und naturgewachsene Hecken umgeben die friedliche Stätte. Auf beachtlicher künstlerischer Stufe stehen zahlreiche Eisenkreuze, die leider heute aus der Mode gekommen sind. Ihre schlichte Linienführung und der reiche ornamentale Schmuck legen beredtes Zeugnis von dem Kunstsinn unserer Vorfahren ab. Um dem gesamten Fried­hofsbild ein harmonisches Gepräge zu verleihen, wird der Gottesacker einer gründlichen Renovie­rung unterzogen, die sich namentlich auf der nörd­lichen Hälfte auswirkt. An den Nordeingang kom­men Eiben und an den Südeingang veredelter

ABE-Schützen unterwegs zur Schule. - Gottesdienst zur Schulaufnahme.

Für viele Kinder in unserer Stadt war der ver­gangene Donnerstag ein ganz großer Tag. Schon wochenlang warteten sie darauf, freuten sich, be­fürchteten, fragten die Mutter nach allem Mög­lichen und Unmöglichen aus und harrten dem Tag entgegen. Schulranzen wurden gekauft, Schiefer­stifte und -tafeln auch, damit wenigstens etwas im Ranzen war. (Wenn auch die Tafel wieder um­getauscht werden mußte, weil sie nicht die richtige Anzahl Linien aufwies!) Dann hat die Mutter gar noch eine jener großen verheißungsvollen bunten Tüten erstanden, die den ersten Schulgang fchmack-

Tages, an dem die Mütter das Recht der Erziehung ihres Kindes zu einem großen Teil dem Staat überlassen müssen, der dazu beitragen will und muß, tüchtige Volksgenossen heranzubilden und sie auszurüsten für den Kampf im Leben. Die Geist­lichen forderten aber vor allem auch zum Danke gegen Gott auf, der die Kinder bis hierher be­wahrte und sie weiterhin bewahren wird. Gemein­sam gesungene Lieder, Gebete, deren eines auch die Kinder mitsprachen, Orgelspiel und Vaterunser ge­stalteten den Gottesdienst zum nachhaltigen Erleb­nis. Zum Schluß erhielt jedes Kind am Ausgang

Oben rechts: Nach dem Gottesdienst der Knaben in der Johannes- kirche.

Unten links: Erster Schulgang! Was denkt wohl die Fünfjährige (im Vordergrund):Nächstes Jahr komme ich auch dar­an!"

Links: Zum ersten Male im Schulzimmer. Noch sind die Mütter da­bei.

Unten rechts: Die wichtige Stunde der Schul­aufnahme ist vorbei. Nun geht's nach Hause zum Mittagessen.

(Aufnahmen s4s:

Neuner, Gieß. Anzeiger.)

Hafter machen und den Abcschützen erst dann aus- gehändigt werden sollen, wenn sie das Schulhaus nach dem ersten Schulbesuch verlassen.

So sah man denn am Donnerstagmorgen gegen 9 Uhr viel Mütter mit ihren Kindern unterwegs. Noch trugen die Mütter die Tüten und die Kinder stolz ihre Schulranzen, stolz wurden von ihnen heute die kleinen Spielgefährten der Straße über­sehen und rüstig schritten sie fürbaß zunächst zur Kirche.

Zum ersten Male in diesem Jahre ging nämlich der Schulaufnahme ein Gottesdienst voraus! Eine schöne Sitte, wohl geeignet, den Kindern den Ernst und die Größe des Tages stärker bewußt werden zu lassen und die Erinnerung an diesen Tag zu vertiefen. So saßen denn die Kinder neben ihren Müttern in den Bänken der Kirche, hörten die Orgelmusik, hörten den Geistlichen, der zunächst zu den Erwachsenen sprach von der Bedeutung des

der Kirche ein hübsches Erinnerungsbild mit einem geistlichen Spruch zur Erinnerung an den Gottes­dienst zum ersten Schultag ausgehändigt.

Der Gottesdienst für die Knaben unserer Stadt fand in der Johanneskirche, für die Mädchen in der Stadtkirche statt. In der Johanneskirche sprach Pfarrer A u s f e l d , in der Stadtkirche Pfarrer Becker.

In den Schulen fanden sich dann alle Neulinge wieder und versammelten sich in den Turnhallen, wo die Rektoren zunächst kurze Ansprachen, insbe­sondere auch an die Eltern, hielten, aber auch herz­liche Worte für die Kinder fanden, die den Kleinen rasch Vertrauen gewinnen ließen. Dann wurden die Namen verlesen und die Mütter begaben sich nun mit ihren Kindern in die angewiesenen Schulräume.

