liche Abneigung des alten Verbündeten sich dem Bolschewismus i.n die Arme warf. Wenn man in Paris in dem neuen Kurs Belgiens auch eine Absage an das System der kollektiven Sicherheit sieht und von dem Brüsseler Beispiel bedenkliche Rückwirkungen auf die Bundesgenossen in Südosteuropa befürchtet, so erkennt man daraus die innere Unsicherheit, die auck in der öffentlichen Meinung Frankreichs selbst schon Zweifel an der Richtigkeit des gegenwärtigen außenpolitischen Kurses auf- kommen läßt. Noch hat man allerdings am Quai d'Orsay aus den Erfahrungen nicht gelernt, daß, wie Alfred Rosenberg es soeben formuliert hat, nur die Achtung der inneren Lebensform, ein ehrlicher Ausgleich der Interessen und Schutz vor fremden Infektionskeimen die europäischen Kulturvölker zu fruchtbarer Arbeitsgemeinschaft vereinigen können. F. W. L.
England beschleunigt seine Lustrüstungen
London, 17. Oft (DNB. Funkfpruch.) „Daily Telegraph" kündigt eine weitere Beschleunigung der britischen Luftrüstungen an. Das Kabinett habe eine nochmalige Nachprüfung der Fortschritte im Aufrüstungsprograrnrn angeordnet. Besondere Aufmerksamkeit werde der Luftrüstung zugewandt. Wenn die Regierung eine weitere Beschleunigung des Luftrüstungsprogramms verkünde, so werde sich auch die Notwendigkeit neuer Durchführungsmaßnahmen ergeben. Drei Möglichkeiten bestünden dafür: eine stärkere Kontrolle der Rüstungsindustrie unter möglichst kriegsähnlicher Organisierung, Kauf fremder Flugzeuge und größere Unterstützung der Industrie zur Errichtung neuer Fabriken. Die Kommission für die Waffenindustrie hat sich energisch gegen eine Verstaatlichung der Rüstungsindu- strie im Frieden ausgesprochen. Es werden jedoch Vorschläge für eine Staatskontrolle über die privaten Unternehmungen gemacht. Dabei hat sich die Kommission wahrscheinlich von dem Gedanken leiten lassen, das Gefühl zu stärken, daß Mißbräuche ausgeschlossen sind. Daher wird auch die Ernennung eines Ministers zur Ueberwachung der Vergebung von Aufträgen empfohlen.
Nationalistische Erfolge an allen Fronten.
Burgos, 17. Okt. (DNB.) An der Aragon- Front kam es zu einem schweren Gefecht, bei dem die Marxisten, völlig geschlagen, sich in wilder Flucht zurückziehen mußten. Sie ließen 60 Tote zurück, hauptsächlich Franzosen und Sowjetrussen. Auch mehrere Frauen waren unter den Toten. An der Toledo-Front eroberten die Nationalisten eine stark befestigte Feldstellung der Marxisten und erbeuteten zahlreiches Kriegsmaterial. Die Verluste der Roten betrugen 80 Tote. Der rote Kriegskommissar ander Asturien-Front hat nach Madrid gefunkt, daß die Lage sehr ernst sei. Die Stellungen seien nicht zu halten, wenn die Bombadierungen durch die nationalistischen Flieger andauerten.
General Queipo de Llano erklärte, daß er bei einer Besichtigung der eroberten Dörfer im Pe- narroya-Gebiet erneut die Grausamkeit der roten Truppen habe feststellen können. In Pueblo Neoo del Terrible befanden sich 73 Männer der Rechtsparteien in den Händen der Roten, die sie zu erschießen drohen. Er könne nur versichern, daß hundert Marxisten das gleiche Schicksal wie die 73 gefangenen Rechtsmänner erleiden würden. Die Verteidigungswerke und Schützengräben der Marxisten seien teilweise aus Eisenbeton gebaut, was auf die Mitarbeit fremdländischer Ingenieure schließen lasse. Von solchen Gräben aus hätte ein Dutzend entschlossener Männer die ganzen nationalistischen Truppen mit Maschinengewehrfeuer aufhalten können, aber die roten Kämpfer seien ebenso feige wie verbrecherisch und hätten die
Flucht oorgezogen. In Madrid herrsche völlige Anarchie. Auch die letzte Eisenbahnzufuhrstrecke Madrid—Ciudad Real sei bedroht. Die Milizsoldaten weigerten sich an die Front zu gehen. Auch Moskau scheine nicht zu glauben, daß für die Kommunisten viel getan werden könne.
