Ausgabe 
17.6.1936
 
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sechzig Pfennigen für das Stuck wird sich eine Henne auf etwas über zwei Mark stellen. Die Jungtiere sind bereits so stark entwickelt, daß sie bestimmt noch vor Ablauf des Jahres mit dem Legegeschäft beginnen. Es handelt sich in der Hauptsache um die Sorte Amerikanisches Leghorn.

Kreis Stiebberg.

. Aus der mittleren Wetterau, 16. Juni. Infolge des Regenwetters in der ver­gangenen Woche drängen nun die landwirtschaft­lichen Arbeiten sehr. Die Kartoffeln schießen in die Höhe und müssen gehackt und gehäufelt werden. Höchste Zeit ist es, daß der Hederich und andere Unkräuter in der Sommerfrucht bekämpft werden. Dazu kommt noch das Vereinzeln und Pflanzen der Runkelrüben. So hat der Bauersmann alle Hände voll zu tun. Da auch die Gräser in den Wiesen in die Blüte treten, eilt es mit dem Heu-

schmtt. Von den Baumstücken wurde das erste Dörr- futter eingebracht. Hoffentlich hält nun das trockene Wetter an. Die starken Regenfälle hatten einzelne Kornacker zum Lagern gebracht, doch haben sich die Halme teils wieder gehoben, so daß doch noch me Erntemaschinen benutzt werden können. An Grunfutter herrscht bereits Ueberfluß, so daß viel Kleeheinzen aufgebracht und getrocknet wird. Auch wurde schon ein Teil des überschüssigen Futters eingesauert. Zuckerrüben, Mais und Flachs stehen prächtig. ° '

Kreis Alsfeld.

W 6 t t fassen. 15. Juni. Dieser Tage ereia- ne;C s § Jütf der Reichsstraße zwischen Rupperten- rod und Mucke ein Autounfall. Ein Personenwagen Anhänger stürzte um. Die Insassen erlitten glücklicherweise keine schweren Verletzungen. Es entstand allerdings erheblicher Sachschaden.

Die ISO-Zahrseier der Stadt Grünberg Organisation derSprenger-Kundgebung. - Endgültige Festlegung derFestfolge durch den Hauptausschuß.

+ Grunberg, 15. Juni. Rastlose, fast fieber­hafte Tätigkeit der Ausschüsse und insbesondere deren Sachbearbeiter kennzeichnet die letzte Spanne Zeit vor dem großen Grünberger Fest.

Am Freitagnachmittag fand im Sitzungssaal des Rathauses eine Besprechung über die Großkund­gebung am Festsonntag (28. Juni) statt, bei der ins- besondere der Gauleiter, Reichsstatthalter Spren- 6er, sprechen wird. An dieser Sitzung nahmen außer Bürgermeister Wagner und 'den Vor­sitzenden der einzelnen Festausschüsse, der Kreis­propagandaleiter Schmelz, der Kreiskassenwalter Delp, der Führer der 83. SS.-Standarte, Haupt­sturmführer Müller und einige Unterführer teil. Bei dieser Besprechung wurde der Verlauf der po­litischen Kundgebung endgültig festgelegt, die ent­gegen dem ursprünglichen Plan, der den Festplatz bei der Turnhalle hierfür vorsah, nunmehr auf dem Marktplatz am Rathaus stattfinden soll. Den Absperr- und Ordnungsdienst hierbei über­nimmt die SS.

Am gleichen Abend fand dann nochmals eine Sitzung des Hauptausschusses unter Vorsitz von Bürgermeister Wagner statt, bei der die Fest­folge mit den sich in der Nachmittagsbesprechung als notwendig erwiesenen Aenderungen endgültig festgelegt wurde. Das Fest verläuft nunmehr in folgender Weise:

Am Samstagabend (27, Juni) vereinigen sich die Grünberger mit den Festgästen zum großen

Festakt in der Turnhalle.

