Einzelbild herunterladen

2539 Personen

Aus den preußischen Nachbargebieten

gegen

Po-

W o h n u n triebe,

Schwerer Verkehrsunfall eines Zirkusunternehmens.

Ein Toter, ein Verletzter.

Schmerzen am Steißbein, bei arten Leuten haben diese Schmerzen ihren Grund in rheumatischen Knochenveränderungen.

Aber die Kreuzschmerzen, die die Frühjahrsmü­digkeit besonders bei der Frau hervorruft, die haben meist tiefe Gründe. Sie sind das erste Warnungs­signal für einen allgemeinen Schwächezu- st a n d des Körpers. Die Muskeln sind schlapp ge­worden, Verlagerung und Entzündung der Gebär­mutter und ihrer Umgebung können die Ursache sein! Hier muß der Frauenarzt zu Rat gezogen

lizei gelang es, in der Person des 33 Jahre alten Hans Seehuber einen gefährlichen Heirats­schwindler festzunehmen. Seehuber knüpfte mit mehreren Mädchen Beziehungen an, versprach ihnen die Ehe und ließ sich von ihnen erhebliche Geld­beträge geben. Sobald er ein neues Opfer kennen­gelernt hatte, vergaß er der früherenBraut" gegenüber sein gegebenes Wort. Er lebte von den Gaben, die in Form von Geld und Geschenken

Wer in Hamburg noch Gängeviertel sehen will, wird sich beeilen müssen. Schon reifen die Pläne, auch den letzten Rest jenseits der Wexstraße der Axt des Abbruchmanns zu übergeben auf das bald das schönere Hamburg ganz erstehen kann.

Briefkasten der Redaktion.

fRechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.)

Hallenrod. Sie können von Ihrem Nachbarn verlangen, daß er den Auslauf seiner Hühner so hält, daß diese nicht auf Ihre Grundstücke gelangen können. Sollte durch das Scharren und Weiden oer Hühner Schaden entstanden sein, so können Sie von Ihrem Nachbarn, als dem Halter der Tiere, Schadensersatz verlangen.

werden, durch Diathermie, Massagen usw. kann man da helfen; allerdings muß jeder Fall individuell behandelt werden. .

Wenn man den Körper allgemein im Frühling auffrischt, dann vergehen auch oft diese lästigen Schmerzen. Die vielen Kopfschmerzen kommen auch oft von den Ermüdungsgiften, die im Körper kreisen. Möglichst viel frisches Obst und Ge­müse, Wanderungen in der frischen Luft und sach­gemäße Atemübungen sind die besten Helfer der Aerzte.

unversehrt.

Wieder zwei Heiratsschwindler festgenommen.

LPD. Frankfurt a.M., 17. März. Der

Fußschmerzen stellen sich um diese Zeit bei der Hausfrau gern ein und werden von rhr meist falsch behandelt. Absatzlose Pantoffeln verstärken nämlich die Schmerzen, anstatt sie zu (intern, tenn das Gehen in absatzlosen Schuhen verteilt das Ge­wicht falsch und überlastet die Fuß- und Waden­muskeln! Kräftige Fußmassage morgens und abends, stärkende Fußbäder und, wenn es notig ist, sogar ein paarmal sachgemäße Bandagen können hier Abhilfe schaffen! Ur- w*

Ein Mann reist durch Deutschland.

Hamburgsromantisches" Gängeviertel erhält den Todesstoß. Sonnenschein statt Moderdust. - Die einstige Hochburg des Kommunismus

