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Fr. 165 Dritter Blatt
Aus der Provinzialhauptstadt.
»Max", der Rehbock.
Von Ernst Holzel.
Er hat, als er nach seine Fährte im Buchenalthc-lz, le-iem Lieblingseinstand, zog, nicht gewußt, daß er „Nax" hieß, er hat auch auf den Ruf seines Namens pin keine Zuckerstückchen aus zarten Händen ent- mengenommen, wie etwa ein zahmer Damschaufler ir einem Tierpark. Nein, er war ein Rehbock der fr-rien Wildbahn, wie er meist zu sein pflegt. Nur in eiiem allerdings unterschied er sich von der Mehr- ÖCi( seiner Artgenossen: er vertraute dem Menschen, eil wenn ihm von diesem überhaupt keine Gefahr dr-hen tonnte.
jjd) weiß nicht, wann und wo ihn seine Mutter erst setzte, ob er ihr einziger Sohn war und wie fei'ie Jugendtaae verliefen. Als ich ihn im Vorjahre $iri erstenmal sah, fiel er mir einmal auf durch seine tebeflu lächerliche Vertrautheit, dann durch seine Riichhastigkeit, mit der er die zartesten Gräser und bii jüngsten Pilze äste, und schließlich durch sein Bffijörn. Ein dünnes Sechsergehörnchen trug er, ur>erkennbar durch eine fast rechtwinklige Knickung ütiir dem Vorderende, so daß der obere Teil der freien Stangen fast waagerecht nach hinten verlief. J<! bin ihm oft zu Gefallen gegangen und habe über» lei : „Hat es'Sinn, ihn leben zu lassen? Wird er jemals ein Bock werden, an dem man seine Freude Haren kann?"
1936.
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nb immer wieder habe ich ihn laufen lassen. Es kwl die Blattzeit, die hohe Zeit der Gazelle des dclfchen Waldes. Betört durch des Schmalrehs 6i nsuchtsruf stand er mir zu bis vor die Füße, |d aß ich ihn dem Jagdfreund „vorführen konnte". W wollen ihn laufen lassen, es sind Abkömmlichere ba', war unser Urteil. Der Winter kam, der Bock aeisor seine Stangen, tauchte unter in irgendeinem stocken Wintersprung und war nicht mehr erkennbar.
Dildzählung 1936! Jeder Bock, den ich sah, fand fersen Platz im Taschenbuch, gar manches Gehörn mibe skizziert, um den Träger später wieder zu er» lenen. Der Bock mit den geknickten Stangen war nid darunter. Oft haben wir von ihm gesprochen in uns gefragt, wo er wohl stecken möge und dc er heute auf seinem Kopfe trüge. Wir sahen hr nicht mehr. —
lunianfang! Die Jagd auf den roten Bock ging in Vor Tau und Tag pürschten wir draußen und 'bffid) schmeckte der selbstgebraute Mokka im Mor- leiwnnenschein vor der Jagdbude. Da kommt Otto, iei Waldarbeiter, mit seinem Rade an und ruft, ils er uns sieht: „Hier sitzen die Herren in der Seme und dort oben auf dem Klee steht der Bock!" ten muß ich mir ansehen! Dort stoßen Roggen, und wieder Roggen an die Straße, und auf )er Klee soll er stehen. Es ist 7.15 Uhr. Fast bin 1 d) Da, da kommt mir der Bock schon schimpfend Uni schreckend im Roggen entgegen, und dann baut nr ich in der Morgensonne vor mir auf, er ver- l efie, wie mir' Jäger sagen, und äugt nach mir 1 iniun-b... da fiel es mir wie Schuppen «on den !tan: „Das war ja der Freund vom vorigen 5 .drei"
(tat hatte er sich gemacht, Stangen, die früher machen Jäger restlos glücklich gemacht hätten, gut 1 eriitt, aber — geknickt, nur nicht mehr ganz so fier wie im Vorjahr. Da freute sich der Jäger der Grihaltfamteit vom vorigen Jahre. Und nun kam öüi -inmal heraus, daß dieser brave Bock sein Ver- tWn in die Harmlosigkeit der Menschheit auch i t i eses Jahr hinübergerettet hatte. Die Arbeiter, b je nuf der Straße fuhren, die Männer, die zur «‘JcrJogrube gingen, die Bauern und Waldarbeiter finiten „Max", wie wir ihn tauften, alle.
| Pünktlich um 6.45 Uhr trat er morgens auf fpnm Kleeacker. Dann durften am oberen Ende dje Menschen stehen und am unteren Ende durften die Sandgrubenarbeiter von ihren Rädern steigen. Iso; machte ihm alles nichts aus. Er ließ sich's sihn-cken, und wenn der Weidsack voll war, dann nicdielte er gemächlich über die Straße zu seinem gpjjteh Buchenaltholz, um dort wiederzukauen liinb^u verdauen.