In der Nacht zum Freitag fingen vier bewaffnete Fischerboote der Nationalisten auf hoher See den roten spanischen Handelsdampfer „G a l e r n a" ab und brachten ihn in den Hafen von Pasajes ein. Das Schiff hatte 8 0 spanische Rotgardisten, einen Fliegeroffizier französischer Nationalität und mehrere Waffenhändler an Bord, die es v n n Bayonne nach Bilbao bringen sollte. Die „Galerna" war von zwei roten spanischen Torpedobooten begleitet. Infolge der Dunkelheit hatten die Torpedoboote das Handelsschiff verloren. In Bilbao trafen 30sowjetrussische Flugzeugführer und mehrere' Flugmaschinen ein.
Schweizerische Wehranleihe überzeichnet.
Bern, 16. Okt. (DNB.) Die Zeichnungen auf die Anleihe von 235 Millionen für die Bedürfnisse der Landesverteidigung, für die bis zum 15. Oktober eine erste Tranche von 80 Millionen aufgelegt war, haben einen Betrag von rund 3 3 0 Millionen Franken ergeben. Damit ist der Betrag der ersten Tranche u m d a s Vierfache, der Gesamtbetrag der Anleihe um
etwa 100 Millionen überzeichnet. Die Zahl der Zeichnenden beläuft sich auf 190 000. Bundespräsident Meyer stattete dem Schweizer Volk in einer Ansprache den Dank des Bundesrates ab. Das großartige Zusammenwirken aller Volksteile habe zu einer Manifestation geführt, die als Bekundung des Wehrwillens der Schweiz von größter Bedeutung sei. Auch das Ausland werde spüren, wie tief das Schweizer Volk mit seiner Unabhängigkeit und Freiheit verwachsen sei. Für die Landesregierung sei diese glänzende Vertrauens- kundgebu'ng ein Ansporn, nichts zu unterlassen, was für den Bestand der Schweiz notwendig sei. Die Bekanntgabe des Ergebnisses wurde mit Glockengeläut und festlichen Kundgebungen gefeiert.
Hube in valä^na
London, 17. Okt. (DNB.) Wie aus Jerusalem berichtet wird, ist auch der Freitag bis auf kleine Zwischenfälle in ganz Palästina ruhig verlaufen. Man nimmt daher an, daß nun die umfangreichen militärischen Maßnahmen der britischen Regierung wieder ab gebaut werden und daß Handel und Verkehr in kürzester Frist wieder normal durchgeführt werden. In London vermutet man, daß die Unter- suchungskommifsion für Palästina sich in etwa acht Tagen einschiffen wird, um möglichst bald einen Bericht über die Ursache der Unzufriedenheit der Araber und die Mittel, um diese abzustellen, zu verfassen.
(Siegen das Volksfrontexperiment in Frankreich.
Dreihundert französische Zeitungen im Kampf gegen den Kommunismus.