bestehende Transportkolonne der Bunten Tier­bühne L o r e t t y aus Sachsen auf dem Gefälle der Straße ins Schleudern. Bei Bremsversuchen gerieten zwei Mitglieder der Truppe zwischen den zweiten und dritten Wagen, wobei der eine Mann t o t g e q u e t s ch t, der andere überfahren wurde. Der letzte Zirkuswagen, ein Küchenwagen, der zum Glück unbesetzt war, stürzte den Abhang hin­unter und schlug um. Der tödlich Verunglückte, ein junger Mann von 22 Jahren, war erst vor einer Woche in die Truppe eingetreten und wollte den Sommer über bei dem Unternehmen verbringen. Der zweite von dem Unfall Betroffene wurde mit einem Schenkelbruch in das Limburger Kranken­haus eingeliefert. Die in den beiden vorderen Wohn­wagen sich aufhaltende Familie des Besitzers blieb

reichlich flössen, dachte aber niemals an eine Hei­rat. Weiterhin wurde ter 37jährige Rudolf Du* - ch a r d t festgenommen, der ebenfalls zahlreichen Mädchen die Heirat versprochen und es verstanden hatte, durch Erregung von Mitleid seinen Opfern Geldbeträge abzuschwindeln.

Kreis Dehlar.

(D Krofdorf-Gleiberg, 17. März. Im Alter von 78 Jahren verstarb der Landwirt . Ludwig Abel. In ihm ist eine hochachtbare Per* sönlichkeit unserer Gemeinde dahingegangen, die in Bescheidenheit und Uneigennützigkeit ihre Kräfte und Fähigkeiten in einem langen Leben dem Dorf­leben in segenbringender Weise zur Verfügung ge­stellt hat. 25 Jahre betätigte er sich als aktiver Sänger im GesangvereinGermania", über wei­tere 25 Jahre leitete er in verständnisvoller Weise als Chorleiter diesen Verein. Seinen rastlosen Ar­beitsgeist zeigte er neben seinem Landwirtsberuf auch im Genossenschaftswesen, in dem er über 30 Jahre lang in Mustergültigkeit die Kassengeschäfte des Spar- und Darlehnskassenvereins führte. Als Rendant dieses Instituts genoß er in seiner stillen, stets freundlichen Art vollstes Vertrauen der Be­völkerung und des Reoisionsverbandes. Die Ge­meinde betrauert einen Mann, der in vielem ein treues und an Verdiensten reiches Glied der Dorf­gemeinschaft war.

glücklichen die politisch Gefährlichen im Zwielicht hausten. Aber weder soziales Empfinden noch poli­tische Klugheit ließen einen solchen Beschluß Zu­standekommen. Das Gängeviertel einzureißen hätte nämlich nicht nur viel Geld für Ankauf der Grund­stücke und Neubau von Häusern gekostet. Es hätte und das war fast ebenso ausschlaggebend den Zwang eingeschlossen, die politisch und wirtschaftlich unerwünschten Mieter dieses Viertels 'n anderen, bisher vonbesseren" Klassen allein bewohnten Ge­genden anzusiedeln, Und damit die Mietpreise zu drücken. Das aber kam für die marxistischen Ham­burger Regierungen, die angeblich doch so anti­kapitalistisch waren, nicht in Frage.

Die soziale Tat.

Nun, mit den politisch unerwünschten Mietern hat der nationalsozialistische Staat schon im Früh­

jahr 1933 Schluß gemacht. Wenn im Dritten Reich das Problem Gängeviertel nur unter dem politischen Gesichtswinkel gesehen worden wäre, hatte man sich begnügen können mit dem, was bis 3um Som­mer des ersten Jahres der Herrschaft Adolf Hit- lers geleistet wurde. Das Gängeviertel, soweit es noch besteht, ist seitdem wieder eine friedliche, wenn auch keine schöne Wohngegend geworden. Kein Fremder braucht zu befürchten, daß er bet einem Spaziergang ausgeraubt oder auch nur im min­desten belästigt wird.

