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Silber Bronze

Wold

Nationen

Auch DeuWands Boxer siegreich

Aus der Provinzialhaupistadt

Deutschland Bereinigte Staaten Ungarn Italien Finnland Frankreich Schweden Japan Holland (Großbritannien... Oesterreich Tschechoslowakei.. Argentinien......

Estland Aegypten Schweiz Kanada Norwegen Türkei .

Indien .

Neuseeland .

Polen Dänemark Lettland Jugoslawien.... Rumänien Süd-Afrika Mexiko Belgien Australien Philippinen .... Portugal

Am Samstag fanden die Entscheidungen in den Box­kämpfen statt. Bis in die Endrunde hatten sich vier Deutsche durchgekämpft, und zwar Kaiser, Mu- rach, Voigt und Runge. Hier sieht man den Weltergewichtler Mur ach im Kampf mit dem

Franzosen T r i tz. (Scherl-Bilderdienst-M.)

Fahnen ging Michel Murach unter, er mußte sich der überlegenen und taktisch reiferen Kampfesfüh- rung des Finnen beugen. Suvio als Sieger und Murach als ehrenvoll Geschlagener wurden nach ihrem schönen Kampf stark gefeiert.

Frankreich siegt im Mittelgewicht.

Die Entscheidung im Mittelgewicht brachte Jean Despeaux (Frankreich) und Henri Tiller (Norwegen) zusammen. Der ausgezeichnete Techniker Despeaux kam bei dem Norweger beidhändig mit schönen Doppelschlägen immer wieder durch. Der Norweger hatte jedoch nicht mehr genug Kraftreseroen, um den Punkt um Punkt sammelnden Franzosen ver­drängen zu können.

INichelot schlägt Richard Vogt.

Im Endkampf der Halbschwergewichtsklasse durch­kreuzte der ringerfahrene R. Michelot (Frankreich) die deutschen Hoffnungen. Der an Größe und Reich­weite etwas überlegene Hamburger Richard Bogt, der sich im Turnier von Kampf zu Kampf ver­bessert hatte, lieferte seinem großen Gegner einen taktisch ausgezeichneten Kampf. Das Punktgericht

ren, aber nicht unverdienten Punktsieg über den Franzosen Tritz.

Um »Sold und Silber".

Zu den Entscheidungskämpfen im Olympischen Boxturnier waren etwa 20 000 Zuschauer erschienen die die Kämpfe mit lebhafter Anteilnahme ver- olgten.

LerntKurzschristundMaschinenschreiben!

in der Arbeitsschule der DAI.

Von der Kreiswaltung Wetterau der Deutschen Arbeitsfront wird uns geschrieben:

Tausende von Arbeitskameraden besuchen täglich die Arbeitsschulen der DÄF., um sich hier das Rüst­zeug für den Existenzkampf zu holen. Der Führer selbst hat in seiner Verordnung vom 24. DH. 1934 der Deutschen Arbeitsfront die Sorge für die beruf­liche Ertüchtigung aller schaffenden Deutschen über­tragen. Daß die Arbeitsschule der DAF. mit Erfolg an diese Aufgabe herangetreten ist, beweisen Zu­schriften aus den Kreisen der Betriebsführer, die uns bestätigen, daß sie Gefolgschaftsmitglieder auf Grund der Zeugnisse, die über den erfolgreichen Besuch der Lehrgänge ausgestellt werden, eingestellt haben. Ein Gießener Betriebsführer teilte uns u. a. mit:

Wir bitten Sie, im Interesse des kaufmänni­schen Nachwuchses, insbesondere bei den jetzt stellenlosen Angestellten, immer wieder darauf hinzuweisen, daß die Beherrschung der Kurz­schrift unerläßlich ist, um heute in Arbeit und Brot zu kommen."

Rund 600 Teilnehmer haben die letzten Lehr­gänge der Arbeitsschule der DAF. besucht. Wenn nicht allen Teilnehmern ein Zeugnis über den er­folgreichen Besuch der Lehrgänge ausgestellt werden konnte, so lag dies daran, daß die Stetigkeit im Besuch der Unterrichtsstunden bei vielen Teilneh-

ftaifer siegt.

Die Stimmung des Publikums hatte sofort einen Höhepunkt erreicht, als schon im ersten Treffen in der Fliegengewichtsklasse unser deutscher Meister Willi Kaiser einen vielumjubelten Sieg über den italienischen Meister Gaoino Matta erringen konnte. Die erste Entscheidung um die Goldmedaille, die gleich einem Deutschen den Sieg bescherte, wurde von dem Publikum stürmisch bejubelt.