Paris, 16. Okt. (DNB.) Ein Angriff großen Stiles gegen die Volksfrontregierung ist von der national eingestellten französischen Presse eingeleitet worden. 300 Zeitungen und Zeitschriften haben am Freitag gemeinsam einen Aufruf an das Land veröffentlicht, in dem mit der viermonatigen Regierungstätigkeit des Kabinetts Leon Blum in schärfster Weife abgerechnet wird. Die Volksfrontregierung fei in Wirklichkeit eine sozialistische Regierung in Gefangenschaft der Kommuni st en. Eine amtliche Flugschrift der kommunistischen Partei stelle ausdrücklich fest, daß „Volksfrontregierung" eine Regierung bedeute, die der Kommunistischen Partei Frankreichs alle nur denkbaren Agitations- und Organisationsmöglichkeiten gebe. Tatsächlich sei die Regierungsgewalt in die Hände geheimer Mächte geglitten, die die Sowjet i- sierung Frankreichs vorbereiten. Die Streiks seien der Beweis dafür, daß die Regierung Blum völlig die Gewalt über die Massen verloren habe. Der Geist des Aufstandes mache sich in den Fabriken, Werkstätten und Büros bemerkbar. Die Dolksfrontregierung fei eine Regierung ohne jede Autorität. Die auswärtige Politik habe einen Keil zwischen Frankreich und Italien getrieben und lasse Frankreich der deutschen Gefahr gegenüber allein. Das Experiment Blum sei verurteilt, denn die Volksfrontregierung habe den Frieden im Innern, den allgemeinen Wohlstand, die Erhaltung des Franks, die diplomatische Entspannung in Europa versprochen. Und was habe sie zustandegebracht? Die Vernichtung der nationalen Wirtschaft, die Spaltung Frankreichs in zwei feindliche Lager, ein Anwachsen des kommu- nistischen Geschwürs, Lebensteuerung, Sturz des Francs und verstärkte Kriegsgefahr.
Franzosen, schließt der Aufruf, nichts wird besser, solange Leute am Ruder sind, die für die Sowjetisierung des Landes offen oder versteckt eintreten. Das Experiment Blum muß eines Tages ein elendes oder tragisches Ende nehmen. Auf diese Gelegenheit wartet nur d i e Kommunistische Partei, um den Generalstreik zu verkünden und ihre Diktatur zu errichten mit den Schrecken und Scheußlichkeiten
im Gefolge wie einst in Sowjetrußland, in Ungarn, in Italien und heute in Spanien, wo die Volksfrontwahlen zwangsläufig eine blutige Katastrophe heraufbefchworen haben. Für uns ist die Gefahr die gleiche. Franzosen ohne Unterschied Eurer Meinung, schart Euch zum Schutze der französischen Zivilisation zusammen und tretet hinter die Männer und Gruppen, die dem perfidesten und gefährlichsten Feind der Zivilisation, dem Kommunismus, den Kampf bis aufs Messer geschworen haben!
Protest gegen VetriebsbeWagnahme.
Paris, 17. Okt. (DNB. Funkspruch.) Der französische Arbeitgeberverband hat an den Ministerpräsidenten ein scharfes Protestschreiben gerichtet, in dem er sich dagegen wendet, daß mit zweierlei Maß gemessen werde. Die Regierung habe gestern ein bestreiktes Unternehmen, das auch für die Zwecke der Landesverteidigung arbeite, beschlagnahmt, damit die Arbeit wieder ausgenommen werde. Die Regierung hätte eine so schwerwiegende Maßnahme sicher nicht zu ergreifen brauchen, wenn sie während der Streits für die Achtung der Arbeit s f r e i h e i t und des Privateigentums gesorgt hätte. Die Beschlagnahme scheine die Einleitung zu einer unmittelbaren Uebernahme der Unternehmungen. Das wäre ein Mißbrauch der Befugnisse, die die Regierung im Interesse der Landesverteidigung in der Hand habe, nicht aber um willkürlich einen Konflikt zu regeln, dessen gesetzliche Lösung seit Wochen mißachtet worden sei.
Zusammenstöße zwischen Bauern und Arbeitern.
Paris, 17. Okt. (DNB. Funkspruch.) In eine Zuckerfabrik bei Chartres waren in der Nacht etwa 500 Arbeiter eingedrungen und hatten 200 Arbeiter der Nachtschicht trotz deren Protest gezwungen, den Betrieb stillzulegen. Dadurch entstand ein Sachschaden von mindestens 1 Million Franken, da durch die Stillegung der Kessel sich die Zuckermasse kristallisierte und in den
Der Striegel.