Während den ersten Teil des Abends Ansprachen des Bürgermeisters, des Archivrat C l e m m und Ministerialrat Ringshausen ausfüllen, bringt der zweite Teil die schon besprochenen lebenden Bildar in historischen Kostümen, die umrahmt und untetmalt werden von Musik- und Gesangsvorträ­gen aus diesen Zeiten. Nebenbei sei erwähnt, daß man für den Abschluß dieses Abends eine äußerst wirkungsvolle und unvergleichliche Szene gefun­den hat. Die künstlerische Leitung der lebenden Bilder liegt in den bewährten Händen des Inten­danten des Gießener Stadttheaters, Schultze- Griesheim.

Der Festsonntag (28. Juni) beginnt mit dem Wecken durch einen Spielmannszug. Nach dem

Festgottesdienst ist allen Festteilnehmern Gelegenheit geboten,

eine heimatliche Ausstellung im Rathaus unter Führung von Archivverwalter Schweißguth zu besichtigen.

Der Beginn der poli tischen Kundgebung wurde nunmehr auf 13.15 Uhr festgelegt.

Um 13.30 Uhr spricht dann Gauleiter Spren­ger. Die Kundgebung findet also vor dem Fest- zug und auf dem Marktplatz statt.

Hieran nehmen alle Gliederungen mit größeren oder kleineren Einheiten teil. Sofort nach Schluß der Kundgebung setzt sich dann der

historische Fesizug

vom Neustädter Tor aus in Bewegung. Er dürste in seiner prunkvollen Aufmachung wohl den äuße­ren Glanzpunkt des ganzen Festes bilden. Er durchzieht sämtliche Hauptstraßen der Stadt und wird sich auf dem Sportplatz an der Gießener Straße auflösen. Den Rest des Tages füllt dann das Volksfest auf dem Fe st platz hinter der Turnhalle aus. Der vom Sängerfest 1934 noch in gutem Andenken stehende Festwirt Dechert- Gießen hat auch diesmal die Festwirtschaft über­nommen.

Da man damit rechnen muß, daß die Turnhalle am Samstagabend nicht ausreichen wird, werden die lebenden Bilder am Sonntagabend wiederholt. Als Abschluß dieses Haupttages ist ein

großes Feuerwerk vom Diebslurm aus

vorgesehen. Der Montag ist als Jugend, und Volksfest vorgesehen. Nach dem Frühschoppen am Vormittag wird der Nachmittag Vorführungen von Schulgruppen bringen und als Volksfest aus­klingen.

Daß Grünberg mit starkem Besuch an diesen Festtagen rechnen kann, beweisen u. a. schon die zahlreich eingegangenen Zusagen der eingeladenen Ehrengäste. Führende Persönlichkeiten von Partei, Staat und Verwaltungen, darunter besonders von unserer Nachbarstadt Gießen, haben schon ihr Er­scheinen schriftlich zugesagt. Um den Verkehr be- wältigen zu können, hat die Reichsbahn am Fest- sonntag alle Vorkehrungen getroffen, auch ist die Ausgabe von Sonntagsfahrkarten nach Grünberg beantragt worden.

Jubiläumsfeier her Kleinkinderschule und der Krankenstation in Klein-Linden.

Klein-Linden, 15. Juni. Am Sonntag fei­erte unsere Gemeinde das 40jährige Bestehen der Kleinkinderschule und verband damit die Feier des 25jährigen Bestehens der hiesigen Krankenstation.

