Nr.90 Dritter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)Zreitag, l7.April (936
Die gesamte Lugend soll erfaßt werden!
An unsere neuen Kameradinnen!
Heute ergeht noch einmal an alle zehn- und elfjährigen Mädel der Ruf, Mitglied in der Hitler- Jugend, also Jungmädel zu werden.
Bis zum 20. April 1936 wird unsere Sperre aufgehoben.
Ueberall in die Schulen kommen während dieser Zeit die Jungmädelführerinnen mit Probe-Aufnahmescheinen, die von euch und eueren Eltern auszufüllen und zu unterschreiben sind.
Weil wir nur die ganz ordentlichen Mädel haben wollen, muß jedes Mädel eine vierteljährige Probe
zeit durchmachen und kann dann erst richtiges Jungmädel werden. Freude und Freiwilligkeit, unbedingte Kameradschaft und Treue zu allen übernommenen Pflichten gehören unerläßlich zu diesem Jungmädel- Sein.
Wir wollen einmal so werden, wie uns der Führer haben will, und deshalb gehen wir durch die Schule der Nation in ihrer ersten Stufe der Jungmädelschaft der Hitler-Jugend.
Heil Hitler!
Erika D e s ch, Obergaujugendführerin.
Die Verpflichiungssvrmeln für 63. und Jungvolk.
Die Feiern zur Aufnahme der 10- und 11- jährigen in das Jungvolk und zur Ueberführung der 14jährigen in die Hitler-Jugend finden im ganzen Reich am Sonntag, 19. April, statt. Für beide Feiern sind durch die Reichsjugendführung besondere Verpflichtungsformeln festgesetzt.
Am Abend des 19. April spricht der Reichsjugendführer Baldur von Schirach von 19.30 bis 20.00 Uhr über alle deutschen Sender zur deutschen Elternschaft.
Ueber den Wortlaut der Verpflichtungsformeln und den Verlauf der Derpflichtungsfeierlichkeiten erfährt der „Reichs-Jugend-Pressedienst": Nach einer kurzen Feier mit Lied, Sprechchor und Fanfaren wird zuerst die Ueberführung der 14jährigen Jungvolkjungen und Jungmädel in die Hitler-Jugend bzw. in den BdM. vorgenommen. Der HJ.-Führer spricht dann das Gelöbnis vor:
„Kameraden, die ihr heute, zum Geburtstag unseres Führers Adolf Hitler, in die Hitler-Jugend eingegliedert werdet, ihr habt zu geloben:
Ich gelobe, dem Führer Adolf Hiller treu und selbstlos in der Hitler-Jugend zu dienen.
Ich gelobe, mich allezeit einzusehen für die
Einigkeit und Kameradschaft der deutschen Jugend.
Ich gelobe Gehorsam dem Reichsjugendführer und allen Führern der HI.
Ich gelobe bei unserer heiligen Fahne, daß ich immer versuchen will, ihrer würdig zu sein, so wahr mir Gott helfe!"
Jungvolk und Jungmädel sprechen jedes einzelne Gelöbnis nach, und der HJ.-Führer schließt mit den
Worten: „Somit übernehme ich euch als verantwortlicher Hitler-Jugend-Führer in die Reihen der Hitler-Jugend.
Es folgt die Aufnahme der neuenPimpfe in das Deutsche Jungvolk. Der Jungvolk-Führer spricht zu dieser Feier die Schwertworte des DJ.:
„Jungvolkjungen sind hart, schweigsam und treu, Jungvolkjungen sind Kameraden, der Jungvolkjungen Größtes ist die Ehre." Dann spricht er den Jungen das Gelöbnis vor, das lautet:
„Ihr, die ihr heute am Vortag des Geburtstages des Führers als neue Jugendgenossen in unsere Reihen kommt, spricht mir nach:
Ich verspreche, im Deutschen Jungvolk allzeit meine Pflicht zu tun in Liebe und Treue zum Führer und unserer Fahne, so wahr mir Gott helfe!"