Von Paul Ernst.
In meiner Heimat gibt es einen Teich, welcher drei Viertelstunden im Umfang hat. Man kann sich denken, daß der Damm sehr lang und hoch sein muß; man geht fünf Minuten von einem Ende zum andern. In der Mitte steht das Striegelhaus. Das Scheid, welches den Abzugsgraben sperrt, ist naturgemäß sehr stark und breit und wiegt viele Zentner; es hängt in langen eisernen Ketten; und so müssen gewöhnlich vier Mann den Striegel ziehen. Die Aufsicht über den Teich und das zu ihm gehörige Netz von kleineren Teichen und von Gräben hat ein Grabensteiger. Zur Zeit, als die folgende Geschichte oorfiel, zum Anfang des neunzehnten Jahrhunderts, war das ein Mann namens Pfennig, ein Riefe von Wuchs und Kraft.
In einer Frühlingsnacht trat unerwartet starkes Tauwetter ein: der Schnee zerging, wie Zucker im Wasser; dann kam ein strömender Regen, wie sonst nur im Sommer ein heftiger Gewitterregen kommt, der kurze Zeit anhält. Am Tage vorher hatte es noch dicht geschneit, in großen Flocken? die sich weit hinlegen, und es war kein Windhauch gegangen. Auf den Fichten im Walde lag Schnee, vielleicht zwei Fuß hoch. In den strömte nun der Regen und machte ihn schwer. Die Bäume bogen sich und splitterten, mannsdicke Stämme wurden mit den Wurzeln aus dem Boden gerissen, sie fielen übereinander und türmten sich haushoch. Ein Lärmen war wie von Kanonenschüssen und Gewehrfeuer durch das Stürzen, Brechen und Splittern.
Die kleine Ortschaft lag etwa eine halbe Stunde weit unterhalb des Dammes im Tal. Rings um die niedrigen Häuser dehnten sich die Wiesen, sie zogen sich zu beiden Seiten noch bis zur halben Höhe die Berge hinauf, dann stand da der Hochwald. Wie das Donnern des Schneebruchs kam, da schraken die Leute aus dem Schlaf auf, fuhren schnell in die Kleider, öffneten die Fenster und sahen hinaus. Sie riefen sich über die Straße zu, aber keiner konnte den anderen verstehen vor dem fürchterlichen Getöse.
Plötzlich wurde in dem höllenmäßigen Heulen, Sausen, Klatschen, Brüllen, Splittern und Kracken ein neuer Ton gehört, ein langsam beginnendes und aufsteigendes Grollen, das mit einer Art von Klatschen endete, immer wieder langsam begann, anstieg und in Klatschen abschloß. Niemand wußte, was der Ton bedeutete. Plötzlich gellte eine Stimme über den Marktplatz: „Die Kühe los! Der Teich!" Ein einziger Schrei erscholl. Alle Leute stürzten
in die Ställe; die Kühe waren unruhig, brüllten, stießen um sich, drückten die Leute an die Wand, die Leute fluchten, liefen mit dem laufenden Vieh; alles eilte dem linken Berg zu, welcher der nächste war, und kletterte keuchend, das Vieh zerrend, schreiend, jammernd, den Berg hoch.
Der Striegel des Teiches war nicht gezogen, denn es hatte niemand das heftige Tauwetter erwarten können; nun war aus tausend und abertausend Quellen, Rinnseln, Gossen, Läufen, Bächen das Wasser in den Teich gestürzt; der Spiegel war in kurzer Zeit gestiegen; als der Regen nachließ, machte sich ein Sturm auf, der das Wasser vor sich hintrieb, gerade gegen den Damm; das war der Laut gewesen, den man im Dorfe hörte. Wenn der Damm brach, dann stürzte das Wasser über die Ortschaft; es riß die Häuser fort, oerschlemmte die Wiesen und besäte sie mit Steinen, es wälzte sich weiter und vernichtete stundenweit das ganze Tal mit Menschen, Vieh, Häusern und Wiesen. Und der Damm mußte brechen, denn niemand konnte wagen, zum Striegel zu gehen.