(Geheimnis des Feuers.
Von Karl Theodor Straffer.
e Bewegungen der Elemente find die heiligen Hungen der Mutter Erde. Beben der Gebirge, chen und Schlürfen der Wasser, sausende Luft waberndes Feuer — dies ist kein Tun des r geschäftigen Menschen, hier drängt und Urkraft dus zertrümmernden Gewalten zu ndstrahliger Neugestall. Wessen Auge je in Metallschmiede die wunderträchtigen Farben mit denen das gierige Feuer, verschieden heiß, ixfej^eib der Metalle umschweißt, ihn zu glühend- sllLs^em Wein zu vertropfen — der fühlt der 91 lehr ewigschaffende Unerschöpflichkeit. Das Quir- lösi laes Kupfers, Zischen des Zinns, das Brodeln bti Bronze unter der Leidenschaft des Feuers iriMirn den Naturmenschen bezaubern, ihm eine n ru ! Tiefe der Welt erschließen wie dem heutigen diebehre von den Elektronen. Erste Beobachtung fcjinQenben Metalls brachte sicherlich der Zufall. Trh noch zum Greifen und Werken zwang später di.e Bekanntschaft mit den Vorgängen des Ersens, biif nnge vor dem Eisenalter bekannt war. Hier eiHl sich die Hand zum Schwung der Schmiebe- fiM die Handlung war dringlicher und gemalt» fä» Rhythmus erhob sich zum Flügel der Arbeit; unÄ neroif} beginnt da, wohin älteste Sage als Er- imtnrjng ganzen Volkes zurückreicht, auch eine iuieuj ewigverlorene Poesie. Kein Zufall mag es feilir vaß die schönste der älteren Sagen vom Ur« sckviiL Wieland auf niedersächsischem Boden MH, da wo die Südgrenze der Germanen sich am bum mittelmeerischen Kulturkreis rieb.
8ei'lingsmetall der um 2000 v. Ehr. einfegen» de-n Zronzezeit war das ziemlich seltene weiche rcü Zupfer. Man benutzte es zwei Jahrhunderte Ian: iaft vor allem. Aber erst ein Zusatz von zehn diifiinfzehn Hundertteilen Zinn zu fünfundachtzig bi 5 rsunrig Hunderteilen Kupfers hob das neue Alti. zu solchem Härtegrad, daß es fcen alte» renitttein ober Fels zu ersetzen vermochte Langsam mng dieser Wandel vor sich — manajer Cr= fii itliry, Erzlagerentdeckung, Probe ^und Bewah- rtm: bedurfte es. In vielen Gegenden blieb der E^lki ja die Technik des Bronzegusses und der C^isnfhmiede mußte zu einer stärkeren Sammlung foldn Industrien an bestimmten Punkten fuhren und sützte anschlägige Küpse und tüchtige Meister DCX1, Auf Rügen zum Beispiel ist niemals B gegossen worden. Woher aber kam das
Le frühere Annahme, als sei alles, auch Vas von Süden gekammen. findet heute Mp
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Rohstoffbeschaffung.
Vom Kreiswirtschastsberater.
Deutschland ist ein an Rohstoffen armes Land. Es ist daher notwendig, daß mit den im Lande gewonnenen, insbesondere aber mit den aus dem Auslande eingeführten Rohstoffen, hausgehalten wird und daß nichts davon, verloren geht.
Dazu gehört eine pflegliche Behandlung und Sammlung der Altstoffe, die im haushalt vielfach in den Mülleimer wandern. In nächster Zeit wird die Sammlung der Altstoffe planmäßig durch die zuständigen Stellen der Partei, insbesondere durch die Frauenschaft, in die Wege geleitet werden.