Der Festgottesdienst

am Vormittag hatte einen sehr starken Besuch aufzu- weisen. Er wurde mit dem Spiel des Posaunenchors Wie schön leuchtet der Morgenstern", einer Kom­position von I. S. Bach, eingeleitet. Den Altardienst versah unser Ortsgeistlicher, Pfarrer König, wäh- rend die Festpredigt von Pfarrer Hager aus Non­nenweier gehalten wurde. Er predigte über das ThemaJesus segnet die Kindlein", zeichnete den tieferen Sinn der Diakonie als Dienst am Worte

Gottes und im Auftrag Jesu Christi. Der Chor der Schwestern des Mutterhauses Nonnenweier, die in Gießen und Umgebung tätig sind, verschönten mit dem Chorvortrag des 23. PsalmDer Herr ist mein Hirte" die Feierstunde. Der Mädchen- und Frauen- chor unserer evangelischen Kirchengemeinde trug mit dem Vortrag des Psalm 103Lobe den Herrn, meine Seele" sein Teil zur Ausschmückung des Gottesdien­stes bei.

Unter den Klängen des Posaunenchors bewegte sich am Nachmittag ein

stattlicher Festzug

durch unser Dorf. Die Kinderschüler, die vielen Schwestern aus den benachbarten Gebieten, die El­

tern der Kinder, Kirchenvorstand, die Vorstände der Kinderschule und der Krankenstation und viele Ge­meindeglieder marschierten mit im Zug. Leider mußte infolge des einsetzenden Regens die Feier in die Kirche verlegt werden, weshalb auch die kleinen Festgäste ihre eingeübten Spiele nicht darbieten konnten. Der Ortsgeistliche, Pfarrer König, der Vorsitzende der Kleinkinderschule und der Kranken­station, grüßte mit dem Bibelwort aus 1. Johs. 4, Vers 16 bis 21, die Festgemeinde. Besondere Gruß­worte widmete er dem an der Feier teilnehmenden Herrn Dekan Sattler (Wieseck), ferner den Schwestern und Bürgermeister Fischer, dem er herzlichen Dank aussprach für das Jubiläumsgeschenk der Gemeinde. Die Gemeinde hatte nämlich das Kin- derschulgbäude neu Herrichten lassen. Pfarrer K ö - nig verlas auch noch die Glückwünsche zweier frü­herer Vorsitzenden der Stationen (Pfr. Ackermann, Nordheim im Ried und des Lic. Eidenmüller, Bü­dingen) und dankte allen Mitarbeitern am Fest. Be­sondere Worte der Anerkennung widmete er der der Feier beiwohnenden ersten Schuldienerin Frau Lina Andermann, die 25 Jahre in Treue der Sta­tion gedient hatte. Die jetzt noch lebenden Gründer ermahnte er, noch weiter mit Wort und Tat zur guten Sache zu stehen und ernannte sie zu Ehren­mitgliedern desVereins zur Förderung der Klein­kinderschule". Die Ehrung wurde folgenden Personen zuteil: Wilhelm Langsdorf I., Heinr. Ufer II., Wilhelm Jung III., Wilhelm Weigel II., Wilh. Weller II., Ludw. Theiß, Ludw. L u h II., Lud­wig Reifel, Kaspar Reuschling, Johs. Ge r - mer I., Jak. Fink, Ludw. Jung XII., Philipp Rinn III., Wilh. Holler, Georg Schön, Konr. Lotz, Kaspar Panzer, Phil. Bernhardt,

Ludw. Weigel XIII., Wilh. Germer II., Johs. Germer II., Phil. Volk I., Friedr. Lenz I. und Karl Hof.

Dekan Sattler brachte für beide Stationen bte Glückwünsche des Dekanats Gießen, des Propstes Drommershausen und des Landeskirchenaus­schusses und wies auf den hohen Sinn der christ­lichen Kleinkinderschule hin.

Als Vertreter des Mutterhauses Nonnenweier überbrachte Pfarrer Hager die Glückwünsche und erzählte einiges aus der Geschichte der Entstehung des Mutterhauses. Einen Bericht über die

Geschichte der Kleinkinderschule

in den verflossenen vier Jahrzehnten gab der der­zeitige Rechner der Station, Lehrer Rau. Er er­mahnte die anwesenden Eltern, das Werk, das unsere Alten einst mit vieler Mühe geschaffen hätten, zu unterstützen, damit es sich auch in der Zukunft weiterhin zum Segen von Familie, Volk und Vater­land auswirken möge. Das Fest fand noch eine be­sondere Bereicherung durch die Mitwirkung des Kirchenchors. Mit er Brezelverteilung an die Klei­nen fand der eigentliche Festakt seinen Abschluß.