Die Leute standen auf einer Abflachung des Berges, fo hoch, daß sie über dem stürzenden Wasser waren, wenn es kam. Die Kühe, Ziegen, Schweine waren unter sie gemengt, sie liefen, brüllten, meckerten, grunzten und quiekten, rissen die Leute um und schleiften sie hinter sich her. Einige Menschen fluchten und schrien; einige suchten das fliehende Vieh wieder einzufanqen; Kinder weinten, Frauen trösteten sie iammernd; eine Familie, Vater, Mutter und drei Kinder, knieten im nassen Schnee und fangen mit gefalteten Händen ein Kirchenlied, ein Greis saß in seinem Lehnstuhl, der ihm gerettet war, klagte über seine nassen Füße und fragte neugierig, weshalb man hier draußen fei.
Der Regen hatte ganz aufgehört, aber nun fegte der Sturm noch fürchterlicher das Tal hinunter, daß Frauen und Kinder uwstürzten, Männer sich aneinander festhielten, das Vieh von neuem unruhig wurde. Das unheimliche Geräusch des langsam ansteigenden Grollens mit dem abschließenden Klatschen wurde immer heftiger.
Plötzlich stand die riesenhafte Gestalt des Grabensteigers Pfennig unter den Leuten. Er trug einen schweren Hebebaum auf der Schulter, an dem sonst zwei Mann ihre Last hatten. Seine Frau warf sich ihm kreischend entgegen, er schob sie fort; sie schrie: „Er will den Striegel ziehen." Eine tiefe Stille kam plötzlich, und aus der Dunkelheit, die ihn schon verschlungen, hörte man noch seine ruhige Antwort: „Wem die Kuh gehört, der packt sie beim Schwanz."
Da war es, als ob ein Befehl kam; alle Menschen knieten plötzlich nieder in den nassen Schnee und fielensingend in das Kirchenlied ein; sie sangen: „Ach bleib mit deiner Gnade bei uns, Herr Jesus wert. "
Der Grabensteiger ging mühsam mit seinem schweren Hebebaum im Sturm, der ihn immer umwerfen wollte, auf dem schmalen Fußsteig, der in drittel Höhe des Berges zu dem Damm führte. Die halbe Stunde Weges wurde ihm sehr lang; er war in Schweiß gebadet, als er ankam.
Aber schon bevor er den Damm erreicht hatte, konnte er sich nicht mehr aufrecht halten vor dem Sturm; er ließ sich nieder und kroch auf allen Vieren, den Hebebaum hinter sich herziehend.
Der Sturm trieb auf der weiten Fläche des Teiches eine große Welle in die Höhe und jagte sie vom äußersten Ende bis zum Damm; und wenn sie klatschend anschlug, dann bog sich der Damm. Schon stand das Wasser so hoch, daß der Schaum der anklatschenden Welle über den Grabensteiger fortflog, als er oben auf dem Damm weiterkroch. Er beeilte sich, wie er konnte, denn bei jeder neuen Woge bog sich der Damm, bei jeder konnte er brechen. Aber wenn er sonst zwei Minuten bis $um Striegelhaus gebraucht hatte, so brauchte er jetzt gewiß zehn Minuten, denn er mußte nun wie eine Schlange auf dem Bauche gleiten; selbst den Kriechenden hätte der Sturm gepackt und in den Grund geschleudert.
Endlich hielt er sich an einem Balken des Striegelhauses fest. Er schloß die Tür auf, von der Seite, damit die aufschlagende ihn nicht quetschte, und drückte sich in das Häuschen, seinen Hebebaum nach sich schleppend.