Die Erfassung soll grundsätzlich durch den zugelassenen arischen Altstoffhändler, der die gesammelten Rohstoffe ordnungsgemäß bezahlt, erfolgen. Vom Kleinhändler werden die Altstoffe bei dem Großhändler abgeliefert werden. Für den Bezirk Gießen ist als arische Rohstoff-Großhandlung die Fa. Fritz Schmitt, Gießen, Schlachthofstraße 30, Fernruf 2293,' zugelassen.
Schon jetzt werden die Haushaltungen, insbesondere aber die Hausfrauen, gebeten, folgende Altstoffe zu sammeln und für Abholung durch die Altstoffhändler bereit zu halten:
1, Eifen: Blechabfälle aller Art, Rauchwarenbüchfen, Zigarettenschachteln aller Art, verzinkte und emaillierte Geschirre, Ofenrohre, Räder, Riemenscheiben, gußeiserne Rohre, Roste, alte Oefen, Herde und deren Einzelteile, alte Rasierklingen, überhaupt Eisenabfälle jeder Art.
2. Metalle: Blei, Zinn, (Tuben von Zahnpaste, Rasierpaste, Speisepasten), Zink, Kupfer, Messing, Aluminium.
3. Gummi: Fahrrad- und Auto-Mäntel sowie Schläuche.
4. Textilstoffe: Lumpen und Abfälle von Wolle, Baumwolle, Seinen, also alte Strümpfe, Wämse, alte Anzüge, Säcke und Sackabfälle.
5. Leder: Abfälle aller Art, auch altes Schuhzeug, Riemen usw.
6. Papier: Altpapier aller Art, alte Akten und Druckschriften, Zeitungen.
7. Glas: Flaschen aller Art.
8. Knochen: Für die Herstellung von Düngemitteln, Leim usw. wertvollstes Rohprodukt.
Es ist zu empfehlen, in jedem haushalt eine Sammelkiste für Altstoffe anzulegen und nichts was für die Volkswirtschaft noch von Wert ist, in den Mülleimer zu werfen. Dir können durch planmäßiges Erfassen der Abfälle der deutschen Einfuhr nicht nur Millionen, sondern hunderte von Millionen jährlich sparen.
Besonderes Augenmerk auf abfallende Altstoffe empfiehlt sich bei Entrümpelung der Dachböden und Keller, die bekanntlich durch den Luftschutz vorgeschrieben ist und demnächst energisch durchgeführt werden wird.
Gerade bei dieser können größere Werte erhalten, oder aber bei Unachtsamkeit vernichtet werden.
Wir gingen einmal zu dreien quer hindurch durch seinen Einstand mit Hammer und Säge, um Leitern und Kanzeln zu überholen. „Hier muß Max stehen", sagte ich gerade, da stand er auch schon vor einer dicken Kiefer, ließ uns ganz nahe herankommen, so daß wir ihn genau ansprechen konnten. Dann sagten wir ihm, daß wir auch in diesem Jahre gute Freunde bleiben wollten und wünschten ihm ein „Weidmannsheil". Dies alles ließ, „Max" über sich ergehen. Kein Wunder, daß am gleichen Vormittag wich ein Bauer fragte, ob wir denn an der Straße einen zahmen Bock ausgefetzt hätten.
Tag um Tag ging dahin, und „Max" war das Gespräch und der Liebling all der Leute, die ihr regelmäßiger Weg zur Arbeit an ihm vorüberführte, für den Jäger allein schon ein Grund, ihn am Leben zu lassen.
Sonntagmorgen! Der Fernsprecher rasselt. „Traurige Nachricht", sag! der Jagdfreund am anderen Ende, „heute Nacht hat ein Auto da und da einen Bock überfahren. Ich habe ihn hier!" „Ich komme sofort!" Ein Blick genügte: „Max!" Eine der vielversprechenden langen schmückte noch sein Haupt, die andere endete unter den Rädern. Vergebens schauen seine Freunde nach ihm aus, wenn sie zur Arbeit fahren. Uns Jägern aber gab es einen Stich, denn mir hatten ihn gern und hofften, daß nach Jahren einmal eine saubere Kugel den braven Bock rasch und ohne Qual ins Laub und ©ras seines Buchendomes strecken würde, dem er treu blieb, und daß dann sinnend ein Jägerauge eimstal, wenn es über die Wand mit den Gehörnen glitt, an ihm haften bliebe und „Max" wieder vor ihm stand, rot leuchtend die Decke im Licht der Morgen- jonne, mitten im grünen Klee, den er fo liebte.
