Ausgabe 
17.4.1936
 
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Deutsche Arbeitsfront.

Mrtfchaftskundttche Studienfahrt im Gau Hessen-Nassau.

Die Gauwaltung der RBG. 6Eisen und Metall" hat für das Gaugebiet eine Fahrt durch die hessischen Metall-Jndu st rien geplant mit dem Titel:Vom Erz zum Erzeugnis". Sie umfaßt 7 Tage von Montag, 11. Mai, vor­mittags 9 Uhr, bis Sonntag, 17. Mai, abends 18 Uhr. Die Gebühr beträgt 30 Mk. einschl. Fahrt, guter Hoteloerpflegung (3 Mahlzeiten) und Ueber- nachten in Hotels und Gasthäusern

Die vorgesehenen 30 Teilnehmer fahren am ersten Tage mit Autobus ab Frankfurt nach Wetzlar. Nach der Einnahme des Mittagessens erfolgt die erste Führung durch das Hüttenwerk und Walz­werkBuderus" in Wetzlar mit einem Vor­trag:Gewinnung und Verhüttung der Eisen- und Metallerze". Besichtigung der Stadt, Abendessen und Kameradschaftsabend beschließen den Tag.

Am zweiten Tag Besichtigung der Leitz- Werke mit VortragDie Optische Industrie Deutschlands". Nach dem Mittagessen Fahrt in die Umgebung von Wetzlar, anschließend Fahrt nach Limburg, wo auch übernachtet wird.

Nach der Stadtbesichtigung und des Limburger Domes wird am dritten Tag nach Rüdesheim gefahren; von dort Ausflug auf das Niederwald- Denkmal, Kameradschaftsabend und Kostproben des Rüdesheimer Weines.

Am vierten Tag Fahrt am schönen Rhein ent­lang. Besichtigung der Clycol - Metallwerke in Schi erst ein und einer Schiffswerft in Mainz- Cast e l. Das Mittagessen wird in Wiesbaden ein­genommen und auch da übernachtet. Der Nach­mittag steht zum Besuch der heißen Quellen, Kuran­lagen und Ausflug auf den Neroberg zur Verfügung.

Früh um 8 Uhr des fünften Tages bringt der Autobus die Teilnehmer nach Mainz-Gustavs, bürg, Besichtigung der MAN - Maschinenfabrik, dann Fahrt nach Rüsselsheim, Einnahme des Mittagessens, anschließend Führung durch die ge­samten Opel-Werke, mit ihrer mustergültigen serien­mäßigen Automobil - Herstellung. Rückfahrt noch Frankfurt, Nachtessen und Kameradschaftsabend mit den Mitarbeitern der Gaudienststelle der RBG. Eisen und Metall".

Am Samstag, 6. Tag, vormittags Besichtigung einiger bedeutender Betriebe in Frankfurt und der Gemeinschastslehrwerkstätte der DAF. Nach dem Mittagessen Fahrt zum neueröffneten Flug­hafen, Besichtigung der Zeppelinhalle, Fahrt auf der Autobahn FrankfurtDarmstadt. Nach dem Nachtessen Gemeinschaftsausgang nach dem histori­schen Sachsenhausen zum traditionellen Aepfelwein.

Sonntag ftüh, am 7. und letzten Tag, finden sich die Teilnehmer zur Besichtigung der Altstadt, Rö­mer, Kaisersaol, Dom und Museum. Nach dem Mittagessen Besichtigung der neueröffneten dritten Reichsnährstands-Ausstellung auf dem Festhallen­gelände, in welcher die neuesten landwirtschaftlichen Maschinen und Geräte gezeigt werden. Nach dem gemeinsamen Nachtessen ist die Fahrt beendet, die Teilnehmer können am Sonntagabend die Rückreise antreten.

Anmeldungen müssen bis 23. April an die Ab­teilung für Arbeitsführung und Berufserziehung der DAF-, Gießen, Schanzenstraße 18, Zimmer 5, Telefon 3275, erfolgen.

Lebensmittel -Opfern» g der Ortsgruppe Gießen-Ost.

Die Sammlung wird Dienstag, 21., und Mitt­woch, 22. April von der NS.-Frauenschaft durch­geführt. Die Mitglieder wollen die Pfundpäckchen bereit halten und den Inhalt außen sichtbar an­geben.