Nun stand er darin und setzte das eisenbeschlagene Ende des großen Baumes in ein Loch der Welle: der Baum stand schräg nach oben; er sprang hoch, packte ihn, und es gelang ihm, ihn nieder- zuzieben. Träge bewegte sich die Welle, rollten sich die Ketten auf, und schon klang an sein Ohr das Rauschen des unten ablaufenden Wassers. Der Hebebaum war unten, der Haken an der Welle, der sie festhielt, schnappte ein, er steckte den Hebebaum in das nächsthohe Loch und zog wieder.
Schwer war bas Ziehen, und nicht nur Arbeitsschweiß floß an dem Mann nieder, sondern auch der kalte Angstschweiß, denn er wußte nicht, ob seine Kräfte reichen würden, das Scheid hoch genug zu bringen; aber das Rauschen verstärkte sich, er brachte den Hebebaum wieder hinunter und den Haken zum Einschnappen.
So geschah es noch mehren Male, bis bas
Rohren festklebte, so daß ein Teil der Maschinen erst in dreiwöchiger Arbeitabmontiert, gereinigt und wieder aufmontiert werden muß. 5 00 Bauern der Umgebung, die von dieser Fabrikbesetzung vernahmen, zogen gegen die Zuckerfabrik. Dabei kam es zu schweren Schlägereien zwischen den Bauern und einem Zuge von marxistischen Streikenden. Da die Unruhen noch anbauern, hat bie Polizei Verstärkungen angeforbert
Vor Wiederaufnahme der Arbeit der pariser Flußschiffen.
Paris, 17. Okt. (DNB. Funkspruch.) Der Streik- ausschuß ber Flußschiffer in Paris hat mit 42 gegen 3 Stimmen bie Annahme bes neuen Lohnabkommens unb die Wiederaufnahme ber Arbeit beschlossen. Die streikenden Flußschiffer in Rouen haben das Abkommen nach zweimaliger Beratung nicht angenommen; sie werden den Streik fortsetzen und bie Sperrketten ihrer Kähne auf ber Seine aufrechterhalten. Die selbstänbigen Flußschiffer auf b e m Marne- Kanal, die des ihnen aufgezwungenen Streiks müde find, drohen, die von streiklustigen Schiffern gelegten Sperrketten zu durchbrechen, wenn die Behörden nicht den Kanal für die Schiffahrt freigemacht haben. Der Marne-Präfekt hat die Verstärkung der Mobilen Garde angeordnet.
Scharfe Strafen gegen Wucherer
Die Rechtspflege im Kampf gegen
Preistreibereien.
Berlin, 16. Okt. (DRV.) Reichsminister der Justiz Dr. Gärtner hat an bie Strafverfolgungs- behörden folgenden Erlaß gerichtet:
Auf dem Parteitag der Ehre hat der Führer, als er das weilgesleckte Arbeitsziel des zweiten Vierjahresplanes wies, jedem Deutschen erneut ins Herz gehämmert, daß alle Arbeit nur dann Erfolg haben kann, wenn vor dem Ich des Einzelnen das Wir der deutschen Volksgenossen sieht. Ebenso hat der Stellvertreter des Führers unlängst in Hof erklärt, daß der Nationalsozialismus gegen jeden, der auf kosten der Gesamtheit mit dem Lebensnotwendigsten Wucher treiben zu können glaube, mit drakonischen Maßnahmen vorgehen werde. Jedem Saboteur der nationalsozialistischen Grundforderung „Gemeinnutz vor Eigennutz" muß daher das Handwerk gelegt werden. Einen solchen Saboteur stellte der Polizeipräsident von Berlin kürzlich an den Pranger und warnte andere, die etwa zu gleichem Verrat an der Volksgemeinschaft bereit sein sollten.