Das ist die wahre Geschichte eines Rehbocks. Unser Wild gehört uns allen zur Freude, die wir die Natur noch mit ungetrübten Augen sehen; wir Jäger hegen und nutzen unter Wild im Auftrag und für unser Volk. Größer als die Mehrzahl der Volksgenossen auch nur ahnt, ist die Zahl des Wildes, das dem Verkehr zum Opfer fällt, nutzlos verludert oder sich elend dahinquält. Hilf auch Du, Mvtvrfahrer, daß die einmalige Geschichte unseres „Max" keine alltägliche wird.
Bornotizen.
Tageskalender für Freitag.
Gloria-Palast, Seltersweg: „Buchhalter Schnabel".
Oienstjubiläum
in der Reichsjustizverwaltung.
Glückwunsch des Führers.
Von ber Justizpressestelle Darmstadt wird mitgeteilt:
Der Bürodirektor bei der Staatsanwaltschaft in Gießen Heinrich R a m b blickt am 18. Juli 1936 auf eine 40jährige Dienstzeit zurück. Aus diesem Anlaß hat ihm der Führer und Reichskanzler seine besten Wünsche ausgesprochen und damit seinen Dank und seine Anerkennung für die dem Reich geleisteten treuen Dienste verbunden.
Oie Verlosung der KdF.-Reisen vom Volksfest des Gautages.
NSG. Auf dem Volksfest, das die NS.-Gemein- fchaft „Kraft durch Freude" aus Anlaß des Gautages Heffen-Naffau der NSDAP, durchführte, fand eine Verlosung von fünf Reifen mit „Kraft durch Freude" statt. Wir geben nachfolgend die Gewinnnummern mit den darauf entfallenden Fahrten an:
1. Los-Nr. 401. Nordlandfahrt vom 5. bis 12.
September mit dem Dampfer „Der Deutsche".
2. Los-Nr. 2550. Nordlandfahrt vom 5. bis 12. September 1936. Der Losabschnitt enthält die Angabe: Marta Pletemeyer, Hofheim i. T., Höhenstraße 1.
3. Los-Nr. 243. Borkumfahrt vom 1. bis 9. August 1936.
4. Los-Nr. 857. Fahrt in das Salzach-Tal vom 10. bis 18. August 1936. Der Losabschnitt enthält die Angabe: Frau Agnes Fabricius, Weilburg, Pfarrgasse 8.
5. Los-Nr. 2640. Fahrt in das Jnntal vom 10. bis 18. August 1936. Der Losabschnitt enthält die Angabe: Adolf Niederer, Frankfurt a. M.- Nied, Am Mainplacken.
Die Gewinner dieser Fahrten wollen sich beim Gau amt der NS.-Gemeinschpft „Kraft durch Freude",
wenig Glauben mehr. Zwar hat es seinen Namen von der Insel Kypros, wo es in Menge zutage gefördert wurde — aber der ganze Mittelmeerkreis zeigt einen so starken Mangel an Zinnlagern, daß von dorther die Bronze nicht verbreitet sein kann. Dagegen wurden in Mitteleuropa, in Deutschland wie Ungarn, aus tiefen Schächten mächtige Kupfer- und Zinnsteinadern angeschlagen und unter Tage abgebaut. Man erhitzte den Stein, schlug das Metall heraus und beförderte es in Ledersäcken und Mollen ab. Kupfer befindet sich auch in Südschweden, dem Hauptgebiet der nordischen Bronzekultur, doch sollen die dortigen Bergwerke erst anderthalb Jahrtausende später entdeckt worden sein. Nicht unwahrscheinlich ist, daß in den ersten Jahrhunderten (der Kupferbronzezeit) fertiges Kupfer und Bronze-Gerät von den britischen Inseln eingeführt wurde, ehe man im Festlandkreis selbst zum neuen Handwerk überging. Zinn gab es auch in Böhmen, Sachsen und England. Gold für Weihgefäße, Schmuck und Prunkgerät fand man in Irland, Siebenbürgen und sonst in Mitteleuropa. Auch viel Ströme und Flüsse führten einst neben den Perlen solch Edelmetall — dem Sagenmotiv vom Rheingold liegt vergangene Wirklichkeit zu Grunde.