$ergo-3talien siegt im Bantamgewicht.

In dem überaus leichtfüßigen und schlagstarken Italiener Ubderico Sergo hatte der 1,80 Meter große, spindeldürre amerikanische Neger Jackie Wil­son einen schwer zu schlagenden Gegner. Amerika mußte hier seine letzte Hoffnung, eine Goldmedaille im Olympischen Boxturnier zu erringen, begraben.

Latterall-Südafrika geschlagen.

In der Federgewichtsklasse standen im Endkampf Casanovas- Argentinien und der schlagkräftige Süd­afrikaner Charles Catterall. In allen drei Runden hatte der Argentinier leichte Vorteile, so daß sein Punktsieg nicht gefährdet war.

Der Kampf im Leichtgewicht.

mern zu wünschen übrig ließ und der Erfolg so von vornherein in Frage gestellt war. Regelmäßiger Besuch der Unterrichtsstunden ist die erste Voraus­setzung für den Erfolg.

Die neuen Lehrgänge in Kurzschrift und Maschi­nenschreiben beginnen am Dienstag, 18. August, und Donnerstag, 20. August, in der Oeffentlichen Handelslehranstalt, Gießen, Liebigstraße. Am 18. August beginnt gleichzeitig die Uebungsgemein- schaft für Eilschrift ihre Uebungsabende. Diese Uebungsgemeinschaft hat das Ziel, gewandte, für die Praxis wertvolle Kurzschriftler auszubilden und deren Schreibgeschwindigkeit auf das Höchstmaß zu steigern. Allmonatlich stattfindende Leistungsschrei­ben geben 'Gelegenheit, das Gelernte unter Beweis zu stellen. Der Monatsbeitrag zu dieser Uebungs- aemeinschaft beträgt 0,70 RM. für acht Uebungs- ftunden.

Arbeitskameraden! Zögern Sie nicht, melden Sie sich sofort zu den neuen Lehrgängen an. Es ist Ihr Vorteil. Sie sind der Gemeinschaft die Steige­rung Ihrer Leistung schuldig.

Anmeldungen und Auskunft durch die Deutsche Arbeitsfront, Arbeitsschule Gießen, Schanzenstr. 18,

Dorrwiizen.

Tageskalender für Montag.

Gloria-Palast (Seltersweg): Winter-Olympiade 1936 in Garmisch-PartenkirchenJugend der Welt", dazuSport und Soldaten".

Nach ihrem Sieg im Brustschwimmen konnten die Japaner auch das 1500-Meter-Freistilschwimmen, und damit die letzte Schwimmentscheidung der XI. Olympischen Spiele, zu ihren Gunsten entschei­den. Noboru Terada-Japan siegte nach hartem Kampf gegen den amerikanischen Meisterschwimmer I. M e b i c a, der hier nur den zweiten Platz be­legen konnte. Dritter wurde Shunpei Uto-Japan vor dem letzten japanischen Vertreter Jshiharada,

Dritte Goldmedaille für JUe Mastenbroek.

Für den Sieg im 400-Meter-Freistilschwimmen der Frauen gab es nur zwei Favoritinnen: Ric Mastenbroek und Ragnhild H v e g e r. Die erst 15jährige Dänin hatte bisher die besseren Zei­ten geschwommen und auch den olympischen Rekord unterboten, so daß man ihr allgemein erste Aus­sichten einräumte. Die unverwüstliche Holländerin Rie Mastenbroek zeigte aber erneut im entscheiden­den Augenblick ihren wundervollen Kampfgeist. Sie hat damit (einschließlich der Staffel) drei Gold­medaillen und eine Silberne Medaille erkämpft und ist somit die erfolgreichste Frau der Olympischen Spiele 1936. 5:26,4 lautet ihre Zeit. Bis 300 Meter sah es nach einem dänischen Siege aus. Masten­broek hielt sich etwas zurück. 100 Meter schwamm Hoeger in 1:14,4. Bei 200 Meter lagen Hveger, Petty und Wingard, beide USA., auf gleicher Höhe. Bei 250 Meter übernahm Ragnhild erneut die Führung. Die Holländerin kämpfte sich nun un­aufhaltsam nach vorn. Bei 350 Meter lag sie knapp hinter der jungen Dänin, auf den letzten 20 Meter ging sie aber in einem wundervollen Spurt an ihr vorbei. Hoeger versuchte vergebens mitzugehen und mußte sich mit dem zweiten Platz begnügen, vor der Amerikanerin Wingard (5:27,5). Mastenbroek brauchte 5:26,4, Hveger 5:27,5.