Anzeigepflicht für Motore.

Die Polizeidirektton Gießen teilt uns mit:

Es besteht Veranlassung, die Gewerbetreibenden auf die Besttnrmungen der Polizeiverordnung vom 10. Juli 1907 über die Anzeigepflicht der Motoren

aufmerksam zu machen und auf deren Befolaung hinzuweisen. Noch § 1 dieser Verordnung hat jeder Gewerbetreibende, in dessen Werkstatt ein durch ele­mentare Kraft (Dampf, Gas, Wasser, Luft, Elektri­zität usw.) bewegtes Triebwerk, ohne Rücksicht auf dessen Umfang, zur Verwendung kommt, die erfolgte Aufstellung und Inbetriebnahme innerhalb 8 Tagen nach Beginn der letzteren der Ortspolizeibehörde (Polizeidirektton) anzuzeigen. Die Nichtbeachtung dieser Vorschrift hat Geldstrafen zur Folge.

Die dcutfthc Arbeitsfront n.9.=6emeinf(haftKraft durch frcuöc"

Die für Sonntag, 19. April, angesetzte Wanderung nach Gleiberg Krofdorf Gleibachtal- Wiß­mar Launsbach ist auf Sonntag, 26. April, ver­

legt. Die Betriebswarte wollen entsprechende An­schläge in ihren Betrieben anbringen.

** Verkehrsunfall glimpflich abge- laufen. Gestern gegen 17.30 Uhr ereignete sich am Selterstor ein Verkehrsunfall, der verhängnisvolle Folgen nach sich ziehen konnte. Ein Lastkraftwagen, der einen Personenwagen schleppte, bog aus der Frankfurter Straße nach rechts in den Hmdenburg- wall ein. Dabei erwies sich, daß die Steuerung des Personenwagens nicht in Ordnung war. Der 93er- sonenwagen fuhr dadurch auf den Gehsteig, auf dem im gleichen Augenblick eine Frau mit einem Kinder­wagen angefahren kam. Der Kinderwagen wurde von dem Auto umgestoßen, das Kind fiel heraus, erlitt dabei jedoch keinerlei Verletzungen. Auch die Frau kam mit dem Schrecken davon.

AS.-Fmuenschast im Dienste der Landsrau.

praktische Nutznießung aus Winterschulungskursen.

Im Frühjahr, wenn die Bestellung der Felder beginnt und wenn alle Bäume Knospen tragen, dann beginnt für den Bauer ein neues arbeits­reiches Jahr. Auch die Bäuerin findet viel Arbeit draußen in Garten und Feld. Der Hausgarten muß gepflegt werden, denn er soll reichlich Früchte tra­gen im Sommer und Herbst, die auch noch für den Winter einen Teil der Ernährung bilden. Gerade für die Bäuerin ist die Vorratswirtschaft von beson­derer Bedeutung, denn ihr stehen nicht die Kühl­häuser der großen Städte zur Verfügung, die der Stadtfrau ständig Gemüse liefern auch in gemüse­armen Zeiten.

Die Landfrau hat einen Winter voller Anregun­gen hinter sich. In den Heimabenden der N S. - Frauenschaft, die sie vielfach nur in den Wintermonaten besuchen kann, da sich im Sommer keine Zeit findet zu einer stillen Stunde, hat sie auf allen Gebieten ihres Lebens reiche Anregung erhalten. Im Sommer kann das Gelernte verwer­tet werden.

Die Winterkurfe der Mütterfchulung sind in den ländlichen Kreisen abgeschlossen. Das will nicht heißen, daß es nicht auch Sommer­kurse gibt, aber die Bäuerin, die einem ganzen Haus und Hof vorstehen muß, findet im Sommer kaum Zeit zum regelmäßigen Besuch eines Mütter­schulungskurses. Das im Winter Gelernte muß nun

seine Früchte tragen. Die Pflege des Säuglings ist gar kein so schwieriges Kapitel mehr für die junge Frau und wenn ihre Kinder nicht gehorchen wollen, wenn sie einmal nicht weiß, wie em schwer erziehbarer Junge zu behandeln ist, dann fallen ihr fo manche goldene Worte ein, die die Wanderleh­rerin im Winter im Erziehungskurs sagte.