Nach der Aufnahme der Pimpfe nimmt die Jungmädelführerin die Aufnahme der Jungmädel vor mit folgender Verpflichtungsformel:
„Jungmädel sein, heißt in selbstloser Kameradschaft stehen und selbstverständliche Zucht im Diensttun üben.
Ihr, die ihr heute am Vortag des Geburtstages des Führers als neue Jugendgenossen in unsere Reihen kommt, sprecht mir nach:
Ich verspreche, in der Deutschen Jungmädelschaft im BdM. allzeit meine Pflicht zu tun in Liebe und Treue zum Führer und zu unserer Fahne, so wahr mir Gott helfe!"
Der HJ.-Führer bringt im Anschluß an das Gelöbnis das Sieg-Heil auf Führer und Reich aus.
Aus Oer provinzialhauptstaOt.
Gesunde Pimpfe.
Von Dr. med. Max Zrhr. von Düngern. Zungbannarzt, Gießen.
Unsere Jugend — unsere Zukunft! Gesunde Pimpfe, gesunde Jugend — gesunde Männer! Sind sich die Führer im Jungvolk bewußt, welche Verantwortung sie in der Betreuung der Gesundheit unserer Jugend trogen? Aufgabe der Aerzte im I u n g b a n n ft d b ist es, die scharfen Bestimmungen der Reichsjugendführung über die Gesundheitsbetreuung, etwa z. B. über den Dienst im Winter: warme Kleidung, Vermeiden langen Stehens usw., durchzusetzen. Die Stammärzte Dr. Glahn,Hart- mann,'Dr. Kuhn, Dr Stals haben sich im vergangenen Winter, wie auch schon im Winter vorher, bemüht, in den jungen Führern durch ärztliche Vorträge Verständnis für das Gesundheitswesen zu wecken und höchstes Verantwortlichkeitsgefühl in ihnen zu festigen. Dr. Kuhn von der Medizinischen Klinik hat im Rahmen eines Schulungslagers den Jungvolkführern einen Feld- s ch e r k ü r s gehalten. An Schulungswochenenden haben wir das Wissen der Fähnlein- und Jungenschaftsführer immer wieder überprüft. Nach dieser Vorbereitung können wir an die Erfüllung einer wichtigen Forderung der Reichsjugendführung herantreten: „In Zukunft darf nur noch der DJ.-Führer bestätigt werden, der an einem Feldscherkurs teilgenommen hat". Darüber hinaus sind in mehreren Fähnlein alle Jungen, die aus Lust zur Sache sich freiwillig meldeten, in einem Kurs über „E r st e Hilfe" unterrichtet worden. Bei allen diesen Ausbildungen haben wir jedoch nicht nur Wert gelegt auf Kenntnis bestimmter rascher Hilfen bei allerlei Verletzungen, Unfällen und plötzlichen Erkrankungen: mindestens ebenso wichtig war uns, die Jungen an Aussprache mit einem Arzt zu gewöhnen, ihnen Gesundheitsfragen und ihre hohe Bedeutung klarzumachen, sie Vertrauen zum Arzt zu lehren. Ein Kranker gehört zum Arzt! Mancher Schaden wurde schon angerichtet, weil ein Junge seinen Schmerz mühsam verbarg aus Scham, ausgelacht zu werden, aus Furcht, nicht mehr mitmachen zu können. Diese falsche Scham ouszureden, den Jungen Vertrauen zum Arzt beizubringen und den Mut, ihn — und nicht zu spät! — aufzusuchen, das war vor allem unser Ziel in diesen Kursen.
Gewiß: abgehärtet sollen unsere Jungen sein, Kälte und Regen sollen ihnen nicht gleich etwas anhaben, körperliche Ertüchtigung, Leistungssteigerung soll alle zu echten, strammen Jungen machen. Doch wird es immer Jungen geben, die zu Erkältungskrankheiten neigen, oder die den Anforderungen nicht gewachsen sind. Hier müssen wir Aerzte auf die nötige Vorsicht dringen. Von allen Junqge- nossen, die durch bäufiae Erkrankunaen oder ae- ringere Leistung auffallen, soll der Jungbannarzt erfahren. Durch seine Untersuchung, oder nach Untersuchung durch den Hausarzt wird festgestellt, ob und wie lange der Junge vom Dienst zu beurlauben ist.