Die Abcschützen wurden dabei schnell warm. Noch waren ja die Mütter da! Aber vor allem die Gleichaltrigen! Manche waren schon miteinander

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bekannt, und wer die anderen noch nicht kannte, lernte sie rasch kennen. Selbstverständlich wurden so­fort die vorhandenen Einrichtungen an den Schul­bänken besonders bei den Knaben untersucht und geprüft, was sich daran alles bewegen läßt.

Na ja! Und schließlich kam bann auch der Herr Lehrer oder das Fräulein! Da wurde es für Augen­blicke etwas ernster, aber im großen und ganzen ging es doch an diesem ersten Schultage recht unter­haltsam zu.

Die Schule am Donnerstag dauerte auch nicht lange! Kaum eine halbe Stunde! Es galt für dies­mal, lediglich einige Formalitäten zu erfüllen. Immerhin für die Kinder war es eine große Sache und angeregt, gespannt auf das, was die nächsten Tage alles bringen werden, verließen sie, abermals an der Mütter Hand, die gewartet hatten, das Schulhaus. Bald werden auch sie sich auf­nahmebereit, anpassungsfähig und willig, wie Sechs­jährige find hineingefunden haben in den Betrieb der Schule, in der nicht um des Lehrers und der Schule willen, sondern für das Leben gelehrt und gelernt wird.

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Goldregen. Die neu angelegten Wege werden mit verschiedenen Sträuchern eingefaßt. Eindrucksvoll gestaltet sich die Anpflanzung mit Zypressen, Stech­fichten und rotlaubigen Mandelbäumchen. Die An­ordnungen sind so getroffen, daß eine gewisse Ge­setzmäßigkeit gewahrt bleibt und infolgedessen keine .Störung des Gesamtbildes entsteht. Für den kom­menden Spätherbst sind weitere Arbeiten vorge­sehen. Vor allen Dingen gilt es, die Umzäunung auf der Ostseite einige Meter hinauszuschieben. Der gewonnene Raum wird in erster Linie zur An­pflanzung von Blutbuchen benutzt. Außerdem soll dort eine' Ruhebank aufgestellt werden, um nament­lich älteren Friedhofsbesuchern eine kurze Rast zu ermöglichen. Oft wird dann von unseren Alten die­ses stille Plätzchen aufgesucht werden, zumal man von hier aus einen herrlichen Ausblick in das Joß- hollertal und auf die bewaldeten Taunushöhen hat.

+ Grünberg, 17. April. In der hiesigen Volksschule wurden zu Beginn des neuen Schuljahres 38 Abcschützen ausgenommen. Auf Grund der kreisärztlichen Untersuchung mußten sieben weitere Schulrekruten für ein Jahr zurück- gestellt werden. Alter Sitte gemäß erhielten die Schulanfänger an ihrem ersten Schultage Bre­zeln Mit Schluß des Schuljahres waren aus der Volksschule 35 Schüler zur Entlassung gekommen.

8 H u n g e n, 17. April. Daß unser Städtchen reich an altertümlichen Bauten, Hvlzfachwerkhäu- s e r n mit B a l k e n s ch n i tz e r e i e n und Inschrif­ten ist, beweist öfters die bei Erneuerungsarbeiten erforderliche Abstoßung des alten Verputzes, wodurch dasalteschöneHolzfachwerkfreigelegt wird, das seinerzeit zweifellos viel Arbeit und Mühe verursacht haben mag, auf das aber auch mancher alte Meister mit berechtigtem Stolze blicken dürfte. Auch gegenwärtig ist an zwei älteren Wohn­häusern in der Altstadt das alte Holzfachwerk infolge Erneuerung des Verputzes wieder freigelegt und In­schriften wie Schnitzereien sind sichtbar geworden. Leider wird häufig nicht das nötige Verständnis für die Erhaltung solcher Schönheiten aufgebracht.

Kreis Alsfeld

!" Ruppertenrod, 16. April. Zum gestri­gen Frühjahrs-Schweinemarkt waren

126 Ferkel aufgetrieben. Bei flottem Handel wurden je nach Alter und Qualität 24 bis 33 Mark je Stück bezahlt.

Kreis Schotten.