Erhaltene Gußzapfen und »formen beweisen dann sehr bald die Heimatlichkeit dieser Kunst für den Norden. Die Formen bestehen aus Sand- oder Kalkstein, aus Serpentin, Ton ober Bronze und zeigen Abdrücke von Schwertern, Eicheln, Pfeilspitzen, Nadeln, Sägen, Aexten und Armbändern. Die Form war entweder einseitig und ergab dann reliefartige, auf der Oberseite ebene Geräte ober boppelseitig unb führte zu beibfeitig mobettiertem Guß. Beim „Guß in verlorener Form" enblich würbe ein Wachsmobell mit Ton umfleibet, bie Masse leicht gebrannt, so daß aus ersparten Löchern bas Wachs abschmolz. In ben Hohlraum goß man bie Bronze. Schmuckbosen, Hängebecken, besonbers aber die nordisch-niedersächsischen Trompeten sind Erzeugnisse dieses Verfahrens.
Gegen Ende der älteren Bronzezeit aber beginnt das Feuer auch auf die Grabfitten Macht zu gewinnen. Die Leichen werden verbrannt, wie es tm Südvsten fchon etwas früher geschah. Noch Jahrhunderte lang behält man für mehrere Leichen ausreichende Steingräber bei, in die man die Asche aussät. Dann bleiben sie nur manneslang, bis sie zu Steinkisten schrumpfen und endlich in der jüngeren Bronzezeit die Äjche in Tonurnen bewahren, oft eingebettet, mit oder ohne Steinschutz, in uralte Steinzeithügel. Im „Königsgrab von Seddin", einem elf Meter hohen Hügel» der eine Steinkuppel
barg, stand eine tönerne Urne, in der wieder eine Steinamphore des Fürsten Asche umschloß. Auch sonst führten Landschaft, Zeit und Volksbrauch zu mancher Verschiedenheit.
Zum zweitenmal also erlebte der Norden das Geheimnis des Feuers. Daß es den ältesten Menschen lange Zeit als heilig galt, ist aus der Religion ber inbogermanischen Perser, ist auch aus Weihrauchopfern ber Aegypter, Babylonier, Phö- niker genugsam bekannt. Feuer hat reinigenbe, be» freienbe Kraft, es leuchtet wie bie Sonne unb zünbet wie ber Blitz. So vielgestaltig die Einzelbräuche aller Weltgegenben fein mögen, fo oft seit ber Jüngeren Steinzeit selbst bie ältere Grablegung mieber ben Leichenbranb nieberfämpfte, gewisse Anzeichen einer reineren Jenseitsauffassung liegen gleichwohl in ber neuen Sitte unb lasten bie Annahme einer bloßen hygienischen Neuerung als platt erscheinen. Wenn ber Leichnam in ber Altsteinzeit unter bem Herbe verscharrt würbe ober als angfterregenber Wiebergänger gefesselt werben mußte, so barf man wohl bie Anlage großer Steinhäuser für eine vorgeschrittenere Stufe ansehen. Die altägyptische Religion kannte Weiterleben nach bem Tode nur bedingt durch Mumifizierung des Körpers. Mühsames Bergen in höhlenartigen Steinkamyiern sollte die Gestalt des Toten erhalten, dann war auch die Seele gesichert. Es ist Animismus: Seele fliegt körperbefreit in Traum und Tod, als feinstes stoffliches Gebilde, Feuer und Wasser fürchtend, als Seelenvogel davon und ruht auf der Spitze des Menhirs aus.