Auch die AbteilungVolkswirtschaft Hauswirtschaft" hat sich bemüht, den Winter über in unzähligen Kursen und Vorträgen der Frau das nötige Rüstzeug mitzugeben für ihre Haushaltsarbeiten im Sommer. Die Hauptsache für jede deutsche Hausfrau, und das haben im Winter alle gelernt, ist, daß sie sich immer einzustellen weiß auf ote jeweiligen Bedürfnisse des Mark- t e s. Das gilt für die Landfrau nicht weniger als für die Stadtfrau. Wenn sie nun im Frühjahr ihren Hausgarten bestellt, dann wird sie ihn mit ganz anderen Gedanken einrichten als das früher der Fall war, denn sie weiß, daß der kleine Garten um ihr Haus sogar von Bedeutung ist für die große Ernährungslage des ganzen deutschen Volkes. Nach so viel Anregung des Winters, um die die Gedan­ken bei der Arbeit gern kreisen und nach manchem schönen Abend im Kreise der Frauenschaft bleibt die dankbare Erinnerung an die schönen Stunden des Winters.

Schmückt die Fenster mit Blumenkästen.

Bei der Anbringung von Blumenkästen wird mei­stens zu wenig an die Wachstumsbedingungen der Pflanzen gedacht, von denen wir doch wünschen, daß sie sich freudig entwickeln und reich blühen. In praller Südsonne aber, in einem ausgedörrten schmalen Kästchen, kann keine Pflanze gedeihen, ebenso wenig wie in einer zugigen Nord- oder Nordwestecke. Man muß immer daran denken, daß Fenster- und Balkonblumenkästen sehr viel mehr dem trocknenden Wind und dem Zug ausgesetzt sind als wenn sie auf ebener Erde stehen würden.

Welches sind die besten Blumenbehälter für Fensterbretter und Balkone? Der nicht sehr sachver­ständige Blumenfreund wird sofort sagen, daß dies die jetzt verhältnismäßig billigen Tonschalen sind, weil sie dem Blumentopf am nächsten kommen, po­röse Wände haben und so eine gute Durchlüftung der Erde erlauben und andererseits bei zu starkem Gießen alles überschüssige Wasser abtropfen lassen. Ganz stimmt das aber nicht, vor allem schon dann nicht, wenn diese Tonschalen zu schmal und zu flach gewählt werden, was fast immer der Fall ist. Wenn sie auf einem Balkon noch in einen Holz­kasten gestellt werden und man dann den Zwischen­raum zwischen Tonschale und Holzkasten mit feuch­tem Moos auspolstern würde, dann allerdings kämen sie dem Ideal am nächsten. Für Fensterbret­ter haben sich bisher stabile Holzkästen durchaus

bewährt, die aber innen keinen Anstrich mit Teer, Karbolineum oder Firnis erhalten dürfen. Will man sie haltbar machen, dann kohle man sie mit der Lötlampe innen an. Holzkästen sind deshalb so gut, weil sie verhältnismäßig dickwandig sind, Holz ein schlechter Wärmeleiter ist und daher der Wind und die aufprallende Sonne keine so starke austrocknende und erhitzende Wirkung haben können.

Niemals darf man die Maße für Fensterkästen zu klein wählen. Unter 2530 Zentimeter Tiefe und 2025 Zentimeter Breite sollte man nicht herun­tergehen. Es sind dann die Wurzeln zu sehr der Gefahr des Vertrocknens ausgesetzt.

Durchaus bewährt haben sich auch Blechkästen, wenn sie aus genügend starkem Blech vom Klemp­ner hergestellt werden. Bei chnen ist unbedingt nötig, daß sie noch mehr Abzugslöcher als Holz- kästen haben, die vor dem Befüllen mit Erde mit Scherben abgedeckt werden, damit alles überschüssige Wasser abziehen kann. Der Vorteil der Blechkästen besteht in der fast unbegrenzten Haltbarkeit, ihr Nachteil in der Dünnwandigkeit, weil dann die Sonne sehr stark einwirken kann. Ein teilweiser Ausgleich kann dadurch geschaffen werden, daß man einen hellen Anstrich anbringt und innen Bretter zwischen Erde und Kastenwand einschiebt.

Oie Tippgräfin.

Vornan von Klothilde v Stegmann.

Urheberrechtsschutz: Aufwärts-Derlag, Berlin. SW 68.

