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Donnerstag, 17. September 1956

186. Jahrgang

Nr. 218 Erstes Blatt

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tnoriung treffen würde!), während der Mufti, dem alles an seiner Autorität bei der Jugend liegt, sich allen Vorschläaen widersetzt.

In dieser Lage bleibt der Führung tm Grunde nur noch der Ausweg, durch Fortsetzung und Ver­stärkung des Terrors die Mandatsregierung zu zwingen, ihrerseits durch Anwendung der schärfsten Gewalt (Verhängung des Kriegs­rechts ufw.) den jetzigen Zustand zu beenden, und so den offenen oder geheimen Wunsch der Führung zu erfüllen, ohne sie mit der gefähr­lichen Verantwortung zu belasten. Man darf annehmen, daß England, das sich trotz der Zu­sammenziehung großer Truppenmassen bisher mit

Rücksicht auf die außerpalästinische arabische Welt den Unruhen gegenüber mehr defensiv verhalten hat, die Anwesenheit Nuri Paschas benutzt hat, um sich für den Fall eines Scheiterns der Verhandlungen bei den übrigen arabischen Mächten den Rücken zu einem schärferen Vorgehen in Palästina zu decken. Natürlich sind immer noch Ueberraschungen in der einen oder anderen Richtung möglich. Aber die letzten Wochen haben doch die Lage wesentlich durchsichtiger gemacht. Man kann doch die Gesamt­situation als entscheidungsreif bezeichnen und sich auf eine kurz bevorstehende grundsätzliche Wendung mit Sicherheit gefaßt machen.

Paris, 17. Sept. (DNV. Funkspruch.) Handels­minister Bastid äußerte sich am Mittwochabend Pressevertretern gegenüber sehr befriedigt über seinen Berliner Aufenthalt. Die Besprechun­gen, die Dr. Schacht mit ihm in Paris angeknüpft habe, seien weiter fortgeführt worden. Die Ver­bindung sei hergestellt. Beide Regierungen hätten den festen Willen, zu zufriedenstellenden und soliden wirtschaftlichen Grundlagen auf beiden Sei­ten zu kommen. Man befinde sich jedoch erst i n einem vorläufigen Abschnitt und im Oktober würden die Besprechungen weiter ge­führt werden. Bastid äußerte sich sehr erfreut darüber, daß zwischen Frankreich und Deutschland versöhnliche Beziehungen hergestellt worden seien und er- habe feststellen können, daß dies auch im Auslande mit Genugtuung verzeichnet worden sei. Besonders in Eng­land habe die Presse diese Fühlungnahme sehr günstig aufgenommen. Er hoffe, daß die weiteren Besprechungen die gleiche Einigkeit bringen werden.

Handelsminister Bastid, der gestern abend wieder nach Paris zurückgekehrt ist, ist mit seinen Begleitern mittags Gast des mit der

Standpunkt der auswärtigen Diplomatie bedeute der französisch-sowjetrussische Pakt ein tödliches Unheil. Er müsse so schnell wie möglich gebro­chen werden; denn Frankreich könne und dürfe nicht länger wie am Pranger von Europa, Ame­rika und Japan behandelt werden. Alle französi­schen Diplomaten und Konsuln wagten ihre Stimme nicht mehr zu erheben, weil sie unter die­sem Druck stünden.

Der Erste Lord der britischen Admiralität, Sir Samuel Hoare, traf Mittwoch früh an Bord der JachtEnchantreß" von Malta kommend i n Gi­braltar ein. Sir Samuel Hoare wird die Festung Gibraltar inspizieren und sich voraussichtlich am Freitag von dort nach England zurückbegeben.

Führung des Reichswirtschaftsministeriums beauf­tragten Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht bet einem Frühstück gewesen, bei dem u. a. anwesend waren der französische Geschäftsträger, der französi­sche Handelsattache, der Reichsfinanzminister Gras Schwerin von Krosigk und, in Vertretung des unpäßlichen Außenministers, der Staatssekretär im Auswärtigen Amt, Dieckhoff sowie eine Reihe anderer Herren aus den beteiligten Reichs­ämtern und der Industrie, ferner der Vorsitzende der Deutsch-Französischen Gesellschaft von 21 r - n i m, Rektor der Technischen Hochschule Charlotten- bürg. Anschließend hatte eine längere Aus­sprache zwischen dem französischen Handelsmini­ster und dem Reichswirtschaftsminister stattgefun­den, in der über die Ziele der deutsch-französischen Wirtschaftsbeziehungen eine Ueberein ft im­mun g der Ansichten festgestellt wurde. Bei­derseits war der Wunsch zum Ausdruck gekommen, eine möglichst starke Belebung des Ver­kehrs der beiden Länder miteinander in den be­vorstehenden Handelsvertragsverhandlungen anzu­bahnen. Die Verhandlungen sollen noch im Herbst aufgenommen werden.