Japanischer Erfolg auch im 1 S00-Meter-§reistilschwimmen

Start.

Wie in allen seinen Rennen hat der junge Ha- muro den erfolgreichsten Start. In 34 Sekunden nimmt er, knapp vor Higgins und Sietas, die erste Wende. Unter heftigster Anfeuerung durch die Zu­schauer geht dann Sietas, der bereits zum dritten­mal im olympischen Endlauf steht, an Higgins vor­bei und wendet hinter Hamuro als Zweiter. Im- mer dichter schließt der Hamburger zu dem Japaner auf, während Balke auf der dritten Bahn bereits das' Rennen verloren hatte. Bei 150 Meter ver­suchte auch Koike Anschluß zu finden. Aber mit prächtigem Kampfgeist und mit raumgreifenden Zügen, fast über dem Wasserspiegel liegend, hält Sietas seinen Platz, ja er gefährdet sogar Ha­muro. Dieser aber schlug in 2:42,5 an und errang zum dritten Mal für Japan den olympischen Sieg im 200-Meter-Brustschwimmen. Sietas erkämpfte sich in 2:42,9 die Silbermedaille vor Koike, der in,----------« v Ä r., . h .

2 44 2 Dritter wurde. Es folgten Higgins-USA. in dem Amerikaner Flanagan, dem Engländer Lewers 2-45 2 Jto-Japan, Balke und Yldefonzo. | und dem jungen deutschen Meister H. Arendt.

verschiedenen Sprechchöre, die sich am Tage vor­her beim Wasserballkampf Deutschland Ungarn so glänzend bewährt hatten. Zu den letzten Ent­scheidungen erschien am Samstag auch der Führer und Reichskanzler.

Eine bessere Einleitung zu diesem Nachmittag der letzten Entscheidungen als durch Kursprunge der drei weltbesten Turmspringer konnte man kaum finden Was M. Wayne, das amerikanische Talent, und Hermann Stork, der weitaus besser gefiel als der' Olympiazweite Root, zeigten, war wirklich Turmspringen in höchster Vollendung.

200 Meter Brust:

Hamuro vor Sietas und Koike.

Gleich die erste Entscheidung des Nachmittags brachte auch den ersten Höhepunkt. 25 000 Men­schen fieberten dem Endlauf des 200-Meter-Brust- schwimmens entgegen. Es stand ein überaus har­ter Zweikampf Japan Deutschland. Am Start erschienen: Balke-Deutschland, Sietas-Deutschland, Higgins-USA., Yldefonzo-Philippinen, Ito-Japan, Hamuro- Japan, Koike-Japan. Glänzend glückte der

Eine rein europäische Angelegenheit war die Ent­scheidung im Leichtgewicht zwischen dem Estländer Stepulov und dem ungarischen Meister Harangi. Die dritte Runde brachte die Entscheidung. Dau­ernde Schlagserien auf Kopf und Körper sicherten dem Ungarn Punkt um Punkt und bamit ben ver­dienten Sieg.

Silberne für Murach.

Als zweiter Deutscher kämpfte Michel Murach, der vorjährige deutsche Meister im Weltergewicht, gegen den Überraschend bis zur Endrunde vorge- brungenen Finnen Sten Suvio. Mit fliegenden

Mit den Kämpfen der Amateurboxer um den Olympischen Sieg und den dritten Platz erreichte am Samstag das Olympische Boxturnier seinen Höhepunkt und Abschluß. Es ist ohne Beispiel, wie in diesen Olympischen Tagen das Interesse an den Boxkämpfen ins Riesenhafte gewachsen ist. Vier Tage lang schon kämpften die Boxer in der Deutschland- Halle, und jedesmal vor vollem Hause. Dieser letzte Tag übertraf alles. Von den obersten Rängen hin­gen die Flaggen der an den Kämpfen beteiligten Nationen, und als die Scheinwerfer ihr gleißendes Licht in den Ring warfen, machte sich Hochstimmung bemerkbar.