39 Fortsetzung. Nachdruck verboten k

Renate Trotha kletterte inzwischen auf dem Ge­mäuer des niedergebrannten Grundstücks in Karls- Horst umher. Jago erwies sich wieder als sehr an­hänglich er ließ seine Herrin auch nicht einen Augenblick allein.

Mein Gott, Kollegin, seit wann interessieren Sie sich denn für Brandschäden von anderem als beruf­lichem Standpunkt aus?" lachte ein Kameramann sie an, als sie mit ihrem ausgezogenen Stativ in den Resten des einst so schönen Hauses umher- ftocherte.Sind Sie auf Schatzgrabung aus, auf Reste des Gellernfchen Familienschmucks, der ja wohl einst hierher gehörte?"

Kann wohl fein!" sagte Renate tiefsinnig und stocherte weiter. Sie wußte eigentlich selbst- nicht, warum sie das tat. Da kam schweifwedelnd Jago angesprungen und zerrte Renate aufgeregt mit sich. Kopfschüttelnd folgte sie ihm.

An einer anderen Ecke des Trümmerhaufens ließ er sie stehen. Dann holte er triumphierend einen kleinen, halb verkohlten Schuh hervor, den er ausgegraben hatte. Mariellas Parfüm haftete ihm noch an, und das hatte den Hund wohl auf die Spur gebracht.

Such weiter, mein Hund, such weiter!" Jagos Jagdfieber war jetzt auch auf feine Herrin über- gesprungen. Vorsichtig sah sie sich um an diesem Teil der Brandstätte war kein menschliches Wesen zu entdecken.

Das nächste, was Jago zutage förderte, war ein Briefumschlag, leer und halb verbrannt. Doch die Aufschrift, die er trug, war noch lesbar und be­fremdend zugleich:

Meiner geliebten Tochter an ihrem einundzwan- zigsten Geburtstage auszuhändigen von ihrem Vater...", stand darauf.

Ein Gruß Bonaglias aus dem Grabe? Hatte Mariella ihn an jenem ereignisreichen Tage wirk­lich von Annina erhalten und vergessen, ihn zu lesen? Oder kannte sie den Inhalt des Schreibens und wollte mit niemandem darüber sprechen, weil er ihr heilig war als Botschaft des Vaters, den sie feit Jahren betrauerte? Schnell ließ Renate das Stückchen Papier in ihre Tasche gleiten. Dabei sah sie auf ihre Uhr und stellte fest, daß sie sich beeilen müsse, wenn sie ihre Ausnahmen von der Brand­stätte noch rechtzeitig abliefern wollte.

,Komm, Jago!" Sie pfiff dem Hund, der ihr nur widerwillig folgte. Hätte sie ihn nur noch Sekun­den weiterschnüffeln lassen, so hätte er das Schrei­ben zutage gefördert, das Annina ihrer Pflegetoch­

ter aushändigen sollte, wenn diese siebzehn Jahre alt geworden war. Ein goldenes Schlüsselchen zu der Kasiette, die den Schmuck der Bonaglia barg, war ihm beigeschlossen.

Es war am Abend dieses ereignisreichen Tages. Mariella war allein in Renates Wohnzimmer. Sie glaubte die Freundin in der Dunkelkammer, unten im Keller. Mariella saß am Flügel. Sie hatte lange nicht gesungen. Aber heute überkam eine unend­liche Sehnsucht nach ihrer geliebten Musik das ein­same Mädchen. Sie blätterte in ihren Noten. End­lich hatte sie gefunden, was sie suchte:Sttll rote die Nacht, tief wie das Meer soll unsere Liebe sein." Mit tiefer Inbrunst fang sie; ihre klare, warme Altstimme schwang durch den Raum. Sang sie nun für den toten Geliebten, an den sie noch immer glaubte? Oder fang sie für etwas, was ihr selbst noch unbekannt und geheimnisvoll war? Sie wußte es nicht. Sie wußte nur, daß sie fingen mußte, um diese tiefe Sehnsucht ihres Herzens zu bannen.

Im Nebenzimmer faß regungslos Renate. Ma­riella sollte nicht wissen, daß sie sie belauschte. Denn so ganz aus sich heraus ging Mariella doch nur, wennz sie sich ganz allein wähnte. Renate wollte sie dieser Wohltat nicht berauben.