mchik. 6.30: mastik. 8.30: 10: Schul. o0: Bauern« konzert. 13: 13.15: Mit- nen zuliebe! Sanb wird t die Trierer

Berg um aus einem ad Gedichten 3na Seidel, 'schien sliehn. "ischer Lieder, rsspiegel. 20: : von'Mn* chrichten.

Rom, 17. Sept. (DNB.) Der österreichische Staatssekretär des Aeußeren Dr. Schmidt gab am Mittwochabend zu Ehren des italienischen Außenministers Graf C i a n o ein Essen. Nach­mittags empfing er in feinem Hotel den Besuch des Grafen Ciano und des italienischen Unter­staatssekretärs im Außenamt, Bastianini. Don­nerstag wird er über Venedig die Rückreise nach Wien "antreten. Bei den Unterredungen wurde mit voller Zustimmung der ungarischen Regierung be­schlossen, in Uebereinftimmung mit den römischen Protokollen eine Zusammenkunft der Außenminister Italiens, Oesterreichs und Ungarns nach Wien einzuberufen.

*

Giornale d'Jtalia" stellt fest, daß der Besuch des österreichischen Staatssekretärs in Rom sich zwar unmittelbar an die Preßburger Tagung der Kleinen Entente anschließe, aber in keiner Weise damit in Verbindung gebracht werden könne und noch weniger ein Gegengewicht dazu bilde. Die Politik der römischen Protokolle, die mit dem österreichischen Besuch eine neue Bekräftigung erfahren habe, sei unabhängig von der Kleinen Entente mit der bewußten Absicht darauf abgestellt, dem Frieden und dem Gleichgewicht im Donauraum zu dienen. Mit ihnen sei die gerechteste und gesündeste Grundlage für die An­bahnung der Lösung des Donauproblems gelegt worden. Diese Grundlage habe heute als beherr­schende politische Tatsache ihre volle Bedeutung. Es sei daher natürlich, daß sie unter Zusammenarbeit aller interessierten Teile vervollständigt werde.

Die Ergänzungsprotokolle vom letzten Frühjahr hatten ergeben, daß Oesterreich und Un­garn trotz der in gegenteiliger Richtung gehenden Druckversuche nicht die Absicht hätten, den Rahmen

Italien und der Donauraum.

Außenminister-Konferenz der Mächte des römischen Protokolls.

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Sowjetrußland erscheine heute allen Völkern, den Engländern, Italienern, Schweizern, Polen, Deut­schen und Belgiern als der Feind der Zivi­lisation und der Menschheit. Seit Unter­zeichnung des französisch-sowjetrussischen Paktes, der von Barthou und Herriot vorbereitet und von Laval unterschrieben sei, seit den Wahlen vorn Mai 1936, die Blum an die Macht gebracht hätten, seit der unzähligen Fabrikbesetzungen und den Massenkundgebungen und seit der Einfüh­rung der Roten Fahne werde Frank­reich als an die Sowjet-Barbarei ge­bunden betrachtet. Nur das sei der Grund für die augenblickliche Isolierung, deren Folgen, falls sie noch weiter anhalten sollten, ein tragi­sches Ende nehmen könnten.. Sowohl vom Standpunkt des innerpolitischen Friedens wie vom

Oie Verbindung ist hergestellt."

Der französische Handelsminister von seinem Berliner Besuch sehr befriedigt.

In rote Speicher verwandelt.

N S G. In dem bolschewistischen Organ des Asow- Schwarzmeer-GauesMolot" vom 27. August 1936 (Nr. 4573) lesen wir folgende Zuschrift des Sowjet­bürgers M. Michajlos aus dem Bezirkszentrum Tschernyschewskaja:In Tschernyschewskaja gibt es nicht viel Kultureinrichtungen: Einen Klub der Maschinen- und Traktorenstasion und die Bezirks­bibliothek. Aber auch diese werden hier nicht hoch geschätzt. Laut Beschluß des Bezirkskomitees der Partei und des Bezirksvollzugskomitees vom 12. August 1936 werden die Räume des Klubs und der Bibliothek in Speicher umge»

Sietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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Ergebnislose Gchlichtungsverhandlungen im französischen Texiilarbeiterstreik.