Die Verbrennung blieb bei allen orientalischen Völkern Vorderasiens und in fast ganz Afrika unbekannt. Bei den Indianern ist sie nachgewiesen. In Europa kommt sie im Einzelgebiet ber Bretagne unb in ihren Nachbarlanbschasten schon in ber Jungsteinzeit vor. Nach Mitteleuropa aber hat sie sich wohl vom Gebiet bes Dnjepr unb Dnjestr her verbreitet, denn hier tritt sie in aller Entschieben- heit etwa um 2500 v. Ehr. in bie Erscheinung. Sehr auffaUenb ist nun, baß ihr Aufkommen mit bem Eintritt ber Jnbogermanen in die Urgeschichte zusammenfällt unb baß bie inbogermanifchen Völker entferntester Gebiete, wie in Niebersachsen unb, Jnbien, sie wie ein gemeinsames Kulturgut hüten. Daß ber Leichenoerbrennung ein Glaube von der Befreiung der Seele aus unheiligtotem Leibe nach Reinigung durch das heilige Feuer innewohne, ist kein verstiegener Gedanke.
Und doch, welche Rätsel! Auf antiken Wagen finden wir ziemlich klare Bilder indogermanischer Scheiterhaufen. Erst allmählich haben sicher die Germanen die Kunst gelernt, mit holzeingehegtem
Sreifag, II. Juli 1956
Amt Reisen, Wandern, Urlaub, melden. Der Mel» düng ist die Festfolge beizulegen.
Ausländer
als Gäste des Gaues Heffen-Naffau.
NSG. Im Anschluß an den Freizeitkongreß In Hamburg reifen eine Anzahl Ausländergruppen durch Deutschland, um es kennenzulernen. Es han» beit sich hierbei vielfach um Trachten- und Volkstumsgruppen, die in Hamburg ihr Land vertreten haben.
In der Zeit vom 1. bis 5. August haben wir im Gau Heffen-Naffau eine Gruppe aus Jugoslawien in der Stärke von 35 Personen zu Gast. Ihnen folgen vom 4. bis 9. August Norweger mit 25 Personen und eine rumänische Gruppe von 30 Personen. Nach einem Stägigen Aufenthalt in unserem (Saugebiet fahren die beiden letzten Gruppen am 9. August zur Olympiade nach Berlin. Sie sind vorher Gäste der Gaue Süd-Han- nover-Braunschweig und Thüringen gewesen. Unsere sugoslawischen Gäste fahren am 5. August von hier aus in den Gau Kurmark und besuchen dann gleichfalls die Olympischen Spiele.
Der Gau Hessen-Nassau ist auch das Ziel einer Ehrenabordnung reichsdeutscher A r » beiter aus dem Ausland. 200 Mann treffen am 7. August mit dem Rheindampfer in Bingen ein. Am Abend wird ber Gauleiter selbst unsere Gäste auf ber Burg Klopp begrüßen. An- schließenb finbet auf Burg Klopp ein Rheinischer Abenb „Sommernacht am Rhein" statt. Dieses Sommernachtsfest wirb unseren Gästen einen Einblick in bie rheinische Fröhlichkeit unb ben Humor geben. Der Abenb finbet mit einer Anstrahlung ber Burg Klopp unb bes Nieberwalbbenkmals unb einem Höhenfeuerwerk vom Mäufeturm im Rhein unb auf ber Ruine Ehrenfels feinen Abschluß. Der 8. August gilt bem Besuch bes Nieberwalbbenkmals und ber Weinstabt Rübesheim. Anschsteßenb geht die Weiterfahrt nach Frankfurt über Wiesbaden, dessen Kurhaus, Kuranlage, Neroberg mit Opelbad besichtigt wird, Mainz und Rüsselsheim, wo den Opelwerken ein kurzer Besuch abgestattet wird. In Frankfurt wird zuerst die Altstadt mit ihren Sehenswürdigkeiten, wie Römer, Kaisersaal. Goethe- Haus usw. besichtigt. Abends findet ein Empfang durch die Stadt im Ratskeller statt, mit einem Besuch der Römerbergfestspiele.
Am 9. August fahren die auslandsdeutschen Gäste über die Reichsautobahn am Flug» und Luftschiff- Hafen „Rhein-Main" vorbei, der bei dieser Gelegenheit besichtigt wird, nach Heidelberg. Sie lernen also bie Straßen Abolf Hitlers auf ber ersten, bie gebaut würbe, kennen. In Heibelberg übernimmt bann ber Gau Baben unsere Gäste in seine Betreuung.
Schützt $lur und Ernte!