Ein jähes Klingeln der Hausglocke ließ die bei­den träumenden Mädchen auffahren. Jago, der friedlich hingestreckt an Mariellas Seite gelegen hatte knurrte böfe auf.

Renate schritt mit dem Hund in den nächtlichen Garten hinaus Mariella aber kehrte langsam in die Wirklichkeit zurück. Wer mochte da zu später Stunde noch Einlaß begehren? Angstvoll preßte sie die Hände auf das klopfende Herz. Sie fürchtete jetzt immer irgendein Unheil. Oder kam irgendein verspäteter Besuch zu Renate? Sie sah an sich herunter. Würde sie sich so zeigen können? Sie hatte einen Hausanzug aus mattgelbem, seidenem Stoff an, dessen breite Beinkleider fast wie ein Rock fielen. Darüber trug sie ein gelb-blau gestreiftes kleines Blüschen, das die schlanken Arme und den zarten Hals freigab. Eine mattrosa Korallenkette lag um den Hals. Sie wußte nicht, wie lieblich sie aussah.

Gespannt horchte sie auf die leisen Stimmen an der Gartenpforte. Aber sie konnte nichts verstehen. Denn Renate sprach draußen leise mit einem sehr stattlichen, vornehmen Herrn, der sie nachder Con­tessa Maria Novelli" befragte. Erft als er sich ein­wandfrei vor den unbestechlichen Augen Renates legitimiert und ihr versichert hatte, daß er nur das Beste ihrer Freundin wolle, öffnete sie. Nun ging sie mit dem Herzog der Abruzzen, dessen Detektiv in wenigen Stunden Maria Novellis neues Heim ermittelt, in ihr Haus zurück.

Wollen Sie hier ein wenig warten, Hoheit!" bat sie leise und wies in ihrem Arbeitszimmer auf

einen Sessel. Dann ging sie hinein zu Mariella. Die fragte erstaunt:

Renate, wer wollte denn jetzt so spät noch etwas von uns?"

Herzog Enrico lauschte. Da war sie wieder, die süße, weiche Mädchenstimme mit dem ganz leisen, fremden Akzent, die ihn bis zu diesem Augenblick unaufhörlich verfolgt hatte. Jetzt hörte er Renate sagen:

Ein Herr ist hier, der dich sprechen möchte, Klei­nes! Er bringt dir Grüße aus deiner Heimat!"

Renates Stimme klang freudig erregt. Sie um­faßte Mariella und führte sie langsam dem Zim­mer zu, in dem der Herzog wartete.

Oh aus meiner Heimat? Gibt es dort noch Menschen, die mich kennen mich, die Tipp- gräsin?"

Wie wehmutsvoll das zitternde Sttmmchen klang!

Das muß sie sein sie hat die Sttmme ihrer Mutter. Daß ich das nicht gleich spürte!"

Der Herzog wußte nicht, daß er diese Worte in seiner Erregung laut gesprochen hatte. Aber Ma­riella hatte sie gehört. Zitternd trat sie über die Schwelle und sah den Fremden fassungslos an. Sie erkannte sofort in ihm den Herzog wieder, den sie heute morgen vor dem Objektiv gehabt. Abermals kamen ihr Worte ihrer Muttersprache auf die Lip­pen, als sie seinen Gruß erwiderte:

Buona sera, Altezza! Guten Abend, Hoheit! Was führt Sie so spät zu uns?"

Mit ehrerbietiger Verbeugung begrüßte Herzog Enrico Mariella.

Nun erschien auch Renate. Liebevoll umfaßte sie Mariella, und der Herzog nahm mit Entzücken das schöne Bild dieser beiden Freundinnen in sich auf: Mariellas in ihrer zierlichen, überirdischen Schönheit, Renate in ihrer stolzen, reiferen Weib­lichkeit, mit dem ernsten, klugen Antlitz und der hohen, ebenmäßigen Gestalt, die in dem Hausanzug von roeinrotem, weichem Stoff sich plastisch abhob.

Liebling", sagte Renate zu Mariella.Seine Durchlaucht, der Herzog, hat dir sehr viel Wichtiges zu sagen! Vertraue dich ihm ganz an. Aber ich glaube, was er dir mitzuteilen hat, wird keinen Zeugen dulden. Ick bin unten in der Küche, wenn ihr mich ruft. Ich Denke, es wird ziemlich spät wer­den, bis Seine Durchlaucht dir alles gesagt hat. Da werde ich inzwischen für einen Mokka sorgen."