Wesentlich für die Gesundheitsbetreuung unserer Heranwachsenden Jugend ist die Bestimmung, daß vom Jahrgang 1926 an kein Junge mehr i n s Deutsch Jungvolk ausgenommen werden kann, der nicht vom Arzt dafür tauglich befunden wird. Wer Pimpf werden will, muß sich einer gründlichen, gewissenhaften Untersuchung stellen. Gemäß unserem Streben, ein Vertrauensverhältnis vom Jungen zum Arzt zu bilden, soll möglichst der gewohnte Hausarzt diese Untersuchung vornehmen. Nach ihrem Ergebnis wird ein Gesundheitsstammbuch angelegt und vom Amt für Volksgesundheit verwaltet und auch später, wenn der Junge in andere Gliederungen kommt, weitergeführt. So entsteht für die Zukunft eine Gesundheitskartei des deutschen Volkes, deren Wert erst spätere Geschlechter voll erkennen werden. Ist bei der Untersuchung eine Erkrankung des Jungen
Gchreiber Henschke.
Von Paul Richard Hensel.
Es war seit einiger Zeit in unserem Gefechtsabschnitt Ruhe eingetreten, eine unheimliche Ruhe, die die Nerven nicht zur Entspannung kommen ließ. Wir konnten nach den Strapazen der letzten Wochen kaum sagen, ob wir müde waren oder darauf brannten, zu einer Entscheidung zu gelangen. Die kümmerlichen Unterstände standen voll Wasser, und es war gut, daß der ewig graue Himmel und der anhaltende Nebel ein wenig ungezwungene Bewegung in den Gräben möglich machte. Aber dieser Nebel, die Stille, das Trichterfeld — das alles schuf auch manchmal Gedanken an Menschenferne und Unwirklichkeit — „wie am Endender Welt", sagte einmal unser Leutnant. —
Gott sei Dank klappte es mit der Poft und der Verpflegung. Jeden Morgen mußten die Telephonisten heraus, um die zum Stab führenden, in der Nacht zerschossenen Leitungen zu flicken. Es ergab sich ganz von selbst, daß wir dann jenseits des langen Steges, der über das Sumpfgelände führte, auf die Leute warteten, die uns unsere Tagesration brachten und bann, froh, aus dem Kessel herauszukommen, wieder umkehrten.
Seit einigen Tagen kam sogar Henschke, unser Batterieschreiber, selbst, um uns die Post auszuhändigen. Aber er erntete in der Batterie, als man davon erfuhr, wenig Anerkennung. Er war verträglich, gefällig, niemand konnte sich über ihn beklagen, aber im Grunde stand er für alle doch abseits, er gehörte nicht zu ihnen — Schreibstube, Etappe — man hatte nur ein geringschätziges Achselzucken dafür.
Unsere Hoffnung, für ein paar Wochen aus der Stellung zurückgezogen zu werden, erfüllte sich nicht. Gerüchte von einer zunehmenden Vorbereitungszeit des Feindes sickerten durch. Die vermehrte Fliegertätigkeit sagte uns genug. Wir mußten zufrieden fein, daß jeweils die Mannschaft eines Geschützes nach B., wo die Protzen standen, gehen durfte, um vor allen Dingen wieder die Montur inftandzufetzen. Schmutzig und verwildert kamen wir — ich war bei der ersten Gruppe — in dem halb zerschossenen Dorfe an, und Henschke, der uns ins Quartier führte, mußte manche hämische Bemerkung über seine „Etappentätigkeit" einstecken. Er tat mir beinahe leid, aber mit erstaunlicher Ruhe ging er über alles hinweg, zeigte uns die Küche und die Kantine und machte sich bann still wieder bavon.
Unser Quartier, im Erbgeschoß eines bachlosen Hauses, war nicht hervorragend, aber wir atmeten doch auf. Die Uniform herunter, waschen, einmal
festgestellt worden, so wird auf Behandlung durch den Hausarzt gedrungen. Die Aufnahme ins Jungvolk wird stets von voller körperlicher und geistiger Gesundheit abhängig gemacht.