Ein Gowjeiausschuß der Streikenden übernimmt die Betriebsleitung einer Oller Fabrik

der römischen Protokolle, die sich als natürlichste Garantie für ihre politische und wirtschaftliche Sicherung erwiesen habe, zu verlassen. Sie seien vielmehr entschlossen, ihre gemeinsame Front mit Italien zu festigen, indem sie eine wesentlich bestimmter gehaltene Ver­pflichtung einer gemeinsamen Poli­tik in allen Problemen des Donauraumes eingin­gen. Die in Stresa ausgeheckte und von dem Sanktionskrieg weggefegte Idee eines allge­meinen Donauproblems erscheine e r - lebigt, während die Beziehungen zwischen den Ländern, die, wie Italien und Oesterreich ihre Freundschaft in den schlimmsten Zeiten erproben konnten, s i ch festigten.

Der Augenblick, so betontGiornale d'Jtalia", sei dunkler als je; wenngleich die politischen Miß­stände auf dem Kontinent heute nicht unmittelbar vom Donauraum ausgingen, so sei es doch sicher, daß auch diese empfindliche Zone von diesen Erscheinungen nicht verschont bleibe. Oesterreich und Ungarn hätten bereits die Gefahr der unter Utopien und unverantwortlicher Nach­sicht der heranreifenden Auflösung durch ihre innere Macht zu überwinden verstanden. Die Meinungs­verschiedenheiten, die sich in dieser Hinsicht in Preßburg innerhalb der Kleinen Entente zeigten, bestätigen das Vorhandensein solcher Einflüsse bei den Nachbarstaaten von Oester­reich und Ungarn. Gegenüber dieser unklaren Stunde hätten nun die verantwortlichen Staaten, die in der Lage seien, eine nationale Kollektivität zu verkörpern, drei Aufgaben: Sich rüsten und wappnen, ihre politischen Ziele bis in jeden Winkel zu klären und die Reihen mit be­währten Freunden zu schließen. Diese Aufgaben seien auch von Oesterreich fest und mutig angefaßt worden.

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Palästina.

Von unserem W. M.-Äerichterstaüer.

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.)

Der nachfolgende Brief aus Jerusalem ist in Unkenntnis der neuen eng­lischen Schritte geschrieben worden. Um so interessanter ist es, aus ihm d i e Mo­tive zu erfahren, die für England maß­gebend sind, gerade jetzt ein Expedi- , tionskorps nach Palästina zu ; schicken. England hat also die Schlußfolge- 1 rungen aus der Lage gezogen, wie sie unser ' Berichterstatter bereits andeutet.

Jerusalem, September 1936. '

In den letzten Tagen hat die Entwicklung der xalästinischen Lage eine erhebliche Zuspitzung er­fahren. Während die terroristischen Aktionen unver­mindert anhalten, hat hinter den Kulissen die po­litische Krise der Araber entscheidende Fortschritte gemacht. Im Mittelpunkt der jüngsten Erörterungen |tanb die Aktion des irakischen Außenministers Nuri Pascha. Nuri Pascha, der im Einvernehmen mit den arabischen Königen handelte, unterzog sich der Mühe, in tagelangen Sitzungen das Arabische Komitee für die Beendigung der Unruhen und des Streiks zu gewinnen. Als konkrete Grundlage dien­ten ihm dabei einige Vorschläge, die in der Hauptsache eine allgemeine Amnestie und öie vorläufige Stoppung der jüdischen Einwande­rung bis zur endgültigen Londoner Entscheidung cauf Grund der zu erwartenden Gutachten der- rliglichen Kommission betrafen. Zwar dementierte ober englische Kolonienminister Ormsby-Gore in einem Brief an den ihm persönlich befreundeten Jionistenführer Professor Weizmann, daß die Mandatsregierung derartige Vorschläge gemacht ! habe. Aber es darf indes wohl nur als dementiert gelten, daß derartige Vorschläge in bindender Form gemacht wurden, nicht aber, daß die Man- Datsregierung durch Nuri Pascha in dieser Richtung Die Fühlung aufnehmen ließ, um überhaupt erst einmal festzustellen, wieweit die arabische Führung auf dieser Grundlage verhandlungsreif sei. Um für Peine Verhandlungen eine günstige Atmosphäre zu chaffen, konnte Nuri Pascha zunächst einmal die Freilassung von 22 arabischen Führern aus dem Konzentrationslager Sarafant erwirken, bet deren Auswahl allerdings darauf geachtet wurde, daß nur Opponenten des Mufti die Freiheit erlangten.