Fort war sie, ehe der Herzog und Mariella sie aufhalten konnten. Scheu sah Mariella Enrico an. Der sagte gütig:

Fassen Sie sich zunächst, mein Kind!" Er sprach italienisch und, als müsse es so sein, die kleine Principessa antwortete ihm ebenso.

Lassen Sie die Maske fallen, Principessa!" setzte er hinzu. Er ließ sie nicht aus den Augen und sah wohl ihr erregtes Zusammenzucken, als er ihr den Titel gab, der ihr gebührte.Ich weiß seit zwei Stunden, daß Sie Mariella di Bonaglia und das

Oberhessen.

Diamantene Hochzeit in Großen-Buseck

wg. Großen-Buseck, 17. April. Die Ehe« leute Landwirt Lorenz Balthasar Harbach und Frau Rosine, geb. Pfeiffer, Weidengasse 2, können am heutigen Freitag, 17. April, bei guter Gesund« heit das seltene Fest der DiamantenenHoch« zeit feiern. 60 Jahre ging das Jubelpaar gemein­sam durch das Leben, das beiden viel Freude, aber auch manches Leid gebracht hat. Das Ehepaar ver­lor einen Sohn im Felde. Der Jubilar wurde mehr­mals durch Unfälle heimgesucht. Beide Gatten haben immer den Kopf oben behalten. Noch heute wissen sich die hochbetagten Leute, mit kleiner Arbeit in Haus und Hof nützlich zu machen.

Canöfrete Gießen.

> Odenhaufen a. d. Ld a., 16. April. Am kommenden Sonntag werden unsere hiesigen Kon­firmanden eingesegnet. Aus der Schule kommen 3 Knaben und 5 Mädchen zur Entlassuna. An Abc- schützen wurden 15 Kinder, 5 Knaben und 10 Mäd- chen, in die Schule ausgenommen. In letzter Zeit machen sich in unserer Gegend Wild­schweine bemerkbar. Heute gelang es dem Förster Lang einen der Schwarzkittel xxi erlegen.

> Aus dem unteren Lumdatal, 16. Apnl. Infolge der günstigen Witterung zeigt die W i n t e r- frucht auch in unserer Gegend gute Entwicklung. Auch die Sommerfrucht geht gut auf. Kl e e und Wiesengras zeigen gleichfalls einen schönen Stand. Hier und da werden schon Frühkartof« fe l n gesteckt. Das Bespritzen der Obstbäume zur Bekämpfung der tierischen und pflanzlichen Schäd­linge ist allenthalben durchgeführt.

* Beuern, 17. April. Die hiesige Einwohnerin Frau Margarete ©paar erlitt eine schwere Knie­gelenkverletzung und mußte zur Behandlung in die Chirurgische Klinik nach Gießen gebracht werden.

5 Steinbach, 16. April. Am heutigen Tage feiern unser Forster Karl Becker und seine Ehe­frau Eleonore, geb. Balser, das Fest der silber­nen Hochzeit.

# Leihgestern, 17. April. Die Feier ihrer silbernen Hochzeit können am heutigen Freitag die Eheleute Hofbediensteter Karl Gremm und Frau Katharine geb. Bepler, auf Neuhof, be­gehen.

* Lang-Göns, 17. April. Der hiesige Land­wirt Karl Weil kam schwer zu Schaden. Durch einen unglücklichen Sturz erlitt er einen Ober« schenk elbruch und mußte zur Behandlung in die Klinik nach Gießen gebracht werden.