Um Überanstrengung der Jungen von vornherein möglichst vermeiden zu können, wird nach den von der Reichsjugendführung herausgegebenen Richtlinien die Einteilung der Jungen in die unteren Einheiten ganz neu vorgenommen: innerhalb der Fähnlein werden jeweils die Gleichaltrigen in einer Jungenschaft zusammen eingeteilt. Der Dienstplan kann so an das Alter der Jungen angepaßt werden. Das war längst wünschenswert, da ein Zwölfjähriger andere Leistungsfähigkeit hat, als ein Zehnjähriger.
„Jugend führt Jugend" — wird nun jeder Jungvolkführer feine Aufgabe erfüllen bei der Aufsicht über die Gefundbeitsfübrung unserer Jungen? Liebe Eltern, hier könnt ihr uns Aerzte n helfen! Es ist zwecklos, nur einfach zu nörgeln, wenn einmal, trotz aller geschilderten Bemühungen um Einsicht und Verantwortungsgefühl bei den Jungen, durch Unvernunft ein Junge überanstrengt wurde, sich erkältete. Auf Umwegen kommt
wieder an einem Tisch sitzen und essen — das tat wohl. Dann wurden Zigaretten und Schokolade aus der Kantine geholt, die im Nebenhaus war. Abends klopfte es an unserer Tür, und mir sahen verwundert Henschke draußen stehen.
„Kommt doch rüber zu mir, ein Glas Bier trinken! Ich lade euch ein!"
Etwas verdutzt sahen wir uns an. Wußte denn unser Schreiber nicht, was die meisten über ihn dachten? War bas nun Großmut ober etwas wie schlechtes Gewissen? Aber schließlich, uns sollte der Vorschlag schon recht sein. Schreibstuben pflegen nicht in schlechten Häusern untergebracht zu sein. Mir wunderten uns bann nur, baß ss-nschke uns in einen Kellerraum führte, ber allerdings behaglich eingerichtet mar. , W-wen hör Tch-nor" meinte er nur kurz. „Mein Gott, habt ihr Angst!" sagte ber lange Schulze, aber Henschke schüttelte ben Kopf. „Nichts als Vorsicht!" Unb legte ein Kartenspiel auf ben Tisch Oho, er hatte doch nam gute Einfälle, und bei Bier und Zigarren saßen wir bald so vertieft in unser Spiel, daß wir nicht auf die Zeit achteten. Und als nach ein paar Stunden Lerche, unser Sanitäter, von Müdesein sprach, hielt ihn Henschke eifrig zurück. Dabei schien er angestrengt binauszuborchen. „Nein, nein, bleibt lieber hier!" sagte er. Und bann auf einmal —
Wir hatten Maschinengewehrfeuer über uns ergehen lassen, wir kannten bas H"ulen von Granaten, bie bumpfen Abschüsse von Minen, wir hatten, glaubten wir, bas Zittern verlernt — aber bieses nervenzerreißende Geräusch, wie wenn ein riesiger Bohrer sich wahnwitzig in Metall gräbt, vom Singen zum erschreckenben Heulen anwachsenb, um in einer bumpfen Detonation zu enben — Hergott, bas fuhr uns in bie Glieder. Betreten sahen wir uns an. „Die Flieger!" sagte Henschke nur. In diesem Augenblick hörten wir das Sausen ber zweiten Bombe — sekunbenlang fühlten wir bas Unheimliche, Wehrlose — bann klirrten bie Fenster vom Lultbruck ber nahen Explosion, bas Licht ging aus. Unb in ber Stille, bie bann folgte, vernahmen wir deutlich bas Surren ber feinblichen Flieger. „Jede Nacht kommen sie", sagte Henschke mit spröder Stimme, „unb man muß stillhalten, bis es einen trifft". Unb wie er so vor uns ftanb, gefaßt unb ernst vor ben Ahnungslosen unb überraschten, war er für uns gar nicht mehr ber Mann aus ber Schreibstube, sondern einer wie wir, ber bem Tob ins Auge sah.