Im Anschluß an die Feier versammelten sich die Schwestern, Vorstände und Gründer im Saal der Kinderschule zur Kaffeetafel, die inzwischen von Frauenhilfsmitgliedern festlich hergerichtet worden war. Die gastfreundlichen Gemeindeglieder hatten reichlich Kuchen gespendet, so daß auch der Alten und Armen des Dorfes gedacht werden konnte. Manches schöne Lied wurde noch gesungen und Er­innerungen aus der Gründungszeit ausgetauscht. Die Kollekte des Festes ergab die stattliche Summe von 76 Reichsmark.

Motorsturm l.ZDL 147 zum 2. Male Sieger im Wehrmannschießen.

Der Motorsturm 1/M 147 Gießen konnte bei dem auf den Schießständen des Schützenvereins e. V. Gießen zum Austrag gekommenen Volkspreisschießen den von ihm im Jahre 1935 errungenen Wander­preis für das Wehrmannschießen erfolgreich vertei­digen. Gelingt es nun der Mannschaft des Motor­sturms 1/M 147, im nächsten Jahre den wertvollen Wanderpreis zu gewinnen, so geht dieser in den end­gültigen Besitz des 1/M 147 Gießen über.

Olympia-Vorbereitungskurs für Fechter im Hochtaunu«.

In dieser Woche weilen 16 Olympia-Fechter im Luftkurort Schmitten, um sich hier zu erholen, gleichzeitig aber auch unter der Leitung der beiden

Reichstrainer, des ungarischen Säbelmeisters H o l lo s und des französischen Degenmeisters Duner« ney, für die am 2. August beginnenden olympischen Fecht-Wettkämpfe eifrig zu trainieren. Unter den 16 Olympia-Fechtern befinden sich bekannte Fechter- namen. Neben Erwin C a s m i r und Rosen- bauer ist Frankfurt und Offenbach mit weiteren sieben Fechtmeistern, darunter auch drei Frauen, vertreten. Berlin und Ulm haben je zwei Fechter entsandt, während aus Hamburg, Essen und Wies­baden je ein Fechter zum Olympia-Training in den Hbchtaunus gekommen ist.

*

Die Deutsche Olympiamannschaft für den Modernen Fünfkampf trug in Bad Eilsen gegen den Hannoverschen Fechtklub Degen-Mann- schaftskämpfe aus und gewann mit 36:12 bzw. 20:6 Punkten. Die Mannschaft tritt am Wochenende ge­gen die Degenfechter des MTV. Saarbrücken an.

Die Handball-Erfolge der Gießener Studenten in Heidelberg.

Universität Gießen Turniersleger.

Mit einer großen Sportveranstaltung, an der die Universitäten Bonn, Erlangen, Darmstadt (T. H.), Aachen, Heidelberg und Gießen teilnahmen, wurde die 550-Jahrfeier der Heidelberger Universität er­öffnet. In diesem Rahmen gelangte (wir berichte­ten bereits kurz darüber) ein Handballturnier zum Austrag, in dem die Gießener Mannschaft verdient Sieger wurde.

Am Samstagnachmittag sand bei großer Hitze das erste Spiel statt:

Universität Gießen T. h. Aachen 8:5 (3:4).