Aber gerade darinliegtdieTat,die An - erkennung verdient, und die besonders den Kenner der Verhältnisse mit Dank erfüllt, daß das Dritte Reich sich nicht mit der politischen Bereinigung des Gängeviertels zu­frieden gab, sondern danach ganze Arbeit machte und auch dem wirtschaftlich unerwünschten Mieter seine Fürsorge angedeihen ließ. 114 8 ' en und 234 gewerbliche Be - ie Unterkunftsstätten für v t u iie il, wurden auf ein e n Schlag angekauft und mit 11 7 Woh­nung en, die schon vorher polizeilich für unbe­wohnbar erklärt worden waren, e i n g e r i s s e n. Von der so gewonnenen Fläche wurden 24~ v. H. für Straßen und Plätze und 30 v. H. für öffent­liche Grünanlagen bestimmt. In luftiger, ge­räumiger Umgebung entstehen im Augenblick über 500 neue Drei- und Vierzimmer-Wohnungen, die für die Höch st miete von 40 Mark monatlich abge­geben werden. Die erste Hauswand fiel noch im Frühjahr 1933, das letzte neue Haus wird stehen bis zum Ende dieses Jahres.

Hamburg, Mitte März.

NI.

Wo die Sonne nie die Erde erreichte.

Der Fremde, der einmal ein paar Tage in Ham­burg verlebt, nimmt gewöhnlich drei große Eindrücke von der Hansestadt an der Elbe mit nach Hause: St. Pauli, Hafen, Gängeviertel. St. Pauli er­scheint ihm als der Tummelplatz der Welt, der Hafen ist das große Erlebnis der Weite und der Ferne, das Gängeviertel endlich war, bis vor kurzem, die romantische" Elendseite, die aufregende, wilde und gespenstische Rückfront der sonst so schönen, groß­zügigen und ehrbaren Weltstadt.

Es ist nicht anzunehmen, daß auch nur einer von tausend Fremden, die in den Jahren vor der Macht­übernahme sich in die manchmal kaum vier Meter breiten Gassen zwischen Wex- und Kaiser-Wilhelm- Straße hineintrauten, den richtigen Eindruck vom Gängeviertel mit nach Haus brachte. Selbst wer den Mut zu einem Spaziergang von einer Viertelstunde hatte, mußte nach den Erfahrungen dieser fünfzehn Minuten davor Mückscheuen, in eines der Häuser einzutreten, eine Wirtschaft aufzu­suchen oder gar mit den Bewohnern dieser Höfe und Häuser zu sprechen. Der Schlag Menschen, der hier in des Wortes wahrster Bedeutung hauste, hatte es nicht gern, sich von fremden Herrschaften besichtigen zu lassen und wußte dieser Abneigung deutlich Ausdruck zu verleihen.

Der Teil der Bewohner, der unter kapitalistischen Grundsätzen gezwungen und aus Not und Ar- m u t hier Zuflucht gesucht hatte, war deswegen nicht weniger, eher noch me.hr als der gewöhnliche Hamburger auf seine Menschenwürde bedacht und hatte seine eigene Art, unerbetene Mitleidsgefühle von sich fernzuhalten. Der andere Teil aber, der lichtscheue und verbrecherische, konnte nur hoffen, daß aus Beschimpfungen und Anrempeleien sich eine Gelegenheit zu leichtem Erwerb von Geld oder Wertsachen ergeben würde und war deswegen leicht geneigt, Übelzunehmen und mit Fremden böswillig anzubinden. Und dessenholde" weibliche Anhängsel wußten nur gar zu schnell solche Gelegenheiten her­beizuführen.

Das Verbrecher-Labyrinth

Nur so ist es zu verstehen, daß außerhalb der hamburgischen Mauern die schreiende so­ziale Not des Gängeviertels nie bekannt wurde und daß sich statt dessen so etwas wie Ro­mantik um die Straßennamen Rademachergang, Kornträgergang, Ebräergang usw. rankte. Die allzu flüchtige Kenntnis war es, die die Dinge im Gänge­viertel in eine gruselige, schaurige, aber eben doch malerische Stimmung tauchte. Aestheten konnten sich über Elend und Not, Verbrechen und Zuhältertum Hinwegsetzen und sich an dem altertümlichen Fach­werkbau, den seltsamen Lichtreflexen und den un­wahrscheinlicken Fluchtlinien der Giebel und Fron­ten freuen. Selbst ustter den alteingesessenen Ham­burger Bürgern gab es eine Menge Leute, die sich

Von unserem Sonderberichterstatter.

gegen ein Niederreißen des Gängeviertels, wenig­stens innerlich, aus solchen oder ähnlichen Ueber- iegungen gewehrt hätten.