Als es still in ber Luft geworben war, gingen mir in unser Quartier zurück. Hier unb bort huschten Gestalten vorbei, bie Füße stolperten über Scherben unb Steine. Eine ber Fliegerbomben mar auf bem Pflaster der Gasse aufgeschlagen und hatte Fenster unb Türen unseres Quartiers eingedrückt.
bie Klage zmar uns Aerzten zu Ohren, aber unbe» stimmt, aufgebauscht, entstellt — bamit ist nichts anzufangen. Gebt eure Ansicht sofort an uns ro e i t e r ! Nur so läßt sich rasch burchgreifenbe Besserung erzielen. Die Aerzte im Jungbannstab haben heute neben helfenber, in Gesunbheitsfragen beratender Stellung auch roeite Vollmacht zu berechtigtem Einspruch. Ein Beispiel: in Zukunft sollen Pimpfe, bie auf längere Fahrt gehen motten, genau ihren Fahrtenplan aufftetten (Fahrten „Ins Blaue", gar etma über mehrere Tage zum verständlichen Schrecken der Eltern, roirb es nicht mehr geben!). Dieser Plan roirb bem Jungbannarzt vor- gelegt. Er wägt Alter ber Jungen unb geforberte Marschleistung ab unb unterschreibt ihn — ober auch nicht! Den unterschriebenen Reiseplan haben bie Jungen auf bie Fahrt mitzunehmen, er muß jedem Arzt der NSV. auf Verlangen zur Kontrolle vorgeroiesen werden — wehe dem Führer, der ihn nicht eingehalten, ihn überschritten hat!
Uns Aerzten ist enge Zusammenarbeit mit ben Jungvolkführern einerseits unb mit ben Eltern unb bem Amt rür Volksgesunbheit anberseits zur Pflicht gemacht. Wir können aber nicht hinter iebem Führer herlaufen, an jeber Fahrt teilnehmen; wir find auf Stichproben (bie berühmten Zahnbürsten-
Wir sahen uns an und verstanden uns. „Zehn Schritt weiter, und mir wären jetzt Brei...!" Jede Nacht kommen sie, hatte der Henschke gesagt — darum also hatte er uns in den Keller gerufen — Geschlafen haben wir nicht mehr viel bis zum Morgen. Denn immerfort quälte uns der Gedanke: Mas hilft es, wenn mir da üprn einen Schutzwall bilden, und die, bie sich geborgen fühlen, find vor bem Tobe nicht sicherer als wir...?
In einer jener Nächte ber Hölle, in ber Angriff unb Gegenangriff zusammenprallten und Artillerie und Flieger den Tod auch weit hinter bie vorberen Linien trugen, warf ein feindliches Geschwader Brandbomben auf das Dorf B., in dem bereit- gestellte Reserven vermutet wurden. Nur mit größter Mühe gelang es. ben Regimentsstab unb bie Batteriepferde in Sicherheit zu bringen. Den Schreiber Henschke aber fanb man später unter ben Trümmern ber von einer Bombe zerfetzten Schreibstube; er hatte den Fernsprechbörer noch in der Hand, mit bem er. allein zurückgeblieben, bie Verbinbung zwischen Stab unb Batterie in biefer entscheibenben Nacht aufrecht erhalten hatte.