Dor einer stattlichen Zuschauermenge stellten sich beide Mannschaften dem Schiedsrichter, Gießen in der bewährten Aufstellung der letzten Spiele. Die Ueberraschung war groß, als es schon kurz nach Beginn 3:0 für Aachen stand, deren Sturm in un­erhörtem Tempo die Gießener Hintermannschaft, in der Grünig wieder einmal einen großen Tag hatte, einfach überrumpelte. Doch dann fjatte sich Gießen gefunden. Tor um Tor wurde aufgeholt. Bei Halb­zeit stand es nur noch 4:3 für Aachen. Groß war die Freude, als kurz nach Wiederbeginn der Halb­linke ausglich und sogar seine Mannschaft durch ein unhaltbares Tor in Führung brachte. Diese wurde dann auch bis zum Schluß nicht mehr abgegeben, und Gießen verließ als verdienter Sieger das Feld.

Der Sieg hätte höher ausfallen können, wenn dis Mannschaft sich eher gefunden hätte, nachher waren sie allerdings nicht mehr zu halten.

Am Sonntagmorgen,

Endspiel: Heidelberg Gießen 12:12 (7:6).

Hätte dieses Spiel am Sonntagnachmittag statt- gefunden, es wäre für die Gießener besser gewesen, denn die Zeitspanne zwischen den zwei sehr an­strengenden Spielen war etwas kurz. Es wollte nicht so recht klappen. Trotzdem mußte das Spiel unbedingt gewonnen werden. 7 bis 8 sichere Tor­gelegenheiten wurden ausgelassen. Die Heidelberger waren den Gießenern zwar nicht ebenbürtig, aber das ganze Spiel war sehr spannend, die Tordiffe­renz betrug meistens nur ein Tor, nachdem Gießen von 7:3 auf 7:6 aufgeholt hatte. Dadurch wurden die zahlreichen Zuschauer bis zur letzten Sekunde in Atem gehalten.

Bei Schluß der regulären Spielzeit stand das Spiel 11:11; in der an sich überflüssigen Verlänge­rung Gießen war durch besseres Torverhältnis vom Samstag her bereits Turniersieger gelang

m Puddingpuver

Feinkost-Päckchen N-j

Verfluchtes Gold!

Roman von 3- Schneider-Foerstl.

Urheberrecht: Verlag Oskar Meister, Werdau i. Sa.

1. Fortsetzung. Nachdruck verboten!

Ohne Zögern begann der junge Mensch darunter auszuwäylen. Im Nu war aufgebockt. Die Schrau­benschlüssel arbeiteten. Bald war das Hinterrad ausgewechselt und etwas später lag auch das vor­dere im Grase. Sie standen beide und sahen sich an. Schlimm?" fragte das Mädchen kleinmütig.

Na wenn Ihnen das an der Peripherie Münchens zustößt, ist es keine Kleinigkeit. Daß es hier geschah, ist unangenehm. Ich bringe das in Ordnung, so gut es geht und kutschiere Sie dann bis zur nächsten Ortschaft. Vor dort müssen Sie das Auto abschleppen lassen. Ich glaube nicht, daß der Mechaniker im Dorf die verbogene Achse aus- beulen kann."

Meinen Sie nicht, daß ich allein bis dahin komme?"

Kaum", lächelte er. Eine Reihe prächtiger Zähne kam dabei zum Vorschein.Sonst liegen Sie wo­möglich noch einmal im Straßengraben. Es wird nur auf diesem Abschnitt hier gearbeitet. Sie hätten also auch keine Hilfe, wenn sich das Miß­geschick wiederholen sollte?

Ja", sagte sie gehorsam.Dann bitte!"

Der junge Mensch sprach etwas zu seinen Ka­meraden. Fünf Paar Hände griffen mit an. Trotz­dem dauerte es eine halbe Stunde, bis das Vor­derrad wieder einigermaßen richttg faß. Dann öff­nete er den Schlag, setzte sich ans Lenkrad und wartete, bis Maria Terry neben ihm Platz ge­nommen hatte.

Maria empfand ein beglückendes Gefühl, als der Motor lief. Sie winkte noch rasch einen Arbeiter herbei, druckte ihm einen Zwanzigmarkschein in die Hand, vernahm dessen erfreutesDanke!" und horchte wieder auf den Motor, der den Wagen fcngjam in Bewegung setzte.