Ich habe bis zu meinem 15. Lebensjahr in un­mittelbarer Nähe des Gängeviertels gewohnt, und mein bester Schulfreund, den ich täglich besuchte, lebte mitten drin. Wir haben unsere Straßenschlach­ten als Schuljungen Schule Holstenwall gegen Schule Kohlhöfen hier ausgetragen; wir wußten, wie man von einem Ende des Viertels bis zum anderen kommen konnte, ohne mehr als ein einziges Mal über eine offene Stvaße zu müssen. Wir kann­ten jedes Haus, das Geheimtüren hatte, die ver­borgen vor der Oeffentlichkeit, den Uebergang von einer Straße in die andere ermöglichten. Wir konn­ten uns im Stockdustern durch ein halbes Dutzend verschwiegener, manchmal nur knapp einen Meter breiter Hinterhöfe durchfinden und ungesehen an jeder Stelle des Gängeviertels, die man uns vor­geschrieben hätte, auftauchen. Kein Polizist hat uns jemals bei unseren nicht immer ganz harmlosen Schlachten erwischen können.

Und dabei standen uns nicht einmal die Wege über die Dächer, die Hausböden und die Giebelluken zur Verfügung. Die kannten bis zum Kriegsende nur die echten Ganoven, und selbst die dürften wohl nur in den allerdringendsten Fällen sich veranlaßt ge­sehen haben, diese riskanten Fluchtwege zu benutzen. Man kam ja auf einfachere Art auch davon.

DieHochburg desKommunismus.

Wundert sich jemand, daß bei solchen Vorbedin­gungen das Gängeviertel in Vorkriegszeiten die Zufluchtsstätte allen lichtscheuen Ge­sindels, in Nachkriegszeiten darüber hinaus aber auch die Hochburg des hamburgischen Kommunismus wurde? Hier war nicht nur der Nährboden für jegliche Art der Verhetzung und das dankbarste Lehrmaterial für den Klassenkampf gegeben hier waren die Drahtzieher und Hetzer auch vor jedem staatlichen Zugriff so aut wie sicher und die staatlichen Ordnungsorgane fast machtlos. In unruhigen Zeiten, die in Hamburg mit dem H e i l s ch e n S ü l z e a u f st a n d" 1919 richtig an­fingen und über den kommunistischen Umsturzver­such 1923 bis zur Machtübernahme 1933 führten, ist das Gängeviertel immer wieder der unzugäng­liche Schlupfwinkel von Totschlägern, Mördern und ihren roten Hinterleu­ten gewesen, und die Hamburger hatten sich fast schon an den Gedanken gewöhnt, daß das wohl so sein müßte. Wer es nicht nötig hatte, blieb in diesen Jahren dem Gängeviertel fern, auch wenn er es in- und auswendig kannte und das heimische Platt­deutsch, die einzig gültige Umgangssprache dieser Gegend, von Kindesbeinen an beherrschte.

Wundern muß man sich nur darüber, daß nie­mals eine hamburgische Regierung ernsthaft den Versuch unternahm, die Axt an des Uebels Wurzel zu legen. Es hätten ja nicht einmal philanthropische Beweggründe, es hätten ja die einfachen Gesichts­punkte der politischen Sicherheit und Selbstbehauptung dazu zwingen müssen, das Gängeviertel einzureißen und Licht und Sonne da­hin fallen zu lassen, wo neben wirtschaftlich Un-

LPD. Diez, 17. März. Am Montag, gegen 18 Uhr, ereignete sich auf der abschüssigen Landstraße zwischen Hirschberg und Altendiez ein schwerer Verkehrsunfall, dem ein Menschenleben zum Opfer fiel. Auf der Fahrt nach Gießen befindlich, kam die aus einem Traktor und drei Zirkuswagen

Oie ungeschehenen Dinge.