O Laubach, 16. April. Gestern unternahmen die diesjährigen Konfirmanden mit unserem Ortspfarrer ihren Ausflug. Der unsicheren Wit­terung der vorhergehenden Tage wegen war ein Postauto gemietet worden, das mit großer Be­geisterung begrüßt wurde. Vormittags 6.30 Uhr ging die Fahrt ab über GießenWetzlar, wo der altehrwürdige Dom mit seinem eigenartigen Baustil besichtigt wurde, nach B r a u n f e l s. Hier sand eine eingehende Besichtigung der mächtigen Burg statt, woraus an einem lauschigen Platz in der Nähe abgekocht und das Mittagsmahl, bestehend aus einer gut zubereiteten Erbswurstsuppe, eingenommen wurde. Nachmittags ging die Fahrt über Wetzlar- Butzbach nach Münzenberg, wo noch einmal Halt gemacht und unter freundlicher Führung des Ortspfarrers die Kirche und alsdann das Wahr­zeichen Oberhessens, die Ruinen der alten Burg, in Augenschein genommen wurden. Nach noch­maligem kurzen Aufenthalt in Arnsburg kehrte man auf dem Wege über Lich nach Hause zurück, befriedigt von den Stunden fröhlichen Zusammen­seins und dem Schauen eines schönen Teils unserer deutschen Heimat. Heute verließ die seitherige Leiterin unserer Kleinkinderschule, Schwe­ster Gretchen R o ß, unsere Stadt, da sie von ihrem Mutterhaus zum 15. d. M. mit der Leitung der evangelischen Kleinkinderschule zu Arheilgen bei Darmstadt betraut wurde. Gebürtig aus Nie- der-Beerbach bei Darmstadt stand Schwester Gret­chen seit fünf Jahren hier in der Arbeit und hat sich bei groß und klein warme Sympachie erwor­ben. Dank ihrer hervorragenden erzieherischen Be­gabung verstand sie es ausgezeichnet mit den Kin­dern, und unter ihrer Leitung blühte die Kinder­schule auf. Wir wünschen Schwester Gretchen auch in ihrer neuen Tätigkeit vollen Erfolg. An ihrer Stelle übernimmt Schwester Elisabeth Trumpsi­tz e l l e r , gebürtig aus Offenbach a. M., zuletzt in Mainz-Kastel tätig, unsere Kleinkinderschule.

Preußen.

Kreis Wetzlar.

* Wißmar, 17. April. Der Eisenbahner Gg. Türnert, gebürtig aus Fronhausen, konnte auf eine 2 5jährige Tätigkeit bei der Reichsbahn zurückblicken. Der Jubilar über­nahm 1932 die Geschäfte an der hiesigen Station und erfreut sich im Dorfe allgemeiner Beliebtheit.

(D Krofdorf-Gleiberg, 17. April. Zu Be­ginn des neuen Schuljahres wurden in Klasse 6 durch Lehrer Bindewald 45 Schulneulinge, 24 Knaben und 21 Mädchen, ausgenommen. Mit den drei auf ärztlichen Rat zurückgestellten schul­pflichtigen Kindern beträgt die Gesamtschülerzahl unserer Schule 350, die in 7 Klassen von 6 Lehr­kräften unterrichtet werden.

* Dutenhofen, 18. April. Der im Bergwerk Großen-Linden beschäftigte hiesige Einwohner Otto S ch e p p wurde gestern mittag, als er sich unter­wegs zu seiner Arbeitsstelle befand, mutmaßlich angefahren und verletzt. Der Verunglückte wurde zum Arzt gebracht, der ihm erste Hilfe zuteil wer­den ließ. Durch die Sanitätskolonne vom Deutschen Roten Kreuz wurde er dann in die Chirurgische Klinik gebracht. Der Verunglückte hatte mutmaß­lich innere Verletzungen erlitten, ferner eine äußere Verletzung der Hand.

Kaplan wegen Kanzelmißbranchs verurteilt.

LPD. Limburg, 17. April. Wegen Kanzelmiß- brauchs verurteilte das Schöffengericht Limburg den Kaplan Ernst Keidel aus Häsin-Schönberg (Oberwesterwaldkreis) zu einem Monat Ge­fängnis. Der Angeklagte batte am 16 Juni 1935 von der Kanzel der Pfarrkirche in Höhn an die Verlesung eines Hirtenbriefes des Bischofs von Limburg eigene Bemerkungen geknüpft, die, da sie sich mit Angelegenheiten des Staates, die nicht auf die Kanzel gehörten, beschäftigten^und nach Zeu­genaussagen als Hetze gegen die Staatsjugend er­wiesen, die Grenzen seiner Befugnisse als Geistlicher überschritten. Der Staats­anwalt hatte eine Gefängnisstrafe von zwei Mo­naten beantragt.