Die Aktion Nuri Paschas, der inzwischen in die Türkei abgefahren ist, darf einstweilen als ge- ch e i t e r t angesehen werden. Der Mißerfolg ist weniger auf das Fehlen der Bereitwilligkeit der arabischen Führung zurückzuführen, als vielmehr auf die Tatsache, daß sie die Terroristen offenbar nicht mehr in ber Hand hat: Selbst wenn das Arabische Komitee heute einlenken würde, würden seine Zusagen durch die Fortführung des Terrors in Frage gestellt und entwertet werden. Obendrein müßten die im Komitee vereinigten Füh­rer besorgt sein, den letzten Rest von Ansehen bei z Der arabischen Jugend, deren Herz den Terroristen gehört, zu verlieren, den sie sich vorläufig noch Durch die Gleichheit der Losungen erhalten können. Die nationale Leidenschaft der Araber ist von der Führung zu Beginn der Aktionen in einem der­artigen Maße erregt worden, daß ein Fallenlassen Der ausgegebenen Parolen dem einen oder anderen Führer wohl auch das Leben kosten kann. Wie so oft in der Politik, verdeckt die äußere Führerschaft vier nur den in Wirklichkeit vorhandenen Zustand Der Gefangenschaft. Auf der anderen Seite sind Die Terroristen, nachdem sie einmal durch die un= vedingte Formel desA lles ober Nichts"um i^ampf getrieben waren, kaum mehr burch so frag- würbige Friebensbebingungen, wie es bievorläufige" 5toppung ber Mischen Einwanderung wäre (von ter leidenschaftlichen Forderung eines Verbots t e s Bodenverkaufs an Juden ist in den Esten Vorschlägen Nuri Paschas überhaupt nicht mehr die Rede!), für einen Frieden zu gewinnen.

Unter diesen Umständen befindet sich die arabische Führerschaft in einer außerordentlich schwierigen Sage. Aus ber einen Seite haben bie über vier Monate bauernben Unruhen klar erwiesen, baß bas, was überhaupt erreicht werben kann, nicht mehr con ber Dauer bes gegenwärtigen Zustandes ab- b-ängt. Eine Fortsetzung würbe, bas scheint heute 'Lstzustehen, nicht zu einem größeren Erfolge füh­ren können, als sie in ben Vorschlägen Nuri Pa- chas enthalten sinb; bagegen würbe sie, nachdem bereits einer ber wichtigsten Zweige ber arabischen Wirtschaft, bie Seifeninbustrie von Nablus, j^illgelegt ist, auch noch bas Orangenge- Ichäst zerschlagen. Zubern haben Nuri Pascha unb Emir Abbullah von Xransjorbanien mit aller Deut­lichkeit bem Komitee zu verstehen gegeben, baß bie crabischen Regierungen nicht baran benfen, sich ber falästinischen Araber wegen mit Großbritannien zu iberroerfen Die Hoffnung auf bie Wirksamkeit ber fanarabischen bzw. panislamischen Jbee ist also im I Augenblick gleichfalls nicht begrünbet. Auf ber an­dren Seite macht bie tatsächliche Autonomie bes entfesselten Terrors ein Einlenken ber arabischen Führung trotz aller Erkenntnis ber Aussichtslosig- leit offenbar beim besten Willen unmöglich. Zu- tem kommen bie alten Gegensätze, bie auf der R i - i alität der mächtigen Familien des Raubes, insbefonbere ber Naschashibis unb Hus- 'sinis. innerhalb bes Komitees von neuem zur Gel­ang: Die Naschashibis, bie sich auf ben Groß­grundbesitz, den Handel und die Autorität des trans- prdanischen Emir stützen, sind anscheinend zum einlenken bereit (um so mehr, als den Hus- Isini-Mufti als Präsidenten bei dem undankbaren Geschäft in der Hauptsache bie peinliche Verant-