Von Peter Barnm.

Ungezählte Dinge geschehen täglich auf der Welt, große und kleine, erhabene und lächerliche, wichtige und unwichtige, gescheite und dämliche. Wir alle beschäftigen uns unser Leben lang damit, alle diese Dinge zu betrachten, zu beurteilen, zu werden, aus­zunutzen oder zu verachten. Manches klugen Kopfes Ehrgeiz geht allein dahin, sich nicht mehr täuschen zu lassen, richtig zu urteilen, nicht mehr hereinzu­fallen, weit zu blicken, recht zu behalten. So sind wir diesseitig, auf dem Boden der Tatsachen stehend, bewußt, historisch, ohne Sinn für Geheimnisse. Wir ergötzen uns an den Tragödien und Komödien des Daseins, oder wir verzweifeln über sie. Aber mir kommen gar nicht darauf, daß es ein anderes Ob­jekt unserer Aufmerksamkeit geben könnte als das, was geschieht.

Dennoch, die Dinge, die sich begeben, sind zwar ungezählt, aber nicht unendlich. Unendlich dagegen ist die Zahl der Dinge, die nicht geschehen. Wäh­rend sich das große Welttheater vor einer aus Millionen bestehenden Oeffentlichkeit abspielt, begibt sich die unendliche Tragödie des Ungeschehenen vor Dem leeren Amphitheater der Vergessenheit, in dem nur Ginster zwischen den Marmorstufen wächst und eine Amsel an der Rampe der leeren Bühne nistet. Freilich, das sanfte Flöten dieser Amsel und das sanfte Duften des Ginsters enthalten die ganze Un­endlichkeit einer Schöpfung, in der unsere Erde nur ein belangloser kleiner Trabant in einem belang­losen kleinen Sternensystem ist, das niemand be­achtet, weil keinerlei Teleskope von irgendwoher darauf gerichtet sind.

Selbstverständlich kommt der Chronist nicht von ohngesähr zu den abwegigen Ueberlegungen. Das Jahr 1916, dessen zwanzigste Wiederkehr wir Heuer betrauern, wird, solange das geschichtliche Gedächt­nis der Menschen reichen wird, mit dem Namen Verdun verbunden sein. Aber in eben diesem Jahr vor eben diesem Verdun ist unter den Hunderttau­senden von Soldaten, die diese Blutfestung gekostet hat, der große deutsche Maler Franz Marc gefallen. Und mit ihm sind feine ungeschaffenen Werke ins Grab gesunken. Das ungeheure Geschehen riß das Ungeschehene mit in den Abgrund.

Wir haben nicht die gering^ Vorstellung über die Bilder etwa eines kpäten Marc. Aber es ist nicht allein die Jugend des Künstlers, die sein Werk so unvollendet erscheinen läßt. Wir wissen von Co­rinth, daß er erst in den letzten Jahren seines Le­bens glaubte, das Tor zum gelobten Lande der

Erfüllung gefunden zu haben. Wir wissen von allen großen Baumeistern, daß die Pläne, die sie mit ins Grab nahmen, fast immer größer und gewal­tiger waren als alles, was sie Großes und Ge­waltiges geschaffen hatten. Was für unerfüllte Träume find mit Edison oder mit Lionardo da Vinci ins Grab gesunken. Die Fassade von S. Pietro e Paolo in Ferrara ist so unvollendet ge­blieben wie die Deichbauten des Hoangho, und es gibt sogar eine Symphonie, die wir die Unvoll­endete nennen.