ZdR. Immer noch gehen Jahr für Jahr Millio- nen-Werte bem Volke burch böswillige ober unvorsichtige Beschädigung ber Fluren verloren. Wie oft muß man es z. B. beobachten, baß an ben Wege- ränbern bas betreibe zertrampelt ist. Nicht selten ganze Pfade führen durch bie Felder, nur weil es einige Fußgänger zu unbequem finden, den vorgeschriebenen Weg zu gehen. Wenn der Bauer unter Einsatz aller Kräfte bie Ernährung des Volkes ficherftellt, muß er es sich verbitten, baß auf diese Weise das tägliche Brot mit Füßen getreten wird. Ein übler Brauch ist es auch, daß Städter auf ihren Spaziergängen Sträucher von Obstbäumen abbrechen, um sie zu Hause in ein Glas zu stellen. Dadurch versündigt er sich nicht nur am Ertrag ber beutschen Scholle, fonbern verunziert in ber übelsten Weise bas schone beutsche Lanbschaftsbild. Nie- manb hat bas Recht, biefe Schönheit nur für sich in Anspruch zu nehmen, währenb taufenbe nach ihm sich über kahle Bäumchen unb lückenhafte Hecken ärgern müssen. Es ist rücksichtslos und maßlos anspruchsvoll, so bie Schönheiten ber Natur zu mißbrauchen. Den Volksgenossen wirb daburch manche stille Freube genommen unb ber Volkswirtschaft werben Schöben zugefügt, bie bei der not-
Feuer auf kleinem Raum und ohne großen Aufwand ihre Toten zu verbrennen, wie es neue Anschauung gebot. Entsprang ber Brauch bem Wunsch nach rascher Vernichtung unb Bannung ber Toten? Warb er einfach unter süböstlichem Sittenzwang übernommen? Dieser befreienbe Glaube konnte bocy wohl nicht erweckt werben ohne große religiöse Führernaturen, beren nie ausgezeichnete Namen für immer verklungen finb.
Oer Schöpfer der Kindergärten.
Der große deutsche Menschenerzieher Friedrich pröbel, dessen Todestag sich am 21. Juli wieder jährt und dessen Gedankengut heute noch in mehr als einer Hinsicht richtunggebend ist, widmete sich zunächst, nach einer harten und entbehrungsreichen Jugend dem Forstfach, später naturwissenschaftlichen Studien. Er wurde Lehrer an einer Pestalozzischen Knabenerziehungsanstalt, machte die Freiheitskriege im Lützowschen Freikorps mit und gründete 1816, nachdem er zunächst noch Inspektor am Königlichen Institut für Mineralogie in Berlin gewesen war, eine „Allgemeine deutsche Erziehungsanstalt", bie in kurzer Zeit einen lebhaften Aufschwung nahm. So sehen wir auch am Lebensweg biefes Mannes mieber, welch seltsam verschlungene Pfade der Mensch oft wandern muß, ehe er dort anlangt, wo das Genie ihn hinzwingt.
Das Neuartige feiner Erziehungsgrundsätze verkündete Frvbel zunächst in seiner gedankentiefen Schrift „Die Menfchenerziehun g", in der er „allseitige Forderung aller Menschenkräfte" forderte. Vornehmlich richtete Fröbel sein Augenmerk auf die Erziehung der Kinder im schulpflichtigen Alter, in ber er mit Recht bie Grunblage aller weiteren Erziehung erkannte. Sa grünbete er ben ersten „Kinbergarte n", eine Anstalt, in ber die Kinder durch planvoll abgestimmte Bewegungsund Geistesspiele ihrem Alter entsprechend vielseitig angeregt wurden, dabei aber in dauernder Berührung mit der Natur blieben.
Da seine Gedanken abseitig anerkannt wurden, ging Fröbel bald daran, ein Seminar für Kindergärtnerinnen zu gründen, um so den Fortbestand seines Gedankengutes zu sichern. Es traf ihn schwer, daß Preußen feine Kindergartenarbeit verbot, obwohl er nachweisen konnte, daß alle gegen ihn erhobenen Anschuldigungen gegenftanoslos waren. Fröbels Arbeit aber wirkte sich trotzdem überall segensreich aus, so daß sein Name heute aus der Geschichte des deutschen Erziehungswesens nicht mehr wegzudenten ist. K< z. L.