Oie Endkämpfe um dieBronze-Medaille

Von den acht angesetzten Treffen, die um den dritten Platz und damit um den Besitz der Bronze­medaille gingen, fielen nicht weniger als fünf aus, da verschiedene Boxer von den schweren Kämpfen der Vortage verletzt oder zu erschöpft waren, um antreten zu können. Im Fliegengewicht kam so der Amerikaner Laurie kampflos zur Bronze-Medaille, da Carlomagno-Argentinien das Gewicht nicht brin­gen konnte. Im Leichtgewicht schied dann Kops- Dänemark verletzt aus und so kam Agren-Schweden aus den dritten Platz. Im Mittelgewicht war Vil- larreal-Argentinien der Glückliche, da er ebenfalls kampflos Sieger über den Polen Chmielowski blieb, der an einer Verletzung leidet. Der südafrikanische Halbschwergewichtler Leibbrandt hatte vom Arzt Startverbot erhalten, so daß auch in dieser Ge­wichtsklasse die Bronze-Medaille ohne Kampf ver­geben wurde und an den Argentinier Risiglione fiel. Da bereits am Vortage der Ungar Nagy nicht an- qetreten war, kam im Schwergewicht Nilsen-Nor­wegen kampflos in den Besitz der Bronze-Medaille.

So eröffneten die Bantamgewichtler Ortiz-Mexiko und Cederberg-Schweden die Kämpfe. Der kleine Mexikaner errang einen knappen aber verdienten Punktsieg und damit die Bronze-Medaille.

Mit seinem unermüdlichen Angriffsgeist er­kämpfte sich der kleine deutsche Federgewichtler M i- ner gegen den Ungarn Frigyes einen verdienten und viel umjubelten Punktsieg.

Im Weltergewicht kam Petersen-Danemark au Grund seiner größeren Schlagkraft zu einem knap-

ällte die schwere Entscheidung: Sieger Michelot! Wie schon vorher Murach, so war auch Vogt ein tapferer Verlierer. Für ihn und für Deutschland bedeutet die Silbermedaille eine glänzende Aner­kennung für eine vorbildliche Vorbereitung.

Eine Goldmedaille für Runge!

Unstreitig war der letzte Kampf im Schwer­gewicht zwischen dem Deutschen Meister Herbert Runge und dem Argentinier Jos6 Lovell der Höhepunkt des Olympischen Boxturniers. Boxerisch waren beide Gegner gleichwertig, aber den Kampf entschied der Deutsche durch seine klareren Treffer und nicht zuletzt durch seinen Löwenmut. Das un­geheuer scharse Tempo, das die beiden Schwer­gewichtler in allen Runden gegangen waren, blieb nicht ohne Wirkung. Die Schläge hatten zum Schluß an Kraft verloren und völlig erschöpft erlöste das Schlußzeichen die tapferen Gegner.

Mit zwei Gold-, zwei Silber-Medaillen und einer Bronze-Plakette hat Deutschland beim Olympischen Boxturnier seinen bisher größten Erfolg gefeiert.

Olympische Medaillen.

Lchlutzstandnach insges. 129Wettbcwcrbcn.

Nachdruck verboten!

16. Fortsetzung.

Unbelannte Fracht

Roman von Zrank z.Vraun.

Sie muhten, ohne es gemerkt zu haben, lauter gewordsn sein. Oder Frau Berta konnte nicht schlummern". Fred Lorenzen hatte kaum seinen Satz beendet, als sich die Wohnungstur offnes und Frau Nickels in Lebensgröße austauchte.Ach, der Herr Lorenzen", sagte sie; und Mötzlich begrifs sie doch noch die Zusammenhänge. Deshalb also war der Bursche vorher nicht heremgekommen, die Antje sollte ihn bedienen! . e. s

Sie sah Antje an. Das Mädchen senkte den Blick. 3a", sagte sie dann,Herr Lorenzen hat gerade ba3 ®ro6e &>. gewonnen, bah Sie nn Ihre Milchjchulden denken, h-rr Lo­renzen?" Sie spöttelte mit süb-saurer Miene; aber Fred Lorenzen -ntwafsnete sie mit Vft-nh-it.3d) habe ein Bild verkauft", gestand erGanz gut vertäust" Er war von rührender Ausrichtigkeit, Und da habe ich allen meinen Gläubigern etwa- abaeaeben" Er lachte wieder und strahlte sie an, Wa/ sollte Frau Nickels machen, sie «nutzte zuruck, lächeln,Und dann hatte id) eine ***« W' fort und holt- tief Lust,Darf ich Fraulein Ant,e heute abend zu einem Spaziergang absiolen

fVrau Berta sah ihre Arche an,Heute, meinte sie aNehn ndAntje war erst Donnerstag au-.