Zeitschriften
— Das Aprilheft ber „Z e i t w e n d e" (Wichern- Verlag, Berlin-Spanbau) ist fast ganz ber Betrachtung des Verhältnisses von „Kirche unb Volkstum" im Spiegel auslandsdeutschen Ringens gewid- met. Die grundsätzliche Problematik bieses Verhältnisses beleuchtet Dr. Hans Beyer (Danzig) an einigen charakteristischen Erscheinungen bes Außen- deutschtums. Bischof D. Theobor Heckel, ber Leiter bes Kirchlichen Außenamtes, spricht über bie Aus- bilbung unserer Geistlichen für ben Auslanbsbienst unb gibt uns bamit einen sachkunbigen Einblick in besser, mannigfache Aufgaben unb Schwierigkeiten („Gesamtkirchliche Verantwortung unb theologisches Studium"). Eine lebendige Veranschaulichung biefer allgemeineren Betrachtungen ist ber Beitrag von Pfarrer Gerharb May (Cilli) über „Evangelischer Glaube unb Volkstum in Slowenien". Er erinnert baran, baß ben heute roieber völlig katholischen Slowenen erst bie vom deutschen Abel eingeführte Reformation bie eigene Schriftsprache schuf unb sie so zum Volke formte, baß sich also auch an ihnen „bie bem Luthertum innewohnenbe Energie zur Dolkwerdung" (Elert) bewährte. Ebenso anschaulich ist der Bericht van Johannes Raspe, ehemals deutschem Pfarrer in Brasilien, über bie roerbenbe deutsche Volkskirche in biesem Lanbe, bie größte deutsche Kirche in Ueberfee, bie eng mit ber Heimat- kirche oerbunben ist unb im Mai bieses Jahres ihr 50jähriges Bestehen feiern barf. Um so nieder- schmetternder wirken neben diesem Bild blühenden
Heist dem Erholungswerk Oes Oeutschen Volkes!
Ein Aufruf des Landesbauernführers.
Die Kämpfer der nationalsozialistischen Bewegung schaffen in unermüdlicher Arbeit Tag für Tag im Dienste des Führers und des Deutschen Volkes ihr schweres anstrengendes Werk. Rücksichtslos stellen sie ihre Gesundheit und ihr ganzes persönliches Leben gegenüber diesen Aufgaben zurück. Es ist eine Ehrenpflicht für das hessen-nassauische Bauerntum, diesen Männern in der A d o l f - h i t- ler-Freiptah-Spende eine Erholung auf dem Lande zu gewähren; denn ihre Treue muh mit gleicher Treue vergolten werden.
Auch für die Kindertandoerschickung, jenem großen hilfsroerk der nationalsozialistischen Volkswohlfahrt für hilfsbedürftige Kinder, werden unsere Dörfer offenstehen. Gerade unser Bauerntum weih, dah nur bei einer gesunden und an Leib und Seele kräftigen Iugend ein Volk selbst jung und stark bleiben kann.
Dr. Wagner, Landesbauernführer.
Paraden im Lager!) angewiesen. Wohl aber können bie Eltern, wenn ihre Jungen Heimkommen unb erzählen, sich ein Urteil hüben unb uns auf Mängel Hinweisen. Mit ben Führern im Jungvolk unb mit bem Amt für Volksgesunbheit stehen wir in ftänbiger Verbinbung, bagegen ist uns ber Schritt zum Herzen ber Eltern noch nicht ganz gelungen. Mögen biese Zeilen bazu beitragen, bas Vertrauen zu solcher Zusammenarbeit zu festigen auf bem Wege zum gemeinsamen Ziel: Gesunbe Pimpfe!
Jungvolk im Dienst.
Stamm I Chatten: Samstag, 18. April, Stammappell auf dem Trieb.
Fähnlein 15, Schill: Fähnleindienst in Bettenhausen. Anmarsch der Jungzüge bis 9 Uhr. Sonntag, 19. April, 9 Uhr: Antreten an ber Schule in Bettenhausen.
Fähnlein 18, Heinrich ber Löwe: Samstag, 18. April, 8 Uhr, Jungzugdienst. Sonntag, 19. April, 15 Uhr: Fähnleinbienst. Verpflichtung ber Neulinge, Überweisung in die HI.
Dornoti,en.
Tageskalender für Freilag.
NSG. „Kraft durch Freude": 20.30 bis 21.45 Uhr allgemeine Körperschule im Lyzeum; 20.30 bis 21.30 und 21.30 bis 22.15 Uhr Schwimmen im Volksbad; 20 bis 21 Uhr Reiten, Reitschule Schömbs. — Stadttheater: 20 bis 22.30 Uhr „Towarisch". — Gloria- Palast, Seltersweg: „Heißes Blut". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Donau-Melodien".