Freilich, es ist merkwürdig genug, daß uns nichts so sehr an die Ewigkeit erinnert wie die Unvoll­kommenheit irdischen Gelingens. Das mag wohl daran liegen, daß zwar das Geschehene diesseitig ist, aber das Ungeschehene ja nicht überhaupt nicht vorhanden ist, sondern eine Art von jenseitiger Existenz hat, die uns verschlossen ist. In den Ga­lerien des Himmels hängen alle die Werke, die die Maler hinieden zu schaffen durch die Pest oder den Erfolg verhindert wurden.

Aber das Schicksal der Großen ist noch viel mehr das Schicksal der Kleinen. Hinsichtlich der mangelnden Realisation steht der freundliche Brief an Onkel Sebastian, der seit einem Jahr geschrieben werden soll, den ungebauten Kirchen Michelangelos in nichts nach. Wir benehmen uns so, als ob es die ungeschehenen Dinge gar nicht gäbe. Aber tat­sächlich schleppt ein jeder von uns einen ganzen Sack davon auf seinem Buckel mit herum. Es scheint ziemlich hoffnungslos, diesen Sack jemals ganz leer zu bekommen. Soll man es darum ganz aufgeben?

Nun, man kann sich in die heiligen Berge zurück­ziehen, um das Nirwana anzubeten. Das ist ein Standpunkt ober vielmehr ein Sitzpunkt. Aber eben doch nur einer von den Sitz- oder Standpunkten, von denen man sagt, daß man sie respektiert. Was so viel heißt, als daß man sie gründlich verachtet. Wenn man zu faul ist, über die Gründe einer Verachtung nachzudenken, bann respektiert man.

Wir füllen unser Dasein unb unsere Welt mit der endlichen Zahl von Geschehnissen, die wir der Unendlichkeit des Ungeschehenen entreißen. Gewiß, die Unendlichkeit wird nicht kleiner, soviel wir auch davon wegnehmen. Aber unsere Welt des Ge­schehens steht da, wild und zart, bunt unb groß­artig, bewundernswert und schäbig, göttlich und grotesk. Und alles Endliche entstammt dem Un­endlichen, und insofern ist auch die letzte Geste des ärmsten Bettlers, der einmal seinen Groschen einem Knaben schenkt, Murmeln davon zu kaufen, von edler und erhabener Abkunft.

So haben wir das Glück, noch mit unseren al­bernsten Regungen, sofern wir sie nur geschehen

lassen, etwas von der göttlichen Unendlichkeit in das Diesseits unserer zweifelhaften Welt einströmen zu lassen. Zögern wir darum nicht, die Fassade von S. Pietro e Paolo bis zum First mit Marmor zu bekleiden. Zögern wir nicht, die Dämme des Hoangho zu bauen, damit wir nicht in den Fluten des Frühlings ersaufen. Zögern wir nicht, Sym­phonien zu vollenden, von denen wir nicht wissen, ob ihr Klang jemals eines Menschen Ohr erreichen wird. Und vor allen Dingen zögern wir nicht, Onkel Sebastian endlich zu schreiben.

Der scharmante alte Herr wird eine Träne der Rührung nicht unterdrücken können. Die Tränen, die aus der Unendlichkeit des Ungeschehenen in die Welt rollen, werden von besonderen Engeln auf­gefangen und in einem besonderen Bassin gesam­melt, in dem die Göttin der Güte ihr Morgenbad zu nehmen pflegt.

Sorgen wir dafür, daß sie nicht eines Tages auf dem Trocknen sitzt."

Kleine Geschichten von König Eduard VIII.