]) Langsdorf, 17. April. Der Vorschuß- und Kreoitverein Langsdorf e. G. m. b. H. veröffentlicht soeben feinen Geschäftsbe­richt für das Jahr 1935, fein 64. Geschäfts­jahr. Aus diesem Bericht ist zu entnehmen, daß auch im vergangenen Geschäftsjahr 1935 sich wei­terhin eine langsame, aber jtetige Aufwärts­entwicklung auf allen Gebieten des wirtschaft­lichen Lebens sich bemerkbar macht, die sich wie­derum außerordentlich günstig und belebend auf die Kaffe ausgewirkt hat. Der Umsatz der Kasse ist gegenüber dem Vorjahr um ein Beträchtliches ge­stiegen. Die Zahlungsbereitschaft hat sich im Be­richtsjahr um fast 22 000 Mark erhöht, so daß die Kasse am 31. Dezember 1935 über 96 555,84 Mark flüssige Mittel verfügen konnte. Die Gesamtauslei­hungen betrugen am Ende des Geschäftsjahres 290 921,27 Mark. Die Spareinlagen und die Einla­gen in laufender Rechnung vermehrten sich um 45 956,26 Mark. Die Bilanz zeigt auf der Ver­mögensseite in den wichtigsten Posten folgende Zahlen: Bankguthaben 89 342,85 Mark (im Vorjahr 70 541,30 Mark), Kassenbestand einschließlich Post­scheckguthaben 7212,99 Mark (4156,14 Mark), For­derungen in laufender Rechnung 239 725,59 Mark (210 657,97 Mk.), Aufroertungshypotheken 36 218,63 Mark (38 261,69 Mark), diskontierte Wechsel und Schecks 3677,74 (6356,71 Mark), Wertpapiere, Be­teiligungen, Kaufschillinge 9376,50 Mark (10 742,50

einzige Kind meines geliebten Freundes Giovanni und feiner Gattin, Marianne von Ahlfried, sind ..."

Oh kannten Sie meine Mutter?"

Zu ersten Male in ihrem jungen Leben sah sich die kleine Tippgräfin wieder einem Menschen gegen­über, mit dem sie von ihrer Mutter sprechen konnte, seitdem der Vater sie verlassen. Ach, wie gut ent­sann sie sich noch der herrlichen Abende in dem weißen Märchenschloß von Palermo, an den Ufern des Mittelländischen Meeres, wenn sie von der Frühverklärten sprachen, die ihrer beiden teuerstes Gut gewesen.

Mit Annina hatte sie es auch versucht, denn sie dachte, daß Annina, von der ihr Vater auf der Reife nach Berlin in fo warmen, gütigen Worten feinem Töchterchen erzählt, auch ihre Mutter geliebt haben müsse. Doch als sie mit dem Feingefühl des Kindes merkte, daß Frau von Gellem in Marianne di Bonaglia eine Feindin sah. versuchte Mariella nie­mals wieder, mit ihrer Pflegemutter über die an­gebetete Tote zu sprechen.

Ich kannte auch Ihren Vater, armes Kind!" Die volle Stimme des Herzogs wurde weich. Und als er die blauen Märchenaugen sich mit Tränen füllen sah, sprang er auf, nahm Mariellas eiskalte Hände mit einem festen Druck:

Mut, Mut, Principessa! Ihr Vater ist nicht tot. Er lebt. So Gott will, wird er in kurzer Zeit bei Ihnen sein, um sein Kind zu umarmen."

25. Kapitel.

E i n Hühner st aat und seine Königin.

Ein goldener Septembertag legte seinen sanften Schleier über die Hügel und Wälder des Gebirges. Altweiberfommerfäden zogen durch die tiefblaue Lust. Tau glitzerte in den letzten Blumen. Ein Tag so recht zum Wandern und Frohfein. Ein Tag, der in sich noch die Süße des Sommers zu bergen scheint!

Ein hoch gewachsener, braun gebrannter junger Mann stieg langsam und gleichmäßig den gewunde­nen Waldweg hinauf, der zur Geyerburg empor führte. In tiefen Zügen atmete er den würzigen Duft des Waldes ein. Wie lange hatte er ihn ver­mißt! Es gab nichts, was dem deutschen Walde glich in feiner Größe, Verträumtheit und Schönheit. Die Pinienwälder Italiens, der in Ueppigteit wachsende Urwald fremder Erdteile alles verging vor die­sem Anblick hier. Die Tannen ragten ernst und tiefgrün in den blauen Septemberhimmel. Unter ihren breiten Aesten war der Waldboden grün von Moos und Farren. Kleine Eidechsen huschten über die sonnigen Steine. Käfer summten und spielten im Grase. Der Saum des Waldes war von hellen Birken besetzt, deren Laub sich schon leicht goldig färbte. Ein Vogel schwang sich von Wipfel zu Wipfel. Ab und zu hielt er inne, äugte zierlich zu dem einsamen Wanderer herunter und stieß einen süßen, trillernden Laut aus.

(Fortsetzung folgt!)