Ich dachte nur, Frau Nickels, heute ist so em schöner Samstag, und ich bin allem Fraulem Aiche st allein und zwei Einsamkeiten sind keine Einsam- k°.t mehr Da wollten wir Sie bitten, ob es nicht "sra^Berto mar? nicht bartherzig Man mußte sie nur richUg nehmen. Sie rsar, w.e « fchen Bitten durchaus zugänglich. Etwas gewayren war eine Art Machtbestätigunx,W,r gehen heu^ 7bend aus, Antje", Mann und ich

sind eingeladen. Wenn Sie rechtze hg mit Der Küche fertig werden, soll es mir recht lcin- . «... ..

.Zielen Dank, Frau Nickels das -st wirklich nett von Ihnen. Ich darf dann also so gegen acht Uhr vorbeikommen?"

e Er sah Frau Berta Nickels ins Gesicht, als wollte er sie abholen und erbitte ihr Ja. Frau Nickels nickte denn auch gewichtig. Antje stand stumm. Sie war soeben verabredet worden und keiner hatte sie ge­fragt. Aber zum Abschied kam Fred Lorenzen heran. Er gab ihr zuerst die Hand.

Auf Wiedersehen, Fräulein Antje." Dann erst ging er zu Frau Nickels. Und dann war er hinaus.

Antje starrte die Zahlkasse an. Frau Nickels ging vor den Butterfässern zweimal auf und ab.Ken­nen Sie ihn schon lange?" erkundigte sie sich dann.

Nur von der Tür her, wenn ich morgens die Milch bringe."

Frau Nickels schien mit dem Bescheid zufrieden. Na", sagte sie,dann sehen Sie ihn sich man mal an. Er scheint ja ganz nett zu sein/ Mit diesem kameradschaftlichen Satz, der mehr über sie aussagte als alles vorher Gesprochene, verließ sie den La­denkeller wieder und begann im Wohnzimmer das gute Krepp-Georgette-Kleid für die Gesellschaft bei Beckers aus dem Schrank zu holen und die Druck­knöpfe nachzusehen. Sie hatte in letzter Zeit leider wieder etwas zugenommen und würde die Knöpfe stärker beanspruchen. Sie mußten besonders fest sitzen.

Antje stand im Laden und starrte die Zahlkasie an. Die Kasse war aus Nickel oder wenigstens ver­nickelt. Sie blitzte blank und strahlend wie eine Der- heißung. .. ,

Die Zeit ging rasch hin. Nie war Antje bisher sos pielend mit ihrer Küche fertig geworden wie an diesem Samstag. Herr und Frau Nickels ver- ließen um 7.30 Uhr die Wohnung. Frau Berta gab ihr die Schlüssel.Aber nicht zu spat, Antje, seien Sie vernünftig, wenn er es nicht ist!

Wer denn?" wollte Peter Nickels wissen, aber seine Gattin zog ihn erst einmal erklarungslos mit hinaus. , ,

Um 8 Uhr kam Fred Lorenzen. Er sah ihr blaues Kostüm einen Augenblick prüfend an und schien zu- frieden. Hatte er nachttäglich Bedenken gehabt, sich mit ihr sehen zu lassen? Männer sind ganz unbe­rechenbar in ihrer Eitelkeit auf die Frau, die sie ausführen. r

Sie saßen in der Straßenbahn, dann stiegen sie in den Omnibus um. Geredet wurde wenig. Antje beobachtete ihn. Sie hatte während dieser Fahrt zum erstenmal Gelegenheit, ihn sich richtig anzusehen.

Seine Augen lagen tief, sie mochten grau oder hellblau sein. Die Nase war kräftig geformt und sprang vor. Das Kinn war fest, ein bißchen eckig; sie nahm es für Männlichkeit. Der Mund mit Den vollen Lippen war ausgesprochen hübsch.

Fred Lorenzen beobachtete sie genau so unauffäl­lig. Meinte er. Aber plötzlich geschah es ihnen ohne Anlaß äußerer Art, daß sie sich ansahen, einander fest in die Augen schauten. Sie senkten zwar beide sofort, wie ertappt, die Blicke, aber in der Herz­gegend kam ihnen so eine angenehme Wärme auf, und es war plötzlich sehr schön, mit dem hellen Omnibus durch die Straßen zu fahren, den andern neben sich zu spüren und das Gefühl zu haben: heute gehe ich nicht allein aus.