Das war zuviel", sagte der junge Mann, das Lenkrad vorsichtig nach der linken Seite drehend.

Das Geld?"

Ja!"

Ich habe es gern gegeben. Mir liegt ja alles daran, nicht auf der Straße liegenbleiben zu müssen. Gott, wie das schlingert!"

Es war in der Tat ein ungemütliches Fahren. Die Straße war von Rinnen übersät, so daß es wie ein kleines Erdbeben wirkte, wenn die Räder darüberhopsten. Bei jeder Kurve bockte die Steue­rung. Alle paar Kilometer mußten sie Benzin in den vorderen Behälter füllen, weil die Zufuhr ge­stört war.

Trotzdem war Maria Terry bester Laune. Ging es auch sehr langsam, vorwärts ging es doch. Und der junge Menscy neben ihr war die Ruhe selbst. Sie sind wohl gelernter Chauffeur?" fragte sie und bereute die Frage, als er hellauf lachte.

Ich wollte, ich wär's! Ich bin aber nur Medi­ziner: neuntes Semester. Da liegt mir eben das Kurieren. Das ist alles. Sehen Sie nur, wie er näher kommt." Dabei lachte er dem Kirchturm zu, der jetzt wie ein großer Fliegenpilz geradewegs auf dem Hügel vor ihnen faß.

Sie hatte die Stirn gerunzelt und blickte ihn von der Seite an.Wie kommen Sie als Mediziner zum Straßenbau?"

Diesmal lacht er nicht, sondern erwiderte ernst: Um mir das Geld für das nächste Semester zu verdienen.--Nun bockt er schon wieder!" rief

er ärgerlich, riß den Schlag auf und sprang heraus. Man hatte vor kaum einem halben Kilometer Ben­zin nachgefüllt. Er legte die Hand gegen bas rechte Vorderrad und sagte besorgt:Fühlen Sie nur: ganz heiß."

Nur bis zur nächsten Ortschaft, wenns noch ginge," bat sie verzagt.Glauben Sie, daß es geht?"

Erst nach langen Versuchen sprang der Motor wieder an. Das Tempo wurde noch langsamer. Der junge Mann versuchte jeder Rille auszuweichen, balancierte nach rechts, nach links, der Mitte zu und wieder nach dem rechten Straßenrand hinüber zu allem Ueberfluß ging es jetzt auch noch bergauf. Endlich war man oben.

Das Dorf lag behäbig und in freundlicher Abend- [timmung in eine Mulde gebreitet. Der Kirchturm sah nun gar nicht mehr fliegenpilzahnlich aus, son­dern reckte sich in ansehnlicher Größe. Saubere Hau- fer schoben sich links und rechts an die Straße her­

an. Staunende Augen guckten dem Wagen nach, der so unglaublich langsam durch die Ortschaft fuhr.

Die Reparaturwerkstätte war klein und versprach nicht allzuviel Hilfe. Immerhin war es besser als nichts. Auf Marias Frage, ob nicht jemand vor­gesprochen hätte, daß man ihr einen Mechaniker entgegenschickte, erklärte man ihr, das wäre wohl der Fall gewesen, aber der Meister sei in der Stadt und der Gehilfe auswärts.

Maria Terry blickte nach ihrem Begleiter, der sich eben zum Gehen anschickte und hielt ihn am Aermel zurück.Bitte, lassen Sie mich jetzt nicht im Stich! Glauben Sie, daß ich hier übernachten kann? Herr--Herr"

Rolf Steffen!" sagte er mit leichter Verneigung. Gasthaus oder Privat?"

Privat wäre mir lieber."

Er zögerte einen Augenblick, blickte ihr forschend in die Augen und sprach leicht verlegen.Wenn es Ihnen bei meiner Mutter gut genug wäre?"

Sie haben Ihre Mutter hier?"

3a!"