paris, 17. Sept. (DRV. Funkspruch.) Der erste Tag ber Aussprache im TNatignon palais zwischen ben Vertretern ber Arbeitgeber unb ber Arbeit­nehmer in Anwesenheit bes TNinisterpräsibenten unb zweier weiterer Angehöriger bes Kabinetts ist ohne Erfolg verlaufen. Die Aussprache zur Schlichtung bes Arbeitskonfliktes in ber Liller Textilinbusirie soll am heutigen Donnerstag fort­gesetzt werben Am späten Abenb gab Innen­minister $ a t e n g r o noch Pressevertretern gegen­über ber Hoffnung Ausbruck, ben Konflikt halb bei­legen zu önnen. Bisher habe ber lUinifferpräfibenf eboch bie Aborbnungen nur einzeln empfangen können, unb eine Zusammenführung ber Arbeitgeber unb ber Arbeitnehmer sei noch nicht erfolgt.

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Die Linksblätter berichten aus Lille, daß unter der Arbeiterbevölkerung eine erhebliche Erregung herrsche, weil die Polizei bei einem Fabrikbesitzer, der am Dienstag einen Schreckschuß in die Luft abgegeben habe, um sich gegen die zu­dringlichen Forderungen der Streikenden zu schützen:ein wahres Arsenal" entdeckt habe. DerJour" weist daraufhin, daß es sich bei diesem Wasfenarsey,al lediglich um ein Jagd­gewehr, einen Karabiner und eine 6,35-Pistole gehandelt habe. Es könne nur gut sein, wenn man bereits jetzt diesen kleinen Zwischenfall in Lille in seinem tatsächlichen Ausmaß darstelle, da die Re­gierung beabsichtigen könnte, diesen Vorfall a l s Druckmittel zu benutzen.

Das gleiche Blatt berichtet, daß in Lyon am Mittwoch in einer 1500 Arbeiter beschäftigenden Kunstseidenfabrik der Streik ausgerufen worden sei. Die Streikenden hätten die sofortige Entlassung eines Teilesdes Aussichts­personals des Werkes verlangt. Da hie Ge­schäftsleitung dieses Ansinnen abgelehnt habe, sei das Werk von der Belegschaft besetzt worden. Die Polizei habe eingreifen müssen, um Zwischenfälle zu verhindern.

Die Direktoren der Fabrik seien von den st reitenden Arbeitern fe st genom­men und in den Arbeitsräumen eingeschlossen worden. Erst nach längeren Verhandlungen sei es dem Polizeikommissar gelungen, die Direkto­ren wieder frei zu bekommen. Verärgert über das Verhalten der Polizei, habe die Belegschaft daraufhin einD i r e k 1 i o n s k o m i t e e" ge­bildet und unter der Leitung dieses Sowjet­komitees die Maschinen wieder in Gang gesetzt. Das Blatt bezeichnet diese Tatsache als den ersten Sowjetaus­schuh, der in der französischen Industrie die

Funktion der IBerfsleitung ersehen solle.

Der zunehmende Einfluß, den die Dritte In­ternationale in dem gesamten Gewerkschafts­leben in Frankreich gewinnt, geht wieder einmal deutlich aus den Beschlüssen hervor, die der Landes­verband der Bauarbeitergewerkschaft ge­faßt hat. Sämtliche Abstimmungen, die über den Aufbau des Landesverbandes, die innere Organisation, die Wahl der Landesleitung, die Zusammensetzung des Direktionsausschusses und die Höhe der Mitgliedsbeiträge stattfanden, fielen mit erdrückender Mehrheit zugunsten der von kommuni st ischer Seite ausgehenden und zu Ungunsten der sozialistischen Vorschläge aus. Die radikalsozialistischen Abgeord­neten hatten in den Kammerferien Gelegenheit, mit ihren Wählern Fühlung zu nehmen. Dabei mußten sie einen wesentlichen Stimmungs- Umschwung feststellen. Die Kleinrentner, Kauf­leute und Industriellen, die im Mai fast einstimmig für die Volksfront gewesen seien, hätten jetzt ihren Irrtum eingesehen. Sie seien vor allem über die soziale Umwälzung be­unruhigt und befürchteten, daß sie die Leid­tragenden sein würden.

An dke Sowiel-Varbarei oebunden."

Daudet fordert Bruch mit dem Russenpakt.

Paris. 17 Sept. (DNB. Funkspruch.) In der Action Fran^aise" setzt sich L6on Daudet für einen Bruch mit dem Sowjetpakt em