Die Scala empfing sie mit strahlenden Lichtern, Lärm von vergnügt sich drängenden Menschen, und dann spielte Musik. Der Zuschauerraum versank in mattes Licht, die Bühne leuchtete. Sie saßen nebeneinander. Antje sah viel Neues, Niegesehenes. Aber es war schon sonderbar, wesentlicher als das, was sie zu schauen bekam, schien ihr, daß da ein Mensch neben ihr saß, der dessen warme Hand so zärtlich die ihre berührteGefällt es Ihnen? Sehr schön." Das Geflüster verstummte wieder.

Als sie nach Schluß der Vorstellung auf die Sttaße traten, regnete es. Antje hatte keinen Schirm. Es galt, sich rasch zu entscheiden.Nach Hause?" fragte er.

Antje zuckte einen Augenblick die Mahnung her guten Frau Berta Nickels durch den Kopf; sie dachte auch daran, daß sie morgen sehr früh werde aus- stehen müffen. Um 5 Uhr kam der Milchwagen vom Gut und brachte die Kannen. Aber dann siegte die Verlockung, noch eine Weile neben Fred Lorenzen sitzen zu können und mit ihm zu plaudern.

Wie Sie wollen", sagte sie unbestimmt, durch­aus bereit, sich überreden zu lassen. Er machte denn auch sofort ein paar Vorschläge; wie es wäre, den Regen in einem kleinen Cafe drüben auf der an­deren Straßenseite abzuwarten... Antje nickte willfährig und sie gingen hinüber.

Der Raum, der sie empfing, war nur klein, dazu rechk niedrig. Er wurde von einem guten Dutzend Papierlampions mit einem gelblichen Licht erhellt. Am Klavier in der Ecke saß ein junger Mann und betätigte sich überaus fleißig. Manchmal fang er

den Text einer Melodie näselnd mit. Sie fanden eine Ecke, wo sie ungestört blieben und sich etwas erzählen konnten. Der zurückhaltende Kellner kam ein einziges Mal, fetzte die Kaffeekännchen und das Geschirr hin, um nicht wieder zu stören.

Leben Sie nun wirklich so ganz allein in dem großen Berlin?" fragte Lorenzen träumerisch und rührte in seiner Tasse.

Antje nickte bestätigend. ..Ich bin schon lange allein", antwortete sie.Meine Eltern leben nicht mehr. Geschwister habe ich nicht."

Keinen Freund?" meinte er.

Sie schüttelte den Kopf. Der Gedanke an Rudolf Terbrügge war da, aber sie verscheuchte ihn. An Rudolf Terbrügge wollte sie jetzt nicht erinnert werden. Aber sie war nicht gerade die Schüchtern­heit selber, und so warf sie ein:

Soll ich Sie das auch einmal fragen?" dabei lächelte sie ihn an.

Bitte", er ging auf einen Scherz ein,ich habe mehrere Freunde."

Und wie ist es mit den Freundinnen?"

Fehlanzeige. Mangels Masse hier!" Er schlug gegen seine Brust, meinte aber nicht das Herz, sondern die Brieftasche. Sie verstand ihn nicht, er merkte es und machte erklärend erst noch mit Daumen und Zeigefinger die Gebärde des Geld­zählens.

Weshalb gehen Sie denn dann, um Himmels willen, mit mir in ein teures Theater und jetzt noch in dieses Kaffeehaus."

Einmal ist keinmal. Ich hab ein Bild verkauft."

Sie find leichtsinnig."

Sonderbarerweise schmeichelte ihm diese Bemer­kung. Er zeigte seine Zähne.Das liegt bei uns in der Familie. Mein Bruder zum Beispiel, er lebte in Schottland und war am Gericht tätig, ist gerade jetzt wegen einer dummen Sache, Leichtsinn werden Sie es nennen, um Amt und Würden gekommen, wie man so schön sagt. Er fährt jetzt zur^See. Ich bekam einen Brief aus Island von ihm."

Es muß schön fein, so die ganze Welt zu sehen. Aber ich möchte nicht unter fremden Menschen le­ben. Verstehen Sie, es ist nicht allein die Sprache, denke ich mir, es fehlt auch sonst noch vieles. Warum lebte er in Schottland?"

(Fortsetzung folgt!)