Die Rechtspflege hat energisch an der Seite der Polizei an der Bekämpfung und Vernichtung von Wucherern mitzuarbeiten. Gegen jeden solchen Schädling muß schleunigst, rücksichtslos und hart eingeschritten werden. Daher bringe ich heute die Allgemeine Verfügung vom 13. April 1935 (Richtlinien für das Strafverfahren) in Erinnerung, in der unter 3tt. 439 bestimmt wurde:
„In einer Zeit, in der alle Volksgenossen Opfer bringen sollen, um den Kampf gegen die Arbeitslosigkeit und im Winter gegen Hunger und Kälte erfolgreich durchführen zu können und in der gerade die werktätige Bevölkerung ihre Opferbereit- schaft am deutlichsten beweist, muh es als besonders schwerwiegender Ver st oß gegen den Geist der Volksgemeinschaft bezeichnet werden, wenn einzelne gewissenlose Personen durch unberechtigte preis ff eigerungen und ähnliche Machenschaften ihren eigenen Vorteil über das allgemeine V o l k s w o h l stellen und das Werk des Führers dadurch gefährden. Für die Slrafverfolgungsbehör- den erwächst daraus die unbedingte Pflicht, gegen Preis st eigerungen und ähnliche Machenschaften, die durch Gesetz und Verordnung unter Strafe gestellt sind, in enger Zusammenarbeit mit den Verwaltungsbehörden u n v e r -
Scheid unten über bie Hälfte hochgezogen war; nun brückten bie Wasser nicht mehr so 'stark da- gegen unb bas Ziehen ging leichter; bergeffalt roanb er es ganz hoch. Aber als der Haken an ber Welle zum letztenmal einschnappte, ba stürzte ber große Mann auch ohnmächtig um neben seinem Hebebaum, ber noch in ber Welle steckte.
Die Grabenknechte waren mit in ber harrenben Menge; sie hatten sich zusammengestellt unb sahen sich verlegen an. Die Frau bes Steigers ging auf sie zu, spuckte vor ihnen aus unb rief: „Pfui, ein Knecht, der seinen Steiger ben Striegel ziehen läßt." Der eine sagte zu ben anbern Drei: „Die Frau hat recht, ich gehe nach": nun folgten ihm bie anbern, murrenb ünb unwillig.
Als sie in bas Striegelhaus traten, erhob sich ber Steiger gerade von seiner Ohnmacht. Sie zogen ben Hebebaum aus ber Welle. „Schweinskerle", sagte ber Steiger zu ihnen, wendete sich und kroch aus der Tür, zurück zu den harrenden Leuten.
Zeitschriften.
— Mit dem prächtig ausgestatteten Oktoberhest eröffnet „Die Kun st" (Verlag Bruckmann, München) ihren 38. Jahrgang. Einen unerschöpflichen Reichtum aus dem Kunstschaffen der Gegenwart wie der Vergangenheit breitet diese vorzüglich redigierte Zeitschrift vor uns aus. Besonders ber» vorzuheben ist bas ausgezeichnete Bildmaterial in meist ganzseitigen, vollendet ausgeführten Reproduktionen. Das Heft bringt Beiträge über „Das Wandbild", über „Eugen Kerschkamp, einen rheinischen Maler", über den Plastiker „Herbert Garbe". Einen interessanten künstlerischen Anschauungsunterricht enthält ber Aufsatz „Fragment und Torso — Aufbruch zum Ganzen" von Gustav Stolze. Der Kunst ber Architektur und bes Räumlichen roenbet sich bie Veröffentlichung „Die neue Wandelholle mit Brunnentempeln in Bad Mergentheim" von Dr.-Ing. A. Gut zu. Der zweite Teil des Heftes bringt zahlreiche Beispiele und Anregungen über moderne Wohnbauten, geschmackvolle Heimgestaltung, Gartenkunst und Kunsthandwerk, z. B. Eigenheime von Architekt Max Eberhard Schuster, München, „Stuttgarter Gärten", Arbeiten von Rudolf Frank, „Vom schönen Schleiflack", „Arbeiten der Metallwerkstätten A. G. Bunge", „Neue Tapeten", „Altes und neues Parkett" u. a. m. Die Verbundenheit der Kunst mit den Dingen des täglichen Lebens findet hier ihren sinnfälligen Ausdruck. Wertvoll ist auch die Rundschau über kunfüerische Zeitereignisse, Ausstellungen, Auktionen und dgl.