Die Beliebtheit, die sich König Eduard VIII. schon als Prinz von Wales erworben hat, zeigt sich in den vielen kleinen luftigen Geschichten, die jetzt in der englischen Presse von ihm erzählt werden. König Eduard hat in hohem Maße die Fähigkeit, durch ein rasches Witzwort einer Verlegenheit Herr zu werden. Bei einem Festessen versah sich ein­mal ein Redner in der Anrede, indem er in Gegen­wart des Prinzen die Versammlung einfach mit genflemen" begrüßte. Sofort merkte er aber feinen Mißgriff, blieb stecken, wurde ganz rot und stam­melte schließlich zu seiner Entschuldigung:Bitte um Verzeihung, Königliche Hoheit," worauf ihm der Prinz lachend ins Wort fiel:Fahren Sie nur fort, ich höre es sehr gern, wenn man mich einmal Gentleman nennt." Eine gewisse Abneigung gegen allzu feierliche Anreden hatte der Prinz schon als Junge bewiesen. Eines Tages fand ihn fein Groß­vater, wie er mit einem großen blauen Fleck am Auge daher kam.Wo hast Du das her?" fragte der König.Ach, ein Junge schwatzte dauernd von Königlicher Hoheit" zu mir und da wollte ick es ihm mal beibringen." Als siebenjähriges Kind fragte der Prinz einmal feine Erzieherin ob im Himmel alle Menschen gleich wären, oder ob es dort auch Könige und Königinnen gäbe.Im Him­mel sind sie alle gleich," lautete die Antwort.Ich glaube schon, daß das auch ganz richtig ist," meinte der kleine Prinz nachdenklich,nur Urgroßmama (die damals noch lebende Königin Viktoria) wird

das, wie ich fürchte, nicht so gern haben.Aus seiner Amerikareise besuchte der Prinz den Präsi­denten Wilson, während dieser krank zu Bett lag. Der Präsident wies darauf hin, daß er in dem Bett liege, in dem einst der Großvater des Prinzen, Eduard VII., geruht habe, als er Gast im Wei­ßen Hause war, und fügte hinzu:Von dies-m Fenster aus war Ihr Großvater, als er durch die vfiziellen Empfänge fast zu Tränen gelangweilt war, eines Nachts über eine Strickleiter entwichen, um mit einigen Freunden ein paar vergnügte Stunden zu verleben."Ach, ich wünschte, ich hätte auch eine Strickleiter in meinem Gepäck mitgenom­men," erwiderte der Prinz mit verständnisvollem Lächeln.

Zeitschriften.

Das neueste Heft der Luftschutz-ZeitschriftSi­re n e" bringt einen interessanten Bericht mit vielen Zeichnungen über den Schutzraum-Bau und die Fortsetzung der großen Bildreportage über Ent­stehung, Entwicklung und heutige Bedeutung des Eisens als weltpolitischer Machtfaktor. Das gleiche Heft zeigtTiere unter der Gasmaske" und Notlan­dungen zwischen Urwäldern Ein großer Bildbericht vorn Krieg in Ostafrika beschäftigt sich mit der Schlacht bei Enderta und ihrer Bedeutung für die weitere Entwicklung des italienisch-abessinischen Krieges. Außerdem: Bilder vom weiblichen finni­schen Schutzkorps; Emden, der Kriegshafen des Gro­ßen Kurfürsten; Mitteilungen vom Präsidium des Reichslustschutzbundes.

Sochschulnachnchten.

Geheimer Regierungsrat Professor Dr. Richard F e st e r, der seit 1926 von den amtlichen Verpflich­tungen entbundene Ordinarius für mittlere und neuere Geschichte an der Universität Halle, jetzt in München lebend, beging, wenige Monate nach seinem 70. Geburtstage, die Feier seines goldenen Doktorjubiläums.

Von den amlichen Verpflichtungen wurden ent­bunden: Professor D. Dr. Wilhelm Caspari, Or­dinarius für alttestamentliche Wissenschaft und mor* genländische Religionsgeschichte an der Universität Kiel, auf seinen Antrag; Professor Dr. Hermann D i e ß e l h o r st, Ordinarius für Physik an der Technischen Hochschule Braunschweig, wegen Erreichung der Altersgrenze.

Professor Dr. Harald Siebte, Extraordinarius für Gynäkologie an der Universität Kiel, ist zum ordentlichen Professor für Geburtshilfe und Gynä­kologie an der Universität Bonn ernannt worden.