Sladllhealer Gießen.
Heute von 20 bis 22.30 Uhr Erstaufführung von „Towarisch", Komödie von Jacques Deval, bearbeitet von Curt Goetz. Curt Goetz ist in der deutschen Theaterwelt eine außergewöhnliche Erscheinung: Als Bühnenautor des geistreichen Konversationsstückes steht er mit an allererster Stelle. Sein neuestes Werk „Towarisch" ist wiederum ein echter Goetz. „Towarisch" erlebte mit großem Erfolg seine deutsche Uraufführung im Dezember 1934 und begann sofort seinen Siegeszug über viele in- und ausländische Bühnen, der sich bis heute fortsetzt. Die Spielleitung liegt in ben Hän- ben von Wolfgang Kühne. Mitwirkenbe: Damen: Birkmann, Decker, Henckell, Markgraf, Schubert- Jüngling, Stirl; Herren: Frickhoeffer, Geiger, Hub, Mosbacher, Rosenthal, Schorn, von Spallart, Volck. 26. Vorstellung im Freitag-Abonnement.
Lebens bie Zeugnisse vom Tobesweg ber beutschen evangelischen (Bemeinben im bolschewistischen Ruß- lanb, bie uhs ein ungenannter Pfarrer mitteilt. Das Problem Kirche unb Staat hat hier eine furchtbare, dämonische „Lösung" gefunben. Dr. Herbert Krimm (Wien) weist nachbrücklich barauf hin, baß heute gerabe bas Auslanbsbeutschtum burch seine bcfonbere Situation bazu aufgerufen ist, uns zu einer tieferen Besinnung über bas Verhältnis von „Volk, Staat unb christlichem Glauben" zu führen.
— Im Aprilheft ber Monatsschrift „Volk unb Rasse" (Verlag I. F. Lehmann, München 2 SW) werben u. a. bie „Olympischen Winterspiele 1936 in Garmisch-Partenkirchen" vom Rassestanbpunkt aus betrachtet; viele Silber von Olympia-Sportlern begleiten bie Ausführungen. Ueber bie „Standes- h<’rPuntt berühmter M^nn-m" gibt ein Beitrag F. Keitey? interessante Aufschlüsse. — Die Frage bes angeborenen Schwachsinns, bie burch bas Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses befonbere Bedeutung bekommen hat, roirb von Dr. med. Wilhelm Lange grünblich behanbelt. — Sehr beleh- renb ist auch der Bericht über „Zentralafrikanische Pygmäen" von H. Lichtenecker. — Aus den „Kleinen Beiträgen" verbient bie Arbeit Dr. Schott- kys „Zur Genealogie psychopathischer Schwindler unb Lügner" hervorgehoben zu werben. Die Spalten „Aus Rassenhygiene unb Bevölkerungspolitik" unb „Ein Blick hinüber" zeichnen sich burch vielseitige unb interessante Mitteilungen aus.
— „Luft überminbet Zeit unb Raum" heißt ber erste Aufsatz einer neuen" fesselnden Artikelreihe „Weltpolitik im Luftraum", bie in ber „S i r e n e", ber großen illustrierten Luftschutz-Zeitschrift, beginnt. Hier roirb die Bedeutung des Flugzeugs für die Erschließung bisher unzugänglicher Landesteile (z. B. in Brasilien, Kanada, in Sowjetrußland) gezeigt. Das neue Heft enthält viele interessante Bilder.
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Auf Vorschlag des Hygienischen Instituts der Universität München wurde der diesjährige Max- von-Pettenkofer-Preis in Höhe von 500 Mark dem Professor Dr. Paul Schmidtam Hygienischen Institut der Universität Halle zuerkannt. Professor Schmidt ist durch seine Arbeiten auf dem Gebiete der Gewerbehygiene und durch feine Lehre von der Klimaeinwirkung auf die menschliche Gesundheit bekannt geworden.
Professor Dr. Emil Everling , ao. Professor für Luftfahrt und technische Mechanik an der Technischen Hochschule Berlin, ist zum ordentlichen Professor daselbst ernannt worden.