Ach, dann bitte!" Sie wandte sich schon zum Gehen, machte noch einen Schritt zur Werkstätte hin und sagte, daß sie den Wagen vorläufig hier stehenlassen würde. Wenn der Meister nach Hause käme, möchte er nachsehen, woran es fehle und den Schaden dann reparieren, so gut es eben gehe. Morgn früh würde sie dann wieder nachschauen kommen.Und nun bitte zu Ihrer Mutter, Herr Steffen. Ich glaube, ich bin wirklich ein bißchen mitgenommen?

Ein wundersames Erlebnis: eine Dorfstraße des Abends, durch die man nicht im Fünfzigkilometer, tempo* fährt. Schlicht und ruhig, von letztem Son- nengold überflutet, lag sie zwischen den blau-, rot- und gelbgetünchten Häusern, von denen schwere Gir­landen hangender Geranien über Fenster und Bal- tone fielen. Gäßchen schlängelten sich gemütlich nach links und rechts. Man hörte einen Bach gurgeln, der eine Mühle trieb. Sie schnarchte in die Stille, wie ein Riese, der sich überarbeitet hat.

Hier bitte!"

Ohne daß Maria Terry es gemerkt hatte, waren sie von der Hauptsttaße abgebogen und standen nun vor einer gaisblattüberwucherten Gartentür, die sich quietschend in den Angeln drehte >

Und hinter dem sauber gekiesten Weg ein Häus­chen, auch wie das (Bartentor: grün überwuchert, daß kaum noch die Sonne Platz hatte, sich in den Fensterscheiben zu spiegeln.

Gott, wie niedlich!" Maria mußte stehenbleiben und den Anblick auf sich wirken lassen.Welch ein entzückendes Zuhause!"

Steffen ging voran und öffnete die Tür.Mutter!", rief er in den dämmrigen Flur.--Mutter!"

Ein leichter Schritt kam die verschlungene Treppe herab.Sv früh schon, mein Bub? Ich habe eben an dich gedacht!"

Erlaube, Mutter." Rolf machte ein paar Schritte auf sie zu.Die Dame hier hat Unglück mit dem Wagen gehabt. Wir haben ihn bis hierher bugsiert. Weiter ging es nicht mehr. Kann das Fräulein bei uns zur Nacht bleiben?"

Maria war Steffen mit langsamen Schritten nachgegangen und verneigte sich leicht.Verzeihen Sie, daß ich so unbescheiden bin, um Ihre Gast­freundschaft zu bitten. Es ist nur für die eine Nacht", fetzte sie hinzu.Ich habe ein bißchen Scheu vor unbekannten Gasthäusern." Merkwürdig, dachte Maria, daß ich mit diesem Frauenantlitz gegenüber jedes Wort abpressen muß. Die Augen van Rolf Steffens Mutter waren so groß und for- schend auf sie gerichtet und blickten ihr so abroei- send entgegen, daß sie glaubte, auch der geheimste Gedanke müsse vor ihr offenbar werden.

Erst als Frau Steffen sprach, löste sich der Bann. Ihre Stimme war voll Güte, als sie jetzt mit einem gewinnenden Lächeln Antwort gab:Selbst­verständlich können Sie bleiben. Es ist zwar etwas klein bei uns, aber das nehmen Sie sicher für eine Nacht gern mit in Kauf. Wollen Sie sich waschen? Vielleicht auch umkleiden? Ich führe Sie gleich in unser Gastzimmer.

Mein Koffer ist noch im Wagen," sagte Maria.

Ich hole ihn", versprach Rolf schnell.

Die beiden Frauen schritten hintereinander die Treppe hinauf. Es war wirklich wie in einem Puppenhaus, ganz klein und zierlich: der schmale (Bang, die niederen Türen, von denen die eine offenstand und den Blick in ein entzückendes Stüd« chen frei ließ. Die Decke war kaum armhoch über den Köpfen. Maria kam in Versuchung, die HanÜ hochzustrecken, ob sie bis oben reichen könne.

(Fortsetzung folgt!)